mona_lisa
hallo zusammen!
mich würde interessieren was kant zur sterbehilfe sagen würde. es gibt heute uneinigkeiten, ob sterbehilfe legalisiert werden soll oder nicht. es gibt 2 arten von sterbehilfe; einmal die aktive sterbehilfe, wo man aktiv dem patienten z.B. eine überdosis an morphium verabreicht damit er stirbt. bei der passiven sterbehilfe werden alle lebensverlängernden maßnahmen unterlassen.
laut kants kategorischen imperativ gilt:
"Handle nur nach derjenigen maxime, durch die du zugleichwollen kannst, dass sie ein allgemeines gesetz werde"
kant ist ausdrücklich gegen SELBSTMORD. so würde ich behaupten, dass er auch gegn sterbehilfe wäre. denn durch die geleistete sterbehilfe würde man dem patienten nicht seine schmerzen und leiden beseitigen, sondern sein leben. stimmt ihr mir da zu?
wäre kannt auch gegen passive sterbehilfe, wenn der patient dies ausdrücklich verlangen würde, ich meine wegen SELBSTBESTIMMUNG?
bedanke mich für die antworten im voraus!
glorin
| Zitat: |
| "Handle nur nach derjenigen maxime, durch die du zugleichwollen kannst, dass sie ein allgemeines gesetz werde" |
Hm, mit genau diesen Zitat wollte ich dir eigentlich antworten, aber egal.
Du übersiehst 2Dinge.
1. Man soll so handeln, wie es die Natur von einem verlangt. Das heißt zu seinem besten. Ist ein Wesen, z.B. eine Todkranke Frau, die nur noch am Tropf liegt dir nun eine Zentner am Bein, sollte man sich nach Kant davon befreien. Somit legitimiert er in diesen Fall die Sterbehilfe.
2. Gegen passive wäre er wiederrum. Der Patient würde gegen Kants Grundsatz entscheiden. Somit handelt der Patient falsch. Also wäre es auch nach Kant falsch wissentlich jemanden zu helfen, wenn man weis das es falsch ist.
Ich denke die Selbstbestimmung würde nur eine Nebenrolle für Kant spielen.
mfg.
glorin
Heizer23
Hallo mona_lisa
Die Vorstellung dass Selbstmord unmoralisch sein soll, finde ich grotesk und anachronistisch. Die einzige Begründung dafür ist religiös und nicht ethisch fundiert.
Wenn Jemand einen Mensch leiden lässt, obwohl er nicht mehr leben möchte, dann tut man das um seinen eigenen Moralansprüchen gerecht zu werden. Andere Menschen gegen Ihren Willen zu zwingen sich fremden Moralvorstellungen zu unterwerfen ist mit dem k.I. unvereinbar solange die Betroffenen in Ihrem Handeln dem k.I. genügen würden.
Die Kontrolle über das eigne Lebensende kann im Gegensatz jedoch ohne Weiteres zu einem allgemeinen Gesetz gemacht werden (siehe japanisches Seppuku) , womit, meiner Ansicht nach, folgt, dass ein generelles Verbot von Sterbehilfe unmoralisch ist.
Das Kant für sich gegen Selbstmord ist spielt für die Anwendung des k.I. keine Rolle da der Imperativ ja grade kategorisch ist.
Das einzige Kriterium muss meiner Meinung nach sein: wie sehr darf man dem Todeswunsch glauben...wie weit ist er Depressionen geschuldet usw.
An glorin: deine Ausführungen verstehe ich leider nicht ganz:
wenn du schreibst "dir nun eine Zentner am Bein" meinst du dann, dass es in die Situation des Ausführenden mit Erwägung zu ziehen ist? dann müßte ich dir widersprechen...
im zweiten Punkt schreibst du: "Der Patient würde gegen Kants Grundsatz entscheiden." meinst du damit Kants Einstellung zum Suizid? Auch dann würde ich dir entgegenhalten was ich oben schon schrieb: der kategorische Imperative ist unabhängig von sämtlichen anderen Moralvorstellungen. Genau genommen ist jeder moralische Grundsatz der sich nicht DIREKT selbst aus dem k.I. ergibt - nach Kants Vorstellung - falsch.
