objektiv vs. absolut

Pippen
Folgende Frage, die sich für mich aus einer anderen Diskussion ergeben hat: Sind die Begriffe "objektiv" und "absolut" in strenger Auslegung synonym? Kann man also zB statt "absoluter Wahrheit" auch "objektive Wahrheit" sagen oder gibts da einen Unterschied? Wie verstehen Philosophen diese beiden Begriffe? Da beide Begriffe öfters vorkommen, wäre eine Begriffklärung sicherlich sehr lehrreich (zB bei der Lektüre phil. Texte).
Nylen
Als hilfreich ist ist stets Wikipedia oder ähnliche Quellen zu nutzen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Objektivit%C3%A4t
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute

Absolutismus

Absolutismus als philosophischer Begriff (nicht als politischer oder historischer [1]) bedeutet, daß man eine bestimmte Aussage für absolut wahr hält. Die Vorstellung, die Aussage könnte eventuell falsch sein, wird mit unbezweifelter Sicherheit ausgeschlos-sen. Der Absolutismus ist verwandt mit dem Dogmatismus. Religionen beinhalten in der Regel eine Sammlung "absoluter Wahrheiten", jedenfalls aus der Sicht derer, die an die betreffende Religion glauben. Aber auch in der Philosophie ist der Absolutismus weit verbreitet, was sich daran zeigt, daß sich Philosophen gegenseitig die Wahrheit und häufig sogar die Aufrichtigkeit absprechen.

Dem Absolutismus entgegen steht der Relativismus und der Skeptizismus.

Quelle: www.Philolex.de

Objektivismus

Der Begriff Objektivismus, bzw. Objektphilosophie wird nicht besonders häufig benutzt, ist aber als Gegenbegriff zum Subjektivismus, bzw. Subjektphilosophie durchaus sinnvoll. Unter ihm kann mal alle philosophischen Systeme, Richtungen etc. subsumieren, die als Ausgangspunkt des Philosophierens ein wie auch immer geartetes vom Subjekt unab-hängig existierendes objektives Sein annehmen. Unter diesem Begriff können nun aller-dings völlig divergierende Philosophien subsumiert werden. Sowohl die materialisti-schen, wie die idealistischen Systeme.

Der subjektive Erkenntnisprozeß ist eine objektive Gegebenheit und in ihm kann objektive Wahrheit erkannt werden. [Viele Subjektphilosophen können diesen beiden Aussagen zustimmen, auch wenn sie einen anderen Ausgangspunkt haben. Einige Subjektphiloso-phen werden diesen Aussagen nicht zustimmen, z. B. die Poststrukturalisten.]

Quelle: www.philolex.de





Ich denke das der Unterschied dann wohl der ist das absolute nicht weiter rechtfertigbare Wahrheit wäre, im Gegensatz zu objektiver Wahrheit, was Übereinstimmung mit einer zugrundeliegenden Realität ist.
Loma
Ganz spontan würd' ich sagen, daß die absolute Wahrheit objektiv ist, aber eine objektive Wahrheit nicht absolut sein muß.

Liebe Grüße
Pippen
Hm...hier ist meine Überlegung:

1. "Absolut" ist für mich der Gegenbegriff zu "relativ". Ich kenne leider die lat./griech. Bedeutung von "ab-solut"?!? nicht, aber offensichtlich meint "absolut" als Gegenbegriff zu "relativ": nicht von einer Bedingung abhängig, nicht von einer Beziehung zu etwas abhängig und daher vollumfänglich, vollkommen, ganz. Wer daher von absoluter Wahrheit spricht, der meint damit eine Wahrheit, die nicht von Standpunkt des Betrachters abhängt. Egal welcher Betracher wo "steht" oder ob es überhaupt einen Betrachter gibt, die Wahrheit (es ist der Fall, dass...)wäre gegeben. Gerade dadurch ist diese Wahrheit so vollkommen und sicher.

2. "Objektiv" ist für mich der Gegenbegriff zu "subjektiv". "Subjektiv" meint: aus der Sicht eines Subjekts x. Objektiv hieße dann quasi: das Objekt/Gegenstand selbst betreffend.

