Nach der Überwindung der Oberflächlichkeit

Qui-Gon Jinn
Hi Leute,

ich hab da eine Frage, bzw. ein Problem.
Im Zustand der Oberflächlichkeit gelingt es einem Menschen doch sehr leicht sich zu erfreuen, dazu brauch er nur z.B. etwas Materielles, um sich mal zu freuen. Er erkennt nicht, dass dahinter gar nicht so viel steckt, dass er eigentlich keinen Grund hat, sich so sehr an solchen Sachen zu erfreuen.
Wenn man das erkannt hat, und dann versucht die Oberflächlichkeit zu überwinden, muss es doch aber trotzdem etwas geben, woran man sich erfreuen kann. Soweit ich weiß, sind damit spirituelle Sachen gemeint. Und auch die Freude am Sein selbst.
Aber wie genau gelangt man dort hin? Es ist ja nicht so, dass man die Oberflächlichkeit durchbricht, aufhört, sich über materielle Sachen so einen kopf zu machen und dann automatisch die Freude des Seins spürt. Da gibts doch noch weitere Schritte dazwischen. Und genau da hänge ich zur Zeit fest. Ich komme einfach nicht zu dieser Freude an spirituellen Dingen. Ich hänge in einer Leere fest, die sich fast wie eine Depression anfühlt. Allerdings empfinde ich dabei keine Traurigkeit wie bei einer Depression.
Bloß weiß ich jetzt nicht, wie es weiter geht. In die Oberflächlichkeit komm ich nicht mehr zurück, was ich in Wirklichkeit auch gar nicht will.
Aber was ist nun der nächste Schritt??
ewig
Du hantierst übertrieben mit bestimmten Artikeln. >>"Der" Zustand "der" Oberflächklichkeit<< ist eine sprachphilosophisch hochproblematische Wortkonstruktion, da hier verschiedene Mitannahmen, wie etwa die, es gäbe nur eine Variante von Oberflächlichkeit, und nur einen Zustand darin, so gut versteckt sind, daß eine derartige Frage oft zu einer Vielzahl unterreflektierten Antworten führt. (Prototyp dessen ist die Frage nach "dem" Sinn "des" Lebens.)

Du hältst nun also materiell basiertes "Glück" für oberflächlich? Das muß aber schon gar nicht stimmen, solange man sich klar macht, daß Glück mit dem (nicht zu stark antizipierten) "Erwerb" eines materiellen Gutes einhergeht (und folglich aus einer unerwarteten positive Überraschung folgt) und sehr viel weniger mit dem "Haben."

Vielleicht kann ich Dir an dieser Stelle einfach ein Buch nahelegen, das Dir bei der Suche nach Glück und Sinn sehr viel besser helfen dürfte als schnöde Erklärungen.
Aurom
der trick ist, den gegensatz von oberflächlichkeit und tiefsinn aufzuheben!

"Nur oberflächliche Menschen urteilen nicht nach Äußerlichkeiten. Das wahre Geheimnis der Welt liegt im Sichtbaren, nicht im Unsichtbaren."(Oscar Wilde) roll
meloyello
Zitat:
Das wahre Geheimnis der Welt liegt im Sichtbaren, nicht im Unsichtbaren."


Man muß nur lernen es zu sehen. roll
Auge
Zitat:
Original von Qui-Gon Jinn
Im Zustand der Oberflächlichkeit gelingt es einem Menschen doch sehr leicht sich zu erfreuen, dazu brauch er nur z.B. etwas Materielles, um sich mal zu freuen. Er erkennt nicht, dass dahinter gar nicht so viel steckt, dass er eigentlich keinen Grund hat, sich so sehr an solchen Sachen zu erfreuen.

Was ist dieses „Mehr“, das dahinterstecken soll? Und steckt jenes wirklich in anderen Erlebnissen drin, nur aber in materiellem Erleben nicht?

Zitat:
Original von Qui-Gon Jinn
Wenn man das erkannt hat, und dann versucht die Oberflächlichkeit zu überwinden, muss es doch aber trotzdem etwas geben, woran man sich erfreuen kann.

