Gibt es ein Allmachtsparadoxon?

Pippen
Kann ein allmächtiger Gott etwas schaffen, dass ihm überlegen ist?

Das ist die Ausgangsfrage, deren Antwortversuche in einer paradoxe Situation münden: dieser Gott wäre scheinbar nie allmächtig. Ist er in der Lage o.g. "Etwas" zu kreieren, wäre er nicht mehr allmächtig, schafft er es nicht ebensowenig. Ich möchte zur Diskussion stellen, ob das Allmachtsparadoxon in Wahrheit ein Scheinparadoxon ist. Darauf gekommen bin ich durch einen Videoartikel bei youtube....

Folgendes:

Die Ausgangsfrage für das Paradoxon lautet: Kann ein allmächtiger Gott etwas schaffen, dass ihm überlegen ist? Merkt ihr was? In und durch die Frage wird bereits der allmächtige Gott dem Grunde nach anerkannt, um ihn anschließend dem Test in der Frage zu unterziehen. Das klappt aber nicht. Allmacht ist die Fähigkeit alles tun zu können. Indem ich den Begriff in einer Fragestellung bereits anerkenne, macht weiteres Fragen dazu keinen Sinn - und zwar keinen logischen Sinn.

Das wäre so als ob ich fragte: Kann ein Schimmel auch genuin schwarz werden? Diese Frage macht keinen Sinn, weil durch "Schimmel" bereits zwingend vorgegeben ist, dass es sich um ein weißes Pferd handelt. Alles weitere steht dazu im Widerspruch und macht die Frage damit unlogisch. Frage ich danach, ob ein allmächtiger Gott dies und das kann, ist somit bereits die Frage unlogisch, weil widersprüchlich. Eine solche Frage kann natürlich keine sinnvollen oder wahren Antworten liefern.

Fazit: Man kann Allmacht nicht widerlegen. Das bekannte Allmachtsparadoxon ist unter Geltung der hier vorgenommenen Allmachtsdefinition ein Scheinparadoxon. Nicht der Allmachtsbegriff ist widersprühlich und unlogisch, sondern sein Widerlegungsversuch. Der hier verwendete Allmachtsbegriff scheint daher immun gegen jeden Kritikversuch.

Was meint ihr, ist das Allmächtigkeitsparadoxon damit ad acta gelegt?

p.s Nr. 1: Man beachte, dass ich hier Allmacht als Omnipotenz im perfektesten Sinne definiere. Definiert man Allmacht schwächer, ändert sich alles. Das soll hier der Einfachheit außen vor bleiben, wenn möglich.

p.s. Nr. 2: Man könnte fragen, wieso sich dann ein solches Paradoxon so lange halten konnte bzw. überhaupt entwickelt wurde. M.E. liegt es daran, dass der Gott der Christen, auf den das Paradoxon ursprünglich gemünzt wurde, nicht allmächtig im hier verstandenen Sinne definiert wurde, sondern zB an die Gesetze der Logik gebunden war (schwache Allmachtsdefinition). DADURCH macht das Paradoxon wieder Sinn....
Phönix
Vll liegt es daran, dass ich naiv bin, dass es für mich dennoch einen Sinn macht:

Der erste Teil sagt ja aus, dass Gott allmächtig ist.
Der zweite Teil widerlegt das, weil er Gott schon allmächtig ist und daher diesen Superlativ nicht weiter steigern kann.

Für mich kein Scheinparadox:

Das zeigt doch nur, dass es etwas allmächtiges gar nicht geben kann, oder?
Allmächtig ist ein Superlativ, in unserer Sprache nicht mehr zu steigern, daher ist etwas was "allmächtiger" ist, nicht existent.

Wenn man ihm ersten Teil zugesteht allmächtig zu sein und ihm zweiten Teil danach fragt, ob er denn tatsächlich allmächtig ist, dann sieht das für mich nicht nach einem Widerspruch aus.


