Freiheit und Sicherheit

mr.monks
Nehmen wir mal an, die Politik bestehe letztlich aus einer Abwägung von Freiheit und Sicherheit.
Wie bringt man die beiden in das beste Verhältnis?
Wieviel Freiheit braucht man um Sicherheit zu gewährleisten, und wie viel Sicherheit, um ein Maximum an Freiheit zu bieten?
Wie müssten entsprechende Gesetze aussehen?
Archibald
@ monks:

Tut mir leid, aber, du scheinst eine Dimentralität dieser beiden Faktoren vorraussetzen zu wollen.

Erkläre mir bitte, warum, und, definiere erst einmal "Freiheit" als auch "Sicherheit"...................
mr.monks
ich glaube, zu sagen, dass beide sich diametral verhalten wäre vereinfacht. Freiheit meine ich im positiven und negativen Sinn (also Freiheit von und Freiheit für).
unter Sicherheit verstehe ich die bewusste Einschränkung (auch Selbsteinschränkung) von Freiheit im Interesse des eigenen Wohlbefindens und der Stabilität der äußeren Verhältnisse.
Die beiden Zustände hängen irgendwie zusammen, und ich versuche auszuloten wie.
Beispiel: Maximum an Freiheit, Minimum an Sicherheit, die Anarchie:
Jeder kann tun und lassen, was er will, sofern er sich durchsetzen kann, und hier kommt jetzt meine Überlegung ins Spiel.
Solange jeder machen kann, was er will ist die Freiheit derer, die unterlegen sind stark eingegrenzt. In einer gut funktionierenden Gesellschaft werden gewisse Freiheiten eingegrenzt um andere zu gewährleisten und somit Sicherheit und Stabilität zu schaffen.
Wenn das ganze sich jetzt allerdings nur noch um Sicherheit dreht, dann werden allmählich auch Freiheiten eingeschränkt, die für das Zusammenleben vielleicht nicht notwending sind, aber auch nicht hinderlich.
Auf diesen Prozess bezog sich meine Frage.
Werner
Die Freiheit jedes Einzelnen muss wohl dort enden (und durch Gesetz beschränkt werden), wo sie die Freiheit eines anderen beeinträchtigt. Gute Gesetze - die dem Einzelnen die Sicherheit gewährleisten seine Freiheit zu leben - müssen einen gerechten Ausgleich zwischen den widerstrebenden Individualinteressen gewährleisten. Dies wird immer auch abhängig sein von der historischen Situation und deer gesellschaftlichen Entwicklung, bzw. der Ansicht was als gerecht und sozialadäquat betrachtet wird (z.B.: Änderungen im Hinblick auf die Legalisierung der Homosexualität, oder bei der Religionsfreiheit (um historisch weiter zurücvk zu greifen)).
mr.monks
Zitat:
Die Freiheit jedes Einzelnen muss wohl dort enden (und durch Gesetz beschränkt werden), wo sie die Freiheit eines anderen beeinträchtigt.

Klar, aber selbst das kann sehr unterschiedlich aussehen.

Die Freiheit meines Professors, morgens nicht zur Vorlesung zu kommen, schränkt meine Freiheit, sie zu besuchen krass ein.
--> Er wurde verpflichtet zu seinen Vorlesungen zu erscheinen

Die Freiheit, meines Nachbarn am Nachmittag Trompete zu üben, schränkt meine Freiheit, den Nachmittag durchzuschlafen stark ein
--> Es gibt Gesetze, die bestimmen, wann er nicht üben darf (Mittags-, Nachtruhe) zu anderen Zeiten ist das erlaubt. Hier wird meine Freiheit eingeschränkt.

Es ist in Gesetzen nicht immer nachvollziehbar, warum ausgerechnet welche Freiheit eingeschränkt wird.
Schatzmeister
Hallo mr.monks und sowieso alle.

Im der Steuerlehre auf volkswirtschaftlicher Ebene gibt es so eine Art Gesetz, dessen Urheber und damit auch Name ich gerade nicht kenne. Nichtsdestoweniger besagt es: Das absolute Steueraufkommen steigt mit steigendem (Durchschnitts-)Steuersatz erst bis auf ein landesspezifisches Maximum und - jetzt kommt's - fällt dann wieder ab (weil Leute anfangen zu hinterziehen, weil sie absichtlich weniger erwirtschaften, weil sie das Land verlassen undsoweiter).

Ich glaube, diesen sehr sinnvollen Zusammenhang, der unter Volkswirten unbestritten ist, kann man sehr gut auf das allgemeine Rechtssystem übertragen. Irgendwann wird die Regeldichte so hoch, dass sich weniger Leute an den Sinninhalt der Paragrafen halten als sie es OHNE eben diese getan hätten. Ich glaube auch, die BRD ist seit Jahrzehnten an so einem Punkt. Überregulierung in insbesondere wirtschaftlichen Bereichen (v.a. Steuern) verursacht so ein geringeres als mögliches Volkseinkommen.

