nietzsche aktuell?

witko
Zitat:
Wer hängt denn den Willen zur Macht so hoch,

Hallo,
...der den Thread gestartet hat. (Humanismus vs. Willen zur Macht).
Ferner wurde in einem Beitrag von natürlicher Selektion gesprochen.

Gnosis ist doch m. E. nicht die einzige Zielrichtung des Threads.
witko
carsten aus bochum
Hi Nunja,

ich will nicht abstreiten, dass man Matrix gnostisch interpretieren kann, und tiefenpsychologisch, marxistisch, feministisch....

Soll das in Richtung gnostischer Weltverschwörung gehen?

Aber es geht ja um Nietzsche. Zwinker

Carsten
Nunja
Zitat:
Original von Nunja Ich schliesse natürlich durch das gesamte Werk Nietzsches auf Gnostizismus.


Zitat:
Original von Telltale Natürlich?
Wenn es natürlich wäre, das zu tun, gäbe es doch niemanden, der es anders sehen könnte. Also Vorsicht mit dem Wort "natürlich"!


Da komme ich von einer anderen Schule des Denkens. Ich halte es für unmöglich über Exaktheit der Sprache etwas abzuleiten. Das führt nur zu endloser Sprachdiskussion, und würde auch jeder Übersetzung in andere Sprachen unmöglich machen. Information kann ich nur über Redundanz absichern. Das ist ein gutes Beispiele dafür. Es war eigentlich völlig klar das ich das Wort "Natürlich" nicht in dem Sinne vom: "Durch die Natur vorgegeben", benutzt habe.

Zitat:
Original von Telltalech verstehe schon. Du hast Dir die Mühe gemacht, allerlei Zeugs darüber zu lesen und nun soll diese Mühe nicht umsonst gewesen sein. Ich finde es immer wieder lustig, wenn mir irgendwelche Rahmen für mein eigenes Verständnis vorgegeben werden, nur weil die Leute, die mir diese Rahmen empfehlen, selbst nicht ohne sie auskommen..


Nein. Mich interessieren eher sinnvolle weiterführende Verweise und Anmerkungen.


Zitat:
Original von Telltale Was Nietzsche meint, das hat er gesagt!


Eben.

Zitat:
Original von Telltale Er selbst hat es aufgeschrieben und niemanden zu seinem Sachwalter bestellt.


Eben

Zitat:
Original von Telltale Was in seinen Werken steht, das ist auch gemeint.


Eben.

Zitat:
Original von Telltale Wer glaubt, es müsse interpretiert werden, hat schon verloren. Wer aus Nietzsche nichts für sein eigenes Leben herausholen kann, ohne ihn zu interpretieren, sollte sich nach Alternativen umsehen.


Du denkst Du kannst lesen und verstehen ohne zu interpretieren? Das ist allerhand. Besonders bei der überaus eindeutigen Art der Formulierung bei Nietzsche.
Nunja
Zitat:
Original von carsten aus bochumich will nicht abstreiten, dass man Matrix gnostisch interpretieren kann, und tiefenpsychologisch, marxistisch, feministisch....


Nein. Schau dir mal ein paar einschlägige Matrix Seiten im Netz an. Das ist pure kabbalistische Gnosis in Reinform. Und die Leute die sich damit beschäftigen, tauschen sich exakt über gnostische Inhalte und Verweise aus. Da stösst Du dann, auf ganz unmaskierte gnostische Verweise im Film.

http://www.gnosis.org/ecclesia/homily_Trinity.htm

http://www.matrix-architekt.de/rel_09mero.htm

Zitat:
Original von carsten aus bochum

Soll das in Richtung gnostischer Weltverschwörung gehen?