3. Genau dadurch wäre "objektiv" ein spezieller Unterbegriff von "absolut" (und "subjektiv" ein Unterbegriff von "relativ"). Denn "objektiv" meint einen Gegensand ohne subjektive Sichten betreffend, solche "subjektiven Sichten" sind aber allgemeiner gefasst nichts anderes als Bedingungen bzgl. des betreffenden Gegenstandes.

4. Meine Pippen-Theorie lautet daher vorläufig:

Alle objektiven Wahrheiten sind zugleich absolute Wahrheiten. (Nicht alle absoluten Wahrheiten sind zugleich objektive Wahrheiten..wenn nämlich zB eine (externe) Bedingung nicht eine subj. Bedingung ist).
Eugen
Zitat:
Original von Pippen
4. Meine Pippen-Theorie lautet daher vorläufig:

Alle objektiven Wahrheiten sind zugleich absolute Wahrheiten. (Nicht alle absoluten Wahrheiten sind zugleich objektive Wahrheiten..wenn nämlich zB eine (externe) Bedingung nicht eine subj. Bedingung ist).


Ne, ne. Das wäre, wenn man denn deine Prämissen akzeptieren wollte, genau der falsche Schluss. Es wäre vielmehr so wie Loma schon sagte: die absoluten Wahrheiten wären eine Teilmenge der objektiven.

Denk' einfach nochmal drüber nach.

Mein Tipp im übrigen: vergiss die "strenge Auslegung". Ein alltägliches Vorverständnis, das diese Begriffe annähernd synonym verwendet dürfte auch für die Lektüre phil. Texte idR ausreichen. Wo nicht, sollte der Text selbst seine eigene Bestimmung liefern können.
Pippen
Hm..meinst du jetzt, dass meine Pippen-Theorie unschlüssig ist, d.h. selbst meine Prämissen unterstellt nicht daraus folgt oder meinst du, dass ich obj. und absolut schon begrifflich falsch einordne?

Ich kann nicht glauben, dass Philosophen bei so zentralen Begriffen alles mal "im flow" lassen...da muss es doch klare Regeln geben?!?
Nylen
Mein Rat als Philosoph und als den bezeichne ich mich trotz fehlendem Abschluss eines akademischen Studiums, ist dass du dich nicht mit der Bedeutung oder Definitionen von Wörtern beschäftigen solltest, sondern mit den Theorien die mit diesen Wörtern verknüpft sind. Also beschäftige dich nicht mit der Frage was z.B. Demokratie heisst oder bedeutet oder wie man es definiert, sondern beschäftige dich mit den Theorien zur Demokratie. Also z.B. welche Institutionen sie haben sollte etc.

Zum Thema habe ich ja bewusst die Wikipedia Artikel rausgesucht, da sie die Theorien aufzeigen welche mit den beiden Wörtern absolut und objektiv verknüpft sind. Du musst zugeben, wenn du die Artikel gelesen hast, vor allem die der Wikipedia, dass es hier um zwei sehr unterschiedliche Theorien geht, bzw. Sammelsurien von Theorien.

Hast du deren Unterschiede vor Augen ist es nicht mehr so entscheidend wie du die Worte benutzt. Ich denke in vielen Sätzen der einen oder anderen Theorie könntest du synonym beide Wörter verwenden. Aber die Theorien dahinter bleiben doch deutlich unterschiedlich.
Chris
Ich halte die Frage nach dem Unterschied von "absolut" und "objektiv" für durchaus berechtigt. Am ehesten kann man diese beiden Begriffe wohl klären, wenn man sich deren Gegenteile verdeutlicht.

