Metaschleifen

Pippen
Ich möchte die Diskussion um meinen Satz "Alle Sätze sind falsch" weiterführen, aber unter einem geeigneteren Thread, da o.G. nichts mehr mit der reinen Antinomie in "Dieser Satz ist falsch" gemein hat:

1. Gegeben sei der Satz (S-kurz) "Alle Sätze sind falsch" als Kürzel für den Satz (S-lang) "(1) Alle Sätze sind falsch, (2) der vorhergehende Satz ist falsch, (3) der vorhergehende Satz ist falsch..."

2. Die Kommata in (S-lang) drücken kein konkludentes UND aus, sondern führen nur einen neuen Teilsatz ein, der sich auf den vorhergehenden Teilsatz bezieht und dessen Metaebene darstellt, also quasi eher ein DAS HEIßT. Weil das unendlich fortläuft, das Satzende aber für eine abschließende Bewertung entscheidend wäre, vertrete ich eben das hier die klass. Logik per ihrer eigenen Definition unanwendbar ist.

3. Es geht um die konkrete und nunmehr klar herausgearbeitete Frage, wie die klass. Logik mit Sätzen in Form von unendlichen Metaebenen umgeht, wenn diese Metaebenen sich mit wahr-falsch-Bewertungen ihrer Vorgänger abwechseln, so dass keine Metaebene existiert, die den ganzen Satz "überblickt" und daher auch im Sinne der Logik "bewerten" kann. Darauf habe ich bisher nirgends eine Antwort gefunden....

Es geht also um Unendlichschleifen wie mein o.g. Satz oder der Satz:

Pippen ist dumm, doch nicht dumm, doch dumm, doch nicht dumm, doch dumm, doch nicht dumm usw. ad. inf.
ewig
Pippen
Was sagen die Logiker? (...und ich meine nicht den Hinweis, dass ich mir ein Logik-LB durchlesen soll, da steht o.g. Fragestellung nämlich definitiv nicht drin)
ewig
Die klassische Logik sieht da eine Aneinanderreihung von sich jeweils abwechselnd widersprechenden Aussagen. Da hier keine Wertung vorgenommen wird, sondern jede Aussage als gleichwertig angenommen, sind die Widersprüche unauflösbar.

Setzt man hingegen eine Wertungshierarchie ein (etwa: je älter / jünger eine Teilaussage, desto höher ihr Wert), wird das ganze auflösbar. (Dynamisiert man dann noch diese Hierarchien, gelangt man in den Bereich reell funktionaler Operations- und Entscheidungs-Systeme.)

(So wenigstens mein Verständnis von alledem.)
Pippen
Zitat:
Original von ewig
Die klassische Logik sieht da eine Aneinanderreihung von sich jeweils abwechselnd widersprechenden Aussagen. Da hier keine Wertung vorgenommen wird, sondern jede Aussage als gleichwertig angenommen, sind die Widersprüche unauflösbar. [quote]

Das verstehe ich.

[quote]
Setzt man hingegen eine Wertungshierarchie ein (etwa: je älter / jünger eine Teilaussage, desto höher ihr Wert), wird das ganze auflösbar.


Das verstehe ich nicht. Wie soll das auflösbar sein, wenn es ja unendlich viele Teilaussagen gibt? Wenn Teilaussage Nr. 3 & 4 wahr und falsch sind und Teilaussagen 2345 & 2346 auch...was soll das bringen, wenn dahinter UNENDLICH viele Teilaussagen kommen?

Vielleicht kann sich Soso mal äußern....

@Soso: Der Ausgangsthread sollte die Problemstellung auf den Punkt bringen.
Tyra
nuja....innerhalb der klassische Logik lässt sich logischerweise keine Lösung finden...aber wenn man das entweder-oder-Schema und die Zweiwertigkeit verläßt schon.....da wo eine Logik aufhört beginnt ggf ne andere?
Statt entweder wahr oder falsch das Schema aufbrechen und unter Einbringung des Faktors Zeit Sowohl-als auch sagen.


Also Pippen ist (manchmal oder gestern) dumm und (manchmal oder heute und übermorgen) nicht dumm...damit kann man das Unendlichkeitsdings und Schleifenbinden dann lassen..und seine Zeit für was Sinnvolleres nutzen....Zwinker

An sich existieren Widersprüche ja nicht in echt....nur die Zweiwertlogik kreiert diese womit dann plötzlich Pfeile langsamer fliegen als Schildkröten mit Achillesversen rennen und so.....

