Christian
Hallo!
Ich werde mich an einer Widerlegung des Kommunistischen Manifestes von Karl Marx versuchen und gleichzeitig einer sehr kurzen Darstellung der Wirkung der kommunistischen Idee im 20. Jh., wobei ich freilich bestrebt bin, mich möglichst kurz zu fassen.
Quelle:
http://www*.vanuatu*lture-bookz.de/marx/...e_Manifest.html
Golem wäre passender! *lacht*
Gespenster habe die angenehme Eigenschaft, Fiktionen zu sein und zu verschwinden, spätestens wenn es tagt. Soviel zu Marx’s literarischen Qualitäten und dem Eröffnungswitz.
Ich möchte mich auf drei Grundthesen stützen:
1. Der Marxismus ist ein entarteter Sohn des Christentums, eine späte christlich-jüdische Häresie.
2. Revolutionäre Umbrüche werden niemals von der abgestumpften Masse gemacht, sondern von Eliten - jenen des herrschenden Systems oder konträren.
3. Der sogenannte Kommunismus/ Sozialismus im 20. Jh war überall eine Schimäre, ein aufgesetztes Trugbild, das lediglich die tatsächlichen geschichtlichen, religiösen und ethnischen Strömungen kaschierte.
Wir alle erinnern uns an den Propheten eines Endes der Geschichte, F. Fukuyama, einem Neokonservativen übrigens, der sich mittlerweile selbst widersprochen hat. Die Geschichtswissenschaft ist immer noch stark geprägt von einem sozioökonomischen, kommunistisch angehauchten Weltbild. Im krassen Gegensatz zu diesem Weltbild stehen Thesen a la „Clash of Civilization“ von S. Huntington, ebenfalls ein Neokonservativer, was für die Absurdität und Wirrheit dieser Denkschule sprechen sollte.
Auch im Marxismus/ Kommunismus wird ein Ende der Geschichte propagiert, ein konsequenten Anti-Nationalismus, ein Paradies auf Erden, ein ausgewähltes Volk, das Proletariat, welches einziehen wird in ein Land, wo Milch und Honig fließen, geleitet von einem Messias - wahlweise Marx, Lenin, Stalin, Mao, Ho Chi Minh oder sogar Che.
Marx war Jude und wie viele Juden neigte er stark zum Kosmopolitismus - aus mehreren Gründen: Um den Zwängen der nationalen, religiösen und ethnischen Zwängen zu entgehen, sie zu überwinden und sich abzugrenzen.
Es war am Proletarität, an diese Thesen zu glauben, daran, daß eine letzte Wahrheit aus ihnen spricht. Das hat etwas Religiöses, wie nebenbei bemerkt sämtliche umfassenden Philosophien quasi-religiös sind!
Ben Bella (algerischer Freiheitskämpfer) sagte einmal:
„...die westliche Entfremdung, das ist nicht nur der Kapitalismus, sondern auch der Marxismus. Für uns gehört die Sowjetunion zum Westen. Der Marxismus ist ein entarteter Sohn des Christentums, eine späte christlich-jüdische Häresie.“
An diesem Punkt sei noch kurz darauf hingewiesen, daß Islam und Kommunismus wie Feuer und Wasser sind, und daß Marx offensichtlich nicht nur keinen Schimmer von ethnischen Faktoren, sondern genauso wenig Ahnung von religiösen Aspekten hat. Betreffend die revolutionären Bewegungen in der islamischen Welt gibt es andere, nützlichere Philosophen und Soziologen, wie etwa Ibn Khaldun.
Zum Geschichtsbild des Marxismus noch folgendes:
Im Grunde muß man dazu und zu seiner These, die er im folgenden ausführt, wonach die sogenannte Bourgeoisie über wirtschaftliche Entwicklung entsteht, nicht viel sagen; diese These ist absurd.
Es drängen sich diverse Fragen auf: Was ist mit den Frauen; Was ist mit Kriegen; Religion, Ethnie...all das wird fein säuberlich ignoriert. Bei der zweiten These gehe ich darauf noch etwas näher ein, indes steht in „1984“ im Abschnitt „Theorie und Praxis des oligarchischen Kollektivismus“ eine ziemlich umfassende Widerlegung.
Das zur 1. These.
