schnittke
"Ich" bin ein Teilsystem meiner leiblichen Organisation, die sich ihrerseits einer bis zu einem gewissen Grad komplexer werdenden Bildung und Anordnung von Materie verdankt (Gesamtevolution).
Alle alten Vorstellungen, woraus die Vorfahren ihre Würde und ihr "Selbstbewusstsein" bezogen, sind hinfällig geworden.
Von einem Stein unterscheide ich mich vor allem durch höhere Bedürftigkeit, Anfälligkeit, Gefährdung (da die so segensreiche Unterscheidung "organisch"/ "anorganisch" wegen des genannten universellen Wirkungszusammenhangs ebenfalls fallen musste).
Da Gedanken wie "Anlass", "Ursprung", "Urknall", "erste Ursache" usw. dieses Gesamtvorgangs, wie überhaupt jedwede sprachliche Äußerungsmöglichkeit als "anthropozentrische Tastversuche" bezeichnet werden müssen, habe ich als Person (psychisches System) aus genannten Gründen erhebliche existenzielle Identitätsprobleme.
Andererseits erfüllt mich offenbar eine ungeheure Wut, Partikel eines Vorgangs zu sein, in den ich geworfen bin, dem ich und schlichtweg alles andere zwar die Existenz verdankt, der sich aber offenkundig der Bezeichnung, Anrufung etc. vollständig entzieht, bzw. als "Subjekt" eben nicht vorhanden und daher nicht ansprechbar ist (deus abscondicus ohne deus).
Mich würde Eure Ansicht/Haltung zu der Sache interessieren, vielleicht sogar Euer Gelächter, falls ich mich lächerlich mache.
Nietzsche, oder die ausstehende Einverleibung des Wissens.
ewig
Weshalb Wut, wieso nicht Erstaunen oder Zufriedenheit?
Shamatic
Hi Kurt !
Wenn ich dich recht verstehe, sprichst du von dem, was Camus "das Absurde" genannt hat. Richtig ?
Rhetorix
| Zitat: |
Original von kurt wünsch
...vielleicht sogar Euer Gelächter, falls ich mich lächerlich mache. |
Daran ist überhaupt nichts lächerlich.
| Zitat: |
| Da Gedanken wie "Anlass", "Ursprung", "Urknall", "erste Ursache" usw. dieses Gesamtvorgangs, wie überhaupt jedwede sprachliche Äußerungsmöglichkeit als "anthropozentrische Tastversuche" bezeichnet werden müssen, habe ich als Person (psychisches System) aus genannten Gründen erhebliche existenzielle Identitätsprobleme. |
Das nehme ich dir nicht ab. Ich glaube nicht, dass die eigene Identität - d.h. das Gefühl hierfür - irgend von der Lösung kosmischer Probleme abhängen kann, bei dir ebenso wenig wie bei mir.
| Zitat: |
| Andererseits erfüllt mich offenbar eine ungeheure Wut, Partikel eines Vorgangs zu sein, in den ich geworfen bin, dem ich und schlichtweg alles andere zwar die Existenz verdankt, der sich aber offenkundig der Bezeichnung, Anrufung etc. vollständig entzieht, bzw. als "Subjekt" eben nicht vorhanden und daher nicht ansprechbar ist (deus abscondicus ohne deus). |
Wie ewig schon schrieb: wieso Wut?
Sei doch froh, dass dich niemand 'geworfen' hat!
Der Anrufung (wenn auch nicht Bezeichnung) entzieht sich das Große und Ganze sicherlich. Ansprechen kannste es auch nicht.
Du kannst dich aber als dazugehörig empfinden und dich ihm überlassen.
Noch einmal: warum Wut oder Frust?
meloyello
Schon bei meinem ersten Tee, wechsle ich ,was weis ich wie oft, zwischen tiefsten Depression und vollkommenem Glück.
schnittke
Zu ewig :
Wut, weil ich zur reinen Funktion degradiert bin, ohne davon zuvor in Kenntnis gesetzt worden zu sein.
Wut, weil zweieinhalbtausend Jahre ins Land gehen mussten, um endlich hinter den Trick (des "autonomen Selbstseins") zu kommen.
Und es nützt uns nicht einmal etwas, hinter den Trick gekommen zu sein. Nach wie vor erleben wir die Welt doch im naiven Realismus der Physik : Hier bin ich, dort ist der Gegenstand ; alles ist eins usw., oder etwa nicht?
