@Pippen
Hi.
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Mein Gott, wie blöd bin ich denn? Logisch widersprüchlich kann doch sowieso keine einzelne Aussage sein, sondern nur zwei Aussagen zueinander (zB A ist in Berlin und A ist nicht in Berlin), stimmts?
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Nö, auch einzelne Sätze können widersprüchlich sein.
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"Dieser Satz ist falsch" ist daher ohnehin nicht logisch widersprüchlich.
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Doch, ist er. Der Satz (S) ist wahr genau dann, wenn er nicht wahr ist, d.h. es gilt mit „T“ als Wahrheitsprädikat T(S) <-> ~T(S). „T(S) <-> ~T(S)“ aber ist nichts weiter als eine Substitutionsinstanz des widersprüchlichen „p <-> ~p“ („p genau dann, wenn nicht p“).
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1. Der Satz (S) meint dasselbe (d.h. ist nur eine andere semantische Form) wie (S1) "Dieser Satz ist falsch; auch dieser Satz ist falsch; auch dieser Satz (dass der Satz falsch ist, dass der Satz falsch ist) ist falsch usw.".
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Eine der Bedingungen dafür, dass zwei Sätze A und B Übersetzungen voneinander sind, ist, dass sie dieselben Wahrheitsbedingungen haben. Zu sagen, dass (S) eine Übersetzung von (S1) sei, setzt daher schon voraus, dass beide wahrheitswertfähig sind.
Man kann natürlich versuchen, ein anderes Kriterium für Übersetzbarkeit zu finden, welches nicht Gleichheit der Wahrheitsbedingungen voraussetzt, doch was für gewaltige Probleme man dann bekommt, hat Quine in
Two Dogmas of Empiricism gezeigt.
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2. Logisch widersprüchliche Aussagen können nie vorliegen, wenn eine oder beide Aussagen die Wahrheitsprädikate "wahr" oder "falsch" nicht haben können.
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Doch, können sie. Wie ich weiter oben bereits schrieb, hat Widersprüchlichkeit überhaupt nichts mit Wahrheit zu tun. Ein Satz S ist widersprüchlich genau dann, wenn aus S Beliebiges syntaktisch folgt.
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3. Einer Aussage kann keine Wahrheitsprädikate haben, wenn sie nicht eindeutig bestimmbar ist.
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Doch, kann sie. Um – den Thread
Verhältnis Logik-Sprache mitgezählt – das Beispiel zum dritten mal zu bringen: Sei F ein unendlich langer Satz (wir können also F unmöglich in der uns gegebenen Zeit vollständig lesen, geschweige denn, seine Bedeutung erfassen), dann ist der unendlich lange Satz (S3) „[(p v ~p) v (F)]“ („p-oder-nicht-p oder F“) logisch wahr. Dass wir die Bedeutung von F und damit auch die von (S3) nicht erfassen können, stellt dabei überhaupt kein Problem dar. Es gilt nämlich, dass eine Disjunktion wahr ist genau dann, wenn wenigstens eines der Disjunkte wahr ist. (S3) nun IST eine Disjunktion und eines der Disjunkte, nämlich „p v ~p“ IST wahr, daher ist (S3) wahr.
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4. S1 ist nicht eindeutig bestimmbar, weil S1 durch seine infinite Struktur keine Möglichkeit bietet, S1 einen endgültigen Wahrheitswert zuzuordnen.
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Die Länge eines Satzes hat nicht das Geringste damit zu tun, ob er wahrheitswertfähig ist oder nicht. Dass ein Satz wahr ist, bedeutet nicht, dass WIR ihn als wahr erkennen können, sondern nur, dass er bestimmte Bedingungen erfüllt, ganz gleich, ob wir das überprüfen können oder nicht.
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5. Daher kann S1 kein Wahrheitwert zukommen.
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Folgt aus falschen Prämissen, siehe oben.
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6. Daher kann auch S kein Wahrheitswert zukommen,
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Folgt aus falschen Prämissen, siehe oben.