Die 2. These bestätigt Marx fast selbst:
Man fragt sich zweifelnd, wie die untere Schicht überhaupt in die Lage kommen soll, daran etwas zu ändern. Er spricht es nicht deutlich aus, aber Tatsache ist nun mal - und er ist von diesem Gedanken nicht weit entfernt -, daß Revolutionen niemals von Unten gemacht werden, sondern immer von Eliten. Das war bei der Französischen Revolution der Fall, wo der „Dritte Stand“ dem ersten und zweiten seine Privilegien streitig machte, in der Oktoberrevolution, wo die kleinbürgerliche jüdische Intelligenzia wegbereitend war zu einem alle religiösen und ethnischen Gegensätze negierenden Marxismus. Sogar der schiitische Aufstand von Teheran 1978 waren die begüterten „Bazari“ die treibende Kraft, die sich der Masse der „Mustazafin“, der Entrechteten der Elendsviertel bedienten. Oft werden Revolutionen auch von kleinen Gruppen Intellektueller gemacht, die eine Schar von Kämpfer um sich scharren, welche sie aus der Masse der Armen rekrutieren, und Stück um Stück die Macht an sich reißen, ohne im Wesentlichen die Bevölkerung in den Konflikt hineinzuziehen, wenngleich jene sie oft billigend unterstützt. Das war in den meisten Unabhängigkeitskonflikten der Fall, von Indochina über Indonesien bis Algerien, auch in China lief es so ab. Nepal heute ist ein Gegenentwurf mit einer auf Mao zurückgehenden Strategie, wo die Bevölkerung tatsächlich dem kommunistisch angehauchten Aufstand ablehnend gegenübersteht.
Erneut unterstützt Marx meine These, indes weigert er sich, den letzten Schritt zu setzen!
Warum, so fragt man sich, hat die Bourgeoisie denn all das geschafft? Weil sie blöde ist, inkompetent und unfähig zu lernen? Nein, gerade weil sie mehr drauf hatte als Adel, Bauern und Kirche. Wie also sollte das sogenannte Proletariat, was in Wahrheit überhaupt nicht in dieser von Marx zwanghaft propagierten Geschlossenheit existiert, sich gegen diese geballte Intelligenz, welche immerhin zudem das Geld hat, sich jeden Intellektuellen zu kaufen, zur Wehr setzen?
Und genau da liegt der Kern! Von Intellektuellen als Handlangern oder Gegnern der Mächtigen wird die Zukunft gemacht, immer, die Masse der Bevölkerung folgt ihnen oder eben nicht. Die Grundlage für die von ihm beschriebene wirtschaftliche Prosperität legten Newton, der den Goldstandard einführte, Adam Smith und später John M. Keynes, drei Engländer, bezeichnenderweise. All das ignorierte freilich Marx, wie er überhaupt jede wirtschaftliche und geschichtliche Tatsache ignorierte, um seinen dilettantischen, pseudointellektuellen Blödsinn zu rechtfertigen - soviel nur zum ökonomischen Aspekt des Werkes, tut mir leid, daß ich darauf nicht näher eingehe, aber das ist einfach zu absurd und lächerlich.
Soviel zur 2. These.
Die Sowjetunion war immer orthodox, stark konservativ, puritanisch und bäuerlich geprägt, mit einem starken Hang zur Obrigkeitshörigkeit. Der Kommunismus änderte daran gar nichts, er fügte sich vielmehr in die bestehenden Traditionen ein, wie er das in vielen Ländern tat. China war immer stark konfuzianisch geprägt, autoritätshörig, Mao trat an die Stelle der früheren Kaiser, wie das Lenin und v.a. Stalin in der SU taten. Richtig ist, daß die Kulturrevolution ordentlich am konfuzianischen Fundament nagte, was indes überhaupt nicht kommunistisch inspiriert war.
