Sunshine
Ich beschäftige mich gerade intensiver mit den Fragen nach dem Sinn des Lebens.
Natürlich interessiert es mich da, welche Philosophen den dazugehörigen Fragen besonders nachgegangen sind.
Beispiele:
Wie führe ich ein gelungenes Leben?
- Aristoteles, Epikur, Zenon
Was soll ich tun?
- Kant
Könnt ihr mir helfen die Liste zu vervollständigen?
Also: welcher Philosoph ist welcher Frage nachgegangen bezüglich des Sinn des Lebens.
Viele Grüße,
Sascha.
Edit: Kann das Thema in das Forum "Philosophie und Denktradition" verschoben werden? Danke.
Sunshine
Hm...ich kann mir nicht vorstellen, dass hierzu keiner was schreiben kann.
Also...Push!
Nylen
Einmal empfehle ich dir gerne dich ein wenig mit Aristippos zu beschäftigen, genauer mit Hedonismus. Dem Vermeiden von Leid.
Ansonsten hat Nietzsche viel zum Sinn des Lebens gesagt und geschrieben. Nicht das alles empfehlenswert wäre.
Jay Ray
Möglicherweise sind gerade keine User anwesend, welche die Arbeit eines Lexikons übernehmen wollen (
http://de.wikipedia.org/wiki/Sinn_des_Lebens kann da weiterhelfen)
Bzw den anwesenden ist Dein Intro zu allgemein um dort was zum Einhaken zu finden.
Sunshine
Danke für die Antworten.
Ich dachte, dass meine Intention deutlich ist. Viele hier haben sich ja schon mit dem ein oder anderen Philosophen genauer beschäftigt, sodass man ohne großen Rechercheaufwand etwas dazu schreiben kann (falls dieser Philosoph etwas zu dem Thema beigetragen hat).
Ein Forum ist doch dazu da, auch einfache und schnelle Art, Wissen auszutauschen. Oder irre ich mich da?
Danke @Nylen!
Darwinian
Ist diese Frage überhaupt objektiv beantwortbar?
Ich frage mich zum Beispiel ernsthaft, ob das Leben überhaupt einen Sinn ergeben muss? Oder liegt die Antwort einfach darin, seine "egoistischen" Gene artig zu reproduzieren und die entsprechende Frage weiter zu geben an die nächsten Generationen? Doch irgendwann ist Schluss, "Game Over" für das einzelnde Individium wie für alles Leben. Worin dann da der Sinn lag für das ganze Leid in der Welt weiß nur "Gott" allein... Amen!
Sunshine
Darwin hat den Menschen ja auf das Wesentliche reduziert - auch diese Position kann man einnehmen.
Wenn man sich die Entwicklung unserer Gesellschaft in den letzten Jahren so anschaut, dann ist Sex wirklich der Lebensmittelpunkt viele Menschen. Damit zusammenhängend wird die Ausbildung eines Sozialwesens auf die höchste Stufe gestellt. Für viele sind die sozialen Netzwerke wie studiVZ zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens geworden. Wenn nicht im Internet, dann trifft man sich im realen Leben in einem Cafe, in einer Bar oder gleich auf einer Party. Das beobachte ich schon eine ganze Weile und komme zu dem Schluss, dass (klar, das ist schon laaange bekannt) die Menschen einfach abschalten wollen und von Fragen wie dem Sinn des Lebens nichts wissen wollen.
Sie leben einfach den Augenblick.
Ich denke, dass das auf den größten Teil der Bevölkerung zutrifft.
Vielleicht ist die Entwicklung jene, die Aristoteles im Kopf hatte?
Chris
| Zitat: |
Original von Sunshine
Darwin hat den Menschen ja auf das Wesentliche reduziert - auch diese Position kann man einnehmen. |
Nicht auf das Wesentliche - Darwin und viele nach ihm haben es möglich gemacht, den Menschen auf seine biologischen Funktionen zu reduzieren. Dass das das "Wesentliche" sei, halte ich für falsch.
