Epikur - dem Leben zugewandt

Rhetorix
Zitat:
Original von mark
was sind denn diese ähnlichkeiten?
Statt einen Aufsatz hierüber zu schreiben, weise ich lieber in Kürze darauf hin, dass mir der Dalai Lama kaum anders als ein derzeit bekanntester und wirkungsvollster Vertreter dieser Philosophie erscheint. Die Ähnlichkeiten sind wirklich verblüffend.
Besonders putzig fand ich in diesem Zusammenhang auch die Verleihung der Ehrendoktorwürde für Naturwissenschaften an den DL.

Zitat:
und wieso ist epikur räumlich und zeitlich dem buddhismus nahe?

Als Epikur 15 Jahre alt war, stand das Heer Alexanders des Großen in Indien.
Zu dieser Zeit entstand der - leider viel zu wenig beachtete - Graeco-Buddhismus.
Es gab shon früh auch eine atomistische Richtung des Buddhismus.
Nach meiner Vermutung hat Epikur sich hiervon anregen lassen.
Dasselbe könnte auf Demokrit zutreffen, der bis Persien gewandert sein soll.

Über die Anfänge des Atomismus bin ich noch nicht recht schlau geworden, d.h. bislang habe ich noch nicht herausgefunden, ob der buddhistische Atomismus älter ist als der Atomismus von Demokrit.
Ob der Atomismus von Osten nach Westen oder von Westen nach Osten wanderte, ist mir also noch unklar.
Sophie
Zitat:
Original von Rhetorix

Über die Anfänge des Atomismus bin ich noch nicht recht schlau geworden, d.h. bislang habe ich noch nicht herausgefunden, ob der buddhistische Atomismus älter ist als der Atomismus von Demokrit.
Ob der Atomismus von Osten nach Westen oder von Westen nach Osten wanderte, ist mir also noch unklar.


Möglich ist auch, dass der Atomismus gar nicht gewandert ist, sondern unabhängig in den Köpfen entstanden ist. Wir wissen ja auch von uns selbst, dass wir auch gedanklichke Zusammenhänge entwickeln können, ohne dass sie uns jemand explizit erklärt haben muß.
Aber ich geh mal suchen, vielleicht läßt sich etwas darüber in meinen Büchern finden.
mark
Zitat:
Original von Rhetorix
Statt einen Aufsatz hierüber zu schreiben,...

naja, etwas beispielhaftes hätts ja getan, für nen anfang, ne dissertation in vergleichender religions bzw philosophiegeschichte hab ich auch nicht erwartet.
Zitat:

weise ich lieber in Kürze darauf hin, dass mir der Dalai Lama kaum anders als ein derzeit bekanntester und wirkungsvollster Vertreter dieser Philosophie erscheint.

der bekannteste ist er sicher. wirkungsvoll...wohl eine frage des standpunkts. aber das ist ja auch wurscht.
Zitat:

Die Ähnlichkeiten sind wirklich verblüffend.

also, wären mir diese ähnlichkeiten offensichtlich, hätte ich nicht gefragt.
Zitat:

Besonders putzig fand ich in diesem Zusammenhang auch die Verleihung der Ehrendoktorwürde für Naturwissenschaften an den DL.

Zitat:
und wieso ist epikur räumlich und zeitlich dem buddhismus nahe?

Als Epikur 15 Jahre alt war, stand das Heer Alexanders des Großen in Indien.
Zu dieser Zeit entstand der - leider viel zu wenig beachtete - Graeco-Buddhismus.
Es gab shon früh auch eine atomistische Richtung des Buddhismus.
Nach meiner Vermutung hat Epikur sich hiervon anregen lassen.
Dasselbe könnte auf Demokrit zutreffen, der bis Persien gewandert sein soll.

also...es ist richtig, dass dieser kontakt eher spezialwissen ist.
was ich, randbemerkung, bei diesem wikiartikel merkwürdig finde, ist, dass das mit dem mahayana in verbindung gebracht wird in vermeintlicher implizierung gegensätzlich zum hinayana. obwohl doch das lehrwerk aus dieser zusammenkunft, das milindapanha, eine grundlegende schrift der theravadarichtung ist, einer form der älteren tradition des hinayana.
beruhigend ist doch, dass ganz offensichtlich jeder so seine ismen hat.

es wundert mich, dass du das im zusammenhang mit dem atomismus siehst... eine derartige naturlehre ist doch nicht sahce des buddhismus.

aufgrund der daten bei wiki kommt mir eine beeinflussung recht unwahrscheinlich vor. das überschneidet sich ja gerade mal so. entweder hat epikur von weiss der teufel wem was gehört und sofort alles über vord geschmissen, was er bisher dachte und einen schule eröffnet...oder das passt weder zeitlich noch räumlich zusammen, meiner meinung nach.


Zitat:

Über die Anfänge des Atomismus bin ich noch nicht recht schlau geworden, d.h. bislang habe ich noch nicht herausgefunden, ob der buddhistische Atomismus älter ist als der Atomismus von Demokrit.
Ob der Atomismus von Osten nach Westen oder von Westen nach Osten wanderte, ist mir also noch unklar.


welcher älter ist, ist ja auch nicht entscheidend.
demokrit ist auf alle fälle zu alt für die beeinflussung durch den graecobuddhismus.

nach den "neuen" lebensdaten des buddha selbst bei wiki lebte der ziemlich genau zur gleichen zeit wie demokrit.

irgendwie alles sehr wackelig.

gruss
Aurom
Zitat:
Original von mark
es wundert mich, dass du das im zusammenhang mit dem atomismus siehst... eine derartige naturlehre ist doch nicht sahce des buddhismus.


nicht?
Rhetorix
Zitat:
Original von mark
Zitat:
Original von Rhetorix
Statt einen Aufsatz hierüber zu schreiben,...

naja, etwas beispielhaftes hätts ja getan, für nen anfang

Dafür hatte ich den Linkgesetzt.

