Andique
hallo,
ich bin neu auf Philo-Welt, aber doch schon etwas bewandert in der Philowelt.
Ich möchte meine zwei Fundamentalsätze der Existenz reinstellen und zur Diskussion freigeben:
erster Fundamentalsatz der Existenz:
das Nichts existiert nicht, denn wenn es existieren würde hätte es zumindestens die Quantität Existenz, wäre also nicht Nichts.
zweiter Fundamentalsatz der Existenz:
Alles was existiert ist unvollkommen. Vollkommenheit kann es nur in einer Ebene der Wirklichkeit geben, die vollständig absolut definiert, axiomiert ist. Denn in einer absoluten Wirklichkeit kann es keine Teilexistenzen ([z.B.] Gegenstände) geben im Gegensatz zu einer relativ definierten, axiomierten Ebene der Wirklichkeit. In einer relativen Ebene sind alle Gegenstände ständigen Veränderungen ( quantitativ und qualitativ) unterworfen, während in einer absoluten Ebene vollkommener, unterschiedsloser Stillstand ist. Archetypen des Seins = Invarianten des "System Universum". Nur solche sind vollkommen.
Anmerkung: ich bin mir des scheinbaren Widerspruchs bewusst "Nur solche sind vollkommen" <-> "Alles was existiert ist unvollkommen".
Dieser "Widerspruch" entsteht, da ich die absolute Ebene "zurücktransformiert" habe in eine relative Ebene und ich diese daher auch in Korrelation zu den Gegenständen betrachte, eigentlich nur so betrachten kann. Ich kann nicht etwas betrachten, was (noch) nicht existiert. Daher muss der Fundamentalsatz auch nicht fallen.
Hinweise:
in der Mathematik, speziell in der Metamathematik gibt es:-den Gödelschen Unvollständigkeitssatz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Gödel bei den Transfiniten Zahlen: das absolut unendliche ©, das dadurch gekennzeichnet ist, das jede Aussage über dies nur zu einem ©' führt.irgendwo bei Wikipedia; kann es gerade nicht finden. Ausserdem noch die ontologische Differenz bei Heidegger:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ontologische_Differenz
Danke
Maxim
Hi, ich versuchs grad noch zu verstehen. Kann man, teilweise, nach dieser These sagen:
"Das Existente ist unvollkommen, weil es sich verändert."?
"Es gibt zwei Arten des Existenten: 1.Das Unvollkommene,
2. Die Archetypen."?
Andique
hi,
du stellst zwei interessante Fragen. Deine erste kann ich auf die Schnelle wahrscheinlich nicht umfassend beantworten. Die Umkehrung wirft einen besseren Blick auf deine Frage:
Das Existierende verändert sich, weil es unvollkommen ist. Tatsächlich orientiert sich das Unvollkommene an der Ebene des Absoluten, Vollkommenen, die es in der Wirklichkeit des Universums (noch) nicht gibt. Ich nenne das das "Attraktorprinzip". Das ist das, was ich mit Invarianten des "System Universum" = Archetypen des Seins meine. Das Variable, Veränderliche steht in einem kausalen Verhältnis zu dem Invarianten. z.B. alle instabilen Systeme werden sich solange bewegen, bis sie Stabilität erlangen. Dann sind sie invariant.
Aus Gödels Unvollständigkeitssatz ergibt sich, dass auch mathematische Systeme, also Systeme, die sich nicht bewegen, unvollständig = unvollkommen sind.
Deine zweite Fragen ist klar zu verneinen, denn es gibt nur Existenz, keine zwei Arten davon. Die Ebene des Absoluten existiert (noch) nicht. Eine Beschreibung derselben ist nur möglich, wenn ich sie in die Ebene des Relativen zurücktransformiere. Ich kann nicht etwas beschreiben, was (noch) nicht existiert. Als Bild kannst du dir die imaginären Zahlen in der Mathematik vorstellen. Schau dir Heideggers ontologische Differenz an: "Jede Untersuchung des Seins fürt nur zu Seiendem."