Man kann sich ja vorstellen, dass Gott vor einem sitzt und ihn sagt, dass er beweisen, soll dass er allmächtig ist. Gott erschafft dann lauter Dinge aus dem Nichts heraus. Dann sagt man: "Gott, erschaffe was mächtigeres als dich."
Gott sagt dann: "Ich bin schon allmächtig, wie soll ich mich selbst steigern?"
Also kann Gott etwas nicht machen. Demnach wäre er nicht allmächtig. Also ist der Begriff "allmächtig" falsch, denn er setzt voraus alles zu können, was aber nicht geht.

Also kann Gott nicht allmächtig sein, da das voraussetzt, dass er ist gleichzeitig nicht ist.

Für mich ergibt das einen Sinn. Oo

Ich bin teilweise verwirrt. ??! ??! ??! Durchaus gut möglich, dass ich daneben liege, aber spart nicht an Kritik...
Pippen
Zitat:
Original von Phönix
Wenn man ihm ersten Teil zugesteht allmächtig zu sein und ihm zweiten Teil danach fragt, ob er denn tatsächlich allmächtig ist, dann sieht das für mich nicht nach einem Widerspruch aus.


Für mich umso mehr smile . Die Frage lautet ja praktisch: Kann ein x auch ein nicht-x sein? Das ist - in Frageform - die widersprüchliche Aussage: x und non-x. Damit verläßt man den Bereich der Logik und kann damit logisch nichts aufzeigen.

Zitat:
Man kann sich ja vorstellen, dass Gott vor einem sitzt und ihn sagt, dass er beweisen, soll dass er allmächtig ist. Gott erschafft dann lauter Dinge aus dem Nichts heraus. Dann sagt man: "Gott, erschaffe was mächtigeres als dich."


Das ist etwas anderes. Hier bezweifelt man von Vornherein, dass Gott allmächtig ist. Man fragt hier gewissermaßen korrekt: Kann ein Gott dies und das erschaffen? Und daraus kann man dann schließen, dass er nicht allmächtig ist (und das ginge in der Tat nicht). Damit widerlegt man aber nicht den Begriff der Allmacht, sondern nur die scheinbare Tatsache, dass dieser Gott x allmächtig sein kann. Die Pointe des Allmachtsparadoxons soll ja aber gerade sein, den gesamten Begriff der Allmacht zu "diskreditieren" *g*.
Phönix
Zitat:
Für mich umso mehr smile . Die Frage lautet ja praktisch: Kann ein x auch ein nicht-x sein? Das ist - in Frageform - die widersprüchliche Aussage: x und non-x. Damit verläßt man den Bereich der Logik und kann damit logisch nichts aufzeigen.


Ist es nicht die Aufgabe eines Paradoxons einen Widerspruch in sich aufzuzeigen?
Also ist Allmacht unmöglich, da sie ja auf der Tatsache beruht ein Superlativ zu sein, aber der Begriff drückt gleichzeitig aus, dass es keine Superlative gibt, also gibt es auch keine Allmacht.

Ich hoffe ich habe es verstanden?

Zitat:
Die Pointe des Allmachtsparadoxons soll ja aber gerade sein, den gesamten Begriff der Allmacht zu "diskreditieren" *g*.


Tut er ja gerade. Und zeigt uns damit, dass wir Atheisten sein sollten geschockt
Pippen
Zitat:
Original von Phönix

Ist es nicht die Aufgabe eines Paradoxons einen Widerspruch in sich aufzuzeigen?


Ja, aber meiner Meinung nach nicht schon in der Fragestellung. Wenn die schon widersprüchlich ist, dann heißt das, dass man das betreffende Problem logisch ja auch nicht (wie auch immer) beantworten kann. Und damit verlöre die Antwort jede Beweiskraft....
Phantom
Zitat:
Original von Pippen
Kann ein x auch ein nicht-x sein? Das ist - in Frageform - die widersprüchliche Aussage: x und non-x. Damit verläßt man den Bereich der Logik und kann damit logisch nichts aufzeigen.


