Neo
Hallo Zanderdan,
hab den Beitrag erst jetzt gesehen. Danke für die gut verständliche Darstellung. Die kleine Nachhilfestunde in Volks- und Finanzwirtschaft war sehr nötig (zumindest was mich betrifft; ist doch schon ziemlich lange her). Die Zusammenhänge speziell bei den Hypo-Krediten war mir auch in dieser Deutlichkeit nicht bewußt.
@Schneemann:
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Der andere Ausweg könnte geradewegs im Gegenteil liegen, nämlich in der grösseren Machtwahrnehmung und Bildung eines jeden Einzelnen. Denn wenn der marktwirtschaftlich gebildete Bürger letztlich versteht was da vor sich geht, dann lernt er auch dass es sich stets lohnt antizyklisch zu handeln. Sobald das alle einsehen und versuchen entsprechend am Marktgeschehen teilzunehmen anstatt mit dem Strom zu schwimmen oder alles den grossen Finanzjongleuren zu überlassen,... |
Sehe ich auch so. Allerdings ist das ein bißchen viel verlangt. Die Finanzmärkte funktionieren inzwischen nach so komplexen Regeln, dass der Durchschnittsmensch unmöglich noch durchblickt. Teilweise bin ich auch davon überzeugt, dass diese gezielt durch Spekulanten manipuliert werden (z.B. durch gezielte Streuung von Inforamtionen, Gerüchten und Stimmungen [z.B. Job-Streichungen umd die AktienKurse zu verbessern] bei den Energiepreisen bin ich mir ziemlich sicher).
Um rational handeln zu können, ist also immer mehr Insider- und Spezialwissen gefragt, was man nicht hat, wenn man sich nicht hauptberuflich mit der Thematik befasst.
Die andere Seite ist die, dass durch jahrzehntelange Umerziehung der Denke das allgemeine Bewußtsein gewachsen ist, nicht mehr durch Hände Arbeit kann man reich werden, sondern durch Steigerung der Rendite. Der kleinbürgerliche Börsenkapitalismus ist entstanden. Anstatt sein Geld zu investieren (Auto, Wohnung) oder langfristig anzulegen, meinte jeder der ein paar Tausender übrig hatte, auf die schnelle reich werden zu können, wenn er damit an die Börse geht (Stichwort T- Aktie). Natürlich vertraute man sich diesbezgl. den Bankern an, denn man selbst hat ja keine Ahnung. Und diese versprachen auch, dass das das klügtse sei und man praktisch nicht verlieren könne.
Aber nicht nur der Kleinbürger dachte so, auch in den Köpfen der Unternehmen machte sich diese Denke breit. Statt den Unternehmensgewinn im eigenen Betreib zu reinvestieren, denkt man darüber nach, Beteiligungen zu erwerben, ohne diese dritten Betriebe zu kennen, indem man sich auf Gutachten von Wirtschaftsfachleuten beruft, was m.E. risikobehafteter ist, was man aber aufgrund der hohen und schnellen Gewinnerwartung und der gestiegenen Risikobereitschaft der Entscheidungsträger gerne in Kauf nimmt. Schließlich ist es ja nicht das eigene Häuschen, das man beim Spiel einsetzt, sondern nur das Unternehmenskapital, welches ja wiederum einen anonymen Aktionärspulk gehört. Eine Monopoly-Mentalität hat sich breit gemacht: Geht´s gut, krieg ich nen satten Bonus, gehts schief, schmeisst man mich halt raus, mit ner etwas kleineren Abfindung zwar, aber was kann ich schon groß verlieren?
Herkömmliche altbewährte Werte wurden über Bord geworfen (.z.B. langfristige Wertsteigerung und Wachstum durch den Namen, den Ruf, die Qualität - Goodwill) zugunsten der möglichst raschen Steigerung der Ek-Rendite: die Geburtsstunde des Shareholder-Value-Absolultismus und der 'Heuschrecken'.
