Der Russe
Hallo!
Bevor ich hier Fragen stelle, möchte ich erst einmal klären, ob sich hier jemand mit "Sein und Zeit" auseinandergesetzt hat.
Ich würde nämlich gern zu diesem Text...so wirklich zeilen- oder abschnittsweise...Fragen stellen. Und zwar von Anfang an. (Ich überlege mir bis § 18 vorzudringen und evnt. ein paar Sachen überspringen) Es ist klar, dass sich alles nicht klären wird, denn einer hat mir gesagt: "Dieser Text (gemeint auch überhaupt Heidegger) muss zu einem sprechen." Aber fest steht natürlich, dass das ohne Mühe (zumindest für mich) nicht geschieht...also will ich am Text ein wenig rütteln, ihn ein bißchen zwingen zu sprechen...
Oder vielleicht hat jemand vor ihn zu lesen...so könnte man auf diese Weise eine Gruppenarbeit anhand dieses Textes betreiben.
Also, zum Beispiel, in der Einleitung fängt Heidegger an, die Gründe dafür anzuführen, warum man sich an das Sein zurückbesinnen muss. Der Mensch ist nämlich in die "Seinsvergessenheit" geraten, d.h. der Begriff "Sein" wird seit Aristoteles und Co. nicht mehr als einer philosophischen Untersuchung würdig empfunden. Eine solche Untersuchung wird ja sogar bewusst unterbunden mit der dogmatischen Erklärung der Überflüssigkeit dieses Begriffs. "Sein" sei der allgemeinste und leerste Begriff, welcher sich jeder Definition entziehe. Er sei überflüssig, weil er seine selbstverständliche Verwendung im Alltag finde.
Heidegger geht auf die einzelnen Vorurteile genauer ein.
Vorurteil 1. Zur "Allgemeinheit" von "Sein" sagt er: "...Aber die "Allgemeinheit" von "Sein" ist nicht die der Gattung. "Sein" umgrenzt nicht die oberste Region des Seienden, sofern dieses nach Gattung und Art begrifflich artikuliert ist...Die "Allgemeinheit" des Seins "übersteigt" alle gattungsmäßige Allgemeinheit."
Frage: Kann mir jemand an einem Beispiel erläutern, was Heidegger (aber vor allem die "Gegner" von Sein) hier unter "Allgemeinheit" der Gattung versteht? Was bedeutet es eigentlich, wenn ich sage "Dieser Begriff ist (zu) allgemein." Sage ich dies "im Sinne von Gattung/Art"? Aber was heißt das?
Sagen wir, ich betrachte ein ganz bestimmtes Seiendes - ein Ding. Ich will nun das "Ding" zum "Seienden" gattungsmäßig verallgemeinern. Wie gehe ich vor?
Weiter ist da eine Kleinigkeit - das Wort "übersteigt" ist im Buch mit Anführungsstrichen in Kursiv geschrieben. Das deutet darauf hin, dass Heidegger kein besseres Wort an dieser Stelle gefunden hat. Habt ihr vielleicht irgendwelche Deutungen des "übersteigt"? Übersteigt, aber wie, als was, im Sinne von...?
Das wäre so die erste(n) Frage(n)
Zanderdan
Hallo Russe,
erstmal willkommen, zweitens Vorsicht: nicht sein und seiendes gleichsetzen!
Gattungsbegriffe kann man sich wohl in der Biologie vorstellen, oder auch als aristoltelische Kategorie bzw. Universalie. Nehmen wir mal eine Gattung der Oktopoden, die alle Wesen mit acht Füssen umfasst. Gattungsmerkmal ist die Achtfüssigkeit und die kommt allen Elementen der Gattung zu.
Nun gibt es Achtfüsser und es gibt das Seiende, also alle die Dinge, die sind. Kann man ja sagen: so wie allen unseren Oktopoden die Achtfüssigkeit zukommt, so kommt allen seienden Dingen das Sein zu. Man könnte sagen: Sein ist das, was alle seienden Dinge gemeinsam haben.