Cosmo
| Zitat: |
Original von Sunshine
Darwin hat den Menschen ja auf das Wesentliche reduziert - auch diese Position kann man einnehmen. |
Darwin hat eine Theorie vorgestellt, die die Entstehung der Arten erklärt, eine wissenschaftliche Theorie alternativ zur Schöpfungsmythologie des Alten Testaments. Darwin ist nicht dafür verantwortlich, dass wir in der Werbung mit zu viel Sex belästigt werden oder dass Menschen oberflächlich denken und leben.
Sunshine
Nach Darwin ist streng genommen die Fortpflanzung und somit die Vererbung seiner Gene, Sinn eines jeden Lebewesens. Das meine ich mit "das Wesentliche". Dies geschieht entweder durch natürliche oder sexuelle Selektion. Am Letzteren habe ich angeschlossen und verstehe die Freizügigkeit beim Umgang mit dem Thema "Sex" als unmittelbare Folge dieser Theorie.
Sexuelle Selektion wurde erst sehr spät (in den 1970ern?) allgemein akzeptiert. Dies ging einher mit der Emanzipation der Frau. Seit dem gehen wir doch immer offener mit dem Thema 'Sex' um.
Man kann es so sehen, dass das Tabu der sexuellen Freizügigkeit (von der Kirche ausgehend) gebrochen werden konnte, weil auch Darwins Theorie einen Bruch mit Günthers Institution machte.
So habe ich das gemeint
Cosmo
| Zitat: |
Original von Sunshine
Man kann es so sehen, dass das Tabu der sexuellen Freizügigkeit (von der Kirche ausgehend) gebrochen werden konnte, weil auch Darwins Theorie einen Bruch mit Günthers Institution machte.
So habe ich das gemeint
|
ok, verstehe. Aber da sind mir etwas zu viele "könnte sein" drin. Natürlich, es könnte sein, und zu einem Teil würde ich auch der Entwicklung wg. Darwin eine Mitwirkung an den heutigen Verhältnissen einräumen - im weitesten Sinn. Allein kann man das Darwin nicht anlasten. Das hatte ich gemeint.
EDIT: ansonsten bezweifel ich, dass Darwin Aussagen über den Sinn des menschlichen Lebens machte... Du sprichst den Fortpflanzungstrieb an. Der wurde natürlich für uns plötzlich ebenso real, wie er für die Tiere gilt, weil wir eben durch Darwin's Erkenntisse ein Tier, wenn auch ein besonderes, waren. Allerdings waren wir das vorher auch schon, wir dachten nur anders darüber.
Manderlain
Hallo Sascha,
Im dtv-Verlag ist 2000 ein Sammelband zum Thema "Sinn des Lebens" herausgebracht worden (Titel: "Der Sinn des Lebens"). Der Band enthält vor allem Beiträge von Vertretern der analytischen Philosophie, aber auch Gedichte, Bibelstellen, Auszüge aus Literatur (Tolstoi, Kafka, Heine, Camus), Bekenntnisse von Wissenschaftlern und Philosophen (Einstein, Russell) und zudem eine sehr gute Einleitung. Die Texte sind nach verschiedenen Themenbereichen geordnet (Auszug: "Absurd, Geschichtlich, Sterblich, Lebenswert") und im Anschluss findet sich eine ausführliche Bibliographie, die eine Vielzahl von Texten zum Sinn des Lebens aus allen möglichen Bereichen aufführt.
Mir hat der Band sehr geholfen, als ich mich mit dieser Thematik beschäftigt habe, gerade weil er Texte unterschiedlichster Gattungen enthält. Man kann einfach darin stöbern oder ganz systematisch vorgehen, je nachdem, wie man sich gerade mit der Thematik beschäftigen möchte. Was allerdings etwas fehlt sind Texte von Leuten wie Nietzsche oder Scheler, die sich ebenfalls mit dieser Thematik beschäftigt haben, aber ich würde doch sagen, dass der Band eine der besten Sammlungen hinsichtlich des Themas darstellt, insbesondere wenn man nicht "nur" gut klingende Sprüche dazu hören, sondern die Frage systematisch angehen möchte. Ich würde Dir den Band also uneingeschränkt empfehlen.