Du kannst dich ja an allem erfreuen, wenn du dem keine widrigen Gedanken entgegenstemmst, z. B. der der Oberflächlichkeit, die es zu überwinden gilt. Das materielle Erleben ist nicht besser oder schlechter als anderes Erleben, demnach gibt es nichts zu überwinden, bestenfalls deine Wertungen diesbezüglich, wenn sie dich daran hindern, dich am Bewerteten zu erfreuen.

Zitat:
Original von Qui-Gon Jinn
Aber wie genau gelangt man dort hin?

Durch Änderung der Denkweise und damit der Bewertungen.
Darkhaze
Zitat:
Original von Aurom
der trick ist, den gegensatz von oberflächlichkeit und tiefsinn aufzuheben!


Was erfreut, ist ohnehin subjektiv und interindividuell und sogar intraindividuell unterschiedlich. Ich persönlich und subjektiv finde den Punkt von Aurom sehr wichtig!

Es sind beispielsweise nicht bloß oberflächliche, naive oder hochgradig romantische Leute, die sich an einer schönen Blume erfreuen, sondern ebenso gut tiefsinnige, grüblerische, hinterfragende Leute - oder sogar beides in einem. Im Gegenteil - ich behaupte: Wenn man die Welt weniger oberflächlich wahrnimmt, kommt man unter Umständen sogar viel schneller ins Staunen und Genießen und Bewundern. Ob ein Baum einfach nur schön ist (oberflächlich) oder ob man die einzelnen Äste, Verzweigungen und Blätter mit dem Blick abfährt und darüber ins Staunen und Grübeln kommt. Oder ob eine Wand widerlich besprayt ist (oberflächlich) oder aber ihre eigene Geschichte hat (Maurer, die sie bauten; Leute, die an ihr vorbeigingen; Raudis, die sie besprayten; Maler, die sie wieder bemalten; Raudis, die sie nochmals besprayten, mit den kryptischen Zeichen "KDQ", ein Tag, der irgendwofür steht - vielleicht für Krawall, vielleicht für Protest, vielleicht für nichts besonderes und es waren mehr die sozialen Motivationen, die die Sprayer zur Tat veranlassten, vielleicht war es auch Kunst, und vielleicht Wusste der "Täter" es selbst nicht; ist das Wort "Täter" überhaupt das richtige? und was an diesem "KDQ" ist überhaupt widerlich? Wo kommen eigentlich die einzelnen Steine her? Und... eigentlich wirkt jeder Stein für sich... natürlich... diese Fissuren, dieses Relief, aber sobald sie in einer Wand verbaut sind... eigentlich ist diese Wand keine Einheit... und was kann an einer Nicht-Einheit so einheitlich widerlich sein?... <hier eine endlose, bizarre Gedankenkette einfügen>...)

Im Prinzip steckt das Tiefsinnige im Oberflächlichen (siehe Beispiele) und das Oberflächliche oft im Tiefsinnigen (siehe Übergeneralisierungen durch Wissenschaften, etwa durch komplizierte experimentelle Psychologie).
Darkhaze
Zitat:
Original von Aurom
der trick ist, den gegensatz von oberflächlichkeit und tiefsinn aufzuheben!


Was erfreut, ist ohnehin subjektiv und interindividuell und sogar intraindividuell unterschiedlich. Ich persönlich und subjektiv finde den Punkt von Aurom sehr wichtig!