Das ist -wie ich Heidegger verstehe- wohl der Grund, warum sich so lange niemand mit dem Sein auseinandergesetzt hat, weil es so betrachtet kaum lohnend erscheint. Man hat nur Ontologie betrieben, also sich gefragt, was denn alles zu den seienden Dingen zu zählen sei. Damit würde die Frage nach dem Sein gleich mitbeantwortet.
Allerdings enthält dies alles die nach H. unzulässige Unterstellung, Sein sei ein Gattungsmerkmal.
Ist es nicht, sagt er. Sondern was? Das eben ist die Frage, die Frage nach dem Sein. Nicht Ontologie, sondern sogenannte Fundamentalontologie.
Die frage ist jetzt noch nicht formuliert. Das beschäftigt ihn eben in Sein und Zeit: diese Frage nach dem Sein zu stellen. "Seinsvergessenheit" heißt nicht bloß kein Schwein kümmerts, sondern heißt: wir können die Frage gar nicht sinnvoll stellen, was denn das Sein ist.
Und das versucht er dann.
Alles ohne Gewähr und Gruß
karlchen
Hallo Russe, kann mich den Ausführungen von Zanderdan voll anschließen. Bzgl. des "übersteigen" folgt die inhaltliche Bestimmung als "transcendens" doch direkt danach, also sozusagen "auf den Fuß". Desweiteren als "aristotelische Einheit der Analogie", die dadurch wohl v.a. von der sachbezogenen Kausalität abgegrenzt werden soll. Hier wären aber weitere Auführungen (v.a. anhand von Originalstellen bei Aristoteles) willkommen.
Herzliche Grüße !
Telltale
| Zitat: |
Original von Zanderdan
...zweitens Vorsicht: nicht sein und seiendes gleichsetzen! |
Natürlich kannst Du mich jetzt nicht schmunzeln sehen, aber sagen kann ich zumindest, dass ich es im Moment gerade tue, und zwar deshalb, weil Du bereits in Deinem ersten Satz vor einem Vorgehen warnst, dessen Berechtigung, lautet Heidegger, ja zunächst erst einmal untersucht werden soll.
Ich meine: Bevor nicht geklärt ist, was Sein überhaupt ist, muß selbstverständlich auch offen bleiben, womit es gleichgesetzt bzw. wovon es unterschieden werden kann.
Was Heidegger zwar beklagt, doch dann in seiner weiteren Untersuchung selbst nicht unterdrücken kann, sind die tief in unserer Erfahrung verwurzelten Kategoriensysteme, die uns in jene "Seinsvergessenheit" geraten lassen, die alle unsere Forschungen eigentlich Fundamentlos macht.
Und obwohl ich ihm bei dem Jammer über die "Seinsvergessenheit" als weiteres Klageweib gern zur Seite stehe, so finde ich es doch bezeichnend, dass er sein Buch nicht etwa "Sein" genannt hat, sondern eben "Sein und Zeit".
Es gibt einfach gewisse Systeme, die so fest in uns eingebrannt sind, dass man sie entweder nur unter großen Schmerzen wieder los wird, oder für den Rest des Lebens in Kauf nimmt - ob nun einer Heidegger heißt oder John Doe.
Gruß
Telltale
karlchen
Lieber telltale, trotzdem wendet H. diese Unterscheidung natürlich ständig an. Interessanter sind da natürlich seine positiven Charakterisierungen davon ...
Telltale
@ karlchen
Ja natürlich, das meinte ich ja damit, dass er bei aller Sehnsucht einfach aus der Jacke nicht herauskommt, die er sich selbst angezogen hat.
Gruß
Telltale
karlchen
Naja, ist jetzt ein bißchen pauschal. Vielleicht sollten wir das eher anhand von wichtigen Textstellen diskutieren ?
Epic
Frage: Kann mir jemand an einem Beispiel erläutern, was Heidegger (aber vor allem die "Gegner" von Sein) hier unter "Allgemeinheit" der Gattung versteht?
Unter gattung ,und da er in solch einer strengen fast wissenschaftlichen schrift,ein solch offenen und mehrdeutigen begriff anwendet,würde dann wohl bedeuten ; Die dinge die der mensch überhaupt in seiner daseinsverfassung, (nicht)in einer begrifflichen struktur einordnen kann.