Ist die Aussage "x Logik-UND ¬x" nicht schlicht falsch (da ihre Wahrheit einen Widerspruch bedeuten würde, ihre Falschheit hingegen nicht) und die Frage danach völlig legitim (und mit "Nein" zu beantworten)?

Um im Beispiel zu bleiben:
"Kann ein Schimmel (d.h. ein weißes Pferd) auch genuin schwarz sein?"
- Antwort: "Nein."

Mit dem Schimmeldasein verhält es sich jedoch anders als mit der Allmächtigkeit in deinem Sinne:

Sowohl WENN Gott seine Allmacht aufgeben könnte als auch wenn er es NICHT könnte, würde das "Gott ist (im Pippen'schen Sinne) allmächtig" widersprechen... (umgehen ließen sich diese Widersprüchlichkeiten wenn man "Gott ist (im Pippen'schen Sinne) allmächtig" als falsch ansähe)
Aurom
wer allmächtig ist, kann es sich erlauben, schwach zu sein... roll
Pippen
Zitat:
Original von Phantom

Ist die Aussage "x Logik-UND ¬x" nicht schlicht falsch (da ihre Wahrheit einen Widerspruch bedeuten würde, ihre Falschheit hingegen nicht) und die Frage danach völlig legitim (und mit "Nein" zu beantworten)?


Gute Frage. Ich verstehe da ohnehin etwas Grundsätzliches nicht. Wann liegt eine widersprüchliche Aussage vor, aus der alles/nichts folgt (ex-falso-Satz) und wann kann man vom Widerspruch umgekehrt die Wahrheit schließen? Logiker vor! Sobald eine Aussage widersprüchlich ist, ist für mich Schluß, d.h. wie soll man von einer inkonsistenten Aussage auf die Wahrheit des Gegenteils schließen können? Nur weil die gegenteilige Aussage nicht inkonsistent ist, soll sie auch sicher wahr sein?

Zitat:

Um im Beispiel zu bleiben:
"Kann ein Schimmel (d.h. ein weißes Pferd) auch genuin schwarz sein?"
- Antwort: "Nein."

Mit dem Schimmeldasein verhält es sich jedoch anders als mit der Allmächtigkeit in deinem Sinne:

Sowohl WENN Gott seine Allmacht aufgeben könnte als auch wenn er es NICHT könnte, würde das "Gott ist (im Pippen'schen Sinne) allmächtig" widersprechen...


Deine Überlegung verstehe ich nicht so ganz. Könnte denn der Schimmel seine Weißheit aufgeben oder nicht? Der Schimmel ist weiß und der allmächtige Gott kann alles...da verstehe ich nicht wie man auf die Idee kommt zu fragen: Und was wenn doch nicht?

Vielleiht noch eine andere Analogie:

Kann eine Chance auch so beschaffen sein, dass sie feststeht? Die Frage ist mE bogus, weil sie widersprüchlich gestellt ist: entweder man definiert "Chance" als Möglichkeit...dann kann die Frage nur nein sein. Oder man definiert Chance anders...dann mag das klappen.

Hier mal das Video von youtube:

Ich hoffe der Link klappt: http://www.youtube.com/watch?v=gd-wJlb4Gv8 (gutes Englisch notwendig)
Pippen
Man könnte meine Position zum Paradoxon (Kann x einen Stein schaffen, den es nicht mehr heben kann oder kann x etwas shaffen, dass mächtiger ist) so fassen:

1. Die Frage ist widersprüchlich, sinnlos und daher nicht zu beantworten, weil ein x, das alles tun kann per definitionem unlimitiert ist, so dass jede darauffolgende Beschränkung (Stein den x nicht heben kann) nonsense ist.

hilfsweise

2. Ja, x kann den Stein schaffen und bleibt trotzdem allmächtig, denn x kann eben alles.
-Soso-
@Pippen

Hi.