Zitat:
es wundert mich, dass du das im zusammenhang mit dem atomismus siehst... eine derartige naturlehre ist doch nicht sache des buddhismus.

Der Atomismus, der uns heute gar nicht so merkwürdig vorkommt, scheint aufs Ganze gesehen doch ein sehr ausgefallener Einfall gewesen zu sein. Das auch an Sophies Adresse: Wenn eine solche Idee in einem nicht allzu weiten zeitlichen Rahmen in Griechenland und Indien aufkommt, in den nächsten Jahrtausenden aber sonst nirgends, scheint mir eine Ideen-Wanderung daher näherliegend als 2 voneinander unabhängige Erfindungen.

Zitat:
aufgrund der daten bei wiki kommt mir eine beeinflussung recht unwahrscheinlich vor. das überschneidet sich ja gerade mal so. entweder hat epikur von weiss der teufel wem was gehört und sofort alles über bord geschmissen, was er bisher dachte und einen schule eröffnet...

Ich verstehe deine Bedenken nicht recht.
Infolge der Feldzüge Alexanders fand zweifellos eine kulturelle Osmose zwischen den Griechen und den Ländern statt, durch die die Feldzüge hindurch gingen, also Persien und Indien. Dass nicht wenige Griechen den Buddhismus nicht nur kennen lernten, sondern auch annahmen, ist belegt. Einige dieser Leute blieben in Indien und Persien, andere kehrten während Epikurs Jugendzeit nach Griechenland zurück und verbreiteten, was sie dort gehört und gelernt hatten. Das ging dann herum wie ein Gerücht und wurde von vielen wieder vergessen, von anderen aber aufgegriffen.

Warum sollte Epikur nicht in seiner Jugendzeit gleichfalls davon etwas aufgeschnappt haben? Wieso sollte er nicht entweder seine Lehrer entsprechend ausgesucht haben, um mehr darüber zu erfahren? Wer wollte ausschließen, dass er nach Osten auf Wanderschaft ging, um sich mit diesen neuen Ideen besser vertraut zu machen und auseinander zu setzen? Wie und wo Epikur seine Zwanzigerjahre verbrachte, liegt weitgehend im Dunkeln. Als er seine Schule eröffnete, war er Anfang 30. Danach hat er nichts mehr umgeschmissen - aber vorher muss er eine Menge von dem, was wie selbstverständlich erschien, umgeworfen haben, denn das, was er lehrte, war in Griechenland keineswegs selbstverständlich.

Epikur hat sich allerdings nicht einmal mit Andeutungen auf indische Quellen berufen.
Nichts anderes wäre aber auch zu erwarten.
Sich auf Barbaren zu berufen, wäre im antiken Griechenland ein völliger Schuss in den Ofen gewesen, eine mutwillige Zerstörung der eigenen Reputation und Glaubwürdigkeit.

Zitat:
demokrit ist auf alle fälle zu alt für die beeinflussung durch den graecobuddhismus.

Stimmt. Er war aber nicht zu alt für die Beeinflussung durch den Buddhismus!
Demokrit ist bekannt für seine besondere Umtriebigkeit. Er soll auch in Persien gewesen sein.

Natürlich ist das alles 'wackelig'.
Sichere Feststellungen sind meines Erachtens nicht möglich, und ich behaupte keineswegs, sicher zu wissen, dass Epikur je von Buddha gehört hat.
Vieles könnte damals auch 'in der Luft gelegen' haben.
Allerdings neige ich eher zu der Annahme, dass nicht Ideen, sondern Stickstoff, Kohlenmonoxid, Sauerstoff und Ozon etc. in der Luft liegen.
mark
Zitat:
Original von Rhetorix
Vieles könnte damals auch 'in der Luft gelegen' haben.
Allerdings neige ich eher zu der Annahme, dass nicht Ideen, sondern Stickstoff, Kohlenmonoxid, Sauerstoff und Ozon etc. in der Luft liegen.


...was mich dann wieder zum ideenvergleich zurückbringt.
der link nützt mir wenig. denn es ging ja um eine gegenüberstellung und einen vergleich der ideen. das ist ja auch ganz unabhängig von der frage, ob und wer wen wie beeinflusst hat.
ich kann nicht wirklich sehen, wo diese gemeinsamkeiten liegen. deswegen die frage, wo siehst du, jenseits eine seite über den dalai lama, diese gemeinsamkeiten konkret?

gruss
Sophie
Zitat:
Original von mark

was ich, randbemerkung, bei diesem wikiartikel merkwürdig finde, ist, dass das mit dem mahayana in verbindung gebracht wird in vermeintlicher implizierung gegensätzlich zum hinayana.


Randbemerkt zurück, zwickt mich das nicht.