"Wissen" kommt über seinen Werkzeugcharakter nicht hinaus, wie es jetzt über sich herausgefunden hat, und unterliegt einer eigenen Evolution.
Wohin es in seiner Verselbstständigung gefragt hat, existiert nicht, sondern ist Ausdruck seiner Entwicklungsdynamik.
Einstmals werden wir die Affen des totalitären Machens gewesen sein, mehr nicht.
Zu Shamatic :
Das Absurde Camus' (...Pascals, Kierkegaards, Nietzsches "Chaos" usw.) entspringt vermutlich derselben Einsicht, nämlich keinen Zugang zur Realität haben zu können (Luhmann), allerdings ohne die konstruktivistische Unterfütterung. Weshalb heute die ethischen Schlussfolgerungen Camus vielleicht politisch zu einseitig erscheinen.
Zu Rhetorix :
"Das nehme ich dir nicht ab..." heißt im Klartext : "Das hast du gelogen!"
Nein, kann ich dazu nur sagen, in der Hoffnung, dass man es mir verzeiht, dass ich an meinem Denken oftmals leide wie ein armer Hund, der den Knochen nicht findet.
ewig
Das psychophilosophische Stadium der Vergeblichkeit. Ich erinnere mich dunkel. Das geht vorbei. Hinterher wird's leichter, Du wirst sehen.
morten
Wird es nicht vielmehr durch vergessen und "abgestumpft" werden einfacher?
bzw. wird dadurch nicht alles gleichgültiger?
Denn das was "Schnittke" geschrieben hat, lässt sich nicht so einfach überwinden, dieses Problem der Existenz wird immer bestehen. Wir können nur den Gedanken daran versuchen auf ein Minimum zu beschränken.
Aber wenn ihr mich fragt, würde ich lieber am Gedanken daran zu Grunde gehen und vielleicht sogar einen Zugang zu dieser Realität finden, als mich mit weniger abzufinden.
Sprich ich würde lieber am Ekel der Erkenntnis meiner Existenz verzweifeln als mich ständig selbst zu belügen.
Aurom
| Zitat: |
Original von morten
Sprich ich würde lieber am Ekel der Erkenntnis meiner Existenz verzweifeln als mich ständig selbst zu belügen. |
sehr lobenswert, aber ausschließlich DEIN problem...ICH finde meine existenz ganz und garnicht "ekel"-haft, sondern unsagbar phantastisch und muss mich dazu auch nicht selbst belügen...
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To the soul that has hold of the highest beatitude, life cannot
be an evil or a sorrowful illusion; rather all life becomes the
rippling love and laughter of a divine Lover & Playfellow.
(Sri Aurobindo "Thoughts &Aphorisms")
Xyluabin
Wir sind alle Existenzknechte, solange wir nicht die Fähigkeit entwickeln alle gemeinsam zusammen zu erkennen, dass die sagen wir mal Schöpfung - auch dies ist ein Konstrukt der Prägeinstanz-Anstalt - nur vollkommen sein kann, wenn wir erkennen das
Geist=Bewußtsein=Energie=Materie ist.
Geist formbehaftet und formlos zugleich ist. Materie Energie und Geist zugleich ist und wir letztlich Körper und Geist zugleich sind, weil Körper=Geist und Geist=Körper.
Erst wenn alle dies kapiert hätten, würden wir erkennnen das unser Gegenüber nur eine Spielfigur unseres eigenen und damit des großen Geistes ist, die uns etwas mitteilt (solange wir es für nötig erachten).
Auch ich bin dieser Erkenntnis wieder fern, war ich mal nah dran, doch ohne die Substanz, die wohl nur Meditation liefern kann, kriegt man das als Arbeitsroboter nicht geregelt, weil es Diziplin und Konzentration erfordert diese Konklusionsketten für sich logisch zu manifestieren.
Aber vielleicht ist ja schon einer so weit, um einen effizienten Weg aufzuzeichen, so dass wir uns aus der Dualität befreien können.
