Shamatic
Ich stelle die These auf, dass das, was heute unter "Politik" verstanden wird, eine extrem verkürzte Sichtweise darstellt und deshalb unser gesamtes Denken und Handeln limitiert.
Politisches Denken und Handeln wird zum größten Teil auf das Sammeln und Vergleichen von Information reduziert: Welches Parteiprogramm gefällt mir am meisten ? Die Form des Staates und die dazugehörende parlamentarische Demokratie bestimmt den Begriff des "Politischen" und setzt dadurch gleichzeitig fest, welche Formen des Handelns überhaupt als "politisch" gelten und welche nicht. Der Begriff des Politischen wird also mit einem normativen Netzwerk aufgeladen, der der Stabilität der bestehenden gesellschaftlichen Struktur entspricht. Deshalb werden Verhaltensweisen, die nicht der politischen Norm entsprechen, schnell sanktioniert und ins Negative verkehrt: Die Betitelung "Terrorismus" wird als (symbolisches) Machtmittel missbraucht um verschiedene politische Gruppen zu entmachten.
Die Idee des Politischen wird meiner Meinung nach durch das Bewusstsein der prinzipiellen Möglichkeit verschiedener Formen gesellschaftlichen Lebens getragen. Dazu ist geistige Freiheit notwendig, ein Denken, das Möglichkeiten und Potentiale wahrnimmt und begreifbar macht. Das heutige Verständnis von Politik wird durch das Freiheitsverständnis kapitalistischer Warenproduktion -die sich durch (prinzipielle) Wahlfreiheit auszeichnet- bestimmt: Ich kann bei gegebenen finanziellen Möglichkeiten zwischen unzähligen Produkten auswählen und es wird dadurch das Gefühl unendlicher Freiheit vermittelt. Genauso im "politischen" Bereich: Ich kann auswählen zwischen einem gegebenem Menü von medial inszenierten Persönlichkeiten, Parteien und politischen Programmen ("Reformen"). Das Politische wird auf den Moment des Auswählens reduziert.
"Richtig" politisch wird es erst dann, wenn der Versuch unternommen wird, das Menü selbst zu ändern d.h. die Möglichkeiten des Denkens und Handelns zu erweitern, womöglich die überwiegend herrschende Engstirnigkeit zu überwinden, dieser etwas entgegen zu setzen. Sein eigenes Leben als Bestandteil eines Netzwerkes von verschiedenen Herrschaftsformen und Denkweisen zu betrachten und bewusst Einfluss auf diese zu nehmen.
Politisch Handeln bedeutet, sich als Jongleur der Möglichkeiten und Mächte zu versuchen. Entweder Spielball der Mächte oder Gestalter. Tertium non datur ?!
Nachtrag: Ich befürworte unter keinen Umständen Gewalt als politisches Mittel. Und wenn ich von Macht und Herrschaft rede, meine ich sowohl die symbolische (ideologische) als auch die materielle Form. Es kann auch im Symbolischen Macht ausgeübt werden.
mr.monks
| Zitat: |
| Politisch Handeln bedeutet, sich als Jongleur der Möglichkeiten und Mächte zu versuchen. Entweder Spielball der Mächte oder Gestalter. Tertium non datur ?! |
Ich denke, das Problem liegt im Wesen der Politik begraben, die ja eigentlich gar nicht fragen darf, was richtig oder falsch ist, sondern fragen muss, was umsetzbar ist.
Schatzmeister
Ich denke, das Wesen einer freiheitlichen, repräsentativen Demokratie ist immer auch Populismus. Darum werden auch Ziele, Programme, Strategien - kurzum: das komplette (politische) Handeln - darauf reduziert, was schnelle Erfolge liefert (schnell deshalb, weil Leute unglaublich zügig vergessen, wem sie was zu verdanken haben). Oder anders gesagt: Ist irgendein echter - also so richtig ernsthafter - Reformator jemals mehrheitlich gewählt worden?
Schatzmeister
Milan Q.
Natürlich werden richtige Reformator nicht die gleiche Stimmenzahl erhalten wie Parteien der Mitte mit kurzfristigen kleinen Änderungen.
