Die ersten Philosophen

Claudia
Zitat:
Original von Amateur
Hallo Claudia !


Ich weiss nicht, wer der erste Philosoph war ...
... aber die allerletzten findet man hier häufig Freude


Gruß Andreas


Hallo Andreas!

Ich denke mal, dass Menschen wie ich, die sich gern mit Philosophie beschäftigen nicht wirklich zu den Philosophen zählen. Ein Philosoph ist für mich jemand, der neu denkt, die eingefahrenen Pfade verläßt und eine neue philosoph. Richtung entwirft.
Es mag hier durchaus einige davon geben, doch mir scheint viele hier im Forum sind einfach nur (so wie auch ich selbst)an der Philosophie interessiert.....was ja sehr positiv ist, aber eben nicht die Bezeichnung "Philosoph" verdient, so denke ich. smile
Grüße
theophanu
Claudia,
ich bin begeistert von Deiner stringenten Denke.
Du kannst manchen hier, vor allem den Herren smile noch einiges beibringen :-0
Nylen
Zitat:
Ein Philosoph ist für mich jemand, der neu denkt, die eingefahrenen Pfade verläßt und eine neue philosoph. Richtung entwirft.


Das ist nahezu die Definition davon was wir Doktor einer Wissenschaft nennen. Eine Doktorarbeit muss etwas neues enthalten, bzw. altes neu beleuchten.
Das ist so verkehrt nicht, da was man noch im Mittelalter als Philosoph bezeichnet hätte, heute unter dem Titel Wissenschaftler agiert.

Für mich ist Philosoph wer sich speziell mit philosophischen Fragen auseinandersetzt. So gesehen ist vermutlich jeder ein bischen Philosoph. Nicht jeder hat eine ausgereifte Philosophie im Kopf, aber nahezu jeder hat philosophische Vorurteile oder Irrungen im Kopf.

Diejenigen die nun akademische Philosophie anpacken, sind oft geleitet vom Versuch eigene Fehler aufzuspüren bzw. zu einem klarerem Verständnis zu kommen.
Amateur
Hallo Claudia !




Zitat:
Ein Philosoph ist für mich jemand, der neu denkt, die eingefahrenen Pfade verläßt und eine neue philosoph. Richtung entwirft.

Deine Definition scheint mir aus "staatlich-geprüfter" Sicht sinnvoll. Aber es muss natürlich nicht die einzige Definitionsmöglichkeit sein.


Andere würden vielleicht sagen:

Ein Philosoph ist Jener, der auch tatsächlich nach einem "philosophischen Modell" lebt.
Unabhängig davon, ob nun dieses Modell von ihm selbst stammt.

Wichtig wäre wohl nur, dass er sein Leben nach einem Modell ausrichtet, dass er
- wirklich verstanden hat
- freiwillig auswählte
und
- "nach bestem Wissen und Gewissen" als "richtig" erkannte ...


... und dann eben auch noch den Charakter hat, es konsequent zu leben.


Aber auch das wäre nur eine Definition unter beliebig vielen ...



Tatsächlich wollte ich mit meiner von Dir zitierten Bemerkung ...
... auch nur spaßig auf Folgendes "aufmerksam" machen:

Es gibt hier einige "Kandidaten", die sich selbst für riesig halten.
Im "ewigen Welt-Ranking der Philosophen" aber an den vorderen Plätzen wohl nicht zu finden sind.
Das wirkt teilweise regelrecht komisch, egal ob man dies nun als Jemand beobachtet, der von sich selbst behauptet, "originelle Philosophie" zu betreiben, oder ob man meint, Philosophie "lediglich" konsumierend (oder besser "anteilnehmend") zu begleiten.

Das hat aber nichts mit der Philosophie zu tun.
Es ist eher ein "Foren-Problem".
Stoiber würde dann bei entsprechenden Usern von "Problem-Bärem" sprechen Freude ...

...

... und weil ich mich darüber aufregen kann
... ... oder darüber Witze(?) machen

entschied ich mich zuletzt für "Letzteres". großes Grinsen




Gruß Andreas
Raoul
Zitat:
"Woraus aber die Dinge ihre Entstehung haben, darein finde auch ihr Untergang statt, gemäß der Notwendigkeit. Denn sie leisten einander Sühne und Buße für ihre Ungerechtigkeit, gemäß der Verordnung der Zeit."