Meine innere Stimme ist immer sehr redselig, doch meine Ohren und mein Geist sind taub geworden in dem Gelärme der Wichtigkeit von Dingen die nicht wichtig sind. Zudem kommt, dass die Menschge[m/f]ein(d)schaft voll bewußt deterministisch den Planeten in Rekordzeit ruiniert bzw. ruinieren läßt, was mich sehr plagt, sehe ich die Tiere symbiotisch relevanter an!
morten
| Zitat: |
sehr lobenswert, aber ausschließlich DEIN problem...ICH finde meine existenz ganz und garnicht "ekel"-haft, sondern unsagbar phantastisch und muss mich dazu auch nicht selbst belügen...
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ja genau, diese unbegründete rücksichtslose selbstverliebtheit der Menschen, zusammen mit ihrer Fähigkeit die *Kraftausdruck*e die sie produzieren als Gold zu verkaufen...genau das habe ich mit Ekelhaft gemeint.
Danke für diese unbewusst authentische, Selbstdarstellung der Spezies Mensch.
Pan_Narran
Ich kann mich mit dem Gedanken vertrösten, dass alles, was ich "Welt" nenne, nur deshalb existiert, weil es mich gibt. Als Representant eines ansonsten unbewussten Daseins darf sich der Mensch doch zumindest ein wenig geadelt fühlen. Streicht man das Subjekt aus der Welt, dann kann man die Welt gleich mit wegstreichen.
Aus dieser Perspektive, aus der das Dasein *auf seinen Beobachter angewiesen* ist, kommt man sich plötzlich garnicht mehr wie ein Knecht vor.
Aurom
| Zitat: |
Original von Xyluabin
Auch ich bin dieser Erkenntnis wieder fern, war ich mal nah dran, doch ohne die Substanz, die wohl nur Meditation liefern kann, kriegt man das als Arbeitsroboter nicht geregelt, weil es Diziplin und Konzentration erfordert diese Konklusionsketten für sich logisch zu manifestieren. |
schon mal von karma-yoga gehört?
Ein roher, ungebildeter Aspirant hat das Gefühl: “Mein Lehrer behandelt mich wie einen Diener oder Lakaien. Er verwendet mich für unbedeutende Arbeiten.” Wer Karma Yoga in seiner wahren Bedeutung verstanden hat, wird jede Arbeit als yogische Aktivität oder Gottesdienst sehen. In seiner Sicht gibt es keine minderwertige Arbeit. Jede Arbeit ist Puja für Narayana. Im Lichte des Karma Yoga sind alle Handlungen geheiligt. Der Aspirant, der immer ungeheure Freude an Arbeiten findet, die von weltlichen Menschen als minderwertige Dienste angesehen werden, und der diese Dinge immer bereitwillig macht, wird ein dynamischer Yogi werden. Er wird völlig frei sein von Selbstgefälligkeit und Egoismus. Er wird keinen Rückschlag erleiden. Der Krebs des Stolzes kann ihm nichts anhaben. (Swami Sivananda)
Phantom
Ich halte es da in etwa wie mein Vorredner: Ohne Subjekt kein Objekt.
"Die Natur schlägt im Menschen die Augen auf und bemerkt, dass sie da ist" (Schelling)
| Zitat: |
Original von schnittke
Da Gedanken wie "Anlass", "Ursprung", "Urknall", "erste Ursache" usw. dieses Gesamtvorgangs, wie überhaupt jedwede sprachliche Äußerungsmöglichkeit als "anthropozentrische Tastversuche" bezeichnet werden müssen, habe ich als Person (psychisches System) aus genannten Gründen erhebliche existenzielle Identitätsprobleme. |
Was müssten Gedanken denn sein dass du dich nicht schlecht mit ihnen fühlen würdest?
In mir erweckt der Gedanke, dass meine Gedanken Tastversuche sind, eine wissenschaftliche Neugier. Natürlich beschreibe ich nur was ich fühle, und versuche mir einen reim darauf zu machen, immer neue immer bessere Theorien zu entwickeln. Aber "herumtasten" heißt ja nicht, dass es da keine Effizienzunterschiede zu bemerken gäbe...
Und mehr als meine Tastversuche müssen meine Gedanken doch gar nicht sein.
| Zitat: |
Original von schnittke
Andererseits erfüllt mich offenbar eine ungeheure Wut, Partikel eines Vorgangs zu sein, in den ich geworfen bin, dem ich und schlichtweg alles andere zwar die Existenz verdankt, der sich aber offenkundig der Bezeichnung, Anrufung etc. vollständig entzieht, bzw. als "Subjekt" eben nicht vorhanden und daher nicht ansprechbar ist (deus abscondicus ohne deus). |
Entweder sprichst du es an, personifizierst es irgendwie, oder du verzichtest darauf.