Das liegt aber eben an dem Problem, das Shamatic aufzeigt. Unsere Gesellschaft ist so ausgerichtet, dass sie alles verpönt, was so neu ist, dass sie es nicht kennt. Immer schön im Vertrauten bleiben. Das widerum liegt (meiner Meinung nach) an der extrem geringen politischen Grundbildung mehrheitlicher Teile der Bevölkerung, die das Ausmaß einer Grundlegenden Systemänderung weder verstehen kann noch will. Natürlich ist es immer einfacher eine Partei der Mitte zu wählen die konkret angibt in einer Legislaturperiode, diese Steuern zu erhöhen, jene zu senken, dies und das Gesetz zu schaffen usw.
Das heißt aber noch lange nicht, dass das besser für die Bevölkerung ist, oder?
Tarvoc
| Zitat: |
Original von Schatzmeister
Oder anders gesagt: Ist irgendein echter - also so richtig ernsthafter - Reformator jemals mehrheitlich gewählt worden? |
Ich glaube, darum geht's letztlich gar nicht. Ich bin der Ansicht, dass Reformen letztlich niemanden zufriedenstellen können werden. Entweder sie tragen nur die bestehenden Machtverhältnisse weiter, dann verändern sie im Grunde nichts wesentliches an den bestehenden gesellschaftlichen (Macht-)verhältnissen, sondern tragen sie nur weiter, oder sie durchbrechen die Machtverhältnisse in der Praxis, dann sind sie gar keine Reformen, sondern revolutionäre Akte.
Gilles Deleuze etwa schreibt in "Der Faden ist gerissen":
Aus diesem Grunde ist der Begriff der Reform so dumm und heuchlerisch. Entweder ist die Reform von Leuten erarbeitet, die sich für repräsentativ halten und die sich einen Beruf daraus machen, für die anderen, im Namen der anderen zu sprechen, so ist das ganze ein Unternehmen der Machthaber, in dem die Repression nur ausgeweitet wird. Oder es handelt sich um eine Reform, die von den Betroffenen selbst verlangt wird, dann ist es gar keine Reform mehr, sondern eine revolutionäre Aktion, die aufgrund ihres partiellen Charakters dazu bestimmt ist, die Totalität der Macht und ihrer Hierarchie in Frage zu stellen.
Oder Lyotard in "Der Widerstreit":
Der Reformismus akzeptiert den Spieleinsatz des ökonomischen Diskurses (den Kapitalismus), indem er sich mit der ausgewogeneren Verteilung des Tauschresultats brüstet. Er will gewonnene Zeit, aber für alle. Er will, dass diejenigen, die viel davon besitzen, ohne Gegenleistung denjenigen Zeit abtreten, die wenig besitzen. Nur ist das Vorhaben erstens nicht stichhaltig hinsichtlich der Diskursart: Entweder ist sie die Diskursart des Tausches, und jede Abtretung setzt deren Entschädigung voraus, oder die Diskursart entspricht nicht dem Tausch-Diskurs (wenn keine Gegen-Abtretung geleistet wird), und man revolutioniert die Vorherrschaft des ökonomischen Diskurses über die anderen. [...] Prinzipiell kann der Reformismus /niemanden zufriedenstellen. Aber ebenso wie die Hoffnung, die mit seinem Entstehen aufkommt, nicht stürmisch ist, ist die mit seinem Verfall verbundene Enttäuschung kein erhabenes Gefühl. Verzagt kehrt man zum Tausch zurück.
Shamatic
Danke für eure Antworten !
@mr.monks
| Zitat: |
| Ich denke, das Problem liegt im Wesen der Politik begraben, die ja eigentlich gar nicht fragen darf, was richtig oder falsch ist, sondern fragen muss, was umsetzbar ist. |
Ich glaube nicht, dass es möglich ist, den Begriff des Politischen -zumindest den von mir weit gefassten- von ethischen Fragestellungen zu trennen, falls du das mit dem Begriffspaar richtig/falsch gemeint haben solltest (also im Sinne von gut/schlecht). Ich versuche ja gerade zu argumentieren, dass das Politische aus mehr bestehen sollte, als der simplen Frage nach dem, was (in der aktuellen Situation) umsetzbar ist. Überhaupt ist "Umsetzbarkeit" ein nebulöses Konzept, wenn damit Möglichkeiten beschnitten werden sollen, ohne diese je betrachtet zu haben. Scheint mir eher zum technokratischen Duktus zu gehören, der neue Wege/ Möglichkeiten aus sogenannten "Sachzwängen" abzulehnen weiß.