Könntest du mir vielleicht näher erlaütern was mit der Ungerechtigkeit gemeint ist und warum die Dinge dafür Sühne und Buße leisten sollten verwirrt Vermutlic versteht das hier sonst jeder aber ich stehe da momentan auf der Leitung)


Anaximander fasst hierbei die seienden Dinge wie sein Vorgänger Thales als aus 'Wasser' bestehend auf - in unseren Worten: als WahrscheinlichkeitsWELLEN -, so ist sein Begriff von Gerechtigkeit auf reiner Geometrie verankert, nicht-moralisch. Solche Sicht findest Du auch noch bei Solon: "Gerecht ist die Oberfläche eines Sees, die von jedem Hauch der Luft unberührt blieb." Ebenfalls bei Darwin, wo die positiven (gerechten( Mutanten diejenigen sind, die zu den Faktoren der Umwelt (geometrisch) am besten passen, ihnen am ehesten gerecht werdend...

Einander Sühne (Busse) tuend wäre demach am ehsten wohl im Sinne der sog. "negativen Interferenz" korrekt zu interpretieren: Materie und Antimaterie z.B. stellen 2 in der Zeit (Not-wendigkeit) genau gegenläufige Wahrscheinlichkeiswellen-Arten dar und lösen sich demgemäß bei Berührung gegenseitig vollständig auf - nicht zu "Nichts" natürlich, sondern zum Unbegrenzen (apeiron) der Freien Energie (s. "E" in Einsteins Gleichung; Feuer bei Heraklit), aus der alle Dinge ihre Entstehung haben, gemäß dem Befehl der Zeit. Schopenhauer nennt diese Energie "Wille", Kant kühler: "Ding an sich".

Und so wie die Wahrscheinlichkeitswellen der modernen Physik in sich zwei komplementäre Aspekte aufzuweisen haben, ist es auch beim Wasser Heraklits: Es stellt "Feuers Unwende" dar und besteht einen Teils aus Luft (geistiger Aspekt, Dynamik; "c") und andernteils aus Erde (körperlicher Aspekt; Statik, "m"), eine gemeinsame "Relation" bildend. Wie man sieht, ist die 4 Elemente Lehre direkt übertragbar auf die moderne Physik...
Claudia
Hallo Andreas!

Da hab ich also deine anfängl. Benerkung tatsächlich falsch interpretiert, sorry!
Ja, es ist immer besser etwas mit Humor zu nehmen als sich darüber zu ärgern. smile Und wer weiß, wozu Problembären gut sind.

Etwas fiel mir auf:
Es ist schon seltsam, daß nicht einmal die Definition eines Philosophen völlig klar ist.
Für mich gab es bisher einfach nur den klassischen "gelehrten" Philosophen (sprich einer der ein Philosophiestudium hinter sich hat und dann eben neue, eigene Wege beschreitet und damit berühmt wird...oder auch nicht smile )
Klar ist auch die Lebensweise entscheidend.... da fällt mir wieder mal Sokartes ein, der bis zuletzt nach seinen Prinzipien lebte (zumindest wenn man die sehr beindruckende Apologie, die Platon verfast hat, liest), der aber völlig sicher war, kein Philosoph zu sein (ich weiß dass ich nichts weiß) das Gegenteil also von Leuten, die geradezu vor (echter oder eingebildeter?) Weisheit strotzen!
Doch gibt es auch oft Menschen deren gedankl. Schaffen sich völlig von deren Lebensweise unterscheidet und deren Schriften trotzdem hoch angesehen sind (man denke an Antoine de Saint Exupery, den ich immer für seine tiefsinnigen gedanken bewunderte....bis ich leider das veröffentlichte Tagebuch seiner ebenfalls bereits verstorbenen Frau las...man soll eben die Finger von tagebüchern lassen, egal ob veröffentlicht oder unveröffentlicht.)

Dann noch Nylens Idee, dass jeder ein wenig Philosoph ist.... im Grunde mag das stimmen. Aber ich denke, nur weil ichz.B. einen Boden verlege oder eine Wand fliese bin ich noch lange kein Fliesenleger oder Bodenleger.
Obwohl ich finde, dass es sehr wohl Menshen gibt, die von Natur aus Philosophen sind: Kinder. Es ist oft verblüffend, mit welcher Unverblümtheit und Klarheit schon kleine Kinder an philosoph. Fragen herangehen....