Undendlichschleifen scheinen mir aus der Endlichkeit schleiftreibender Logik zu entstehen....ich bin da ja immer recht radikal so in der Art -wie hieß er noch gleich?- der den gordischen Knoten durchschnitt?

Sry hier als Spassbremse aufgetreten zu sein..ich verlasse mal den erlauchten Kreis der klassischen Logik wieder um mich meiner buddhistisch-zirkulären Logik zu widmen und in aller Bescheidenheit meinen Zengarten zu fegen (dort finde ich übrigens Schleifenmuster gar nicht so schlecht....) .....oder so.

Tyra
Pippen
Zitat:
Original von Tyra
nuja....innerhalb der klassische Logik lässt sich logischerweise keine Lösung finden...


Sehe ich auch so. Das führt dazu, dass der Satz "Alle Sätze sind falsch" nicht mehr falsch ist, sondern eben (in der üblichen klass. Logik) schlicht unbestimmbar/unentscheidbar. Ein Skeptiker, der o.g. Satz als Ergebnis und Aussage seiner Überlegungen vertritt, sagt damit nichts Falsches oder Widersprüchliches mehr aus, so dass man ihm keine logische Inkonsistenz mehr vorwerfen kann. Daher wäre der Wahrheitsskeptizismus nicht falsch!, wie Stegmüller meinte. Stegmüller übersieht die unendliche Schleifenstruktur von verneinenden selbstbezüglichen Sätzen.

Das wäre eine Bombe für die Logiker, die bisher immer behaupten, dass Sätze wie der obige schlicht falsch seien, auf der anderen Seite - und bezeichnenderweise - die Metaschleifenkonstruktion solcher Sätze ebenso schlicht übergehen.

Ich bezweifle übrigens, dass andere Logiken die Metaschleifen auflösen könnten. Letztlich kann das wohl nur ein echter Schnitt des gordischen Knoten und der wäre alles andere als formallogisch.
Tyra
unter dem Paradigma des Konstruktivismus ist doch die Formallogik und mit ihrem wahr-falsch- Gedöns doch ohnehin etwas antiquiert oder? Wahrheitsskeptizismus ist ja bereits mit im konstruktivistischem Programm enthalten.
Die Fuzzy-Logik, Unschärfenlogik operiert ja mit einer ganzen Skala an Werten, mehreren Werten und paradoxerweise erschafft sie mittels Unschärfe mehr Genauigkeit, was aber an sich logisch ist, denn die Welt ist nicht schwarz oder weiss, DIE Wahrheit gibt es nicht und wahr und falsch oft nicht leicht zu trennen...Wahrheit ist relativ..zum Betrachter und zum Betrachteten.... Mit der These dass dieses oder jenes wahr oder falsch sei kann man als Konstruktivist der von Wahrheiten spricht, subjektiven Wahrheiten also nicht mehr groß aufwarten und somit verbleibt der Zweiwertlogik, Formallogik nurmehr der Rang eines Freizeitvertreibs, Gedankenspiels und Gehirntrainings.
Allerdings stehe ich mehr auf zirkuläre Logik, das ist ne nette Karusselfahrt im Gehirn und zudem kann man damit schon die Paradoxien der Zweiwertlogik (die ja nur entstehen weil man entweder (wahr) oder (falsch) denkt entstehen anstatt unter Einbringung weitere Faktoren: sowohl-als auch) auflösen. Wie hatte ich ja beschrieben...indem man dynamisiert wie ewig es ausdrückte, also den Faktor Zeit mit einbringt und sagt:
zum Zeitpunkt t1 war pippen dumm und heute (= t 2) ist Pippen nicht mehr dumm und schlauer geworden....kommt aber darauf an ob Pippen seine Hausaufgaben gemacht und dazu gelernt hat Zwinker

Zweitwertlogik wertet zu knapp und unrealistisch...die Realität ist komplexer und die Zweiwertlogik wird ihr nicht wirklich gerecht. Ist zwar aufgrund ihrer Einfachheit ein Handlungsbeschleuniger und das macht z.B in Gefahrensituationen Sinn...wenn man z.B einem gesuchten Mörder begegnet sagt man sich: der Typ ist gefährlich und rennt...man operiert in einer solchen Situation also mit den zwei Werten: gefährlich-ungefährlich, kommt hoffentlich zum richtigen Schluss sonst ist ggf Schluss.

