Inspiration der einen Philosophen durch die Anderen

Joker
Hallo zusammen,

Da die Philosophie schon so lange aktiv ist, gibt es tausende Philosophen und noch mehr Theorien, die diese Philosophen erschaffen haben. So ist es kein Wunder, haben gewisse Philosophen Theorien der Anderen übernommen, oder sogar verehrt. Doch ist dies nötig, oder nur hinderlich, um eine neue Philosophie zu schaffen? Wenn nicht, inwiefern könnte man inspieriert sein von des Anderen Werkes und trotzdem etwas völlig Neues zu konstruieren?

Beispielsweise war Nietzsche inspieriert von Schoppenhauers Philosophie und hat viele seiner Ansichten geteilt oder übernommen. Spät in seinem Leben, beschloss er sich aber Schoppenhauers Pessimismus zu überwinden und trennte sich von seiner Philosophie. Wie ist seit diesem Zeitpunkt Nietzsches Philosophie geworden? Besser, oder schlechter?

Ist Inspiration nur die Erneuerung eines Werkes? Wie schafft man eine völlig neue Philosophie? Bin gespannt auf eure Meinungen. smile

Gruss Joker
Rebecca
Zitat:
Ist Inspiration nur die Erneuerung eines Werkes? Wie schafft man eine völlig neue Philosophie? Bin gespannt auf eure Meinungen. smile


Es gibt wohl nichts, was nicht schon gedacht worden wäre. Nur der Zusammenschluss von Gedankengängen ist unterschiedlich gewesen. Das jegliche Fazit, was aus dem "Urgedanken" entstand.

Inspirieren lässt man sich immer VON etwas. Aufbauend auf den Erfahrungen anderer lässt sich die eigene Richtung ändern. So kommt am Ende etwas anderes raus, das jedoch gewisse "Plagiate" erkennen lässt. Und "unumstößlich" ist im Bereich der Philosophie niemals etwas.

Ich meine, man kann nicht fragen, ob eine Philosophie gut oder schlecht ist, oder besser geworden, wenn du z.B. eine "Abnabelung"
Nietzsches von Schopenhauer erkennst. Dies wird immer ein subjektives Empfinden sein, was dem einen entgegenkommt, stößt den anderen ab.

Freundliche Grüße
Rebecca winken
Phönix
Wir müssen uns von einem Gedanken befreien, nämlich, dass Inspiration was passives ist.
Wäre das so, dann würde jeder in einem Werk von Schopenhauer das gleiche sehen.
Inspiration ist immer eine aktive Handlung. Man "sieht" etwas und produziert daraus sein eigenes Werk.
Man muss sich eigentlich auch davon verabschieden was Rebecca sagte "von" etwas inspirieren lassen, ist eig falsch. Man muss eig interpretieren verwenden. So hat sich Nietzsche nicht von Schopenhauer inspirieren lassen, sondern hat sein Werk interpretiert.


Wie man von etwas inspiriert sein kann und dabei etwas völlig neues schaffen ist eigentlich unmöglich.
So glaube ich nicht, dass auch nur ein Philosoph ohne Ispiration weit gekommen wäre.
Etwas völlig neues schaffen ist heutzutage sowieso kaum möglich. So hab ich auch feststellen müssen, dass jede Theorie von mir schon vor vielen Jahren bekannt war...

Ob das abgucken hindert oder fördert? Kommt immer darauf an. So hat Platon Sokrates' Gedanken eher weiter gedacht und Aristoteles hat seine eigenen gemacht. Beide aber kannten Sokrates' Schriften sehr gut. Beide haben praktisch seine Schriften anders weiter benutzt.
Rebecca
Zitat:
Man muss sich eigentlich auch davon verabschieden was Rebecca sagte "von" etwas inspirieren lassen, ist eig falsch. Man muss eig interpretieren verwenden. So hat sich Nietzsche nicht von Schopenhauer inspirieren lassen, sondern hat sein Werk interpretiert.


Ach, Phönix, du willst mich doch jetzt nicht allen Ernstes in der Begriffsbestimmung oder Dialektik widerlegen? großes Grinsen

Aber immer wirklich schön, wie du so alles weißt! Was man denn so "muss"! roll

"Warum" interpretiert man denn etwas? Weil es einen aktiv "bewegt". So "interessenhalber". Zum Denken/Interpretation auffordert/inspiriert.

Zitat:
So glaube ich nicht, dass auch nur ein Philosoph ohne Ispiration weit gekommen wäre.