Anmerkung: Der Begriff "Existierendes" ist besser als der Begriff "Gegenstände" in meiner Definition.
pnovell
Hallo,
meine Einstellung zu deinen Fundamentalsätzen ist folgende:
Erster Fundamentalsatz der Existenz:
Das Nichts als "Nichtentität" existiert, denn ohne Nichts auch kein Sein.
Es ist nur ein Symbol für etwas das nicht beschrieben werden kann, weil es logischerweise nicht existiert.
Mit "Quantität Existenz" wird natürlich wie so oft, dem Symbol "Nichts" die Existenz zugeordnet und fälschlicherweise behauptet sie stehe für das Ding für welches das Symbol selbst steht, aber es gibt da eben kein Ding hinter dem Symbol weil es doch Nichts ist.
Zweiter Fundamentalsatz der Existenz:
Alles beinhaltet alles und muß deshalb vollkommen sein.
Also wenn die Vollkommenheit keine zumindest Teilunvollkommenheit enthalten würde, wäre sie nicht vollkommen.
Gruß
Andique
also deinem zweiten Teil stimme ich mit Vorbehalt zu: du sagst ja: "alles ist vollkommen".
Allerdings sage ich in meinem zweiten Fundamentalsatz: alles, was existiert (!!), ist unvollkommen. Aber prinzipiell gebe ich dir recht.
Erster Teil: da ist schon in deinen ersten Worten ein Widerspruch: Das Nichts existiert, ...
dann: ..., denn ohne Nichts auch kein Sein. Das solltest du näher begründen! Ich behaupte, dass ohne Nichts überhaupt erst ein Sein möglich ist.
Bedenke auch, dass die Nichtexistenz des Nichts etwas völlig anderes ist, als die (noch) Nichtexistenz des Absoluten.
Leider lässt sich so ein umfangreiches Thema hier auf die Schnelle nicht umfassend genug erörtern.
Gruss zurück
pnovell
hab das korrigiert, vielleicht wird so verständlicher.
Es ist kein Widerspruch denn der Widerspruch den du meinst ensteht schon durch das bloße sprechen darüber, über das Nichts und deshalb wirkt es etwas verwirrend.
Es ist eben unaussprechlich und unbeschreibbar.
pnovell
| Zitat: |
| Ich behaupte, dass ohne Nichts überhaupt erst ein Sein möglich ist. |
Aber siehst du, selbst hier in diesem satz machst du die Abhängigkeit von Sein und Nichts deutlich.
| Zitat: |
| Bedenke auch, dass die Nichtexistenz des Nichts etwas völlig anderes ist, als die (noch) Nichtexistenz des Absoluten. |
Und warum? Was gibt es denn noch außer des Absoluten?
Die Nichtexistenz des Nichts ist doch das Nichts, es kann doch kein existierendes Nichts geben.
Daraus wird auch wieder deutlich daß jede Art der Zuweisung zum "Nichts" u.a. auch das Wort "Nichts" selbst, eine Art semiotischen Widerspruch hervorzaubert.
Deshalb ist auch die von mir verwendete Nichtentität nur symbolhaft und nicht treffend bzw. als das Wort selbst substanziell, weil es eben kein treffendes etwas von Nichts geben kann etc...
Telltale
| Zitat: |
Original von Andique
erster Fundamentalsatz der Existenz:
das Nichts existiert nicht, denn wenn es existieren würde hätte es zumindestens die Quantität Existenz, wäre also nicht Nichts. |
Richtig. Mit der Einschränkung, dass "Nichts" als Begriff an die Existenz etwas Seienden gebunden ist und somit in die Begrifflichkeit des Seienden gehört, also dessen Abstraktion des Seins entspringt.