Den Vorgang in den du geworfen bist würde ich "Leben" nennen, aber warum man ihn Anrufen sollte ist mir nicht so klar
Hi Morten,
| Zitat: |
| ja genau, diese unbegründete rücksichtslose selbstverliebtheit der Menschen, zusammen mit ihrer Fähigkeit die *Kraftausdruck*e die sie produzieren als Gold zu verkaufen...genau das habe ich mit Ekelhaft gemeint. |
a) woher willst du wissen wie Aurom seine Freude über seine Existenz begründet (im übrigen halte ich es für idiotisch Freude begründen müssen zu wollen)
b) wieso denkst du dein Gejammer sei Auroms Freuen in irgend einer Weise vorzuziehen?
Xyluabin
Aber irgendwie ist man ja von den anderen, denen freilich das gleiche Recht gebührt, irgendwie (körperbedingt) abhängig und zur Koexistenz "verdammt".
Aber es ist sicherlich von Vorteil, es als Vorteil sehen zu können das die Existenz hier auf Gaia ein Geschenk ist!
Ich hoffe ich kriege diesen Bogen auch noch mal!
Alles Gute
Xylu
Pan_Narran
| Zitat: |
Original von Xyluabin
Aber irgendwie ist man ja von den anderen, denen freilich das gleiche Recht gebührt, irgendwie (körperbedingt) abhängig und zur Koexistenz "verdammt".
Aber es ist sicherlich von Vorteil, es als Vorteil sehen zu können das die Existenz hier auf Gaia ein Geschenk ist!
Ich hoffe ich kriege diesen Bogen auch noch mal!
Alles Gute
Xylu |
Mein Platz, der wird durch mich belegt. Hier hat kein anderer etwas zu suchen. Das ganze Bild in meinem Kopf, das ich von der Welt habe, ist der einzige Zugang, den man zu ihr überhaupt haben kann. Und dieses kleine Universum bedarf meiner Existenz. Sogar die anderen Menschen, als die beseelten Objekte, als die sie mir erscheinen, entstehen und verschwinden zusammen mit dieser Welt.
Natürlich verstehe ich das Problem, wenn andere in die eigene Willenssphäre eindringen. Doch das ändert nichts daran: Meine Welt ist meine, ich bin der letzte Bezugspunkt. Hier gibt es keine Koexistenz, aus meiner Perspektive ist jeder und alles andere Objekt. Das Subjekt ist einmalig.
tolwin
Wie schön. Das kann man auch als den stirnerschen Fehlschluss bezeichnen. Mein' Sach' ist auf Nichts gestellt und ich adle dies umso mehr, als die anderen als beseelte Objekte herhalten müssen
Also ist das Subjekt nicht einmalig.
Fort denn mit jeder Sache, die nicht ganz und gar Meine Sache ist.
Pan_Narran
Verstehe ich nicht ganz. Ich hab in meinem Kopf bislang nur mich (und meine sieben kleinen Dämonen vielleicht...) vorgefunden. Dass die Welt voller Subjekt ist, das ist mir nicht neu. Aber diese spielen aus meinem Kopf heraus geblickt nunmal keine Rolle. Das hat jeder andere entsprechend genau so zu sehen. Ich degradiere hier niemanden, ganz im Gegenteil, ich rufe jeden einzelnen dazu auf, auf seine Welt stolz zu sein, da es sie nur ein einziges mal gibt. Sterbe ich, dann geht jeder Bezug-zu-mir verloren. Und mit diesem Bezug meine ganze, subjektive Welt.
Aurom
na, endlich mal einer, der weiß, was beim sterben geschieht...
Pan_Narran
War das ironisch gemeint? Wenn ja, dann kann ich nur sagen: Statt sterben darf man genau so gut "wenn mein Subjektiv wegfällt" sagen. Dann ist der Satz einfach nur erschreckend logisch. Ich sage damit nicht, dass ich wüsste, was danach kommt, oder wie dieser Vorgang in seinem Innersten abläuft. Wobei es da bei mir an Theorien nicht mangelt.
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