Zitat:

Diese Fusion griechischer und buddhistischer Kultur wird lebhaft veranschaulicht durch die vielen Statuen der reichen graeco-buddhistischen Kunst aus kreativen Zentren wie Gandhara, die die Mischung aus griechischer und buddhistischem Einflüssen widerspiegeln. Sie währte über mehrere Jahrhunderte, bis sie im 5. Jahrhundert mit der Invasion der Weißen Hunnen und schließlich der islamischen Eroberung unterbrochen wurde.


Da ist ja das Kind mit dem Bade ja schon ausgeschüttet worden und es erfolgt ja nur die Feststellung, dass in der Kunst des Mahayana griechisch - buddhistische Einflüsse geformt werden, was zeigt, dass dort ein kultureller Austausch stattgefunden hat.

Was mir bedenklich erscheint, ist, dass nach der Hinayana-Auffassung (weit vorher) nur das Tripitaka (Dreikorb), das beinhaltet, was Buddha durch seine öffentlichen Reden lehrte, und diese Texte, wenn man sich den Überlegungen des Dalai Lama anschließen kann, vieles als widersprüchlich unklar oder zweifelhaft emfpunden wurde und sich bei dem Versuch, das irgendwie zu bereinigen oder dem etwas hinzuzufügen, sich weitere Schulen bildeten, mit unterschiedlichen Schwerpunkten in ihren Deutungen und Vermischungen.

Da aber für den Buddhsimus die Erforschung und Analyse, mittels der herausgefunden werden kann, wie das Leid zu beenden ist, grundlegend ist, will es mir irgendwie nicht gelingen, bei den buddhistisch gesetzten Schwerpunkten und Texten, Epikur davon beeinflusst zu sehen und lege Überschneidungen und ähnliche Schlussfolgerungen in die überlegenden Köpfe selbst und meine Überlegung ist vermutlich davon geprägt, dass ich unter einer sichtbaren buddhistischen Beeinflussung auch explizit die Erwähnung Buddhas oder der stattgefundenen Methode erwarte.

Zudem kommt hinzu, dass ich mir unter Atomismus im Verbund mit den ausschweifenden Analysen der unterschiedlichen buddhistischen Schulen und Individuen nichts vorstellen kann.

Wäre sicher ne kniffelige Aufgabe an Rhetorix dazu einen Veranschaulichungsthread @ la Neanderthaler zum Leben zu erwecken, um meiner Phantasielosigkeit in der Sache etwas auf die Sprünge zu helfen.
mark
Zitat:
Original von Sophie
Da ist ja das Kind mit dem Bade ja schon ausgeschüttet worden und es erfolgt ja nur die Feststellung, dass in der Kunst des Mahayana griechisch - buddhistische Einflüsse geformt werden, was zeigt, dass dort ein kultureller Austausch stattgefunden hat.

über den stattgefundenen "austausch" besteht gar kein zweifel.
Zitat:

Was mir bedenklich erscheint, ist, dass nach der Hinayana-Auffassung (weit vorher) nur das Tripitaka (Dreikorb), das beinhaltet, was Buddha durch seine öffentlichen Reden lehrte, und diese Texte, wenn man sich den Überlegungen des Dalai Lama anschließen kann, vieles als widersprüchlich unklar oder zweifelhaft emfpunden wurde und sich bei dem Versuch, das irgendwie zu bereinigen oder dem etwas hinzuzufügen, sich weitere Schulen bildeten, mit unterschiedlichen Schwerpunkten in ihren Deutungen und Vermischungen.

was ist daran bedenklich? oder meinst du das im wortsinn?
Zitat:

Da aber für den Buddhsimus die Erforschung und Analyse, mittels der herausgefunden werden kann, wie das Leid zu beenden ist, grundlegend ist, will es mir irgendwie nicht gelingen, bei den buddhistisch gesetzten Schwerpunkten und Texten, Epikur davon beeinflusst zu sehen und lege Überschneidungen und ähnliche Schlussfolgerungen in die überlegenden Köpfe selbst und meine Überlegung ist vermutlich davon geprägt, dass ich unter einer sichtbaren buddhistischen Beeinflussung auch explizit die Erwähnung Buddhas oder der stattgefundenen Methode erwarte und selbst dann, wie man bei Spencer Brown sieht, das auch rückwärts laufen kann, also das was man herausgefunden hat, erst im Nachhinein woanders auch angeklungen findet.

so grob in diese richtung würd ich das auch sehen.
ich würd gar nicht auf eine erwähnung hinaus. schliesslich kann so eine beeinflussung durchaus stattfinden, ohne dass epikur als der beeinflusste jemals definitiv näheres über buddha etc erfährt. es geht ja nur um ein paar ideen, die auch losgelöst weitergetragen werden können.
aber dann würde ich mir doch eine etwas lückenlosere rückverfolgung des weges wünschen, ansonsten ist das meiner meinung nach wirklich nur reine spekulation und leichte ähnlichkeiten bei fragen, die ohnehin nur mit ener begrenzten anzahl antworten beantwortet werden können, sind keine plausible grundlage weitergehendes anzunehmen...meiner meinung nach.
für späteree zeitpunkte sähe das anders aus. wesentlich glaubwürdiger fände ich zum beispiel den ursprung des mönchstums in indien zu sehen.