Grüße
Claudia

P.S: Theophanu, vielen Dank für die Blumen fröhlich
Raoul
Zitat:
Es ist schon seltsam, daß nicht einmal die Definition eines Philosophen völlig klar ist.

Um dahin zu gelangen, sollte zunächst also ein Versuch gemacht werden, den Wahrheitsbegriff zutreffend zu definieren: größtmögliche Übereinstimmung zwischen Gedachtem und Wirklichkeit.

Zitat:
Sokartes ...war völlig sicher war, kein Philosoph zu sein

Claudia meint wahrscheinlich "kein Lehrer" oder Wissender im damaligen Verständnis dieser Worte. Tatsächlich verkörpert der sokratische Standpunkt, sich nur der eigenen Unwissenheit gewiss zu sein, die eigentlich "philosophische" Herangehensweise, nämlich: auch einen angeblich längst geklärten Sachverhalt einer erneuten Prüfung zu unterziehen, um die immer möglichen Denkfehler aufzuspüren oder eine andere Prämisse, die vorher vielleicht unberücksichtigt blieb, an den Anfang der neuen Betrachtung zu setzen. Sokrates kultivierte also mit seiner Grundhaltung die von eigener Erfahrung absolut unvereingenommene Sicht eines neugeborenen Kindes, allerdings nicht als erster: der heraklitische Aphorismus "Helios ist neu an jedem Morgen" läßt sich genauso auslegen. Heraklit hatte nur keine Lust, das länger auszubreiten, bzw. bestand dazu noch keine Notwendigkeit: der demokratische Pöbel war noch nicht ganz so irre wie zu Sokrates Zeiten. Zunehmender Irrsinn verlangt nach größerem Detailreichtum, um den Unterschied zwischen ihm und der Wahrheit zu klären...


Zitat:
Doch gibt es auch oft Menschen deren gedankl. Schaffen sich völlig von deren Lebensweise [also einem vielleicht nicht ganz unwesentlichen Teil der Wirklichkeit] unterscheidet und deren Schriften trotzdem hoch angesehen sind

Gesund denken zu können ist nicht notwendig gleichbedeuten damit, selber im Besitz der Mittel zu sein, es umzusetzen; das mindert also für andere nicht den Wert wahrer Gedanken. Davon abgesehen: Wer ein Philosoph ist, so wie Sokrates, der wird bei Bedarf nicht nur seine eigenen 'Gewissheiten' anzweifeln, sondern ebenfalls die der Masse, zumal diese naturgemäß nur zu sehr durchschnittlichen Denkleistungen befähigt sein kann. Herausragend sind immer nur die wenigsten, sowohl an Liebe zur Wahrheit als auch an Hörigkeit zur Einbildung, Haschen nach Anerkennung von der Masse, Eigendünkeln. Letztere meiden argumentative Auseinandersetzungen, spätestens ab dem Punkt, wo dies Phänomen zum Thema werden könnte...

Zitat:
ich finde, dass es sehr wohl Menschen gibt, die von Natur aus Philosophen sind: Kinder. Es ist oft verblüffend, mit welcher Unverblümtheit und Klarheit schon kleine Kinder an philosoph. Fragen herangehen....

So gehen sie ihrer Natur wegen an die Dinge heran, also ihres 'automatischen' Mangels an Erfahrung wegen. Es stellt aber einen Unterschied dar, ob man die Dinge 'notgedrungen' unvoreingenommen sehen muß oder fähig wurde, diesen Zustand 'kindlicher Naivität' gewollt einzunehmen. Letzteres ist gemeint mit "kultivieren"/ bewusste Anpassung des Verhaltens im Dienste z.B. des angeborenen Bedürfnis nach Wahrheit).
Nylen
Zitat:
Dann noch Nylens Idee, dass jeder ein wenig Philosoph ist.... im Grunde mag das stimmen. Aber ich denke, nur weil ichz.B. einen Boden verlege oder eine Wand fliese bin ich noch lange kein Fliesenleger oder Bodenleger.