Es sind beispielsweise nicht bloß oberflächliche, naive oder hochgradig romantische Leute, die sich an einer schönen Blume erfreuen, sondern ebenso gut tiefsinnige, grüblerische, hinterfragende Leute - oder sogar beides in einem. Im Gegenteil - ich behaupte: Wenn man die Welt weniger oberflächlich wahrnimmt, kommt man unter Umständen sogar viel schneller ins Staunen und Genießen und Bewundern. Ob ein Baum einfach nur schön ist (oberflächlich) oder ob man die einzelnen Äste, Verzweigungen und Blätter mit dem Blick abfährt und darüber ins Staunen und Grübeln kommt. Oder ob eine Wand widerlich besprayt ist (oberflächlich) oder aber ihre eigene Geschichte hat (Maurer, die sie bauten; Leute, die an ihr vorbeigingen; Raudis, die sie besprayten; Maler, die sie wieder bemalten; Raudis, die sie nochmals besprayten, mit den kryptischen Zeichen "KDQ", ein Tag, der irgendwofür steht - vielleicht für Krawall, vielleicht für Protest, vielleicht für nichts besonderes und es waren mehr die sozialen Motivationen, die die Sprayer zur Tat veranlassten, vielleicht war es auch Kunst, und vielleicht Wusste der "Täter" es selbst nicht; ist das Wort "Täter" überhaupt das richtige? und was an diesem "KDQ" ist überhaupt widerlich? Wo kommen eigentlich die einzelnen Steine her? Und... eigentlich wirkt jeder Stein für sich... natürlich... diese Fissuren, dieses Relief, aber sobald sie in einer Wand verbaut sind... eigentlich ist diese Wand keine Einheit... und was kann an einer Nicht-Einheit so einheitlich widerlich sein?... Verblüffend, wie einzigartig die alltäglichsten Dinge sein können... <hier eine endlose, bizarre Gedankenkette einfügen>...)

Im Prinzip steckt das Tiefsinnige oft im Oberflächlichen (siehe Beispiele) und das Oberflächliche oft im Tiefsinnigen (siehe Übergeneralisierungen durch Wissenschaften, etwa durch komplizierte experimentelle Psychologie).
Nik
Oberflächlichkeit bezeichnet ja eine mögliche menschliche Seinslage der Daseinsverrichtung, Weltauffassung und Alltagshandhabung. Die naive Nicht-Hinterfragung der menschlichen Daseinszusammenhänge ist daher eine mögliche ausdifferenzierte Lebensform.

Andererseits besteht die Annahme, dass die Tiefe(n) unter oder hinter der empirischen Oberfläche der alltäglichen Daseinsverrichtung unbegrenzt sind. Daher jede Wahrheit über das wie auch immer je Seiende ein Stück weit zwangsläufig immer hypothetische Oberfläche bleibt.

Die Überwindung der "OBERFLÄCHEN" steht in engem Zusammenhang mit der menschlichen Bewusstwerdung, dem Lernen, der Selbstreflexion. Aber die emergente Logik/Nichtlogik der realen Individuation mündet zumeist in einen umgesetzten, mithin positivierten (realisierten) Lebensvollzug.



Daher ist der zur Frage stehende "nächste Schritt" die Einsicht in die Signifikanz des in der jeweiligen Frage-Stehens selbst. Also beispielsweise auch diese Thread-Frage hier. fröhlich


Gruß von Nik
Roadside
Zitat:
Original von Qui-Gon Jinn
Aber was ist nun der nächste Schritt??


Namd,
So wie ich das sehe, liegt das Leben in Oberflächlichkeit darin, ersteres nur noch theoretisch zu leben. Dazusitzen und nachzudenken, wie man nicht mehr oberflächlich lebt, ist für mich ein Zustand reinster Oberflächlichkeit - du befindest dich nämlich nur noch am kahlen Rand deines Lebens, wie an der Oberfläche eines Sees - du wirst dort nichts finden, denn dort hält sich niemand gerne auf.
Was mir als der einfachste Weg erscheint, im metaphorischen Sinne abzutauchen, wäre die Gemeinsamkeit, denn Freude mit anderen Menschen zu teilen ist der simpelste, aber zugleich innerste Weg der Glücklichkeit. Mein Rat an dich wäre also nicht, dich mit endlosen Bänden zu beschäftigen - wobei das sicher auch ein Weg sein kann - sondern neue Facetten des Lebens kennenzulernen. Geh Hobbies nach, die dir vielleicht schon einmal interessant vorkamen, knüpfe neue Kontakte, sodass du Menschen findest, mit denen du innerlich teilen kannst, denn so wie ich das sehe, kann ein gemeinsamer Abend in der Kneipe, an dem du lachst, dich unterhälst und amüsierst, dich innerlich glücklicher stimmen, als bspw. sieben Jahre an einem Wasserfall über die Tiefsinnigkeit des Flusses zu sinnieren.
It are the simple things that make us smile. Zwinker

Gruß
Laurenz
carsten aus bochum
Hi Qui-Gong Jinn.

