Rhetorix
1. Wir machen uns ein Bild.
Das ist schwierig.
Es gibt zwar 5 oder 6 Porträts, doch auf den ersten Blick scheinen sie 3 verschiedene Männer abzubilden.
Nur in einem Fall kann das Bild aufgrund einer Porträtsitzung entstanden sein. Es steht aber nicht "Vivaldi" drauf; also können wir mit diesem Bild nicht anfangen.
Mehrere Porträts sind sich relativ ähnlich, wie z.B. diese beiden (es gibt weitere, die ich im Internet aber nicht gefunden habe):

Grund der Übereinstimmung ist aber nur, dass das eine vom anderen abgekupfert wurde. Kupferstich links war die Vorlage für rechts. Leider sieht man ihr die Unzulänglichkeit auf den ersten Blick an.
Dieser Kupferstich wurde in Holland aufgrund von Skizzen, wahrscheinlich auch Vorlagen und mündlichen Angaben, recht ungeschickt zusammengeschustert. Wer bei Vivaldis Amsterdamer Verlag die Noten für Opus VIII bestellte, diesen Kupferstick als Zugabe erhielt und später nach Venedig fuhr und Vivaldi persönlich über den Weg lief, wunderte sich wahrscheinlich nicht schlecht.
Zu Vivaldis Glück - oder eher Unglück? - hat sich aber auch ein ganz hervorragender Künstler an ihm zu schaffen gemacht, nämlich Pier Leone Ghezzi.
Vivaldi brauchte für dieses Porträt nicht einmal stillzuhalten (was ihm wahrscheinlich ohnehin schwer fiel), denn Ghezzi fing ihn einfach ein:

Gott, was für eine scheußliche Nase!
So wird er der Nachwelt also überliefert durch ein Porträt, das eine Karikatur ist.
Dennoch: man hätte ihn aufgrund dieser Karikatur wohl wiedererkannt und wäre amüsiert gewesen.
Um das Porträt richtig zu deuten, muss man es selbstverständlich relativieren, und um es richtig zu relativieren, muss man den Stil des Zeichners kennen und vergleichen.
Also vergleiche man dieses Vivaldi-Porträt beispielsweise mal mit folgenden Ghezzi-Karikaturen:




Dergestalt relativiert, muss man wohl feststellen, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können. Vivaldi ist für Ghezzis Verhältnisse trotz Nase ziemlich schnuckelig ausgefallen. Für Ghezzis Verhältnisse, der bei Brustporträts die Schultern manchmal sogar ganz unterschlägt (entsprechende Bilder habe ich im Kopf, aber im INet nicht gefunden) wirkt Vivaldi sogar breitschultrig.
Nach dieser Relativierung stellt sich die Frage, ob dieser Mann
und dieser Mann
ein und derselbe sein können.
Sie können es ganz sicher! Allein aufgrund des Vergleichs der Profile lässt sich aber nicht feststellen, dass sie es auch müssen (allerdings bin ich der Überzeugung, dass sie es sind).
Nimmt man den Kuperstich hinzu, der anscheinend formale Eigenschaften des Gemäldes übernommen zu haben scheint, so folgt daraus ein Ergebnis und Gesamteindruck, der zwiespältig und zweideutig bleiben muss: ein etwas mädchenhafter oder altjüngerlicher Kopf auf einer betont männlichen Statur.
Wie war er hergerichtet?
Eine 3Sat-Doku zeigte uns neulich einen Vivaldi mit aufgeplustertem Lockenkopf, rötlichem Brokatjackett, heller Hose, Spitzenjabot, hellen Strümpfen und vielen dicken Ringen an den Fingern.
Oh Gott!
Um mit dem Einfachsten anzufangen:
Klein Erna hält viele dicke Ringe für barock, die Wirklichkeit ist aber anders.