Da hast du sicherlich recht und ich unterscheide bei dieser Frage immer zwischen akademischer Philosophie, und Philosophie in einem einfacheren Snne.

Nimm dieses Forum. Schaue dir die letzten 100 Threads an. Wieviele sind akademisch philosophisch? Kurz, die wenigsten. Was aber ist der Rest? Keine Philosophie? Doch...aber was macht sie dazu, wenn sie nicht den Gütestempel der Universität haben?

Oft kommen Menschen mit Fragen, und fragen gleich dazu, ob sie hier damit richtig seien. Sie spüren das ihre Fragen mit akademischer Philosophie weniger zu tun haben als mit ihrer persönlichen Lebenswelt. Die Lebenswelt zu erleuchten ist aber das klassische Anliegen der Philosophie so akademisch sie auch erscheinen mag.

Der Titel Philosoph, ist anmassend einerseits, andererseits muss man sich ja nahezu entschuldigen wenn man sich selbst als Philosoph bezeichnet, da die grössten geistigen Verbrechen an der Menschheit von Philosophen begannen wurden.

Desweiteren schrieb ich schon das ich nicht glaube das jeder eine ausgereifte Philosophie hat, aber philosophische Vorurteile. Es gibt Fragen, wie: Was ist Wahrheit und ähnliche, zu denen jeder eine Vorstellung und Meinung hat, ohne das sie auch nur ein Philosophiebuch gesehen hätten.
Seitenlicht
Wie kommt es nur zu Stande, daß unter dem Namen der akademischen Philo-
sophie so viel Murks gezwirbelt wird?
Eugen
Zitat:
Original von Raoul
Zitat: Es ist schon seltsam, daß nicht einmal die Definition eines Philosophen völlig klar ist.

Um dahin zu gelangen, sollte zunächst also ein Versuch gemacht werden, den Wahrheitsbegriff zutreffend zu definieren: größtmögliche Übereinstimmung zwischen Gedachtem und Wirklichkeit.


"Die festgehaltene Definition unterbindet das Gespräch. Im Gespräch klären sich die Begriffe und werden unsäglich. Wer 20 Jahre in Italien gelebt hat, kann nicht mehr sagen, was Italien ist. Aber sein Begriff davon ist klarer als der Italien-Begriff all derer, die sich noch zutrauen zu sagen, was Italien ist." (N.N.: Moralität als Reflexsystem)

Wer vom Ideal der definitorischen Klärbarkeit des Begriffs im strengen Sinne ausgeht wird mE zu keinem wirklich relevanten Philosophieverständnis kommen.

Nach allem, was mir bisher darüber klar geworden ist, scheint Philosophie jedenfalls gerade das als paradoxe Grundbedingung zu haben, dass nie nach einer eindeutigen Regel entscheidbar sein darf, ob es wirklich Philosophie ist, was ich gerade betreibe.

Zitat:
Original von Raoul
Tatsächlich verkörpert der sokratische Standpunkt, sich nur der eigenen Unwissenheit gewiss zu sein, die eigentlich "philosophische" Herangehensweise, nämlich: auch einen angeblich längst geklärten Sachverhalt einer erneuten Prüfung zu unterziehen, um die immer möglichen Denkfehler aufzuspüren oder eine andere Prämisse, die vorher vielleicht unberücksichtigt blieb, an den Anfang der neuen Betrachtung zu setzen.


"Wenn jemand neue Antworten auf Fragen vorschlägt, die mit Hilfe alter Begriffe - insbesondere mit Hilfe der von Plato oder Kant stammenden Begriffe - gestellt wurden, nennen wir das Ergebnis häufig "Philosophie". Stellt jemand neue Fragen und bedient sich dabei neuer Begriffe, nennen wir das Ergebnis im Regelfall "Literatur". (Richard Rorty)

Die philosophische Tätigkeit als eine "eigentlich" prüfende, nachdenkende aufzufassen, scheint mir bereits eine zu starke Verengung. Es kann (und muss evt. bis zu einem gewissen Grad) auch um ein projektiv-experimentelles Unternehmen gehen. Der Philosoph als Erzeuger neuer Begriffe bzw. "unerhörter" Verwendungsweisen alter Begriffe, die zu gänzlich neuen Sachverhalten führen können.
Amateur
Hallo Eugen !



