Aristoteles: Weisheit und Erfahrung

Jörg

Link: Aristoteles: Weisheit und Erfahrung

"Schon Aristoteles stellte sich die Frage, warum der Wissenschaftler höher angesehen ist als Erfahrung, obwohl doch, wie auch schon der alte Grieche wusste, die Erfahrenen in der Praxis oft erfolgreicher sind als die Wissenschaftler. Darum geht es im aktuellen Philosophischen Podcast.


Zwei Hinweise in eigener Sache:

1. Dieser Podcast hat am Ende einen kleinen technischen Fehler, deshalb hört man den letzten Satz nicht vollständig. Er lautet: '... und das nun schon seit über 2.000 Jahren.' Ich bitte um Verständnis, leider habe ich den Fehler zu spät bemerkt und kann den Podcast leider nicht neu bei Sevenload einstellen.

2. Ich bedanke mich für die rege Diskussion bei den bisherigen Podcasts, auch zum Format überhaupt. Ich habe mich entschlossen, den Podcasts auch in Zukunft keine textliche Kurzfassung beizufügen, da es dann immer Aspekte geben würde, die im Text nicht stehen, im Podcast aber gesagt werden. Es bestünde die Gefahr, dass zwei Diskussionen parallel geführt würden, das würde ich nicht mehr überblicken können.

Herzliche Grüße und vielen Dank!
Jörg

Rhetorix
@ Jörg: Du hast zugenommen! geschockt

Macht Philo-Welt dick? *nixwieweg!*
Ahorn
Ich kannte diese Podcast´s nur aus dem Radio.
"Alle Episoden von, Die von der Leyens, gibs jetzt auch auf Podcast."

Ich habe aber noch einen Podcast Wunsch. Würde gerne ein sehen über die drei Wandlungen des Geistes, von Friedrich. Erst wird der Geist zum Kamel, das geduldig die Last trägt, dann zum Löwen (das ich wich will), der gegen die Welt den Drachen Kämpft (das du sollst) und versucht sich Freiheit zu schaffen. Und schließlich wird er zum Kind, das das Spiel des Schaffens spielt.


Trost für Anfänger

Seht das Kind umgrunzt von Schweinen, Hilflos, mit verkrümmten Zeh'n! Weinen kann es, Nichts als weinen — Lernt es jemals stehen und gehen? Unverzagt! Bald, solle ich meinen, Könnt das Kind ihr tanzen sehn! Steht es erst auf beiden Beinen, Wird's auch auf dem Kopfe stehen.
Jörg
Zitat:
Original von Rhetorix
@ Jörg: Du hast zugenommen! geschockt

Macht Philo-Welt dick? *nixwieweg!*


Da kann ich dich beruhigen, das liegt nur an der unvorteilhaften Sitzposition, ist mir beim Schneiden auch aufgefallen. Die Waage sagt aber was anderes ;-)
Jörg
@ahorn: Ich gebe zu, dass ich deinen Kommentar noch nicht eindeutig verstanden habe, aber ich denke weiter drüber nach.
Ahorn
Zitat:
Original von Jörg
@ahorn: Ich gebe zu, dass ich deinen Kommentar noch nicht eindeutig verstanden habe, aber ich denke weiter drüber nach.

Ehrlicherweise versuche ich auch gerade deinen Beitrag zu entschlüsseln und zu versuchen ihn zu verstehen. Mein Kommentar ist eigentlich ganz einfach, da ist auch nix zwischen den Zeilen zu lesen, sondern er kann so gelesen werden wie er da steht.
Ich kannte die Podcast´s bislang nur von der Radiosendung, "Die von der Leyens". Dort hieß es, "und diese Sendung gibs auch auf Podcast". Ich wollte also nicht deine Podcast´s irgendwie abwerten (oder vielleicht aufwerten, wie man es eben sehen möchte). Ich habe die "Die von der Leyens Podcast´s" also nur so erwähnt.
Und 2. ich habe einfach nur einen Podcast- Wunscht geäußert. Ich habe mir von dir gewünscht ein Podcast reinzustellen über die drei Wandlungen des Geistes, von F. Nietzsche.
Du hättest z.b. darauf antworten können: Mein aller liebster Ahorn, ich danke dir so, und ich bin so dankbar das du diesen Wunsch geäußert hast. Ich werde dir diesen Wunsch erfüllen. Allles liebe von Herzen wünscht dir dein Jörg.
3. Das Zitat von Friedrich ist mir einfach noch dazu eingefallen. Ich habe es als passend gefunden.

