Die ersten Philosophen

Claudia
Es ist immer wieder aufs Neue höchst interessant, Biographien über Sokrates, Platon und Aristoteles zu lesen.
Einerseits ist wenig von ihnen überliefert, andereseits aber fließt auch immer etwas von der meinung des jeweiligen Autors in die Biographie mit ein. Möglichs viele solcher Werke geben dann einen Gesamtüberblick, der möglicherweise doch auch einen großen Teil der Wahrheit abbildet.

Mich fasziniert vor allem das Denken des Sokrates, Wissen könne man icht lernen, daher bringt es nichts es aufzuschreiben.
Und Platon, der das ganze weiterführte mit der Aufzeichnung seiner Dialoge....er legte vieles von sich selbst inseine Werke über Sokrates, entwicklete die Philosophie aber ein großesStück weiter. Laut ihm nützt es nichts über Philosophie zu lesen. Sie entwickelt sich im gespräch, während dem Philosophieren, plötzlich springt ein Funke über der sich dann selbst weiterentzündet....(genauso ist es ja auch oft beim schreiben über etwas philosophisches...erts während dem schreiben entwickelt sich plötzlich da Thema im inneren und plötzlich schreibt man und schreibt...und wundert sich hinterher selbst, wie man eigentlich auf all das kam, was man aufgeschrieben hat)
In Platons Akademie haben bestimmt viele junge Leute Feuer gefangen. Ja, angeblich auch Frauen, wofür es einige Quellen gibt.Platon war ein suchender der an eine ewig lebende Seele glaubte.
Und Aristoteles...er glaubte an das ewige Universum, das stets gleich ablief, ohne Veränderung.
Er suchte nichjt sein zuhause, er war bereits dort.
Bis er von charles Darwin "abgelöst" würde galt seine Lehre sehr lange als aktuell.
Allen altgriech. philosophen waren letztlich die Fragen woher wir kommen und wohin wir gehen ein Anliegen.

Und wenn wir ehrlich sind...viel weiter als damals sind wir trotz aller moderner Technologie und Forschung bis heute nicht gekommen...
mr.monks
Ich halte Aristoteles in seiner Reflexion auf den Ethischen Lernprozess bis heute für extrem fortschrittlich. Nix mit abgelöst von Darwin.
Und Sokrates macht einem da schon ein bischen was vor oder? Schließlich erfordert es ein enormes Wissen und Verständnis um seine Form des Diskurses zu betreiben.
schnittke
@ Claudia

Mag sein, dass ich mich vom Titel Deines Themas täuschen lasse!
Die Vorsokratiker sind Dir sicher auch bekannt, und dass Thales der Überlieferung nach der erste war, der uns heute als eigenständiger abendländischer Philosoph bekannt ist.
Ich erinnerte mich nur beim Lesen Deines Textes an meine Anfänge in Sachen Philosophie.
Wilhelm Capelle : "Die Vorsokratiker"!
In diesem Kröner-Bändchen stieß ich beispielsweise auf einen Satz, der mich wirklich auf der Stelle umhaute, ins Mark traf, mitten ins Herz meiner Seele!
Der Satz ist das einzige Fragment, das uns von diesem Denker überliefert ist.
"Die Schrift des Anaximandros (um 611 bis 545 v. Chr.) war das erste Buch in griechischer Prosa überhaupt", schreibt Capelle in seiner Einleitung zu diesem großen ionischen Naturphilosophen.
Der Satz lautet :
"Woraus aber die Dinge ihre Entstehung haben, darein finde auch ihr Untergang statt, gemäß der Notwendigkeit. Denn sie leisten einander Sühne und Buße für ihre Ungerechtigkeit, gemäß der Verordnung der Zeit."
J*St*
Hallo Ihr Lieben,