@Schatzmeister:
| Zitat: |
| Ich denke, das Wesen einer freiheitlichen, repräsentativen Demokratie ist immer auch Populismus. Darum werden auch Ziele, Programme, Strategien - kurzum: das komplette (politische) Handeln - darauf reduziert, was schnelle Erfolge liefert [...] |
Populismus ist in erster Linie Machtausübung im symbolischen Bereich. Ob die Versprechen auch gehalten werden ist natürlich eine andere Sache. Deshalb bedeutet Populismus nicht automatisch, dass kurzfristige Verbesserungen stattfinden (abgesehen davon, dass "Verbesserung" auch von der Betrachtungsweise abhängt).
Deshalb würde ich deiner ersten Aussage nicht zustimmen. Es gibt keine Notwendigkeit, dass repräsentative Demokratie durch Populismus getragen werden muss. Populismus ist eine Geburt eines einseitigen Informationskanals oder einem Diskursraum, der streng genommen keiner ist, weil er im Wesentlichen nur aus Sendern und Empfängern besteht. Das Internet ist die einzige Ausnahme, da die Information nicht einfach nur durch einen Kanal geschickt wird ohne "Rückkopplungsmechanismus" (wie bei Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen, Radio..). Es hat auch etwas damit zu tun, dass die "Repräsentanten" den Kontakt zu den "Repräsentierten" verloren haben.
Kurzum: Wenn reger Austausch zwischen Menschen (also auch mit den Repräsentanten) stattfindet, und dieser den Kern der politischen Urteilsbildung darstellt ("demokratischer Diskurs"), dann sind (Teil-)Bedingungen für eine repräsentative Demokratie gegeben, die diesen Namen auch verdient. Wenn sich die Menschen dann für möglichst einfache und schnelle Lösungen entscheiden, dann ist das wohl deren Sache.
Auf den Rest gehe ich ein andermal ein
Schatzmeister
Hallo Shamatic.
| Zitat: |
Original von Shamatic
@Schatzmeister:
| Zitat: |
| Ich denke, das Wesen einer freiheitlichen, repräsentativen Demokratie ist immer auch Populismus. Darum werden auch Ziele, Programme, Strategien - kurzum: das komplette (politische) Handeln - darauf reduziert, was schnelle Erfolge liefert [...] |
Populismus ist in erster Linie Machtausübung im symbolischen Bereich. Ob die Versprechen auch gehalten werden ist natürlich eine andere Sache. Deshalb bedeutet Populismus nicht automatisch, dass kurzfristige Verbesserungen stattfinden (abgesehen davon, dass "Verbesserung" auch von der Betrachtungsweise abhängt). |
Entschuldige, falls das so rübergekommen ist. Ich suchte nicht, das System zu verteidigen, sondern vielmehr es zu erklären: Solange Leute von Leuten gewählt werden, werden Leute Leute wählen, die Leuten Besserung in jedweder relevanter Hinsicht versprechen und idealerweise - der Glaubwürdigkeit halber - stückchenweise zumindest vorgeben zu erfüllen. Das ist möglicherweise der einzige Grund, warum ab und an überhaupt etwas von Bedeutung geschieht.
| Zitat: |
Original von Shamatic
Deshalb würde ich deiner ersten Aussage nicht zustimmen. Es gibt keine Notwendigkeit, dass repräsentative Demokratie durch Populismus getragen werden muss. |
Naja, vielleicht keine kausale Notwendigkeit, aber stets eine Konsequenz daraus (irgendwie also doch kausal). Sie entstammt der Idee an sich, sondern vielmehr der Charaktere, die sie mit Leben füllen und schlichtweg nun mal gewählt werden wollen.
| Zitat: |
Original von Shamatic
Populismus ist eine Geburt eines einseitigen Informationskanals oder einem Diskursraum, der streng genommen keiner ist, weil er im Wesentlichen nur aus Sendern und Empfängern besteht. |
Aber wie könnte er so erfolgreich sein, wenn das ganze nicht systemimmanent wäre?
| Zitat: |
Original von Shamatic
Das Internet ist die einzige Ausnahme, da die Information nicht einfach nur durch einen Kanal geschickt wird ohne "Rückkopplungsmechanismus" (wie bei Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen, Radio..). Es hat auch etwas damit zu tun, dass die "Repräsentanten" den Kontakt zu den "Repräsentierten" verloren haben. |
Aber ob das Internet davor bewahren kann, wag' ich zu bezweifeln.
