Mo-M.
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Original von Reinhard
Hallo Mo.-M, da hängt wohl viel an dem Begriff der Möglichkeit. Wie gewinnt man denn " Möglichkeit "? Die gegenständliche Welt und das ist nun mal die Welt der Wissenschaft, da wir alles immer nur nach den Vorgaben von Raum, Zeit und Kausalität erkennen können, ist ja schon immer und wenn wir von der Wirkung auf die Ursache zu schliessen gehalten sind, ergeben unsere Gewohnheiten Veranlassung auf Wiederholungen zu schliessen unter sonst gleichen Umständen. Bestätigungen gibt es aber nur durch die Wirklichkeit, die den nichtgegenständlichen Betrachter voraussetzt und damit eine objektive Welt. Im existenziellen Sinne bilden der Betrachter und das Objektive aber einen Ereigniszusammenhang, der seine Einheitsbildung durch den Einzelnen erfährt. Damit ist der Einzelne aber unweigerlich ins Metaphysische gesetzt, wenn man so will, im Esse. In diesem, unseren Vorstellungen unzugänglichen Bereich, begegnen wir der Möglichkeit, die nur durch einen grundlosen Akt der Freiheit zur Wirklichkeit gelangen kann.
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Hallo Reinhard,
erst einmal vielen Dank für die erneut ausführliche und sehr geistreiche Antwort!
Vielleicht zum ersten, "theoretischen" Teil deiner Ausführung: Dass der Beobachter und X (Du nennst es objektive Welt) den Ereigniszusammenhang bilden den wir als gegeben erkennen, scheint mir plausibel. Bezieht sich der Einzelne hier auf die Einheit des Subjekts in dem das Ereignis durch die Perspektive des Einzelnen geeint wird? (Als Einheit von Erkennendem im Verhältnis zu Etwas zu erkennenden?)
Ich habe vorhin X eingefügt, weil ich mich scheue, Aussagen über das zu treffen, was dem enstpricht, dass sich uns als (objektive) Welt darstellt. "Cogito ergo sum" steht für mich nach wie vor fest - allerdings ungeachtet der Frage, was mit sum/sein gemeint ist, ich bin mir nur sicher, dass es irgendetwas sein muss. Wenn das Sein bedeutet, dass ich mich als einheitliches Subjekt in beobachtender Position zu einer (objektiven) Welt befinde, dann kann ich über diese Welt die Vermutung anstellen, dass sie mir bestimmte Grenzen setzt. Dass ich nicht tun und lassen kann, was ich will, lässt mich auf die Idee der objektiven Welt schließen. Es ist doch tatsächlich nur eine Idee - eine sicherlich nicht ganz abwegige Idee, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Dennoch: Für mich ist die Außenwelt gewissermaßen so etwas wie ein eigenes Postulat à la Kant. Ich muss an sie glauben, beweisen kann ich sie nicht. Etwas beweisen kann ich - hier wieder Wittgenstein - ohnehin nur innerhalb eines geschlossenen Systems, dem etwas zugrunde liegen muss, an das ich glaube.
Hier ist doch jetzt der spannende Punkt auf den Du mit Recht aufmerksam gemacht hast: Die Entstehung dieses grundlegenden Glaubens, somit gewissermaßen der Akt der Entscheidungsfindung, bleibt im Dunkeln. Ich würde statt Gründen gar eher von Ursachen sprechen, Gründe haben - zumindest in meinem Verständnis - bereits eine Theorie als Verknüpfung von Begriffen nötig, um Gründe zu sein: Gründe können mich zu rationalen Überlegungen zwingen, dafür müssen sie sich allerdings erst in einem System von Überzeugungen befinden.
Ich weiß nicht, was der Ursprung dieser Ursachen ist. Vielleicht ist dies die metaphysische Frage schlechthin. Ich glaube also an die Außenwelt als X und ich möchte auch nicht destruktiv-skeptisch, ja beinahe solipsistisch argumentieren: Ich akzeptiere, dass es etwas gibt, was meiner (absoluten) Freiheit Grenzen setzt. Dieses ist X. Allerdings ist die Beziehung von dem, an das ich als X glaube, zu mir als Beobachter (wo auch immer sich dieses verortet) derart unklar, dass ich mir sehr unsicher darüber bin, inwieweit sich mir meine Entscheidung für eine bestimmte Theorie durch die Außenwelt/X/das Gegenständliche tatsächlich mit der Notwendigkeit aufdrängt, die unsere induktiven Schlüsse auf Naturgesetze nahelegen, oder ob in der Beziehung zwischen dem, was Körper und Geist nennen nicht eine Anomalie herrscht (da sympathisiere ich mit dem Anomalen Monismus: Psychophysische Identität bei gleichzeitigem Nicht-unter-strikte-Gesetze-fallen dieser Beziehung). Inwiefern hier ein unmittelbarer Übergang, ein qualitativer Sprung stattfinden kann, da bin ich mir nicht sicher.
Ich möchte sagen: Widersprechen kann ich dir nicht ausdrücklich, allerdings ist die Art, wie das Gegenständliche meine eigene Theorie über es selbst bestimmen könnte, mir höchst undeutlich vorstellbar. Es ist allerdings eher eine Art Skeptizismus, der hier bei mir einsetzt.
Zu deinen Anmerkungen zu den Geisteswissenschaftlern: Sicher stehen diese in der Verantwortung, die Gesellschaft zu etwas mehr Kontemplation anzuregen. Allerdings frage ich mich auch, woher der teilweise doch sehr scharfe Anti-Intellektualismus herstammt, nicht in seiner berechtigten Ablehnung einer Pseudo-Weisheit, sondern in der Ablehnung jeglicher komplexer Reflektion als Blabla und Theorie-Gebrabbel. Dieser Mangel macht den Auftrag nur umso dringlicher, in der Frage der Verantwortung muss man jedoch eventuell etwas differenzierter sein, wie ich meine.
Schöne Grüße,
Moritz