Mein liebster und erster Philosoph ist Thales, allerdings gibt es von ihm keine Schriften. Thales galt den Girechen als einer der sieben Weisen, ein Kaufmann Handelsreisender und Weltweiser, der sein Wissen aus allen Teilen der damals bekannten Welt bezog. Er soll einmal, sehr zur Verblüffung der Ägypter, die genauer Höhe der Pyramide allein durch die Länge ihres Schattens bestimmt haben, und das ohne den Satz des Pythagoras. Der Satz des Thales ist ja hinlänglich bekannt. Thales kannte bereits die "goldene Regel": Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu. Den hat er wohl von Konfuzius, der das auch schon gesagt hat.
Gruß Joachim Stiller
J*St*
Hallo,

im übrigen gebe ich Kurt Wünsch recht, dass die griechische Philosophie grundsätzlich bei den Vorsokratikern beginnt. Mit Sokrates, Plato und Aristolteles ging sie ehr wieder zuende, hatte dort zumindest ihre Blüte, der aber dann auch nicht mehr viel folgte, einfach, weil mit Alexander das Reich zerfiel. Einige Wissenschaaftler sagen sogar, dass Sokrate, Plato und Aristoteles überhaupt die letzten Philosophen gewesen seine, die die Welt je gesehen hätte, was natürlich auch übertrieben ist. Gruß Joachim Stiller
biggest fish
@ Joachim Stiller

Würde mich wundern, wenn Thales was von Konfuzius aufgeschnappt hätte, weil letzterer erst 100 Jahr später geboren wurde. Und außerdem: wo würdet Ihr den die ersten Philosophen ansiedeln? Bei den Vorsokratikern? In China? bei den Ägyptern? Babyloniern? Oder Wo? Oder Wann? Oder Was?

Ich meine, die haben sich damals doch nicht gesagt: "Och, so langweilig heute! Werde ich mal Philosoph."

Ich glaube, der erste Philosoph war der Mensch, der sich selbst als Mensch begriff, d.h. selbstreflektierend zu handeln verstand.

(Nun könnte man vielleicht meinen, dann wären heute alle Menschen Philosophen. Ist aber leider nicht so.) unglücklich
Aurom
Zitat:
Original von biggest fish
(Nun könnte man vielleicht meinen, dann wären heute alle Menschen Philosophen. Ist aber leider nicht so.) unglücklich


...womit wir wieder mal beim definieren wären... roll
Cornak
an schnittke : Die Vorsokratiker, ja. Sie nannten sich ja noch nicht Philosophen. Ich erlaube mir immer mal wieder, auf HEIDEGGERs Vorlesung "Was heißt Denken ?" hinzuweisen, vor allem auch, weil er sich hier mit einem Fragment von PARMENIDES beschäftigt, welches in konventionelles Deutsch zu übersetzen wäre mit "Nötig ist zu sagen und zu denken, daß das Seiende ist". So übersetzt, merkt H.an, sei nicht viel mehr herausgekommen als eine Binsenweisheit, vergleichbar mit "Der Blitz blitzt". H. geht zurück auf das antike Griechisch und übersetzt das Fragment ganz anders : "Nötig : das Sagen so Denken auch : Seiendes : sein." Da kommen wir nun mit unseren Verständchen nicht mehr mit. Aber dieser Satz hat mich nach der Auslegung durch H. ebenso "umgehauen" wie Dich der kryptische über die Entstehung und den Untergang der Dinge. Für mich ist das Philosophie an der Quelle, wohingegen ich im Blick auf Gegenwärtiges oft das Gefühl habe, im Meer zu treiben. Aber ich gehe ab und zu an Land. Gruß ! P.S. Exemplarisches zu HERAKLIT fand ich antiquarisch in einem Seminar von HEIDEGGER und FINK Wintersemester 1966/1967 zum HERAKLIT-Fragment "Alles (ta panta) steuert der Blitz".
Claudia
Zitat:
Original von schnittke
@ Claudia

Mag sein, dass ich mich vom Titel Deines Themas täuschen lasse!
Die Vorsokratiker sind Dir sicher auch bekannt, und dass Thales der Überlieferung nach der erste war, der uns heute als eigenständiger abendländischer Philosoph bekannt ist.
Ich erinnerte mich nur beim Lesen Deines Textes an meine Anfänge in Sachen Philosophie.
Wilhelm Capelle : "Die Vorsokratiker"!
In diesem Kröner-Bändchen stieß ich beispielsweise auf einen Satz, der mich wirklich auf der Stelle umhaute, ins Mark traf, mitten ins Herz meiner Seele!
Der Satz ist das einzige Fragment, das uns von diesem Denker überliefert ist.
"Die Schrift des Anaximandros (um 611 bis 545 v. Chr.) war das erste Buch in griechischer Prosa überhaupt", schreibt Capelle in seiner Einleitung zu diesem großen ionischen Naturphilosophen.
Der Satz lautet :
"Woraus aber die Dinge ihre Entstehung haben, darein finde auch ihr Untergang statt, gemäß der Notwendigkeit. Denn sie leisten einander Sühne und Buße für ihre Ungerechtigkeit, gemäß der Verordnung der Zeit."


