Ein neues Weltbild entsteht

Atos
Ausgehend von den modernen Erkenntnissen der Physik und Kosmologie befinden wir uns in einem Umbruch zu einem neuen Weltbild. Die Entscheidung über die Interpretation der Quantentheorie scheint sich unter modernen Physikern hin zur „Viele Welten Interpretation“ zu entwickeln.

Zitat:
In einem article der aktuellen Ausgabe des Scientific American klärt uns der Physik- und Astronomie-Professor Max Tegmark darüber auf, dass sich die Theorie der parallelen Universen unter modernen Kosmologen mittlerweile etabliert hat. Es ginge nicht mehr um die Frage, ob sie existieren, sondern auf welchem Level sie dies tun.
/Zitat
Quelle http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14702/1.html
Zitat:
»Es gibt unendlich viele Doppelgänger-Universen«, sagt kein Geringerer als der britische Astrophysiker Stephen Hawking.
/Zitat
Quelle http://www.pm-magazin.de/de/heftartikel/artikel_id144.htm
Zitat:
Die Realität ist ein viel größeres Ding, und das nennen wir Multiversum. Es hat Regionen, die sich fast autonom von den anderen Regionen verhalten. Und das sind eben die verschiedenen Universen.
/Zitat
Quelle http://www.heise.de/tr/Die-Realitaet-ist...-/artikel/84188

Was hat die Physiker nun letztendlich überzeugt die Kopenhagener Interpretation aufzugeben und sich für Everetts „Viele Welten“ zu entscheiden, wurde der Theorie doch immer vorgeworfen, sie verstoße gegen Ockham's razor und sei nicht falsifizierbar. Um das zu ergründen muss man sich näher mit den Einzelheiten beschäftigen, der einfache Einwand, die „Everett-Theorie“ nehme unendlich viele Universen an und das verstoße damit gegen das Sparsamkeitsprinzip, ist als Erklärung zu flach, wie ich gleich zeigen werde.
Darum lassen wir Wilhelm von Ockham hier mal selbst zu Wort kommen.
Zitat:
Dem Philosophen steht es nicht zu, etwas möglicherweise Seiendes mit der Begründung, es sei überflüssig, zu eliminieren. Wohl aber soll er bei seiner eigenen Tätigkeit, dem Formulieren von Aussagen, nicht mehr Annahmen einführen, als er tatsächlich benötigt.
/Zitat
Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von...samkeitsprinzip
Nun stellen wir mal die Annahmen von Everett der Kopenhagener Interpretation gegenüber, dann sehen wir, die „Everett Theorie“ geht nur von „einer“ Annahme aus, die da lautet:

„Die Schrödingerwellen finden eine Entsprechung in der Natur“

Aus dieser einen Annahme ergeben sich rein mathematisch zwei Schlussfolgerungen:
1. Dekohärenz folgt der Schrödingergleichung und ist daher ein dynamischer Prozess.