Die Renaissance zwar liebte Ringe an allen möglichen Fingern und Fingergliedern, aber im schmuckverliebten Barock waren Ringe passé! Ringe wurden zu dieser Zeit grundsätzlich nicht als Schmuck getragen, sondern - in relativ seltenen Fällen - als Zeichen aufgrund ihrer Symbolik (man denke an den Ring, den Monteverdi Schütz schenkte oder vielmehr 'verlieh'). Das überrascht vielleicht, ist aber so. Schmuck wurde statt dessen an der Uhrenkette getragen.
Ein einzelner, schmaler Ring wäre daher allenfalls möglich, wenngleich äußerst gewagt. Mehr aber nicht.
Und dann diese Film-Frisur!
Eine weiter Überraschung: Vivaldi trug Tonsur.
Wahrscheinlich stellt sich kaum irgendwer Vivaldi mit Tonsur vor - aber er trug sie ohne Zweifel.
Er trug die Tonsur, wie er sich auch ohne jeden Zweifel in der Öffentlichkeit mit Priesterkleidung präsentierte. Warum?
Man irrt, wenn man - bezogen auf Vivaldi, seinen Ort und seine Zeit - "Priester" für einen Beruf hält.
Das war im Venedig des 18.Jahrhunderts kein Beruf, sondern ein Stand, verbunden mit der eventuellen Möglichkeit zu einem Beruf. Vivaldi war keineswegs der Einzige, sondern einer von vielen, wahrscheinlich hunderten Standesgenossen, die diesen Stand hatten, ohne sich als Priester zu betätigen.
Der Priesterstand war ein Ehrenstand - zumindest dann, wenn man (wie Vivaldi) aus einfachen Verhältnissen kam. Außerdem blieb man sowieso Priester, ob man es wollte oder nicht und die Messe las oder nicht (wie selbst Lorenzo da Ponte, der beides keineswegs mehr wollte).
Wer Priester war, musste sich aber auch als Priester kleiden und frisieren. Es war nämlich ein Vorzug und eine Ehre, das zu dürfen! Das gilt insbesondere auch für die Tonsur, die Corona clericorum.
Ein Mann, von dem man wusste, dass er zum Priester geweiht wurde, wäre daher im Rock aus rötlichem Brokat und mit hochgetuffter Frisur nicht gut angekommen. Vielmehr hätte man gemunkelt: Was hat er verbrochen, dass er Priesterkleidung und Tonsur nicht mehr tragen darf? Warum wurde ihm dies aberkannt? Man legte in Vivaldis Situation mit opulenter weltlicher Kleidung also nicht etwa Ehre ein, sondern machte sich suspekt.
Vivaldi legte auf seinen Stand im Übrigen durchaus Wert. Er war nicht einfach Antonio Vivaldi, sondern Don Antonio Vivaldi, und auch im Libretto ließ er sich so nennen.
Das ist das eine.
Das Andere ist, dass Vivaldi kein versponnen romantischer Künstler im Elfenbein-Turm war, sondern (auch) Geschäftsmann. Als Geschäftsmann kannte er sein Image und sein Markenzeichen, das er nicht einmal zu patentieren brauchte. Er wäre verrückt gewesen (aber er war nicht verrückt), wenn er sich seinen einzigartigen Künstlernamen ruiniert hätte, indem er wie Hinz und Kunz in bunter Kleidung und mit weißen Strümpfen herumgelaufen wäre, so wie in dieser Dokumentation - als Prete rosso nicht erkennbar.
Das Dritte ist eine ganz banale, praktische Frage.
Vivaldi interessierte sich nicht für Klamotten. Er vernachlässigte diesen für ihn uninteressanten und sinnlos kostenträchtigen Gesichtspunkt vielleicht nach Auffassung mancher sogar ein bisschen zu sehr. Über Priesterkleidung brauchte man aber nicht groß nachzudenken. Man trug halt die schwarze Soutanelle und war damit bei jeder Gelegenheit richtig angezogen; und mit Schwarz macht man als Rothaariger sowieso nichts verkehrt. Selbst für den vornehmsten Palast brauchte man sich nicht in Brokat zu kleiden und in Unkosten zu stürzen, denn der schwarze Gehrock des Priesters war selbst im vornehmsten Palast comme il faut.
