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| Original von FionnNietzsche hat soviel mit dem Gnostizismus zu tun, wie Feuerbach mit den Schlägereien der Burschenschaften der Vormärzzeit: Nicht viel, wenn nicht sogar nichts. |
Starke Worte. Die textlichen und geschichtlichen Zusammenhänge verweisen aber auf das Gegenteil. Nun schlägst Du aber am Ende Deines Textes vor, daß ich mir die Mühe machen soll Textbeispiele von Nietzsche und Sloterdijk zur Diskussion zu stellen. Findest Du nicht, daß dies ein merkwürdiges Unterfangen wäre, bei soviel aufgeschlossenem Entgegenkommen?
Du hast ja scheinbar schon ein Urteil, und willst es Dir nun noch mal bestätigen. Du kommst dann zu dem merkwürdigem Schluss, daß meine Interpretation unreflektiert wäre, ohne sie überhaupt genauer zu kennen und obwohl ich Einiges an Verbindungen und Literatur aufgezählt habe.
Deine persönliche Kritik an zeitgenössischen Denkern wie Sloterdijk gefällt mir ebenso wenig. Sloterdijk ist sicher zu kritisierbar ebenso wie Nietzsche aber dann bitte begründet.
Es gibt bei Nietzsche mehrere grundsätzliche Punkte die eine gnostische Interpretation wenn man sie als zusammengefasstes Argument wahrnimmt zwingend machen (Nur kurz):
http://de.wikipedia.org/wiki/Gnostizismus
1. Der Übermensch. Der Übermensch entspricht klar dem Pneumatiker in den Menschenstufen der antiken Gnosis
1.) pneumatikoi (À½µÅ¼±Ä¹º¿¯, griech.: Geistmenschen): Gnostiker, die unter dem Einfluss des Geistes stehen und so ihrer Erlösung sicher sein können.
2.) psychikoi (ÈÅǹº¿¯, griech.: Seelenmenschen): Menschen, die zwar keine Gnostiker sind, denen aber die Erlösung durch Erkenntnis offen steht
3.) hylikoi (Å»¹º¿¯, griech.: Stoffmenschen): Menschen, die so von der Materie dominiert werden, dass sie keine Erlösung finden können.
2. Das Reimen und verwenden von nicht eindeutig interpretierbaren Gleichnissen (Wie bei Jesus).
Das ist eine der Vorgehensweisen der Gnosis, die Mitteilung geschieht über den Subtext, die oberste Ebene dient nur der Einführung. Eine eindeutige Aussage wird gescheut. Deswegen findet man auch keine eindeutigen Bekenntnisse. Gnosis ist die "Erkenntnis", die die verwirrenden Anteile, des Textes dann entwirrt. Auf diesen Moment der Erkennnis/Gnosis wird hingearbeitet. Das Erleuchtungserlebniss stellt sich auch ohne Begreifen des dazugehörigen Subtextes oder weiterführendes Wissen über den zoroastrischen Glauben ein. (Deswegen auch die bekannte grosse psychologische Wirkung von Nietzsche-Texten auf jugendliche Emphatiker – also sprach Zarathustra.)
(Gnosis bekennt sich nicht zur Gnosis. Gnosis bildet keine Kirche. Gnosis kann sich bekennen, oder kann Kirchen bilden. Gnosis bildet den religiösen, antichristlichen (christlich im Sinne von Amtskirchlich) Subtext der Geistesgeschichte.)
3. Gott ist tot.
Nur durch Kenntnis gnostischer Spiritualität, wird dieser Satz klar. Hier ist von dem alten dem bösen Demirugen die Rede, der die Menschen in die Lichtgefängnisse, die wir Körper nennen gesperrt hat. Er sagt nicht "es gibt keinen Gott", das zu verwechseln, ist einer der Anfangsfehler, bei der Beurteilung von Nietzsche.
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Der menschliche Horizont bleibt bei Nietzsche sehr begrenzt und das wird ja gerade betont, den gegenteiligen Schluss den Du ziehst halte ich für völlig unbegründbar. Nietzsche spielt eine erkennende Elite gegen einen unbestimmten Massencharakter aus, das ist Gnostizismus. Keine Befreiung des Einzelnen, sondern Befreiung einer Elite die sich ihrer eigene Macht über die befreiende "Erkenntnis" bewusst wird.
Auch mit schuldbeladenen Selbstzweifeln hat Gnostik nichts zu tun, das ist eher der Katholizismus. Eine solche Fehleinschätzung, kann Dir eigentlich nur unterlaufen wenn Dir Gnosis als Phänomen völlig fremd ist.
Um Nietzsche irgendeiner rationalen Sichtweise zuzuordnen, müsste man ja erstmal ein rationales Argument bei Nietzsche finden, schon das halte ich für völlig unmöglich. Der religiöse Impetus bei Nietzsche ist dagegen völlig klar ersichtlich und es braucht eine schwer dialektische Umdeutung um diesen Sachverhalt zu verneinen.