Ich persönlich bin der Meinung wir befinden uns gerade in einem erneuten ökonomischen Umstrukturierungs- und Lernprozess. Wir müssen halt - sow wie jedes Land - das mitmachen, was modern ist und aus Amerika kommt. Seit der Globaliserung hat man praktisch ohnehin keine andere Wahl mehr. Die fallen mit ihrem System auf die Schnauze, wir werden es schön brav genauso tun. Dann hat man aus den Fehlern gelernt und wird sich wieder auf rationales, gesundes, bodenständiges Wirtschaften besinnen. Meine Überzeugung. Eine Umsteuerung wird nur durch massive politische bzw. staatlich regulierende Einflussnahme möglich sein, was man ja eigentlich nicht will - s. China - , was aber vorübergehend wohl ein notwendiges Übel sein wird.
Das Lehrgeld aber zahlen allerdings die Millionen, die dabei auf der Strecke bleiben. Das ist das eigentlich traurige daran.
Gruß
Zanderdan
Hallo oui,
klar gibt es in USA Kreditversicherungen, das ist es ja gerade, was Fannie und Freddie hauptsächlich machen. Die sichern ca. 3-4 Billionen $ an Krediten. Dann gibt es noch spezielle Kreditversicherer, sogenannte Monoliner, die nochmal 2-3 Billionen $ absichern. Aber was nützt dir die schönste Versicherung, wenn der Versicherer dich nicht auszahlen kann?
Das ist ja genau das Problem, was eine Pleite von Fannie, Freddie oder den Monolinern (oder allem zusammen) auslösen würde. Dann würden nämlich all die auf die Banken der Welt verstreuten Securities an Wert verlieren. Das führt zu Abschreibungen bei den Banken (mark-to-market!). Die Abschreibungen schmälern den Gewinn und damit das Eigenkapital. Weniger Eigenkapital heißt weniger Kreditvergabe, weil ja jeder Kredit auch mit Eigenkapital unterlegt sein muß. Nur mal als Beispiel: wenn im Schnitt 5% EK gefordert sind und bei Insolvenz von Freddie und Fannie 1 Billionen $ abgeschrieben werden müssten, könnten die Bank in aller Welt 20 Billionen weniger Kredite vergeben. Das macht sich dann schon bemerkbar.
Ein Wort zu den Monolinern. An den Aktienkursen kann man ganz gut erkennen, dass die auch nicht besonders dastehen. Die Aktie von zB MBIA kostete vor einem Jahr 47 €, heute 3,50; Ambac 50 €, heute 1,30. Gleiches Spiel wie bei den Banken: viel zu wenig Kapital für die Geschäfte, die sie gemacht haben. Jetzt müssen sie, genau wie Freddie Mac, Geld am Kapitalmarkt aufnehmen. Ist aber nicht die beste Zeit dafür, logischerweise.
Regulierungen à la Basel II gibts natürlich auch in USA, auch wenn ich die nicht genau kenne. Aber dank der ganzen verbriefereien gibts ja gar nicht mehr den Kreditgeber im klassischen Sinne, den man regulieren könnte. Der hat ja all seine Risiken und die erwarteten Cash Flows gebündelt und verkauft. Und der Käufer hat einfach ein Wertpapier gekauft, er wird damit von Kreditregulierungen nicht erfasst.
Diese Wertpapiere sind dann noch per financial engineering so designed -sprich eben mit Kreditversicherungen und Collaterals vermischt- dass die Papiere -auch für subprime Kredite- ein AAA bekommen. Zum Vergleich: etwa 2% alle öffentlich gehandelten Firmen bekommen ein AAA, aber 60% der asset-backed securities haben in den letzten Jahren eins bekommen. Auch keine Glanzleistung von den Ratingagenturen.
Sprich: weder gibt es einen regulierbaren Kreditgeben, noch sind die Risiken wirklich transparent. Alle kommen sich äußert schlau vor, aber den Durchblick hat niemand. Der Hauskäufer verläßt sich auf das Wertgutachten seiner Hausbank, die verkloppt den Kredit aber weiter, der Käufer verläßt sich auf das Agenturrating, das sich widerum auf die Solvenz der Kreditversicherer stützt. Am Ende sehen sich alle ratlos an.
Es liegen ja jetzt zwei "Lösungsvorschläge" auf dem Tisch. Einer von den Banken (kein mark-to-market accounting mehr) und einer von der US-Regierung oder SEC: naked short selling verbieten. Dazu später noch was, muss erstmal weg.