Zitat:

Zudem kommt hinzu, dass ich mir unter Atomismus im Verbund mit den ausschweifenden Analysen der unterschiedlichen buddhistischen Schulen und Individuen nichts vorstellen kann.

ich auch nicht, nichts relevantes jedenfalls. deswegen hab ich ja auch gefragt.
ich kenn epikur nicht so gut, vielleicht hat er ja tatsächlich ganz charakteristisch buddhistisches vertreten und mir ist das nur noch nicht begegnet. das steht dann aber sicher nicht auf einer verkaufsseite des dalai lama.
Zitat:

Wäre sicher ne kniffelige Aufgabe an Rhetorix dazu einen Veranschaulichungsthread @ la Neanderthaler zum Leben zu erwecken, um meiner Phantasielosigkeit in der Sache etwas auf die Sprünge zu helfen.

eben.

gruss
Eugen
Zitat:
Original von Sophie
Da aber für den Buddhsimus die Erforschung und Analyse, mittels der herausgefunden werden kann, wie das Leid zu beenden ist, grundlegend ist, will es mir irgendwie nicht gelingen, bei den buddhistisch gesetzten Schwerpunkten und Texten, Epikur davon beeinflusst zu sehen und lege Überschneidungen und ähnliche Schlussfolgerungen in die überlegenden Köpfe selbst und meine Überlegung ist vermutlich davon geprägt, dass ich unter einer sichtbaren buddhistischen Beeinflussung auch explizit die Erwähnung Buddhas oder der stattgefundenen Methode erwarte.


Mir ist überhaupt nicht so ganz klar, wie der (Nicht-) Nachweis einer Beeinflußung - in welcher Richtung auch immer - im Wege der historischen Rekonstruktion besonders viel Erhellendes im philosophischen Sinne zutage fördern könnte. Insbesondere wenn man die Untersuchung auch noch auf die Naturbetrachtung (Atomismus) einschränkt.

Im Bereich der Ethik sehe ich allerdings durchaus beachtliche Berührungspunkte. So schreibt z.B. Schmidt-Salomon:

"Liest man Buddha philosophisch, kann man interessante Parallelen zu anderen bedeutenden Philosophen feststellen, z.B. zu dem in konfessionslosen Kreisen zu Recht hochgeschätzen Epikur. Wie Epikur wollte auch Buddha den Menschen die Angst vor dem Einfluss (vermeintlicher) Götter nehmen und den Machtanspruch religiöser Hierarchien schwächen. Wie Epikur versuchte auch Buddha einen Weg jenseits der Extreme zu etablieren. (Sicherlich wählte Epikur hierbei einen hedonistischeren Zugang, aber auch die epikureische Philosophie zielte nicht auf ein hemmungsloses Ausleben wilder Triebe, wie man später von christlicher Seite den Epikureern gegenüber gerne unterstellte, sondern auf einen bewußten "Weg der Mitte" - und das bedeutet für Epikur vor allem die Überwindung von Leidenschaften, die Leiden schaffen.) "

Dabei scheint mir Epikurs Lehre über Buddha selbst hinaus eher Verwandtschaft aufzuweisen mit den diesseitigen, der Welt zugewandten Traditionen des Buddhismus. (Der Daoismus wurde ja schon genannt.) Weniger dagegen mit Strömungen, denen es auf vollständige Weltentsagung ("Leben ist Leiden") ankommt.

Eine vergleichende Betrachtung in dem Sinne könnte - aus dem Blickwinkel, was für uns heute brauchbar sein könnte - durchaus fruchtbar sein.

Allerdings scheint mir in dem Zusammenhang der historische Nachweis einer tatsächlichen Beeinflussung eher nebensächlich.

Gruß
Sophie
@ mark

Zitat:
oder meinst du das im wortsinn?


Achso, ja, im Wortsinn.

@ Eugen



Zitat:


Mir ist überhaupt nicht so ganz klar, wie der (Nicht-) Nachweis einer Beeinflußung - in welcher Richtung auch immer - im Wege der historischen Rekonstruktion besonders viel Erhellendes im philosophischen Sinne zutage fördern könnte.


Das kommt sicher auf den Schwerpunkt an, worauf sich eine fragende Analyse beziehen soll und da ich mir selbst auch nichts darunter vorstellen konnte, in wie weit da ein historischer Nachweis oder Hinweis weiterhelfen kann, fehlte mir der Faden und ich hielt es lediglich für erwähnenswert, dass sich ähnliche Ergebnisse auch ohne gegenseitige Beeinflussung einstellen können. Natürlich nicht müssen.

Zitat:


"Liest man Buddha philosophisch, kann man interessante Parallelen zu anderen bedeutenden Philosophen feststellen, z.B. zu dem in konfessionslosen Kreisen zu Recht hochgeschätzen Epikur. Wie Epikur wollte auch Buddha den Menschen die Angst vor dem Einfluss (vermeintlicher) Götter nehmen und den Machtanspruch religiöser Hierarchien schwächen. Wie Epikur versuchte auch Buddha einen Weg jenseits der Extreme zu etablieren. (Sicherlich wählte Epikur hierbei einen hedonistischeren Zugang, aber auch die epikureische Philosophie zielte nicht auf ein hemmungsloses Ausleben wilder Triebe, wie man später von christlicher Seite den Epikureern gegenüber gerne unterstellte, sondern auf einen bewußten "Weg der Mitte" - und das bedeutet für Epikur vor allem die Überwindung von Leidenschaften, die Leiden schaffen.) "


Ja, das finde ich so ganz gut dargestellt, denn " der mittlere Weg" und der "Weg der Mitte" zielen beide auf eine stabile und gelassenere Sichtweise.