Während "relativ" angibt, dass sich etwas zu einem beliebigen System in bestimmter Weise verhält, bedeutet "subjektiv", dass sich etwas in bestimmter Weise zu einem denkenden Bewusstsein (also einem bestimmten System) verhält. Dieses "sich zu etwas verhalten" bezeichnet schließlich auch eine Relation, wodurch, wie Pippen schon meiner Meinung nach richtig gesagt hat, die Begriffe "objektiv" und "subjektiv" Unterkategorien von "relativ" und "absolut" sind.
Natürlich kann ein System nie vollständig absolut (lat. losgelöst) sein, deshalb sollte man möglichst im Vorhinein klären (wenn es nicht ganz selbstverständlich ist), in welcher Hinsicht ein System, das man als "absolut" bezeichnet auch wirklich absolut ist.
Ebenso kann ein System nie vollständig objektiv sein, weil es stets immer von dem es wahrnehmenden Bewusstsein abhängt. Meines Erachtens kann man ein System aber dann als objektiv bezeichnen, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass jedes denkende Bewusstsein dieses System auf die gleiche Weise wahrnimmt.
Nylen
Meine Theorie nach allen Beiträgen und dem was in den Quellen steht wäre in etwa diese.

Absolut wäre etwas wahr, wenn es nicht weiter begründet werden kann oder muss. Statt begründet kann man wohl synonym auch sagen gerechtfertigt werden kann oder muss.

Ich glaube das es so eine Wahrheit welche nicht begründet werden muss oder kann, nicht gibt.

Als objektive Wahrheit würde ich dagegen ansehen, eine begründete und gerechtfertigte Wahrheit, welche mit der tatsächlichen beschriebenen Wirklichkeit übereinstimmt.

Aufgrund der Tatsache das wir aber nur maximal zu einer intersubjektiven Wahrheit kommen können, welche objektiv sein könnte, ohne das wir das sicher Wissen können, folgt die Position des Falibilismus.
Sichere, absolute oder objektive Wahrheit können wir nicht bekommen. Bestenfalls können wir hoffen unsere intersubjektive Wahrheit ähnele oder gleiche der objektiven Wahrheit. Wissen können wir das nicht. Wir müssen aber annehmen es gäbe eine objektive Wahrheit, denn sonst macht die Idee der Wahrheitsfindung und Annäherung keinen Sinn.

Alles das ist eine metaphysisch realistische und erkenntnistheoretisch realistische Position. Sie setzt eine unabhängige Wirklichkeit vorraus.

Ich denke unabhängigkeit ist das synonyme in den Begriffen absolut und objektiv. Objektiv heisst unabhängig vom subjektiven Dafür-Halten, und absolut unabhängig vom Zwang gerechtfertigt werden zu müssen.

Ich denke das absolute Wahrheit also an sich nicht existiert, den Wahrheit liegt nicht ausserhalb von uns in den Dingen. Wahrheit ist etwas was unseren Beschreibungen der Wirklichkeit zukommt.

Jede Beschreibung der Welt muss aber rechtfertigbar sein, bzw. begründet werden.

Ich habe aber kein Problem damit anzuerkennen das es Dinge gibt, dich für wahr halte im absoluten Sinne, nur sind auch diese begründbar wie alle Wahrheiten. Es sind die Wahrheiten welche begründet werden können, für die aber kaum je eine Rechtfertigung oder begründung verlangt wird. Beispiel: "Ich existiere" oder "Das Universum existiert" sind für mich persönlich absolute Wahrheiten. Einer Begründung oder Rechtfertigung nahezu nicht fähig.

Es ist spät. Mag sein das ich später einiges des gesagtem revidieren oder verbessern muss. Wünsche gute Nacht allen.
Eugen
Zitat:
Original von Pippen
Hm..meinst du jetzt, dass meine Pippen-Theorie unschlüssig ist, d.h. selbst meine Prämissen unterstellt nicht daraus folgt ...


Genau das habe ich doch geschrieben. nunja

Davon abgesehen teile ich deine Prämissen nicht. Sie sind Ausdruck eines erkenntnistheoretischen Modells, das ich für obsolet (= überholt, veraltet) halte.

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, man könne, - müsse sogar - das Philosophieren damit beginnen, ein Vokabular, die einzelnen verwendeten Begriffe möglichst genau und eindeutig festzulegen.