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7. Daher kann S in keinem logischen Widerspruch zu anderen Sätzen stehen.
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Folgt aus falschen Prämissen, denn Widersprüchlichkeit hat nichts mit Wahrheit zu tun, siehe oben.
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Sofern du mit dem Ausdruck „normale zweiwertige Logik“ die klassische Logik meinst, dann scheitert dein Nachweis mit Satz 6. Klassische Logik erfüllt per definitionem das Bivalenzprinzip. Dieses besagt, dass jede Aussage genau einen der Wahrheitswerte wahr und falsch hat und keine Aussage wahrheitswertlos bleibt.
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Lass mich dich provozieren: Nein, das stimmt nicht. "Soso ist hier" ist eine Aussage, die aber beim besten Willen weder wahr noch falsch sein kann, weil sie unterbestimmt ist ("hier" kann allesmögliche bedeuten und je nach Kontext die Aussage wahr oder falsch machen; bevor nicht geklärt ist, was "hier" bedeutet, wäre die Aussage nicht wahrheits-/falschheitsbestimmtbar). Oder mit welchem Recht würdest du hier als Logiker dieser Aussage ein "w" oder "f" zuordnen (was da ja nach deinem Bivalenzprinzip müßtest)? Bliebe dir einzig die Möglichkeit zu sagen, dass wäre keine Aussage? Das wäre nicht nur unplausibel, sondern würde das Bivalenzprinzip als zu "eng" und unintuitiv entlarven. Was tut es auch dem klass. Logiker an, wenn es wahrheitslose Aussagen gäbe, aus denen eben nichts (auch nicht beliebiges) folgt?
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Die Aussage „Soso ist hier“ könne weder wahr noch falsch sein, weil sie je nach Kontext wahr oder falsch sein kann? Wie bitte? Na wie dem auch sei: diese ganzen logischen Gesetze wie Nichtwiderspruchssatz, Satz vom ausgeschlossenen Dritten, Bivalenzprinzip usw. beziehen sich stets auf Sätze im selben Kontext. So lautet das Bivalenzprinzip eigentlich: „Für einen beliebigen Kontext k und einen beliebigen Satz S gilt: S ist wahr in k oder S ist nicht wahr in k.“
Dass man den Kontext meist nicht erwähnt, liegt schlichtweg daran, dass man in der Logik üblicherweise Sätze untersucht, die ihren Wahrheitswert nicht mit verschiedenen Äußerungskontexten variieren, sodass die Angabe des Kontextes überflüssig ist.
Will man Äußerungskontexten Rechnung tragen, benötigt man eine entsprechende Logik. Kaplan hat in
Demonstratives eine solche skizziert. Übrigens MIT Bivalenzprinzip.
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Was bedeutet hier der Ausdruck „Satz S kann man in folgende Form S1 überführen“? Ich nehme an, dass soll dasselbe bedeuten wie „aus Satz S lässt sich der Satz S1 schlussfolgern“?
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Nein. Ich meine damit dies: "Soso wohnt in New York", "Soso wohnt im ehemaligen New Amsterdam", "Soso wohnt in der Stadt des '11.Sept.'". Alle drei Aussagen meinen diesselbe Stadt, sie sind gewissermaßen lediglich syntaktisch verschieden, nicht inhaltlich. Sie folgen nicht (weder logisch noch syntaktisch) aus der vorherigen Aussage.
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Genau dann, wenn die Ausdrücke „New York“, „das ehemalige New Amsterdam“ und „die Stadt vom 11.09.“ inhaltsgleich wären, müssten auch die Sätze „Soso wohnt in New York“, „Soso wohnt im ehemaligen New Amsterdam“ und „Soso wohnt in der Stadt des 11.09.“ inhaltsgleich seien, da sich die drei Sätze nur in den o.g. Ausdrücken unterscheiden. Wenn aber die Aussagen denselben Inhalt hätten, dann wären sie Übersetzungen voneinander. In diesem Falle würde mein Argument nach wie vor gelten, denn Übersetzungen folgen auseinander. Es folgt nämlich ein Satz A aus einem Satz B genau dann, wenn, wann immer A wahr ist, auch B wahr ist. Nun gilt, dass etwa „snow is white“ genau dann wahr ist, wenn „Schnee ist weiß“ wahr ist, da sie Übersetzungen voneinander sind. Damit gilt per Definition, dass „snow is white“ aus „Schnee ist weiß“ folgt und vice versa.