Aber es geht ja um Nietzsche. Zwinker


Nein, es geht um Ideengeschichte. Und eben hier speziell um Nietzsche. Der Verweis auf den Film Matrix, habe ich nur getätigt um auf die Relvanz von gnostischem in der Gegenwart zu verweisen. Da hier immer wieder das Argument auftaucht, das gibt es nicht mehr, Gnosis wäre längst untergegangen. Ein Anderes gutes Beispiel wäre die Verbindung von Gnosis und dem faschistischem Furor. Das Hakenkreuz ist ein Sonnensymbol. Sonnensymbolik ist auch ein Verweis zur Gnostik. Und damit sind wir dann auch wieder bei Nietzsche.

Eine Weltverschwörung würde ja eine Lenkung einer kleinen Gruppe implizieren. Ich rede aber von Ideengenese. Es geht hier um eine religiöse Interpretation, vordergründig areligiöser Erscheinungen. Bei Nietzsche trenne ich areligiös von antikirchlich und finde eine andere Religiösität, die mir im Gnostizismus dann mit der gesamten Weltverneinung und Elitevorstellung wieder begegnet.
carsten aus bochum
Hallo Nunja,

also weil die Nazis sich das Hakenkreuz ausgeliehen haben, übrigens ist meines Wissens eher das rechtsdrehende Hakenkreuz ein auf die Sonne verweisendes Zeichen, aber wie auch immer, dass soll schon auf gnostische Einflüsse hindeuten?

Du meinst den Luzifer als Lichtträger und damit den wahren Heilsbringer und so?
Die meisten modernen gnostischen Strömungen haben sich aber eher den Saturn ausgewählt, oder nicht?

Läuft da jetzt eine direkte Linie von den Nazis zu Matrix?
Steht am Ende über den Abzweig der jüdischen Geheimlehre die jüdische Weltverschwörung, oder auf was willst Du hinaus?

Im Moment argumentierst Du mit cruder Paläo-Logik.
Freundlicher könnte man es als analoges Denken bezeichnen, aber dazu müsstest Du erst mal sagen worum es gehen soll, ausser dass man überall gnostische Strömungen bemerken kann, wenn man will.

Du wirst Dich in die Hintergründe eingelesen haben, Hubbard beim O.T.O, Crowley und Steiner auch, alle irgendwie gnostsich, satanistisch und etwas sexualmagisch, und...?

Ich kenne viele Menschen, die alles mögliche bemerken, also lass mal hören, wer da die Strippen zieht.

Gruss,

Carsten
Nunja
Zitat:
Original von carsten aus bochum
Hallo Nunja, also weil die Nazis sich das Hakenkreuz ausgeliehen haben, übrigens ist meines Wissens eher das rechtsdrehende Hakenkreuz ein auf die Sonne verweisendes Zeichen, aber wie auch immer, dass soll schon auf gnostische Einflüsse hindeuten?


Nein, das war nur ein Verweis der sich aus dem Zusammenhang zur Sonne ergeben hat. Die Sonne ist aber ein wichtiges Symbol im Gnostizismus.

F.N.(AsZ): Als gestern der Mond aufgieng, wähnte ich, dass er eine Sonne gebären wolle: so breit und trächtig lag er am Horizonte.

Die Satanisten halte ich eher für unwichtig, meist dumme Jugendkultur (Sexuelle Befreiung/Rebellion) die nichts von den Wurzeln weiß. Es gibt aber auch ernsthafte Verbindungen, aber das ist wohl mehr historisch. Es läuft auch keine direkte Linie vom Faschismus zur Matrix.

Wie gesagt es gibt verschiedene Ausprägungen der Gnostik, die sind geistesgechichtlich miteinander verbunden aber seperat. Für die jüdischen Kabbalisten wäre der Name Gershom Scholem wichtig.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gershom_Scholem

Wenn Du aber gnostisches Denken als eine direkte Linie auffasst, gibt es eine direkte Verbindung zwischen Faschismus und der Matrix – es gibt aber keine Einfache oder Personelle. Es gibt nur eine Ideengeschichtliche.

