Gute Kritiken für schlechte Filme

meloyello
@Eugen

Zitat:
Hohles Pathos, blutigstes Gemetzel, da werden alle möglichen Körperglieder im Sekundentakt abgetrennt. Diejenigen, die da als heroische Helden, die "Guten" gelten sollen, legen vielfach ein moralisch zumindest sehr zweifelhaftes Gebaren an den Tag.


Man muß vielleicht selektiv manches betrachten. Im "300" gibt es Szenen, die in keinem anderen Film eine echte Kriegskunst zeigen .Man soll kurz die moralischen Aspekte des Krieges vergessen und sich sehr genau ansehen wie schnell, genau, durchdacht, lässig, intelligent und endlich einfach schön die Kampfhandlungen sind. Das ist eben Kunst, wenn es so perfektioniert war, und genau darum ging es im "300". Der Tschingiskhan hatte einen Gelehrten Chinesen Li Chan bei sich, der jeder Art vom Gewalt ablehnte(als Taoist). Aber die Kampfhandlungen der Mongolen könnte der Humanist Li Chan nicht anderes als schön bezeichnen. Da steht gegenüber genauso eine böswillige Kampfmaschine und wird niedergemetzelt als wäre es ein Kinderspiel !

Ich habe keine Probleme mit unbekannten schlechten Filmen, aber wenn es angedreht wird wie Stiven Spielberg- Kotze oder "Herr der Ringe", dann wird es unangenehm.
eliskases
@

Bei der Bewertung der oben aufgeführten Filme wurden teilweise sehr weitreichende Vermutungen über die Motivationen der Filmemacher zugrunde gelegt. Besonders auffällig ist das z.B. in der von schneemann zitierten Kritik an Starship Troopers:

"Der Spaß, unglaublich platte Barbie-Gesichter aus Serien wie "Melrose Place" in sehr blutigen Space-Gemetzel zu sehen, hält nicht lange vor. Diese sogenannte Satire wurde hinzugemixt in der Hoffnung, dass das Mäntelchen "Ironie" das allzu dreiste Kriegstreiben beschönigen kann."

Das Problem ist nun nicht, dass diese Kritik nicht zutreffend sein könnte. Das Problem ist, dass solche Unterstellungen in der Regel nicht verifizierbar sind. Damit bringen sie nichts für eine sachgerechte Interpretation des Films.
Die Bewertung von Filmen wird oft geprägt durch pauschale Annahmen über ihren Herstellungsprozess. So wird oben unterstellt, dass die Satire nachträglich "hinzugemixt" wurde, quasi als Deckmäntelchen für den eigentlich gewaltverherrlichenden oder (etwas übertrieben) faschistoiden Charakter des Films (eugens Kritik an "300"). Der schlichte Umstand, dass mit dem Film Geld verdient werden soll, reicht oft aus, um ihn als "Trash" und schlechten Mainstream abzuqualifizieren. Ganz so einfach ist das aber nicht. Entwickelt man einen Blockbuster (also mit Kosten über 120 Mill $), dann geht es nicht um den Transport zweifelhafter Botschaften im Film. Dann geht es vielmehr darum, eine Geschichte zu erzählen, von der man annimmt, dass sie ein Massenpublikum attraktiv findet. Hierzu gehören aber nicht besonders viel Gewalt, besonders viel Sex, besondere Gewaltverherrlichung oder eine faschistoide Grundausrichtung. Wenn dem so wäre, dann wären jene Geschichten am erfolgreichsten, in der SS Offiziere viel Sex in einem gewaltorgiastischen Kriegsfilm haben. Der erfolgreichste Film bis heute ist aber Titanic. Gewalt und Sexorgien findet man nicht unter den 100 erfolgreichsten Filmen (gemessen an der Besucherzahl und damit am Erlös).

