Rhetorix
But cruel are the times, when we are traitors
And do not know ourselves; when we hold rumor
From what we fear, yet know not what we fear
But float upon a wild and violent sea
Each way and move.
And do not know ourselves; when we hold rumor
From what we fear, yet know not what we fear
But float upon a wild and violent sea
Each way and move.
Shakespeares Macbeth war für mich Schullektüre.
Anders als es bei Schullektüren zugeht, wurde mir der Stoff nicht durch den Unterricht verleidet - zweifellos das Verdienst Shakespeares und nicht meiner abscheulichen Englischlehrerin. Dieses Drama hat mich seither fest im Griff. Ich schätze es von allen Shakespeare-Dramen am meisten und befinde mich damit in ziemlich guter und zahlreicher Gesellschaft.
Wie - nicht Romeo & Julia, Lear, der Sommernachtstraum oder der bei den Deutschen so ungemein beliebte, weil abgründig 'tiefe' Hamlet?
Macbeth ist 'tiefer' als alles andere, einschließlich des Hamlet.
Bei Hamlet hat man vielleicht irgendwann einmal den Eindruck, ins Nichts zu fallen (m.E. eine Einbildung).
Bei Macbeth (und mit ihm) kommt man zunehmend zu der Einsicht, dass man eigentlich schon die ganze Zeit vor dem Nichts gestanden hat, als Schiffbrüchiger, der sich auf rauher See an eine Planke klammert, die den Händen im nächsten Augenblick entgleiten kann.
Was weiß man sicher, und woran kann man sich halten?
Man glaubt zu wissen, dass Macbeth ein Erzbösewicht ist, ein Unmensch, der von den Gutmeinenden am Ende mit vereinten Kräften beiseite geräumt wird, damit das Gute siegt.
Theaterleute haben eine abergläubische Furcht vor Macbeth: Macbeth bringt Unglück. Deshalb nennen sie das Stück vorsichtshalber nicht einmal beim Namen, sondern sprechen nur von 'the scottish play'.
Diese Furcht hat aber auch reale Gründe. Macbeth missrät nämlich besonders leicht, so leicht, dass es beinahe eine Garantie für den Durchfall ist.
Wer bei der Auffassung stehen bleibt, dass Macbeth ein Erzbösewicht ist, ein Unmensch, der von den Gutmeinenden am Ende mit vereinten Kräften beiseite geräumt wird, damit das Gute siegt, hat den Misserfolg schon in der Tasche. Das Publikum liebt Macbeth nämlich trotz der Verbrechen, die er unbestreitbar begeht, und verzeiht nicht, wenn er samt seiner Frau auf simpelste Weise als 'Achse des Bösen' abgetan wird.
Das Leitmotiv dieses Dramas ist die Zweideutigkeit. Fair is foul and foul is fair.
Zweideutig ist insbesondere Macbeth selbst, und zweideutig ist vieles, was er sagt.
Das macht seine Darstellung so ungemein schwierig. Jeder polternde Finsterling und Messerstecher hat von vornherein versiebt.
Der Zuschauer sitzt unweigerlich über ihn zu Gericht.
Wer zu einem eindeutigen Urteil über ihn und über die Nebenfiguren kommt, hat vieles nicht verstanden.
Das erweist sich an den möglichen Antworten auf die Frage:
Wer ist schuld am Tod der Lady Macduff?
Ich möchte im Folgenden versuchen, diese Frage zu beantworten.
Falls jemand von euch sich gleichfalls für Macbeth interessiert und sich mit Antworten oder Fragen beteiligen will, würde ich mich darüber freuen.

Hier findet ihr den Text.