Tyra

also mit dem Satz: alle Sätze sind falsch finde ich ist der Satz falsch insofern er keine realistische Aussage trifft. Da bin ich halt Skeptikerin oder Cynikerin ala Diogenes in seinem Tönnchen und setze Realität als obersten Messwert an...aha...du denkst immer noch im entweder-oder-Schema, gerätst dabei jedoch auf die slippery slope of relativism oder die slippery slope des Skeptizismus.....auch nicht so gut...Ich würde von Anfang an gar nicht mit solchen Sätzen und den beiden Werten wahr oder falsch arbeiten...offener werden für Vermählungen...z.B die der Zweiwertlogik mit der Unschärfenlogik und mal gucken was dabei rauskommt?

Übertriebender Selbstbezug führt an sich eher zum Wegsacken, in die Selbstauslöschung, ...ins Nichts. Das ist irgendwie so wie wenn ein Hund versucht sich von hinten her selbst auf zu fressen...Metaschleife klingt so niedlich und harmlos..ich sehe da eher den blutigen Selbstmord einer Logik die an sich und in sich selbst scheitert? Und zwar indem sie in in zu formaler Strenge und Unflexibilität Un-sinn verzapft und in komisch wirkenden Paradoxien landet.
O.k. ich habe zu viel Krimis gelesen gebe ich zu .....war etwas zu viel Drama mit dem blutigen Selbstmord....aber irgendwie was Wahres dran oder?
Sun Deluge
Ich behaupte, dass die Gedankenwelt und damit ihre Anschauung auf das reale nicht der Wirklichkeit entspricht, also zwei Welten in einer Theorie ineinander verschlungen.
Wie soll denn z.B. ein "richtiger" Satz aussehen ? Aus den Gedanken heraus geht es doch immer nur noch mehr in das Komplizierte hinein. Allein das Wort "Logik" ist ein empiristisches Konstrukt. Wo fängt sie an, wo hört sie auf ? Bleibt sie stehen ? Denken sehe ich als nicht objektiv, so dass wir in einer "Empirismusschleife" bleiben, wenn wir überhaupt die Wirklichkeit als Wahrheit sehen. Das Wort im Wort sich selber überlassen genau so wie der Sinn dieses Wortes bewertet wird. Kausalität.
-Soso-
@Tyra

Hi.

Ich empfinde die in deinem zweiten Beitrag geäußerte Kritik als recht seltsam. So schreibst du:

Zitat:

unter dem Paradigma des Konstruktivismus ist doch die Formallogik und mit ihrem wahr-falsch- Gedöns doch ohnehin etwas antiquiert oder? Wahrheitsskeptizismus ist ja bereits mit im konstruktivistischem Programm enthalten.


Was wird hier denn eigentlich kritisiert? Die Formallogik mit ihrem wahr-falsch-Gedöns? Die Unterscheidung von wahren und falschen Sätzen ist keineswegs eine Notwendigkeit für formale Logiken. So erwähnst du selber den Konstruktivismus und die Fuzzy-Logic. Während in konstruktivistischen Formalsprachen die Wahrheitswerte meist als Bewiesenheit und Widerlegtheit interpretiert werden, werden sie in Fuzzy-Logiken meist als so etwas wie Teilwahrheiten interpretiert.

Oder kritisierst du hier zweiwertige Logiken? Aber warum nennst du dann als Alternative den Konstruktivismus? Konstruktivistische Logik (Intuitionismus) ist doch selber zweiwertig.

Im weiteren Verlauf kritisierst du alsdann die klassische Logik, indem du sie mit einer wahrheitsskeptischen Position konfrontierst, wonach es so etwas wie Wahrheit oder Falschheit gar nicht gebe und entsprechend argumentierst, dass eben darum die klassische Logik, deren Wahrheitswerte üblicherweise als Wahrheit und Falschheit interpretiert werden, nutzlos sei. Dass man die beiden Wahrheitswerte der klassischen Logik jedoch gerade als Wahrheit und Falschheit interpretiert, dafür kann doch aber die klassische Logik nichts; vielmehr ist das einfach eine Frage der Interpretation. So erwähnst du schließlich selber ein Beispiel, in der die beiden Wahrheitswerte völlig anders interpretiert werden, nämlich als Gefährlich und Ungefährlich. Wenn einem die metaphysischen Konnotationen der Begriffe „Wahrheit“ und „Falschheit“ nicht passen, dann interpretiert man die die Wahrheitswerte der klassischen Logik eben so, wie es einem ins Weltbild passt.

