Gibt es einen "Gott"?

Jay Ray
Wenn jemand glauben will, daß es einen Grund für unsere Existenz geben müsse und glauben will, daß wir nicht einfach so zum Spaß auf der Welt sind, dann muß sich dieser in der Tat einen anderen Grund aussuchen - am besten einen, der mit seinem persönlichen gewohnten Weltbild harmoniert.

Wer sowieso an einen oder mehrere Götter glaubt, kann beides natürlich miteinander kombinieren - würde ich auch machen. Und solange man sein Weltbild keinem andren aufzwingt, finde ich das völlig ok.

Wer nicht an Götter glaubt, kann auch sehr zufrieden damit sein, zB an eine selige Grundlosigkeit allen Daseins zu glauben. Ich persönlich mag die Vorstellung, wir seien eine bizarre Laune der Natur - und wir wären nur hier, um es uns und unseren Lieben auf der Welt möglichst angenehm zu machen.
Neo
Zitat:
Original von Said
Und warum sollte es irrelevant sein, ob es Gott gibt oder nicht. Wenn ein Mensch nicht an Gott glauben will, so kann diesen niemanden dazu zwingen, aber man sollte es nicht einfach so als irrelevant sehen, denn die hauptsächliche Frage ist doch, aus welchem Grund hat Gott den Menschen erschaffen, weshalb existieren wir? Es muss einen Grund dafür geben. Wir sind nicht einfach so zum Spaß auf der Welt.

Ich will dir da ja nicht widersprechen und auch ich sehe einen Sinn und Zweck in dem ganzen. Ich halte nur die Begründung ('weil dieses Universum perfekt ist') für zu kurz für eine Herleitung Gottes. Das lässt sich in 5 sec. in der Luft zerreissen. Braucht man aber nicht. Es gibt bessere und schlüssigere Überlegungen. Das wollte ich damit sagen.

Gruß

EDIT:
Ah, Jay Ray: dto
Kunglu
Zitat:
Said:
...weshalb existieren wir? Es muss einen Grund dafür geben.


Du willst also einem selbstentworfenem Phantom den Grund deiner Existenz anvertrauen? Gott macht die Welt nicht gerechter oder besser, sondern der Mensch. Wenn du den Sinn des Lebens ansprichst und vielleicht auf das "Gute" im Mensch hinaus willst, hat das mit Gott ebensowenig zu tun. Es bleibt ein Werturteil des Menschen was als Gut oder Böse oder als lebenswert oder nicht angenommen wird.
Said
Es macht schon einen großen Unterschied ob man es Sein oder Gott nennt. Die Frage ist, was ist Sein und was ist Gott? Das Sein kann nicht sein ohne Gott. Aber Gott braucht niemanden. Ob es vorher viele Versuche gegeben haben soll oder nicht, ist zu bezweifeln, denn wenn wir die Erde betrachten, können wir eindeutig sehen, dass alles perfekt ist, so kann man bezweifeln, dass es mehrere Versuche gegeben hat, ein Universum zu schaffen. Aber das ist garnicht so wichtig. Die Frage ist gibt es Gott oder nicht. Man sollte einfach nur sein logisches Verständnis benutzen, dann findet man schon die Antwort darauf.
Neo
Zitat:
Original von Said
Man sollte einfach nur sein logisches Verständnis benutzen, dann findet man schon die Antwort darauf.

Genau, und das bedeutet auch, die Beiträge anderer zumindest inhaltlich zur Kenntnis zu nehmen und versuchen, deren Gedanken nachzuvollziehen.

Tipp: Der von Jay verlinkte Beitrag von Eliskases lohnt sich.
Jay Ray
Zitat:
Original von Said
Man sollte einfach nur sein logisches Verständnis benutzen, dann findet man schon die Antwort darauf.

"Logik" kann nur etwas herleiten, wenn alle beteiligten die gleichen Prämissen als Ausgangsbasis haben.

Ob zB gestern "schönes" Wetter war, hängt nicht nur davon ab, ob die Sonne geschienen hat, sondern auch davon, ob jemand lieber Sonnenschein oder lieber Regen mag.
Wenn es da unterschiedliche Ansichten gibt, gibt es auch bei bester Logik kein einstimmiges Urteil über die Schönheit des gestrigen Wetters.

Gleiches gilt auch für die These ob diese Welt perfekt sei, ob Perfektion einen Schöpfer braucht und falls ja, ob dieser Schöpfer traditionellen Gottesvorstellungen ähneln muß.
Neo
Zitat:
Original von Jay Ray
Ob zB gestern "schönes" Wetter war, hängt nicht nur davon ab, ob die Sonne geschienen hat, sondern auch davon, ob jemand lieber Sonnenschein oder lieber Regen mag.

Gleiches gilt auch für die These ob die Welt perfekt sei, ob Perfektion einen Schöpfer braucht und falls ja, ob dieser Schöpfer den traditionellen Gottesvorstellungen ähneln muß.