Ich hoffe ich habe es jetzt nicht noch komplizierter gemacht, und in meinem Beitrag etwas Licht gebracht.
Jörg
Ah, jetzt hab ich's. Mir fehlte das Wort "Nietzsche" und da ich mit Nachnamen "Friedrich" heiße, war ich völlig irritiert, da ich versuchte, deinen Wunsch irgendwie auf mich zu beziehen. Aber jetzt ist alles klar.

Ich bin leider kein guter Nietzsche-Kenner, kenne nur das, was sich im Studium nicht vermeiden ließ, (sonst hätte ich deinen Wunsch vielleicht auch schneller verstanden) in so fern wirst du auf einen Nietzsche-Podcast noch warten müssen. Aber Danke für den Tipp.
Nik
Zitat:
Jörg: Ich bin leider kein guter Nietzsche-Kenner...kenne nur das, was sich im Studium nicht vermeiden ließ...

Aufschlussreiche Aussage...oder deutscher Mainstream...oder etwa beides...?
Jörg
@Nik: Nietzsche machte - so mein Eindruck - Philosophie in Aphorismen. Da kann sich jeder alles rauslesen. Das ist nicht mein Philosophier-Stil.

Aber: "was sich im Studium nicht vermeiden ließ" ist missverständlich. Ich bin einfach bisher noch nicht zu wirklich angemessener tiefer Auseinandersetzung mit Nitzsche gekommen. Aber ich hab es mir fest vorgenommen. Eines Tages wird es auch dazu kommen.

Ich glaube nicht dass es in der deutschen Philosophie derzeit einen Mainstream gibt, eher zwei. Wenn ich da selbst meinen Ort bestimmen müsste würde ich sagen, ich renne an den Ufern beider Ströme hin und her, bin wasserscheu und habe Angst vor Stromschnellen. Ich hoffe, dass ich noch erlebe, dass beide Ströme sich wieder in einem (ruhigen) Meer vereinigen, in dem ich dann baden kann.
Nik
Zitat:
Original von Jörg
@Nik: Nietzsche machte - so mein Eindruck - Philosophie in Aphorismen. Da kann sich jeder alles rauslesen. Das ist nicht mein Philosophier-Stil.

Aber: "was sich im Studium nicht vermeiden ließ" ist missverständlich. Ich bin einfach bisher noch nicht zu wirklich angemessener tiefer Auseinandersetzung mit Nitzsche gekommen. Aber ich hab es mir fest vorgenommen. Eines Tages wird es auch dazu kommen.

Ich glaube nicht dass es in der deutschen Philosophie derzeit einen Mainstream gibt, eher zwei. Wenn ich da selbst meinen Ort bestimmen müsste würde ich sagen, ich renne an den Ufern beider Ströme hin und her, bin wasserscheu und habe Angst vor Stromschnellen. Ich hoffe, dass ich noch erlebe, dass beide Ströme sich wieder in einem (ruhigen) Meer vereinigen, in dem ich dann baden kann.

Freut mich, dass kein zementiertes Vorurteil gemeint war. smile

Für das "jeder alles rauslesen" lässt sich Nietzschen kaum verantwortlich machen. Er hat selbst davor gewarnt. Und um sich dagegen zu feien gibts schließlich Karl Jaspers, nicht...? Zwinker
Die Form der Mitteilung ist bei ihm - Nietzsche - jedenfalls entscheidend wie bei keinem.

Aber du übst dich in Zurückhaltung, was diese beiden Hauptströmungen der deutschen Gegenwartsphilosophie derzeit sind. Hätte mich interessiert.
Rhetorix
Zitat:
Original von Jörg
@Nik: Nietzsche machte - so mein Eindruck - Philosophie in Aphorismen. Da kann sich jeder alles rauslesen.
So isses.
Ich habe den Verdacht, dass er immer wieder auf sich selbst hereinfiel, nämlich so:
Ihm kommt irgendein Gedanke - oder eher Gefühl? - in den Sinn, und *zack* formt er sich mithilfe der Worte, die N. immer zu Gebot standen, zu einem Statement, das so hinreissend und unwiderstehlich wirkte, dass er auch selbst nicht widerstehen konnte, es aufzuschreiben und zu veröffentlichen.
Lässt man sich aber nicht hinreißen, sondern forscht mit kaltem Reptilienblick, was er denn mit dieser und jener griffiigen Formulierung meint - und immer wieder mit dem 'Leben', das der Normalsterbliche offenbar nicht erlebt, obwohl er atmet und verdaut -, so stößt man auf Wolkiges.