Gruss
Zanderdan
Hi Neo,
bin nicht in allen Punkten -die auch nicht an mich adressiert waren- deiner Meinung, möchte aber mal zwei Dingen ausdrücklich zustimmen:
| Zitat: |
Original von Neo
Die andere Seite ist die, dass durch jahrzehntelange Umerziehung der Denke das allgemeine Bewußtsein gewachsen ist, nicht mehr durch Hände Arbeit kann man reich werden, sondern durch Steigerung der Rendite.
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Eine Monopoly-Mentalität hat sich breit gemacht: Geht´s gut, krieg ich nen satten Bonus, gehts schief, schmeisst man mich halt raus, mit ner etwas kleineren Abfindung zwar, aber was kann ich schon groß verlieren?
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Zum ersten: es scheint mir auch so, dass Kapitalerträge einen immer höhern Anteil am Volkseinkommen haben müssten und eigentlich sollte das auch leicht zu beziffern sein, aber ich kann mich erinnern, mal was drüber gelesen zu haben. Es ist klar, dass es -wenn das so ist- über Erbschaften zu einer sich verbreiternden Kluft in der Bevölkerung führen muss, die sich zwischen denen auftut, die allein auf Lohneinkünfte angewiesen sind und den anderen, die über Investitionskapital verfügen (zumal Kapitaleinkünfte steuerlich meist günstiger dastehen). Gleichzeitig schafft investiertes Kapital in Zeiten von Marktblasen eine Scheinblüte, also einen Buchreichtum, der beim Platzen der Blasen den Katzenjammer verstärkt. Also eine eher unerfreuliche Geschichte. Aber wie gesagt, nie irgendwo thematisiert gefunden, du?
Zur "Monopoly-Mentalität". Man muss sich mal in so einen Fondsmanager hereinversetzen. Zum Beispiel bei den oben erwähnten Kreditversicherern. Wenn der Geschäfte macht, die super Renditen bringen, erhält er jedes Jahr einen satten Bonus (einen wirklich satten, kein Vergleich mit den Boni die man sonstwo erhält, die im Bereich von 1-4 Monatslöhnen liegen. Hier gibt es Grundgehälter von sagen wir 200 TUSD und teilw. Millionenboni). Wenns wie hier geschehen schief geht und sich herausstellt, dass die Rendite zwar gut war, aber die Risiken viel höher als man geschätzt hatte, dann zahlt er die Milliardenverluste ja nicht aus eigener Tasche. Vielleicht verliert er seinen Job. Für einige ist das vielleicht auch schlimm, anderseits sind solche Manager mit Abschlüssen von Wharton oder Harvard dekoriert und haben ein Haus in den Hamptons, da muss man sich dann auch nicht übermäßige Sorgen um sie machen. Seine Situation ist doch: er kann enorm viel gewinnen, aber weit weniger verlieren. Und Gewinne werden wie gesagt (oben) oft in den Grauzonen der Märkte gemacht. Ist doch eigentlich klar und verständlich, dass er sich darauf stürzt. Und wenn ers nicht tut machts ein anderer, der hat dann eine Zeitlang Erfolg und wer Erfolg mit seinem Potfolio hat, der bekommt die Dollars hinterhergeschaufelt. Mir erscheint das bei diesen Anreizen ganz selbstverständlich, dass sich so eine "Monolpoly-Mentalität" ausbildet.
Das Problem ist wohl, dass ein Fondsmanager genau sagen: soundsoviel Geld hat mein Fond verdient. Wenn ich hier keinen Anteil kriege, mache ich den Job auf eigene Rechnung, oder für jemanden, der mir mehr zahlt. Der Angestellte in der Buchhaltung kann nicht so argumentieren. Im Grunde machen aber beide nur ihren Job. Und was der Fondsmanager nun wirklich gebracht hat, zeigt sich nämlich nur scheinbar im Ergebnis; Beispiel Kreditversicherer. Die haben gedacht: Super Renditen. Aber dann stellt sich heraus, dass man ein viel zu hohes Risiko eingegangen ist. Nur zu dem Zeitpunkt hat der Fondmanager seinen Bonus schon eingestrichen.
Naja. Statt an den Anreizen zu drehen, will man in USA jetzt wie gesagt das nackte short selling verbieten. Short seller setzen ja auf fallende Kurse, sprechen sozusagen mit der Stimme des Bären und sind entsprechend unbeliebt. Man hält sie oftmals für verantwortlich, wenn die Kurse fallen, weil sie daran verdienen.