Zitat:
"Die festgehaltene Definition unterbindet das Gespräch. Im Gespräch klären sich die Begriffe und werden unsäglich. Wer 20 Jahre in Italien gelebt hat, kann nicht mehr sagen, was Italien ist. Aber sein Begriff davon ist klarer als der Italien-Begriff all derer, die sich noch zutrauen zu sagen, was Italien ist." (N.N.: Moralität als Reflexsystem)

Traumhaft !


Zitat:
Wer vom Ideal der definitorischen Klärbarkeit des Begriffs im strengen Sinne ausgeht wird mE zu keinem wirklich relevanten Philosophieverständnis kommen.

Da hätte ich dann auch mal "Einen":
"Ideale sind wie Fixsterne. Sie können nie erreicht werden, dienen aber der Orientierung."


Zitat:
Nach allem, was mir bisher darüber klar geworden ist, scheint Philosophie jedenfalls gerade das als paradoxe Grundbedingung zu haben, dass nie nach einer eindeutigen Regel entscheidbar sein darf, ob es wirklich Philosophie ist, was ich gerade betreibe.

Deswegen müsste man nach meinem Eindruck, auch
- "philosophisch Diskutables" und
- "philosophische Mitteilungen"
unterscheiden.

Wer sich in einer Diskussion, offensichtlich allgemein anerkannten Grundlagen entzieht, entgeht der Bewertung und "teilt mit".

Mich erinnert dies an das "Guiness-Buch der Rekorde"
Wer Weltmeister werden will, misst sich nicht mit Anderen, sondern erfindet eine neue Diziplin:

10 Minuten Kopfstand auf einer Verkehrsinsel: "Weltrekord !"



Gruß Andreas
Raoul
Zitat:
Die festgehaltene Definition unterbindet das Gespräch.

Würd ich nicht grundsätzlich behaupten. Schließlich kann jemandem, der noch nie in Italien oder glücklich war, eine Definition dieser Begriffe eine erste Ahnung verschaffen, und war davon abgesehen bei mir von einem Definitions-Versuch die Rede. Fände sich eine bessere Definition, würde ein Philosoph an der schlechteren nicht festhalten, ob dies oder das hängt aber u.a. ab von den durch den Versuch zu Tage geförderten Argumenten...

Zitat:
Die philosophische Tätigkeit als eine "eigentlich" prüfende, nachdenkende aufzufassen, scheint mir bereits eine zu starke Verengung. Es kann (und muss evt. bis zu einem gewissen Grad) auch um ein projektiv-experimentelles Unternehmen gehen. Der Philosoph als Erzeuger neuer Begriffe bzw. "unerhörter" Verwendungsweisen alter Begriffe, die zu gänzlich neuen Sachverhalten führen können.

Ok. Dann sollte die obige Definition von Wahrheit (Übereinstimmung zwischen Gedachtem und Wirklichkeit) für die noch nicht da gewesenen vielleicht dahingehend erweitert werden, dass zwecks Prüfung des Gedachten das Denken allein nicht genügt, sondern schließlich auch praktische Experimente (vom Denken anberaumte Änderungen der Wirklichkeit) durchgeführt werden müssen. Dafür wären genau genommen die einzelnen Wissenschaften zuständig, die allerdings ursprünglich von der Naturphilosophie gefordert wurden, zu einem gänzlich neuen Sachverhalt führend: Aufteilung der 'Natur' in einzelne Gebiete zwecks besserer Übersicht und arbeitsteilig effektiver Forschung.
Daedron
Ich habe nur bruchstücke dieses diskurses aufgefasst. Ich will nur kurz auf Nylens Beitrag reagieren. Ist der Meinige dazu zufällig wertlos, lasst ihn einfach löschen Zwinker .

Also zur Frage der Verwendung des Begriffs Philosophie: Man sagt bei Paradigmenwechseln auch, dass eine wissenschaft in eine philosophische Phase gerät. Generell wird manchmal das Philosophieren mit der Tätigkeit des Reflektierens gleichgesetzt. Genauer genommen ist dann von einem sehr grundsätzlichem Reflektieren die Rede.
Die meisten Menschen geraten wie die Wissenschaften nur gelegentlich in langfristige philosophische Phasen. Dies vor allem dann, wenn die Orientierung verloren gegangen ist.
Je tiefgreifender die Konsequenzen und daher auch die Antworten, umso "philosophischer".