Zitat:

Wann liegt eine widersprüchliche Aussage vor, aus der alles/nichts folgt (ex-falso-Satz)


Die EFQ-Regel (ex falso quodlibet – aus Falschem folgt Beliebiges) gilt in allen klassischen formalen Sprachen sowie in ziemlich vielen nichtklassischen. Wirklich verzwickt ist die EFQ-Regel allerdings deshalb, weil man sie schon mit wenigen, sehr einleuchtenden Schlussregeln herleiten kann. Eine formale Sprache, in der die EFQ-Regel nicht gelten soll, muss dessen Herleitung blocken und daher auf wenigstens eine dieser sehr einleuchtenden Schlussregeln verzichten, was der Intuition i.d.R. zuwider läuft (unter diesen sehr einleuchtenden Schlussregeln ist etwa diejenige, dass man aus einem Satz der Form „A-und-B“ auf die Sätze „A“ sowie „B“ schließen darf oder dass aus „A-oder-B“ und „nicht-B“ auf „A“ geschlossen werden darf).

Dass aus Widerspruch Beliebiges folgt, kann man auch semantisch rechtfertigen. So gilt, dass ein Schluss genau dann gültig ist, wenn es keinen strukturgleichen Schluss mit wahren Prämissen und falscher Konklusion gibt (zur Strukturgleichheit nur ein Beispiel: sei ein Schluss mit den Prämissen „p-oder-q“ sowie „nicht-q“ und der Konklusion „p“ gegeben; ersetzt man in diesem Schluss alle „p“ durch je denselben sowie alle „q“ durch je denselben Satz, erhält man stets Schlüsse, die untereinander strukturgleich sind, etwa die Schlüsse von „es regnet oder es schneit“ und „es schneit nicht“ auf „es regnet“ und von „alle Hunde haben Fell oder alle Katzen stinken“ und „nicht alle Katzen stinken“ auf „alle Hunde haben Fell“). Hat man nun widersprüchliche Prämissen, so gilt, dass es keinen strukturgleichen Schluss mit wahren Prämissen und falscher Konklusion geben kann – einfach weil die Prämissen trivialerweise niemals alle zusammen wahr sein können – und damit ist der Schluss gültig.

Zitat:

wann kann man vom Widerspruch umgekehrt die Wahrheit schließen?


Dahinter verbirgt sich der sog. indirekte Beweis. Für einen indirekten Beweis nimmt man die Negation des Satzes an, den man beweisen möchte. Dann zeigt man, dass diese Annahme zu einem Widerspruch führt und kann daher zuletzt auf die Negation der Annahme schließen. Den Schritt vom Widerspruch zur Negation der Annahme kann man z.B. mit EFQ rechtfertigen. Wollte man „nicht: A-und-nicht-A“ (Nichtwiderspruchssatz) indirekt beweisen, könnte man z.B. „A-und-nicht-A“ annehmen. Daraus lässt sich ein Widerspruch herleiten und aus diesem mit EFQ dann „nicht: A-und-nicht-A“. Generell gilt, dass die Negation eines logisch falschen Satzes immer ein logisch wahrer Satz ist (und vice versa).
Pippen
Danke, Soso, das war erhellend.

Jetzt mal als Übung für mich und andere folgende Aussage:

Ein allmächtiger Gott (=der kraft formaler Definition alles tun kann) schafft etwas, dass mächtiger ist als er.

1. Die o.g. Aussage ist widersprüchlich.
2. Indirekter Beweis aus dem Widerspruch: Da o.g. Aussage widersprüchlich ist, ist folgende Aussage wahr: Non-"Ein allmächtiger Gott (=der kraft formaler Definition alles tun kann) schafft etwas, dass mächtiger ist als er."
3. Punkt 2 (d.h. der indirekte Beweis) gilt nur bei Anwendung der zweiwertigen Logik (wahr/falsch).

Ist das so richtig oder wo sind die Fehler?