Das funktioniert aber nicht, weil jede Festlegung eines einzelnen Begriffs bereits einen theoretischen Hintergrund braucht, der aber durch Philosophieren eben erst zu erschließen ist.

Nylen hat also völlig recht, wenn er dich auf die oft gar nicht klar reflektierten Theorien aufmerksam macht, in deren Kontext die Begriffe jeweils gebraucht werden.
Pippen
Ich verstehe, was ihr meint. Aber die Bedeutungen von Begriffen ganz "schleiffen" zu lassen, halte ich ebenfalls nicht für gut. So zeigen die Definitionen von Nylen, dass da einiges im Argen liegt. Absolut wahr soll eine Aussage sein, wenn sie nicht weiter begründet werden kann? Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Begründungen sind für die Rechtfertigung oder Gewissheit einer Wahrheit notwendig, aber natürlich nicht für die Wahrheit selbst (es sei denn freilich man vertritt eine Konsenstheorie der Wahrheit).

Chris hat es ja mit seiner Betrachtung auch nochmal deutlich gemacht: Subjektivität ist nichts anderes als eine relative Bedingung für einen Erkenntnisprozess. Die Bedingung ist das Subjekt selbst. Wenn also "subjektiv" ein Spezialfall von "relativ" ist, dann liegt es nahe, dass "objektiv" ein Spezialfall von "absolut" ist.

Wenn also Popper von "objektiven Wahrheiten" redet, dann meint er im Zweifel dasgleiche wie mit "absolute Wahrheiten", d.h. Wahrheiten die unumstößlich sind. Dann machen auch seine Folgeaussagen Sinn nach dem Motto: "Wir werden diese Wahrheit wohl nie erreichen, aber wir müssen versuchen ihr wenigstens näherzuommen".
Reinhard
Hallo, Ausgangspunkt und Endpunkt jeder Aussage ist doch mein Verhältnis zur Wirklichkeit, das durch meine Motive gesteuert wird, die durch meine Reaktionen auf Reize sichtbar werden, für mich und andere. Nichts Konkretes kann absolut und auch nicht objektiv sein. Da ich aber nur Konkretes erfahren kann, bleibt mir doch nur, meine Erinnerungen zu Spekulationen frei zu geben, wie es übrigens beim Träumen auch eintritt und daraus erwachsen, durch die Vergleiche meiner Erinnerungen, andere Verhältnisse, die ich zu Projektionen gebrauchen kann, wenn ich theoretisiere. Insofern ist theoretisieren auch immer spekulieren und ich hangel mich fort, durch Rückgriff auf meine Erinnerungen, die ich mit denen anderer vergleichen kann. Da wo eine Deckung erzielt wird, ist aber nicht gleichzeitig eine Einigung hergestellt, dazu bedarf es wohl meistens einer Zustimmung vieler. So übernehmen wir Einigungsprozesse und schreiben sie fort. Was früher unter absolut und objektiv verstanden wurde, gilt heut nicht mehr uneingeschränkt, ist also durchaus variabel. Wenn absolut und objektiv aber variabel sind, widerspricht das ihrem eigenen Sinngehalt, so wie ich ihn verstehe und wie kann ich dann noch mit diesen Begriffen abstrakt argumentieren? Für mich sind beides gedachte Größen und stehen in einem untergeordneten Verhältnis zum Dasein in seiner Gesamtheit. Benutzt man diese Begriffe, dann sollte man nie aus dem Auge verlieren, aus welchen Erinnerungen ihr Sinngehalt gespeist wurde. Ein Gegeneinander dieser Begriffe oder eine totale Deckung kann es demgemäß für mich nicht geben. Danke.
giga-87
absolute und objektive wahrheit

ich denke das man diese wörter als einzelne stufen deuten kann(man darf auch nicht das gegenteil der wahrheit vergessen--die lüge)
zuerst kommt die objektive wahrheit/lüge
und die letzte schlussfolgerung ist die absolute wahrheit/lüge

zb(leichte, kurzes beispiel)