Diese ganze Hypothekengeschichte war so eine Art Pilotenspiel. Konnte nur funktionieren, solange die Häuserpreise steigen. Jetzt das short-selling zu verbieten ist in meinen Augen ein Signal, dass man das Spiel eigentlich schon in Ordnung fand, nur haben die blöden short seller die Party vermiest. Für mich ein ganz falscher Weg.
Gruss
Neo
Hi Zanderdan,
| Zitat: |
Original von Zanderdan
es scheint mir auch so, dass Kapitalerträge einen immer höhern Anteil am Volkseinkommen haben müssten und eigentlich sollte das auch leicht zu beziffern sein, aber ich kann mich erinnern, mal was drüber gelesen zu haben. [...] Gleichzeitig schafft investiertes Kapital in Zeiten von Marktblasen eine Scheinblüte, also einen Buchreichtum, der beim Platzen der Blasen den Katzenjammer verstärkt. Also eine eher unerfreuliche Geschichte. Aber wie gesagt, nie irgendwo thematisiert gefunden, du? |
Ne, auch nicht. Aber ich hab mich mal versucht an einer groben Schätzung aufgrund der Daten, die ich auf die Schnelle ausfindig gemacht hab.
Also Vergleich 2007 vs 2000
Zusammensetzung des NIP 2000 lt Wiki
NIP: 1734 Mrd
davon Arbeitnehmernetgelte (lt Verteilungsrechnung) 1100 Mrd
Das wären 65 % oder knapp 2/3. Der Rest muß aus Kapitaleinkünften erwirtschaftet worden sein.
2007:
NIP lt Wiki ca. 2100 Mrd (= + 21% vs 2000 AD)
Das BIP stiig dagegen nur um 16,4% vs 2000, was auf geringere Abeschreibungen wg abnehmender Re-/Nettoinvestitionstätigkeit sowie auf geringeren Außenbeitrag hindeuten könnte.
Arbeitnehmerentgelte 2007 = 1180 Mrd (Quelle: Statistisches BA), das wären also nur noch 56 % vs. 65% in 2000.
Gruß
Zanderdan
Interessant. Ich schätze mal aus dem Bauch heraus, dass nicht viel mehr als 20% der Bevölkerung nennenswerte Kapitalerträge beziehen. Der Rest hat so beschissene Rentenfonds wie ich oder nischt. Es ist ja eine Sache, wenn die Gehälter auseinandergehen; da kann man -wenn man wollte- mit Spitzensteuersätzen zwischengrätschen (wie zB in Schweden). Aber diese Kapitalakkumulation vererbt sich ja wie gesagt. Auch sone quasi natürliche, sprich systemimmanente Verschlimmerungstendenz. Marx und Engels lassen grüssen.
Auch Gruss
Zanderdan
Blogge nochmal ein bisschen, falls das gestattet ist. Habe nämlich einen wie ich fand ganz guten
Spiegel Artikel zum Thema gefunden.
Darin wird noch ein Lösungsvorschlag erwähnt, von der EU. Die will, dass die kreditgebende Bank zumindest einen Teil des Kredits in ihren Büchern behält. 10%, naja. Die Banken schätzen solche Einmischungen nicht und argumentieren dagegen, dass sie dann ja nicht mehr so viele Kredite vergeben könnten. Der Spiegel nennt diese Argumentation zu Recht "abenteuerlich". Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich hatte ja oben beschrieben, wie die Banken über die Verbriefung sämtliche Regulierungen außer Kraft gesetzt haben und dadurch Kredite vergeben konnten, wie sie lustig waren. Das hat ja zu der ganzen Misere geführt, sagte ja u.a. niemand geringeres als Alan Greenspan (und ich auch, falls das irgendein Gewicht in der Wagschale beiträgt). Jetzt argumentieren die Banken, dass der Vorschlag, der dieses ungezügelte Kreditvergeben einbremsen solls, nichts tauge, weil er die ungezügelte Kreditvergabe einbremst. Gehts noch?
Die Banken haben bisher 450 Milliarden $ abgeschrieben und durch die Kreditkrise 850 Milliarden $ an Börsenwert eingebüßt. Das sollte doch eigentlich ein deutlicher Hinweis sein, das irgendwas schiefgelaufen ist; formuliert in einer Sprache, die Banker normalerweise verstehen. Botschaft scheint aber nicht angekommen zu sein.
