Der Glaubenstest

Archibald
Wie testet man, ob ein Mensch an etwas wirklich glaubt (oder, aber auch nicht)?

Ein Vorschlag:

Angenommen, ein Mensch glaubt felsenfest daran, im nächsten Monat einen Sechser im Lotto zu haben, dann wird er jedem folgendes Angebot machen (sein Vermögen auf dem Konto beträgt 10.000 Euro):

"Du kannst einen Betrag bestimmen, den ich bekomme, wenn ich den Sechser bekomme, und, einen Betrag, den du bekommst, wenn ich nicht gewinne; jede Person darf mir ein Angebot machen, aber, ich darf zwischen jedem Angebot wählen, das für mich Beste davon auswählen, und, die jeweils gültigen Angebotskonditionen veröffentlichen; sie sind für jedermann einsichtig".

Sollte er wirklich den Sechser bekommen, dann hat der Gläubige in diesem Fall nämlich seinen Gewinn erheblich vergrößert!

Warum?:

Der Erste sagt:

O.K., gwinnst du, bekommst du nichts, gewinnst du nicht, bekomme ich 10.000 Euro.

Der Zweite sagt:

O.K., gwinnst du, bekommst du 1000 Euro, gewinnst du nicht, bekomme ich 10.000 Euro.

Der Dritte sagt:

O.K., gwinnst du, bekommst du 1000 Euro, gewinnst du nicht, bekomme ich 5.000 Euro.

Usw, usw..........................
E_D_Y
Glauben = Vertrauen in etwas was man nicht weiss glaubt man seinen erfahrungen? seinen Instinkt oder Herzen? Zeit für vernuft das wir einsehen wer wir sind und was wir eigentlich machen. glauben wir an etwas dann nur weil wir überzeugt davon sind...das es das richtige für uns ist
Archibald
@ EdV:

Glaubt nach deiner Definition ein Lottospieler daran, zu gewinnen?
dan-te
Na ja, dein Schema wird sich so weit einpendeln, dass er viel kriegt, wenn er gewinnt, und nur sehr wenig abgeben muss, wenn er verliert - einfach, weil es statistisch so unwahrscheinlich ist, dass er 6 Richtige hat.

Denn (fast) genau diese Wette hat er ja bereits abgeschlossen, als er sich den Lottoschein gekauft hat. Wobei natürlich zu berücksichtigen wäre, wie viele Scheine er ausgefüllt hat. Sollten dies ein paar Millionen sein, so verschiebt sich das Verhältnis wieder...
Archibald
@ dan-te:

Kann man demjenigen, der diese Wette tatsächlich machen würde, nachsagen, dass er stark dran glaubt, einen Sechser zu bekommen?

Ichdenke, wäre das in der Praxis so, dann würde es auf folgende Konditionen hinauslaufen:

Eine Person würde mir 3000 Euro anbieten, wenn ich den 6-er bekomme, und, 40 verlangen, wenn nicht.

Unter 40 Euro würde sich der ganze Aufwand (man muss ja ständig unterbieten) nicht mehr lohnen, und, wenn einer wesentlich mehr als 3000 Euro zu riskieren hat (die er dazu erst einmal haben muss), sind vielleicht 40 Euro zu wenig, um überhaupt einen Finger krumm zu machen!
Deldrimor
Mir ist nicht ganz klar wie du mit einer Statistikaufgabe den grad des Glaubens bzw. den Schritt in "den Glauben" testen willst. Das einzige was man hierdurch ermittelt ist die Risikobereitschaft des einzelnen in Bezug auf "reale" Gegebenheiten mit letztlich bestimmbaren Wahrscheinlichkeiten.
Der Glaube stellt ja keine Schätzung auf Basis von Daten dar, sondern ist eine Entscheidungsstrategie, welche auf Fakten und Wahrscheinlichkeiten beruhen kann, aber nicht muss.
Archibald
@ Del:

Richtiger Glaube basiert nicht auf der Wahrscheinlichkeitsspekulation.

Wenn jemand nämlich fest genug daran glaubt, den 6-er zu bekommen, macht er folgenden Deal:

Bekomme ich ihn, bekomme ich von die 1.000.000 €, bekomme ich ihn nicht, bekommst du 10.000 €.
FLorian K.
Jemand der aus Glauben zum Selbstmordattentäter wird, macht Deine Lotto-Wette. Aber mit deutlich höherem Einsatz.

Er wirft den Wert seines Lebens und noch den Wert des Lebens anderer Leute in die Waagschale.

Eine solche Wette geht nur jemand ein, der von den Inhalten seines Glaubens absolut überzeugt ist.
Archibald
@ Florian K:

Eben, und, und, genau DAS macht nämlich wahren Glauben aus: Das nämlich das "Etwas", an das man glaubt, ein "Etwas" ist, von deren Richtigkeit man total überzeugt ist!