Wäre damit nicht gezeigt, dass das Allmachtsparadoxon eine falsche bzw. unsinnge Frage aufwirft, denn das Paradoxon wirft ja als Frage praktisch die o.g. Aussage auf...deine Ansicht?
-Soso-
Hi.

Wenn man zeigen kann, dass der Satz „Ein allmächtiger Gott (=der kraft formaler Definition alles tun kann) schafft etwas, dass mächtiger ist als er.“ widersprüchlich ist, kann man darauf schließen, dass „es ist nicht der Fall, dass ein allmächtiger Gott etwas schafft, das mächtiger ist als er“ wahr ist.

Ob in einer formalen Sprache indirekte Beweise möglich sind, hängt nicht an ihrer Wertigkeit (der Anzahl ihrer Wahrheitswerte), sondern daran, ob in ihr der Satz vom ausgeschlossenen Dritten (SaD) gilt. Der SaD besagt, dass etwas entweder der Fall oder nicht der Fall ist, sprich „entweder A oder nicht-A“. Kann man beweisen, dass eines der beiden Disjunkte (also „A“ oder „nicht-A“) widersprüchlich ist, muss daher zwangsläufig das andere Disjunkt der Fall sein.

Zitat:

Wäre damit nicht gezeigt, dass das Allmachtsparadoxon eine falsche bzw. unsinnge Frage aufwirft, denn das Paradoxon wirft ja als Frage praktisch die o.g. Aussage auf...deine Ansicht?


Ich weiß nicht, ob ich die Frage recht verstehe. Fragst du, ob die Frage „Kann ein allmächtiger Gott etwas schaffen, dass ihm überlegen ist?“ unsinnig ist, wenn der Satz „Ein allmächtiger Gott (=der kraft formaler Definition alles tun kann) schafft etwas, dass mächtiger ist als er.“ widersprüchlich ist? Wenn das deine Frage sein sollte: nein, die Frage wird nicht unsinnig; die Antwort auf die Frage ist ganz einfach „nein“. Ebenso ist die Antwort auf die Frage „kann es zugleich und am selben Ort regnen und nicht regnen?“ einfach „nein“, weil der Satz „es regnet und regnet nicht zugleich am selben Ort“ widersprüchlich ist.
mark
Zitat:
Original von -Soso-
Ob in einer formalen Sprache indirekte Beweise möglich sind, hängt nicht an ihrer Wertigkeit (der Anzahl ihrer Wahrheitswerte), sondern daran, ob in ihr der Satz vom ausgeschlossenen Dritten (SaD) gilt.

wo ist denn da der unterschied?
Phönix
Zitat:
ch weiß nicht, ob ich die Frage recht verstehe. Fragst du, ob die Frage „Kann ein allmächtiger Gott etwas schaffen, dass ihm überlegen ist?“ unsinnig ist, wenn der Satz „Ein allmächtiger Gott (=der kraft formaler Definition alles tun kann) schafft etwas, dass mächtiger ist als er.“ widersprüchlich ist? Wenn das deine Frage sein sollte: nein, die Frage wird nicht unsinnig; die Antwort auf die Frage ist ganz einfach „nein“. Ebenso ist die Antwort auf die Frage „kann es zugleich und am selben Ort regnen und nicht regnen?“ einfach „nein“, weil der Satz „es regnet und regnet nicht zugleich am selben Ort“ widersprüchlich ist.


*zustimm*

Anders ausgedrückt, wie es oben schon steht zum begriff der Allmacht:

Allmächtig ist ein Superlativ (nicht mehr zu steigern), beruht aber darauf, dass es keine Superlative gibt (alles ist möglich).
Demnach ist der Begriff allmächtig falsch, da er sich selbst widerspricht.

Das Allmachtsparadox zeigt uns dies in Form einer Frage.
-Soso-
@mark

Hi.