Goldonis versteckten Hinweisen entnehme ich, dass Vivaldis Nonchalance von kleinlichen Geistern als peinlich empfunden werden konnte - dort bezogen z.B. auf schief gelaufene Schuhe. Wenn man sich Ghezzis Karikatur ansieht, findet man den nonchalanten Eindruck bestätigt. Die Zeichnung lässt deutlich erkennen, dass Vivaldi Soutanelle und Tonsur trägt. Aber was ist mit dem kleinen runden schwarzen Käppchen, das nicht fehlen darf, da ein Priester nicht mit unbedecktem Kopf herumlaufen darf? Es fehlt dennoch, und außerdem steht der Kragen offen, was gleichfalls nicht comme il faut ist. Eine bemerkenswerte Selbst-Linzens, sich im Rahmen der Regeln nicht ganz an die Regeln zu halten.
Aber trug Vivaldi denn nicht Perücke, so wie man es jedenfalls auf dem Kupferstich sieht?
Mit Sicherheit besaß er zumindest eine Perücke. Zumindest einer seiner Brüder war ja auch Perückenmacher, übrigens ebenso wie Anna Girós Vater. Die Stutzperücke, mit der ihn der Kupferstich abbildet, wäre auch durchaus korrekt gewesen. Aber wie lästig!
Man kann davon ausgehen, dass er auf dieses bei heftigeren Bewegungen verrutschende Requisit ebenso gern verzichtete wie auf das schwarze Käppchen und sich, von Ausnahmefällen abgesehen, so präsentierte, wie es ihm ab bequemsten war: nämlich mit unbedecktem Kopf und dreimal jährlich zu offiziellen Anlässen rasierter Tonsur.
So also stelle ich ihn mir für den Normalfall vor:
Mit offenem Haar und ausgewachsener Tonsur, mit notdürftig standesgemäßer schwarzer Kleidung (Soutanelle), geöffnetem Kragen, aufgekrempelten Ärmeln und nicht immer vorbildlich in Schuss gehaltenen Schuhen.
Das ist schwierig.
Es gibt zwar 5 oder 6 Porträts, doch auf den ersten Blick scheinen sie 3 verschiedene Männer abzubilden.
Nur in einem Fall kann das Bild aufgrund einer Porträtsitzung entstanden sein. Es steht aber nicht "Vivaldi" drauf; also können wir mit diesem Bild nicht anfangen.
Mehrere Porträts sind sich relativ ähnlich, wie z.B. diese beiden (es gibt weitere, die ich im Internet aber nicht gefunden habe):

Grund der Übereinstimmung ist aber nur, dass das eine vom anderen abgekupfert wurde. Kupferstich links war die Vorlage für rechts. Leider sieht man ihr die Unzulänglichkeit auf den ersten Blick an.
Dieser Kupferstich wurde in Holland aufgrund von Skizzen, wahrscheinlich auch Vorlagen und mündlichen Angaben, recht ungeschickt zusammengeschustert. Wer bei Vivaldis Amsterdamer Verlag die Noten für Opus VIII bestellte, diesen Kupferstick als Zugabe erhielt und später nach Venedig fuhr und Vivaldi persönlich über den Weg lief, wunderte sich wahrscheinlich nicht schlecht.
Zu Vivaldis Glück - oder eher Unglück? - hat sich aber auch ein ganz hervorragender Künstler an ihm zu schaffen gemacht, nämlich Pier Leone Ghezzi.
Vivaldi brauchte für dieses Porträt nicht einmal stillzuhalten (was ihm wahrscheinlich ohnehin schwer fiel), denn Ghezzi fing ihn einfach ein:

Gott, was für eine scheußliche Nase!
So wird er der Nachwelt also überliefert durch ein Porträt, das eine Karikatur ist.
Dennoch: man hätte ihn aufgrund dieser Karikatur wohl wiedererkannt und wäre amüsiert gewesen.
Um das Porträt richtig zu deuten, muss man es selbstverständlich relativieren, und um es richtig zu relativieren, muss man den Stil des Zeichners kennen und vergleichen.