Der spirituelle Weg macht eigentlich keinen Spaß.
Dass einem die Dinge der Welt auf einmal keinen Spaß mehr machen kann also dazugehören.
Wenn das auf spirituelle Techniken zurückzuführen ist, dann heißt es einfach weitermachen.

Spirituelle Techniken beschleunigen in vielen Fällen die menschliche Entwicklung.
Es kann also sein, dass Du in einer Phase bist, in der alte Vorstellungen von dem was richtig, gut und erstrebenswert sind einfach durch sind. Die alte Welt (die Ansichten) sind schal geworden, die neuen noch nicht da.
Sie kommen von selbst, es ist aber in meinen Augen richtig weiterzumachen.
Es kann auch sein dass Du in einer Phase der existenziellen Depression bist, wo Du an den Dingen der Welt grundsätzlich keine Freude mehr hast. Auch hier ist es nicht falsch weiter zu meditieren, auch wenn es noch so langweilig ist, die Langeweile gehört dazu.
Chögyam Trungpa schreibt in „Der Mythos Freiheit und der Weg der Meditation“ gute Sachen dazu.

Was genau erwartest Du denn, was anders werden sollte und wie war es vorher?

Gruß,

Carsten
Versucherling
Hallo Qui-Gong Jinn,

"Im Zustand der Oberflächlichkeit gelingt es einem Menschen doch sehr leicht sich zu erfreuen, dazu brauch er nur z.B. etwas Materielles, um sich mal zu freuen. Er erkennt nicht, dass dahinter gar nicht so viel steckt, dass er eigentlich keinen Grund hat, sich so sehr an solchen Sachen zu erfreuen."

Bei diesem deinem Beispiel erzählst du von einem Moment aus deinem Leben, bei dem du erlebt hast, wie ein Mensch etwas Materielles geschenkt bekommen hat und sich darüber wirklich gefreut hat und aus deiner Sicht er hätte sich gar nicht freuen "dürfen", wei aus deiner Sicht gar nicht so viel hinter der Sache steckte?

Falls ich das so richtig Verstanden habe:
Der Mensch hat sich tatsächlich wirklich wahrhaftig über diese materielle Sache gefreut. Dann steckt das Wahrhaftige an diesem Glücksmoment nicht in dem Gegenstand an sich, sondern in der Person, welche sich freut. Also gibt es kein Nörgeln an diesem Moment. Denn die Person hatte sich nichts mehr gewünscht, wie eine neue Nußholzflöte und genau diese hält sie da in händen. zum Beispiel.
oder aber du hast gesehen, daß die Person, welche diese Flöte schenkte, gnau wußte, was sie damit bezwecken würde und hat sie deshalb zum Geschenk gemacht. Würde ich deinen Einwand absolut verstehen und das "Opfer" bemitleiden, wenn sie dem anderen das Glück dafür entgegenbrächte. Ist das Geschenk nur eine leere Streichholzschachtel, vom Schenker jedoch die Streichholzschachtel seines Vaters und diese schenkt er seinem Sohn, dann ist es ein vollkommenerer glücklicher Moment.
Bei deiner Beschreibung jedoch sehe ich jedoch eher eine Erwartung, daß hinter dem Geschenk als Objekt etwas mehr stecken sollte, als nur eine rein objetkive oberflächliche Sache?

Würdest du mir bei diesen Möglichkeiten zustimmen?

"Soweit ich weiß, sind damit spirituelle Sachen gemeint. Und auch die Freude am Sein selbst"

Wenn du das weißt, dann dürftest du nicht ratlos sein. also redest du von etwas, was du nicht weißt. Nur um das mal gesagt zu haben.