(Nebenbei bemerkt: Ich nehme an, der Begriff "Nichtsein" ist durch die existentielle Notwendigkeit des Vergleichs für den Menschen entstanden und seine Darstellung als einfache Negation von Sein entspringt der vollkommenen Unauffindbarkeit eines dem Sein entgegenzusetzenden Etwas.
Wir sagen z.B. ja nicht "Nichttag" sondern "Nacht". Etwas derartiges ist für das Sein natürlich undenkbar.)
Bevor ich zum 2. Fundamentalsatz Stellung nehmen kann, muß ich noch eine Frage stellen, die aus dem 1. resultiert:
Da Du festgestellt hast, dass Nichts nicht exisitiert, muß Sein demnach das Einzige sein, dem Existenz zukommt. Wenn dem so ist, muß Sein doch aber jeglicher Möglichkeit der Veränderung, Entwicklung oder Bewegung enthoben sein, denn es könnte sich ja zu nichts verändern und entwickeln, was es nicht schon ist und nirgendwo hin bewegen, wo es nicht schon ist.
Nun könnte man diese Schwierigkeit vielleicht mit der Aufteilung des Seins in Sein und Seiendes umgehen (ontologische Differenz), doch ergibt sich daraus die weitere Schwierigkeit, dass dann zur Unterscheidung des einzelnen Seienden auf jeden Fall etwas anderes als Seiendes vonnöten wäre, was jedoch, folge ich dem 1. Fundamentalsatz, ausgeschlossen ist.
Hast Du einen Vorschlag, wie diese Schwierigkeit zu lösen ist?
Gruß
Telltale
Maxim
"Alle instabilen Systeme, werden sich solange bewegen, bis sie Stabilität erlangen."
Ist diese Erkenntnis unvollkommen, variabel oder vollkommen, invariant?
Mit Heidegger gesagt bedeutet es, das man den Wahrheitsgehalt von etwas zwar bestimmen kann, aber nicht was Wahrheit an sich ist, da ihre, unwillkürlich noch nicht bewiesene Annahme, erst eine Vorausetzung ist, um die Frage stellen zu können?
Wie ist in diesem Sinne "wahr" und "Wahrheit" zu verstehen?
Ist es notwendig für die Eigenschaft, das Adjektiv "wahr", das passende Substantiv zu kennen? Wo ist der Unterschied zwischen "wie ist etwas" und "was ist etwas"? Bei schön, schnell usw., macht es, für mich erstmal pauschal keinen Sinn, ich weiß nicht, was das Gefallen ist, trotzdem gefällt mir etwas.
Wahrheit könnte man vielleicht als Sein in Hypothesen annehmen.
Wahrheit müßte doch Stabilität, abgeschlossene Bewegung, sein?
Obwohl, eine Frage, ist ja auch abgeschlossen gerade dadurch, das sie eine Nicht-Abgeschlossenheit darstellt.
Ist eine Frage an sich vollkommen oder unvollkommen?
Andique
An Pnovell
"ich behaupte, dass ohne Nichts überhaupt erst ein Sein möglich ist"
war ein plakativer Zusatz von mir, um dich aufzufordern deine Behauptung "....denn ohne Nichts kein Sein" zu beweisen. Möglicherweise zu plakativ und ich habe mir selbst ein Bein gestellt; jedenfalls muss ich über diese Aussage noch reflektieren, es kann allerdings sein, dass sie stimmt. Ich dachte, dass käme mit "ich behaupte..." klar raus.
Du machst einen Denkfehler, wenn du eine Sache polarisiert, dualisierst,indem du ein "nicht" davorsetzt, hat dieser Gegenpol noch lange keine eigenständige, qualitative Dimension.
Nichtexistenz hat keine eigenständige, qualitative Dimension gegenüber Existenz.
Beispiel: Dunkelheit hat keine eigenständige, qualitative Dimension. Dunkelheit ist nur Abwesenheit von Licht, kein notwendiger(!) Gegenpol zu Licht. Die Lichtstärke wird in Lux gemessen. Wie misst du Dunkelheit?