2. Die Welten spalten durch die Wechselwirkung mit makroskopischen Objekten und die dadurch verursachte Dekohärenz auf.

Die „Kopenhagener Interpretation“ benötigt dafür mehr Annahmen:
1. Annahme: Es muss einen Beobachter geben.
2. Annahme: Es findet ein Kollaps der Wellenfunktion statt
3. Annahme: Für den Beobachter muss eine von der Schrödingergleichung unabhängige Zeitentwicklung eingeführt werden (Wenn keiner hinschaut > gibt es keine Realität)
Es wird deutlich, nach Ockham's Rasor ist die Kopenhagener Deutung hier unterlegen.
Eine weitere Frage, die man lange nicht klären konnte, ob die Dekohärenz kontinuierlich der Schrödingergleichung folgt, wie es die „Everett-Theorie“ voraussagt, wurde in den letzten Jahren geklärt und ist zu bejahen.
Es gibt also begründete Annahmen, dass sich die formal mathematische Beschreibung der Schrödingergleichung direkt in der Natur auswirkt.
Maßgebliche wissenschaftliche Arbeiten zur Dekohärenzerforschung sind von „Zurek, Zeh, Joos“.
Zeh folgert dann auch auf seiner Webseite
Zitat:
Dekohärenz ist eine zwingende Konsequenz der Schrödingergleichung unter realistischer Berücksichtigung der natürlichen Umgebung eines Systems -- unabhängig von Interpretationsfragen. Sie beruht auf einer universellen "Verschränkung" praktisch aller physikalischen Systeme, die lange Zeit einfach übersehen worden ist.
...
Andererseits dürfte aber die von Everett gezogene Konsequenz von "Mehrfachwelten" von den meisten Physikern weiterhin abgelehnt werden -- vorwiegend aus emotionalen Gründen. Diese pragmatische Haltung ist aber auch im Rahmen einer universell gültigen Schrödingergleichung durchaus möglich, wenn man den Begriff der Realität "operationell" versteht: Als real gilt jeweils nur das, was für die in jedem "Everett-Zweig" separat existierenden Beobachter noch beobachtbar ist. Die Everettsche Quantenwelt definiert hingegen eine "hypothetische Realität", die der quantenphysikalischen Konsistenz zuliebe verlangt werden muß.
...
Der "große Nebel aus dem Norden", wie man die Kopenhagener Deutung gelegentlich genannt hat, beginnt sich zu lichten. Die sichtbar werdende Landschaft zeigt eine unsere gewohnte Vorstellungswelt weit übersteigende Vielfalt, ergibt dafür aber erstmals ein konsistentes Bild.
/Zitat
H.D. Zeh http://www.zeh-hd.de/
(unter Web Essays: Ist das Problem des quantenmechanischen Meßprozesses endlich gelöst?)
zum tieferen Verständnis ist auch zu empfehlen:
(unter Web Essays: Wozu braucht man "Viele Welten" in der Quantentheorie?)
Max Tegmark äußert sich dazu:
Zitat:
"Kollaps" der Wellenfunktion?
Das Problem ist, wie diese Wellenfunktion mit unseren Beobachtungen zusammenhängt. Viele zulässige Zustandsfunktionen beschreiben Situationen, die der Intuition widersprechen - etwa Schrödingers berühmte Katze, die als so genannte Superposition gleichzeitig lebendig und tot ist. In der 1920er Jahren entledigten sich die Physiker des Problems, indem sie postulierten, die Wellenfunktion "kollabiere" bei jeder Beobachtung zu einem bestimmten klassischen Ergebnis. Dieser Zusatz vermochte zwar den Übergang von der Theorie zu den Beobachtungen zu erklären, aber er verwandelte eine elegante unitäre Theorie in ein nicht unitäres Flickwerk.
/Zitat (Quellenangabe zum ausführlichem Artikel siehe weiter unten)
David Deutsch äußert sich:
Zitat:
Ich habe damals an der Frage geforscht, welche Mechanismen zum Beispiel welche Aspekte des Bewusstseins ein Universum auswählen und real machen und dafür sorgen, dass die anderen Universen reine Möglichkeiten bleiben. Als ich das versucht habe, wurde mir klar, dass es nicht geht. Die einzige funktionierende Alternative ist die Hypothese, dass alle Universen real und immer noch vorhanden sind.
/Zitat (Quelle siehe Link oben zu Technology Review Seite 2)
Auch eine schlüssige Begründung für die „Viele Welten Theorie“ habe ich bei Philipp Wehrli gefunden.
Zitat
Die unbeobachteten Welten sind ja bereits in der Quantentheorie enthalten. Ich stehe vor der Wahl, die Quantentheorie so zu belassen, wie sie ist, oder einen unbeobachtbaren Kollaps aller Welten zu erfinden, die zufälligerweise gerade nicht beobachtet werden. Der Kollaps würde die Theorie komplizierter machen, nicht die Wellen.
/Zitat
Quelle http://homepage.hispeed.ch/philipp.wehrl...erkenntnis.html

Unabhängig davon, deuten kosmologische Beobachtungen bereits auf Multiversen hin.
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/285853.html

Einen ausführlichen Bericht dazu gab es 2003 im Spektrum der Wissenschaft von Max Tegmark hier zu finden
http://64020.forums.motigo.com/?action=m...ssage_id=306319
darin heißt es auch
Zitat:
Wenn die Physik unitär ist, muss sich die gängige Vorstellung von der Rolle der Quantenfluktuationen beim Urknall ändern. Diese Fluktuationen haben nicht zufällig Anfangsbedingungen erzeugt. Vielmehr schufen sie eine Quantensuperposition aller möglichen Anfangsbedingungen, die gleichzeitig koexistierten. Die Dekohärenz sorgte dann dafür, dass diese Anfangsbedingungen sich auf separaten Quantenzweigen klassisch verhielten.
/Zitat