Ähnliche Ergebnisse kann ich aber nicht in Epikurs Einsicht sehen, nämlich dass die Atome unsichtbar sind.
In dem Teil meiner Vorstellungen von Buddhismus der mir gerade im Kopf herumschwirrt, scheint es voranig um die wahrgenommenen Objekte, die zweifelsohne vorhanden sind, zu gehen, die bei einer genaueren Analyse keine eigenständige Existenz haben und leer sind.


Der Unterschied zu Epikur bestünde dann darin, dass es sich dabei im Buddhismus um unterschiedlich zusammengestzte Phänomene handelt (alle leer), von denen eine Basis, die sinnlich gegebene Objekte sind, während Epikurs Atome vorgestellte Entitäten sind, die das Schicksal und den Ablauf bestimmen und diese Erkenntis den Menschen die Freiheit der eigenen Beurteilung ins Bewußtsein ruft, ohne den Einfluss von Göttern.
Die Befreiung des Menschen, der ohne beängstigende Vorstellung lebt, scheint mir in beiden Fällen wieder richtig und gegeben, allerdings in Bezug auf die Übrlegungen warum das so ist, unterschiedlich.
oui
Zitat:
Original von Rhetorix
[...]einen Sermon erwidern, aber dann waren mir die Zigaretten ausgegangen, und ich ging erst mal zum nächsten Laden, um neue zu holen;

Gegen gewisse Abhängigkeiten soll sowas helfen:
Zitat:
[...]scheint mir der epikureische Versuch, sich mit beschränktesten finanziellen Mitteln zufrieden zu geben und seine Bohnen selbst zu ziehen, unter philosophischem Aspekt lohnender.
Tabak kann auch noch angepflanzt werden.... Zwinker

Zitat:
auf dem Gang dahin natürlich erwägend, was ich dir sagen würde.

Da fallen mir auf Anhieb ganz nette Sachen ein, die Du mir bestimmt sagen würdest... *zwinker

Zitat:
Falls du mal einen richtig schön geschriebenes (konstruiertes) stoisch-epikureisch-christliches Streitgespräch lesen möchtest, empfehle ich wärmstens "Vom wahren und falschen Guten" von Lorenzo Valla.
Und wenn du es gelesen hättest, wäre eine gemeinsame Interpretation ein besonderes Vergnügen.

Gerne. smile In den Weihnachtsferien, stell´einen Extra-Thread nach den Festtagen rein.
Rhetorix
Zitat:
Original von Sophie
...Da aber für den Buddhsimus die Erforschung und Analyse, mittels der herausgefunden werden kann, wie das Leid zu beenden ist, grundlegend ist, will es mir irgendwie nicht gelingen, bei den buddhistisch gesetzten Schwerpunkten und Texten, Epikur davon beeinflusst zu sehen ...
Wäre sicher ne kniffelige Aufgabe an Rhetorix dazu einen Veranschaulichungsthread @ la Neanderthaler zum Leben zu erwecken, um meiner Phantasielosigkeit in der Sache etwas auf die Sprünge zu helfen.

@ Sophie und mark:

Eine der Übereinstimmungen besteht darin, dass beide Philosophien (wenn man sie so nennen mag) sich zum obersten Ziel setzen, das Leid zu beenden. Denn (bekanntlich?) hatte Epikur nicht das Ziel, eine Spaßgesellschaft zu gründen, sondern vertrat die Auffassung, Glück bestehe hauptsächlich in der Abwesentheit von Schmerzen und Ängsten.
Die Art und Weise, dieses Ziel zu verfolgen, ähnelt sich gleichfalls. Erforderlich ist eine seelische Haltung, die den Schmerz als unbedeutend ansieht und ihn hiermit besiegt, eine Beschränkung der Bedürfnisse, und die Fähigkeit, sich an 'kleinen' Dingen (wie zum Beispiel einem Stück Käse oder einem Glas Wasser) freuen zu können, was man als Achtsamkeit bezeichnen könnte.
Vorbilder hierfür sind die Buddhas, die sich bei Epikur zwar nicht Buddhas nennen, sondern Götter, der Sache nach aber gleich oder zumindest ähnlich sind. Ihr Sitz ist weit entfernt und abgeschieden in den Weiten der Chora, quasi im Nirwana, wo kein Sturm, kein Leid und sogar keinerlei Interesse sie berührt. Wer ihnen gleicht, ist zwar nicht 'erleuchtet', wohl aber 'weise'.

Die Unterschiede sind bei näherem Hinsehen gar nicht sonderlich groß.

Epikur hätte nie behauptet, Leben sei Leiden - worin ich ihm auch nachdrücklich zustimme, denn dass es (mit unterschiedlicher Häufigkeit) auch Lust ist, bezweifle ich nicht.
Ob Buddha wirklich gelehrt hat, Leben sei (nur) Leiden, scheint mir zweifelhaft. Das scheint mir eher eine Verzerrung seiner Lehre zu sein und entspricht auf keinen Fall dem mittleren Pfad.
Epikur hat allerdings keinen Verzicht auf Fleisch gelehrt. Tiere waren in das Verbot, anderen Wesen kein Leid zuzufügen, nicht einbezogen. Da seine kleine Garten-Gemeinschaft aber schon aus wirtschaftlichen Gründen sehr beschränkt lebte, wird sich ihm das Problem, ein Kalb zu schlachten, kaum je gestellt haben.
Aber auch der derzeitige Dalai Lama lebt nicht vegetarisch. Verzicht auf Fleisch ist für den Buddhismus daher nicht zwingend.