Daher ist die Aussage: Das Nichts als "Nichtentität" existiert, dieselbe Aussage wie Das Nichts existiert und das ist ein Widerspruch in sich.
Andique
[quote]
Original von Telltale
Bevor ich zum 2. Fundamentalsatz Stellung nehmen kann, muß ich noch eine Frage stellen, die aus dem 1. resultiert:
Da Du festgestellt hast, dass Nichts nicht exisitiert, muß Sein demnach das Einzige sein, dem Existenz zukommt. Wenn dem so ist, muß Sein doch aber jeglicher Möglichkeit der Veränderung, Entwicklung oder Bewegung enthoben sein, denn es könnte sich ja zu nichts verändern und entwickeln, was es nicht schon ist und nirgendwo hin bewegen, wo es nicht schon ist.
Weil das Nichts nicht existiert,
also muss Sein das Einzige sein, dem Existenz zukommt.
Diese kausale Kondition greift hier überhaupt nicht. Du kannst nicht von etwas Nichtexistentem auf das Sein schliessen. Das Sein ist ein absoluter Begriff, "Sein an sich", gehört also zu der absoluten Ebene im Gegensatz zu der "Summe des Seienden", die zur relativen Ebene gehört. Und in der absoluten Ebene ist vollkommener, unterschiedsloser Stillstand, insofern hast du recht. Mein Bewusstsein befindet sich auf der Mikroebene "Summe des Seienden" und betrachtet das Existierende in seiner relativen Existenz. Ein Wechsel auf die Makroebene kann mein Bewusstsein nicht machen, da es sonst auf die absolute Ebene müsste. Ich kann nicht etwas betrachten, was (noch) nicht existiert.
Diese Emergenz ist der Unterschied zwischen "Summe des Seienden" und "Sein".
http://de.wikipedia.org/wiki/Emergenz
Ich bin kein geschulter Philosoph, daher sind manche Formulierungen vielleicht etwas unglücklich. Ich bitte das zu entschuldigen. Ich denke aber, dass ich verständlich bin.
Partygänger
das sein ist doch nicht unvollkommen !
vollkommenes werden des ganzen - seins
in permanenter vollkommener veränderung in ewig statischer mutation , im imaginären raum- zeit- gefühl des menschen -bin- !
was soll daran jetzt unvollkommen sein andique?
wie soll das sein als immerwährendes seiendes-SEIN

unteilbar sein wenn alles-Sein stets ist und wird als seiendes- Sein!!!! -bin-
Reinhard
Hallo P.G., völlig richtig, der Sinn dieses ganzen Hokuspokus vom Sein und vom Nichts und der Interpretation des Seins und dem Nichten des Nichts, sind eben nichts anderes als ontologische Spekulationen und sollten auch als solche bezeichnet werden. Wohin sollte sich denn etwas entwickeln, wenn es schon vollkommen wäre? Alles in Allem ist sicher vollkommen, aber wir können eben nur das Unvollkommene erkennen, weil wir selber immer unvollkommen sind und jeder für sich ist nun mal nur da, weil er sich mehr oder weniger zu sich oder von sich weg entwickelt. Es macht eben überhaupt keinen Sinn, nach dem Sinn von Sein zu fragen, wenn das Seiende die Bedingung ist, an die immer alles geknüpft bleiben muss. Leere Begriffe, die jede Beziehung zur Anschaulichkeit verloren haben, kann man gegeneinander halten so lange man will, es kommt nie etwas Erkennbares bei raus. Alles nur Phantasie, die sich im Seienden bedient. Und hätten wir nicht durch die Scholastik und die sog. Aufklärung, Pole entwickelt, die entscheidend für den jeweiligen Zeitgeist waren und sind, dann wäre auch der Existenzialismus, als neue Form des Aberglaubens nicht entstanden.