Ja, sorry, der Titel war unglücklich gewählt. Natürlich wollte ich die Vorsokratiker nicht übergehen.
Besser wäre der Titel "sokrates-Platon-Aristoteles" gewesen.
Was dein Zita betrifft: Könntest du mir vielleicht näher erlaütern was mit der Ungerechtigkeit gemeint ist und warum die Dinge dafür Sühne und Buße leisten solltenverwirrt Vermutlic versteht das hier sonst jeder aber ich stehe da momentan auf der Leitung)
nachdenklich
Zitat:
Original von Cornak
Die Vorsokratiker, ja. Sie nannten sich ja noch nicht Philosophen.


Pythagoras nannte sich als erster "Philosoph". Das tat er aus Bescheidenheit, um sich von den "Weisen" (griech. sophoi) abzugrenzen. Er wird zu den Vorsokratikern gerechnet.
Roter Mohn
Hallo biggest fish,

das klingt gut, dass ein Ph, derjenige gewesen sein könnte, der sich als selbstreflektierend und selbstreflektierend im Handeln (also ich grenze mal ab, zwischen über sich selbst und darüber hinaus über seine Konsequenzen im daraus entstehenden Handeln, wenn die Person das dann auch tut, muss sie ja nicht) erstmals begriffen hat.

Einer, der in der Lage war, über sich selbst hinaus und über das gesellschaftliche Tun hinaus (gerne auch das ewig Gleiche zu erkennen) sehen kann.

Ich interessiere mich auch für die frühen griechischen Philosophen, stehe aber noch am Anfang mit allem.

Gruß Roter Mohn winken
king
Zitat:
Original von biggest fish

Ich glaube, der erste Philosoph war der Mensch, der sich selbst als Mensch begriff, d.h. selbstreflektierend zu handeln verstand.


So sehe ich es auch; ich sehe denjenigen in der Kette unserer zunächst animalischen Vorfahren, der als erster in der Lage war zu fragen, wer bin ich, als den ersten Menschen an. Danach könnte man sagen, der erste Mensch war zugleich der erste Philosoph.
peterstille
Zitat:
Original von Claudia
Und wenn wir ehrlich sind...viel weiter als damals sind wir trotz aller moderner Technologie und Forschung bis heute nicht gekommen...


Nun ja, das hängt eben mit sem scandalon philosophiae zusammen, - daß die Philosophie als Mutter aller Wissenschaften in über zweitausend Jahren nicht ein einziges unbestrittenes Ergebnis hervorgebracht habe.

winken
peterstille
Raoul
Zitat:
das hängt eben mit sem scandalon philosophiae zusammen, - daß die Philosophie als Mutter aller Wissenschaften in über zweitausend Jahren nicht ein einziges unbestrittenes Ergebnis hervorgebracht habe.


Das ist kein Scandal der Philosophie selber, sondern stellt ein Problem der Menschheit dar, nämlich die Unfähigkeit der unheilbar kranken Massen, auch nur ein einziges zutreffendes Ergebnis der Philosophie - v.a. bezüglich der "Weisheit" - bejahen zu können. Was bleibt angesichts solcher philosophischen Aussage? als der Versuch, sich wenigstens mit sich selbst zu einigen! Und von da ab, das gleiche mit jeweils einem anderen zu unternehmen, jeweils die Probe aufs Exampel machend?

Nehmen wir diesen Gedanken:
Zitat:
ich sehe denjenigen in der Kette unserer zunächst animalischen Vorfahren, der als erster in der Lage war zu fragen, wer bin ich, als den ersten Menschen an. Danach könnte man sagen, der erste Mensch war zugleich der erste Philosoph.