Was zieht das nun für Schlussfolgerungen nach sich?
1. Unabhängig von der Interpretation der Quantentheorie ist Dekohärenz ein omnipräsentes Phänomen (universelle "Verschränkung" praktisch aller physikalische Systeme).
2. Die Zufallserklärung hat in einem Multiversum nur subjektiven Charakter, bezogen auf den jeweiligen Everett-Zweig (Froschperspektive), das Multiversum ist insgesamt betrachtet streng deterministisch, denn „Alles Mögliche nimmt Gestalt an“. Man muss sich das Multiversum wie eine „Brute Force“ Attacke vorstellen, mit dem Unterschied, dass die Möglichkeiten nicht nacheinander, sondern gleichzeitig parallel durchkonjugiert werden.
3. Die Evolutionstheorie muss hinsichtlich der Zufallsinterpretation angepasst werden.

Zugegeben, die neue Weltsicht verlangt viel von unserem Vorstellungsvermögen ab, aber anderseits bestätigt sie auch unsere Alltagserfahrung:
"Der Mond ist auch noch da, wenn ich wegschaue".
carsten aus bochum
Warum habe ich gerade die Phantasie, wie sich mark seinen Patronengurt umschnallt und sein Maschinengewehr aus der Ecke holt?
Tarvoc
Gehört das nicht eher ins Naturwissenschafts-Subforum?
meloyello
Zitat:
Ein neues Weltbild entsteht


Die Frase ist aber unendlich alt.
Tarvoc
Und immer wahr. Zwinker
meloyello
Ich verstehe die Aufregung nicht.
Da jede Abgrenzung, ob zahlenmässig oder räumlich oder zeitlich, unvorstellbar ist, ist einfach ALLES möglicht. Die Unenlichkeit bedeutet vollkommenes Defizit an Überraschungen.
Es sei denn wir wollen rumblödern. großes Grinsen
Atos
Hier nochmal ein Nachtrag zum Multiversum

Zitat:
Denn dann wären diese verschiedenen Universen von Anfang an miteinander verbunden gewesen – und zwar durch eine Quantenverschränkung, die Albert Einstein schon beschrieben und "spukhafte Fernwirkung" genannt hatte. "Ein solcher verschränkter Zustand bleibt für immer bestehen", erläutert Laura Mersini-Houghton.
...
Tatsächlich sollte es sogar noch ein zweites Superloch am nördlichen Himmel geben, hat Mersini-Houghton errechnet. Sollte sie es tatsächlich finden und sollte Lawrence Rudnick zudem seine Entdeckung bestätigen können, stünde die Astronomie und wohl auch die ganze Menschheit vor einer Sensation: der ersten Spur eines fremden Universums.
/Zitat
Quelle http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/...068.html?page=2

Auch wenn das Loch am nördlichen Himmel noch nicht gefunden wurde, wäre die Annahme anderer Universen aufgrund der Verschränkung falsifizierbar. Das Argument der Nichtfalsifizierbarkeit kann dann auch nicht mehr aufrecht erhalten werden.
Atos
Hier noch ein weiterer Nachtrag

Zitat:
Die zunehmende Stärke der Dekohärenz zeigt sich in einer Abnahme des Kontrasts der Interferenzstreifen. So erhält man im Experiment direkt Bilder vom Übergang der Quantenmechanik zur klassischen Physik. Dieser Übergang vollzieht sich nicht abrupt, sondern allmählich.
/Zitat
Quelle http://www.uni-tuebingen.de/uni/qvo/pd/p...pd-2007-04.html

Kommentar:
der ad-hoc Kollaps der Wellenfunktion ist meiner Ansicht nach damit widerlegt.
H.D. Zeh kommentiert das denn auch
Zitat:
Demzufolge kann man nicht erwarten, jemals einen Kollaps der Wellenfunktion zu beobachten, der nicht als rein quantenmechanischer Dekohärenzprozeß erklärbar wäre.
/Zitat
Quelle H.D. Zeh http://www.zeh-hd.de/
(unter Web Essays: Ist das Problem des quantenmechanischen Meßprozesses endlich gelöst?)

Die Kopenhagener Interpretation ist meiner Ansicht nach damit widerlegt und gehört zur Geschichte.
Schneemann
Zitat:
Original von Atos
3. Die Evolutionstheorie muss hinsichtlich der Zufallsinterpretation angepasst werden.