ich behaupte ein glass ist voll.---antwort spielt keine rolle---
ist es wahr ??
auf den ersten blick ja vlt auch nein(objektive wahrheit oder lüge)
am ende, schlussfolgerung ja vlt auch nein(absolute wahrheit oder lüge)

meine meinung sie haben keine gemeinsame bedeutung
ein anfang und ein ende....zur absoluten wahrheit oder lüge.....
Nik
Zitat:
Original von Pippen
Folgende Frage, die sich für mich aus einer anderen Diskussion ergeben hat: Sind die Begriffe "objektiv" und "absolut" in strenger Auslegung synonym? Kann man also zB statt "absoluter Wahrheit" auch "objektive Wahrheit" sagen oder gibts da einen Unterschied? Wie verstehen Philosophen diese beiden Begriffe? Da beide Begriffe öfters vorkommen, wäre eine Begriffklärung sicherlich sehr lehrreich (zB bei der Lektüre phil. Texte).

"Das Absolute (von lat. absolutum, „das Losgelöste“) ist das, was frei von allen Bedingungen, Beziehungen oder Beschränkungen ist. Dem Begriff liegt die Annahme zugrunde, dass die Welt durch Rückführung auf ein erstes Prinzip erklärt werden könne."



Der Begriff des "Objektiven" hingegen besagt "nur", dass Erkenntnis und erkannter Gegenstand einerseits kohärent sind, und dass andererseits der Gegenstand auch beobachtungsunabhängig als dieser Gegenstand existiert (ontologischer Realismus; Starker Realismus).

Objektivität ist die Unabhängigkeit der Beschreibung eines Sachverhalts vom Beobachter.
Eugen
@ Nik

Wem nützen heute denn solche Erläuterungen noch?

Zitat:
Original von Nik
"Das Absolute (von lat. absolutum, „das Losgelöste“) ist das, was frei von allen Bedingungen, Beziehungen oder Beschränkungen ist.
Dem Begriff liegt die Annahme zugrunde, dass die Welt durch Rückführung auf ein erstes Prinzip erklärt werden könne."


Das sind zwei verschiedene Deutungen des Begriffs. Ich wäre dafür, das erstmal auseinanderzuhalten.

Zitat:
Original von Nik
Der Begriff des "Objektiven" hingegen besagt "nur", dass Erkenntnis und erkannter Gegenstand einerseits kohärent sind...


Was soll hier heissen "kohärent"?? Und Wer stellt diese bzw. auch das:

Zitat:
Original von Nik
... und dass andererseits der Gegenstand auch beobachtungsunabhängig als dieser Gegenstand existiert...


eigentlich fest? ... gruebel

Zitat:
Original von Nik
Objektivität ist die Unabhängigkeit der Beschreibung eines Sachverhalts vom Beobachter.


... also der Widersinn schlechthin.

Ich glaube kaum, dass gerade solche, wenig hilfreichen "Konzepte" bei der Verwendung der Begriffe eine wesentliche Rolle spielen, nicht mal bei den Philosophen Zwinker
Jay Ray
Zitat:
Original von Eugen
Wem nützen heute denn solche Erläuterungen noch?

Also ich fand die Erläuterung schlüssig - beide Begriffe basieren allerdings auf einer Ontologie, die vom Stand der modernen Erkenntnistheorie als archaisch-naiv betrachtet und abgelehnt wird.

Man könnte auch sagen - beide Begriffe sind obsolet geworden, wobei "objektiv" in seiner Bedeutung als "intersubjektiv konsensfähig" überleben kann, während derjenige, der noch "absolut" in den Mund nimmt, sich wahlweise als naiv oder auch fundamentalistisch outet.

Sollten die "Religiösen Fundis" wieder die Lufthoheit über das Geistesleben erobern, kann sich das allerdings wieder umkehren.
Pippen
Zitat:
Original von Nik
"Das Absolute (von lat. absolutum, „das Losgelöste“) ist das, was frei von allen Bedingungen, Beziehungen oder Beschränkungen ist.