Allerdings haben die Aussagen oben keineswegs denselben Inhalt; dein Argument, dass sie inhaltsgleich seien, beruht auf einer Verwechslung von Inhalt und Referent eines sprachlichen Zeichens (dieselbe Verwechslung findet sich auch in deiner Ausführung zu „Soso ist hier“). Wären etwa die Ausdrücke „New York“ und „die Stadt vom 11.09.“ inhaltsgleich, müssten sie in jedem Satz, in dem wenigstens einer der Ausdrücke vorkommt, ersetzt werden können, ohne dass sich der Wahrheitswert ändert (das sollte einleuchtend sein, hoffe ich). Betrachten wir folgenden Satz:
(T) Es ist notwendig, dass New York identisch mit New York ist.
Der Satz (T) ist wahr, denn dass New York identisch mit New York ist, ist eine Instanz des Satzes der Identität, „x = x“, welcher logisch wahr ist. Da weiterhin der Ausdruck „es ist notwendig, dass“ in der Logik nichts anderes besagt als „es ist logisch wahr, dass“, ist also (T) wahr (ich weiß, ich weiß, Kripke). Nun ersetze ich das erste „New York“ durch „die Stadt vom 11.09.“:
(F) Es ist notwendig, dass die Stadt vom 11.09. identisch mit New York ist.
Der Satz (F) ist offensichtlich falsch, denn es ist keineswegs notwendig, dass die Stadt vom 11.09. New York ist. Genauso gut hätten am 11.09. die Flugzeuge in LA einschlagen können oder sie hätten die Twin Towers verfehlt oder es wäre gar nichts passiert. Demnach sind „New York“ und „die Stadt vom 11.09.“ nicht inhaltsgleich und damit zumindest auch „Soso wohnt in New York“ und „Soso wohnt in der Stadt des 11.09.“ nicht.
(Den vermeintlichen Skeptiker lassen wir am besten mal aus dem Spiel, denn der hat ja eh nichts zu sagen (pun intended^^).)
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Vielleicht auch noch so: Jeder Satz läßt sich sprachlich umformen ohne das er seine exakte Bedeutung ändert. "Soso ist ein Mann" meint genau dasselbe wie "Soso ist keine Frau".
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Jupp, Übersetzungen halt. Allerdings sind „Soso ist ein Mann“ und „Soso ist keine Frau“ keine Übersetzungen voneinander, denn in einer Märchenwelt, in der es drei Geschlechter gibt, könnte der erste Satz falsch sein, der zweite wahr.
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Je mehr ich darüber nachdenke, desto einleuchtender scheint mir, dass selbstbezügliche Sätze nicht widersprüchlich (zu ihren Metaebenen) sein können. Sie sind schlicht selbstbezüglich und man kann aus und mit ihnen nichts folgern, eben weil sie nur "sich selbst im Blick haben". Sie sind das Pendant zur Division durch Null. Damit stehe ich mE im Kontrast sowohl zu normalen Logik (die dort von logische Falschheit und EFQ ausgeht) als auch zur parakons. Logik (die ebenfalls mit diesen Sätzen "schließt").
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Wenn du das so auffassen willst, dann verlässt du aber freilich die klassische Logik, für die du doch gerade die Nichtwidersprüchlichkeit von „dieser Satz ist falsch“ nachweisen wolltest. Oder hast du dein Anliegen geändert?
PS: Du hast in deinem Beitrag definitiv zu viele Großthemen der Sprachphilosophie angeschnitten.