Ich rede also hier nicht vom Glauben als Form des "spekulativen Zweifeln´s", sondern, als Form von "völligem Überzeugtsein"
niefre44
Der glaube versetzt berge,man kan aber auch berge hinsetzen wo keine sind.Nietzsche
Qu_ner
@Archibald
Ich glaube, daß wahrer Glaube erst dann ist, wenn der Lottospieler verloren hat und aber immer noch daran glaubt. Und der wahrste Glaube ist dann. wenn der das sein ganzes Leben lang macht und glaubt. Das ist wahrer konsequenter Glaube, allen Wahrscheinlichkeiten und wahrscheinlich auch allen Gegebenheiten zum Trotz. Und im Tod, so glaubt er, hat er dann die Gewissheit, daß dies alles doch so ist, wie er schon immer geglaubt hat. Gibt es noch einen wahreren Glauben? Und von was kann man so völlig überzeugt sein, daß man überhaupt an etwas glaubt?
Gruß, qu
Archibald
Zitat:
Original von Qu_ner
@Archibald
Ich glaube, daß wahrer Glaube erst dann ist, wenn der Lottospieler verloren hat und aber immer noch daran glaubt. Und der wahrste Glaube ist dann. wenn der das sein ganzes Leben lang macht und glaubt. Das ist wahrer konsequenter Glaube, allen Wahrscheinlichkeiten und wahrscheinlich auch allen Gegebenheiten zum Trotz..............................
Gruß, qu


@ Qu-ner:

Genau so sehe ich das auch!

Ein Glaubenstest baut also auf irrationalem GLAUBEN auf, und, nicht auf Wissenschaft, Statistik oder Mathematik.

Genau das wollte ich ja damit sagen!
Qu_ner
@Archibald
Dann hab ich das schon richtig verstanden. Bleibt die Frage, wieso Gläubige aller Realitiät zum Trotz an ihr Paradies glauben. Ich meine, das Gute ist so relativ wie die Länge eines Grashalms. Wie kommen Gläubige darauf, daß es ein Endziel gibt, für das sie sogar ihr physisches Leben aufgeben würden?
Gruß, qu
Archibald
@ Qu Ner:

Nun, ich sage, wenn ein Gläubiger an ein Endziel glaubt, dann ist das eine Abstahiereung einer Sache ("Ziel"), welche ein Teil des Lebens sein kann ("ich habe das Abitur bestanden"), welche auf das Leben als Ganzes projezioert wird ("Es gibt ein Ziel im Leben").

Das Ganze geht statt mit "Ziel" auch z.B. mit "Sinn", oder aber mit "Programm", aber auch mit z.B. "Wiedergeburt" ("Dinge wiederholen sich innerhalb des Lebens, warum nicht dann auch meine Exiistenz?")
Pippen
Zitat:
Original von Archibald
Wie testet man, ob ein Mensch an etwas wirklich glaubt (oder, aber auch nicht)?



...indem man um das Wertvollste wettet, was er hat - sein Leben.
Third
Glauben bedeutet Vertrauen. Vertrauen wird durch eine Frage nach dessen Echtheit in Frage gestellt und damit schon gebrochen. Desto wahrer der Glaube desto weniger beweist er sich. Glaube ist souverän und kann nicht abgelichtet werden. Sein Beweis ist der "Nicht-Beweis" Umgekehrt gesagt: Jeder "sich beweisende Glauben" ist unglaubhaft. Glaube bleibt für sich. Er ist dadurch erhaben sich selbst genug zu sein.
Die Unvernunft wird sich nicht herablassen und sich vor der Vernunft rechtfertigen. Die Vernunft aber die alles begreifen will grapscht nach der Unvernunft. Die Vernunft geht also in den Zoo um wilde Tiere zu beobachten. Die Unvernunft aber ist frei und unbeobachtet oder aber gefangen und begafft als Rilkes Panther.
Der Sinn des Glaubens liegt mir auch nicht darin sich als "richtig" im Sinne von durch ihn erreichte Erfolge auszumachen. Sondern durch seine Nützlichkeit Kräfte freizusetzen, die größer sind als Kräfte die von einer Gewissheit ausgehen:
Welcher Läufer wird mehr Willen aufbringen: Der der glaubt dass er gewinnt, oder der, der weiß, dass er gewinnt? Anders gesagt: Wo man an Grenzen heranrückt und sie überschreiten will ist Wissen ein Hemmschuh, da Wissen ein ausgetretener Eselspfad ist. Glaube aber kann Grenzen überschreiten. Glaube ist also vernünftig weil nützlicher als der Irrglaube an Wissen, wenn er nicht diktiert wird.


Grüße, Third.
Archibald
Zitat:
Original von Pippen

...indem man um das Wertvollste wettet, was er hat - sein Leben.


@ Pippen:

Wioe sieht soeine Wette in der Praxis aus?