-Soso-
Hi.
Vorweg: Ich setze grundlegende Kenntnisse in modaler Aussagenlogik und Mögliche-Welten-Semantik voraus, aber diejenigen, die mit Modallogik nichts am Hut haben, wird das hier vermutlich eh nicht interessieren^^
Eine formale Sprache L ist extensional genau dann, wenn sie folgendes Kriterium erfüllt:
Extensionalitätsprinzip: Der Wahrheitswert einer komplexen wohlgeformten Formel ist durch die Exensionen (Wahrheitswerte) ihrer atomaren Subformeln determiniert.
Die Modallogik erfüllt dieses Kriterium nach allgemeiner Maßgabe nicht, weshalb sie unter die nicht-extensionalen Logiken geordnet wird. Ich behaupte, die Modallogik ist extensional, wenn man die Extension einer wohlgeformten Formel (wff) nicht als Wahrheitswert, sondern als eine Menge von möglichen Welten definiert.
Einige Vorbemerkungen:
Es geht mir in diesem Beitrag lediglich darum, eine gewisse Idee in einer ersten Annäherung darzustellen. Aus diesem Grunde verzichte ich auf allzu technischen Schnickschnack ebenso wie Beweise. Außerdem ist dieser Beitrag, um ihn kurz zu halten, technisch ziemlich schlampig geraten (z.B. unterscheide ich nicht zwischen Rahmen und Modellen sowie zwischen Wahrheit in einem Rahmen und Wahrheit in einer möglichen Welt; das kann man hinterher fein säuberlich ausbuchstabieren).
Ich werde mich in diesem Beitrag außerdem auf die modale Aussagenlogik S5 beschränken (d.h. man kann sich die Rede von der Zugänglichkeitsrelation schenken, „
p“ heißt dasselbe wie „'p' ist wahr in jeder möglichen Welt“). Wenn sich zeigt, dass meine Idee für S5 funktioniert, dürfte sie sich für alle weiteren modalen Aussagenlogiken erweitern lassen.
Um zu prüfen, ob ich mit meinem Vorschlag Erfolg habe, gebe ich einen intuitiven Test an, eine formale Sprache daraufhin zu überprüfen, ob sie extensional ist:
Es gilt, dass eine wff A extensional ist genau dann, wenn sich in ihre Ausdrücke gleicher Extension unbeschadet der Wahrheit von A ersetzen lassen. Eine formale Sprache L ist extensional genau dann, wenn sie nur extensionale wffs enthält.
Beispielsweise lässt sich mit diesem Test zeigen, dass S5, wenn als Extensionen ihrer wffs Wahrheitswerte definiert werden, nicht extensional ist. Sei „p“ in einer möglichen Welt wi wahr. Außerdem ist in wi „
(p v ~p)“ wahr. Ersetzt man aber die in wi wahre wff „p v ~p“ durch die in wi wahre wff „p“, erhält man die in wi falsche wff „
p“. „
(p v ~p)“ ist damit keine extensionale wff. Da „
(p v ~p)“ außerdem Element der Menge der wffs von S5 ist, ist S5 damit nicht extensional.
Jetzt zum interessanten Teil:
Statt wie üblich die Extension einer wff als Wahrheitswert zu definieren, möchte ich sie stattdessen als Menge von möglichen Welten definieren. Sätze seien also nicht mehr Namen von Wahrheitswerten, sondern Namen von Mengen möglicher Welten. Intuitiv gesprochen bezeichne eine wff A die Menge aller möglichen Welten, in denen sie wahr ist. Seien A und B wffs in denen kein Modaloperator vorkommt, dann ergeben sich für die nichtmodalen wffs von S5 folgende Wahrheitsbedingungen:
V(<A, wi>) = 1 gdw. wi
A
(Das wird gelesen „die wff A ist in einer möglichen Welt wi wahr genau dann, wenn wi Element der Menge A ist. Alle weiteren Definitionen sind analog zu verstehen.)
V(<'~A', wi>) = 1 gdw. wi nicht
A
V(<'A & B', wi>) = 1 gdw. wi
A und wi
B
V(<'A v B', wi>) = 1 gdw. wi
A oder wi
B oder beides
V(<'A -> B', wi>) = 1 gdw. wi nicht
A oder wi
B
Die Wahrheitsbedingungen für Äquivalenz, ausschließende Disjunktion usw. folgen aus oben Genanntem. Außerdem gelte für jede wff A, dass V(<A, wi>) = 0 gdw. nicht V(<A, wi>) = 1 (Bivalenzprinzip).