Dass Epikur von seiner Schule (oder Sekte) nicht als Showmaster, sondern viel eher wie ein Lama gesehen wurde, kann man m.E. ganz gut an dieser Rekonstruktion der Sitzstatue ablesen, die seine Anhänger kurz nach seinem Tod in Athen aufstellten.

Ein flächendeckender Vergleich der epikureischen Philosophie mit 'dem' Buddhismus (d.h. mit dessen verschiedenen Schulen) wäre sicher eine interessante Sache. Sie wäre aber auch mit einer Menge Arbeits- und Zeitaufwand verbunden, den ich jedenfalls zur Zeit nicht leisten kann.
Selbst Woff, Wilma und die anderen müssen wegen meiner anderweitigen Beanspruchung daher vorerst zusehen, dass sie ohne mich zurecht kommen.
mark
Zitat:
Original von Eugen
Weniger dagegen mit Strömungen, denen es auf vollständige Weltentsagung ("Leben ist Leiden") ankommt.


schon komisch. ich hätte gedacht, du könntest das einordnen.
"leben ist leiden" ist die erste der vier edlen wahrheiten und damit teil des kerns der buddhistischen lehre überhaupt. aller buddhisten.
mit weltentsagung hat das nichts zu tun.
mark
Zitat:
Original von Rhetorix
Eine der Übereinstimmungen besteht darin, dass beide Philosophien (wenn man sie so nennen mag) sich zum obersten Ziel setzen, das Leid zu beenden.

naja, gut, ein anfang, aber so wirklich ist das ja noch nichts besonderes. der umgang mit leid und dessen vermeidung ist ja als solches ein menschheitsthema und soweit noch nicht wirklich originär buddhistisch und/oder epikuräisch, oder?
Zitat:

Denn (bekanntlich?) hatte Epikur nicht das Ziel, eine Spaßgesellschaft zu gründen, sondern vertrat die Auffassung, Glück bestehe hauptsächlich in der Abwesentheit von Schmerzen und Ängsten.

da würde ich meinen, scheiden sich die geister schon.
dass man mit schmerzen nicht glücklich ist...bedarf auch keiner besonderen lehre, das merkt wohl jeder depp. das wohl suchen und das wehe fliehen...tun alle lebewesen. die komplikationen kommen später.
und da komemn auch erst die unterschiedlichen ansichten ins spiel.
jeder weiss ja nämlich auch, dass keine schmerzen oder ängste haben allein noch nicht glücklich macht.
ausserdem, so formuliert, ist dieses "glück" wohl nichts, was der buddhismus als erstrebenswert ansieht. eben weil er sich so definiert wie du es tust und du damit im kreislauf aus leiden und glück bleibst aus dem der buddhismus ja als solchen austreten will und darin "glück" sucht. eben in der abwesenheit nicht nur von empfindungen wie schmerz etc sondern auch von empfindungen des glücks.
es gibt eine schöne passage zu anfang von platons politeia, die die einstellung des buddhismus korrekt darstellt. sokrates gewinnt dem alter als positiv ab, dass die begierden nachlassen. die anderen(jungen natürlich) sehen nicht in der begierdelosigkeit sondern in der befriedigten begierde das erstrebenswerte, sokrates in der begierdelosigkeit und freit sich, dass das alter sozusagen umsonst ein paar begierden ausradiert, so dass er von diesen ungestört, egal ob leidvoll weil unerfüllt oder glückerfüllend weil befriedigt, in sich ruhen kann.
eine wichtige stelle für das ganze buch. viele von platons gedanken zum staat sind variationen dieses grundthemas.
ich glaube allerdings, dass leute immer und überall auf diesen trichter kommen.
wie epikur dazu steht wird mir aus deinen ausführungen noch nicht klar.
[QUOE]
Die Art und Weise, dieses Ziel zu verfolgen, ähnelt sich gleichfalls.
Erforderlich ist eine seelische Haltung, die den Schmerz als unbedeutend ansieht und ihn hiermit besiegt, eine Beschränkung der Bedürfnisse, und die Fähigkeit, sich an 'kleinen' Dingen (wie zum Beispiel einem Stück Käse oder einem Glas Wasser) freuen zu können, was man als Achtsamkeit bezeichnen könnte.
[/quote]
jaa...aber dieses "sich an kleinen dingen freuen", sicher nicht falsch, ist einfach kein grundmotiv des buddhismus. achtsamkeit gilt für alles, die grossen dinge wie die kleinen, die schönen wie die hässlichen, da gehts nicht ums sich erfreuen sondern eben um die achtsamkeit.
Zitat:


Vorbilder hierfür sind die Buddhas, die sich bei Epikur zwar nicht Buddhas nennen, sondern Götter, der Sache nach aber gleich oder zumindest ähnlich sind. Ihr Sitz ist weit entfernt und abgeschieden in den Weiten der Chora, quasi im Nirwana, wo kein Sturm, kein Leid und sogar keinerlei Interesse sie berührt. Wer ihnen gleicht, ist zwar nicht 'erleuchtet', wohl aber 'weise'.