Wovon ein Film handelt, welche Aussage er hat und wie er zu interpretieren ist, zeigt sich in der Feinanalyse des Films selbst und sonst nirgendwo.
Zahlreiche Kritiker bemängelten an "Der Soldat James Ryan", dass am Anfang eine amerikanische Flagge flatternd im Wind gezeigt wird. Dies wurde als unerträglicher, typisch amerikanischer Patriotismus bemängelt. Bis einem der Kritiker auffiel, dass diese Flagge eine Anspielung auf die Vietnamkritik des Künstlers Robert Mapplethorpe war. Das ist eine ausgeblichene, zerschlissene amerikanische Flagge
Dieser Verweis ist in "Der Soldat James Ryan" belegbar, denn nach der eingeblendeten, zerschlissenen amerikanischen Flagge werden kurz danach noch die nicht ausgeblichenen Flaggen der Franzosen und Briten eingeblendet.
In "300" unterhielten sich die im Kino vor mir sitzenden Schlauberger nach dem Film darüber, dass manche markigen Sprüche doch recht unerträglich gewesen seien: z.B. die Bemerkung des persischen Unterhändlers: " "Unsere Pfeile werden die Sonne verdunkeln" und die Antwort des Spartaners: "Um so besser, dann können wir im Schatten kämpfen". Dies wurde ausgelegt als eine ekelhaft militaristische Bemerkung.
Es war mir eine persönliche Genugtuung hierzu anmerken zu dürfen, dass dies ein Originalzitat aus Herodots "Historien" ist. Wie alle markigen Sprüche in dieser Comicverfilmung aus Herodot stammen. Es ist immer die Frage, ob man in einem Film etwas so oder nicht auch anders dastellen kann? Wenn aber etwas so und so im Film dargestellt wird, dann sollte man doch bitteschön zunächst vorurteilslos danach fragen, ob es nicht einen guten Grund dafür gibt, es so darzustellen, wie es dargestellt wird.
oui
Zitat:
Original von ewig
Eine ganz leichte Aufgabe: Über welchen der folgenden Filme habt Ihr Euch hinterher die meisten Gedanken gemacht: Fluch der Karibik, Pearl Harbor, 300, Starship Troopers? Das ist es, was einen anspruchsvollen (guten) Film ausmacht.

Ich glaube nicht, dass "die meisten Gedanken gemacht" das Kriterium ist, da ich mir über Fluch der Karibik die meisten Gedanken gemacht habe, was ausschließlich an Johnny Depp lag.... großes Grinsen
meloyello
"No cauntry for old men"( sicher falsch geschrieben) . Was ich von dem Film gehört habe : blutig, brutal,böser Man... Aber , es gibt jede Menge Filme mit der gleichen Referenzen,nur "...old men" hat etwas, was Brutalität in den Schatten stellt . Das ist auch Kunst, und Kunst ist auch die Feinheiten zu erkennen und nicht gleich eigene hochmoralische Werte zu presentieren bei dem bischen Blut.
Exebeche
Und gleich noch einen oben drauf gesetzt:
Sin City
Hier muss selbst ich passen, ich finde keine tiefere Aussage.
Die einzigen Aussage, an die ich mich erinnere war:
"An old man dies, a young girl lives - fair trade."
Ansonsten kann auch ich nichts weiter daraus lesen.
Aber: Was für ein Kunstwerk. Die Charaktere - von Charakteren kann man ja nicht sprechen, denn durch die Bank waren alle Figuren stereotyp, was den Gegenpol zum Charakter darstellt.
Der Stereotyp wird hier zum Archetyp, jeder "Charakter" ist hier eine Art Urgestein.
Jeder einzelne Protagonist ist hier ein Verdammter, der sein Dasein in einer Unterwelt fristet, in der dieser Begriff keine Unterscheidung mehr zulässt zwischen der Unterwelt der Kriminalität und dem Zwielicht des Orkus in dem die toten Seelen ihr Dasein fristen. Jede Seele ist hier gleichermaßen verloren.
Die Guten und Bösen gibt es hier nicht, denn die Guten sind im einen Moment Opfer und im nächsten Täter. Es gibt hier nur Böse und weniger Böse.
Frank Miller, Zeichner der Comics hat hier eine völlig neue Welt aus der Taufe gehoben, in der es keinen Tag gibt. In dieser Form hat es das vorher nicht gegeben.
Die Bilder haben eine völlig eigene martialische, erotische, primitive Ästhetik, die Handlungen neigen dazu in einen unheilvollen Sog gezogen zu werden, in dem die optimistischste Form von Hoffnung lautet:
"An old man dies, a young girl lives - fair trade."
Eugen
Zitat:
Original von eliskases
In "300" unterhielten sich die im Kino vor mir sitzenden Schlauberger nach dem Film darüber, dass manche markigen Sprüche doch recht unerträglich gewesen seien: z.B. die Bemerkung des persischen Unterhändlers: " "Unsere Pfeile werden die Sonne verdunkeln" und die Antwort des Spartaners: "Um so besser, dann können wir im Schatten kämpfen". Dies wurde ausgelegt als eine ekelhaft militaristische Bemerkung.
Es war mir eine persönliche Genugtuung hierzu anmerken zu dürfen, dass dies ein Originalzitat aus Herodots "Historien" ist. Wie alle markigen Sprüche in dieser Comicverfilmung aus Herodot stammen.