Bis hierher ist das alles der übliche Kram, der wichtige Teil sind die Wahrheitsbedingungen für wffs mit Modaloperatoren, wobei W die Menge aller möglichen Welten ist (es gilt wie üblich, dass '
A' definiert ist durch '~
~A'):
V(<'
A', wi>) = 1 gdw. für alle w
W ist w
A
V(<'
A', wi>) = 1 gdw. es gibt ein w
W mit w
A
Auffällig hier ist die Analogie zur Prädikatenlogik (PL). Was in PL der Gegenstandsbereich ist, ist hier die Menge der möglichen Welten und was in PL Prädikate sind, sind hier wffs. Während etwa '(x)[Ax]' in PL genau dann wahr ist, wenn alle Elemente des Gegenstandsbereichs Element der Klasse aller A sind, ist '
A' wahr in einer möglichen Welt wi genau dann, wenn alle Elemente der Menge aller möglichen Welten Element von A sind.
Zuletzt der Test:
Im Beispiel oben wurde die Nichtextensionalität von S5 dadurch gezeigt, dass unter der Annahme, dass „p“ wahr ist, die Ersetzung von „p v ~p“ in „
(p v ~p)“ durch das extensionsgleiche „p“ nicht unter Erhaltung der Wahrheit möglich ist. Ist die Extension einer wff eine Menge möglicher Welten, dann ist diese Ersetzung jedoch nicht mehr möglich. So ist die Extension von „p v ~p“ die Menge aller möglichen Welten, die von „p“ jedoch nicht (denn es lassen sich Modelle konstruieren, in denen es mögliche Welten gibt, in denen „p“ falsch ist). Damit sind „p v ~p“ und „p“ nicht extensionsgleich und damit ist die Ersetzung illegitim. Da die Auffassung von wffs als Namen von Mengen möglicher Welten darüber hinaus eine simple Kopie der Semantik der das Extensionalitätsprinzip erfüllenden Prädikatenlogik 1. Stufe ist, dürfte auch S5 mit der hier vorgestellten Semantik das Extensionalitätsprinzip erfüllen.
Abschließende Bemerkung:
Da die Idee, wffs als Namen von Mengen möglicher Welten aufzufassen, sehr simpel ist, bin ich überzeugt, dass meine Idee nicht neu ist und sie tatsächlich in irgendeinem Aufsatz in technisch adäquater Weise dargestellt ist. So hat z.B. Lewis in seinem Aufsatz Counterpart Theory die modale Prädikatenlogik in eine extensionale Sprache übersetzt. Allerdings ist die Counterpart Theory keine bloße Semantik, sondern eine Theorie. Da man jedoch überall liest, die Modallogik (und damit auch die modale Aussagenlogik) sei intensional, so als ob die Modallogik qua Modallogik nicht extensional sein könnte, hielt ich das Geben eines Gegenbeispiel (sofern sich nicht doch unüberwindbare Probleme ergeben) für nicht verkehrt.
Vorweg: Ich setze grundlegende Kenntnisse in modaler Aussagenlogik und Mögliche-Welten-Semantik voraus, aber diejenigen, die mit Modallogik nichts am Hut haben, wird das hier vermutlich eh nicht interessieren^^
Eine formale Sprache L ist extensional genau dann, wenn sie folgendes Kriterium erfüllt:
Extensionalitätsprinzip: Der Wahrheitswert einer komplexen wohlgeformten Formel ist durch die Exensionen (Wahrheitswerte) ihrer atomaren Subformeln determiniert.
Die Modallogik erfüllt dieses Kriterium nach allgemeiner Maßgabe nicht, weshalb sie unter die nicht-extensionalen Logiken geordnet wird. Ich behaupte, die Modallogik ist extensional, wenn man die Extension einer wohlgeformten Formel (wff) nicht als Wahrheitswert, sondern als eine Menge von möglichen Welten definiert.
Einige Vorbemerkungen:
Es geht mir in diesem Beitrag lediglich darum, eine gewisse Idee in einer ersten Annäherung darzustellen. Aus diesem Grunde verzichte ich auf allzu technischen Schnickschnack ebenso wie Beweise. Außerdem ist dieser Beitrag, um ihn kurz zu halten, technisch ziemlich schlampig geraten (z.B. unterscheide ich nicht zwischen Rahmen und Modellen sowie zwischen Wahrheit in einem Rahmen und Wahrheit in einer möglichen Welt; das kann man hinterher fein säuberlich ausbuchstabieren).
Ich werde mich in diesem Beitrag außerdem auf die modale Aussagenlogik S5 beschränken (d.h. man kann sich die Rede von der Zugänglichkeitsrelation schenken, „
p“ heißt dasselbe wie „'p' ist wahr in jeder möglichen Welt“). Wenn sich zeigt, dass meine Idee für S5 funktioniert, dürfte sie sich für alle weiteren modalen Aussagenlogiken erweitern lassen.Um zu prüfen, ob ich mit meinem Vorschlag Erfolg habe, gebe ich einen intuitiven Test an, eine formale Sprache daraufhin zu überprüfen, ob sie extensional ist:
Es gilt, dass eine wff A extensional ist genau dann, wenn sich in ihre Ausdrücke gleicher Extension unbeschadet der Wahrheit von A ersetzen lassen. Eine formale Sprache L ist extensional genau dann, wenn sie nur extensionale wffs enthält.