Also vergleiche man dieses Vivaldi-Porträt beispielsweise mal mit folgenden Ghezzi-Karikaturen:




Dergestalt relativiert, muss man wohl feststellen, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können. Vivaldi ist für Ghezzis Verhältnisse trotz Nase ziemlich schnuckelig ausgefallen. Für Ghezzis Verhältnisse, der bei Brustporträts die Schultern manchmal sogar ganz unterschlägt (entsprechende Bilder habe ich im Kopf, aber im INet nicht gefunden) wirkt Vivaldi sogar breitschultrig.
Nach dieser Relativierung stellt sich die Frage, ob dieser Mann
und dieser Mann
ein und derselbe sein können.
Sie können es ganz sicher! Allein aufgrund des Vergleichs der Profile lässt sich aber nicht feststellen, dass sie es auch müssen (allerdings bin ich der Überzeugung, dass sie es sind).
Nimmt man den Kuperstich hinzu, der anscheinend formale Eigenschaften des Gemäldes übernommen zu haben scheint, so folgt daraus ein Ergebnis und Gesamteindruck, der zwiespältig und zweideutig bleiben muss: ein etwas mädchenhafter oder altjüngerlicher Kopf auf einer betont männlichen Statur.
Wie war er hergerichtet?
Eine 3Sat-Doku zeigte uns neulich einen Vivaldi mit aufgeplustertem Lockenkopf, rötlichem Brokatjackett, heller Hose, Spitzenjabot, hellen Strümpfen und vielen dicken Ringen an den Fingern.
Oh Gott!
Um mit dem Einfachsten anzufangen:
Klein Erna hält viele dicke Ringe für barock, die Wirklichkeit ist aber anders.
Die Renaissance zwar liebte Ringe an allen möglichen Fingern und Fingergliedern, aber im schmuckverliebten Barock waren Ringe passé! Ringe wurden zu dieser Zeit grundsätzlich nicht als Schmuck getragen, sondern - in relativ seltenen Fällen - als Zeichen aufgrund ihrer Symbolik (man denke an den Ring, den Monteverdi Schütz schenkte oder vielmehr 'verlieh'). Das überrascht vielleicht, ist aber so. Schmuck wurde statt dessen an der Uhrenkette getragen.
Ein einzelner, schmaler Ring wäre daher allenfalls möglich, wenngleich äußerst gewagt. Mehr aber nicht.
Und dann diese Film-Frisur!
Eine weiter Überraschung: Vivaldi trug Tonsur.
Wahrscheinlich stellt sich kaum irgendwer Vivaldi mit Tonsur vor - aber er trug sie ohne Zweifel.
Er trug die Tonsur, wie er sich auch ohne jeden Zweifel in der Öffentlichkeit mit Priesterkleidung präsentierte. Warum?
Man irrt, wenn man - bezogen auf Vivaldi, seinen Ort und seine Zeit - "Priester" für einen Beruf hält.
Das war im Venedig des 18.Jahrhunderts kein Beruf, sondern ein Stand, verbunden mit der eventuellen Möglichkeit zu einem Beruf. Vivaldi war keineswegs der Einzige, sondern einer von vielen, wahrscheinlich hunderten Standesgenossen, die diesen Stand hatten, ohne sich als Priester zu betätigen.
Der Priesterstand war ein Ehrenstand - zumindest dann, wenn man (wie Vivaldi) aus einfachen Verhältnissen kam. Außerdem blieb man sowieso Priester, ob man es wollte oder nicht und die Messe las oder nicht (wie selbst Lorenzo da Ponte, der beides keineswegs mehr wollte).
Wer Priester war, musste sich aber auch als Priester kleiden und frisieren. Es war nämlich ein Vorzug und eine Ehre, das zu dürfen! Das gilt insbesondere auch für die Tonsur, die Corona clericorum.