Statt dessen hat der Bankverband vorgeschlagen, diese verbrieften Kreditwertpapiere in der Bilanz anders zu behandeln, so dass bei einer Krise diese ganzen Abschreibungen nicht erfolgen müssen. Sprich man müsste dann seine Finanzanlagen nicht mehr am Bilanzstichtag an den Marktwert anpassen, sondern erst zB beim Verkauf, so wie man das mit Anlagegütern auch macht. Pros und contras und genaue Funktionsweise spare ich hier aus. Will nur auf eines hinweisen: Damit sagen die Banken im Grunde, dass der Markt nicht funktioniert. Moment mal, die Banken sagen das? Beschäftigen die nicht die ganzen Analysten, Trader und Broker? Yep. Dennoch finde ich meine Interpretation gerechtfertigt. Wenn die Banken dem Markt eine vernünftige Bewertung zutrauen würden, gäbe es keinen Grund, diese nicht auch zu bilanzieren. Eine Bilanz ist ja kein Wunschkonzert (jeder, der eine Bank schon mal um einen Unternehmenskredit angehauen hat kann ein Lied dabon singen, dass gerade Banken normalerweise Wert auf möglichst konservative Bilanzierung legen). Im Prinzip ist der Vorschlag scheint mir ähnlich gelagert wie das short-selling Verbot: man hält den Markt in der Krise für zu pessimistisch, oder anders gesagt: das war alles schon in Ordnung, der doofe Markt hätte nur für immer steigen müssen.
Gruss
Neo
| Zitat: |
Original von Zanderdan
Statt dessen hat der Bankverband vorgeschlagen, diese verbrieften Kreditwertpapiere in der Bilanz anders zu behandeln, so dass bei einer Krise diese ganzen Abschreibungen nicht erfolgen müssen. Sprich man müsste dann seine Finanzanlagen nicht mehr am Bilanzstichtag an den Marktwert anpassen, sondern erst zB beim Verkauf, so wie man das mit Anlagegütern auch macht. ... Will nur auf eines hinweisen: Damit sagen die Banken im Grunde, dass der Markt nicht funktioniert. |
Jein. Gerade weil die Märkte eine realistische Bewertung ermöglichen, muss man ja zu solchen Tricks greifen. Wenn Du mich fragst ist das nichts anderes als Verlustverschleierung. Wie das mit den handelsrechtlichen Bestimmungen (strenges Niederstwertprinzip bei der Bewertung der Aktiva) konform gehen soll, ist mir ein Rätsel, aber ich bin kein Banker, vlt. gibt es dort gesetzl. Schlupflöcher.
Jedenfalls ist das was die da vorschlagen für mich hart an der Grenze der Bilanzfälschung und der Legalität.
Aber wie gesagt, bin kein Bankkaufmann und meine Behauptung wird wohl auch kaum juristisch haltbar sein.
P.S: Übrigens ist es bei Anlagenverkäufen nicht so, dass die zum Zeitpunkt des Verkaufs um-(auf-)bewertet werden, sondern in der Bilanz stehen sie bis zum Verkauf zum gesetzl. vorgeschriebenen (abgeschriebenen) Nettowert. Liegt der tatsächliche Verkaufserlös höher, wird das nicht aktiviert sondern der den Nettowert übersteigende Betrag erhöht das a.o. Ergebnis und damit das EK (bei Mindererlös natürlich analog). Aber vlt gibt es da ja auch Ausnahmen.
oui
| Zitat: |
Original von Zanderdan
[...] , oder anders gesagt: das war alles schon in Ordnung, der doofe Markt hätte nur für immer steigen müssen. |
So wie ich mittlerweile die Freddie&Fannie Geschichte verstehe, ist genau das "immer steigen müssen" fatal. Das Pärchen hätte schon längst gedeckelt werden müssen, spätestens 2004, als Fannie bereits erste Verluste von 7 Milliarden $ gemacht hatte und Freddie 5 Mill.$ Gewinn nur mal so unter den Tisch fallen ließ, woraufhin die Chefetage ihren Hut nehmen konnte.