Der Faschismus mit seinen mystischen Ausprägungen und die Zeit um 1900 werden ja heutzutage stark versimplifiziert. Das waren in der Nachbetrachtung alles kulturlose Doofis, und ein geistesgeschichtlicher Betriebsunfall eines, eigentlich nur durch die Droge der Propaganda gefügig gemachten, Kulturvolkes. Die zugrunde liegende Kultur und Rezeption der Geistesgeschichte konnte so bruchlos fortgeführt werden. Um Schopenhauer und Nietzsche zu retten werden ja die unmöglichsten Verdrehungen versucht.

(Mit rechts und linksdrehend liegst Du falsch. Das hat keine Bedeutung.)
Nunja
Zitat:
Original von Nunja Es gibt christliche, jüdische, islamische und auch buddhistische Gnostik. Nicht zu verwechseln mit den Satanisten, obwohl es auch da Verbindungen gibt.


nietzsche aktuell?

Aber ich wiederhole mich da.
Nunja
Gerade entdeckt:

Hier wurde auch schon der Zusammenhang von Nietzsche und Gnosis besprochen. Ich denke der Bezug über die Antike ist bei Nietzsche eigentlich auch offensichtlich.


Grundsatzfragen der Philosophie (Heraklits d.bzgl.Ansichten)
witko
Allerdings hängt alles irgendwie zusammen. Bei Nietzsche lassen sich Elemente von vielem finden - wie Carsten schon sagte: von Anarchisten bis Veganern sehen viele in ihm einen ihrer Propheten. Genauso liefert er genug Gegenteiliges.

Wie vertraägt sich allein ein Titel wie "Jenseits von Gut und Böse" mit dem grundsätzlichen gnostischen Weltbild, dass doch wohl auf einen Gegensatz zwischen Gut und Böse prinzipiell beruht? (Wenn ich mich nicht irre...) Oder der "Tod Gottes"; damit - wie mit dem Nihilismus überhaupt - hätte er doch gleichzeitig das Ende des Gnostizismus verkünden müssen, wenn er ihm schon angehangenhätte?
In "Jenseits von Gut und Böse" erklärt er bspw., dass der Teufel schlicht nichts anderes sei als der Müßigang Gottes am siebten Tag.

(Anderes Beispiel für Nietzsches Für- und Wider-Aussagen, die sich je nach Belieben schon immer gut zusammenstricken liesen: die zu Juden und Judentum)

Ist es nicht normal, dass sich Gedanken ausbreiten? Gerade Nietzsche hat Wissen seiner förmlich aufgesogen. Natürlich kommt er da mit Gedanken derer in Berührung die mehr oder auch nur weniger - wie er wohl selbst - mit Freimaurern und Rosenkreutzern und was weiß ich was noch alles, sei es tatsächlichen oder vermeintlichen Geheimlehren und -bündlern zu tun hatten.

In einem Brief von Overbeck an FN lädt er letztern z. B. mit einem Treffen mit Harnack ein, der wohl auch zu einem jener Dunstkreise zählte oder gezählt wurde. Zu diesem Treffen kam es nicht, allerdings wird FNs bester Freund und Studienkollege schon einige Gedanken und Literaturtipps mitgebracht haben.

Vielleicht kann man FN ja auch als Vertreter der Naturphilosophie zurechtbasteln; oder als Homöopathen...

Giorgio Colli, Mitbegründer der Kritischen Studienausgabe zu FN, schreib einmal sinngemäß: Nietzsche ist ein Bergwerk, in dem jeder nach Herzenslust schürfen kann und immer noch etwas für sich findet.

witko
Nunja
Zitat:
Original von witko
Allerdings hängt alles irgendwie zusammen. Bei Nietzsche lassen sich Elemente von vielem finden - wie Carsten schon sagte: von Anarchisten bis Veganern sehen viele in ihm einen ihrer Propheten. Genauso liefert er genug Gegenteiliges.


