| Zitat: |
Original von Pippen
Nein, "absolut" betont, dass etwas, dass aus einem Bezugspunkt gesehen wird auch von allen anderem möglichen Bezugspunkten nur so gesehen werden kann. ...
Ist also ein Kreis absolut rund, dann heißt das: er ist seiner Form nach rund für uns Menschen (das ist unser Bezugspunkt), er ist aber auch rund für Aliens... |
Dein Bsp ist nur eine von vielen Möglichkeiten. "Absolut" kann durchaus so gemeint sein, daß der Sprecher das X von allen Bezugspunkten (außer seinem eigenen) unabhängig sieht - und somit sein einer eigener Bezugspunkt übrigbleibt. Typisches (borniert-ignorantes) Denkmuster: "Ihr habt Eure Meinungen, aber ich habe Recht !"
Aber solche dogmatischen Fundies haben kein exklusives Monopol auf den Begriff "absolut", denn der kann (aus anderem Munde) auch bedeuten, daß X von was ganz anderem, von mehr oder von weniger unabhängig bzw losgelöst ist.
Kurzum - bei "absolut" sollte man im Zweifelsfall dazusagen, wovon man X unabhängig sieht.
Zum absolut runden Kreis: Ich gehe mal davon aus, daß Du einen realen Kreis meinst, den man auch photographieren könnte
Stell Dir mal vor, jemand hat den perfekten Zirkel und zeichnet damit einen Kreis auf einem völlig ebenen Untergrund. Der Kreis ist so was von kreisrund, da kann man mit einem Elektronenmikroskop nachmessen - alle Punkte sind gleichweit vom Mittelpunkt entfernt. Der Zeichner ist so was von stolz auf sein Werk...
Da kommt ein Blindfisch mit Knick in der Optik daher - und dank bizarrer Hornhautkrümmung (oder exotischer neuronaler Verschaltung im visuellen Cortex), sieht er den Kreis so, wie wir ihn in einem Zerrspiegel sehen würden - und sagt (aus seiner Sicht völlig ehrlich), daß der Kreis aber ziemliche Zacken und Beulen hat.
Dumm gelaufen. Der Zeichner ist frustriert und heult sich mit seinen Alien-Kumpeln bei einem süffigen Ale aus...
| Zitat: |
| weil es nämlich gar keinen anderen Bezugspunkt gibt und geben kann |
Das bedeutet entweder, daß es mit uns und unserer Welt nichts zu tun hat - oder da spielt mal wieder einer den ultraharten Dogmatiker nach dem Motto: "Ihr sollt keine Bezugspunkte neben meinem haben !"
| Zitat: |
| Macht es einen Unterschied, ob ich "absolut" mit "unabhängig von weiteren Bedingungen" oder "vollkommen" definiere? Das kommt doch auf das Gleiche heraus. |
Wenn man verschiedene Begriffe kräftig durchquirlt und aus der Pampe immer das rausnimmt, was einem gerade in den Kram paßt, macht es keinen Unterschied - stimmt.
In der terminologisch unscharfen Alltagssprache kommt es sogar recht häufig vor, daß erst aus dem Zusammenhang (oder der Intonation+Gestik+Mimik) klar wird, was einer mit einem Wort meint - bzw es zu Mißverständnissen kommt, wenn man über was anderes reden will als das Gewohnte.
Nebenbei - "vollkommen" kann zwar umgangssprachlich wie "völlig/100%ig" verwendet werden, meist bedeutet es aber "perfekt". Und daß "absolut" und "perfekt" nicht das gleiche ist, sieht man daran, daß der Ausdruck "absolut perfekt" kein Pleonasmus ist.
Man kann im Alltag zwar damit durchkommen, daß man 2 Paare "absolut-objektiv" und "subjektiv-relativ" bildet und als Gegensätze aufbaut, aber damit hat man das mögliche Bedeutungsspektrum stark eingeengt bzw die anderen Kombinationsmöglichkeiten einfach bloß ausgeblendet.
Man könnt ebensogut das Gegensatzpaar "Sommer=warm" und "Winter=kalt" bilden - aber würdest Du sagen, daß Sommer automatisch warm sind - oder Wärme automatisch sommerlich ist ?!
| Zitat: |
| Genau deshalb ist jede Objektivität auch Absolutheit, denn es gibt keine zwei "Objektivitäten"...weitere Bezugspunkte sind ausgeschlossen - das Merkmal für Absolutheit. |
Ich sehe "objektiv" als Grenzwert, dem man sich asymptotisch annähern kann, indem man schrittweise den persönlichen Eigenanteil an einer Wahrnehmung herausrechnet. zB bei Himbeermarmelade. Sie schmeckt nicht jedem gut - also ist "gut-schmecken" eine subjektive Eigenschaft der Marmelade.
Für die Aussage, daß sie "rot" sei, findet man schon mehr Leute, die zustimmen - aber wenn man auf jemandem mit rot-grün-Schwäche trifft, erweist sich auch dies als subjektive Aussage.
"Objektiv" wären die Eigenschaften, die in der Schnittmenge aller verschiedener Beobachter (inklusive diverser Meßergebnisse) übrig bleiben. "Objektiv" ist so gesehen der jeweils "kleinste intersubjektiv konsensfähige Nenner" .
Je größer und vielfältiger die Gruppe, desto kleiner die gemeinsame Schnittmenge und desto objektiver ist das, was noch in der Schnittmenge verblieben ist.
Je nach Gruppe gelten verschiedene Sachen als "objektiv". Führt man die Gruppen zusammen, bleibt das als "objektiv" übrig, auf das sich alle gemeinsam einigen können.
Gerät man an einen Solipsisten und will dessen Ansicht als relevant berücksichtigen, kann man die Suche, was denn übrig bleibe, wenn man alles Subjektive herausgerechnet hat, knicken oder mit "Nix" abhaken.
| Zitat: |
| das was Kant mit Ding an sich gemeint hat...und dann sollte doch Objektivität ein minus von Absolutheit sein, oder? |
Dings-an-sich sind nach meinem Kant-Verständnis so absolut und damit für uns un(be)greifbar, daß wir überhaupt nicht sagen können, ob und inwieweit sie objektiv sind.