"Bloß weiß ich jetzt nicht, wie es weiter geht. In die Oberflächlichkeit komm ich nicht mehr zurück, was ich in Wirklichkeit auch gar nicht will.
Aber was ist nun der nächste Schritt?? "

wenn du nicht an die oberflächlichkeit zurück möchtest, du es gar nicht willst, dann kann es vielleicht auch gar nicht funktionieren. Und wenn es doch passieren sollte, dann fühlt es sich vielleicht auch deshalb nicht so an? Wer weiß das schon? Wenn es sich irgendwie anfühlen sollte, wie eine depression, dann würdest du denke ich etwas ändern wollen und wenn du dich an der leere nicht beglücken kannst, dann ist es vielleicht auch nicht das, worin dein Glück besteht?
Ich wünsch dir jedenfalls viel Erfolg bei der sich nach nichts anfühlenden Depression, der unerfüllenden Leere, an der du nichts ändern möchtest und deshalb auch nicht weiterweißt?!
Maddin
Zitat:
Original von Aurom
der trick ist, den gegensatz von oberflächlichkeit und tiefsinn aufzuheben!

"Nur oberflächliche Menschen urteilen nicht nach Äußerlichkeiten. Das wahre Geheimnis der Welt liegt im Sichtbaren, nicht im Unsichtbaren."(Oscar Wilde) roll


Das ist eine schöne Antwort. Häufig stellt man die Oberfläche als Gegensatz zur Tiefe dar, oder auch die Tiefe als etwas besseres oder schöneres. Ich denke sowohl Oberflächlichkeit als auch Tiefe haben ihre Berechtigung.

Insofern gibt es keine Überwindung der Oberflächlichkeit sonder eher eine Erweiterung des Horizontes :-)
Rhetorix
Zitat:
Original von Qui-Gon Jinn
...Im Zustand der Oberflächlichkeit gelingt es einem Menschen doch sehr leicht sich zu erfreuen, dazu brauch er nur z.B. etwas Materielles, um sich mal zu freuen. Er erkennt nicht, dass dahinter gar nicht so viel steckt, dass er eigentlich keinen Grund hat, sich so sehr an solchen Sachen zu erfreuen.

Wer sich freut, hat immer einen Grund dazu.
Es gibt allerdings gute und schlechte Gründe.

Sich zum Beispiel über die Hinrichtung eines Andersdenkenden zu freuen, hat keinen guten Grund.
Sich über den Anblick einer schönen Landschaft zu freuen, hat einen guten Grund.
Woran man erkennt, dass der ideelle Grund nicht besser sein muss als der materielle.


Zitat:
Wenn man das erkannt hat, und dann versucht die Oberflächlichkeit zu überwinden, muss es doch aber trotzdem etwas geben, woran man sich erfreuen kann. Soweit ich weiß, sind damit spirituelle Sachen gemeint. Und auch die Freude am Sein selbst.

Das Sein selbst ist aber durch und durch materiell.

Oberflächlichkeit ist etwas ganz anderes. Ich verstehe es als die fehlende Bereitschaft, Geist und Sinne anzuspannen, mit der Folge, leicht jedem Reiz und Einfall zu erliegen.
Das macht für den Moment sicher glücklich, sofern der Reiz oder Gedanke ein angenehmer ist.
Oberflächlichkeit führt aber ebenso dazu, dass man leicht den negativen Eindrücken oder Einfällen erliegt.

Mit 'materiell' oder 'spirituell' hat die Oberflächlichkeit meines Erachtens nichts zu tun.


Zitat:
Aber was ist nun der nächste Schritt??
Buddhisten würden vielleicht antworten: Achtsamkeit üben.
Telltale
Zitat:
Original von meloyello
Zitat:
Das wahre Geheimnis der Welt liegt im Sichtbaren, nicht im Unsichtbaren."

Man muß nur lernen es zu sehen. roll

Was jetzt? Das Sichtbare oder das Unsichtbare?