Eine formale Sprache L besteht im Regelfall aus zwei Komponenten: dem Kalkül sowie der Semantik. Der Kalkül ist dabei eine Menge von Regeln (und ggf. Axiomen), mit denen sich irgendwelche Zeichenfolgen – Theoreme – bilden lassen. Der Kalkül sagt aber nichts darüber aus, was es mit diesen Zeichenfolgen auf sich hat. Dass diese Zeichenfolgen tatsächlich Sätze sind und etwa wahr oder falsch sein können, das sagt die Semantik. Sie gibt an, wie die Zeichenfolgen zu interpretieren sind.

Dass in einer formalen Sprache L der SaD gilt, bedeutet, dass im Kalkül eine bestimmte Zeichenfolge als Theorem auftritt, nämlich „A v ~A“ (wobei „A“ für eine atomare Formel steht, in Prädikatenlogiken steht ggf. noch ein Allquantor davor). Dass in einer formalen Sprache L der SaD gilt, sagt damit etwas über den Kalkül von L aus.

Dass in einer formalen Sprache L das Zweiwertigkeitsprinzip gilt, bedeutet, dass die Zeichenfolgen auf eine ganz bestimmte Weise zu interpretieren sind, nämlich so, dass jede Zeichenfolge entweder wahr oder falsch ist und nur entweder wahr oder falsch. Dass in einer formalen Sprache L das Zweiwertigkeitsprinzip gilt, sagt damit etwas über die Semantik von L aus.

In der Tat scheinen SaD und Zweiwertigkeitsprinzip verwandt zu sein, aber wenn das Eine gilt, folgt nicht automatisch das Andere. So gibt es z.B. dreiwertige formale Sprachen, in denen der SaD gilt.
Geo
Zitat:
Demnach ist der Begriff allmächtig falsch, da er sich selbst widerspricht.


Wieso ist der Begriff Allmächtig falsch? Er wiederspricht sich genauso wenig, wie der Begriff "schwarzer Schimmel". Worin ist ein Wiederspruch zu sehen, wenn ein allmächtiges Wesen etwas schafft, das mächtiger ist, als es selbst, um dann doch wieder mächtiger zu sein, indem das Mächtigere getoppt wird, u.s.w.? Ich sehe absolut kein Paradoxon im Begriff Allmacht. Auch wenn sich 2 allmächtige Wesen messen würden, müßte man nach keinem Paradoxon fragen. Es gibt keins. Der Mensch versucht nur immer, bei solchen Dingen mitreden zu können. Das kann er aber nicht, denn er ist nicht Allmächtig. Und so kommt für den Menschen ein Paradoxon heraus, das aber nur seinem Verständnis nach eines ist. Bei allmächtigen Wesen gibt es keine Wiedersprüche, denn sie wären in der Lage sie aufzuheben. Und zwar alle. So ist die Antwort darauf, ob es ein Allmachtsparadoxon gibt, nein. Begründung: Auch auf die Frage, ob ein unmächtiges Wesen in der Lage wäre nichts zu vollbringen, muß man mit ja antworten. Klingt zwar verrückt, denn man müsste ja fragen, wieso ein unmächtiges Wesen überhaupt existiert, wo es doch keine Macht dazu hätte, aber es ist so, da Allmacht auch Unmacht mit einschließt. Die Auswirkungen dieser Annahmen sind für mich als Mensch nur nicht nachvollziehbar, da ich weder allmächtig noch unmächtig bin. So wäre bei Allmacht ein schwarzer Schimmel durchaus vorstellbar. Es ist eben ein Schimmel, der schwarz ist. Man stelle sich vor, das allmächtige Wesen bestimmte, nicht zu existieren und dann tut es das aber doch und auch aber wieder nicht, weil es allmächtig ist. Oh Wunder...
Phantom
Zitat:
Wieso ist der Begriff Allmächtig falsch? Er wiederspricht sich genauso wenig, wie der Begriff "schwarzer Schimmel".