Das wort gattung wird zumeist, für etwas allgemeineres das nicht weiterhin definiert werden soll, verwendet- unter anderem eben alle gegenstände die in einer seinsmäßigen daseinsform existieren.
Vorurteil 1. Zur "Allgemeinheit" von "Sein" sagt er: "...Aber die "Allgemeinheit" von "Sein" ist nicht die der Gattung. "Sein" umgrenzt nicht die oberste Region des Seienden, sofern dieses nach Gattung und Art begrifflich artikuliert ist...Die "Allgemeinheit" des Seins "übersteigt" alle gattungsmäßige Allgemeinheit."
Hier schreibt er scheinbar etwas , was er in aller fülle selbst (noch)nicht versteht, was wohl üblich ist wenn man die grenzen sprengen oder den horizont erweitern möchte.
Zur "Allgemeinheit" von "Sein" sagt er: "...Aber die "Allgemeinheit" von "Sein" ist nicht die der Gattung.
Wahrscheinlich wohl, das was ist, was man als mensch als gattung erkennen und bennenen könnte, sollte nicht unter dem begriff Sein gehandhabt werden, weil das sein etwas ist, was sich ständig verbirgt und immer nur das seiende hervorbingt oder das ist,was im seienden essentiell vorhanden ist, aber deswegen nicht das seiende ist.
weiter könnte man sagen:
Sofern das Sein bennant und erkannt wird , wird dieses Sein zum seienden des Seins.
Worauf er aller wahrscheinlichkeit nach hinweisen und warnen will ; die oberflächige wirklichkeit, nicht naiver weise für das faktum der absoluten wirklichkeit zuhalten- und den schein hinter den schein hinter den schein u.s.w zu erkennen um keiner täuschung anheimzufallen.
Habe heideggers -sein und zeit -nicht gelesen, aber es hört sich sehr interessant an, mal schauen, vorallem er und jaspesr , sind die einzigen westlichen philosophen mit denen ich einigermaßen etwas anfangen kann.
Nylen
| Zitat: |
Habe heideggers -sein und zeit -nicht gelesen, aber es hört sich sehr interessant an, mal schauen, vorallem er und jaspesr , sind die einzigen westlichen philosophen mit denen ich einigermaßen etwas anfangen kann.
|
Die einzigen westlichen Philosophen mit denen du ws anfangen kannst sind diese beiden, und die hast du nicht gelesen. Ist es nicht anmassend dann westliche Philosophen so abzuwerten wenn du sie nicht mal gelesen hast?
Epic
Die einzigen westlichen Philosophen mit denen du ws anfangen kannst sind diese beiden, und die hast du nicht gelesen. Ist es nicht anmassend dann westliche Philosophen so abzuwerten wenn du sie nicht mal gelesen hast?
Habe ledeglich kurze zusammenfassungen gelesen.
Zudem habe ich niemanden abgewertet.
Ich als mensch in meiner beschaffenheit und eigentümlichkeit kann mit ihren stil und ihren gedanken nicht allzuviel anfangen- für die westliche philosophie sind die zwei eine rettende unerlässliche ergänzung- ein geschenk des himmels.
Besonders jaspers "existenzherhellung", der damit aufzeigt, dass philosophie nicht nur geradeliniges denken ist, sondern sie als etwas zu verstehen gibt, was in jedem moment geschieht.

So sehe ich das auchm, selbst kinder sind philosophen!
Zudem gibt es grundlegend verschiedene arten von philosophien.
karlchen
| Zitat: |
Original von Epic
Frage: Kann mir jemand an einem Beispiel erläutern, was Heidegger (aber vor allem die "Gegner" von Sein) hier unter "Allgemeinheit" der Gattung versteht?
Unter gattung ,und da er in solch einer strengen fast wissenschaftlichen schrift,ein solch offenen und mehrdeutigen begriff anwendet,würde dann wohl bedeuten ; Die dinge die der mensch überhaupt in seiner daseinsverfassung, (nicht)in einer begrifflichen struktur einordnen kann.
Das wort gattung wird zumeist, für etwas allgemeineres das nicht weiterhin definiert werden soll, verwendet- unter anderem eben alle gegenstände die in einer seinsmäßigen daseinsform existieren.
