Okkhams Rasiermesser

J*St*
Hallo Leute,

Auf verschiedenen Internetseiten und auch in einem allgemeinen Thread in diesem Forum begegnete mir der Begriff "Okkhams Rasiermesser". Leider konnte oder wollte mir niemand sagen, was man denn nun genau darunter versteht. Würde mich aber sehr interessieren, hier aufgeklärt zu werden. Für eine kurze Erklärung wäre ich sehr dankbar. Gruß Joachim Stiller Münster
Shui
Von 2 oder mehr Theorien, welche den selben Sachverhalt erklären, ist jene zu bevorzugen, welche dies auf einfachere Art und Weise, also mit den wenigsten Zusatzannahmen, tut.
siehe dazu:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ockhams_Rasiermesser
J*St*
Lebe jeden Tag, als wenn's der letzte wär!
Danke und Gruß Joachim Stiller Münster
Gottlob
Ich finde es interessant, dass das Ockhams Razor heute fast nur noch wissenschaftstheoretisch ausgelegt ist. So ist auch die Heransgehensweise bei wiki.
Aber die Pointe bei Ockham ist eigentlich ontologischer Natur. "Anahme" muss dann ontologisch verstanden werden. Also ist es nicht zulässig, unnötige Entitäten anzunehmen. Eine Erklärung lässt sich natürlich in die andere Überstetzen. Meistens sind die Zusatzannahmen in einer Theorie solche angenommenen Entitäten, und deshalb vergisst man oft einfach den ontologischen Aspekt bei Ockham. Aber ich finde das hier interessant, weil die Wissenschaftstheorie, die immer so hart daherkommt, sich eines ontologischen Grundsatzes bedient. Ontologie oder Metaphysik war ja zu Zeiten schon fast verschrien.
Shui
Zitat:
Aber ich finde das hier interessant, weil die Wissenschaftstheorie, die immer so hart daherkommt, sich eines ontologischen Grundsatzes bedient.

Ist der Ursprung von Bedeutung?
Okhams Rasiermesser wurde in die Wissenschaft übernommen, weil es ein einleuchtendes Prinzip ist.
Da es aber nicht geeignet ist, Wahrheit zu finden, ist es in der Wissenschaft auch besser aufgehoben, als in der Metaphysik.
Zanderdan
Naja, auch Ockham war ja in weiten Teilen seiner Philosophie wissenschaftstheoretisch unterwegs, er hat nur etwas anderes unter Wissenschaft verstanden. Das "entia" klingt natürlich erstmal ontologisch, aber wo soll die Notwendigkeit herkommen, wenn nicht von einer Theorie?

Wo kommt denn, nebenbei gefragt, die Wissenschaftstheorie "hart daher"?

Gruss
Gottlob
Naja, meistens meinen doch diejenigen, die wissenschaftstheoretisch reden, schwieriger widerlegen zu sein, als bspw. Metaphysiker. Das wollte ich mit der Metapher der Härte andeuten.

@Shui: Natürlich nicht, wenn es einem rein darum geht, die heutige Verwendungsweise zu erklären; aber ich finde es trotzdem interessant sich das mal anzusehen. Es ist ein einleuchendes Prinzip; aber es gibt durchaus auch ernstzunehmende Philosophen, für die es keine Verpflichtende Richtlinie ist. Die Nehmen Sachen an wo sie wollen.
Infinite
Mann sollte dieses Prinzip von der Position eines Physikers betrachten: er bekommt neue Daten von den Experimenten, und kann unendlich viele neueTheorien herstellen, die diese Daten erklären würden. Irgendeine Theorie müssen die Physiker aber wählen, und sie nehmen halt die einfachste davon :-) dabei ist es zwar meistens, aber natürlich nicht immer die richtige.