Was heißt denn hier genausoWENIG?
In meinen Ohren ist die Aussage vom schwarzen Schimmel ein vollkommener Widerpsruch und (da dies für ihre Verneinung nicht gilt) falsch...
Pippen
Zitat:
Original von -Soso-

Ich weiß nicht, ob ich die Frage recht verstehe. Fragst du, ob die Frage „Kann ein allmächtiger Gott etwas schaffen, dass ihm überlegen ist?“ unsinnig ist, wenn der Satz „Ein allmächtiger Gott (=der kraft formaler Definition alles tun kann) schafft etwas, dass mächtiger ist als er.“ widersprüchlich ist? Wenn das deine Frage sein sollte: nein, die Frage wird nicht unsinnig; die Antwort auf die Frage ist ganz einfach „nein“.


Ja so habe ich es auch gemeint und ich sehe es genauso wie du, wenn der SaD gilt (wobei ich mich frage: Bei einer Logik mit drei Wahrheitswerten und dem SaD...wie soll man da sicher indirekt schließen können?? das geht doch nur mit w/f oder sonst ZWEI Wahrheitswerten)

Hm...anyway...wenn man nun die These vertritt, dass der SaD selbst eine fragliche log. These ist (und er ist wohl umstrittener als der Satz v. Widerspruch, noch dazu wenn man bedenkt, dass es hier um Gott geht) und daher hier nicht herangezogen werden darf. Wäre dann (also ohne SaD) die Frage widersprüchlich und unsinnig? Hängt also die Sinnhaftigkeit der Allmachtsfrage davon ab, ob der SaD gilt?

Weil (so reime ich mir grade zurecht): Ohne SaD ist o.g. Frage bzw. Aussage ja erstmal weiterhin widersprüchlich. Ein Umkehrschluss scheidet mangels SaD aber nun aus. Also gilt doch dann der ex-falso-Satz und man kann die Frage als nonsense abschmettern, oder?
Phönix
Zitat:
Original von Geo
Zitat:
Demnach ist der Begriff allmächtig falsch, da er sich selbst widerspricht.


Wieso ist der Begriff Allmächtig falsch? Er wiederspricht sich genauso wenig, wie der Begriff "schwarzer Schimmel". Worin ist ein Wiederspruch zu sehen, wenn ein allmächtiges Wesen etwas schafft, das mächtiger ist, als es selbst, um dann doch wieder mächtiger zu sein, indem das Mächtigere getoppt wird, u.s.w.? Ich sehe absolut kein Paradoxon im Begriff Allmacht. Auch wenn sich 2 allmächtige Wesen messen würden, müßte man nach keinem Paradoxon fragen. Es gibt keins. Der Mensch versucht nur immer, bei solchen Dingen mitreden zu können. Das kann er aber nicht, denn er ist nicht Allmächtig. Und so kommt für den Menschen ein Paradoxon heraus, das aber nur seinem Verständnis nach eines ist. Bei allmächtigen Wesen gibt es keine Wiedersprüche, denn sie wären in der Lage sie aufzuheben. Und zwar alle. So ist die Antwort darauf, ob es ein Allmachtsparadoxon gibt, nein. Begründung: Auch auf die Frage, ob ein unmächtiges Wesen in der Lage wäre nichts zu vollbringen, muß man mit ja antworten. Klingt zwar verrückt, denn man müsste ja fragen, wieso ein unmächtiges Wesen überhaupt existiert, wo es doch keine Macht dazu hätte, aber es ist so, da Allmacht auch Unmacht mit einschließt. Die Auswirkungen dieser Annahmen sind für mich als Mensch nur nicht nachvollziehbar, da ich weder allmächtig noch unmächtig bin. So wäre bei Allmacht ein schwarzer Schimmel durchaus vorstellbar. Es ist eben ein Schimmel, der schwarz ist. Man stelle sich vor, das allmächtige Wesen bestimmte, nicht zu existieren und dann tut es das aber doch und auch aber wieder nicht, weil es allmächtig ist. Oh Wunder...