Gruß,
Michael
Sunshine
Hallo Michael,
vielen Dank für deine Antwort. Es gibt ja viel Literatur zu dem Thema, weshalb es ein wenig dauert, bis ich mir ein Bild gemacht habe von dem was lesenswert ist und was nicht.
Meinst du dieses hier?
http://www.dtv.de/titel/der_sinn_des_lebens_30744.html
Viele Grüße,
Sascha.
Manderlain
Hallo Sascha,
Ja, genau das meine ich.
Teckleberry
Mal ehrlich, ich glaube nicht, dass es überhaupt einen Sinn des Lebens gibt. Jedenfalls keinen universellen. Man kann so lange suchen wie man will. Und wenn es tatsächlich einen gibt, was nützt es danach zu suchen, bzw. was bringt es dir, wenn du ihn gefunden hast?
Ich glaube jeder der Frei denken kann, muss sich einen eigenen Sinn für sein leben finden. Man muss Prioritäten setzen, und daraus entsteht ein ganz persönlicher Sinn.
Teckleberry.
Epikur567
Nur wenn ich dir einen Philosphen nenne darf, so kant mit seinen vier Fragen der Philosopie:
1. Was kann ich wissen?
2. Was soll ich tun?
3. Was darf ich hoffen?
4. Was ist der Mensch?
Daedron
Nietzsche war der erste, der die Frage nach dem Sinn des Lebens überhaupt so formulierte, denn das Problem
dahinter gehörte zu seinem Forschungsschwerpunkt.
Warum wurde die Frage vorher nicht gestellt? Es hat was damit zu tun, dass der Idealismus vorherrschte. Verliert man seinen Idealismus oder verlieren gewisse Begriffe für einen Menschen an Plausibilität (z.B. "Menschheit"), verfällt er in einen psychologischen Nihilismus (Ziellosigkeit) und er sucht einen Sinn. (womit er aber aufgrund seines altenh Irrtums die falsche Frage stellt und deswegen findet er die antwort nicht... was ist denn ein Sinn?)
Denn diese "Vorstellungen" lieferten starke Werte und Maßstäbe (Orientierung s. Unten) und können nicht so leicht ersetzt werden.
Falls ich Geschmack auf mehr gemacht habe, würde ich dir empfehlen, in der Bibo deines Vertrauens KSA13 der kritischen Gesamtausgabe Seite 46ff. zu lesen (11[99](351)). Und nicht wundern: Nietzsche selegiert seine Leser, nicht anders herum

.
Der modernste Philosoph, den ich diesbezüglich kenne ist W. Stegmaier und er hat das Problem (wies mir scheint) in der "Philosophie der Orientierung"(200

gelöst. Denn es ist ihm zufolge ein Problem der Orientierung (und es korreliert mit dem, was Nietzsche sagte, schreibt aber weit verständlicher).
mfg,
metin
| Zitat: |
Original von Sunshine
Für viele sind die sozialen Netzwerke wie studiVZ zu einem wichtigen Bestandteil des Lebens geworden. Wenn nicht im Internet, dann trifft man sich im realen Leben in einem Cafe, in einer Bar oder gleich auf einer Party. Das beobachte ich schon eine ganze Weile und komme zu dem Schluss, dass (klar, das ist schon laaange bekannt) die Menschen einfach abschalten wollen und von Fragen wie dem Sinn des Lebens nichts wissen wollen.
Sie leben einfach den Augenblick. |
Hallo sunshine,
meinst du, dass die Annahmen, die Menschen suchen nach den Sinn des Leben, nicht berechtigt? Können die glücklich sein, wenn sie keine Sinn im Leben sehe?
Brauchen die Menschen Kommunikation, sind deshalb die sozialen Netzwerke eine wichtigste Bestandteil des Leben?