| Zitat: |
Original von Shamatic
Kurzum: Wenn reger Austausch zwischen Menschen (also auch mit den Repräsentanten) stattfindet, und dieser den Kern der politischen Urteilsbildung darstellt ("demokratischer Diskurs"), dann sind (Teil-)Bedingungen für eine repräsentative Demokratie gegeben, die diesen Namen auch verdient. |
Das unterschreib' ich gern. Aber das ginge auch ohne Internet. Und genau deswegen wird sich auch mit dem Web 2.0 und 3.0 nicht viel in dieser Hinsicht verändern, fürchte ich.
| Zitat: |
Original von Shamatic
Wenn sich die Menschen dann für möglichst einfache und schnelle Lösungen entscheiden, dann ist das wohl deren Sache. |
Demokratie ist immer schwierig, weil auch die mitentscheiden dürfen, die eigentlich keine Ahnung haben.
Beste Grüße
Schatzmeister
Aurom
| Zitat: |
Original von Milan Q.
Immer schön im Vertrauten bleiben. Das widerum liegt (meiner Meinung nach) an der extrem geringen politischen Grundbildung mehrheitlicher Teile der Bevölkerung, die das Ausmaß einer Grundlegenden Systemänderung weder verstehen kann noch will. oder? |
imho verstehen wir nur zu gut die implikationen einer grundlegenden systemänderung...schließlich sind wir aufgrund der erfahrungen aus dem 20. jhdt. "gebrannte kinder"
Tarvoc
| Zitat: |
Original von Aurom
| Zitat: |
Original von Milan Q.
Immer schön im Vertrauten bleiben. Das widerum liegt (meiner Meinung nach) an der extrem geringen politischen Grundbildung mehrheitlicher Teile der Bevölkerung, die das Ausmaß einer Grundlegenden Systemänderung weder verstehen kann noch will. oder? |
imho verstehen wir nur zu gut die implikationen einer grundlegenden systemänderung...schließlich sind wir aufgrund der erfahrungen aus dem 20. jhdt. "gebrannte kinder" |
Wann und wo hat denn im 20. Jahrhundert eine grundlegende Systemänderung stattgefunden?
mark
| Zitat: |
Original von Tarvoc
Wann und wo hat denn im 20. Jahrhundert eine grundlegende Systemänderung stattgefunden?
|
1919, 1933, 1945...?
Gil Gamesh
| Zitat: |
Original von mark
| Zitat: |
Original von Tarvoc
Wann und wo hat denn im 20. Jahrhundert eine grundlegende Systemänderung stattgefunden?
|
1919, 1933, 1945...? |
Er meinte
grundlegend!
mr.monks
| Zitat: |
Original von Gil Gamesh
Er meinte grundlegend! |
Verstehst du unter grundlegender Systemänderung nur wenn plötzlich ein System verschwindet? Ansonsten würde ich den Wandel von der Scheindemokratie im Kaiserreich zur tatsächlichen Demokratie in der Weihmarer Republik und dann wieder zur Scheindemokratie und faktischen Diktatur und dann wieder hin zu einer Demokratie durchaus als grundlegende Systemänderungen im einfachsten Wortsinn verstehen. Grundlegende Änderungen im System und damit im Machtverhältnis von Bürger und Staat. Oder siehst du überwältigende Gemeinsamkeiten zwischen unserer Staatsform und der Staatsform im Kaiserreich?
Tarvoc
Von "Staatsformen" war hier nie die Rede. Die von der jeweils bestehenden gesellschaftlichen Wirklichkeit und ihren Macht- und Besitzverhältnissen abgekoppelte Redeweise von "Staatsformen" verschleiert ohnehin wesentliche gesellschaftliche Zusammenhänge. Dass es ein Unterschied ist, ob sich eine kapitalistische Gesellschaft einen faschistischen oder einen liberal-demokratischen staatlichen Überbau gibt, bezweifelt hier niemand.
mr.monks
| Zitat: |
Tarvoc
Wann und wo hat denn im 20. Jahrhundert eine grundlegende Systemänderung stattgefunden? |
Dann definiere mir doch bitte das System von dem du hier sprichst.
Tarvoc
| Zitat: |
Original von mr.monks
| Zitat: |
Original von Tarvoc
Wann und wo hat denn im 20. Jahrhundert eine grundlegende Systemänderung stattgefunden? |
Dann definiere mir doch bitte das System von dem du hier sprichst. |
Wieso sollte ich? Ich frage nur nach. Aurom war derjenige, der davon angefangen hat.
mr.monks
Weil du derjenige warst, der zwischen Staatsform und System differenziert hat, oder?