Vorurteil 1. Zur "Allgemeinheit" von "Sein" sagt er: "...Aber die "Allgemeinheit" von "Sein" ist nicht die der Gattung. "Sein" umgrenzt nicht die oberste Region des Seienden, sofern dieses nach Gattung und Art begrifflich artikuliert ist...Die "Allgemeinheit" des Seins "übersteigt" alle gattungsmäßige Allgemeinheit."
Hier schreibt er scheinbar etwas , was er in aller fülle selbst (noch)nicht versteht, was wohl üblich ist wenn man die grenzen sprengen oder den horizont erweitern möchte.
Zur "Allgemeinheit" von "Sein" sagt er: "...Aber die "Allgemeinheit" von "Sein" ist nicht die der Gattung.
Wahrscheinlich wohl, das was ist, was man als mensch als gattung erkennen und bennenen könnte, sollte nicht unter dem begriff Sein gehandhabt werden, weil das sein etwas ist, was sich ständig verbirgt und immer nur das seiende hervorbingt oder das ist,was im seienden essentiell vorhanden ist, aber deswegen nicht das seiende ist.
weiter könnte man sagen:
Sofern das Sein bennant und erkannt wird , wird dieses Sein zum seienden des Seins.
Worauf er aller wahrscheinlichkeit nach hinweisen und warnen will ; die oberflächige wirklichkeit, nicht naiver weise für das faktum der absoluten wirklichkeit zuhalten- und den schein hinter den schein hinter den schein u.s.w zu erkennen um keiner täuschung anheimzufallen.
Habe heideggers -sein und zeit -nicht gelesen, aber es hört sich sehr interessant an, mal schauen, vorallem er und jaspesr , sind die einzigen westlichen philosophen mit denen ich einigermaßen etwas anfangen kann. |
Ja, das könnte man wohl so ausdrücken. Heidegger bezeichnet den Begriff Sein hier als transcendens, was man wohl auch als aristotelische Erweiterung der platonischen Idee hin auch die Vielfalt ihrer Bezüglichkeit bzw. Wirkung ansehen könnte. Die nicht angegebene Textstelle bei Aristoteles (wohl in "Metaphysik"), auf die sich H. hier bezieht, wäre dazu sehr interessant. Allerdings führt er dann eine Seite weiter eine Textstelle von Pascal als Erklärung an: "On ne peut entreprendre de définir l´être sans tomber dans cette absurdité: car on ne peut définir un mot sans commencer par celui-ci,
c´est, soit qu´on l´exprime on qu´on le sous-entende. Donc pour définir l´être, il faudrait dire
c´est, et ainsi employer le mot défini dans sa défintion."
Also muss Sein etwas anderes sein als das Seiende, aber eben auch nichts Selbstverständliches, obwohl ständig in Aussagesätzen darüber gesprochen wird. Deshalb müsse erst einmal die Fragestellung diskutiert werden, was dann in § 2 versucht wird ...
Ergo
"Sein" hatte durchaus eine übergroße Rolle gespielt in der Philosophie, z.B. bei Parmenides, wie schon gesagt bei Platon und Aristoteles, danach folgte Thomas von Aquin, Hegel, Feuerbach. Vorallem mit Feuerbach sollte sich der Themenstarter beschäftigen, der z.B. folgendes abließ: "Das wahre Verhältnis von Denken und Sein ist nur dieses: Das Sein ist Subjekt, das Denken Prädikat. Das Denken ist aus dem Sein, aber das Sein nicht aus dem Denken. Sein ist aus sich und durch sich- Sein wird nur durch Sein gegeben- Sein hat seinen Grund in sich, weil nur Sein Sinn, Vernunft, Notwendigkeit, Wahrheit, kurz alles in allem ist"
Marx uns Engels lehnten sich an Feuerbach an und gebrauchten das Sein, als materielles Sein, die objektive Realität, als die gesamte Materie selbst!
"Sein" ist dabei aber nicht ein Materielles und Ideelles umfassendes Sein! Das ideelle Sein, wird hierbei als "bewußtes Sein" des Menschen ausgelegt und dieses bewußte Sein des Menschen ist ihr wirklicher gesellschaftlicher Lebensprozeß.