Darüber hinaus ist 'Nietzsche' nicht gleich 'Nietzsche', denn mal sagt er so, und dann wieder ganz anders.

Meines Erachtens hatte er nicht das Durchhaltevermögen oder die längerfristige Kraft, um sich darauf zu fixieren, einem Gedanken auf den Grund zu gehen und dessen Tragweite auszuloten.
Eine ähnliche Sprunghaftigkeit erkennt man an seinen ständigen Ortswechseln.
Das ist keineswegs vorwerfbar (und kann auch von den Einschränkungen verursacht sein, die mit schwerer Migränekrankheit verbunden ist - einem Elend sondergleichen).
Und natürlich ist auch ein Bonmot nicht deshalb zu verachten, weil es nicht alle Welträtsel löst, sondern nur einen Denkanstoß gibt.
Dennoch ist der Mangel an Durchhaltevermögen und wohl auch Selbstkritik eine Schwäche.

Nichts ist gefährlicher als die glanzvolle Schwäche.

@ Nik:
Nietzsche ist nicht verantwortlich dafür, dass man alles aus ihm herauslesen kann? geschockt
Hat denn seine Schwester das alles geschrieben?


@ Jörg:
Nun dachte ich, ich hätte endlich eine Erklärung für meine Gewichtszunahme um rund 5 kg seit Teilnahme bei Philo-Welt - und nix ist!
Übrigens schade, dass mir dein Aristoteles-Podcast verschlossen bleibt, weil A. teilweise (wenn auch nicht flächendeckend) zu meinen Lieblingsfeinden gehört und ich ihn daher als äußerst motivierend empfinde. großes Grinsen
Aber nun will ich die A.-Diskussion auch nicht weiter stören.
Nik
Zitat:
Rhetorix: Nietzsche ist nicht verantwortlich dafür, dass man alles aus ihm herauslesen kann? geschockt Hat denn seine Schwester das alles geschrieben?

Deine Geringschätzung der Philosophie Nietzsches und vor allem deine auf einem Mangel an Kenntnissen beruhende Fehleinschätzung der Bedeutung der Philosophie Nietzsches sind mir inzwischen hinreichend bekannt.
Dafür ist nicht Nietzsche verantwortlich, sondern dein Mangel an Urteilskraft. Vor solchen Lesern (und Leserinnen) hat Nietzsche tatsächlich vielfach gewarnt. Und hier ist auch die Parallele zu Nietzsches Schwester zu suchen; die stand dir nämlich in Sachen der absichtlich verfälschenden Fehleinschätzung in nichts nach, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen, was die erwartete Befriedigung der Eitelkeit angeht.
Rhetorix
Zitat:
Original von Nik
Deine Geringschätzung der Philosophie Nietzsches und vor allem deine auf einem Mangel an Kenntnissen beruhende Fehleinschätzung der Bedeutung der Philosophie Nietzsches sind mir inzwischen hinreichend bekannt.
Jaja, die gute alte Gebetsmühle und Möchtegern-Kraftmeierei: wer N. kritisiert, kennt ihn nicht und ist sowieso zu dumm, um ihn zu verstehen.

Übrigens, falls du es bei deiner Nietzsche-Lektüre noch nicht gemerkt hast: Es gibt nicht die Philosophie Nietzsches.
Das alles ist etwas völlig Anderes als ein geschlossenes Denksystem - oder überhaupt ein System. Es ist überhaupt nicht eines, sondern mehreres.
Angesichts dieses Mehreren geht es mir ebenso wie vielen anderen: auch ich finde darin irgendwas, das mir zusagt, sei es, dass ich meine Meinung darin wiederfinde, sei es, dass ich sie hinein interpretiere.

Wenn du noch nicht gemerkt hast, dass ich Nietzsche in gar nicht so wenigen Punkten zustimme (beinahe notwendig zustimmen muss), empfehle ich also eine etwas aufmerksamere Lektüre - selbstverständlich nicht meiner Beiträge, sondern Nietzsches.

Aber das schweift hinter dem Rücken des Threadstarters leider wiederum vom Thema ab.
Nik
Zitat:
Original von Rhetorix
Übrigens, falls du es bei deiner Nietzsche-Lektüre noch nicht gemerkt hast: Es gibt nicht die Philosophie Nietzsches.
Das alles ist etwas völlig Anderes als ein geschlossenes Denksystem - oder überhaupt ein System.