Im Übrigen geht er ja doch wohl auf den theologischen Schriftsteller Kierkegaard zurück, dem man den philosophischen Unterbau für seine theologischen Gedanken und Hoffnungen entzogen hat. Gott ist vollkommen, wir Menschen nicht. Ist das denn so neu?
Frdl. Gr.
R.S.
Telltale
| Zitat: |
Original von Andique
Diese kausale Kondition greift hier überhaupt nicht. Du kannst nicht von etwas Nichtexistentem auf das Sein schliessen. |
Da wäre ich vorsichtig. Denn da es kein Nichtsein gibt, bin ich gezwungen, diesen Begriff selbst zu erschaffen, wenn ich ihn in Relation zu meinem Begriff vom Sein setzen will.
Es ist also Seiendes, dass hier "Sein" aus der Nichtexistenz von "Nichts" folgert.
Abgesehen davon war ja auch durch den FS bereits geklärt, dass es kein Nichts als Widerpart zum Sein geben kann.
Was ich anführte war der Weg, wie diese Tatsache in unser Bewußstein gelangt und welche Konsequenzen sich für das SEIN ergeben, wenn es ohne Antipoden dasteht. (Soweit zur Klärung)
Was nun Mikro- und Makro- sowie relative und absolute Ebene betrifft, so verstehe ich Dich hoffentlich FALSCH, wenn ich vermute, dass dies auf einen Kantschen Ansatz der Trennung des Seienden in "Ding an sich" und "Dinge für uns" hinausläuft. Und ich sage auch gleich warum:
Eine solche Trennung muß notwendig abstrakt sein (ebenso wie die Erschaffung des Begriffs "Nichts"), denn unsere Anschauung der Natur kann in diese Natur Grenzen konstruieren, nicht die Natur selbst.
(Ein einfaches Beispiel: Es gibt eine Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Doch ohne Deutsche und Franzosen entfiele nicht nur diese Grenze sondern auch Deutschland und Frankreich würden wieder das, was sie mal waren - ein paar Quadratmeter Dreck, mit Flüssen, Bergen und Wäldern darauf und natürlich voller trappsender Nachtigallen.

)
Desweiteren führst Du den Gödelsatz als mathematisches Beispiel in dieses Fundamentalsatzsystem ein, was ich eigentlich ziemlich gut finde, weil der ständig zu hörende Hinweis darauf, dass es sich dabei um formale Systeme handelt, philosophisch nicht greift und greifen kann, da ja auch formale Systeme auf der Abstraktion von Seiendem beruhen und somit selbst Seiendes sind (Was sollten sie auch sonst sein?)
Gruß
Telltale
Partygänger
zitat reinhard schauer:
alles in allem ist sicher vollkommen,aber wir können eben nur das unvollkommene erkennen .....
.....wenn man das erkennt ist man schon auf dem richtigen weg zur vollkommenheit !!!
beste grüsse dein P.G
Andique
| Zitat: |
Original von Reinhard Schauer
Hallo P.G., völlig richtig, der Sinn dieses ganzen Hokuspokus vom Sein und vom Nichts und der Interpretation des Seins und dem Nichten des Nichts, sind eben nichts anderes als ontologische Spekulationen und sollten auch als solche bezeichnet werden. Wohin sollte sich denn etwas entwickeln, wenn es schon vollkommen wäre? Alles in Allem ist sicher vollkommen, aber wir können eben nur das Unvollkommene erkennen, weil wir selber immer unvollkommen sind und jeder für sich ist nun mal nur da, weil er sich mehr oder weniger zu sich oder von sich weg entwickelt. Es macht eben überhaupt keinen Sinn, nach dem Sinn von Sein zu fragen, wenn das Seiende die Bedingung ist, an die immer alles geknüpft bleiben muss. Leere Begriffe, die jede Beziehung zur Anschaulichkeit verloren haben, kann man gegeneinander halten so lange man will, es kommt nie etwas Erkennbares bei raus. Alles nur Phantasie, die sich im Seienden bedient. Und hätten wir nicht durch die Scholastik und die sog. Aufklärung, Pole entwickelt, die entscheidend für den jeweiligen Zeitgeist waren und sind, dann wäre auch der Existenzialismus, als neue Form des Aberglaubens nicht entstanden.