Diese banale Unbestimmtheit ließ das "Sein" danach immer mehr unverwendet und gegenstandslos in der Ecke verstauben.
Heidegger's ontologische Suche nach einer befriedigenten Antwort für "Sein", gipfelte dann in der aus seiner Sicht richtigen, aber aus materialistischer Sicht bereits beinhalteten Zugabe des Zeitfaktors. Da der Materialismus Sein verwendet als Äquivalent für Materie und Materie in sich selbst vollständig umverwandelt werden kann, also einen Veränderungsprozeß durchläuft, oder durchlaufen kann und dennoch "Sein" bleibt, redet Heidegger nur um den heißen Brei, ... er kommt mir vor wie ein Aktionist, der danach strebt etwas Geistvolles zu erschaffen, wo es für ihn nichts zu schaffen gibt!
Sein unnötiges Werk hätte eher "Sein und Veränderung" heißen sollen, oder: "Ich will Philosoph sein, ergo philosophiere ich!", oder: "Mehr Sein als Schein!" ... oder umgedreht!?
karlchen
Nunja, die Philosophie des "Seins" läuft ja auch unter Ontologie ... auch der Existenzialismus ist damit wesentlich befasst und nicht zuletzt Gesellschaftsphilosophie, Alltagsphilosophie, Soziologie, Psychologie, Kommunikations-, Wissens- und Wissenschaftstheorie ...
Heidegger versucht sich in "Sein und Zeit" dem Gegenstand indirekt anzunähern, indem er viel darüber diskutiert, dass unsere Ansichten überwiegend subjektiven ("ontischen") Charakter besitzen und dadurch objektive Annäherungen bzw. den Versuch, objektive Erkenntnis und Wissen zu erlangen, stark beeinflussen.
Sein ontologisches "Sein" ist ein anthropologisch, dynamisch, interaktiv und kommunikativ definierter "Zustand".
Es ist genauso nötig oder unnötig, wie jede andere umfassendere, philosophische Abhandlung ...
Nylen
Der Grundgedanke bei Sein, scheint mir naiverweise immer noch folgendes zu sein, ohne die grossen Seins-Philosophen ernsthaft studiert zu haben.
allem seienden, also dem was existiert, wie wir landläufig sagen, muss etwas wesentliches und eigenes zukommen, aber auch etwas allgemeines, welches sie alle zugleich haben. Dies sei das Sein.
Das Sein komme allen Dingen gleichermassen zu.
Ich denke dagegen das es nichts gibt, das allen Dingen gleichermassen zukommt. Ich kann mir einfach gesagt nichts denken, das die Eigenschaft hätte, allen Dingen zuzukommen.
Die Antwort das allen Dingen Existenz zukomme, ist schlicht falsch.
Pegasus existiert sicherlich nicht im selben Sinne wie etwa das Brötchen vor mir. Und doch könnte ich sagen das sowohl Brötchen und Pegasus existieren, real oder in Gedanken.
Aber die weitere Behauptung was Pegasus und Brötchen gemein wäre ist das SEIN, ist schlicht Unsinn.
Es setzt vorraus das Existenz eine Eigenschafft ist, wie etwa rot sein, oder in meinem Kopf sein, oder ähnliches.
Aus etwas ist, macht der Seinsphilosoph: Alles ist! Aber etwas das allen Dingen gleichermassen zukommt, nämlich zu sein, das gibt es nicht.
eliskases
| Zitat: |
Original von Nylen
Ich denke dagegen das es nichts gibt, das allen Dingen gleichermassen zukommt. Ich kann mir einfach gesagt nichts denken, das die Eigenschaft hätte, allen Dingen zuzukommen.
Die Antwort das allen Dingen Existenz zukomme, ist schlicht falsch.
Pegasus existiert sicherlich nicht im selben Sinne wie etwa das Brötchen vor mir. |
Ich glaube du beachtest nicht ausreichend, was die Existenzialontologie und der Existenzialismus eigentlich will.
Da alles nur Bedeutung hat, insofern es von einem Subjekt aufgefasst wird, rücken sie dieses Subjekt mit all seinen Bestimmungen als ein Seiendes in der Welt in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung.