Ein Mann, von dem man wusste, dass er zum Priester geweiht wurde, wäre daher im Rock aus rötlichem Brokat und mit hochgetuffter Frisur nicht gut angekommen. Vielmehr hätte man gemunkelt: Was hat er verbrochen, dass er Priesterkleidung und Tonsur nicht mehr tragen darf? Warum wurde ihm dies aberkannt? Man legte in Vivaldis Situation mit opulenter weltlicher Kleidung also nicht etwa Ehre ein, sondern machte sich suspekt.
Vivaldi legte auf seinen Stand im Übrigen durchaus Wert. Er war nicht einfach Antonio Vivaldi, sondern Don Antonio Vivaldi, und auch im Libretto ließ er sich so nennen.
Das ist das eine.
Das Andere ist, dass Vivaldi kein versponnen romantischer Künstler im Elfenbein-Turm war, sondern (auch) Geschäftsmann. Als Geschäftsmann kannte er sein Image und sein Markenzeichen, das er nicht einmal zu patentieren brauchte. Er wäre verrückt gewesen (aber er war nicht verrückt), wenn er sich seinen einzigartigen Künstlernamen ruiniert hätte, indem er wie Hinz und Kunz in bunter Kleidung und mit weißen Strümpfen herumgelaufen wäre, so wie in dieser Dokumentation - als Prete rosso nicht erkennbar.
Das Dritte ist eine ganz banale, praktische Frage.
Vivaldi interessierte sich nicht für Klamotten. Er vernachlässigte diesen für ihn uninteressanten und sinnlos kostenträchtigen Gesichtspunkt vielleicht nach Auffassung mancher sogar ein bisschen zu sehr. Über Priesterkleidung brauchte man aber nicht groß nachzudenken. Man trug halt die schwarze Soutanelle und war damit bei jeder Gelegenheit richtig angezogen; und mit Schwarz macht man als Rothaariger sowieso nichts verkehrt. Selbst für den vornehmsten Palast brauchte man sich nicht in Brokat zu kleiden und in Unkosten zu stürzen, denn der schwarze Gehrock des Priesters war selbst im vornehmsten Palast comme il faut.
Goldonis versteckten Hinweisen entnehme ich, dass Vivaldis Nonchalance von kleinlichen Geistern als peinlich empfunden werden konnte - dort bezogen z.B. auf schief gelaufene Schuhe. Wenn man sich Ghezzis Karikatur ansieht, findet man den nonchalanten Eindruck bestätigt. Die Zeichnung lässt deutlich erkennen, dass Vivaldi Soutanelle und Tonsur trägt. Aber was ist mit dem kleinen runden schwarzen Käppchen, das nicht fehlen darf, da ein Priester nicht mit unbedecktem Kopf herumlaufen darf? Es fehlt dennoch, und außerdem steht der Kragen offen, was gleichfalls nicht comme il faut ist. Eine bemerkenswerte Selbst-Linzens, sich im Rahmen der Regeln nicht ganz an die Regeln zu halten.
Aber trug Vivaldi denn nicht Perücke, so wie man es jedenfalls auf dem Kupferstich sieht?
Mit Sicherheit besaß er zumindest eine Perücke. Zumindest einer seiner Brüder war ja auch Perückenmacher, übrigens ebenso wie Anna Girós Vater. Die Stutzperücke, mit der ihn der Kupferstich abbildet, wäre auch durchaus korrekt gewesen. Aber wie lästig!
Man kann davon ausgehen, dass er auf dieses bei heftigeren Bewegungen verrutschende Requisit ebenso gern verzichtete wie auf das schwarze Käppchen und sich, von Ausnahmefällen abgesehen, so präsentierte, wie es ihm ab bequemsten war: nämlich mit unbedecktem Kopf und dreimal jährlich zu offiziellen Anlässen rasierter Tonsur.
So also stelle ich ihn mir für den Normalfall vor:
Mit offenem Haar und ausgewachsener Tonsur, mit notdürftig standesgemäßer schwarzer Kleidung (Soutanelle), geöffnetem Kragen, aufgekrempelten Ärmeln und nicht immer vorbildlich in Schuss gehaltenen Schuhen.