Wusste ich nicht, überrascht mich allerdings auch nicht wirklich und ändert auch nichts daran, dass ich mit derartigem Pathos nicht viel anzufangen weiss. Wobei ich nicht abstreiten will, dass ein besonderes Hintergrundwissen manchmal viel dazu beitragen kann, wie man einen Film einschätzt und erlebt.

Ich weiss auch gar nicht, ob man "300" als faschistoid oder militaristisch kritisieren sollte. Dazu kommt er mir fast zu manieriert, zu künstlich vor um auf die derart Empfänglichen tatsächlich wirken zu können. Aber eigentlich erschienen mir die Sprüche und die Handlung insgesamt nicht als das Wesentliche, sondern eher als untergeordnetes Beiwerk verglichen mit der visuellen Wucht der Bilder, die für mich das wirklich Faszinierende des Films waren. Um sich davon gefangennehmen zu lassen, braucht es allerdings keiner besonderen Feinanalyse oder des Wissens um einen "guten Grund" für diese Art der Darstellung.

Es gibt natürlich Filme, die auf einer intellektuelleren Ebene arbeiten und wo das (Er-)Kennen bestimmter Bezüge auf Sachverhalte, die im Film selbst nicht direkt zum Ausdruck kommen, sehr wichtig ist. "300" gehört m.E. nicht dazu. Auch noch so genaue Herodot-Kenntnisse erschließen einem nicht mehr als man sowieso schon sieht.

Gruß
ewig
Zitat:
Original von oui
Zitat:
Original von ewig
Eine ganz leichte Aufgabe: Über welchen der folgenden Filme habt Ihr Euch hinterher die meisten Gedanken gemacht: Fluch der Karibik, Pearl Harbor, 300, Starship Troopers? Das ist es, was einen anspruchsvollen (guten) Film ausmacht.

Ich glaube nicht, dass "die meisten Gedanken gemacht" das Kriterium ist, da ich mir über Fluch der Karibik die meisten Gedanken gemacht habe, was ausschließlich an Johnny Depp lag.... großes Grinsen

;>

Zitat:
Original von Exebeche
Zitat:
Original von ewig
Ich finde es hochinteressant, was hier so alles als "schlechter Film" bezeichnet wird.

Na, aber genau darum geht es ja in diesem Thread - die guten Aspekte von schlechten Filmen aufzuzeigen.

Klar ist dabei, dass es nicht möglich ist einen Film kategorisch als gut oder schlecht klassifizieren zu wollen.
Bei dem Titel habe ich mich natürlich einer kleinen journalistischen Überspitzung beflissen. Schon hier steckt also etwas von dem Konfliktpotential des Themas
Freude

Selbst das kann mich nicht gnädiger stimmen. großes Grinsen

Wenn die Mehrheit der bislang genannten Filme schlecht ein soll, dann nenne mir bitte mal jemand ein paar gute. "Titanic" '97 qualifiziert sich hier gegen die meisten genannten schon einmal nicht, vollkommen unabhängig davon, wieviele Weichbirnen den damals unbedingt zehnmal nacheinander ansehen mußten. Das war einfach bloß der Nte Aufguß eines ewiglich sinkenden Schiffleins aufgemacht als aufgeblähte Romanze mit einem Milliarden-Budget: pures mainstream-Kino, zwar hochfachmännisch gemacht, aber abgesehen vom Budget überhaupt nichts neuartiges, aufregendes, diskussionswertes. Redet auch heute niemand mehr drüber, abgesehen vom cash value Aspekt.