Sieht man hingegen ein grundlegendes Problem in der klassischen Logik und meint, dass jegliche Benützung derselben unnütz sei, so ist auch das keine Kritik an der klassischen Logik selber, sondern an ihrer Anwendung. Die klassische Logik macht keinerlei Aussage darüber, wie die Welt bestellt ist; sie ist vielmehr einfach nur ein Werkzeug, welches man benutzen kann oder auch nicht. Man kann aber doch den Hammer nicht für die Dummheiten des Handwerkers verantwortlich machen.

Wenn ich das abschließend noch anmerken darf: Ich selber halte Wahrheitsskeptizismus für eine für die Praxis völlig unnütze Position. Sobald man Wahrheit und Falschheit für unsinnig erklärt hat, braucht man ja doch wieder einen Ersatz dafür, denn irgendwie muss man Sätze dennoch wieder an die Welt anknüpfen, wenn Kommunikation irgendeine Relevanz für die Praxis haben soll. Zu sagen, dass ein Satz wahr oder falsch sei, ist ja nichts anderes als eine Aussage darüber, wie der fragliche Satz sich auf DIE WELT DES PRAKTISCHEN LEBENS bezieht. Wahrheit und Falschheit sind einfach Relationen von Sätzen zur Welt. Erklärt man diese Relationen für sinnlos, muss man einen Ersatz dafür finden, denn sonst verliert Sprache ihren Bezug zu Welt und damit eben ihre praktische Relevanz. In deinem Falle würde an die Stelle der Wahrheit vermutlich die Wahrheit-für-die-und-die-Person/en treten. Bezeichnenderweise würde sich diese Wahrheit-für aber lediglich in ihrer metaphysischen Konnotation von der durch sie verdrängten Wahrheit unterscheiden, ohne dass diese Ersetzung irgendwelche Unterschiede für die Praxis machen würde. Ob ich nun glaube, dass der Satz „in Deutschland wird auf der rechten Straßenseite gefahren“ wahr ist oder bloß wahr für die Deutschen, macht überhaupt keinen Unterschied für die Praxis: in jedem Falle würde ich den Glauben als Anlass nehmen, auf deutschen Straßen rechts zu fahren.
eliskases
Zitat:
Original von -Soso-
Ich empfinde die in deinem zweiten Beitrag geäußerte Kritik als recht seltsam. So schreibst du: [...]

Danke!
Pippen
@Soso: Kann ich von deinem Nichteingehen auf meinen Ausgansthread davon ausgehen, dass du akzeptierst, dass der Satz "Alle Sätze sind falsch", so verstanden wie im Ausgangsthread beschrieben, nicht falsch, sondern schlicht in der klass. Logik unlösbar ist? (Falls du nur zu "faul" bist, genauer zu antworten, reicht ein Ja oder Nein, damit ich mein mögliches Mißverständnis ausräumen kann)

@eli...: Bekommt du eigentlich Kohle von Soso für dein Hinterher-Geschleime? Soso's Argumente sprechen in der Regel so für sich, dass es keines Lakaien braucht, der sie hofiert.
eliskases
Zitat:
Original von Pippen
Soso's Argumente sprechen in der Regel so für sich, dass es keines Lakaien braucht, der sie hofiert.

Das weiß ich. Es ist echte Hochachtung für ihn, - und er erspart mir, mich selbst äußern zu müssen. Insbesondere, was deine Beiträge angeht.
Nik
Zitat:
Original von Pippen
@eli...: Bekommt du eigentlich Kohle von Soso für dein Hinterher-Geschleime? Soso's Argumente sprechen in der Regel so für sich, dass es keines Lakaien braucht, der sie hofiert.

Der Soso scheint ein braver Mann mit Sachverstand zu sein, dass er sogar konkurrierend umbuhlt und hofiert wird. smile