Es ist ja viel profaner, Du hast es ja bereits angedeutet:

Zitat:
Original von Said
Ob es vorher viele Versuche gegeben haben soll oder nicht, ist zu bezweifeln, denn wenn wir die Erde betrachten, können wir eindeutig sehen

Wir haben doch nicht mal eine Vergleichsmöglichkeit. Darin liegt doch der Denkfehler. Vlt ist dieses in unseren Augen perfekte Universum die unwahrscheinliche Ausnahme und vor unserem und auch nach unserem gab / gibt es Myriaden von unvollkommenen die sofort wieder zerfallen.
Kunglu
Zitat:
Original von Said
Es macht schon einen großen Unterschied ob man es Sein oder Gott nennt. Die Frage ist, was ist Sein und was ist Gott? Das Sein kann nicht sein ohne Gott.


Aber Gott - wenn er wäre - könnte ohne das Sein sein, genau das richtige Reflektionsbild für einen Menschen der nicht versteht warum er sein soll.
Said
Dann frage ich wo denn die Gerechtigkeit der Menschen ist, wie definierst du Gerechtigkeit der Menschen ich frage wer ist für die ganzen Kriege und Völkermorde beispielsweise verantwortlich, der Mensch oder Gott? Der Mensch kann zwischen Gut und Böse unterscheiden, aber der Mensch entscheidet sich meistens eher für das Böse. Bei Geld beispielsweise wird der Mensch schwach, das kann man nicht leugnen, also bezweifle ich die "Gerechtigkeit" des Menschen, ich würde eher sagen der Mensch ist ein Egoist, der eher auf seinen Vorteil aus ist, während Gott den Menschen und alle seine lebenden Geschöpfe täglich versorgt und immer wieder das Feuer, dass der Mensch gelegt hat z.B. Kriege löscht.
Jay Ray
Zitat:
Original von Said
Dann frage ich wo denn die Gerechtigkeit der Menschen ist, wie definierst du Gerechtigkeit der Menschen ich frage wer ist für die ganzen Kriege und Völkermorde beispielsweise verantwortlich, der Mensch oder Gott?

Epikur, der heute seinen allmonatlichen Geburtstag hat, meinte dazu:
    "Gerechtigkeit an sich hat es nie gegeben. Alles Recht beruhte vielmehr stets nur auf einer Übereinkunft zwischen Menschen, die sich in jeweils verschieden großen Räumen zusammenschlossen und sich dahin einigten, daß keiner dem anderen Schaden zufügen oder von ihm erleiden soll."

Zitat:
Der Mensch kann zwischen Gut und Böse unterscheiden, aber der Mensch entscheidet sich meistens eher für das Böse.

Ich kenne Deinen Freundes- und Bekanntenkreis nicht, aber zumindest die meisten Menschen, mit denen ich es beruflich oder auch privat im Alltag zu tun habe, geben sich fast immer Mühe, freundlich zu sein und das zu tun, was sie nach bestem Wissen und Gewissen für gut halten - und eine halbwegs faire Balance zwischen ihren egoistischen Interessen und den Interessen der anderen zu wahren - auch wenn es um Geld geht.
Kunglu
Zitat:
Original von Said
Dann frage ich wo denn die Gerechtigkeit der Menschen ist, wie definierst du Gerechtigkeit der Menschen ich frage wer ist für die ganzen Kriege und Völkermorde beispielsweise verantwortlich, der Mensch oder Gott?


In allen Zeiten hat der Mensch Gott geprägt und nicht umgekehrt. Also ist für alle Glaubenskriege (für die anderen sowieso) der Mensch verantwortlich. Oder mit Feuerbach gesprochen:

Zitat:
Ludwig Feuerbach:
Der Mensch vergegenständlicht in der Religion sein eigenes Wesen
Phantom
Hi Said,
Zitat:
Dann frage ich wo denn die Gerechtigkeit der Menschen ist, wie definierst du Gerechtigkeit der Menschen ich frage wer ist für die ganzen Kriege und Völkermorde beispielsweise verantwortlich, der Mensch oder Gott? Der Mensch kann zwischen Gut und Böse unterscheiden, aber der Mensch entscheidet sich meistens eher für das Böse. Bei Geld beispielsweise wird der Mensch schwach, das kann man nicht leugnen, also bezweifle ich die "Gerechtigkeit" des Menschen, ich würde eher sagen der Mensch ist ein Egoist, der eher auf seinen Vorteil aus ist, während Gott den Menschen und alle seine lebenden Geschöpfe täglich versorgt und immer wieder das Feuer, dass der Mensch gelegt hat z.B. Kriege löscht.


Willst du wirklich dem Menschen jegliche Güte abstreiten und dennoch behaupten er und das Universum seien perfekt?

Kriege beginnen doch damit dass Menschen Krieg führen und sie enden damit dass Menschen aufhören Krieg zu führen. Andererseits kann man auch hinter beidem die Zwingendheit der Umstände oder das Wirken höherer Mächte sehen.