Nenne doch mal jemand ein paar "gute" Filme; sollen das wirklich die sein, die von den schieren Massen gekrönt wurden?
Exebeche
Zitat:
Original von ewig
Nenne doch mal jemand ein paar "gute" Filme;

Brazil
Pi
Leolo
Oh brother where art thou?
Alles ist erleuchtet
Magnolia
Bowling for Columbine
Southland Tales
LA Crash
Blade Runner
Donnie Darko
Tide Land
Delikatessen
Stadt der verlorenen Kinder
Dead man
Being John Malkovich
Human nature
La Planète sauvage
Down by Law
night on earth
Der Gefallen, die Uhr und der sehr große Fisch
Die letzte Versuchung Christi
Gegen die Wand

...
tolwin
Ohne es vertiefen zu wollen, ging es mir darum, Gewalt auf die einzige Art darzustellen, in der sie auch die vorgeblich beabsichtigte Wirkung von Filmen wie Natural Born Killers oder Starship Troopers & Co. entfaltet, nämlich als inkonsumerabel.
Will man das von mir Angesprochene vermeiden, muss Gewalt also immer inkonsumerabel dargestellt werden. Nicht ästhetisch, auch nicht anti-ästhetisch (Die Antiästhetik ist auch ein Modewort, unter dessen Deckmäntelchen es häufig auch nicht allzu gut riecht) sondern nicht ästhetisch. Das ist auch der Unterschied zwischen der Gewaltdarstellung von Pasolinis Salo und der Gewaldarstellung von Mann beisst Hund.
Bei Salo wirkt die Gewalt wie sie soll, bei Mann beisst Hund wirkt sie nicht so wie sie soll.

Ahja: das Beste bei meinem Kinobesuch zu 300 war folgende Szene, die sich nicht auf der Leinwand abgespielt hat. Nach der ersten großen Schlacht sieht man diesen potenten Alpha-typen lässig in einen Apfel beissen, woraufhin ich eine Frau neben mir ihre Begleitung fragen hörte: "Wo hat der denn jetzt auf einmal 'nen Apfel her?"
Exebeche
Zitat:
Original von tolwin
Das ist auch der Unterschied zwischen der Gewaltdarstellung von Pasolinis Salo und der Gewaldarstellung von Mann beisst Hund.
Bei Salo wirkt die Gewalt wie sie soll, bei Mann beisst Hund wirkt sie nicht so wie sie soll.[/I]"

Also ich hab da Bedenken.
Wie gesagt, hat sich Saló im p*rnoregal scheinbar bewährt gemacht. Das kann der Sinn des Films nicht gewesen sein.
Konsumierbarkeit von Gewalt wird wohl doch sehr unterschiedlich wahrgenommen.
Michael Haneke hat mit mehr als einem Film ganz bewusst versucht die Nicht-Konsumierbarkeit von Gewalt aufzuzeigen, der bekannteste dürfte momentan "Funny Games" sein.
Die europäische Originalversion war verstörend, das mit Sicherheit.
Allerdings sehe ich nicht, weshalb er nicht konsumierbar sein sollte.
Ich schätze, dass da jeder seine eigenen Grenzen zieht.
"Irreversible" (v. Gaspar Noé, m. Monica Bellluci) war der erste und einzige Film, der die Nicht-Konsumierbarkeit wirklich realisiert hat.
Zitat wiki:
"Das US-amerikanische Magazin Newsweek verlieh Irreversibel den Titel >most walked-out-of movie of the year<".
Selbst schuld, wer sitzen geblieben ist, so wie ich.
Ich hab mich noch Tage später wie vergiftet gefühlt, und kann heute einen speziellen Teil von Beethovens siebter Symphonie nicht hören, ohne das Gefühl unter einem rollenden Güterzug zu liegen.
Lustig: In der Videothek fand ich ihn im Teil der "Familienvideothek".
Der Betreiber machte keine Anstalten von meiner Kritik daran Notiz zu nehmen.
"Solange er nicht auf dem Index ist, kann man das schon machen.", sagte er.
Was war eigentlich die Aussage des Films?
Soweit ich resümieren kann war es "Die Zeit zerstört alles".
ewig
Die Liste scheint mir einen guten Ansatzspunkt zu liefern. Da ich nämlich von denen nur eine handvoll überhaupt kenne, und diese wenigen auf jeden Fall zumindest einen gewissen intellektuellen Anspruch an ihre Zuschauer stellen statt auf superteure Effekthascherei zu setzen, erreichen diese auch nicht die breiten Massen. Nochmal schnell den Startpost gelesen: Wolltest Du nun auf die Vereinbarkeit beider Ansprüche hinaus? Gerade Filme, die beides schaffen, die das Massenpublikum erreichen UND den Verstand derer fordern, die das oberflächliche Spektakel nicht so ganz aufüllt, sind doch dann eigentlich in beiderlei Hinsicht gut. Oder nicht? Warum sollen ausgerechnet die schlecht sein? :>
Eugen
Zitat:
Original von ewig
...Gerade Filme, die beides schaffen, die das Massenpublikum erreichen UND den Verstand derer fordern, die das oberflächliche Spektakel nicht so ganz aufüllt, sind doch dann eigentlich in beiderlei Hinsicht gut. Oder nicht? Warum sollen ausgerechnet die schlecht sein? :>