Die Unterschiede sind bei näherem Hinsehen gar nicht sonderlich groß.

naja...ich finde, dass die unterschiede bei näherem hinsehen immer grösser werden.
aber du müsstest die epikuräische haltung dazu weiter präzisieren, damit mna das beurteilen könnte. das bweegt sich alles ein bisschen im wachsweichen unverbindlichen.

Zitat:

Epikur hätte nie behauptet, Leben sei Leiden - worin ich ihm auch nachdrücklich zustimme, denn dass es (mit unterschiedlicher Häufigkeit) auch Lust ist, bezweifle ich nicht.

"leben ist leiden" meint nicht, dass es keine lust gäbe. im gegenteil, das sind ja zwei seiten derselben medaille. weshalb der buddhismus darauf abzielt beide auszulassen, weil lust leiden bedingen muss. schlicht, weil man sich eben nicht anders in diesem koordinatensystem bewegen kann.
daher die begierdelosigkeit als ziel.
nun mag es schon sein, dass bei epikur "lust" eine ganz andere bedeutung als normalerweise hat. wie ja auch "leben ist leiden" grundstzlich missverstanden wird.
deswegen wärs schön, wenn du epikur weiter erläutern würdest mit hinblick auf die jetzt angesprochenen feinheiten.
Zitat:

Ob Buddha wirklich gelehrt hat, Leben sei (nur) Leiden, scheint mir zweifelhaft. Das scheint mir eher eine Verzerrung seiner Lehre zu sein und entspricht auf keinen Fall dem mittleren Pfad.

von einem nur steht das weit und breit nichts. insofern ist es unerheblich, ob du glaubst, ob er das gelehrt hat oder nicht. die vier edlen wahrheiten sind der kern der buddhistischen lehre und wenn du dir klar machst, was das bedeutet (so alleine und unkommentiert stehen sie ja nur als zusammenfassung, als eine art credo, da) wirst du damit auch keine probleme haben.
Zitat:

Epikur hat allerdings keinen Verzicht auf Fleisch gelehrt. Tiere waren in das Verbot, anderen Wesen kein Leid zuzufügen, nicht einbezogen. Da seine kleine Garten-Gemeinschaft aber schon aus wirtschaftlichen Gründen sehr beschränkt lebte, wird sich ihm das Problem, ein Kalb zu schlachten, kaum je gestellt haben.
Aber auch der derzeitige Dalai Lama lebt nicht vegetarisch. Verzicht auf Fleisch ist für den Buddhismus daher nicht zwingend.

fleischkonsum ist ... irrelevant.
Zitat:

Dass Epikur von seiner Schule (oder Sekte) nicht als Showmaster, sondern viel eher wie ein Lama gesehen wurde, kann man m.E. ganz gut an dieser Rekonstruktion der Sitzstatue ablesen, die seine Anhänger kurz nach seinem Tod in Athen aufstellten.

aber von den lamas ist er nun sicher nicht beeinflusst worden...
Zitat:

Ein flächendeckender Vergleich der epikureischen Philosophie mit 'dem' Buddhismus (d.h. mit dessen verschiedenen Schulen) wäre sicher eine interessante Sache. Sie wäre aber auch mit einer Menge Arbeits- und Zeitaufwand verbunden, den ich jedenfalls zur Zeit nicht leisten kann.
Selbst Woff, Wilma und die anderen müssen wegen meiner anderweitigen Beanspruchung daher vorerst zusehen, dass sie ohne mich zurecht kommen.

nein, eigentlich nicht. da es sich um eine frühe zeit handelt und es nur um grundideen geht kann man das eigentlich schnell abhandeln.
wie das diamantfahrzeug sich zu epikur verhält interessiert dabei eher weniger.

gruss
oui
Ich denke schon, dass die Griechen zur damaligen Zeit Zugang bzw. Kenntnis der asiatischen Kultur und Religion hatten.
Dafür spricht das geheimnisvolle Volk der Etrusker mit ihrer nicht-indogermanischen Sprache, die nicht, wie immer vermutet wurde, Ureinwohner Italiens waren, sondern höchstwahrscheinlich im 8. Jhdt. v. Ch. aus Kleinasien nach Italien gelangten.
Ein anderer Hinweis ist der, dass nach Eroberung des Mittelmeerraumes immer mehr orientalische Gottheiten Verehrung fanden, z.B. um 190 v. Ch. die phrygische Göttin Kybele, der in Rom ein Tempel geweiht wurde.
Lange vor Epikur fand also ein reger Austausch der Kulturen statt, der Epikur nicht unbekannt gewesen sein dürfte, schließlich bestand auch Kontakt zu den Römern.
Rhetorix
Zitat:
Original von mark
...aber du müsstest die epikuräische haltung dazu weiter präzisieren, damit mna das beurteilen könnte. das bweegt sich alles ein bisschen im wachsweichen unverbindlichen. ...
Und dort muss es, was mich betrifft, leider auch bleiben, weil eine tiefschürfende Gegenüberstellung von epikureischer Philosophie und Buddhismus eben doch auf eine Doktorarbeit hinaus laufen würde, für die mir die Zeit fehlt.
Eugen
Zitat:
Original von mark
Zitat:
Original von Eugen
Weniger dagegen mit Strömungen, denen es auf vollständige Weltentsagung ("Leben ist Leiden") ankommt.


schon komisch. ich hätte gedacht, du könntest das einordnen...