Lieber Grüssen
Metin Öztaskin
Raoul
| Zitat: |
| Ich beschäftige mich gerade intensiver mit den Fragen nach dem Sinn des Lebens.Natürlich interessiert es mich da, welche Philosophen den dazugehörigen Fragen besonders nachgegangen sind. |
Da wäre Heraklit ganz besonders zu nennen. Zwei drei Themen seiner in herrlichen Aphorismen verfasten Schrift scheinen mir wesentlich zu sein, um sich einen Zugang zu erschließen:
1- Er geht auf die uralte "4 Elemente Lehre" ein, mit der die sumerische, von Moses umgeschriebene und dadurch verwirrte "Genesis" beginnt, indem er die Bedeutung jeder dieser 4 apriorischen Erkenntniskategorien für sich erklärt, ebenfalls ihren Zusammenhang untereinander im ganzen:
Das WASSER-"Fließen" ist ein Synonym der gesunden Seele (- ein Begriff aus dem nordindogermanischen Sprachraum, der ebenfalls zum Wasser=See deutet), vereint in sich ERDEN-Leib und LUFT-Geist zu je gleichen Teilen und ensteht aus "FEUERS Umwende", wobei letzteres das selbe andeutet wie Kants "Ding an sich", Anaximanders Apeiron, Freuds "Libido" und das "elan vital" Bergsons (alles Lebensphilosophen). Die 4 Elemente nach Heraklit sind also wesenidentisch mit Kants Erkenntniskategorien-Lehre: Wasser die "Relation" oder Beziehung zwischen geistiger "Qualität" und körperlicher Menge bzw. "Quantität", wobei die "Modalität" SEIN und Nicht-SEIN ist - letzteres deutet zum Noumenon/ "ding an sich")...
2- Noch wesentlicher scheint der zu Beginn seiner Schrift genannte "Sinn", nach dem Du fragst und bei den Lebensphilosphen mit Recht am ehesten eine fundierte Antwort vermuten kannst. Nach Heraklit ist der Sinn nämlich das, was alle natürlichen Phänomene lenkt (einschließlich seine Schrift), dabei jedoch nicht blindlings- automatisch, sondern indem sich der Geist (die 'Luft') mit dem erdenen Leib universalharmonisch koordiniert, d.h. eine gesunde Seele bildet. Entsprechend definiert Heraklit den Sinn auch als das "Gemeinsame" der vom Geist zu einem Teil introspeltiv - innerlich im "Schlaf" -, zum anderen Teil extrospektiv - im "Wachen" von Außen - aufgefangenen Wahrnehmungs'daten'.
3 - Schließlich gibt es aus gegebenem Anlass noch eine psychopathologische Abteilung: sie befasst sich mit den "Menschen", u.z. als jene Sorte, die nur noch ihrem Genom und Phänotyp nach mit den ursprünglichen Homo sapiens etwas gemein hat.
"Menschen gewinnen nie ein Bewusstsein vom Sinn; sie verstehen weder was sie im Wachen tuen, noch was im Schlafe. Pflicht ist es (darum), dem Sinn zu folgen, hinhörend auf die Natur und tuend wonach ihr verlangt."
Den ursprünglichen Homo sapiens rechnet Heraklit zur Klasse der "Götter" und die wenigen, die in einer Art Zwischenwelt leben - die ähnlich krank sind wie die Menschen, dabei aber ein genügend großes Restpotential zu ihrer Heilung gerettet haben, ohne schon darum zu wissen - heißen bei ihm "Heroen".
So weit mein kurzer Einstieg für die heroische Lehre Heraklits.
Ich danke Dir sehr für Deine Anregung zu diesem Versuch!
metin
| Zitat: |
Original von Daedron
[quote]Warum wurde die Frage vorher nicht gestellt? Es hat was damit zu tun, dass der Idealismus vorherrschte. Verliert man seinen Idealismus oder verlieren gewisse Begriffe für einen Menschen an Plausibilität (z.B. "Menschheit"), verfällt er in einen psychologischen Nihilismus (Ziellosigkeit) und er sucht einen Sinn. (womit er aber aufgrund seines altenh Irrtums die falsche Frage stellt und deswegen findet er die antwort nicht... was ist denn ein Sinn?) |
Die Frage nach den Sinn des Lebens würde vor Nietzsche nicht gestellt, weil der Idealismus eine Antwort gab. Doch verlier der Idealismus seine Bedeutung oder verlieren gewisse Begriffe für die ihre Plausibilität, verfalle die Menschen in eine psychologischen Nihilismus. Was bedeutet Nihilismus? Kann man das als Haltlosigkeit interpretieren
Lieber Grüssen
Metin Öztaskin
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