Vielleicht wäre es besser, die hier anscheinend überwiegend unterstellte Möglichkeit, Filme eindeutig in gute und schlechte einzuteilen, mal fallenzulassen.

Filme können auf viele Weisen positiv bzw. negativ ansprechen: aufgrund von formalen, emotionalen oder eben auch intellektuellen Aspekten. Und nicht jeder wird durch jeden dieser Aspekte gleich stark angesprochen. Wenn oben meloyello z.B. die Kampfszenen in "300" als hohe Kunst lobt, muss ich eingestehen, dass ich das nicht nachempfinden kann. Aber ich respektiere, dass er evtl. wegen seines Kennerblicks Grund hat, den Film deshalb für sehenswert zu halten.

Wenn ich Exebeche richtig verstehe, könnte man seine Frage so eingrenzen, dass es ihm um Filme geht, die aus philosophischer Sicht anscheinend uninteressant sind, was aber bei genauerer Betrachtung gar nicht stimmt, sondern sie vielmehr durchaus ergiebiges Material für philosophische Reflexionen liefern.

Zu meinen Favoriten in der Beziehung zählen übrigens die "Alien"- Filme.

Gruß
ewig
Zitat:
Original von Eugen
Vielleicht wäre es besser, die hier anscheinend überwiegend unterstellte Möglichkeit, Filme eindeutig in gute und schlechte einzuteilen, mal fallenzulassen.

Das sowieso. :> Sagen wir, es geht um Filme, die von "der Kritik" vorschnell abgeurteilt und in eine bestimmte Schublade einsortiert wurden, was diesen aber nicht gerecht wird. Eingangsbeispiel Conan ist dafür der Prototyp.
eliskases
@ tolwin et.al.

Zitat:
Original von tolwin
Will man das von mir Angesprochene vermeiden, muss Gewalt also immer inkonsumerabel dargestellt werden. Nicht ästhetisch, auch nicht anti-ästhetisch (Die Antiästhetik ist auch ein Modewort, unter dessen Deckmäntelchen es häufig auch nicht allzu gut riecht) sondern nicht ästhetisch. Das ist auch der Unterschied zwischen der Gewaltdarstellung von Pasolinis Salo und der Gewaldarstellung von Mann beisst Hund.
Bei Salo wirkt die Gewalt wie sie soll, bei Mann beisst Hund wirkt sie nicht so wie sie soll.