Genau darauf machte Greenspan in aller Deutlichkeit zu seiner Amtszeit aufmerksam , aber man hielt ihn für einen Pessimisten.
Ich frage mich bei dieser Vorgeschichte, die ich erst vorhin gelesen habe, warum niemand 1 und 1 zusammengezählt hat, im Grunde gehört dazu doch nur ein gesunder Menschenverstand. Wenn Freddie&Fannie 75% aller US-Darlehen auf Häuser besitzen, dazu noch 42% der Hypothekendarlehen Amerikas, sind diese Institute als Risiko-Faktoren der Stufe Rot zuzuordnen und müssen dementsprechend nicht nur beaufsichtigt, sondern in gewisser Weise auch mit einem Mitsprache-Recht bedacht werden, besonders dann, wenn der US-Staat, der auch noch als Sicherheits-Option gehandelt wurde (wird) selbst mit 3,6 Billionen $ in der Kreide steht.
Das kann doch alles gar nicht funktionieren, zumal zwischenzeitlich nochmal für den Irak-Krieg 3-5 Bill. $ locker gemacht wurden. Aber:
The show must go on!
Was inzwischen gar nicht mehr typisch amerikanisch ist, sondern einfach ein Aspekt der Geldgeilheit ist, wie hätte sonst eine mittelständische Bank wie die IKB mit 60 Milliarden $ in der Kreide stehen können?
Neo
| Zitat: |
Original von oui
Genau darauf machte Greenspan in aller Deutlichkeit zu seiner Amtszeit aufmerksam , aber man hielt ihn für einen Pessimisten. |
Hehe. Allan die alte

oui
Nach seiner Amtszeit habe ich mal ein Interview von ihm gelesen- seitdem halt´ich ihn für Gartenparty-tauglich.
LG
Zanderdan
Hi Neo, der Witz an der Sache ist doch, dass gerade die Banken sonst immer auf das Niederstwertprinzip bestehen. (In Deutschland, wo die Unternehmensfinanzierung traditionell viel mehr über Fremdkapital läuft, haben wir ja auch weitaus mehr stille Reserven in den Bilanzen, als in USA, wo man sich eher am Kapitalmarkt finanziert. Das ganze HGB ist vom Niederstwertprinzip geprägt) Hier solls plötzlich nicht mehr gelten.
Effekt ist klar: das Verhageln der Bilanzen wird verhindert. Dafür ticken jetzt Zeitbomben (=Verlustverschleierung) in den Aktiva - es sei denn, man hält die Marktbewertung für Quatsch. Das finde ich so pervers an dem Vorschlag (von dem man sich anscheinend auch schon wieder distanziert): dass gerade Banken hier offenbar den Marktbewertungen mißtrauen, zumindest wenn es ihnen passt.
Illegal? Ich denke mal, man wollte die Gesetze entsprechend anpassen. Dann wär das legal.
Das mit den Anlagegütern war vielleicht ein schlechtes Beispiel. Ich meinte, dass man zB einen Computer ja streng nach Tabelle abschreibt, auch wenn der vielleicht ein Jahr später nur noch die Hälfte kostet. Wird nicht wertberichtigt in der Regel. So wohl auch die Vorstellung bei diesen Finanzanlagen, nur dass die natürlich nicht abgeschrieben werden. Die würden dann zum Anschaffungswert in der Bilanz stehen bis zum Verkauf, dann erst Buchverlust oder -gewinn. Also keine GuV-Buchungen vor dem Verkauf, so wars gemeint.
Mal sehen, was denen noch so einfällt. Als im Nachklang des Internethypes Riesenfirmen wie Enron und WorldCom "in a wave of accounting scandals" implodierten, da hatte man die Schnauze voll und hat die Chefs in Knast gesteckt (25 Jahre). Der Sabanes Oaxley act geht auch etwas in diese Richtung. Finde ich korrekt: Knast. Geldstrafe bringt nix, da sind die Topmanager ja heute alle gegen versichert. Gibts zum Vetrag quasi standardmäßig dazu, wie das Firmenhandy. Und wenn zB ein Kreditversicherer die Versicherungen, die er ausgegeben hat überhaupt nicht mehr bedienen kann, dann schädigt er andere schon auch erheblich. Sachbeschädigung steht ja auch im StGB.