Kapiere ich nicht. Was haben diese Ueberlegungen zur Physik im Bereich "des Kleinsten" mit der Evolutionstheorie zu tun? Den "Zufall", von dem in der Evolutionstheorie die Rede ist, sollte man nicht mit der Determinismusfrage verwechseln. Das ist ein makroskopischer Zufall der letztlich kein "echter Zufall" ist sondern nur die Unkenntnis über das System beschreibt. Mutationen sind und bleiben in diesem Sinne immer zufällig, unabhängig davon ob die Welt deterministisch oder indeterministisch ist.
T1982
Die mögliche (!) Rolle des quantenmechanische "echten" Zufalls sollte man nicht in der biologischen Evolution unterschätzen... Sag nicht nur ich, sondern z.B. auch Zeilinger.
http://www.quantum.univie.ac.at/publicat...les/2007-27.pdf

Gruß
Schneemann
Zitat:
Original von T1982
Die mögliche (!) Rolle des quantenmechanische "echten" Zufalls sollte man nicht in der biologischen Evolution unterschätzen... Sag nicht nur ich, sondern z.B. auch Zeilinger.
http://www.quantum.univie.ac.at/publicat...les/2007-27.pdf

Mir wird bei diesem Artikel nicht klarer worin die Bedeutung liegen sollte. Aber von Zeilinger erwarte ich da auch keine kompetenten Einlassungen zu...
mark
Zitat:
Original von carsten aus bochum
Warum habe ich gerade die Phantasie, wie sich mark seinen Patronengurt umschnallt und sein Maschinengewehr aus der Ecke holt?


weil du mich total verkennst und dieses zerrbild zeichnest wo ich doch liebenswürdig, freundlich und immer zurückhaltend mögliche weitere zu bedenkende aspekte zum jeweiligen thema einbringe...!

Zitat:

Die Kopenhagener Interpretation ist meiner Ansicht nach damit widerlegt und gehört zur Geschichte.