Fragt
Telltale
Sun Deluge
hi Qui-Gon Jinn

Zitat:
Bloß weiß ich jetzt nicht, wie es weiter geht. In die Oberflächlichkeit komm ich nicht mehr zurück, was ich in Wirklichkeit auch gar nicht will.
wenn man erst einmal weiss was der 'sinn des lebens' in wirklichkeit ist, kann man natürlich nicht mehr zurück, das ist auch nicht notwendig. die freude oder das glück zu haben kann man sich selber einreden, wenns auch im unterbewusstsein vor der erkenntnis funktionierte. man lebt wie zuvor und das beste aus dem wissen zu machen ist das geheimnis, ein ganz einfaches und offenes. wenn man spass am leben hat, stört die erkenntnis über das sein nicht mehr, ausser es geht einem recht schlecht (psychisch oder physisch).
Zitat:
Aber was ist nun der nächste Schritt??
so leben wie zuvor, auch wenn die 'wahrheit' schmerzhaft erscheint, obwohl das gefühl des sinnfreien selber oberflächlich ist. gut ist es, wenn man mit dem wissen über das sein anderen gegenüber nachsichtig ist. ein vorteil ist, wenn man von anderen gemobbt wird, weiss man, sie mobben nur weil sie der oberflächlichkeit anheim gefallen sind und sie können auch nichts für ihre psyche über die sie selber nicht nachdenken und zur vernunft kommen können oder wollen. es gibt auch vom gegenteil der oberflächlichkeit eine gute seite die man in der praxis umsetzen kann. das heisst dann so viel wie "der klügere gibt nach" oder ähnliches. das muss nicht heissen das der gegener stärker ist, auch das eigene wissen kann daran ausgerichtet werden.

gruss, finn
raphael
Hallo Leute!

Wer die Oberflächlichkeit zu überwinden bestrebt ist, möge dabei nicht oberflächlich vorgehen.

Mit freundlichen Grüßen
Raphael
Aurom
Zitat:
Original von Telltale
Zitat:
Original von meloyello
Zitat:
Das wahre Geheimnis der Welt liegt im Sichtbaren, nicht im Unsichtbaren."

Man muß nur lernen es zu sehen. roll

Was jetzt? Das Sichtbare oder das Unsichtbare?

Fragt
Telltale


das geheimnis ! roll
Telltale
Zitat:
Original von Aurom
das geheimnis ! roll

Typisch. Da stehe ich ja nun wieder wie am Anfang da.
pierre10
Dazu denke ich, dass wir in unserer Welt mit den unendlich vielen Empfindungen, Eindrücken, erlebnissen einfach nur oberflächlich sein können.

Erst wenn wir bei einem Thema, Geschehen in die Tiefe gehen, verlassen wir diese Oberflächlichkeit (auch bildlich gesprochen) um einzutauchen in das Eigentliche.Und dies ist nun mal für jeden etwas unterschiedlich.

Jeden Morgen unterhalte ich mich mit einer Fichte, ich habe sie vor 40 Jahren zusammen mit vielen anderen gepflanzt, warum es gerade diese ist kann ich nicht sagen. Ich "höre" sie nicht aber ich empfinde sie.

Pierre
Andique
Zitat:
Original von Qui-Gon Jinn
Hi Leute,

ich hab da eine Frage, bzw. ein Problem.
Im Zustand der Oberflächlichkeit gelingt es einem Menschen doch sehr leicht sich zu erfreuen, dazu brauch er nur z.B. etwas Materielles, um sich mal zu freuen. Er erkennt nicht, dass dahinter gar nicht so viel steckt, dass er eigentlich keinen Grund hat, sich so sehr an solchen Sachen zu erfreuen.
Wenn man das erkannt hat, und dann versucht die Oberflächlichkeit zu überwinden, muss es doch aber trotzdem etwas geben, woran man sich erfreuen kann. Soweit ich weiß, sind damit spirituelle Sachen gemeint. Und auch die Freude am Sein selbst.
Aber wie genau gelangt man dort hin? Es ist ja nicht so, dass man die Oberflächlichkeit durchbricht, aufhört, sich über materielle Sachen so einen kopf zu machen und dann automatisch die Freude des Seins spürt. Da gibts doch noch weitere Schritte dazwischen. Und genau da hänge ich zur Zeit fest. Ich komme einfach nicht zu dieser Freude an spirituellen Dingen. Ich hänge in einer Leere fest, die sich fast wie eine Depression anfühlt. Allerdings empfinde ich dabei keine Traurigkeit wie bei einer Depression.
Bloß weiß ich jetzt nicht, wie es weiter geht. In die Oberflächlichkeit komm ich nicht mehr zurück, was ich in Wirklichkeit auch gar nicht will.
Aber was ist nun der nächste Schritt??