Im Übrigen geht er ja doch wohl auf den theologischen Schriftsteller Kierkegaard zurück, dem man den philosophischen Unterbau für seine theologischen Gedanken und Hoffnungen entzogen hat. Gott ist vollkommen, wir Menschen nicht. Ist das denn so neu?
Frdl. Gr.
R.S. |
Es gibt sie wohl überall: Nihilisten, die grundsätzlich alles auf ihre oberflächliche Ebene ziehen müssen, was andere erkennen wollen. Sie waren dabei, als das Rad erfunden wurde und sagten: warum das? Wo ist der Sinn? Sie waren auch in der Antike schon vertreten: wozu das? Wo ist der Sinn? in jeder Zeit.
Ich meine das nicht böse, aber vielleicht solltet ihr dann das Philosophieren sein lassen und euch pragmatischeren Dingen zuwenden.
Mit keinem Wort habe ich vom Sinn des Seins oder von Gott gesprochen.
Es gibt viel zu wenig Menschen, die sich über ihr Dasein Gedanken machen. Wollt ihr den wenigen auch noch sagen hört auf, es hat doch keinen Sinn.
Als denkender Mensch bin ich verpflichtet zumindestens meine Existenz weiterzudenken.
Mit metaphysischen Erkenntnissen eine Brücke zu schlagen von meiner vergänglichen in eine unvergängliche Existenz. Und dieses dann anderen mitzuteilen, ihnen zu helfen Ihr Dasein in einem helleren Licht zu sehen.
Ich halte mich an Archimedes, der sagte: gebt mir einen Punkt und ich kann die Welt aus den Angeln heben. So kann ich jetzt auch die Welt "philosophisch aus den Angeln heben".
Übrigens habe ich Kierkegaard nicht gelesen. Sollte ich vielleicht jetzt mal tun.
miguel
| Zitat: |
erster Fundamentalsatz der Existenz:
das Nichts existiert nicht, denn wenn es existieren würde hätte es zumindestens die Quantität Existenz, wäre also nicht Nichts. |
Das ist nur wahr, wenn Quantität eine von erkennenden Subjekten unabhängige Realität wäre. Bewiesen ist das aber nicht - im Anschluss an Kant würde man im Gegenteil sagen, Quantität ist eine Kategorie des Verstandes, die wir der Welt erst aufprägen, die nicht an und für sich existiert.
| Zitat: |
zweiter Fundamentalsatz der Existenz:
Alles was existiert ist unvollkommen. Vollkommenheit kann es nur in einer Ebene der Wirklichkeit geben, die vollständig absolut definiert, axiomiert ist. |
Nein! Man kann von Axiomen aus kein "vollkommenes" System konstruieren. Du hast den Satz doch selbst genannt?
http://de.wikipedia.org/wiki/Unvollständigkeitssatz
| Zitat: |
| Denn in einer absoluten Wirklichkeit kann es keine Teilexistenzen ([z.B.] Gegenstände) geben im Gegensatz zu einer relativ definierten, axiomierten Ebene der Wirklichkeit. In einer relativen Ebene sind alle Gegenstände ständigen Veränderungen ( quantitativ und qualitativ) unterworfen, während in einer absoluten Ebene vollkommener, unterschiedsloser Stillstand ist. Archetypen des Seins = Invarianten des "System Universum". Nur solche sind vollkommen. |
Das klingt ein bischen nach platonischer Ideenlehre. Archetypen des Seins, unveränderlich, in einer anderen, absoluten und vollkommenen Wirklichkeit.