Knast hat den Vorteil, dass dadurch ein Gegengewicht zu dem oben beschriebenen Dilemma des Fondsmanagers geschaffen würde. Wenn man Engel und Teufel auf der Schulter sitzen hat und der Teufel sagt: fette Rendite, fetter Bonus, neues Haus in den Hamptons! und der Engel sagt: tus nicht, du wirst vielleicht entlassen und musst dir mit deinem Harvard-MBA und deiner Fields Medaille einen neuen Job suchen! - da hat der Teufel einfach die besseren Argumente. Wenn der Engel sagt: Knast! da sieht die Sache schon anders aus. Wie gesagt, bei den Unternehmensbilanzen ist man in diese Richtung gegangen. Sollte hier auch so sein. Knast, sage ich. Noch jemand für Knast?
Gruss
Neo
Hi Zander
| Zitat: |
Original von Zanderdan
der Witz an der Sache ist doch, dass gerade die Banken sonst immer auf das Niederstwertprinzip bestehen. ... Das ganze HGB ist vom Niederstwertprinzip geprägt) Hier solls plötzlich nicht mehr gelten....Das finde ich so pervers an dem Vorschlag |
leider scheint wohl immer noch das Sprichwort Gültigkeit zu haben
"mundus vult decipi, ergo decipiatur"
| Zitat: |
Original von Zanderdan
Knast, sage ich. Noch jemand für Knast? |

Knast!
In diese Sinne eine gute Nacht
Zanderdan
haha, Nacht!
oui
Also, Zanderdan, so geht das nicht.
Ich möchte über dieses interessante Thema hier im Thread etwas lernen und dazu hätte ich gerne eine Antwort auf die von mir angesprochene Obergrenze (bzw. Begrenzung) von Freddie&Fannies Geschäften.
Zanderdan
Hallo oui, keinen Schimmer von welcher Obergrenze du redest. Oder willst du mich veralbern? Sorry, kapiers nicht. Gruss
oui
vom 25.07.08
| Zitat: |
Original von Zanderdan
[...] , oder anders gesagt: das war alles schon in Ordnung, der doofe Markt hätte nur für immer steigen müssen. |
| Zitat: |
oui: So wie ich mittlerweile die Freddie&Fannie Geschichte verstehe, ist genau das "immer steigen müssen" fatal. Das Pärchen hätte schon längst gedeckelt werden müssen, spätestens 2004, als Fannie bereits erste Verluste von 7 Milliarden $ gemacht hatte und Freddie 5 Mill.$ Gewinn nur mal so unter den Tisch fallen ließ, woraufhin die Chefetage ihren Hut nehmen konnte.
Genau darauf machte Greenspan in aller Deutlichkeit zu seiner Amtszeit aufmerksam , aber man hielt ihn für einen Pessimisten. |
Deckelung = Obergrenze, Begrenzung.
Darum geht es mir, veralbern liegt mir fern.
Zanderdan
Huch, glatt übersehen den Beitrag. Sorry. Ja, Obergrenze: es ist ja nicht nur so, dass die von Fannie und Freddie vergebenen Kredite immer weiter gestiegen sind, sie sind auch deutlich stärker gestiegen als das Kapital der beiden. Das Verhältnis von Risiko und Kapital ist komplett aus den Fugen geraten.
Was im Grunde aber auch sozusagen der raison d'être der beiden ist. Fannie Mae wurde von Roosevelt nach dem Crash von 1929 gegründet im Zuge des New Deal, weil die Banken sich weigerten, Kredite an Menschen mit geringerer Bonität zu vergeben. Subprimes eben. Genauer: die Banken, die solche Kredite mit viel teurem Eigenkapital hätten absichern müssen, weigerten sich, solche Kredite zu guten Konditionen, sprich Zinsen abzugeben. Da sprang Fannie Mae ein. Die hatte eine viel geringerer Eigenkapitalquote als die Banken, aber weil sie ein Staatsunternehmen war, bekam sie die günstigsten Fremdkapitalzinsen, die am Markt verfügbar waren. Deshalb konnte sie auch Subprimekredite zu erschwinglichen Konditionen anbieten. Als der Vietnamkrieg das Staatsdefizit in ungekannte Höhen trieb, privatisierte man Fannie Mae um den Haushalt anzuhübschen. Vorher war Fannie eigentlich eine staatliche Kreditsubvention, nach der Privatisierung war sie eigentlich die Quadratur des Kreises. Als private Aktiengesellschaft konnte Fannie nicht besser funktionieren als eine stinknormale Bank. Dass sie dennoch die Subprimes besser absichern konnte als andere Banken lag daran, dass sich alle Welt auf staatliche Notfallhilfe verlassen hat (wie sie ja auch mit der Housing Bill jetzt anläuft). Durch diese stillschweigende, aber nirgends verankerte voraussetzung erhielt Fannie und später auch Freddie weiterhin die günstigsten Zinsen und durfte niedrigere EK-Quoten aufweisen als Banken. Gleichzeitig mussten die beiden aber auch ihre Shareholder zufrieden stellen, sprich Rendite machen.
