Hi Pippen.
Wenn ich das mal rausgreifen darf:
| Zitat: |
| 3. Meine "Pippenlogik" ist keine formale Logik. Sie ist lediglich ein Hinweis darauf, dass auch unlogische Sätze wahr sein können, solange sie eine nachvollziehbare und verstehbare Satzkonstruktion und Bedeutung haben. Der Grund für meine Pippenlogik waren Einwände ala "Das Szenario ist unlogisch und damit sinnlos und falsch". Damit wollte ich darauf hinweisen, dass eben formale Unlogik einer Aussage weder den Sinn noch die Wahrheitsfähigkeit nimmt, weil man Wahrheit & Sinn unabhängig von der formalen Logik definieren kann. |
Das Problem war doch eigentlich nicht, dass man Dir unterstellt, dass Deine Szenarien unlogisch sind, im allgemeinen wurde doch durchaus anerkannt, dass sie logisch sind, aber vielleicht nicht unseren üblichen, im normalen Sprachgebrauch verwendeten Logiken entsprechen.
Man kann natürlich Logiken konstruieren, aus denen folgt was immer man will, Beliebigkeiten und „immer etwas anderes“ ausdrücklich eingeschlossen.
Das logische Problem an der Sache schien in meiner Wahrnehmung ganz einfach das zu sein, dass Du die Folgen bestimmter Schlüsse je nach dem entweder über- oder unterschätzt hast, wie Soso ja geduldig ausführte.
Soso hat das mal an anderer Stelle im Falle Quines so beschrieben, dass Quine oft jemand war, der, wenn er an einem komplexen Theoriegebäude einen losen Stein entdeckte, voraussetzte, dass dann das ganze Gebäude zusammenfällt, wenn man den Stein entfernt, was – so verstand ich Soso – seiner Ansicht nach durchaus nicht immer der Fall war oder sein musste.
Also unlogisch ist das eigentlich nicht, nur schießt Du übers Ziel hinaus.
Meine Idee war eher aufzuzeigen, dass man mit Logiken, aus denen Beliebiges, oder „immer etwas anderes“ folgt im Grunde keine effiziente Praxis hinbekommt, mit der man leben und kommunizieren kann.
Dafür, für die Kommunikation, ist es wichtig, dass man Worte in einer Art und Weise benutzt, die für andere auch nachvollziehbar sind, in dem Sinne, dass sie eine gewisse Verlässlichkeit darstellen, dass ich eben zu graubraunen, langohrigen, kleinen, pferdeähnlich aussehenden Huftieren immer „Esel“ sage und nicht beim nächsten mal „Krokodil“. Für diese aktuell funktionierende Praxis ist es denn auch vollkommen unerheblich, dass ein Täuschergott mich nachträglich in den Irrtum, oder sogar in die rückwirkende Nichtexistenz ploppen könnte. Der Grund ist der, dass etwas in einem gewissen Sinn wahr sein kann, wenn es funktioniert, selbst wenn die Gründe dessen, weshalb ich annehme, warum es funktioniert am Ende nicht stimmen.
Aber es sollte Dir zu denken geben, dass Wesen, denen Du unterstellen möchtest, dass sie sich irren können ein hinreichendes Maß an (geistiger) Autonomie besitzen müssen
um sich überhaupt irren zu können.
Der Satz: „Mensch, gestern habe ich vielleicht einen Pflasterstein veräppelt“ ist irgendwie sinnlos.
Das heißt, Wesenheiten, die zum Irrtum in der Lage sind, sind Wesenheiten, die in der Lage sind Theorien aufzubauen und zu verstehen und selbst wenn sie sich in bestimmten Punkten irren, so fällt dadurch nicht alles zusammen. Wenn ich mir über den Grund meiner eigenen Motive im unklaren bin (seit Freud wissen wir, dass das geht) oder mich irre, d.h. den Bauchtanz-Kurs nur gebucht habe, weil ich hypnotisiert wurde und nicht, weil ich, wie ich nachträglich rationalisiere, das immer schon faszinierend fand, dann ist meine angenommene Motivation zwar falsch, aber vieles im Umfeld behält seinen Wahrheitsgehalt:
dass ich mich angemeldet und die Kursgebühren überwiesen habe, dass ich weiß, wo der Kurs wann stattfindet, dass mit der Überweisung der Kurgebühren die Legitimation einhergeht, dass ich an dem Kurs tatsächlich teilnehmen darf...
Das heißt ein Irrtum in einem Punkt sagt erstmal nicht, dass das ganze Netz zerreißt, selbst dann nicht, wenn es sich um einen fundamentalen Punkt der Theorie handelt.
Wenn man der Meinung ist, dass Gott die Welt geschaffen hat und dieser Gott die wichtigste Quelle von allem was überhaupt ist, darstellt, dann ist es ziemlich gravierend, wenn jemand die Existenz dieses Gottes glatt bezweifelt. Jetzt haben wir aber genau dieses Experiment hinter uns, so dass unabhängig davon, woran einzelne glauben wollen und dürfen, man heute erfolgreich durchs Leben kommt, wenn man die Existenz eines Schöpfergottes nicht unterstellt. Und vor allem hat sich in der Praxis eigentlich nichts so dramatisches geändert, dass man sagen müsste, die ganze Welt sei nun auf den Kopf gestellt worden.