Eine monokausale Gebundenheit, wie Du es unterstellst ist der Gnostik völlig fremd: Gerade das Mehrdeutige bei Nietzsche lässt auf Gnosis schliessen.
Nun um hier weiter zu kommen schlage ich vor erstmal Gnosis zu definieren. Dabei sind mehrere Schwierigkeiten zu umgehen. Die meisten Definitionen von Gnosis, stammen aus den Federn ihrer Feinde. Gnosis wird als wirkende Denktradition weitestgehend geleugnet (Auch von Gnostikern selbst). Gnostik hat neben der offenen, eine Tradition von Zirkeln und Geheimlehren.
Da Nietzsche ein Kenner und Bewunderer der antiken Philosophie war, konnte eigentlich gar nichts anderes als ein gnostisches Weltbild entwickeln. Er hat den Kern antiken Denkens in die Neuzeit, übertragen. Dieser Kern ist gnostisch, ein Wissen was die heutige geisteswissenschaftliche Tradition, die immer noch mehr in christlicher Tradition steht, überdeckt. Die rationale Seite will nun Nietzsche als Vordenker der Rationalität begreifen, was ich für völlig falsch erachte.
1. Gnostik ist die älteste Tradition aller religiösen Vorstellungen. Dabei ist Gnostik nicht statisch. Gnostik passt sich ständig, der Zeit an (Wie das Christentum auch, nur gehört es hier zur Lehre zum Programm). Gnostik ist eine suchende Religion, die sich in einem ständigem Selbstverbesserungsprozess befindet. Der Verbessrung der Erkenntnis ist Teil, von gnostischer Spiritualität.
2. Gnostik kann sich in jeder Denkrichtung manifestieren. Es gibt islamische, christliche, buddhistische, jüdisch kabbalistische, agnostische, und atheistische, etc. Gnostik. Gnostische Mystik ist nicht abhängig von einem Gott. Sie erwartet die emphatische Erkenntnis, wie bei Nietzsche. Das Bekenntnis zu anderen Religionen hat keine Auswirkungen, alle Religionen und Denkrichtungen sind Teil, des Ganzen, sie werden als Unterphänomene einer gnostischen Wirklichkeit assimiliert. Die Wahrheit ist der Elite immer zugänglich.
3. Gnostik vermeidet es sich offen zu bekennen. Es gibt kein gnostisches Bekenntnis.
4. Gnostik arbeitet mit Bildern und Gleichnissen und gereimten Texten. Die mündliche Überlieferung wird dadurch höher geschätzt als die schriftliche (Typische für eine Denktradition, deren Kerngehalt aus Mythen gespeist wird).
5. Gnostik sieht die Welt in Erkenntnisschichten gestaffelt.
6. Die erfahrene Realität ist eine Überdeckung der eigentlichen Wirklichkeit, die aber nicht als transzendent zu begreifen ist, sondern monistisch.
7. Das leben ist ein Jammertal. Geschaffen von einem bösen Gott.
Das wäre erstmal eine grobe Darstellung meiner Sicht.
Hier steht auch noch was:
http://www.kfvr.
Man kann aber auch in die Bücherei gehen und sich das hier besorgen.
Christoph Markschies: Die Gnosis, München : Beck (Beck'sche Reihe 2173), 2001.
Hier wird eine schon sehr gute Definition geboten. Die ich aber auch nicht ganz teile.
PS:
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| [i]Problematisch finde ich konkret...dass Du hier unreflektiert einen Philsophen in die Diskussion wirfst, dessen alleinige Interpretation Du als einzig gültige anpreist |
Unreflektiert? Zum einen ist es nicht Sloterdijks alleinige Interpretation, an dem besagtem Buch sind zwei deutsche Professoren beteiligt, der eine ist Sloterdijk, der andere ist T.H Macho. Das Buch ist eine Einführung in das gnostische Denken und Nietzsche wird nur am Rande berührt. Das Nietzsche gnostischer Inspiration folgt, ist wenn man seine Kenntnisse über Gnostik erweitert hat, einfach nur noch evident.
Dagegen steht nun Dein Wort, ohne Belege oder Quellen anzuführen. Da finde ich das Urteilen erstmal nicht schwer. Ich finde auch nicht, daß ich derjenige bin der sich mnagelhafte Reflektion über den eigenen Standpunkt vorwerfen muss. Ich denke derjenige der, weder Quellen, noch textliche Belege anführt, sollte sich da mit dem vorschnellen Urteilen einwenig bescheiden.
Ihre Idee zwei oder mehr gültige Interpretationen hier anzubieten finde ich aber faszinierend.