selbsterklärte vertreter der kopenhagener tradition sehen das natürlich anders. ich sag tradition und nicht interpretation, weil "kopenhagener intrepretation" kein eingetragenes markenzeichen ist, das etwas ganz bestimmtes bezeichnet. jeder sieht diese interpretation ein bisschen anders. liegt wohl daran, dass sie prinzipiell ziemlich viel raum lässt so dass unausgesprochene annahmen zu ganz unterschiedlichen kopenhagener interpretationen führen.
zum beispiel die sache mit dem kollaps. mitformulierer der kopenhagener positionen wie heisenberg waren erklärte "antireduktionisten". deswegen braucht heisenberg auch keinen kollaps, wozu auch, ergeht aus, rechnet, komtm an und fertig ist die geschichte. eine kosmosmythologie sucht man da vergebens, physik ist "lediglich" ein werkzeug des menschen und muss sich am ende nicht selbst hervorbringen. da muss man nichtmitgehen. aber widerlegen kann man das auch nicht. daist ja nicht wirklich was zu widerlegen.
andererseits wurden anfangs verschiedene dinge nicht richtig eingeschätzt, die sache mit schrödingers katze zum beispiel. die dekohärenzidee ist da einfach konsequenter weitergedacht. wäre ja auch langweilig, wenn born bohr heisenberg und schrödinger alles schon richtig durchdacht gehabt hätten... dem ist natürlich nicht so.
ein zentraler punkt der kopenhagener interpretation, so wie auch ich sie sehe, ist die naive alltagsbegrifflichkeit als ausgangs und endpunkt aller überlegungen dazu. das liegt einfach an der notwendigkeit der entsprechenden annahmen des naiven um aus dem naiven überhaupt herauszukommen. klassische kausalität ist ein apriori um zur quantenkausalität zu kommen, die argumente dazu ruhen darauf. dass man hinterher dieses apriori zu begründen versucht aus dem nichtnaiven verständnis heraus, sogar muss, ist richtig, schliesst aber "nur" einen kreis, in den man immer an der gleichen stelle einsteigen muss. vielleicht nicht prinzipiell, aber für uns gilt das schon. "existenz" gehört zu dieser begrifflichkeit, die man nicht einfach auf alles und jedes anwenden kann ohne ein grosses durcheinander zu fabrizieren. es ist eigentlich vollkomemn klar, dass es wenig bis keinen sinn ergibt, allen möglichen entwicklungen der wellenfunktion "existenz" zuzuschreiben. wir kennen keine gleichzeitigen alternativen existenzen weil sich das begrifflich gegenseitig ausschliesst! genau das würde damit aber behauptet. "existenz" ist exklusiv und eben alternativ. davon abzuweichen braucht man schon sehr gute gründe. und kein physikalisches experiment liefert die, denn die werden alle gerade in dieser terminologie beschrieben, in der es alternative existenzen nicht gibt. was anderes ist mir noch nicht begegnet.
es wäre meiner meinung nach auch klar falsch, den unterschied des modernen verständnisses der quantenphysik im gegensatz zu füheren sichtweisen darin zu sehen, dass das moderne von myriaden irgendwie nebeneinander her existierender universen annimmt.
der unterschied liegt vielmehr in der konsequenten denkung der quantenphysik als fundamentaltheorie und damit die aufgabe der heisenbergschen position des pragmatischen nichtreduktionismus'.
man will diesen "kreis" schliessen und erklären, bzw nachvollziehen, sehen, wie die klassische welt, die welt wie sie uns erscheint, aus den quantenwelten "entsteht". und dekhärenz und der everettsche ansatz gehen da sicher in die richtige richtung. das erklärt aber soweit auch, warum es in der praxis wenig bedeutung hat, denn da kommt man natürlich am weitesten mit einer nichtreduktinistischen pragmatischen einstellung eines mathematischen werkzeugs und was nicht verstanden wird, das lässt man eben, ist ja nicht so, dass es an derart angehbaren problemen mangelte an denen man sich abarbeiten könnte.
so schreibt dann auch gell-mann zu diesen "existierenden parallelwelten":
"zudem hat seine [everett's] terminologie und die seiner späteren kommentatoren in manchen fällen für verwirrung gesorgt. so wird seine interpretation oftmals mit dem begriff 'vielwelten' beschrieben, während unserer [gell-mann & co] ansicht nach eigentlich 'biele alternative geschichten des universums' gemeint sind. ferner heisst es von diesen 'vielwelten', sie seine 'alle gleich real', während wir es für weniger missverständlich halten, von 'vielen geschichten, die mit ausnahme ohrer unterschiedlichen wahrscheinlichkeit in der theorie gleich behandelt werden', zu sprechen. die von uns empfohlene terminologie baut auf der vertrauten vorstellung auf, dass ein betimmtes system verschiedene mögliche geschichten durchlaufen kann, die jeweils ihre spezifischen wahrscheinlichkeiten besitzen. man sollte nicht unnötig verwirrung stiften mit dem versuch, sich viele 'parallele universen', die alle gleich real sind, zu denken.
meines wissens nach verweist auch zeh, als erklärter gegener der kopenhagener interpretation und vertreter der 'vwi', die einlassungen verschiedener interpeten wie die eines david deutsch in den bereich der science fiction geschichten.
auf der anderen seite trifft sich die dargestellte einstellung offensichtlich mit der erklärter anhänger der kopenhagener interpretation wie anton zeilinger der keck zum schluss kommt, die welt sei nicht "nur" alles was der fall ist sondern auch alles, was der fall sein kann. vor dem hintergrund, dass auch quantenmechanisch nicht alles möglich ist und des subtilen mechanismus der theorie wie die möglichkeiten in den weiteren verlauf eingreifen ist das nur zu verständlich und gar nicht unsinnig.

die parallelen universen in diesem sinne kann man getrost in den müll werfen.

gruss
carsten aus bochum
Okay, heute war’s das Filettiermesser.
Liebenswürdig finde ich Dich trotzdem, so in der Endabrechnung.
Deutsch scheint ja kein Blödi zu sein, wie kommt der auf so was?
T1982
Zitat:
Original von Schneemann
Zitat:
Original von T1982
Die mögliche (!) Rolle des quantenmechanische "echten" Zufalls sollte man nicht in der biologischen Evolution unterschätzen... Sag nicht nur ich, sondern z.B. auch Zeilinger.
http://www.quantum.univie.ac.at/publicat...les/2007-27.pdf

Mir wird bei diesem Artikel nicht klarer worin die Bedeutung liegen sollte. Aber von Zeilinger erwarte ich da auch keine kompetenten Einlassungen zu...


Es gibt wohl nicht viele kompetentere Menschen als Zeilinger, die über makroskopische Einflüsse des mikroskopischen Zufalls der QM sprechen sollten. In den hochgradig komplexen Systemen, die der Evolution "unterworfen" sind, können an den Bifurkationspunkten die geringsten Fluktuationen den Ausschlag geben. Und an dieser Stelle besteht ein möglicher Einfluss des absoluten Zufalls. Und wenn das keinen Einfluss auf Determinismus-Gedanken haben sollte, was dann?