Nun in dem ganzen Phänomen Gnosis lassen sich Elemente von vielem finden. Der Gnosis wird man nicht so einfach habhaft. Ein Titel wie Jenseits von Gut und Böse verträgt sich sehr gut mit gnostischer Dialektik die immer ein Elemnt des Unlogischen in sich trägt. Die Lehre wird eben über den Gnostischen Funken weitergtragen. Deswegen wird Gnosis auch oft in Reimform vermittelt. Auch Goethe transportiert viel gnostische Inhalte. Im Faust transportiert der Mephistoteles, gnostisches Gedankengut.

Hier mal ein paar gnostische Links, bei denen man sich ein paar grundsätzliche Informationen holen kann.

http://www.philos-website.de/index_g.htm...tes_g.htm~main2

Sehr umfangreiche Seite, mit Textbeispielen und Quellenangaben. Verhindert aber das direkte verlinken auf Texte. Man muss sich hier also durch das Alphabet suchen, dann kommmt man aber auf sehr übersichtliche Seiten.

http://www.erkenntnis.org/lexikon_d.php#Dualismus

Im Vergleich dazu, bieten sich die üblichen philosophischen Netzquellen, an. Von denen ich hoffe, daß sie hier bekannt sind. Und natürlich was man so im Bücherschrank hat.

Hier steht:

Für die moderne Gnosis ist Dualismus nicht mehr maßgebend.

Es gibt auch verschiedene Dualismen, einmal der Leib-Seele/Welt-Gegenwelt Dualismus. Und dann der ältere, das ist die Trennung von Gut und Böse.

Deswegen finde ich nicht das ein Titel wie "Jenseits von Gut und Böse" gnostischem Denken widerspricht. Es kommt drauf an was damit gemeint ist. "Jenseits von Gut und böse", als entfliehen des Seelengefängnisses Körper mittels Vervolkomnung ist gnostisches Ziel.

F.N(JvGuB): Und erst auf diesem nunmehr festen und granitnen Grunde von Unwissenheit durfte sich bisher die Wissenschaft erheben, der Wille zum Wissen auf dem Grunde eines viel gewaltigeren Willens, des Willens zum Nicht-wissen, zum Ungewissen, zum Unwahren! Nicht als sein Gegensatz, sondern - als seine Verfeinerung!

(Das empfinde ich als typisch gnostische Anti-Logik)

F.N(JvGuB): Jeder auserlesene Mensch trachtet instinktiv nach seiner Burg und Heimlichkeit, wo er von der Menge, den Vielen, den Allermeisten erlöst ist, wo er die Regel "Mensch" vergessen darf, als deren Ausnahme: - den Einen Fall ausgenommen, dass er von einem noch stärkeren Instinkte geradewegs auf diese Regel gestossen wird, als Erkennender im grossen und ausnahmsweisen Sinne.

(Erkenntnis/Gnosis)

F.N(JvGuB): Das Exoterische und das Esoterische, wie man ehedem unter Philosophen unterschied, bei Indern, wie bei Griechen, Persern und Muselmännern, kurz überall, wo man eine Rangordnung und nicht an Gleichheit und gleiche Rechte glaubte, - das hebt sich nicht sowohl dadurch von einander ab, dass der Exoteriker draussen steht und von aussen her, nicht von innen her, sieht, schätzt, misst, urtheilt: das Wesentlichere ist, dass er von Unten hinauf die Dinge sieht, - der Esoteriker aber von Oben herab!

(Noch Fragen? Da redet kein rational ausgerichteter Mensch/Das ist gnostisches Elitedenken pur)

Dann direkt im Anschluss:

F.N(JvGuB): Es giebt Höhen der Seele, von wo aus gesehen selbst die Tragödie aufhört, tragisch zu wirken; und, alles Weh der Welt in Eins genommen, wer dürfte zu entscheiden wagen, ob sein Anblick nothwendig gerade zum Mitleiden und dergestalt zur Verdoppelung des Wehs verführen und zwingen werde? ... Was der höheren Art von Menschen zur Nahrung oder zur Labsal dient, muss einer sehr unterschiedlichen und geringeren Art beinahe Gift sein.