Beispielsweise lässt sich mit diesem Test zeigen, dass S5, wenn als Extensionen ihrer wffs Wahrheitswerte definiert werden, nicht extensional ist. Sei „p“ in einer möglichen Welt wi wahr. Außerdem ist in wi „
(p v ~p)“ wahr. Ersetzt man aber die in wi wahre wff „p v ~p“ durch die in wi wahre wff „p“, erhält man die in wi falsche wff „
p“. „
(p v ~p)“ ist damit keine extensionale wff. Da „
(p v ~p)“ außerdem Element der Menge der wffs von S5 ist, ist S5 damit nicht extensional.Jetzt zum interessanten Teil:
Statt wie üblich die Extension einer wff als Wahrheitswert zu definieren, möchte ich sie stattdessen als Menge von möglichen Welten definieren. Sätze seien also nicht mehr Namen von Wahrheitswerten, sondern Namen von Mengen möglicher Welten. Intuitiv gesprochen bezeichne eine wff A die Menge aller möglichen Welten, in denen sie wahr ist. Seien A und B wffs in denen kein Modaloperator vorkommt, dann ergeben sich für die nichtmodalen wffs von S5 folgende Wahrheitsbedingungen:
V(<A, wi>) = 1 gdw. wi
A(Das wird gelesen „die wff A ist in einer möglichen Welt wi wahr genau dann, wenn wi Element der Menge A ist. Alle weiteren Definitionen sind analog zu verstehen.)
V(<'~A', wi>) = 1 gdw. wi nicht
AV(<'A & B', wi>) = 1 gdw. wi
A und wi
BV(<'A v B', wi>) = 1 gdw. wi
A oder wi
B oder beidesV(<'A -> B', wi>) = 1 gdw. wi nicht
A oder wi
BDie Wahrheitsbedingungen für Äquivalenz, ausschließende Disjunktion usw. folgen aus oben Genanntem. Außerdem gelte für jede wff A, dass V(<A, wi>) = 0 gdw. nicht V(<A, wi>) = 1 (Bivalenzprinzip).
Bis hierher ist das alles der übliche Kram, der wichtige Teil sind die Wahrheitsbedingungen für wffs mit Modaloperatoren, wobei W die Menge aller möglichen Welten ist (es gilt wie üblich, dass '
A' definiert ist durch '~
~A'):V(<'
A', wi>) = 1 gdw. für alle w
W ist w
AV(<'
A', wi>) = 1 gdw. es gibt ein w
W mit w
AAuffällig hier ist die Analogie zur Prädikatenlogik (PL). Was in PL der Gegenstandsbereich ist, ist hier die Menge der möglichen Welten und was in PL Prädikate sind, sind hier wffs. Während etwa '(x)[Ax]' in PL genau dann wahr ist, wenn alle Elemente des Gegenstandsbereichs Element der Klasse aller A sind, ist '
A' wahr in einer möglichen Welt wi genau dann, wenn alle Elemente der Menge aller möglichen Welten Element von A sind.Zuletzt der Test:
Im Beispiel oben wurde die Nichtextensionalität von S5 dadurch gezeigt, dass unter der Annahme, dass „p“ wahr ist, die Ersetzung von „p v ~p“ in „
(p v ~p)“ durch das extensionsgleiche „p“ nicht unter Erhaltung der Wahrheit möglich ist. Ist die Extension einer wff eine Menge möglicher Welten, dann ist diese Ersetzung jedoch nicht mehr möglich. So ist die Extension von „p v ~p“ die Menge aller möglichen Welten, die von „p“ jedoch nicht (denn es lassen sich Modelle konstruieren, in denen es mögliche Welten gibt, in denen „p“ falsch ist). Damit sind „p v ~p“ und „p“ nicht extensionsgleich und damit ist die Ersetzung illegitim. Da die Auffassung von wffs als Namen von Mengen möglicher Welten darüber hinaus eine simple Kopie der Semantik der das Extensionalitätsprinzip erfüllenden Prädikatenlogik 1. Stufe ist, dürfte auch S5 mit der hier vorgestellten Semantik das Extensionalitätsprinzip erfüllen.Abschließende Bemerkung:
Da die Idee, wffs als Namen von Mengen möglicher Welten aufzufassen, sehr simpel ist, bin ich überzeugt, dass meine Idee nicht neu ist und sie tatsächlich in irgendeinem Aufsatz in technisch adäquater Weise dargestellt ist. So hat z.B. Lewis in seinem Aufsatz Counterpart Theory die modale Prädikatenlogik in eine extensionale Sprache übersetzt. Allerdings ist die Counterpart Theory keine bloße Semantik, sondern eine Theorie. Da man jedoch überall liest, die Modallogik (und damit auch die modale Aussagenlogik) sei intensional, so als ob die Modallogik qua Modallogik nicht extensional sein könnte, hielt ich das Geben eines Gegenbeispiel (sofern sich nicht doch unüberwindbare Probleme ergeben) für nicht verkehrt.