Nanu, was für Töne? Ich denke, man muss "eig interpretieren" verwenden? roll


Freundliche Grüße
Rebecca winken
Phönix
Zitat:
Ach, Phönix, du willst mich doch jetzt nicht allen Ernstes in der Begriffsbestimmung oder Dialektik widerlegen? großes Grinsen

Aber immer wirklich schön, wie du so alles weißt! Was man denn so "muss"! roll

"Warum" interpretiert man denn etwas? Weil es einen aktiv "bewegt". So "interessenhalber". Zum Denken/Interpretation auffordert/inspiriert.


Das "muss" hab ich durch das "eigentlich" ja schon relativitiert.Zwinker


Also, da ja ein Werk verschieden interpretiert werden kann, so kommt es eigentlich immer auf den an, der intrepretiert.
Schopenhauers Werke haben bei Goethe nicht zu den gleichen Denkanstößen geführt, wie bei Nietzsche.
Das widerspricht, aber deiner Theorie, dass es die Werke sind, die ausschalggebend sind. So müssten alle die gleiche Meinung vertreten.
Das ist aber natürlich nicht so, darum muss man davon ausgehen, dass derjenige der interpretiert den Unterschied macht.

In einer Formel:
a= Werk und b= Nietzsche und c= Goethe Z/Y= Ergebnis (beide bei N. und G. bekannterweise verschieden)

a+b= Z ; a+c= Y

Der 1.Summand (das Werk) hat sich nicht verändert, nur der 2. Summand. Und dadurch auch das Ergebnis. Logischer Schluss wäre, dass der 2.Summand ebenfalls Einfluss auf das Ergebnis hat und, wenn es derselbe 1.Summand ist, dann ist der 2.Summand entscheidend.

Für mich absolut rationalsmile
nachdenklich
Zitat:
Original von Joker
So ist es kein Wunder, haben gewisse Philosophen Theorien der Anderen übernommen, oder sogar verehrt. Doch ist dies nötig, oder nur hinderlich, um eine neue Philosophie zu schaffen? Wenn nicht, inwiefern könnte man inspiriert sein von des Anderen Werkes und trotzdem etwas völlig Neues konstruieren?


Die wirklich großen Philosophen wurden Philosophen durch's Leben, nicht durch's Lesen. Es geht nicht darum, "eine neue Philosophie zu schaffen" oder gar zu "konstruieren", sondern darum, die eigenen (äußeren und inneren) Erfahrungen zu verarbeiten.

Zitat:
Beispielsweise war Nietzsche inspiriert von Schopenhauers Philosophie und hat viele seiner Ansichten geteilt oder übernommen. Spät in seinem Leben beschloss er aber Schopenhauers Pessimismus zu überwinden und trennte sich von seiner Philosophie. Wie ist seit diesem Zeitpunkt Nietzsches Philosophie geworden? Besser, oder schlechter?


Nietzsche hat Schopenhauer verehrt, aber er ist nicht in seinem Fahrwasser geschwommen, genausowenig wie Schopenhauer im Fahrwasser der Upanishaden, Platons und Kants geschwommen ist, die er für die Lektüre seines philosophischen Hauptwerks voraussetzte.

Grade bei den Leuten, die sich fast ständig auf Vorgänger oder Zeitgenossen beziehen (z.B. Gadamer), kann man wenig "mitnehmen". Das ist das Große bei Aristoteles: Er sagte, was die andern gemacht haben, und dann brachte er seine eigene Philosophie. Er kam nicht auf die Idee zu sagen: "Mit Heraklit möchte ich meinen" ... Sein Denken hat trotz Kenntnis der Vorgänger stets etwas ganz Ursprüngliches.

Zitat:
Ist Inspiration nur die Erneuerung eines Werkes?


Inspiration ist eine innere Erfahrung. Sie kann sehr verschieden aussehen: Man kann beim Lesen eines Philosophen zum Verstehen inspiriert werden, und man kann zum Abfassen eines eigenen Texts inspiriert werden.

Zitat:
Wie schafft man eine völlig neue Philosophie?


Willst Du selber eine schaffen? Wenn ja, warum?
Joker
Hallo nachdenklich,

Zitat:
Die wirklich großen Philosophen wurden Philosophen durch's Leben, nicht durch's Lesen. Es geht nicht darum, "eine neue Philosophie zu schaffen" oder gar zu "konstruieren", sondern darum, die eigenen (äußeren und inneren) Erfahrungen zu verarbeiten.