Und:

F.N(JvGuB): Auf welchen Standpunkt der Philosophie man sich heute auch stellen mag: von jeder Stelle aus gesehn ist die Irrthümlichkeit der Welt, in der wir zu leben glauben, das Sicherste und Festeste, dessen unser Auge noch habhaft werden kann: - wir finden Gründe über Gründe dafür, die uns zu Muthmaassungen über ein betrügerisches Princip im "Wesen der Dinge" verlocken möchten.

Die Irrtümlichkeit der Welt, in der wir zu leben glauben! So sieht der Gnostiker die Welt.


Der Tod Gottes, ist wie schon gesagt kein Problem, innerhalb der Gnosis. Es geht wahrscheinlich um den Bösen Demirugen. Ich denke Nietzsche hängt sowieso einer eher pantheistischen Form von Gnosis an.

Vordergündig Unlogisches (Für und wieder Aussagen), das sich je nach belieben zusammenstricken lässt, entspricht zutiefst gnostischer Logik. Das ist mir nur ein weiteres Indiz.

Auch das sich Anarchisten, Kommunisten. Naturphilosophen, Esoteriker und all diese Richtungen sich bei Nietzsche wieder finden, nehme ich als Beleg für gnostischen Inhalt. Denn all diese Denkrichtungen sind zutiefst gnostisch geprägt, das ist oft nur den einzelnen Anhängern nicht bewusst. Nicht der Schwanz wedelt mit dem Hund, es ist genau andersrum.

Gnosis ist als Gegenpol zum Christentum, oder anderen grossen Religionen zu sehen, als eine elitär ausgerichtete Unterwanderungsreligion, die sich nicht bekennen muss aber kann, bei der Anpassung an die Zeit, das Prozesshafte, zum Projekt der Erkenntnis gehört. Und das schlimme ist, wenn man sich erstmal ein paar Chrakteristiken herausgearbeitet hat, bemerkt man aufeinmal, wie stark der Einfluss dieser Tradition wirklich ist. So ist schon durch die Beschäftigung mit dem Thema ein "erkennendes" Erlebniss verbunden.

(Nietzsche verfeinert seinen Gnostizisms immer mehr und am Ende steht also Sprach Zarathustra. Und Zaratuhstra als gnostischer Ursprung, wurde niht zufällig zum Sprachrohr erwählt.)

(Zum Nihilismus: Ich sehe in einer Umwertung von Werten zum Guten einer erkennenden pneumatischen Elite, keinen Nihilismus, Nihilismus wäre Verneinung aller Werte.)
witko
Danke für die ausführliche Antwort. Ich werde mich erst mal mit dem Denkfutter beschäftigen. Dann komme ich auf jeden Fall "zurück"; skeptisch, aber immer an Neuem interessiert, in diesem Sinne...

Gruß
witko
carsten aus bochum
Hi Nunja,

ich finde Deine Ausführungen schon differenzierter, allerdings solltest Du keine Quellen zitieren, die Deiner These eher wiedersprechen Zwinker , hier aus Deinem link (Hervorhebungen von mir):

"Wenn Du mir die Schublade verzeihst, in die ich Dich jetzt ablege (alle Schubladen engen ein und sind nur Denkhilfen), könnte ich Dich als „Gnostiker“ bezeichnen oder zumindest Dich in die Nähe „gnostischen“ Denkens einordnen?
Jetzt müssten wir natürlich genauer definieren, was wir eigentlich unter „Gnosis“ verstehen, welche Art von „Erkenntnis“ wir denn meinen, aber ich will es für den Augenblick mal bei einem Blick auf Nietzsche belassen, dessen ausdrückliche Berufung auf Zarathustra und dessen Bewunderung für „das Gesetzbuch des Manu“ ohne Zweifel Denkverbindungen zur „Gnosis“ nahe legen.
Die Notwendigkeit des wirklichen „homo sapiens“ bei Heraklit, die „Geistigsten“ oder „Übermenschen“ bei Nietzsche lassen zudem auch Gemeinsamkeiten zum „Pneumatiker“ der Gnostiker erkennen.