Man könnte sagen: "Er hat Wahrheiten - selbst die Boshaftesten - finden gelernt und versteht sich also auf die Kunst des Philosophierens."
Ich halte das allerdings für eine zweitrangige Definition, da wir die Messlatte noch höher hängen k ö n n t e n (und wahrscheinlich heben wir sie - entsprechend unserem Stolz (davon haben wir Philosophen ja genug) - so hoch, wie wir k ö n n e n).

Man kann auch in die andere richtung gehen.
Deleuze etwa reduziert Philosophie auf das Schaffen von Begriffen. Eine etwas geschmacklose Reduktion wie ich finde. Aber was interessiert uns Herrn Deadrons Befinden?^^

( Edit: Wenn ich noch ein kleines, selbstverfasstes Gedicht zu Sokrates vortragen darf...)

Als sie Süße wuchs heraus,
und zum Drachen wurd die Zaubermaus,
triebs den Freigeist außer Haus.
Claudia
Zitat:
Original von Raoul


Claudia meint wahrscheinlich "kein Lehrer" oder Wissender im damaligen Verständnis dieser Worte. Tatsächlich verkörpert der sokratische Standpunkt, sich nur der eigenen Unwissenheit gewiss zu sein, die eigentlich "philosophische" Herangehensweise, nämlich: auch einen angeblich längst geklärten Sachverhalt einer erneuten Prüfung zu unterziehen, um die immer möglichen Denkfehler aufzuspüren oder eine andere Prämisse, die vorher vielleicht unberücksichtigt blieb, an den Anfang der neuen Betrachtung zu setzen. Sokrates kultivierte also mit seiner Grundhaltung die von eigener Erfahrung absolut unvereingenommene Sicht eines neugeborenen Kindes, allerdings nicht als erster: der heraklitische Aphorismus "Helios ist neu an jedem Morgen" läßt sich genauso auslegen. Heraklit hatte nur keine Lust, das länger auszubreiten, bzw. bestand dazu noch keine Notwendigkeit: der demokratische Pöbel war noch nicht ganz so irre wie zu Sokrates Zeiten. Zunehmender Irrsinn verlangt nach größerem Detailreichtum, um den Unterschied zwischen ihm und der Wahrheit zu klären...


Sokrates war einerseits davon überzeugt nichts zu wissen, andererseits war er aber auch überzeugt davon, daß jeder Mensch in sich selbst die Wahrheit finden könne, die laut ihm (oder zumindest was seine Schüler über ihn schrieben) in jedem Menschen bereits vorhanden sei. Laut Sokrates könnte jeder Mensch mit Hilfe einer zielgerichteten Befragung diese selbst hervorbringen (lt. Sokrates gebären...daher auch der Begrif hebammenkunst im zusammenhang mit seiner Philosophie). Seine deutl. Abgrenzung von den damals gesellschaftl. sehr hoch angesehen Sophisten zeigt seinen Mut, zu seinem "Nicht-wissen" zu stehen.



Zitat:

Gesund denken zu können ist nicht notwendig gleichbedeuten damit, selber im Besitz der Mittel zu sein, es umzusetzen; das mindert also für andere nicht den Wert wahrer Gedanken. Davon abgesehen: Wer ein Philosoph ist, so wie Sokrates, der wird bei Bedarf nicht nur seine eigenen 'Gewissheiten' anzweifeln, sondern ebenfalls die der Masse, zumal diese naturgemäß nur zu sehr durchschnittlichen Denkleistungen befähigt sein kann. Herausragend sind immer nur die wenigsten, sowohl an Liebe zur Wahrheit als auch an Hörigkeit zur Einbildung, Haschen nach Anerkennung von der Masse, Eigendünkeln. Letztere meiden argumentative Auseinandersetzungen, spätestens ab dem Punkt, wo dies Phänomen zum Thema werden könnte...


Sokrates glaubte an die Einscht der menschen, besonders der Jugend. Er lebte nach seinen Prinzipien, stellte (vor allem) den heranwachsenden Athenern seine Fragen und war sogar bereit, für seine Prinzipienzu sterben.
Daß er selbst nie etwas von seinen Gedanken aufschrieb zeugt von einer gewissen bescheidenheit...bedeutet aber auch , daß wir beim Lesen über ihn den "Filter" der durch das aufschreiben von seinen Schülern zweifellos besteht, nich übersehen dürfen.