Das ist so falsch. Absolut ist mE das x, was unter allen oder keinen Bedingungen so und so ist, d.h. ein absolutes x ist nicht von irgendeiner Bedingung abhängig, sei es der subjektive Betrachter oder anderes. Gerade weil die Subjektivität eine solche Bedingung darstellt und Objektivität deren Gegenbegriff ist, vertrete ich, dass "absolut" die größere Begriffsmenge zu "objektiv" ist, zumindest aber beides das gleiche aussagt.

Zitat:

Der Begriff des "Objektiven" hingegen besagt "nur", dass Erkenntnis und erkannter Gegenstand einerseits kohärent sind, und dass andererseits der Gegenstand auch beobachtungsunabhängig als dieser Gegenstand existiert (ontologischer Realismus; Starker Realismus).

Objektivität ist die Unabhängigkeit der Beschreibung eines Sachverhalts vom Beobachter.


Diese Definition kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Wenn du allerdings objektiv so definierst, dass damit ein Gegenstand beobachtungsunabhängig gemeint ist, so ist dies gleichzeitig etwas Absolutes, da ja keine weitere Bedingung an den Gegenstand geknüpft ist.

Das heißt: Wo liegt für dich der Unterschied zwischen objektiv und absolut?

Nehmen wir das Bsp. "absolute Wahrheit X"...meint: X ist immer und überall, unabhängig von allen Bedingungen wahr. Wenn X nun ein Objekt ist, wieso sollte man deiner Meinung nach nicht auch von "obj. Wahrheit" sprechen?
Jay Ray
"Absolut" betont, daß etwas unabhängig von etwas anderem ist - im Extremfall sogar von allem, und damit völlig beziehungs- und bezugslos. Über die Extremfälle kann man keine inhaltlich sinnvollen Aussagen machen, da sie per definitionem auch keinen Bezug zu uns haben. Gäbe es nämlich einen Bezug, gäbe es automatisch eine Abhängigkeit - und die totale Absolutheit wäre futsch.

Eine andere umgangssprachliche Bedeutung von "absolut" ist "völlig, total, sehr, äußerst" - man sollte jeweils klären, welche der homonymen Bedeutungen gerade gemeint ist, damit es nicht zu Verwirrungen kommt.

"Objektiv" betont die Objekt-Bezogenheit einer Aussage oder einer Eigenschaft - ohne zu sagen, wie exklusiv oder absolut dieser Bezug ist.

Etwas "absolut Objektives" ist exklusiv vom Objekt abhängig - aber von diesem total.
Etwas "absolut Subjektives" ist exklusiv vom Subjekt abhängig - aber von diesem total.
Etwas "relativ Objektives" ist von Subjekt und Objekt abhängig.
Etwas "relativ Subjektives" ist auch von Subjekt und Objekt abhängig.

Da es nichtabsolut-Objektives und absolut-Nichtobjektives gibt, ist weder "absolut" noch "objektiv" ein Überbegriff zum jeweils andren.
Pippen
Zitat:
Original von Jay Ray
"Absolut" betont, daß etwas unabhängig von etwas anderem ist


Nein, "absolut" betont, dass etwas, dass aus einem Bezugspunkt gesehen wird auch von allen anderem möglichen Bezugspunkten nur so gesehen werden kann. Ansonsten könnte man ja das Wörtchen "absolut" nie in den Mund nehmen, weil wir nie etwas ganz Unabhängiges aussagen können (durch unsere Aussage ist es ja zumindest schon mal menschenaussageabhängig). Ist also ein Kreis absolut rund, dann heißt das: er ist seiner Form nach rund für uns Menschen (das ist unser Bezugspunkt), er ist aber auch rund für Aliens...er ist sogar ontologisch rund und auch Gott würde ihn rund sehen. Egal von wo aus wir den Kreis betrachten, er bliebe immer das, was wir mit rund beschreiben.