Tarvoc
| Zitat: |
Original von mr.monks
Weil du derjenige warst, der zwischen Staatsform und System differenziert hat, oder? |
Ja, schon. Von System reden sowieso 'ne Menge Leute ständig, ohne dass jemand genau weiss oder sagen könnte, was damit eigentlich gemeint sein soll. Ich selbst benutz' das Wort im Normalfall ohnehin nur ganz selten, insbesondere in solchen Kontexten. Ich rede mehr von Wirtschaftsformen, Gesellschaftsformen, gesellschaftlichen Zusammenhängen oder Bedingungen, impliziten und expliziten Machtstrukturen, und so weiter. Um so mehr ein Grund, da mal nachzufragen.
Aurom
oh...die semantische goldwaage spaltet mal wieder ganz dünne haare...
Shamatic
Mich würde momentan vielmehr die Frage interessieren, wie es möglich sein könnte, die Limitationen des herrschenden politischen Bewusstseins zu sprengen. Wie kann "Politik" wieder zu der grundsätzlichen Frage nach der Form menschlichen Zusammenlebens geführt werden ?
Diese Form eines politischen Bewusstseins sollte in der Lage sein, die gegebenen gesellschaftlichen Verhältnisse gedanklich zu übersteigen. Es gibt keine ontologische, natürliche Notwendigkeit in der Sphäre gesellschaftlicher Organisation, folglich sind auch unendlich Möglichkeiten derselben denkbar.
Nicht nur auf der Ebene der Möglichkeiten (Potenzen) ist ein elementares Umdenken notwendig, auch die Einordnung menschlicher Handlungen in ein größeres Raum-Zeit-Gefüge spielt eine Rolle.
Wenn mensch sich mal die herrschenden Zeitlogiken im gesellschaftlichen (ökonomischen, politischen) Leben ansieht, dann wird dieser schnell feststellen können, dass der Handlungshorizont selten die 4-Jahre-Grenze überschreitet. Vor allem wird diese strukturelle, gesellschaftliche Blindheit und Handlungsunfähigkeit an größeren Problemen sichtbar, wie beispielsweise der gesamt-ökologischen Krise. Hier lässt sich aufzeigen, dass es einen enormen Aufwand kostet, solche "großen" Probleme durch die vorhandenen politisch-ökonomischen Apparate "durchzuschleusen", ganz einfach aus dem Grund, weil hier der fundamentale Widerspruch verschiedener (Zeit-)Logiken auftritt.
Diese Zerstückelung der industriellen, kapitalistischen Gesellschaften in verschiedene Logiken/Denkmuster steht dem Gedanken eines einheitlichen Gemeinwesens im Wege. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der einzige Kitt, der "unsere" Gesellschaft zusammenhält, die zahlreichen Widersprüche sind. Viele diese Widersprüche zeigen sich in der auf Konkurrenz basierten Form gesellschaftlicher Organisation.
Das von mir geforderte, "neue" politische Bewusstsein könnte versuchen, all die Widersprüche und Ungereimtheiten aufzudecken und eine abstrakt gewordene, ausdifferenzierte Gesellschaft zu einem Gemein-Wesen zurück zu führen - gedanklich und praktisch.
mr.monks
| Zitat: |
Original von Shamatic
Wie kann "Politik" wieder zu der grundsätzlichen Frage nach der Form menschlichen Zusammenlebens geführt werden ? |
Die Frage ist doch kann sie das? Oder vielmehr darf sie das? Ist es nicht z.B. so dass das Grundgesetz bestimmte Denkweisen vorschreibt, die als unreflektierbar gelten?
Und auf der anderen Seite: Ist es Aufgabe der Politik solche Fragen zu reflektieren, muss sie nicht viel konkreter denken?
| Zitat: |
Original von Shamatic
Das von mir geforderte, "neue" politische Bewusstsein könnte versuchen, all die Widersprüche und Ungereimtheiten aufzudecken und eine abstrakt gewordene, ausdifferenzierte Gesellschaft zu einem Gemein-Wesen zurück zu führen - gedanklich und praktisch. |
Ich glaube man kann soziologisch beweisen, dass es nie so etwas wie ein Gemeinwesen gegeben hat.
© Philo-Welt.de 2005-2008