Ich gestehe, dass mein Wissen betr. Buddhismus eher oberflächlich ist. Wie mir jetzt klar geworden ist kann man den Daoismus - trotz starker gegenseitiger Einflüsse - keineswegs als Strömung des Buddhismus bezeichnen. Bei meiner Anmerkung oben ging ich von Tugendhats Darstellung in "Egozentrizität und Mystik" aus. Der hatte aber nicht speziell den Buddhismus, sondern Ausformungen der Mystik allgemein im Blick.

Sorry...

Gruß
Sophie
Zitat:
Original von mark


und da kommen auch erst die unterschiedlichen ansichten ins spiel.
jeder weiss ja nämlich auch, dass keine schmerzen oder ängste haben allein noch nicht glücklich macht.


Stimmt und ein Buddha würde vermutlich genau da einen Samen des gesetzten Leidens sehen, denn das "Ich" ( was in seiner Phänomenalität einem nach spürbaren Glück ausgerichtetes Beziehungbündel sein kann), verlässt in diesem Moment, den Moment des glücklosen Fehlens von Glück, indem es Glück verspüren möchte, was sich in anderen Moment erfahrungsgemäß auch von ganz alleine entfaltet, wenn eben die Unzufriedenheit oder das Anhaften es nicht verhindern würde.

Ich denke schon, dass das buddhistische Denken so gesehen werden muß, damit es Buddha ist, auch wenn ich mir sicher bin, dass der Vorgang, wie du so schön mit deinem Beipiel des platonischen Sokrates bemerkst, ein natürlicher Vorgang sein kann.


Zitat:
dass das alter sozusagen umsonst ein paar begierden ausradiert, so dass er von diesen ungestört, egal ob leidvoll weil unerfüllt oder glückerfüllend weil befriedigt, in sich ruhen kann.


Ja, das war auch mein Gedanke und es fällt mir nicht schwer mich nicht zu wundern, warum der Tod in der gedanklichen Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Natur und dem Bezug zum Leben, eine so wichtige Rolle spielen kann.


Zitat:


jaa...aber dieses "sich an kleinen dingen freuen", sicher nicht falsch, ist einfach kein grundmotiv des buddhismus. achtsamkeit gilt für alles, die grossen dinge wie die kleinen, die schönen wie die hässlichen, da gehts nicht ums sich erfreuen sondern eben um die achtsamkeit.


Ja und da diese Achtsamkeit allen Menschen innewohnt, überschneiden und ähneln sie sich auch wohl in vielen.


Zitat:


"leben ist leiden" meint nicht, dass es keine lust gäbe. im gegenteil, das sind ja zwei seiten derselben medaille. weshalb der buddhismus darauf abzielt beide auszulassen, weil lust leiden bedingen muss. schlicht, weil man sich eben nicht anders in diesem koordinatensystem bewegen kann.
daher die begierdelosigkeit als ziel.


Ja, das ist zweifelsohne das, was Buddha meinte und nicht ohne Grund wird darauf hingewiesen, dasss es nichts zu erreichen gibt, weil allein der Versuch, es erreichen zu wollen, das "Koordinatensystem" Abweichung öffnet, was in dem Lichte gesehen, natürlich den Zustand in seiner Ausgeglichenheit und seiner Freude, den kleinen Dingen gegenüber, eine weise Rolle zukommen lassen würde, ermöglicht, wie den Zustand Klarheit, bei richtigen Unterscheidung,dem Zustand von Leid, bei negativen Emotionen, ....usw.

Zitat:
nein, eigentlich nicht. da es sich um eine frühe zeit handelt und es nur um grundideen geht kann man das eigentlich schnell abhandeln.
wie das diamantfahrzeug sich zu epikur verhält interessiert dabei eher weniger.


Das kommt darauf an, denn das "Diamantfahrzeug" ist ja eher eine lose Bezeichnung für eine Auffassung, dass dieses Vehikel der Befreihung mehr tragen soll.

Es gibt innerhalb dieses Fahrzeugen unterschiedliche Schulen, die aufgrund ihrer gedanklichen Analysen (und die sind philosophischer Art und philosophisch betrachtet 'zeitlos' interessant) zu anderen Ergebnissen führen.
Ein bisschen witzig ist das schon, denn der Unterschied existiert dann durch eben die Unterscheidung.
Ich kann das, was der Dalai Lama im Gespräch mit Varela und J.W. Hayward zu den unterschiedlichen Ansätzen sagt bei Gelegenheit hier reinstellen. Muß es aber erst finden.
mark
Zitat:
Original von Eugen
Wie mir jetzt klar geworden ist kann man den Daoismus - trotz starker gegenseitiger Einflüsse - keineswegs als Strömung des Buddhismus bezeichnen.


was hast du nur mit dem...?

so wie du es darstellst ist es missverständlich. der buddhismus ist nicht vom taoismus beeinflusst. das ist ein regionales phänomen und betrifft schon einen älteren buddhismus der, wie wir gehört haben. schon anderen einflüssen unterworfen war.
übereinstimmungen, unterscheide, gegensätze in der sache sind davon erstmal unberührt.
mark
Zitat:
Original von Sophie
Ja, das ist zweifelsohne das, was Buddha meinte ...


danke *lach*

ich schliesse mich pauschal allen preisungen der lehre der letzten 2000 jahre an. Zwinker