Zitat:
"Der Wille zum System ist ein Mangel an Rechtschaffenheit." Nietzsche


"Aber wieso denn bloß...?`" (O-Ton: Rumpelwichte aus "Ronja Räubertochter" smile )


??! Gut ! ??!
Rhetorix
Wie wärs, wenn du das hier löschst und in einen der vielen Nietzsche-Threads überträgst?
Nik
Zitat:
Original von Rhetorix
Wie wärs, wenn du das hier löschst und in einen der vielen Nietzsche-Threads überträgst?

Für eine profunde Nietzsche-Kennerin wie dich dürfte es wohl kein Problem darstellen, eben gerade von hier aus die Brücke zu Aristoteles zu schlagen. Zwinker

(Und das ist jetzt keineswegs böse gemeint.)
Rhetorix
Zitat:
Original von Nik
Für eine profunde Nietzsche-Kennerin wie dich dürfte es wohl kein Problem darstellen, eben gerade von hier aus die Brücke zu Aristoteles zu schlagen...
Also gut.

An der Brücke stand
Jüngst ich in brauner Nacht.

Das Ufer, an dem ich stand, nannte sich die Naturphilosophie oder -wissenschaft, was für die Zeit vor 2.300 Jahren etwa gleichbedeutend war.

Und sah auf das hin, was da an mir vorbei schwamm, unter anderem die Auffassung des Aristoteles wie auch Nietzsches, dass das Universum ewig und unvergänglich sei.
Ich schüttelte den Kopf.

Nun ja, hätten sich beide nur darauf beschränkt, so wäre es noch angegangen. Beide fühlten sich aber bemüßigt, noch allerlei daraufzusetzen, was man als Fantasieprodukte, allenfalls als Eingebung bezeichnen muss, wenn nicht sogar als freche Selbstüberschätzung.
Die Zutaten des A. im Einzelnen aufzuführen, würde den Thread sprengen.
Bei N. sei die Ewige Wiederkunft besonders hervorgehoben. Er fühlte sozusagen, dass es an dem ist und die Spinne beim nächsten Turnus wieder an derselben Stelle der Wand hockt, vom Mondlichte beschienen.
Sowas nennt man tief.

Das Fatale daran war aber, dass er irgendwann anfing, um eine Begründung zu ringen, die sich nicht so recht einstellen wollte und sich auch posthum nicht eingestellt hat.

Wäre ihm - und auch A. mit seinen Kristallschalen - dasselbe passiert, wenn sie beide Wissenschaftler gewesen wären?
Doch, gut möglich.

Wäre ihnen dasselbe passiert, wenn sie die Weisheit gehabt hätten, bei allem von der Erfahrung auszugehen, also stets auf der Wirklichkeit der Sinneseindrücke aufzubauen und jede Behauptung über die Beschaffenheit der Welt so sorgfältig zu begründen wie nur möglich? Und weise den Mund zu halten, wo man nur noch spekulieren konnte?
Nein, eher nicht.
Wer sich dem entsprechend verhielt, lief wohl nicht derart in die Irre, wie das Beispiel der epikureischen Naturphilosophie vermuten lässt, deren Weltbild sich bislang in keinem kardinalen Punkt als irrig erwiesen hat.


Wenn sich schon Aristoteles die Frage stellte, warum Wissenschaft höher angesehen ist als Erfahrung, obwohl doch, wie auch schon der alte Grieche wusste, die Erfahrenen in der Praxis oft erfolgreicher sind als die Wissenschaftler, so gebe ich ihm folgende Antwort:

Am Wert der jeweils resultierenden Erkenntnisse liegt es jedenfalls dann nicht, wenn man Wissenschaft von der Erfahrung - d.h. vom Sinneseindruck und Experiment - abkoppelt und so lustig darauf los spekuliert, wie du und Nietzsche es getan haben.
Doch der Eindruck, den man damit auf die Hammelherden macht, ist ungleich glanzvoller und verführerischer. Das ist die Ursache des Erfolgs.
Sophie
Zitat:
Original von Rhetorix

Das Fatale daran war aber, dass er irgendwann anfing, um eine Begründung zu ringen,


Wenn die Informationen (Wiki) stimmen, hat Nietzsche seine Überlegungen zu seinen Lebenzeiten nicht veröffentlicht. Es sind also seine privaten Denkskizzen, die erst aus dem Nachlass bekannt wurden.
Nietzsche wusste sicher sehr gut, dass ein Beweis seines Gedankens nicht möglich ist.
Fatal ist daran noch nichts, außer, dass die Kritik dann nur noch heißen kann: Nietzsche hätte nicht Nietzsche sein dürfen. Sinnlos darüber zu streiten.