Wenn ich Nietzsche einigermaßen zutreffend beurteile, dann weicht Fritzen aber massiv von einer dualistischen Vorstellung aus „Körper und Geist“ ab, wie sie sich in manchen „gnostischen“ Denktraditionen wiederfindet. In diesem Punkt erscheint Nietzsche mir weitaus mehr ein Schüler Max Stirners zu sein, der mit dem „Geist“ als vermeintlichem Gegensatz zum Körper einigermaßen schonungslos (*lach*) aufgeräumt hat.
Gerade diesem „gemachten“, einem möglichen „ressentiment“ gegen die eigene Körperlichkeit entsprungenem Dualismus sagt Nietzsche ja den Kampf an! Eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Welt- und Lebensverachtung, denken wir an das „sündige Fleisch“ und den zur Erkenntnis unfähigen „Körper“, als Grundlage des Denkens, die einer wie auch immer gearteten „Erlösung“ bedarf, findet Fritzens schärfste Mißbilligung."

Egal, lass uns, wenn Du magst, einen neuen thread aufmachen und über Gnosis schreiben, übrigens ist es mit dem Hakenkreuz doch so eine Sache mit der Drehung, Du findest es praktisch überall, bei den Tibetern, den Indern, den Sufis, den alten Germanen.
Wenn nix zufällig ist, dann auch die Drehung nicht.

Während ich Satanisten auch eher langweilig finde, finde ich die Ideengenese reizvoll.

Gruß,

Carsten
witko
Oder auch FNs "Bleibt der Erde treu."
Ferner der Abschnit: "Über die Verächter des Leibes"

FN hat sich deutlich gegen den Dualismus ausgesprochen, sei es Idee-Erscheinung, Seele-Leib.

Wie gesagt, man findet mindestens immer so viele Wider als Für, wenn man sich bei Nietzsche einen Filter als Brille aufsetzt.
Nunja
Zitat:
Original von carsten aus bochum ich finde Deine Ausführungen schon differenzierter, allerdings solltest Du keine Quellen zitieren, die Deiner These eher wiedersprechen Zwinker , hier aus Deinem link (Hervorhebungen von mir):


Nun ja, erstmal gibt mir die Quelle/Netzpseudo recht, und dann stellt sie über den Dualismus einen leichten Widerspruch her, mit der Begründung: Wie sie sich in manchen "gnostischen" Denktraditionen wiederfindet. Das würde ich eben nicht gerade als einen echten Widerspruch begreifen. Besonders da man, wenn man sich näher mit der Materie befasst, erkennen muss, daß Gnostizismus keine einheitliche Lehre ist. Das ist genauso wie beim Christentum auch, der Gostizimus gibt sogar viel mehr Freiraum. Da gibt es keine Kirche und keinen Papst, keine dogmatische Struktur.

Das Nietzsche sich auf Max Stirner und den Anarchismus bezieht halte ich für eher unwahrscheinlich. Er bezieht sich meistens auf Schopenhauer, der ja auch viele gnostische Bezüge aufweist (dazu gibt es auch schon Literatur). Beim Anarchismus gibt es aber auch Bezüge zur Kabbalistischen-Gnostik, das dort Verbindungen bestehen ist der Zeit und der prägenden Kraft der gnostischen Gedanken geschuldet. Man sollte eher mal den Stirner auf Gnosis überprüfen.