Gruß Philip
glorin
| Zitat: |
| wenn du schreibst "dir nun eine Zentner am Bein" meinst du dann, dass es in die Situation des Ausführenden mit Erwägung zu ziehen ist? dann müßte ich dir widersprechen... |
ich meine damit das du dauerhaft Leistungen erbringen musst, die du eigentlich nicht zusätzlich erbringen kannst um der Person zuhelfen.
| Zitat: |
| Auch dann würde ich dir entgegenhalten was ich oben schon schrieb: der kategorische Imperative ist unabhängig von sämtlichen anderen Moralvorstellungen. Genau genommen ist jeder moralische Grundsatz der sich nicht DIREKT selbst aus dem k.I. ergibt - nach Kants Vorstellung - falsch. |
zwei mal minus ist aber in diesem Fall nicht unbedingt minus.
Heizer23
Danke für die schnelle Antwort.
"ich meine damit das du dauerhaft Leistungen erbringen musst, die du eigentlich nicht zusätzlich erbringen kannst um der Person zuhelfen"
In dem Fall würde ultra posse nemo obligatur gelten...und nur unter dieser Bedingung kann von Faktisches auf die normative Ebene durchschlagen.
Sollte die Leistung aber erbracht werden können und wäre nur sehr unangenehm läge die Sache anders...(das eigentlich stört mich...)
"zwei mal minus ist aber in diesem Fall nicht unbedingt minus."
Nein du hast Recht...es ergibt sich aus aus der Tatsache, dass Kants Einstellung nicht im Zusammenhang mit dem k.I. gestellt werden darf nicht, dass sich seine Ablehnung von Suizid positiv auf Moralität der Sterbehilfe auswirkt...sie ist schlicht irrelevant. Wenn aber irrelevante Meinungen Einzug in die ethische Debatte erhalten wird sie verfälscht. Deswegen muss man allein vom k.I. ausgehen.
Gruß
Nylen
"Euthanasie", also das sanfte geleiten in den Tod ist primär deshalb so verpöhnt, da die Nazis vorgaben im Interesse des Erhaltes der Volksgesundheit solches anwenden zu müssen.
Kants kategorischer Imperativ schkliesst Sterbehilfe sicherlich nicht einfach aus. Problematisch an der Sterbehilfe ist doch eher, die Möglichkeit sie anzuwenden ohne das ein klares Einverständnis vorliegt des Sterbenden, bzw. welchen Sterbenden muss man in seinem Wunsch erst nehmen. Sollen wir einen 19 Jährigen Sterbehilfe gewähren, weil er das Leben hasst und satt hat. Sicher nicht. Warum also bei einem alten Menschen der nicht totkrank ist. Warum aber andererseits nur Totkranke?
Alles schwierige Fragen.
Rebecca
Friedrich Nietzsche sagte : "Man sollte stolz sterben wenn es nicht mehr möglich ist stolz zu leben".
Nach Epikur ist << Der Tod, das am meisten gefürchtete Übel und nicht von Bedeutung für uns. Denn so lange wir existieren ist der Tod abwesend und wenn er anwesend ist, existieren wir nicht mehr.<<
Die mitleidlose christliche Religion, die sich angeblich das "Mitleid" auf ihre Fahnen geschrieben hat, hemmt und blockiert Menschen, die natürlich und gütig sind. Und mitfühlend!
Natürlich ist das ein sehr diffiziles Thema, denn wo beginnt die Rechtfertigung und wo hört sie auf.
Freundliche Grüße
Rebecca
Heizer23
Gutes Zitat von Nietzsche....ein bißchen pathetisch vielleicht aber das ist wohl der Zeit geschuldet. Im Kern genau meine Meinung.
Nylen
| Zitat: |
| Friedrich Nietzsche sagte : "Man sollte stolz sterben wenn es nicht mehr möglich ist stolz zu leben". |
Nietzsche betont aber auch den "Wert des Lebens". Was kein Einwand ist, nur eine Ergänzung.
squee!
nietzsche:
Verhinderung des Selbstmordes. - Es gibt ein Recht, wonach wir einem
Menschen das Leben nehmen, aber keines, wonach wir ihm das Sterben
nehmen: dieses ist nur Grausamkeit. (menschliches allzu menschliches #88 )
© Philo-Welt.de 2005-2008