Saddam Hussein, Nasser, Ben Bella u.a. ignorierten demgegenüber eher die (islamischen) Traditionen ihrer Länder, indem sie eine sozialistische, nationale eher anti-religiöse Ideologie vertraten. Gleichwohl sehe ich darin keinen Widerspruch zu meiner These. Atatürk widerspräche ihr vielleicht, jedoch gehörte er nie ins kommunistische Lager - richtig, selbst bei ihm gäbe es keinen Widerspruch, immerhin übernahmen mit ihm die Aleviten faktisch die Macht. Die drei angesprochenen Machtmenschen waren vor allem eine Ausgeburt postkolonialer Denkweisen aufgrund des Einflusses Europas auf diese Länder, wie das in weiten Teilen Afrikas zu beobachten war, von Äthiopien bis Nigeria, von Libyen bis Südafrika. Überall dort dauerte es seine Zeit, bis die Völker zu sich selbst fanden. Selbst in Ländern, wo die Kommunisten jahrzehntelang an der Macht waren und massive Eingriffe in Bevölkerung und Land tätigten, wie etwa in Albanien unter Enver Hodscha, war diese Ideologie sehr aufgesetzt, hatte wenig mit Tradition und Identität gemein. Vielmehr paßte sich die Ideologie an die Traditionen an, siehe etwa Kuba, dessen Regime eher nationalistisch ist als sozialistisch. Im Grunde war immer allenfalls eine kleine Elite von Mächtigen infiziert von der Doktrin des Marxismus/ Kommunismus, die Bevölkerung bestenfalls sehr oberflächlich und kurzfristig, wie etwa in Nord-Vietnam. Kommunistisch inspiriertes Handeln der Mächtigen kann man leicht abtun mit Verweisen auf die Marotten aller Mächtigen der Weltgeschichte, der Kaiser, der Präsidenten, der Diktatoren.
Tito könnte man als Gegenargument anführen, immerhin fesselte er die unterschiedlichen Völker Jugoslawiens zu einer Nation, gab den Bosniaken einen eigenen Status.... Ja, nach seinem Tod erledigte sich auch das sehr schnell und die Nation zerfiel. Was die Identität der Bosniaken angeht, förderte er zweifelsohne ihr Selbstbewußtsein - mehr aber auch nicht -; anzunehmen, daß es ohne ihn eine ähnliche Entwicklung gegeben hätte. Erneut: Nationalismus und Machtpolitik, kein Marxismus.
Im islamisch-arabischen Raum führte das Scheitern Nassers mit seiner nationalen, sozialistischen Ideologie und das Aufkommen Khomeneis gekoppelt mit der Ohnmacht der islamischen Welt gegenüber dem Westen, der Gefahr, den Rest ihrer Identität zu verlieren und nicht zuletzt die Rückbesinnung Zahals auf seine Wurzeln (zuerst vor allem als Begründung für ihre Ansprüche) zur Grand Retour der islamischen Welt. Und Afrika findet nach dem Ende des globalen Dualismus zu seinen tribalistischen und animistischen Wurzeln zurück.
Insgesamt war also dieses kommunistische „Gespenst“ nicht viel mehr als ein Gespenst, welches bei Tageslicht verschwindet.
Mir fehlen die Beweise und die Geschichte spricht gegen diese These. Gleichwohl ist das der Kern des Kommunismus, seine Schein-Legitimation. Ausgehend primär von Hegel über brachial zurechtgestutzte und verbogene Beispiele und Argumente kommt Marx auf einem für einen denkenden Menschen nicht nachvollziehbaren Weg zu solch letzten Wahrheiten. Insgesamt können allenfalls weltfremde Intellektuelle und Proles an diese Märchen glauben, denkende Menschen nie.
Abschließend bleibt nur noch zu sagen, daß man bei Orwell beide Facetten der Verwirklichung des Kommunismus jenseits der von der Realität gezeigten Varianten betrachten kann - bei „Animal Farm“ die inkonsequentere Variante und bei „1984“ die konsequente Variante.
Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.
Ich werde mich an einer Widerlegung des Kommunistischen Manifestes von Karl Marx versuchen und gleichzeitig einer sehr kurzen Darstellung der Wirkung der kommunistischen Idee im 20. Jh., wobei ich freilich bestrebt bin, mich möglichst kurz zu fassen.
Quelle:
http://www*.vanuatu*lture-bookz.de/marx/...e_Manifest.html
| Zitat: |
| Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus. |
Golem wäre passender! *lacht*
Gespenster habe die angenehme Eigenschaft, Fiktionen zu sein und zu verschwinden, spätestens wenn es tagt. Soviel zu Marx’s literarischen Qualitäten und dem Eröffnungswitz.