Zitat:
Original von carsten aus bochum Egal, lass uns, wenn Du magst, einen neuen thread aufmachen und über Gnosis schreiben, übrigens ist es mit dem Hakenkreuz doch so eine Sache mit der Drehung, Du findest es praktisch überall, bei den Tibetern, den Indern, den Sufis, den alten Germanen.
Wenn nix zufällig ist, dann auch die Drehung nicht.

Während ich Satanisten auch eher langweilig finde, finde ich die Ideengenese reizvoll.


Da hätte ich erstmal nichts gegen. Aber als Alleinunterhalter werde ich nicht funktionieren.

Und nochmal zur Drehung: Wieso sollte nichts Zufällig sein, also alles eine Bedeutung haben? Man muss im Auge behalten, daß die Tradierung von Symbolen, so nicht funktioniert, sie funktioniert über die Einfachheit des Zeichens, nicht über eine komplexe verbundene Geschichte, die meisten Nutzer wissen nur von Unendlichkeit und Drehung, das reicht, für rechts wie links. Das wurde auch bei den Nazis, mal so mal so, genutzt.
Nunja
Zitat:
Original von witkoOder auch FNs "Bleibt der Erde treu."
Ferner der Abschnit: "Über die Verächter des Leibes"


Du könntest wenigstens so nett sein, die Bücher anzugeben, wenn Du schon nicht zitierst.

Das sind natürlich vordergründig starke Gegenargument:

Nietzsche seblst dazu, in völlig gnostischer Uneindeutigkeit (Ecce homo über seinen Zarathustra als Zentrum seines Werkes)):



Hier redet kein Fanatiker, hier wird nicht "gepredigt", hier wird nicht Glauben verlangt: aus einer unendlichen Lichtfülle und Glückstiefe fällt Tropfen für Tropfen, Wort für Wort, eine zärtliche Langsamkeit ist das tempo dieser Reden. Dergleichen gelangt nur zu den Auserwähltesten; es ist ein Vorrecht ohne Gleichen hier Hörer zu sein; es steht Niemandem frei, für Zarathustra Ohren zu haben ... Ist Zarathustra mit Alledem nicht ein Verführer? ... Aber was sagt er doch selbst, als er zum ersten Male wieder in seine Einsamkeit zurückkehrt? Genau das Gegentheil von dem, was irgend ein "Weiser", "Heiliger", "Welt-Erlöser" und andrer décadent in einem solchen Falle sagen würde ... Er redet nicht nur anders, er ist auch anders.. .

Allein gehe ich nun, meine Jünger! Auch ihr geht nun davon und allein! So will ich es.

Geht fort von mir und wehrt euch gegen Zarathustra! Und besser noch: schämt euch seiner! Vielleicht betrog er euch.

Der Mensch der Erkenntniss muss nicht nur seine Feinde lieben, er muss auch seine Freunde hassen können.


Mann muss immer den Zusammenhang beachten:

F.N[AsZ): Oh wie sollte ich nicht nach der Ewigkeit brünstig sein und nach dem hochzeitlichen Ring der Ringe, - dem Ring de Wiederkunft!


Zitat:
Original von witkoFN hat sich deutlich gegen den Dualismus ausgesprochen, sei es Idee-Erscheinung, Seele-Leib.


Es gibt auch bei der Gnostik verschiedene Spielarten. Da hatte ich schon etwas zu geschrieben. Ich halte dies nicht für so einfach. Gnostik meidet das Eindeutige, das (ich nenn das mal jetzt so) dionysische Empfangen ist ihr lieber. Unlogik und Dichtung.

Zitat:
Original von witkoWie gesagt, man findet mindestens immer so viele Wider als Für, wenn man sich bei Nietzsche einen Filter als Brille aufsetzt.