Zitat:
So gehen sie ihrer Natur wegen an die Dinge heran, also ihres 'automatischen' Mangels an Erfahrung wegen. Es stellt aber einen Unterschied dar, ob man die Dinge 'notgedrungen' unvoreingenommen sehen muß oder fähig wurde, diesen Zustand 'kindlicher Naivität' gewollt einzunehmen. Letzteres ist gemeint mit "kultivieren"/ bewusste Anpassung des Verhaltens im Dienste z.B. des angeborenen Bedürfnis nach Wahrheit).

Sehe ich auch so. Um so mehr sind sie daher als Vorbilder in eben dieser Unvoreingenommenheit zu sehen....
Claudia
Zitat:
Original von Nylen

Desweiteren schrieb ich schon das ich nicht glaube das jeder eine ausgereifte Philosophie hat, aber philosophische Vorurteile. Es gibt Fragen, wie: Was ist Wahrheit und ähnliche, zu denen jeder eine Vorstellung und Meinung hat, ohne das sie auch nur ein Philosophiebuch gesehen hätten.


So hab ich das noch nie genauer überlegt. In gewissem Sinne waren also zuerst die Fragen da und dann entwickelte sich daraus die Philosophie...
Das ist dann ja auch die Schwierigkeit der akadem.Philosophie, da die , ich nenn sie jetzt mal "natürliche "Philosophie jeden Menschen ganz direkt betrifft...
nikoweird
Zitat:
Mich fasziniert vor allem das Denken des Sokrates, Wissen könne man icht lernen, daher bringt es nichts es aufzuschreiben.


Das würde ich jetzt gern genauer wissen. smile
Daedron
... Griechenland geriet mit dem Aufkommen der Decandence übrigens in soeine philosophische Phase -und da kamen die allgemein anerkannten Philosophen Platon usw..
Da ich persönlich den frühen Naturphilosophen mit dem Arche-charakter des Schamanen identifiziere, würde ich ab hier zur Abgrenzung von einer neuen Art Philosoph sprechen: Dem Kulturphilosophen.
Sie dienen der Stabilisierung, Renovierung oder Etablierung von neuer/alter Kultur. Eine dritte Art Philosoph (eine ungriechische) gehört mehr in die Pathologie als "verkappte Schamanen".
Daher kommt die Philosophische "Blüte" immer nahe dem Verwelken einer Kultur... ob kurz davor oder darnach ist immer etwas verschieden..
Raoul
Zitat:
Laut Sokrates könnte jeder Mensch mit Hilfe einer zielgerichteten Befragung diese (in ihm also angeborenermaßen in sich vorhandene Wahrheit) selbst hervorbringen

Ja, das ist ein wichtiger Aspekt im Denken Sokrates, demnach der Mensch also wenigstens aus zwei verschiedenen Abteilungen besteht, dem ICH(Bewusstsein) und jenem Teil, in dem die Wahrheit zwar immer verankert, aber dem Ich nicht von vornherein bewusst ist.

Zitat:
Daß er selbst nie etwas von seinen Gedanken aufschrieb zeugt von einer gewissen bescheidenheit...bedeutet aber auch , daß wir beim Lesen über ihn den "Filter" der durch das aufschreiben von seinen Schülern zweifellos besteht, nich übersehen dürfen.

Nun, anbetracht der Situation des damaligen Athens (- Sokrates verglich es einem edlen aber durchgedrehten Pferd, das den Stachel der Wahrheit dringend bedurfte), ließe sich vielleicht eher vermuten, dass er entweder keine Zeit zum Schreiben fand oder aber für nützlicher hielt, mit den Menschen ohne den Umweg der Schrift zu kommunizieren. Bekannt ist jedenfalls, u.a. aus Platons Berichten, dass er aus Zeitmangel nur höchst selten dazu kam, sich immer schön ordendlich anzuziehen, bzw. weil er die Wahrheit für weitaus wichtiger hielt, aber Du hast natürlich recht: Wenn man sich mit den Berichten Dritter über jemand anderen befasst, dann sollte man sich bewusst sein, dass sie die Beschreibungen mehr oder weniger umfangreich durch ihre persönlichen Vorzüge oder Mäkel "einfärben". Nicht jeder, der seine Gedanken aufschreibt, leidet an Unbescheidenheit, auch wenn diese Sünde heute derart verbreitet ist, dass es einen leicht zur Verallgemeinerung verleitet...