Berlin ist immer noch östlich von Bochum und Äpfel fallen immer noch vom Baum auf den Boden, selbst wenn einen der Gedanke an die mögliche Nichtexistenz Gottes im Mark erschüttert.
Damit will ich sagen, dass zum Irrtum fähige Wesen bereits so autonom sind,
dass sie sich gar nicht in allen Punkten irren können, selbst wenn gewissen starke Prämissen kardinal erschüttert werden.
Und das ist die Praxis die Du nicht abschütteln kannst und die natürlich von Logik und praktischem „Wahrmachen“ logischer Prämissen durchsetzt ist.
Phantom schreibt:
| Zitat: |
„Um über deinen Gott REDEN zu können, müssen beide Gesprächspartner verstehen was der andere meint. Klar kann das auch mal etwas komplexer werden, und beinhalten dass Gott mal der personifizierte Zorn, mal die Liebe, mal dies mal das ist,
aber ein Gottesbild das sich selbst logisch widerspricht hielte ich für unverstanden“ |
Ich glaube, das ist sehr richtig.
Sprachspiele bekommen dann eine praktische Relevanz, wenn der andere annähernd meint, was wir meinen.
Bei „Reichst du mir bitte mal das Salz“ ist das noch kein Problem, bei der Frage nach Gott ist es in der Tat nötig, dass man in etwa erahnen kann, was der Gebrauch des Wortes für den anderen bedeutet.
Wenn ich mit dem Begriff „Gott“ assoziiere: „Ach diese neckische Idee von eine paar Spinnern, die noch im Mittelalter stecken geblieben sind“ und ein anderer denkt: „Das Zentrum meines Lebens, der tiefere Sinn meiner Existenz, die wahrste aller Wahrheiten“ dann wird schnell klar, dass es hier zu schweren theoretischen Konfrontationen kommen muss. Auf der anderen Seite ist es nicht weiter schwer zu kapieren,
dass der je andere eine völlig verschiedene Auffassung hat und man kann streiten (oder beschließen, dass die Positionen so unüberbrückbar sind, dass ein Streit nicht lohnt).
Wenn ich aber gar nicht in der Lage bin zu erfassen was der andere meint, dann redet man im buchstäblichen Sinne aneinander vorbei, auch dann, wenn man die gleiche Worte benutzt.
Nehmen wir das buddhistische „Nichts“ oder den Begriff der „Leere“.
Wenn ich die Bedeutung dieser Begriffe nicht erfahren habe, dann komme ich in die Situation, dass ich mir irgendwie vorstellen muss, was jemand damit meint und ich könnte bei wiki nachschauen oder buddhistische Literatur bemühen. Dennoch wird es bei einer
Vorstellung von etwas bleiben, von dem es gerade heißt, dass es zentral dadurch „definiert“ ist, dass man sich keine Vorstellung davon machen kann, bzw. sich bewusst sein muss, dass Vorstellungen immer so unzureichend sind, dass man sie im Grunde falsch nennen kann.
Das scheint prinzipiell undiskutierbar zu sein, auf der anderen Seite kann man jemanden für den „Leere“ oder „Nichts“ Begriffe sind die ihm auch im buddhistischen Kontext etwas bedeuten ja fragen, was denn nun für ihn aus der Erfahrung dessen, was buddhistisch „Nichts“ oder „Leere“ genannt wird folgt.
So werden auch dieser Erfahrungen in den Rahmen eines rationalen Sprachspiels eingebunden.
Kann sein, dass der es auch nicht sagen kann, aber man könnte dennoch sehen, dass der sich möglicherweise anders verhält oder er könnte sagen, dass er andere Einstellungen gewonnen hat.
Analog könnte es ja sein, dass z.B. die Existenz eines Täuschergottes eine Erfahrung von Dir sein kann, die viele nicht geteilt haben, aber Du müsstest wenigstens sagen können, was die Erkenntnis, dass die Existenz eines Täuschergottes nicht auszuschließen ist, für Dich für eine praktische Relevanz hat.
Der Buddhismus ist voll von Folgerungen dieser Art und er wagt es sogar ein definiertes Ziel anzugeben, was aus dem Leid herausführen soll und neben einer spürbaren Authentizität vieler spiritueller Meister gibt es ja nun auch haufenweise objektive Hinweise.
Aber die Kraft dieses Ansatzes liegt auch hier in der Praxis und nicht in metaphysischen Spekulationen.
Was sollte es also für Phantom, Soso, mich usw. attraktiv machen, meinetwegen aus Deiner inneren Erfahrung gesprochen, die Existenz eines Täuschergottes (durch die Unmöglichkeit seine Nichtexistenz letztgültig fomallogisch zu beweisen) über ein lapidares und buchstäblich folgenloses „Joo, meinetwegen“ hinaus als gültig und wahr anzuerkennen. Logisch scheint mir das so wahr wie das Spaghetti-Monster zu sein und praktisch kann ich nicht sehen wo es irgendwelche Folgen hätte, die über den für mich unattraktiven Triumph in einer kleinen Nische unwiderlegbar zu sein hinaus gehen.
Gruß,
Carsten