Warum nun das eine dem Menschen und das andere äußeren Umständen bzw höheren Mächten anlasten?

Ist es nicht ein sich hinter seiner Menschlichkeit Verstecken wenn man die Verantwortung für gute Taten ablehnt/leugnet und nur das Böse für im Bereich seines Möglichen hält?
Tarvoc
Zitat:
Original von Said
Das Sein kann nicht sein ohne Gott.

Das Sein kann nicht nicht sein.
kämpfer der sonne
gott ist ein mysterium,

gott kann man nicht bewiesen, aber genauso wenig kann man seine nichtexistenz belegen.
Joker
Was sagt ihr zu diesem Zitat von Epikur?


Zitat:
Is god willing to prevent evil , but not able?
Then he is not omnipotent.
Is he able, but not willing?
Then he is malevolent.
Is he both, able and willing?
Then whence cometh evil?
Is he neither able nor willing?
Then why call him god.
MeMoTroll
Zitat:
Original von Said
[...] denn wenn wir die Erde betrachten, können wir eindeutig sehen, dass alles perfekt ist [...]


Zitat:
Original von Said
[...] die ganzen Kriege und Völkermorde beispielsweise [...]


gruebel
Said
Ich merke wir kommen etwas vom Hauptthema ab. Die Frage war ja:" Gibt es einen Gott"?

So, wenn ich behaupte, ein Auto welches irgendwo einfach so ohne Besitzer steht, ist durch einen Zufall entstanden, würde jeder sagen....
Nein, dahinter steckt ein Ingenieur, der eine lange Ausbildung absolvieren musste, um ein solches Auto herzustellen. Es ist absurd zu behaupten, dass ein solch kompliziertes Werk einfach so durch einen Zufall entstanden ist.

Wie kann ich dann also behaupten oder glauben, dass so viele Phänomäne wie das Universum, die vielen Arten von Leben, die Großartigkeit des menschlichen Verstandes und vieles mehr, einfach so durch einen "Zufall" entstehen können?

Den Vergleich mit den Würfeln, kann man nicht akzeptieren, weil der Würfler die jeweilig gewürfelten Ergebnisse erst nach dem würfeln aufschrieb und dann den Wahrscheinlichkeitsrechner geholt hat.
Wie hoch wäre also die Wahrscheinlichkeit, dass er genau das selbe Ergebniss wieder würfelt.....? Oder eine "vorher" erstellte Liste der Reihenfolge nach, genau richtig den Ergebnissen entsprechend würfelt, ohne einen Fehler zu machen?
Es ist unmöglich.
Also kann man das nicht als Vergleich, für die Entstehung des Universums und des Lebens akzeptieren.
Said
tzgh
Said
Zitat:
Original von Jay Ray
Wenn jemand glauben will, daß es einen Grund für unsere Existenz geben müsse und glauben will, daß wir nicht einfach so zum Spaß auf der Welt sind, dann muß sich dieser in der Tat einen anderen Grund aussuchen - am besten einen, der mit seinem persönlichen gewohnten Weltbild harmoniert.

Wer sowieso an einen oder mehrere Götter glaubt, kann beides natürlich miteinander kombinieren - würde ich auch machen. Und solange man sein Weltbild keinem andren aufzwingt, finde ich das völlig ok.

Wer nicht an Götter glaubt, kann auch sehr zufrieden damit sein, zB an eine selige Grundlosigkeit allen Daseins zu glauben. Ich persönlich mag die Vorstellung, wir seien eine bizarre Laune der Natur - und wir wären nur hier, um es uns und unseren Lieben auf der Welt möglichst angenehm zu machen.




Was du da schreibst, ist einfach nur ein Versuch der Wahrheit zu entfliehen, so wie es viele machen, nämlich zu sagen" Nein alles nur Zufall", statt zu sagen "Ich bin nur ein Mensch und Menschen machen nunmal Fehler und können sich auch irren",das ist normal, dass Menschen Fehler machen.
Man sollte sich lieber damit beschäftigen wie alles Leben entstand und sich ernsthafte Gedanken machen, ob es einen Schöpfer gibt, statt sich nur auf eine Theorie zu verlassen.
Rhetorix
Zitat:
Original von Said
...So, wenn ich behaupte, ein Auto welches irgendwo einfach so ohne Besitzer steht, ist durch einen Zufall entstanden, würde jeder sagen....
Nein, dahinter steckt ein Ingenieur, der eine lange Ausbildung absolvieren musste, um ein solches Auto herzustellen. ...

Wie kann ich dann also behaupten oder glauben, dass so viele Phänomäne wie das Universum...einfach so durch einen "Zufall" entstehen können?
Du hast mich überzeugt.
Bleibt jetzt nur noch die Frage, bei wem der Ingenieur des Universums seine lange Aufbildung absolviert hat. gruebel