Hier wird also die Frage nach dem Sein des "ich" als Charakteristikum der Menschwerdung definert, wie aber, wenn etwa die Frage nach der Weisheit deren Verlust voraussetzt? Der glückliche, weise Urmensch hatte gewiss seit Anbeginn seiner Existenz vor 150.ooo Jahren den gleichen "IQ"/ =100%) wie wir heutigen, aber die längste Zeit keinen Grund, nach der Weisheit zu fragen; sie war immanent, gefühlsmäßig zugänglich, so dürfte die Philosophie also erst mit deren Verlust eingesetzt haben, versuchend, den Zugang zu ihr wieder frei zu legen. Und wenn die Weisheit mit der angeborenen Intuition aller Lebewesen gleichgesetzt werden darf, mit den sog. "Instinkten", dann müsste der Beginn der Philosophie mit dem historisch sehr kurz zurückliegenden Ausbruch des fatalen Aberglauben zu sammen treffen, dass der Mensch ohne seine ursprünglichen Instinkte besser dran wäre als die anderen Tiere, gar erst dadurch in Besitz seines "ich" gelangt sei.
peterstille
Zitat:
Original von Raoul
...
Nehmen wir diesen Gedanken:
Zitat:
ich sehe denjenigen in der Kette unserer zunächst animalischen Vorfahren, der als erster in der Lage war zu fragen, wer bin ich, als den ersten Menschen an. Danach könnte man sagen, der erste Mensch war zugleich der erste Philosoph.

Hier wird also die Frage nach dem Sein des "ich" als Charakteristikum der Menschwerdung definert, wie aber, wenn etwa die Frage nach der Weisheit deren Verlust voraussetzt? Der glückliche, weise Urmensch hatte ... aber die längste Zeit keinen Grund, nach der Weisheit zu fragen; sie war immanent, gefühlsmäßig zugänglich, so dürfte die Philosophie also erst mit deren Verlust eingesetzt haben, ...
Und wenn die Weisheit mit der angeborenen Intuition aller Lebewesen gleichgesetzt werden darf, mit den sog. "Instinkten", ...


---> ein sehr interessanter Gedanke, mit eindrücklicher Konsequenz, der erste Mensch war qua tales der erste Philosoph

Der weitere Text erinnert mich zunächst stark an die erste Duineser Elegie Rilkes:
Zitat:
WER, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel
Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme
einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.
Und so verhalt ich mich denn und verschlucke den Lockruf
dunkelen Schluchzens. Ach, wen vermögen
wir denn zu brauchen? Engel nicht, Menschen nicht,
und die findigen Tiere merken es schon,
daß wir nicht sehr verläßlich zu Haus sind in der gedeuteten Welt
.
Es bleibt uns vielleicht
irgend ein Baum an dem Abhang, daß wir ihn täglich
wiedersähen; es bleibt uns die Straße von gestern
und das verzogene Treusein einer Gewohnheit,
der es bei uns gefiel, und so blieb sie und ging nicht.
O und die Nacht, die Nacht, wenn der Wind voller Weltraum
uns am Angesicht zehrt -, wem bliebe sie nicht, die ersehnte,
sanft enttäuschende, welche dem einzelnen Herzen
mühsam bevorsteht. Ist sie den Liebenden leichter?
Ach, sie verdecken sich nur mit einander ihr Los.
Weißt du's noch nicht? Wirf aus den Armen die Leere
zu den Räumen hinzu, die wir atmen; vielleicht daß die Vögel
die erweiterte Luft fühlen mit innigerm Flug.


und des weiteren mit der Weisheitsdefinition wird es dann sehr nietzscheanisch. Gut !

winken peterstille
Raoul
Zitat:
des weiteren mit der Weisheitsdefinition wird es dann sehr nietzscheanisch.

Richtig. Der erste Philosoph war also der erste Mensch, der sich auf den Weg zurück ins Reich der Tiere begeben hatte, genauer gesagt ein Über-Mensch.
theophanu
Zitat:
Zitat:
Original von Raoul
Richtig. Der erste Philosoph war also der erste Mensch, der sich auf den Weg zurück ins Reich der Tiere begeben hatte, genauer gesagt ein Über-Mensch.
Ist doch alles immer nur eine Frage der Definition, ne? :-)
Raoul
Sehr erstaunliche Fähigkeit das; ebenso großartig wie geeignet, sich das Fürchten zu lehren: Am Ende wird das Geschöpf spüren, ob sein Leben lediglich daraus bestand, die Schatten auf der Projektionsfläche im Höllengleichnis des Ichs zu betrachten, oder ob ihm gelang, seinen Schöpfer wiederzuberühren, ihn in der Seele des Menschen zurückerschaffend.
Amateur
Hallo Claudia !


Ich weiss nicht, wer der erste Philosoph war ...
... aber die allerletzten findet man hier häufig Freude


Gruß Andreas
Raoul
Andere als die dürften auch kaum fähig zu wissen sein, wer die ersten waren, Schlaumeier.