Wer hier allerdings mehr schleimt, wird durchs gegebene Zitat ja hinreichend deutlich. smile
Pippen
Es ist immer wieder erschreckend, wie man mit schlichter Plumpheit die Leute zu seinem Thread wie Schäfchen zur Wiese führen kann smile . Das ist prinzipiell gut. Nun muss ich nur noch rausfinden, wie die Leutchen dann auch threadbezogene Beiträge schreiben, anstatt den Spam als Aufforderung zum Weiter-Spammen zu nehmen, wobei ich mit diesem Beitrag wohl zu meinem Leidwesen eher eine neue Spam-Runde eröffne als die Leute zu animieren, threadbezogen zu posten. Aber ich bin halt selber Schuld smile .
Andrey
Zitat:
2. Die Kommata in (S-lang) drücken kein konkludentes UND aus, sondern führen nur einen neuen Teilsatz ein, der sich auf den vorhergehenden Teilsatz bezieht und dessen Metaebene darstellt, also quasi eher ein DAS HEIßT. Weil das unendlich fortläuft, das Satzende aber für eine abschließende Bewertung entscheidend wäre, vertrete ich eben das hier die klass. Logik per ihrer eigenen Definition unanwendbar ist.


Soviel ich weiß, gibt es in der klass. Logik keinen Junktor "DAS HEIßT" mit der von dir beschriebeden Semantik. Außerdem ist der Satz, wie du bemerkt hast, unendlich lang. Somit sehe ich nur zwei Möglichkeiten: (1) entweder ist es möglich, deinen Satz in einen Aussagensatz der klass. Logik zu überführen und dann die Frage nach dessen Entscheidbarkeit aufstellen, oder (2) die klass. Logik ist ansonsten nicht anwendbar, da die grammatische Struktur des Satzes es nicht erlaubt, sie anzuwenden.

Zum Fall (2) lässt sich nur sagen, dass der Satz dann in der klass. Logik lediglich keinen sinnvollen Satz mehr darstellt. Die Frage, ob er wahr oder falsch ist, erübrigt sich damit automatisch. Das ist aber nichts besonders interessantes, der Satz "Grün beißt Blubz" ist ebenfalls weder wahr noch falsch, da sinnlos.

Im Falle (1) sehe ich aber keine Möglichkeit, den Satz irgendwie in einen klass. logischen Satz überzuführen. Vielleicht habe ich irgendwas übersehen, aber ich sehe es auch nicht als allzu tragisch an. Warum sollte man sowas machen? Villeicht kannst du, Pippen, erklären, was genau du mit diesem Beispiel zeigen bzw. worauf du hinaus wolltest?
PietM
Zitat:
Original von Andrey
Soviel ich weiß, gibt es in der klass. Logik keinen Junktor "DAS HEIßT" mit der von dir beschriebeden Semantik. Außerdem ist der Satz, wie du bemerkt hast, unendlich lang. Somit sehe ich nur zwei Möglichkeiten: (1) entweder ist es möglich, deinen Satz in einen Aussagensatz der klass. Logik zu überführen und dann die Frage nach dessen Entscheidbarkeit aufstellen,


Genau das versuchte ich ihm schon einmal in einer Diskussion erklären, habe auch ein paar verschiedene Interpretationen vorgeschlagen. Da diese aber alle nicht zu dem von Pippen gewünschten Ergebnis führten, lehnte er sie einfach ab.
Pippen
@Andrey: Der Sinn des Satzes liegt darin begründet, dass ich auf der Suche bin nach einem skept. Aussagesatz, dem man nicht Widersprüchlichkeit oder Falschheit vorwerfen kann, der aber dennoch extrem radikal ist. "Alle Aussagen sind falsch" wäre halt so ein Kandidat und es bleibt zu prüfen, ob der Satz in der klass. Logik falsch oder unlösbar ist. Bei letzterem könnte man als Skeptiker genau mit diesem Satz "hausieren" gehen und seine Lehre auf den "Punkt" bringen, anstatt immer Schweigen oder Fragen zu müssen.

Zitat:
Original von Andrey

Soviel ich weiß, gibt es in der klass. Logik keinen Junktor "DAS HEIßT" mit der von dir beschriebeden Semantik.


Das hat nichts mit Junktoren, sondern Metaebenen zu tun, daher ja auch der Threadtitel "Metaschleifen". Metaebenen sind ganz normal, auch für die klass. Logik. Die Frage ist halt, ob man solche Metaebenen in einem Satz zusammenpacken kann. Sprachlich geht das wie man ja sieht. Und auch der Logiker hat da mE keine Chance einfach feige abzuhauen und zu sagen: "Ja da muss man das ganze in viele Einzelsätze trennen und jeden einzeln bewerten." Denn "das heißt" legt ja offen, dass das dahinter Kommende nur nochmal etwas klärt, was bereits im vorhergehenden Satz implizit drinsteckt.