Daher gilt: Auch etwas Subjektives kann absolut sein, gerade in seiner Subjektivität. Bsp.: "Es ist absolut wahr, dass JayRay daran glaubt, dass x existiert." Obwohl hier auf JayRay's Subjektivität Bezug genommen wird, handelt es sich um eine absolute Aussage, weil es nunmal nur einen JayRay mit seinen Gedanken an x im Universum gibt...und wenn der glaubt, ces sei eine wahre Aussage, dass ist diese Aussage wiederum absolut wahr, weil es nämlich gar keinen anderen Bezugspunkt gibt und geben kann (und damit die Aussage unabhängig von anderen Bezugspunkten immer gleich betrachtet werden kann...so jedenfalls die Intension des Satzes, der natürlich auch falsch sein kann bei Täuschergöttern usw).

Zitat:

Eine andere umgangssprachliche Bedeutung von "absolut" ist "völlig, total, sehr, äußerst" - man sollte jeweils klären, welche der homonymen Bedeutungen gerade gemeint ist, damit es nicht zu Verwirrungen kommt.


Macht es einen Unterschied, ob ich "absolut" mit "unabhängig von weiteren Bedingungen" oder "vollkommen" definiere? Das kommt doch auf das Gleiche (gleiche? verdammte Rechtschreibung) heraus.

Zitat:

"Objektiv" betont die Objekt-Bezogenheit einer Aussage oder einer Eigenschaft


Genau deshalb ist jede Objektivität auch Absolutheit, denn es gibt keine zwei "Objektivitäten"...weitere Bezugspunkte sind ausgeschlossen - das Merkmal für Absolutheit.

So zumindest mein Verständnis. Wenn du also von etwas relativ Objektiven spricht, dass ist das aus meiner Sicht widersprüchlich.

Du, JayRay, scheinst "absolut" zu verstehen wie ich, aber dein "objektiv" scheint mir anders zu sein als meines. "Objektiv" meint für mich - bei strenger Auslegung (also nicht die verschiedenen blabla-Varianten von "objektiv" iSv "intersubjektiv ganz herrschende Meinung usw.) - das was Kant mit Ding an sich gemeint hat...und dann sollte doch Objektivität ein minus von Absolutheit sein, oder?
Jay Ray
Zitat:
Original von Pippen
Nein, "absolut" betont, dass etwas, dass aus einem Bezugspunkt gesehen wird auch von allen anderem möglichen Bezugspunkten nur so gesehen werden kann. ...
Ist also ein Kreis absolut rund, dann heißt das: er ist seiner Form nach rund für uns Menschen (das ist unser Bezugspunkt), er ist aber auch rund für Aliens...

Dein Bsp ist nur eine von vielen Möglichkeiten. "Absolut" kann durchaus so gemeint sein, daß der Sprecher das X von allen Bezugspunkten (außer seinem eigenen) unabhängig sieht - und somit sein einer eigener Bezugspunkt übrigbleibt. Typisches (borniert-ignorantes) Denkmuster: "Ihr habt Eure Meinungen, aber ich habe Recht !"

Aber solche dogmatischen Fundies haben kein exklusives Monopol auf den Begriff "absolut", denn der kann (aus anderem Munde) auch bedeuten, daß X von was ganz anderem, von mehr oder von weniger unabhängig bzw losgelöst ist.

Kurzum - bei "absolut" sollte man im Zweifelsfall dazusagen, wovon man X unabhängig sieht.

Zum absolut runden Kreis: Ich gehe mal davon aus, daß Du einen realen Kreis meinst, den man auch photographieren könnte

Stell Dir mal vor, jemand hat den perfekten Zirkel und zeichnet damit einen Kreis auf einem völlig ebenen Untergrund. Der Kreis ist so was von kreisrund, da kann man mit einem Elektronenmikroskop nachmessen - alle Punkte sind gleichweit vom Mittelpunkt entfernt. Der Zeichner ist so was von stolz auf sein Werk...
Da kommt ein Blindfisch mit Knick in der Optik daher - und dank bizarrer Hornhautkrümmung (oder exotischer neuronaler Verschaltung im visuellen Cortex), sieht er den Kreis so, wie wir ihn in einem Zerrspiegel sehen würden - und sagt (aus seiner Sicht völlig ehrlich), daß der Kreis aber ziemliche Zacken und Beulen hat.
Dumm gelaufen. Der Zeichner ist frustriert und heult sich mit seinen Alien-Kumpeln bei einem süffigen Ale aus...