Ich frage mich, was genau du damit aussagen möchtest: Die Wirklichkeit ist nicht vollkommen (im vergleich zu einer vollkommenen Wirklichkeit)? Es gibt eine zweite, vollkommene Wirklichkeit?
pnovell
| Zitat: |
| Du machst einen Denkfehler, wenn du eine Sache polarisiert, dualisierst,indem du ein "nicht" davorsetzt, hat dieser Gegenpol noch lange keine eigenständige, qualitative Dimension. Nichtexistenz hat keine eigenständige, qualitative Dimension gegenüber Existenz. |
"Was ist sie oder was hat sie dann?"
Ich hab doch extra geschrieben daß die Nichtentität nichts weiter als ein Symbol, ein Begriff des Seins ist, weil das Nichts doch unfassbar ist und es schon im selben Augenblick uns entgleitet bei dem Versuch es zu beschreiben.
Außerdem herrscht hier meines Achtens nach ein kleines Missverständnis.
Du hast deinen ersten Fundamentalsatz m.E. nicht präzise genug formuliert, es wird nicht klar wie deine Nichtexistenz des Nichts gemeint ist und als was, ob du es vollständig verneinst, also es gibt absolut nichts außer dem Sein selbst auch keine Negation des Seins und das Nichts wäre dann bloß nur noch so eine art Fantasiegebilde, oder ob es dir nur um die, wie du schreibst, qualitative Dimension geht und falls ja, was bleibt dann für dich noch übrig vom Nichts?
Der Fundamentalfehler hierbei liegt eben darin beim aussprechen des wortes Nichts ihm gleichzeitig Entität verleihen zu wollen, das geschieht nämlich immer automatisch weil man glaubt daß wenn man über etwas sprechen kann dann muß es auch als Ding bzw. Entität vorhanden sein, das gilt vllt für alles andere jedoch nicht für das Nichts weil das eben das Wesen des Nichts ist überhaupt nicht vorhanden zu sein und wenn ich Wesen schreibe dann ist es schon falsch und bereits zu spät an dieser Stelle weil mir im selben Augenblick das Nichts entglitten ist weil es doch kein Wesen haben kann usw..
Es ist einfach immer nur der utopische Versuch unserer dualen Existenzform bzw. Vorstellung aus dem Nichts heraus das selbige bestimmen zu wollen. Wir können immer nur das Sein sehen weil wir uns im Nichts befinden, befänden wir uns im Sein dann wären wir nichts und hier würde das für uns immer noch unvorstellbare, weil nicht vorhandene, "überhauptnichts" stattfinden und auch wenn es sich nach einem Widerspruch anhört ist es kein Widerspruch denn wir können nicht anders als in dieser Weise darüber sprechen.
Und deshalb können wir also behaupten, auch wenn es auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, daß das Nichts eben als Nichtexistenz existiert weil es sich zum Sein als Negation absolut gleichwertig verhält.
Und dieses "existiert" hierbei ist nur ein Symbol des bereits im Ansatz zum scheitern verurteilten Versuches das Nichts zu erfassen.
| Zitat: |
| Daher ist die Aussage: Das Nichts als "Nichtentität" existiert, dieselbe Aussage wie Das Nichts existiert und das ist ein Widerspruch in sich. |
Das ist eben wieder das Missverständnis, du interpretierst das wort "existiert" falsch.
Irgendwie muß man das Phänomen doch beschreiben oder?
Wenn du in deinem ersten Fundamentalsatz schreibst daß das Nichts nicht existiert dann ist es doch offensichtlich und trivial, dann aber später irgendwie die Negation bzw. das Dunkel zum Licht erlaubst, was ist es dann? Auf welche Art willst du die Gleichberechtigung von Licht und Dunkel sonst zum Ausdruck bringen?