Hää? Ich glaube du verstehst die Urpsrungsfrage nicht ganz:

"Wenn Gott allmächtig ist, kann er dann etwas schaffen, was allmächtiger ist als er selbst?"

Wenn ichs die sprachlich nochmal greifbar machen darf:
Der Komparativ "allmächtiger" existiert nicht, da "allmächtig" ein Superlativ ist und nicht mehr zu steigern ist. Demnach ist es unmöglich etwas "allmächtigeres" zu erschaffen, weil es das nicht schlichtweg NICHT gibt.
Demnach kann nichts und niemand etwas erschaffen, was mächtiger ist allmacht.
Wenn also nichts und niemand von sich behaupten, dass er etwas "allmächtigeres" erschaffen kann, so ist rein der Kausalität wegen, der Begriff "allmächtig" falsch, da er sagt, dass man alles kann.

Ich hoffe diese Formulierung zeigt dir, dass der Begriff Allmacht schlichtweg nur ein theoretischer Begriff ist.

Zitat:
Die Auswirkungen dieser Annahmen sind für mich als Mensch nur nicht nachvollziehbar, da ich weder allmächtig noch unmächtig bin.


Du nimmst eine Grundhaltung der Empiriker ein. Ohne Wahrnehmung gibt es kein Wissen. Diese Haltung war für mich immer absonderlich da auch die Wahrnehmung falsch sein kann, und ohne die erweiterte Vernunft ist für uns jede Erkenntnis nicht vorhanden.
Pippen
Zitat:
Original von Phönix

Wenn ichs die sprachlich nochmal greifbar machen darf:
Der Komparativ "allmächtiger" existiert nicht, da "allmächtig" ein Superlativ ist und nicht mehr zu steigern ist. Demnach ist es unmöglich etwas "allmächtigeres" zu erschaffen, weil es das nicht schlichtweg NICHT gibt.
Demnach kann nichts und niemand etwas erschaffen, was mächtiger ist allmacht.
Wenn also nichts und niemand von sich behaupten, dass er etwas "allmächtigeres" erschaffen kann, so ist rein der Kausalität wegen, der Begriff "allmächtig" falsch, da er sagt, dass man alles kann.



Gute Erklärung, Phönix.

Meine zwei Gegenargumente wären:

1. Es ist schlicht unstatthaft die Frage nach einem "allmächigeren" Wesen zu stellen, d.h. es wäre ein Dummfangtrick. So ähnlich wie wenn ich festlege, dass x=5 und jmd. fragt, ob x auch 6 sein kann. Wenn etwas "allmächtig" ist, dann hört dort per definitionem alles weitere Fragen auf, sonst wird es sinnlos.

2. Da wir Menschen nur mit unserem Verstand und dessen Logiken operieren können, können wir nur zeigen, dass ein allmächtiges Wesen logisch ausgeschlossen ist (selbst das ginge genaugenommen nicht, weil ein allmächtiges Wesen uns jederzeit über und mit unserem Verstand täuschen könnte, aber ok, da wirds sehr "pippig"). Wir können aber nicht zeigen, dass es tatsächlich ausgeschlossen ist. Nur weil etwas irrational oder unlogisch ist, muss es nicht nicht existieren....

Die einzige Möglichkeit wäre, dass man zeigt, dass ein allmächtiger Gott nach 1. allen Logiken und 2. auch sprachlich nonsense ist...dann wäre quasi "Schweigen" angesagt...das ist aber nicht der Fall. Achtung: "A ist in Berlin und nicht in Berlin" mag unlogisch sein, ist aber nicht sprachlicher nonsense, denn - so hoffe ich - jeder versteht, was der Satz aussagen will und wenns einen Zauberer gäbe, der die Aussage im Satz umsetzt, dann wäre der Satz auch wahr, trotz Unlogik. Genauso wäre es bei der Allmacht.