FLorian K.
| Zitat: |
Original von Marki85
Es geht hier nicht darum was der Zweck eines Menschen sein könnte, sondern es geht darum, dass der Handelnde bei all seinem Handeln die Menschen im Blick behält, so dass er sie nicht nur für seine Zwecke mißbraucht, und sie davon außer einem persönlichen Schaden nichts davontragen.
|
Doch. Es geht darum was der Zweck des anderen sein könnte. Anderenfalls müsste man von sich auf den anderen schließen. Frei nach dem Motto "was für mich gut ist, müsste auch für den anderen gut sein".
Man müsste sich also dem anderen gegenüber so verhalten, wie man selbst gerne behandelt werden möchte.
Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Individuen ist es aber möglich, dass der andere garnicht so behandelt werden
will, wie Du behandelt werden möchtest.
Spätestens dann zwingst Du ihm was auf.
| Zitat: |
Original von Marki85
Das alles endet letztlich in der Kritik eines rigorosen Utilitarismus. Ich sehe nicht, was daran zu allgemein gehalten ist, so dass es keine Relevanz für das alltägliche Leben haben könnte. Außerdem richten sich viele Menschen auch praktisch nach dieser Maxime aus, ohne sie zu kennen.
|
Es mag sein, dass Kant den rigorosen Utilitarismus kritisiert. Er bietet aber keine schlüssige Alternative an.
Dies liegt daran, dass seine Lösung auf
sprachlicher Ebene liegt.
Dass ich viele Menschen in unseren daran ausrichten ist kein Beweis für die Richtigkeit.
Mir waren diese "ach so guten" Zeitgenossen stets ein Dorn im Auge.
| Zitat: |
Nein, das folgt daraus nicht zwangsläufig. Es heißt auch: Dass sie nicht NUR Mittel sind, sondern immer AUCH Zweck. Auf ein einfaches Beispiel heruntergebrochen würde das bedeuten: "Du willst ein Skript in der Uni. Dein Banknachbar hat dieses Skript. Nun hast du die Möglichkeit, ihm das Skript einfach abzunehmen, es ihm abzukaufen, es zu kopieren, es kopieren zu lassen. Es ihm einfach abzunehmen wäre eine reine Mittelhandlung: Dein Nachbar ist dir nur ein Mittel an deine Ziele zu gelangen. Du kannst ihm anbieten, ihm das Skript abzukaufen. Damit änderst oder beeinflusst du den anderen nicht notwendig, aber er ist ab diesem Zeitpunkt nicht NUR Mittel, sondern gleichsahm auch schon Zweck der Handlung, denn er geht nicht lehr aus. Die anderen beiden Aktionsarten können auch auf diese Art bewertet werden: Bietest du ihm an, dass du es dir ausleihst und es dir kopierst, verzweckst du deine Dankbarkeit als Vorteil für ihn. Er wird sich gut fühlen, wenn er helfen kann, somit ist er auch gleichzeitig Zweck. Sonst wird er dir das Skript nicht geben, wenn er rein negative Konsequenzen erwartet.
|
s. mein Beispiel von der Gleichung. Das von Dir genannte Beispiel setzt ebenfalls A=3 und kommt dann zum schlüssigen Ergebnis, dass X=2 ist.
Was ich damit meine, wird klar wenn ich Dein Beispie mal in eine andere Richtung weiterdenke.
Mal angenommen, der Kommilitone ist (nur zu Deinem Besten natürlich) der Ansicht, dass er Dir das Skript nicht geben will. Er will damit erreichen, dass Du in Zukunft Dein Studium ernster nimmst und regelmäßig die Vorlesungen besucht. Er weigert sich also nicht aus Eigennutz Dir das Skript zu geben, sondern hat als einzigen Zweck Dein höheres Wohl im Kopf. Für ihn wäre es ja viel einfacher, Dir eine Kopie zu geben.
Du stellst fest, dass der Kommilitone ein spießiger und überaus geiziger Mensch ist. Du möchtest ihm deshalb eine Lektion erteilen, damit er in Zukunft großzügiger ist. Deshalb stiehlst Du sein Skript.
Du hättest Dir das Skript ja auch einfach von einem Anderen besorgen können.
Aber Du wolltest dem geizigen Kommilitonen zu seinem Wohl eine Lektion erteilen.
Dieser unnötige Konflikt entsteht also weil 2 Menschen nur das jeweils Beste des anderen wollten.
Solche Konstellationen sieht man auch in der Realität sehr oft, wo sogenannte "gute" Menschen aufeinandertreffen.
Diese wollen nämlich nicht nur etwas für sich selbst erreichen, sondern auch möglichst jeden anderen mit ihrer "Güte beglücken".
Und um nochmal auf folgende Aussage von mir einzugehen:
| Zitat: |
Ein gläubiger Christ denkt, dass der Daseinszweck des Menschen sei, an Gott zu glauben und die Gebote zu befolgen.
Er müsste sich dann also zum Ziel setzen alle Menschen in seiner Umgebung zu seinem Glauben zu bekehren, koste es was es wolle.
Er hätte dazu gewissermaßen die moralische Verpflichtung.
|
Nehmen wir an, dieser Christ ist von der Vorstellung der Hölle überzeugt. Die Hölle ist per Definition das schlimmste, was einem Menschen passieren kann.
Er müsste also ein Interesse daran haben, zu verhindern, dass andere in die Hölle kommen. Er will ja schließlich nicht nur für sich selbst das Beste, sondern stets auch für seinen Nächsten.
Schon haben wir einen glühenden Missionar.
Dass seine Auffassung, was für andere das Beste ist, von diesen nicht geteilt wird, spielt in diesem Sinne dann für ihn keine Rolle mehr.
Er nimmt ja
a priori die Richtigkeit seines Glaubens an. Deshalb mag ich dieses "a priori" nicht.
Noch ein Zitat von meinem Vorposter Teferi:
| Zitat: |
Leider wird durch solche Beispiele der KI trotzdem wieder auf eine gewisse subjektive Ebene gesetzt, da man die Situation zuerst selbst beurteilen muss, um die Problematik zu erkennen. Dadurch kann man ihm keinen Universalitätsanspruch mehr zusprechen.
|
Keinen Universalitätsanspruch zusprechen! Genau das meine ich.
Ich richte mich entschieden gegen jede Art von Universalitätsanspruch.
Ich finde sowieso, Teferi hat die Sache mit seinem vorherigen Post recht gut ausgedrückt.