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Original von Kai
Dass Radikalskeptizismus und Solipsismus in die Einsamkeit führen, ist dass schon ein hinreichendes Argument dagegen? |
Eine schlaue Frage. Im Grunde nicht. Es ist allerdings ein Fehler, die Suche nach der "Wahrheit" überhaupt singulär und abgetrennt von dem, was ihr voraus ging, zu behandeln. Stell Dir einmal die Frage: Was brachte Dich denn dazu, nach grundlegenden Sicherheiten zu fahnden über das was ist? Wenn Du das beantworten kannst, machst Du hinterher nämlich auch die zweite Operationsklammer (mathematisch gesprochen) wieder zu und erhältst ein viel vollständigeres Bild.
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| Im praktischen Leben setze ich vieles als richtig voraus. Nur ein Beispiel unter Hunderten: Ich putze mir regelmäßig die Zähne in der Hoffnung, dass sie mir jahrzehntelang erhalten bleiben. Wenn ich im praktischen Leben bestimmte Annahmen zur Grundlage meines Verhaltens mache, kann ich dann daraus den Schluss ziehen: Da ich auf der Basis dieser Annahmen handle, sind diese Annahmen auch Wahrheiten (im Sinne der Korrespondenztheorie)? |
Sicherlich.
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| Sind Vernunft und Common Sense nicht auch gerade durch die Aussagen der modernen Physik dubios geworden? Sollten diese Aussagen objektive Tatsachen richtig beschreiben, scheint die Welt einen Zustand und eine Funktionsweise zu haben, die unserer Vernunft widerspricht. |
Wegen der Quantentheorie? Die muß heuer für sehr viel unsinnige Gedankenkonstruktionen herhalten, meist aber bei Leuten, bei denen man bezweifeln muß, ob sie überhaupt die Zusammenhänge richtig begreifen. Da ich die QT übrigens selbst (noch) nicht begreife, sondern nur Vermutungen habe, wie das Ganze zu verstehen sein könnte, sind QT-basierte Argumente für mich null und nichtig. Wie könnte ich Prämissen zulassen, deren Fundmentierung ich nicht verstehe?
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| Wieso soll ein Zweifel an der Außenwelt nur methodisch möglich sein? Denken wir einmal die heutigen Möglichkeiten durch Computer virtuelle Realitäten zu schaffen in die Zukunft hinein. Ist es auszuschließen, dass es einst Holo-Decks geben wird, wie auf der Enterprise? Wenn man das prinzipiell für möglich hält, müsste man dann nicht auch für möglich halten, dass es solche bereits gibt? Und die Außenwelt eine virtuelle Realität ist? |
Schon. Aber was ändert diese Möglichkeit? Wirfst Du Dich deswegen nun aus dem nächsten Fenster, um "aufzuwachen" und zu sehen, wie "die wirkliche Welt" aussieht? Oder ist die Möglichkeit am Ende eben doch nur eine Möglichkeit, und die gefühlte Sicherheit, morgen wieder aufzuwachen, eher größer, wenn Du
nicht aus dem nächsten Fenster springst?
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| Wenn man annimmt, dass ein Radikalskeptizismus keinen Nutzen hat, ist dass bereits ein hinreichendes Argument gegen ihn? Wird eine Wahrheit erst dadurch zur Wahrheit, dass sie uns in irgendeiner Weise nützt? |
Wie gesagt: Es geht nicht
nur um "Wahrheit," sondern es geht darum aus einer vorangehenden Motivation. Ginge es nur um "Wahrheit",
müßte man vielleicht sogar aus dem Fenster springen, um herauszufinden, wie echt die erlebte Realität ist.
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| Würde die Welt nicht besser sein, wenn die vielen Dogmatiker, z. B. die gewaltbereiten religiösen oder politischen Fanatiker, Skeptizisten statt Dogmatiker wären? |
Sicherlich. Zweifel über die "Richtigkeit" des eigenen Tuns, verbessern wohl in der Regel die Qualität der Handlung. Aber wer
ausschließlich zweifelt, der würde niemals mehr handeln, und ob das am Ende richtig ist, das
lohnt sich nun wieder zu bezweifeln.