Ich hoffe, es enttäuscht nicht allzu sehr, dass eine Grenze nicht absolut aufzustellen scheint, aber das könnte ja auch kaum glaubwürdig sein, nicht wahr?

Beste Grüße
Schatzmeister
morten
Sicherheit ist langweilig.

und Freiheit überschätzt.
mr.monks
Das kannst du nur sagen, weil du mit sehr vielen Freiheiten ausgestattet bist. DU hast keine Ahnung, was es bedeutet mit Meinungsfreiheit gesegnet zu sein. Stell dir mal vor, du hättest sie nicht?
Archibald
@ monks:

Also, ich gehe prinzipielletwas einfacher an diese Frage heran:

Das die Freiheit des einen die des anderen einschränken kann, ist ohnehin mal klar.
Es kann also nur entweder eine auf ein Individuum bezogene, oder aber, eine metaphysische Freiheitsdefinition geben.

Das macht es allerdings um so schwerer, von Freiheit im "sozialen Sinne", also, auf die Gesellschaft bezogen, zu reden.

Nehmen wir mal ein extremes Beispiel:

Ein Diktator lässt alle Menschen in regelmäßigen Abständen in Kasernen/ Lagern wohnen, um sie kontrollieren zu können; glaube mir, er selber fühlt sich freier als vor dem Militärputsch, der ihn an die Macht gebracht hat.
Schneemann
Zitat:
Original von mr.monks
Nehmen wir mal an, die Politik bestehe letztlich aus einer Abwägung von Freiheit und Sicherheit.
Wie bringt man die beiden in das beste Verhältnis?

Ich bezweifle hier schonmal deine Fragestellung. Ich glaube nicht dass es ein "bestes Verhältnis" gibt. Stattdessen gibt es viele, beste Verhältnisse, wahrscheinlich ähnlich viele wie es Menschen gibt. Und da diese Verhältnisse eine Funktion der Menschheit sind, sind sie natürlich auch zeitlich variabel. Demzufolge geht es für die Politik (zumindest in Demokratien) eben darum die Politik möglichst nahe dem momentanen Durchschnitt des Freiheit und Sicherheitsempfindens anzunähern. Nun gibts viele Varianten wie man dieses ermittelt, ich persönlich empfinde dabei Elemente der direkten Demokratie derzeit als vorteilhaft.
oui
Zitat:
Original von mr.monks
Nehmen wir mal an, die Politik bestehe letztlich aus einer Abwägung von Freiheit und Sicherheit.
Wie bringt man die beiden in das beste Verhältnis?

Gerechtigkeit bringt m.E. beide in das beste Verhältnis.
Einerseits proportinonale, andererseits arithmetische (s. Aristoteles).
Archibald
@ monks:

Eben!

Es fehlt nämlich jede auch nur halbwegs objektivierbare Bemessungsgrundlage!
Und, warum?

Ganz einfach:

WEIL MAN FREIHEIT NICHT MESSEN KANN !!!!!!!!!!!!!!
ewig
Zitat:
Original von Archibald

WEIL MAN FREIHEIT NICHT MESSEN KANN !!!!!!!!!!!!!!

Ich für meinen Teil glaube, daß man alles messen kann. Nur ist Freiheit wirklich ein Schlagwort mit solch großer Projektionsfläche, daß man den Begriff erst einmal wieder in die Realität zurückholen und ihm eine gewisse Schärfe verleihen müßte. Aber gib mir eine anständige Argumentstruktur (Wer ist frei wovon und ggf. in welchem Aspekt?) und ich richte Dir eine Skala und ein Meßverfahren ein. Die Freiheit gibt es jedoch genauso wenig wie irgend ein anderes Abstraktum mit einem bestimmten Artikel davor.
Tarvoc
Zitat:
Original von ewig
Ich für meinen Teil glaube, daß man alles messen kann.

Au fein, dann können wir ja endlich aufhören zu denken. fröhlich
morten
Mich würde interessieren was Herr Schäuble zu diesem Thema zu sagen hätte RoFL
ewig
Vermessungsmöglichkeit erspart das Nachdenken? In welcher Art von Anschauungsform denn das? gruebel
Tarvoc
Zitat:
Original von ewig
Vermessungsmöglichkeit erspart das Nachdenken? In welcher Art von Anschauungsform denn das? gruebel

Keine Ahnung, wie misst man denn die Art der Anschauungsform? gruebel
ewig
Das ist nun aber wirklich so einfach, daß es mich beleidigen würde, es hier erklären zu müssen. großes Grinsen
Tarvoc
Zitat:
Original von ewig
Das ist nun aber wirklich so einfach

Nein, ist es nicht. Hätte ich mir aber denken können, dass du zu denen gehörst, die meinen, es wäre so einfach.
Neo
Messen heißt vergleichen. Selbstverständlich kann man den Grad an Freiheit messen.
Was man nicht kann ist einen Absolut- oder Nullpunkt zu definieren, denn dies erfordert wieder eine Präziserung: im Vergleich zu...

Um was hier gestritten wird ist der Unterschied zwischen vergleichen und definieren.