Und doch: Was tut man im Philosophiestudium? Man liest. Was setzt Schopenhauer voraus? Dass man gelesen hat. Also ist es wirklich das Leben oder eben doch das Lesen, das diese Leute in Wahrheit einen grossen Philosophen haben werden lassen?
Man setzt voraus, dass man durch die Schriften von Vorgänger mitlernt. Wenn das wahr wäre, was du sagst (ich will dir nicht zu nahe treten), dann wäre ich glücklich, weil ich meine Eindrücke des Lebens ja einfach niederschreiben könnte, die m.E. interessant und lehrreich genug wären, um von anderen gelesen zu werden. Aber wieso kann ich das nicht tun? Es ist, weil die Gesellschaft und die Intellektuellen von einem verlangen, dass man sich mit den grossen Philosophen und deren Schriften befasst hat. Eigene Lebenserfahrung reicht leider schon lange nicht mehr, auch wenn ich das gerne so hätte. Wäre es so, dann könnte ich vielleicht der neue Schriftsteller des Jahrtausends werden Zwinker

Spass beiseite.

Zitat:
Er sagte, was die andern gemacht haben, und dann brachte er seine eigene Philosophie. Er kam nicht auf die Idee zu sagen: "Mit Heraklit möchte ich meinen" ... Sein Denken hat trotz Kenntnis der Vorgänger stets etwas ganz Ursprüngliches.


Ja, ich denke so kann man Erfolg haben, als Philosoph. Doch es ist natürlich schwer, wenn man feststellt, dass man alles fundamental aufbauen muss, und nichts übersehen darf, was schon gesagt wurde. Ansonsten wird man von den 'Gebildeten' verspottet fröhlich

Zitat:
Willst Du selber eine schaffen? Wenn ja, warum?


Nun, ich bin viel zu jung, als dass irgendwelche Leute überhaupt interessieren würde, was ich zu sagen habe. Und doch: Ich würde gerne anderen Menschen viel erzählen, wenn ich könnte. Doch heutzutage findet man keine Zuhörer. Was ich wollte, wäre meine Philosophie als Option darzubieten, damit sie die Leute sehen, die sie auch annehmen würden. Doch wie gesagt: Ohne Ausbildung, Erfahrung, Kenntnis der Werke grosser Philosophen, anerkannter Titel, kommt man nicht sehr weit.

Gruss Joker
Reinhard
Zitat:
Was ich wollte, wäre meine Philosophie als Option darzubieten, damit sie die Leute sehen, die sie auch annehmen würden.


Hallo Joker, mein Credo der Philosophie ist Offenheit. Nicht um anderen zu zeigen, was richtig ist, sondern feststellen zu können, was falsch ist an einer Aussage, egal von wem sie nun gemacht wurde. Man kennt ja das Wort, hätte er geschwiegen, wäre er Philososoph geblieben. An dem Mitteilungswillen scheiden sich die Geister. Immerhin geht es in der Philosophie und das verrät schon der Name, um Weisheit und nicht um Wissen, höchstens darum, wie man zu bestimmtem Wissen steht. Natürlich ist ein guter Überblick über die Denkansätze verschiedener Denkrichtungen eine wichtige Vorrausetzung, um zu eigenen Einstellungen zu gelangen, aber ohne diese macht das Philosophieren keinen Sinn. Man sollte schon von seinem Denken überzeugt sein und nicht nur den Geist der Autoritäten pflegen.

Schreiben die Philosophen für ein Publikum oder nur für sog. Experten? Bleibt alles nur unter Experten, dann bildet sich sehr schnell ein Zirkel eingeweihter Wissender und das nenne ich dann Esoterik. Jeder Umgang mit Philosophie darf aber immer nur exoterisch sein, sonst verliert sie jeden Wert, weil sie nicht mehr zugänglich ist. Der Drang zur Originalität wird meist nur dadurch befriedigt, dass bewußt eine einzigartige Wortwahl betrieben wird, ich erinnere nur an den hegelschen Jargon, für mich eine einzige Zumutung. Es fängt doch schon mit dem Begriff des Seins an, der durch Substantivierung aus dem " ist " gewonnen wurde. Schon ein Sein gibt es nicht, weil ja schon immer alles so ist, wie es ist. Das Sein wäre dann der allgemeinste Vernunftbegriff, aber eben kein " ist ", er ist nur durch einen Denkvorgang gewonnen und weil er so allgemein ist, wie es allgemeiner nicht mehr geht, ist er eben völlig inhaltsleer. Jede Philosophie, die ein Sein vorausetzt, verbleibt in dieser Leere, weil sie ohne Erfahrungswerte gar keine Aussage treffen kann. Tut sie es trotzdem, ist sie halt falsch.

Deshalb muss die Philosphie ja so offen sein, weil es keine allgemeingültige Erkenntnis geben kann, weil jeder seine eigenen Erfahrungen immer mit einbringt. Auch die Philosphie entwickelt sich irgendwie nur nicht irgendwohin.

