Hi Soso, Jörg und andere.
Ich kann die Dinger leider nicht hören/sehen, insofern kann ich nur auf die Reaktionen reagieren.
Aber:
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| „Du schlägst als Alternative zu der o.g. Auffassung vor, dass einen Satz verstehen heiße, die rechtfertigenden Gründe für seine Behauptung zu kennen. Das greift jedoch nicht weit genug. Angenommen, jemand äußerte „blubb“ und ich fragte ihn, wie er diese Äußerung rechtfertigt, dann könnte er mir antworten „weil 'blubb' wahr ist“. In diesem Falle würde ich zwar die Rechtfertigung für „blubb“ kennen, aber nach wie vor nicht seine Bedeutung.“ |
Das ist doch eigentlich auch nicht der Punkt. Wenn ich nun sage: „‚Blubb‘ bedeutet für mich, die Steigerung von ‚Blibba‘“ tritt man noch immer auf der Stelle. Was hier wie dort fehlt, ist die intersubjektive Nachvollziehbarkeit des Gesagten, was man aber natürlich eingrenzen kann, durch geeignete Subsititutionen bzw., wenn jemand schon weiß was „Steigerung von“ oder „ist wahr“ bedeutet, durch gezielte Nachfrage, ggf. dem Würmer aus der Nase ziehen.
Ansonsten sind Sätze halt kontextabhängig und ich glaube, man muss sich schon anstrengen, Kontexte vollkommen (statt teilweise) verschieden zu verstehen. War das Lächeln bei der Bemerkung freundlich oder sarkastisch, höhnisch oder einschmeichelnd...? Darüber mag man geteilter Meinung sein.
Aber die Überlagerung der Kontexte (ihre Schnittmenge) und ihre intersubjektiver Abgleich bringt in aller Regel doch mehr Klarheit als Verwirrung, selbst bei eigenwilligen Kontextbrüchen: „Hast du auch bemerkt, dass er an einigen Stellen immer so unpassend gegrinst hat?“
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| „Außerdem sagst du, dass man einen Satz offensichtlich auch dann verstanden habe, wenn man ihn richtig gebrauchen könne. Erklärt das aber wirklich, was es mit dem Verstehen eines Satzes auf sich hat? Sagt man nicht schon anders herum, dass man einen Satz richtig gebrauchen könne, wenn man in verstanden hat? Dadurch wird die ganze Sache zirkulär.“ |
Ja, da gibt es wohl tatsächlich Unterschiede. Darauf weist Brandom ja auch hin. Etwas wiederholt richtig anwenden zu können, bedeutet noch nicht zwingend, etwas verstanden zu haben, sondern nur, dass ich weiß, wenn die Sirene ertönt, muss ich den roten Knopf drücken. Was ich tue ist möglicherweise völlig richtig (sozialperspektivisch), aber bis auf die Handlung selbst, und vielleicht noch nichtmal das, muss ich nicht zwingend wissen, warum ich tue, was ich tue, bzw. es könnte unterschiedlich weite Begründungen geben.
1) Ich könnte einen IQ von 40 haben und keine Ahnung von nichts, aber durch Lohn und Strafe derart konditioniert worden sein, dass ich zuverlässig immer bei dem Sirenenton den roten Knopf drücke. –
Ich weiß nicht was ich tue und im Grunde auch nicht warum.
2) Es könnte sein, dass ich sage: „Es gehört zu meinen Pflichten, im Rahmen meines Berufs, immer dann wenn die Sirene ertönt, den roten Knopf zu drücken.“ –
Ich weiß, was ich tue, aber nicht genau warum, bzw. die Wirkung meines Handelns sind mir nur im Bezug auf die Folgen für mich halbwegs klar.
3) Ich könnte detailliert ausführen, was es bedeutet, wenn die Sirene ertönt, dass nämlich im Werk ein größerer Unfall geschehen ist und ich mit dem roten Knopf spezielle Funkleitungen freischalte und andere blockiere, was wichtig ist, weil dann eine übergeordnete Kommunikationsebene aktiv werden kann und dabei nicht gestört wird. –
Ich weiß was ich tue und warum, aber es ist unklar ob ich darüber weiter reflektiert habe.
Zudem könnten ja noch übergeordnete Motiv mit hineinspielen, so dass man
4) Begründung 3) angeben kann mit dem Zusatz „... und da ich mich der Laden hier schon lange ankotzt, warte ich nur darauf, dass es sich richtig lohnt um dann den Knopf nicht zu drücken.“ –
Ich habe reflektiert, weiß was ich wann warum tue, und was warum nicht.
Der Weg von der Konditionierung zur Handlung, wie mir scheint, wobei jede tiefere Begründung neue Fragen aufwirft. Dass man weiter treiben. Die sich abzeichnende Mixtur diverser, an sich (einzeln betrachtet) vielleicht determinierender Motivationstränge könnte das generieren was ich Freiheit nennen würde, wobei ich nicht weiß, ob das zum Thema passt, deshalb nur mal als kühner Einschub.
So kann man natürlich auch in der zwischenmenschlichen Kommunikation seine Floskeln absondern und dabei hirntechnisch weitgehend im stand by- Modus verweilen, wer kann sich davon schon freisprechen?
Man gibt dann auch die „richtigen Antworten“ und plappert mehr oder minder bedeutungslos dahin.
„Ach du? Wie isset?“ „Ja muss nä, un selbs?“ „Jo, man schlächt si so durch. Und sonz?“ „Du weiß do, schlechten Menschen gehdet imma gut.“ „Jo, schönen Gruß an zuhause.“ „Ja auch, schönen Tach no, nä.“
(Die Metaanalyse würde natürlich erweisen, dass da sämtliche bedeutenden Informationen übermittelt wurden, sie Mann sich so zu sagen hat.)
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| „PS: Ich weiß nicht, ob meine Anmerkungen gerechtfertigt sind, denn ich muss zugeben, dass mich das Gefühl beschleicht, überhaupt nicht verstanden zu haben, worauf du hinaus willst.“ |
Im Wirtschaftsleben wäre das eine Spekulationsblase?
Gruß,
Carsten