So behauptet kein Existenzialist, Existenz käme den Dingen als Eigenschaft zu. Im Gegenteil. Sie sagen, nur der Mensch "existiert" im eigentlichen Sinne, wobei sie "Existieren" natürlich in einer ganz bestimmten und eher ungewöhnlichen Weise definieren. Sie unterscheiden zwischen dem, was bloß "vorhanden" ist und einem "Dasein". Das "Dasein" wird dann wieder bestimmt als dasjenige Seiende, das nach dem Sinn von Sein fragt, insbesondere nach dem Sinn seines eigenen Seins. Das ist natürlich der Mensch. Dieses Seiende, dem es in seinem Sein um dieses Sein selbst geht (und das ständig danach fragt, was es seiner Natur nach ist und was die Natur des anderen, bloß vorhandenen Seienden ist, dieses Da-Seiende "existiert" im eigentlichen Sinne des Wortes. Denn Ek-Sistenz ist das "Außenstehende", das solche nörgeligen Fragen überhaupt stellen kann. Das bloß "Vorhandene" stellt keine Fragen. Es ist bloß das, womit jenes Seiende, welches ein Dasein ist, umgeht. "Existenz" wird also gesehen als Bestimmung für das, was nach sich und der Welt fragt. Usw.usf.
Charakteristisch für die Existenzphilosophie ist, dass eine Ontologie entwickelt wird, die alles unter der Maßgabe der Bezogenheit auf ein Dasein im obigen Sinne betrachtet. Die Zeit z.B. wird analysiert unter der Maßgabe, dass ein Dasein/der Mensch erkennt, dass es sterblich ist. So bekommt die eigentlich abstrakte Größe Zeit, einen existenziellen Charakter. Zeit wird gesehen als die je eigene Lebenszeit, die vor allem anderen begrenzt ist. Diese Erkenntnis bewirkt etwas in einem Da-Seienden Menschen. Er richtet seine Welt danach ein. Usw. usf.
Ergo
In der Betrachtung des "Seins" spielt der Mensch keinerlei extrapolierte Größe, ... nur der erkenntnisschwache Mensch selbst setz sich in der Betrachtung des Universums gerne in den Mittelpunkt, dorthin, wo er als besserer Affe nicht hingehört!
Auch ist das "Sein" keine ontologische Hochburg, sondern durchzieht alle philosophischen Richtungen.
Das Brötchen ist Sinnbild des materiellen Sein, ... Pegasus wäre sein Pendant für das ideelle Sein.
| Zitat: |
Original von Nylen
Die Antwort das allen Dingen Existenz zukomme, ist schlicht falsch.
Es setzt vorraus das Existenz eine Eigenschafft ist, wie etwa rot sein, oder in meinem Kopf sein, oder ähnliches |
Hier irrt der große Meister!
Existenz muss stets in eindeutig bestimmter Weise angegeben werden und zwar als materielles, oder ideelles Objekt. Es spielt keine Rolle, ob es sich um Dinge außerhalb, oder innerhalb unseres Bewußtsein handelt. Anders als der Existentialismus, welcher nur dem Menschen Existenz zuschreibt, in Form der individuellen Existenz seiner eigentümlichen Seinsweise.
Ich verzichte auf Heideggers Aussagen dazu!
Nylen
Wenn hier etwas verwechselt wird meiner bescheidenen Meinung nach ist das Existenz und Relevanz. Erst durch Bewusstsein erhalten Dinge Relevanz. Für Existenz trifft das nicht zu.
eliskases
| Zitat: |
Original von Nylen
Wenn hier etwas verwechselt wird meiner bescheidenen Meinung nach ist das Existenz und Relevanz. Erst durch Bewusstsein erhalten Dinge Relevanz. Für Existenz trifft das nicht zu. |
Ja, und erst durch Bewusstsein,
existiert etwas, was relevant ist.
Ergo
Sowohl Nylen, als auch eliskases landen damit bewußt, oder unbewußt im tiefsten Idealismus, was die Sackgasse erklärt: ihr Unvermögen das Sein richtig zu bestimmen.
Ich hoffe für die Herren, es gibt eine Fortsetzung der Filmtriologie: "Zurück in die Zukunft"
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