Inspiration allein kann es gar nicht geben, ein Interesse ist schon vorausgesetzt und das will sich irgendwie befriedigt wissen. Es ist eben unmöglich, vorurteilsfrei an eine Sache heranzugehen. Für mich gehört eben zur Philosphie die Einsicht, dass mein Interesse nie befriedigt werden kann.

Ob Nietzsche gerade den Pessimismus bei Schopenhauer verworfen hat, scheint mir nicht die richtige Betrachtung zu sein, denn soweit ich mich erinnern kann, hat er sich mal sinngemäß geäußert, dass er ihm ein schöner Pessimist sei, der jeden Abend die Flöte spielt. Ich vermute viel eher, dass die Nähe der schopenhauerschen Spiritualität zu den Wurzeln des Christentums und der Upanischaden, für ihn Anlass waren, den schopenhaurschen Pessimismus konsequent fortzuführen, durch die Umwertung aller Werte, hin zum reinen Willen zur Macht. Schopenhauer erschien ihm quasi als Weichling, weil er für sich durch die Verneinung des Willens ein spirituelles Schlupfloch liess.

Mit freundlichen Grüßen
Reinhard
nachdenklich
Zitat:
Original von Joker
Und doch: Was tut man im Philosophiestudium? Man liest. Was setzt Schopenhauer voraus? Dass man gelesen hat. Also ist es wirklich das Leben oder eben doch das Lesen, das diese Leute in Wahrheit einen grossen Philosophen haben werden lassen?


Durch ein Philosophiestudium ist noch keiner zum großen Philosophen geworden. Da lernt man im günstigsten Fall nur die korrekte Wiedergabe von Texten in eigenen Worten.

Zitat:
Man setzt voraus, dass man durch die Schriften von Vorgängern mitlernt. Wenn das wahr wäre, was du sagst (ich will dir nicht zu nahe treten), dann wäre ich glücklich, weil ich meine Eindrücke des Lebens ja einfach niederschreiben könnte, die m.E. interessant und lehrreich genug wären, um von anderen gelesen zu werden. Aber wieso kann ich das nicht tun? Es ist, weil die Gesellschaft und die Intellektuellen von einem verlangen, dass man sich mit den grossen Philosophen und deren Schriften befasst hat. Eigene Lebenserfahrung reicht leider schon lange nicht mehr, auch wenn ich das gerne so hätte. Wäre es so, dann könnte ich vielleicht der neue Schriftsteller des Jahrtausends werden Zwinker


Auch Leute, die auf den oder die "man" ("Gesellschaft", "Intellektuelle") Rücksicht genommen haben, sind noch keine großen Philosophen geworden. Warum läßt Du nicht einfach aus Dir herausbrechen, was in Dir steckt? Die eigene Lebenserfahrung reicht nur insofern nicht, als ein Vergleich mit anderen Erfahrungen sinnvoll ist und als wir unsere Erfahrungen ja auch interpretieren bzw. bewerten (da helfen die philosophischen bzw. wissenschaftlichen Standards).

Zitat:
Spass beiseite.


Ich nehme das, was Du schreibst, sehr ernst!

Zitat:
Ja, ich denke so kann man Erfolg haben, als Philosoph. Doch es ist natürlich schwer, wenn man feststellt, dass man alles fundamental aufbauen muss, und nichts übersehen darf, was schon gesagt wurde. Ansonsten wird man von den 'Gebildeten' verspottet fröhlich


Richtig. Einen alten Hut als Neuheit auszugeben, ist schon peinlich.

Zitat:
Nun, ich bin viel zu jung, als dass irgendwelche Leute überhaupt interessieren würde, was ich zu sagen habe. Und doch: Ich würde gerne anderen Menschen viel erzählen, wenn ich könnte. Doch heutzutage findet man keine Zuhörer.


Das Alter spielt keine Rolle, nur die Wahrheit des Gesagten. Mich interessiert schon, was Du zu sagen hast. Daß es kaum Zuhörer gibt, erlebe ich genauso ("keine" ist übertrieben - inzwischen hast Du ja mich kennengelernt). Manchmal habe ich die Horrorvision von einer Welt, in der alle nur noch schreien.

Zitat:
Was ich wollte, wäre meine Philosophie als Option darzubieten, damit sie die Leute sehen, die sie auch annehmen würden.


Tu's doch hier im Forum!

Zitat:
Doch wie gesagt: Ohne Ausbildung, Erfahrung, Kenntnis der Werke grosser Philosophen, anerkannter Titel, kommt man nicht sehr weit.


Kommt darauf an, bei wem. Wenn ein kleines Kind etwas Wahres sagt, ist mir das genauso wichtig wie ein Satz von Platon.