Ich möchte mich auf drei Grundthesen stützen:
1. Der Marxismus ist ein entarteter Sohn des Christentums, eine späte christlich-jüdische Häresie.
2. Revolutionäre Umbrüche werden niemals von der abgestumpften Masse gemacht, sondern von Eliten - jenen des herrschenden Systems oder konträren.
3. Der sogenannte Kommunismus/ Sozialismus im 20. Jh war überall eine Schimäre, ein aufgesetztes Trugbild, das lediglich die tatsächlichen geschichtlichen, religiösen und ethnischen Strömungen kaschierte.
Wir alle erinnern uns an den Propheten eines Endes der Geschichte, F. Fukuyama, einem Neokonservativen übrigens, der sich mittlerweile selbst widersprochen hat. Die Geschichtswissenschaft ist immer noch stark geprägt von einem sozioökonomischen, kommunistisch angehauchten Weltbild. Im krassen Gegensatz zu diesem Weltbild stehen Thesen a la „Clash of Civilization“ von S. Huntington, ebenfalls ein Neokonservativer, was für die Absurdität und Wirrheit dieser Denkschule sprechen sollte.
Auch im Marxismus/ Kommunismus wird ein Ende der Geschichte propagiert, ein konsequenten Anti-Nationalismus, ein Paradies auf Erden, ein ausgewähltes Volk, das Proletariat, welches einziehen wird in ein Land, wo Milch und Honig fließen, geleitet von einem Messias - wahlweise Marx, Lenin, Stalin, Mao, Ho Chi Minh oder sogar Che.
Marx war Jude und wie viele Juden neigte er stark zum Kosmopolitismus - aus mehreren Gründen: Um den Zwängen der nationalen, religiösen und ethnischen Zwängen zu entgehen, sie zu überwinden und sich abzugrenzen.
Es war am Proletarität, an diese Thesen zu glauben, daran, daß eine letzte Wahrheit aus ihnen spricht. Das hat etwas Religiöses, wie nebenbei bemerkt sämtliche umfassenden Philosophien quasi-religiös sind!
Ben Bella (algerischer Freiheitskämpfer) sagte einmal:
„...die westliche Entfremdung, das ist nicht nur der Kapitalismus, sondern auch der Marxismus. Für uns gehört die Sowjetunion zum Westen. Der Marxismus ist ein entarteter Sohn des Christentums, eine späte christlich-jüdische Häresie.“
An diesem Punkt sei noch kurz darauf hingewiesen, daß Islam und Kommunismus wie Feuer und Wasser sind, und daß Marx offensichtlich nicht nur keinen Schimmer von ethnischen Faktoren, sondern genauso wenig Ahnung von religiösen Aspekten hat. Betreffend die revolutionären Bewegungen in der islamischen Welt gibt es andere, nützlichere Philosophen und Soziologen, wie etwa Ibn Khaldun.
Zum Geschichtsbild des Marxismus noch folgendes:
| Zitat: |
| Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.... Freier und Sklave, Patrizier und Plebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen. |
Im Grunde muß man dazu und zu seiner These, die er im folgenden ausführt, wonach die sogenannte Bourgeoisie über wirtschaftliche Entwicklung entsteht, nicht viel sagen; diese These ist absurd.
Es drängen sich diverse Fragen auf: Was ist mit den Frauen; Was ist mit Kriegen; Religion, Ethnie...all das wird fein säuberlich ignoriert. Bei der zweiten These gehe ich darauf noch etwas näher ein, indes steht in „1984“ im Abschnitt „Theorie und Praxis des oligarchischen Kollektivismus“ eine ziemlich umfassende Widerlegung.
Das zur 1. These.