Deshalb Quadratur des Kreises. Mit Subventionen macht man normalerweise keine Renditen, zumindets nicht auf lange Sicht. Aber diese Renditeforderung der Aktionäre verhinderte wohl eine Obergrenze. Aktionäre wollen soviel Rendite wie möglich und die Geschäfte waren bis vor kurzem ja sehr profitabel. Der Aufsichtsrat hatte also kein Interesse an einer Obergrenze. Der Staat andererseits hatte sich ja aus der Nummer scheinbar verabschiedet, da konnte auch der nicht mit einer Obergrenze kommen.
In meinen Augen hätte das ganze Konzept überdacht werden müssen. Subventionsauftrag und Renditeauftrag vertragen sich nicht.
Gruss
oui
| Zitat: |
Original von Zanderdan
Aktionäre wollen soviel Rendite wie möglich und die Geschäfte waren bis vor kurzem ja sehr profitabel. Der Aufsichtsrat hatte also kein Interesse an einer Obergrenze. |
Die Geschäfte waren eben seit geraumer Zeit nicht mehr profitabel, wie ich bereits schrieb (darum noch einmal den gleichen Satz, jetzt nur eine andere Textstelle markiert, damit Du diese auch liest

) :
| Zitat: |
| oui: So wie ich mittlerweile die Freddie&Fannie Geschichte verstehe, ist genau das "immer steigen müssen" fatal. Das Pärchen hätte schon längst gedeckelt werden müssen, spätestens 2004, als Fannie bereits erste Verluste von 7 Milliarden $ gemacht hatte |
Wie kann von einem Institut, das soviel Minus macht, noch Rendite eingefordert werden, wenn das Minus schon 2004 bekannt war? Geht doch gar nicht, so bekloppt kann die Branche doch gar nicht sein.
Es muss eine andere Begründung für die Verweigerung einer Obergrenze geben....welche?
Neo
| Zitat: |
Original von oui
Geht doch gar nicht, so bekloppt kann die Branche doch gar nicht sein.
Es muss eine andere Begründung für die Verweigerung einer Obergrenze geben....welche? |
das klingt mir doch wieder sehr nach einer rein rhetorischen Frage. Wie wärs, wenn Du Deine eigene Theorie mal zur Sprache bringst? Du weisst genauso gut wie alle Teilnehmer an diesem Thread, dass dabei nicht nur ökonomische bzw. rationale Faktoren eine Rolle spielen, nicht mal überwiegend, wie in diesem Fall.
oui
Was für Dich nach rhetorischer Frage klingt, ist für mich nur Logik. Es klingt für mich unglogisch oder eben unplausibel, dass noch bei soundsoviel Milliarden Verlust Rendite eingefordert werden könnten. Das ist meine Überlegung. Ich kenne mich hier in der Materie nicht aus und hielt anfangs, als ich die Thread-Eröffnung zum ersten Mal las, Freddie&Fannie für ein Ehepaar und nicht für zwei staatl./private Institute.

Als ich dann die beiden Zeit Artikel zu diesem Thema gelesen habe, habe ich nur nachgedacht und habe mir die Frage gestellt, die ich selbst nicht beantworten kann und zudem auch keine Theorie dazu habe, da ich Zanderdans erste Antwort an mich bis jetzt noch nicht geschnallt habe, weil ich das Fachchinesich darin nicht übersetzen kann.
Das Thema finde ich interessant, weil die Verflechtung global ist, alle betreffen kann und ich Wirtschaft und Politi auch interessant finde.
Alles klar?
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