Also: "Alle Sätze sind falsch" hat bereits genau die unendliche Kette an wahr-falsch-Bewertungen in sich vereinigt. Wenn ich sage: "Alle Sätze sind falsch, d.h. auch dieser Satz, d.h. auch dieser Satz...", dann eröffne ich nicht viele neue Elementrsätze, sondern versuche nur klarzumachen, dass in dem Satz "Alle Sätze sind falsch" diese unendlichen Metaschleifen bereits untrennbar verwoben sind.

Und wenn dann ein Stegmüller oder Soso meint, der Satz "Alle Sätze sind falsch" sei falsch, dann ist das eben falsch, weil das selbst wiederum ein Satz ist, der nach meinem Ausgangssatz falsch wäre (weil es ja selbst ein Satz ist). Um ihren Punkt zu beweisen, müßten sie also darlegen, dass der Ausgangssatz falsch ist und das schaffen sie nie, weil dieser Satz unendlich seine eigene Geltung verneint und man daher keinen Fixpunkt hat, an dem man sagen kann: Hier steht fest, dass der Satz w/f ist und daraus folgern wir jetzt los....

Versteht ihr was ich meine?
Andrey
Zitat:
Der Sinn des Satzes liegt darin begründet, dass ich auf der Suche bin nach einem skept. Aussagesatz, dem man nicht Widersprüchlichkeit oder Falschheit vorwerfen kann, der aber dennoch extrem radikal ist.


1. Was macht einen skeptischen Aussagesatz aus?
2. Wann ist ein Satz extrem radikal?

Zitat:
Die Frage ist halt, ob man solche Metaebenen in einem Satz zusammenpacken kann.


Meinst du das, was Russell mit seiner Typentheorie gerade versucht hat, zu vermeiden?

Zitat:
Also: "Alle Sätze sind falsch" hat bereits genau die unendliche Kette an wahr-falsch-Bewertungen in sich vereinigt. Wenn ich sage: "Alle Sätze sind falsch, d.h. auch dieser Satz, d.h. auch dieser Satz...", dann eröffne ich nicht viele neue Elementrsätze, sondern versuche nur klarzumachen, dass in dem Satz "Alle Sätze sind falsch" diese unendlichen Metaschleifen bereits untrennbar verwoben sind.


Naja, "Alle Sätze sind falsch" und die unendlich lange Kette an Sätzen durch "DAS HEIßT" verbunden sind zwei unterschiedliche Ausdrücke. Im Satz "Alle Sätze sind falsch" existiert zwar auch eine Schleife, da der Satz letztendlich "über sich selbst aussagt". Diese Antinomie ist aber nichts besonderes und basiert auch auf der Vermischung zwischen der Objekt- und der Metasprache. Und im Falle von "S-lang" sind es lediglich Sätze, die aneinandergereiht werden. Und wenn du diese Satzkette auswerten willst, dann musst du auch Regeln festlegen, wie das geschehen soll. Da es aber per se keinen "letzten" Satz gibt, den du aber gerade auszuwerten versuchst, ergibt das Ganze keinen Sinn.

Im Prinzip ist es nicht wirklich anders als das Lügnerparadoxon (ich sehe zumindest keinen Unterschied). Du hast es nur verkompliziert.
Pippen
Ich lese gerade in einem ähnlichen Thread: "Ja wenn der Satz "Alle Sätze sind falsch" falsch ist, dann...ja mei, WIE wollt ihr jemals wissen bzw. festlegen, ob dieser Satz falsch ist? Das geht aufgrund seiner unendlichen wahr-falsch-Struktur nicht. Das ist mE der Punkt. Der Logiker kann nicht einfach annehmen, der Satz sei wahr oder falsch und dann daraus weiterfolgern...wessen Rechtfertigung hat er dafür?

Das ist mE auch der Grund, warum klass. Logik hier versagt bzw. eben nicht anwendbar ist, weil ihre Regeln nicht auf den Satz angewendet werden können. Es scheitert schon daran, dass meinem Satz kein eindeutiger Wahrheitswert zugewiesen werden kann! (und zwar in keiner Logik; bei anderen Logiken könnte man den Satz modifizieren).

@Andrey: Ein radikaler skept. Aussagesatz verneint sich selbst. Er stellt eine Nichtaussage in der gramm. Form einer Aussage dar. Er benutzt die gramm. Form "Aussage" nur dafür, seinen Mitmenschen klarzumachen, dass das alles eigentlich bs ist - auch die Aussage selber.