Die 2. These bestätigt Marx fast selbst:
| Zitat: |
| Wir sehen also, wie die moderne Bourgeoisie selbst das Produkt eines langen Entwicklungsganges, einer Reihe von Umwälzungen in der Produktions- und Verkehrsweise ist. Jede dieser Entwicklungsstufen der Bourgeoisie war begleitet von einem entsprechenden politischen Fortschritt. Die Bourgeoisie hat in der Geschichte eine höchst revolutionäre Rolle gespielt. Die Bourgeoisie, wo sie zur Herrschaft gekommen, hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört.... |
Man fragt sich zweifelnd, wie die untere Schicht überhaupt in die Lage kommen soll, daran etwas zu ändern. Er spricht es nicht deutlich aus, aber Tatsache ist nun mal - und er ist von diesem Gedanken nicht weit entfernt -, daß Revolutionen niemals von Unten gemacht werden, sondern immer von Eliten. Das war bei der Französischen Revolution der Fall, wo der „Dritte Stand“ dem ersten und zweiten seine Privilegien streitig machte, in der Oktoberrevolution, wo die kleinbürgerliche jüdische Intelligenzia wegbereitend war zu einem alle religiösen und ethnischen Gegensätze negierenden Marxismus. Sogar der schiitische Aufstand von Teheran 1978 waren die begüterten „Bazari“ die treibende Kraft, die sich der Masse der „Mustazafin“, der Entrechteten der Elendsviertel bedienten. Oft werden Revolutionen auch von kleinen Gruppen Intellektueller gemacht, die eine Schar von Kämpfer um sich scharren, welche sie aus der Masse der Armen rekrutieren, und Stück um Stück die Macht an sich reißen, ohne im Wesentlichen die Bevölkerung in den Konflikt hineinzuziehen, wenngleich jene sie oft billigend unterstützt. Das war in den meisten Unabhängigkeitskonflikten der Fall, von Indochina über Indonesien bis Algerien, auch in China lief es so ab. Nepal heute ist ein Gegenentwurf mit einer auf Mao zurückgehenden Strategie, wo die Bevölkerung tatsächlich dem kommunistisch angehauchten Aufstand ablehnend gegenübersteht.
| Zitat: |
| Die Bourgeoisie hat in ihrer kaum hundertjährigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere Produktionskräfte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen. Unterjochung der Naturkräfte, Maschinerie, Anwendung der Chemie auf Industrie und Ackerbau, Dampfschiffahrt, Eisenbahnen, elektrische Telegraphen, Urbarmachung ganzer Weltteile, Schiffbarmachung der Flüsse, ganze aus dem Boden hervorgestampfte Bevölkerungen – welches frühere Jahrhundert ahnte, daß solche Produktionskräfte im Schoß der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten. |
Erneut unterstützt Marx meine These, indes weigert er sich, den letzten Schritt zu setzen!
Warum, so fragt man sich, hat die Bourgeoisie denn all das geschafft? Weil sie blöde ist, inkompetent und unfähig zu lernen? Nein, gerade weil sie mehr drauf hatte als Adel, Bauern und Kirche. Wie also sollte das sogenannte Proletariat, was in Wahrheit überhaupt nicht in dieser von Marx zwanghaft propagierten Geschlossenheit existiert, sich gegen diese geballte Intelligenz, welche immerhin zudem das Geld hat, sich jeden Intellektuellen zu kaufen, zur Wehr setzen?
Und genau da liegt der Kern! Von Intellektuellen als Handlangern oder Gegnern der Mächtigen wird die Zukunft gemacht, immer, die Masse der Bevölkerung folgt ihnen oder eben nicht. Die Grundlage für die von ihm beschriebene wirtschaftliche Prosperität legten Newton, der den Goldstandard einführte, Adam Smith und später John M. Keynes, drei Engländer, bezeichnenderweise. All das ignorierte freilich Marx, wie er überhaupt jede wirtschaftliche und geschichtliche Tatsache ignorierte, um seinen dilettantischen, pseudointellektuellen Blödsinn zu rechtfertigen - soviel nur zum ökonomischen Aspekt des Werkes, tut mir leid, daß ich darauf nicht näher eingehe, aber das ist einfach zu absurd und lächerlich.
Soviel zur 2. These.
Die Sowjetunion war immer orthodox, stark konservativ, puritanisch und bäuerlich geprägt, mit einem starken Hang zur Obrigkeitshörigkeit. Der Kommunismus änderte daran gar nichts, er fügte sich vielmehr in die bestehenden Traditionen ein, wie er das in vielen Ländern tat. China war immer stark konfuzianisch geprägt, autoritätshörig, Mao trat an die Stelle der früheren Kaiser, wie das Lenin und v.a. Stalin in der SU taten. Richtig ist, daß die Kulturrevolution ordentlich am konfuzianischen Fundament nagte, was indes überhaupt nicht kommunistisch inspiriert war.