Entschuldige, aber ich denke, diese Unterscheidung hilft nicht weiter.
Gewaltdarstellungen, die nicht ästhetisch" und "inkonsumerabel" sind?
Ich vermute, dass du meinst, dass die dargestellte Gewalt schlicht nicht positiv rüberkommen sollte. Ich bin übrigens ebenfalls der Meinung, dass sie das grundsätzlich nicht sollte.
Wie exbeche oben aber erklärt, steht Pasolinis "Salo" geflissentlich im p*rnoregal und ich bin mir völlig gewiss, dass sich der ein oder andere auf diesen Film gepflegt die Möhre schrubben kann, weil er es trotz deiner filigranen Unterscheidung geil findet. Man kann sich nun lange darüber unterhalten, ob und inwiefern das einen pathologischen Charakter im Betrachter vorraussetzt? Aber das ändert nichts an dem Befund, dass es allein im Auge des Betrachters liegt, ob er etwas geil findet oder nicht. Gewaltdarstellungen sind immer auch konsumerabel. Das kann kein Filmemacher ausschließen.
Meine Schlussfolgerung hieraus ist, dass deine Unterscheidung kein Kriterium für die Güte eines Films sein kann.
eliskases
@ eugen et.al.

Zitat:
Original von Eugen
Vielleicht wäre es besser, die hier anscheinend überwiegend unterstellte Möglichkeit, Filme eindeutig in gute und schlechte einzuteilen, mal fallenzulassen.

Wenn hier bislang überhaupt etwas Wahres gesagt wurde, dann ist es das.

Zitat:

Wenn ich Exebeche richtig verstehe, könnte man seine Frage so eingrenzen, dass es ihm um Filme geht, die aus philosophischer Sicht anscheinend uninteressant sind, was aber bei genauerer Betrachtung gar nicht stimmt, sondern sie vielmehr durchaus ergiebiges Material für philosophische Reflexionen liefern.
Zu meinen Favoriten in der Beziehung zählen übrigens die "Alien"- Filme.

Dito, - die Alien-Quadrologie ist bei aller unterschiedlichen Bewertung der einzelnen Teile insgesamt ein Meilenstein der Filmgeschichte.

Zitat:
Original von Eugen
Es gibt natürlich Filme, die auf einer intellektuelleren Ebene arbeiten und wo das (Er-)Kennen bestimmter Bezüge auf Sachverhalte, die im Film selbst nicht direkt zum Ausdruck kommen, sehr wichtig ist. "300" gehört m.E. nicht dazu. Auch noch so genaue Herodot-Kenntnisse erschließen einem nicht mehr als man sowieso schon sieht.

Da gebe ich dir recht. Letztlich sind Zitationen kein Selbstzweck. Ein Film wird nicht dadurch zum sehenswerten (und intellektuell verstanden "guten Film") durch die Summe seiner Zitate auf andere Filme oder bestimmte Aspekte. Es kommt vielmehr darauf an, welche Aussagen die Zitate im Gesamtzusammnenhang des Films treffen.
tolwin
Nö, kein Kriterium für die Güte. Es ging um die Form der Gewaltdarstellung und ihre Wirkung. Wenn ein Filmemacher dezidiert sagt, "wir wollen, daß Gewalt als etwas Cooles rüberkommt" ist das okay. Aber das wollen bestimmte hier genannte Filme ja ausdrücklich nicht. Da kann man über unterschiedliche Formen verfügen.
Wer sich bei Salo an den Folterungen aufgeilt, steht außerhalb solcher Verfügbarkeit. Das ist nicht schlimm, aber muss eben festgehalten werden.
Exebeche
Zitat:
Original von ewig
Zitat:
Original von Eugen
Vielleicht wäre es besser, die hier anscheinend überwiegend unterstellte Möglichkeit, Filme eindeutig in gute und schlechte einzuteilen, mal fallenzulassen.

Das sowieso. :> Sagen wir, es geht um Filme, die von "der Kritik" vorschnell abgeurteilt und in eine bestimmte Schublade einsortiert wurden, was diesen aber nicht gerecht wird. Eingangsbeispiel Conan ist dafür der Prototyp.