Ich sehe mehr "Für" als "Wider", bedeutend mehr.
Fionn
@Nunja


Also ist alles, was uneindeutig ist, gnostisch? Warum gibt es dann im historischen Gnostizismus, von dem Deiner ja in jeder Weise weit entfernt ist, eine klare Unterscheidung von Welt und Schöpfer, von Licht und Finsternis, von Gott, Schöpfer, Engeln und Menschen, die sich in ihrer Eindeutigkeit kaum übertreffen lassen?
Anders gefragt: Ist der Dadaismus gnostisch? Der Surrealismus? Der Expressionismus? Sind die Werke von Gustav Meyrink genauso gnostisch wie die von Robert Musil oder auch James Joyce? Oder noch anders: Was ist nicht gnostisch? Woher hast Du Deine Definition von Gnostizismus? Woher stammt Dein Gnostizismus? Warum denkst Du, dass Gershom Scholem ein Gnostiker war? Hast Du Scholem schon gelesen? Offenbare bitte mal Deine Erfahrungen und Quellen.


Fionn
1 1
Zitat:
Original von Nunja
... Gnostik meidet das Eindeutige, das (ich nenn das mal jetzt so) dionysische Empfangen ist ihr lieber. Unlogik und Dichtung.....

Zitat:
Original von Fionn
Also ist alles, was uneindeutig ist, gnostisch?

Aber sicher, Fionn! Ist doch logisch!
Wenn alle Amseln singen, ist alles, was singt, eine Amsel.

Zitat:
...Ist der Dadaismus gnostisch? Der Surrealismus? Der Expressionismus?...Gustav Meyrink ...Robert Musil ...James Joyce...

Beantworte du doch erst einmal die Frage, ob die Werke von Karneades, Valla, Mantegna, Cosalucci und Heinz Erhard gnostisch sind oder nicht!
Dann werden sich alle hier auch gern bemühen, dir befriedigende Antworten auf deine Fragen zu geben.
Fionn
@1 1


Ich kann Deinen Beitrag nicht deuten. Vielleicht hast Du meinen Post einfach nicht verstanden?

Die Fragen richteten sich an Nunja, die ja das Gnostische mit dem Uneindeutigen gleichsetzt.

Meine PN an Dich ist unterwegs.

Fionn
Nunja
Zitat:
Original von Fionn Was ist nicht gnostisch? Woher hast Du Deine Definition von Gnostizismus? Warum denkst Du, dass Gershom Scholem ein Gnostiker war?


Vergesslich? Loop.

nietzsche aktuell?
Fionn
@Nylen


Nein, durchaus nicht. Eben weil ich mich gut erinnern kann, frage ich.
Wenn für Dich "Gnostizismus" das ist, was Wikipedia schreibt, dann frage ich mich, wo solche Aussagen wie

Zitat:

... Gnostik meidet das Eindeutige, das (ich nenn das mal jetzt so) dionysische Empfangen ist ihr lieber. Unlogik und Dichtung.....


herkommen? Schließlich schreibst Du "ich nenn' das mal jetzt so"; also musst Du Dir selbst etwas daraus gebastelt haben.
Denn bei Wikipedia steht nur eine recht kurze Zusammenfassung der historischen Gnosis bzw. des Gnostizismus. Hast Du Dir alles aus dem letzten Absatz gezogen und gedacht: "Na, wenn schon soviel von Gnosis beeinflusst wurde, dann muss es mehr geben"? Ist Dir bewusst, dass bei Wikipedia nur die Behauptung, nicht aber der Beleg steht?

Was ist mit meinen anderen Fragen? Hast Du keine Antworten?

Gegenthese: Die Gnosis hat deshalb so "umfassende" Wirkung auf die gegenwärtige Welt, weil sie nur auf zwei Grundgedanken fusst, die so allgemein sind, dass sie sogar heute noch als gültig erachtet werden können:

- Es gibt eine schlechte Welt und ein gutes Jenseits
- böse und gut sind klar erkennbar

Fionn