Gruß
barbara
Hallo T1982

danke für den Zeilinger-Artikel, sehr interessant! smile

ich sehe auch nicht, warum die Kopenhagener Deutung und die Viele-Welten-Idee nicht zusammengebracht werden könnten? Sowohl-als auch, nicht entweder-oder?

grüsse, barbara
mark
Zitat:
Original von carsten aus bochum
Deutsch scheint ja kein Blödi zu sein, wie kommt der auf so was?


da kann man nur raten. "blödi" hat damit ja auch nicht unbedingt was zu tun. und zu wenig blödi vertragen eben auch nicht alle. eddington war auch kein blödi und endete in der zahlenmystik. trotz oder weil? wer weiss das schon.
vielleicht glaubt deusch selbst dran. vielleicht profiliert man sich damit auch besser. obwohl er das eigentlich nicht nötig hat, soweit ich das sehe...aber vielleicht sieht er das anders? vielleicht ist es eine fixe idee? vielleicht macht es ja ganz einfach spass, ist ausgleich? aufmerksamkeitsdefizit? ich bin sicher, er stützt das alles sehr gut. aber ich bin mir auch sicher, dass "existenz" wenn man es so gebraucht, nichts mehr mit "existenz" im üblichen sinn zu tun hat und genau das soll ja suggeriert werden, mit dem ganzen zauber, diese verwechslung ist es ja, die das überhaupt interessant macht, für normalos.

gruss
Atos
Auf deine Frage
@babara
"ich sehe auch nicht, warum die Kopenhagener Deutung und die Viele-Welten-Idee nicht zusammengebracht werden könnten?"

Die Kopenhagener Deutung (KD) setzt immer eine Auswahl (Selektion) durch einen Beobachter voraus.


Es stellt sich dann die Frage, wie kann eine Evolution funktionieren, in der es noch keinen Beobachter gibt, weil dieser erst von der Evolution hervorgebracht werden muss?

Die "Viele Welten Theorie" kommt da ohne Beobachter aus.
T1982
Zitat:
Original von barbara
Hallo T1982

danke für den Zeilinger-Artikel, sehr interessant! smile

ich sehe auch nicht, warum die Kopenhagener Deutung und die Viele-Welten-Idee nicht zusammengebracht werden könnten? Sowohl-als auch, nicht entweder-oder?

grüsse, barbara


Gern geschehen.

Zur Frage:
Ganz simpel gesprochen in Bezug auf das, was wir Kollaps nennen - entweder "entscheidet" sich der verschränkte Gesamtzustand mit der Messung (im Sinne einer absoluten Gültigkeit der KD) für EINEN Zustand, oder aber JEDER (mögliche Zustand) wird realisiert.

Gruß
Schneemann
Zitat:
Original von T1982
Es gibt wohl nicht viele kompetentere Menschen als Zeilinger, die über makroskopische Einflüsse des mikroskopischen Zufalls der QM sprechen sollten.

Ueber die Qualitäten von Zeilinger, sowohl als physikalischer Popstar als auch als Philosoph, kann man sehr geteilter Meinung sein. Das ist aber wohl eher was für ein Physikforum weshalb ich es nicht vertiefen möchte.

Zitat:

In den hochgradig komplexen Systemen, die der Evolution "unterworfen" sind, können an den Bifurkationspunkten die geringsten Fluktuationen den Ausschlag geben. Und an dieser Stelle besteht ein möglicher Einfluss des absoluten Zufalls.

Ich kann das zum einen nicht erkenne, zum andern, selbst wenn man es mal annimmt, sehe ich nicht die Bedeutung für die Evolutionstheorie. Letztere braucht einen Zufall, also ein Element das für Variabilitität sorgt. Es spielt schlicht keine Rolle ob man diesem Zufall nun absoluten Status zuspricht oder nicht. Daher sehe ich nicht wieso man hier irgendwas anpassen müsste? Was sollte man denn überhaupt anpassen?
T1982
@schneemann.

Mir ging es oben auch nur um das Prinzipielle. "Probleme" für die Evolutionstheorie sehe ich auch nicht. Genau wie Du bin ich der Meinung, der Bereich der Variation/Mutation ist vollkommen ausreichend (der Punkt ist eben, dass dort auch stochastische Prozsse quantenmechanischer Art möglich sind/sein können, die über "deterministische Zufälle" im Sinne bedingter Wahrscheinlichkeiten hinausgehen).

Gruß