Hallo Qui-Gon Jinn,

interessanter Name. Hat er eine bestimmte Bedeutung?
Deine Frage ist von fundamentaler Bedeutung für spirituelle Erkenntnis, bzw. spirituelle Selbsterkenntnis. Da sie so fundamental ist, kann ich hier nicht umfassend antworten, sondern das Thema nur umreissen.
Ich persönlich unterscheide zwischen Spass, den man an und mit materiellen Dingen haben kann, wenn man an der Oberfläche stehen bleibt, und zwischen Freude, die mit einer tieferen Kenntnis des Gegenstands einherkommt. Es ist der gleiche Unterschied, den man hat, wenn man nur seine körperlichen Sinnesreize gelten lässt und dem Einklang mit der kosmischen Harmonie, die man Liebe nennen kann. Also z.B. auch der Unterschied zwischen purer sexuellen Betätigung und wahrer Liebe zu einem anderen Menschen.
Der Grundkonflikt in jedem Menschen ist der zwischen "Ego", d.h. einem falschen Selbstbild, dass man von sich hat und dem wahren Selbst, also dem was man wirklich ist; "Seele".
Ein Kind lebt noch in seinem wahren Selbst, dass es durch Erziehung und Anpassung an die Umwelt immer mehr verliert. Dabei kann dies sehr langsam und von den Erwachsenen (Eltern, Lehrer ...) im besten Wohlwollen geschehen (aus dem Kind soll ja mal was werden). Zum Beispiel wird dem Kind durch regelmässige Essenszeiten (um 12 Uhr wird gegessen, basta) suggeriert, dass es selbst nicht festlegen kann, wann es Hunger hat und, dass es seine gesellschaftliche Rolle zu spielen hat. Das Ego wieder loszuwerden ist äusserst schwer. Unter anderem dadurch, dass es einem ständig suggeriert: du bist doch wer, du hast doch Erfolg usw.
Ich kann hier natürlich nicht so viel schreiben, da dies ein umfangreiches Thema ist und schon einige Bücher zu dem Thema geschrieben wurden.
Genau diesen Grundkonflikt empfindest du hier, denn das Ego wird seine Position nicht so schnell aufgeben, daher dein depressives Empfinden. Der Grundkonflikt geht so weit, dass tatsächlich einer von beiden sterben muss. Das Ego wird soweit gehen das wahre Selbst vollständig mit einer Mauer zu umgeben. Durch eine Zuwendung zum wahren Selbst wird dir auch Hilfe von kosmischer Seite zuteil, um das Ego loszuwerden.
Wie geht es nun weiter?
Wie beschrieben durch Hinwendung zum wahren, höheren Selbst.
"Emotionale, impulsive oder geschmäcklerische Reaktionen auf die Gegenstände der Meditation können zwar Aufschluss geben über die Konditionen der eigenen Psyche, über persönlichen Geschmack, über Vorlieben und Abneigungen - sie sind jedoch nicht relevant im Sinne von meditativer Erkenntnis. Die kann allein durch den emotionslosen geistigen Vorgang der Betrachtung, des Eindringens, des Identifizierens mit dem Objekt gewonnen werden, ohne gefühlsmässige Wertungen vorzunehmen. Erst aus der Sicht des neutralen Beobachters, dem nichts hässlich, nichts schön, sondern alles nur "so, nicht anders, weder gut noch schlecht" ist, kann wirkliche Einsicht und weise Schau des Sinns und der Korrelation aller Dinge erwachsen." (Zitat: Das Buch der Wirklichkeit S. 229).
Büchertips:
- allgemein: Haben oder Sein von Erich Fromm
- zum Ego: alle Bücher von Carol K. Anthony
- zur spirituellen Erkenntnis: Das Buch der Wirklichkeit von Norbert A. Eichler, leider im Handel nicht mehr erhältlich, aber manchmal bekommt man es bei Ebay oder dem anderen wichtigen Internetbuchhandel, der mit "A" beginnt (darf anscheinend den Namen hier nicht nennen) oder im Antiquariatshandel, dann allerdings nur gebraucht.
Das Buch der Wirklichkeit ist ein Buch, dass ein spezielles I Ging darstellt. Andere I Ging Bücher sind auch empfehlenswert.
Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen.

freundliche Grüsse