Reinhard
| Zitat: |
| Andique : Es gibt sie wohl überall: Nihilisten, die grundsätzlich alles auf ihre oberflächliche Ebene ziehen müssen, was andere erkennen wollen. |
Hallo, danke für die Blumen. Du antwortest mir gleich im ersten Satz mit einer Wertung, deren Begründung dann im Polemischen verbleibt, anstatt dich mit den von mir genannten Bedingungen auseinanderzusetzen. Wenn das Dein Weiterdenken Deiner Existenz sein soll, der sich viel zu wenige anschließen, dann Prost Mahlzeit. Wenn Du mir wenigstens aufgezeigt hättest, welche Werte Du bejahst und ich damit verneine, dann wäre schon mal was gewonnen.
Für mich bleibt nur die Behauptung, Du würdest was erkennen wollen und ich damit nicht. Dass wir erkennen, ist aber nicht in unserer Hand und was wir erkennen, richtet sich nach unseren Intentionen und Fähigkeiten, die man nicht mit Fertigkeiten verwechseln sollte, der Begriff Erkenntnis aber ist völlig abstrakt und Abstraktion ist die Fähigkeit der Vernunft. Zu trennen ist immer erleben und das Befinden darüber, das Erinnerung ist. Deine Postulate bewegen sich aber ausschließlich im Gedachten und sind damit für das Handeln nur relevant, soweit sie künftiges vorausahnen lassen. Bis zum Eintreten eines Ereignisses bleiben sie spekulativ und das ist wohl wahrlich kein fester Punkt, den Archimedes sich wünscht, weil er ja weiss, dass es ihn nicht geben kann.
Was mir am Existenzialismus auch nicht gefällt, das ist eben Geschmackssache, ist die Herleitung der Rechtfertigung für die Gedanken aus der Geschichtlichkeit, die z. B. bei Heidegger recht einseitig und passend angenommen werden. Ich denke da auch an den Begriff der Schuld, aus dem letztlich die Freiheit willkürlich konstruiert wird. Sein und Zeit. Irgendwie klingt mir das nach einem eingeschränkten Freien Willen, der nicht fallengelassen werden soll. Oder das Sollen selbst, egal, wer die Macht, bis zur Allmacht, in Händen hält. Letztlich läuft dann alles darauf hinaus, dass man tautologisch feststellt, was war, ist wahr. Das hat aber immer schon jeder gewußt.
Angedenk meiner oberflächlichen Betrachtungsweise und weil ich nicht anders kann, meine ich natürlich auch nichts böse.
Frdl. Gr.
R.S.
Andique
hallo Reinhard,
ich wollte dich jetzt nicht ärgern oder angreifen. Ich habe das Ganze auch in einer anderen Community veröffentlicht und war über die Antworten dort verärgert. Möglicherweise spielt das hier mit herein.
Ich habe direkt bei anderen Philosophen sehr wenig gelesen, dann schon eher indirekt z.B. als Zusammenfassung von anderen Autoren. Von Rudolf Steiner habe ich ein paar Sachen gelesen.
Was mich stört ist, dass meine Thesen an einzelnen Begriffen angegriffen werden. Wieso ist z.B. Sein ein "leerer Begriff" ? Meine Denkweise ist vielleicht zu mathematisch, damit meine ich, dass man sagt, wenn man etwas kritisiert: wir setzen das, was du hast, einmal als wahr vorraus, schauen uns die Implikationen an und sehen dann, ob es auf einen Widerspruch stösst. Auch habe ich irgendwo einmal den Satz gelesen: es gibt in der Philosophie kein richtig oder falsch, sondern nur ein mehr oder wenig zweckmässig.
Aber leider ist es bisher gar nicht so weit gekommen, dass die Implikationen meiner Thesen betrachtet werden, z.B. das Attraktorprinzip (es gibt noch vieles mehr). Das Prinzip wirft ein anderes Licht auf "Zufall" oder "Schicksal". Warum entsteht aus "toter" Materie biologische Systeme, usw.
Ich stehe mit dem Ganzen auch noch am Anfang und muss dieses auch noch weiter entwickeln. Ganz klar.
Gruss
© Philo-Welt.de 2005-2008