Zitat:
Sokrates glaubte an die Einscht der menschen, besonders der Jugend.

Sollte das etwa so zu verstehen sein, dass Sokrates Ansicht nach ältere Menschen größere Schwierigkeiten mit dem Gebären der Wahrheit haben als die jungen? Wie würdest Du Dir das erklären?
nikoweird
Zitat:
Original von Daedron

Sie dienen der Stabilisierung, Renovierung oder Etablierung von neuer/alter Kultur. Eine dritte Art Philosoph (eine ungriechische) gehört mehr in die Pathologie als "verkappte Schamanen".
Daher kommt die Philosophische "Blüte" immer nahe dem Verwelken einer Kultur... ob kurz davor oder darnach ist immer etwas verschieden..


Das klingt interressant. Wobei es doch auch Beispiele gibt, bei denen das nicht der Fall war(ich kenne mich nicht so gut aus) : zum Beispiel Konfuzius, Augustinus. Nicht immer ist dannach ein Reich zuende gegangen, hat sich vielleicht auch nur geändert...

Zitat:
Sokrates glaubte an die Einscht der menschen, besonders der Jugend.

Zitat:
von raoul
Sollte das etwa so zu verstehen sein, dass Sokrates Ansicht nach ältere Menschen größere Schwierigkeiten mit dem Gebären der Wahrheit haben als die jungen? Wie würdest Du Dir das erklären?


Ja, ich denke, natürlich. Die Filter der jungen Wahrnehmung sind durch mangelnde Erfahrung noch nicht so stark etabliert wie bei alten Leuten. Sie sind noch ,,offen'', ohne Vorurteile und ohne den Willle der Systematisierung der Welt, wie sie im Erwachsenenalter dann ist. Im Erwachsenenalter sieht die Welt so aus: Wie innen, so außen. Im Kindesalter ist sie zwar auch schon in etwa so, aber nicht so stark ausgeprägt. man projiziert noch nicht das Eigenleben in die Außenwelt.
Claudia
Zitat:
Original von Raoul

Zitat:
Sokrates glaubte an die Einscht der menschen, besonders der Jugend.

Sollte das etwa so zu verstehen sein, dass Sokrates Ansicht nach ältere Menschen größere Schwierigkeiten mit dem Gebären der Wahrheit haben als die jungen? Wie würdest Du Dir das erklären?


Ich glaube, Sokrates hoffte, besonders die jungen Menschen inspirieren zu können, die noch nicht ein starres Weltbild voll vorgefertigter Vorurteile in sich tragen.
Ich glaube, daß manche ältere Menschen Probleme haben, sich für neues zu öffnen, eher sturer sind, manchmal "wie mit Scheuklappen behaftet" durchs Leben gehn. Das soll hier nicht wertend gemeint sein, es ist nur eine Beobachtung.
Junge Menschen sind flexibler, offener, eher bereit, etwas neues zu erkennen (selbst wenn dieses Neue in wahrheit schon immer vorhanden war aber eben wie du schreibst unbewusst).
Nikoweird hat das auch sehr gut beschrieben.

Was noch für mich hinzukommt ist die Tatsache, dass Athen von allen männl. Bürgern (nicht jeder Mann in Athen trug allerdings den Bürgertitel) regiert wurde, die sich eben auf dem Marktplatz trafen, und dort war es nicht verwunderlich für Sokrates, viele junge Männer zu treffen.
Außerdem war es damals üblich dass sich die jungen Burschen einen Lehrer suchten, um von ihm in die Welt der großen eingeführt zu werden...und Sokrates war unter diesen Jugendlichen sehr beliebt...was natürl. eine nicht unerhebliche Gefahr für die Herrscher war und ihn letzlich sein leben kostete.

Die Apologie des Sokrates ist für mich bewundernswert, er verteidigt sich selbst in allen Punkten, besser als jeder Anwalt es könnte und wird dann doch schuldig gesprochen....