In vielen Fällen wird die schlechte Kritik den Filmen durchaus gerecht, und da ist oft auch nicht mehr zu holen.
Die Kategorisierung in "gut" und "schlecht" ist natürlich grundsätzlich unhaltbar, und ICH halte auch nur deshalb daran fest, weil ich in diesem Kreise weiß, dass die Leute das Niveau haben mich so zu verstehen, dass ich sie mit einem Augenzwinkern benutze.
Ich würde mal sagen, was den sogenannten "schlechten" Film vom sogenannten "guten" unterscheidet ist nicht einmal, dass er versucht die Masse zu erreichen, sondern dass er bei dem Versuch die Masse zu erreichen die primitiven Bedürfnisse des Menschen ausnutzt.
Man wird z.B. bei einem Film wie "Die wunderbare Welt der Amelie" keine breite Front von Gegnern haben, wenn man behauptet es handle sich um einen guten Film (auch wenn man einwerfen mag, er sei überbewertet).
Anders ist es bei Starship Troopers - man wird einfach keinen breiten Konsens darüber finden, dass es sich hierbei um einen guten Film handle, einfach weil er zu viele Elemente eines schlechten Films hat.
Genau so bei "Natural Born Killer" oder "Conan der Barbar".
Es wird immer eine erhebliche Anzahl von Kritikern geben, die fundiert belegen können, wieso es sich um "schlechte" Filme handelt.

Mir geht es darum, die guten Seiten von sogenannten schlechten Filmen aufzuzeigen. Nicht um zu beweisen, dass sie zu unrecht als schlecht behandelt werden, sondern um zu zeigen, dass manchmal kleine Diamanten im Staub liegen.
Es ist ja wirklich so mit einem ungeschliffenen Diamanten, dass man ihn in der Regel nicht erkennt, wenn er im Staub vor einem liegt.
Ein Film wie "Blade Runner" wird bspw. gerne als Popcornkino konsumiert, wobei übersehen wird, dass er sehr eindringlich die Frage stellt, was einen Mensch zum Menschen macht, und ab welcher Grenze man ein Lebewesen als ein Ding behandeln kann. Die Art wie er diese Problematik thematisiert stellt eine besonders pikante Variante von Denkmodell dar.
Du verstehst... Ein Stephen King thematisiert die Probleme von Massenpsychose und Gruppendynamik vielleicht nicht so bewusst wie ein Dürrenmatt, das ändert aber nichts daran, dass er es tut. Selbst wenn es ein Versehen wäre.
Ein Künstler mag vielleicht sogar versuchen bewusst keine Kunst zu produzieren, versehentlich geschieht es dann doch.
Ein Tarantino versucht vielleicht mit Kill Bill (1) einfach nur Trash mit Musik und bunten Bildern für die Kasse zu machen, und bemerkt garnicht, dass er eine moderne Form der Oper aufgelegt hat.
Es kann also durchaus sein, dass ein Film im Ganzen als Schmutz betrachtet werden muss, im Detail aber eine Perle verborgen sein kann.

Wobei ich bitte zu berücksichtigen, dass ich Blade Runner oben in der Liste guter Filme aufgeführt habe.
Exebeche
Zitat:
Original von Eugen
Wenn ich Exebeche richtig verstehe, könnte man seine Frage so eingrenzen, dass es ihm um Filme geht, die aus philosophischer Sicht anscheinend uninteressant sind, was aber bei genauerer Betrachtung gar nicht stimmt, sondern sie vielmehr durchaus ergiebiges Material für philosophische Reflexionen liefern.
Zu meinen Favoriten in der Beziehung zählen übrigens die "Alien"- Filme.

Und hierfür habe ich den Thread aufgemacht, um solche Fälle zu erläutern.
Ich betrachte z.B. Alien auch als einen Meilenstein der Science Fiction und als unvergesslichen Klassiker.
Jetzt würde mich natürlich brennend interessieren, zu welchen philosophischen Reflexionen dich Alien inspiriert hat.
winken
Erik van Thom
Ich habe mir neulich "Caligula (Imperial Edition)" angesehen.
Phantastische Darsteller. Ich glaube, dass dieser Film hinsichtlich seines Genres (Splatter-Porn?) unueberboten ist.
Mir hat die Tochter am Ende leid getan, um den Titelhelden selber ist es wohl nicht wirklich schade...
Exebeche
Und?
Hat er etwas, was ihn aus der Masse von Splatter und p*rno hervorhebt?