Saddam Hussein, Nasser, Ben Bella u.a. ignorierten demgegenüber eher die (islamischen) Traditionen ihrer Länder, indem sie eine sozialistische, nationale eher anti-religiöse Ideologie vertraten. Gleichwohl sehe ich darin keinen Widerspruch zu meiner These. Atatürk widerspräche ihr vielleicht, jedoch gehörte er nie ins kommunistische Lager - richtig, selbst bei ihm gäbe es keinen Widerspruch, immerhin übernahmen mit ihm die Aleviten faktisch die Macht. Die drei angesprochenen Machtmenschen waren vor allem eine Ausgeburt postkolonialer Denkweisen aufgrund des Einflusses Europas auf diese Länder, wie das in weiten Teilen Afrikas zu beobachten war, von Äthiopien bis Nigeria, von Libyen bis Südafrika. Überall dort dauerte es seine Zeit, bis die Völker zu sich selbst fanden. Selbst in Ländern, wo die Kommunisten jahrzehntelang an der Macht waren und massive Eingriffe in Bevölkerung und Land tätigten, wie etwa in Albanien unter Enver Hodscha, war diese Ideologie sehr aufgesetzt, hatte wenig mit Tradition und Identität gemein. Vielmehr paßte sich die Ideologie an die Traditionen an, siehe etwa Kuba, dessen Regime eher nationalistisch ist als sozialistisch. Im Grunde war immer allenfalls eine kleine Elite von Mächtigen infiziert von der Doktrin des Marxismus/ Kommunismus, die Bevölkerung bestenfalls sehr oberflächlich und kurzfristig, wie etwa in Nord-Vietnam. Kommunistisch inspiriertes Handeln der Mächtigen kann man leicht abtun mit Verweisen auf die Marotten aller Mächtigen der Weltgeschichte, der Kaiser, der Präsidenten, der Diktatoren.
Tito könnte man als Gegenargument anführen, immerhin fesselte er die unterschiedlichen Völker Jugoslawiens zu einer Nation, gab den Bosniaken einen eigenen Status.... Ja, nach seinem Tod erledigte sich auch das sehr schnell und die Nation zerfiel. Was die Identität der Bosniaken angeht, förderte er zweifelsohne ihr Selbstbewußtsein - mehr aber auch nicht -; anzunehmen, daß es ohne ihn eine ähnliche Entwicklung gegeben hätte. Erneut: Nationalismus und Machtpolitik, kein Marxismus.
Im islamisch-arabischen Raum führte das Scheitern Nassers mit seiner nationalen, sozialistischen Ideologie und das Aufkommen Khomeneis gekoppelt mit der Ohnmacht der islamischen Welt gegenüber dem Westen, der Gefahr, den Rest ihrer Identität zu verlieren und nicht zuletzt die Rückbesinnung Zahals auf seine Wurzeln (zuerst vor allem als Begründung für ihre Ansprüche) zur Grand Retour der islamischen Welt. Und Afrika findet nach dem Ende des globalen Dualismus zu seinen tribalistischen und animistischen Wurzeln zurück.
Insgesamt war also dieses kommunistische „Gespenst“ nicht viel mehr als ein Gespenst, welches bei Tageslicht verschwindet.
| Zitat: |
| Die theoretischen Sätze der Kommunisten beruhen keineswegs auf Ideen, auf Prinzipien, die von diesem oder jenem Weltverbesserer erfunden oder entdeckt sind. Sie sind nur allgemeine Ausdrücke tatsächlicher Verhältnisse eines existierenden Klassenkampfes, einer unter unsern Augen vor sich gehenden geschichtlichen Bewegung. |
Mir fehlen die Beweise und die Geschichte spricht gegen diese These. Gleichwohl ist das der Kern des Kommunismus, seine Schein-Legitimation. Ausgehend primär von Hegel über brachial zurechtgestutzte und verbogene Beispiele und Argumente kommt Marx auf einem für einen denkenden Menschen nicht nachvollziehbaren Weg zu solch letzten Wahrheiten. Insgesamt können allenfalls weltfremde Intellektuelle und Proles an diese Märchen glauben, denkende Menschen nie.
Abschließend bleibt nur noch zu sagen, daß man bei Orwell beide Facetten der Verwirklichung des Kommunismus jenseits der von der Realität gezeigten Varianten betrachten kann - bei „Animal Farm“ die inkonsequentere Variante und bei „1984“ die konsequente Variante.
Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.