Zitat:
weil es nämlich gar keinen anderen Bezugspunkt gibt und geben kann

Das bedeutet entweder, daß es mit uns und unserer Welt nichts zu tun hat - oder da spielt mal wieder einer den ultraharten Dogmatiker nach dem Motto: "Ihr sollt keine Bezugspunkte neben meinem haben !"

Zitat:
Macht es einen Unterschied, ob ich "absolut" mit "unabhängig von weiteren Bedingungen" oder "vollkommen" definiere? Das kommt doch auf das Gleiche heraus.

Wenn man verschiedene Begriffe kräftig durchquirlt und aus der Pampe immer das rausnimmt, was einem gerade in den Kram paßt, macht es keinen Unterschied - stimmt.
In der terminologisch unscharfen Alltagssprache kommt es sogar recht häufig vor, daß erst aus dem Zusammenhang (oder der Intonation+Gestik+Mimik) klar wird, was einer mit einem Wort meint - bzw es zu Mißverständnissen kommt, wenn man über was anderes reden will als das Gewohnte.
Nebenbei - "vollkommen" kann zwar umgangssprachlich wie "völlig/100%ig" verwendet werden, meist bedeutet es aber "perfekt". Und daß "absolut" und "perfekt" nicht das gleiche ist, sieht man daran, daß der Ausdruck "absolut perfekt" kein Pleonasmus ist.

Man kann im Alltag zwar damit durchkommen, daß man 2 Paare "absolut-objektiv" und "subjektiv-relativ" bildet und als Gegensätze aufbaut, aber damit hat man das mögliche Bedeutungsspektrum stark eingeengt bzw die anderen Kombinationsmöglichkeiten einfach bloß ausgeblendet.
Man könnt ebensogut das Gegensatzpaar "Sommer=warm" und "Winter=kalt" bilden - aber würdest Du sagen, daß Sommer automatisch warm sind - oder Wärme automatisch sommerlich ist ?!

Zitat:
Genau deshalb ist jede Objektivität auch Absolutheit, denn es gibt keine zwei "Objektivitäten"...weitere Bezugspunkte sind ausgeschlossen - das Merkmal für Absolutheit.

Ich sehe "objektiv" als Grenzwert, dem man sich asymptotisch annähern kann, indem man schrittweise den persönlichen Eigenanteil an einer Wahrnehmung herausrechnet. zB bei Himbeermarmelade. Sie schmeckt nicht jedem gut - also ist "gut-schmecken" eine subjektive Eigenschaft der Marmelade.
Für die Aussage, daß sie "rot" sei, findet man schon mehr Leute, die zustimmen - aber wenn man auf jemandem mit rot-grün-Schwäche trifft, erweist sich auch dies als subjektive Aussage.
"Objektiv" wären die Eigenschaften, die in der Schnittmenge aller verschiedener Beobachter (inklusive diverser Meßergebnisse) übrig bleiben. "Objektiv" ist so gesehen der jeweils "kleinste intersubjektiv konsensfähige Nenner" .

Je größer und vielfältiger die Gruppe, desto kleiner die gemeinsame Schnittmenge und desto objektiver ist das, was noch in der Schnittmenge verblieben ist.

Je nach Gruppe gelten verschiedene Sachen als "objektiv". Führt man die Gruppen zusammen, bleibt das als "objektiv" übrig, auf das sich alle gemeinsam einigen können.

Gerät man an einen Solipsisten und will dessen Ansicht als relevant berücksichtigen, kann man die Suche, was denn übrig bleibe, wenn man alles Subjektive herausgerechnet hat, knicken oder mit "Nix" abhaken.

Zitat:
das was Kant mit Ding an sich gemeint hat...und dann sollte doch Objektivität ein minus von Absolutheit sein, oder?

Dings-an-sich sind nach meinem Kant-Verständnis so absolut und damit für uns un(be)greifbar, daß wir überhaupt nicht sagen können, ob und inwieweit sie objektiv sind.