Ein paar Gedanken über "das Nichts"

Archibald
Ich verwende in meiner heute niedergeschriebenen Abhandlung zwei neue (von mir erfundene) "Neologismen" (neue Worte):

Das "Tonit" (Das "totale Nichts", also, sowenig "Nichts", wie es weniger nicht mehr geht), und, das "Kogenit", was eine Abkürzung für "konkretes Nichts" sein soll:


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"Über die Prinzipien, das „Nichts“ denken zu können ^^MI 21.05.08

Die Frage nach der „Existenz des „Nichts““ ist eine alte philosophische Frage.
Ich gehe folgendermaßen an diese Frage heran: Wenn das „Nichts“ – egal, in welcher Form auch immer – gedacht werden kann, muss es „begreifbar“ sein, also, gedanklich erfassbar sein. Nun sage ich, das „Nichts“ ist etwas, das von jedwedem Attribut, von jedweder Eigenschaft, welche dieses „Nichts“ überhaupt definieren könnte, befreit sein muss, um überhaupt noch „Nichts“ zu sein; alles Andere wäre dann nämlich ein „Etwas“, und, kein „Nichts“ mehr (Das „Nichts“ hat nämlich keine Eigenschaften).
Wie kann man also das „Nichts“ denken, es gedanklich (bzw. begrifflich) erfassen, ohne ihm Eigenschaften zuzuweisen, welche dieses „Nichts“ zu einem „Etwas“ werden liessen?

Ich sage nun, daß das „totale“ und „absolute“ Nichts (Tonit) von uns nicht gedanklich erfasst werden kann, weil es sonst ein „Etwas“ wäre. Wie aber können wir von einem „absoluten Nichts“ (Tonit) reden, wenn wir es gar nicht erkennen können?

Ich denke, es gibt eine Art „Ersatznichts“, das „Kongenit“, welches dem Tonit sehr ähnlich ist, aber, (es ist) eben doch etwas mehr ist als das „absolute Nichts“. Mit dieser Ersatzvorstellung des „Kongenits“ haben wir ein „fast-Nichts“, welches sich von uns selber allerdings noch vorstellen lässt. Wie aber kommen wir auf die Idee, es könne ein „Nichts“ geben, welches absolut und von jedwedem Attribut befreit sein würde?
Ich denke, es gibt zu jedem „Kongenit“ a weiteres „Kongenit“ b, welches weniger Eigenschaften und Attribute als „a“ hat, ohne aber selber ein „Tonit“ zu sein.
Diese Kongenite liefern uns eine immer mehr stimmende Sichtweise des Tonits, da sich jedem Kongernit ein weiteres Kongenit zuordnen lässt, welches näher am Tonit liegt, so, dass wir zwar das Tonit selber nicht denken oder aber „begrifflich erfassen“ können, aber, die Richtung sehen können, in der es liegt.

Hier gibt es eine Analogie zur Mathematik:

Ein „Infinitisemital“ x („Infi“) ist eine Zahl, welche kleiner ist als jeder Bruch und jede irrationale Zahl, aber, größer als die Null ist; ein „Infi“ liegt unendlich dicht an der Null. Die „Null“ entspricht dem „Nichts“, also, im eben genannten Modell dem Tonit, und, das Infi dem Kongenit.
Nun stellt sich die Frage, ob sich ein Infi x verkleinern lässt (z.B.durch die Division durch 2)..
Nehmen wir also an, dass gelte: x/2 = y; wobei es klar ist, dass auch y ein Infi sein muss, und, somit kleiner als jeder Bruch und jede irrationale Zahl sein muss. Wenn x aber nun „unendlich dicht an der Null“ liegt, ist nun mal zwischen x und der Null kein Platz mehr für „y“, obwohl y ja doch kleiner als „x“ ist.
Andererseits ließe sich ein Infi somit nicht mehr verkleinern, was ihm (dem Infi) seine Qualität als Zahl rauben würde.

Wir können also nur von der Existenz vieler verschiedener „Infi´s“ ausgehen, welche eine Art „Ersatzgröße“ haben (ähnlich der „Mächtigkeit“ bei unendlich großen Zahlen), welche sich aber (im herkömmlichen Sine) durch Division oder Multiplikation weder vergrößern noch verkleinern lässt.

Wir können nur von einer „ersatzweisen“ Verkleinerung des „Infi´s“ ausgehen, welche der „Denkbarkeit des „Nichts““ entspricht, nur eben, dass das Kongenit genauso wenig „das Tonit“ ist, wie eben das Infi nicht gleich „Null“ ist.
Wir könen natürlich auch eine etwas stärker philosophische Betrachtungsweise zu Rande ziehen:
Die „Null“ ist mehr als „Nichts“, weil sie die Eigenschaft innehat, eine Zahl zu sein.
Die sieben rosa Elefanten, die eben über den Tisch gelaufen sind, sind eben halt auch mehr als „Nichts“; immerhin sind sie „rosa“ und, sie sind „Elefanten“

^DO 2108
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pathos
Das Resultat meiner Gedankengänge über das Nichts waren ähnlich wie die Deinigen. Das Nichts kann nicht greif- oder erkennbar sein, ohne dass die Definition hinfällig wird. Erkennt man ein vermeintliches Nichts, weiss man nur, was nicht das Nichts ist.

Insofern ist es wie wohl immer eine Frage der Wahrnehmung. Als Kind war Luft für einem Nichts. Später lernt man dann, dass Vakuum diesem Nichts näher kommt. So gesehen wird das Nichts dadurch definiert was nicht wahrgenommen oder nachgewiesen werden kann. Die Definition findet mittels Negierung statt. Dem Nichts kann man also per Definition keine auch nur erdenkliche Eigenschaft zuordnen. Was dann wiederum die Kategorie "Keiner Kategorie angehörend" zur Folge hat. Für mein Empfinden kann etwas das nur mittels Negation definiert werden kann, nicht etwas sein. Sondern es ist das Nichts....

...solange bis mein Horizont sich weiterentwickelt und ein neues Nichts schafft.

Von dem anderen Nichts, dem wirklichen Nichts, Horizont unabhängig, können wir dank hängendem Horizont ja leider nicht diskutieren. Würde ja gerne, aber meine Grenzen...
Archibald
Zitat:
Original von pathos
............................. Was dann wiederum die Kategorie "Keiner Kategorie angehörend" zur Folge hat.....................


@ Pathos:

Ein interessanter Gedanke...........................

Wie bezeichnet man (begrifflich) die Kategorie "Keiner Kategorie angehörend"?
Welche Nachteile hätte eine solche Begrifflichkeit?
J*St*
Hallo Ihr

Also zunächst einmal eine einfache Feststellung: Es gibt kein "Nichts", weder ein totales, noch ein konkretes, noch ein absolutes, dass hier wohl gemeint war. Denn wenn es das Nichts gäbe, gebe es kein "Etwas". Da es aber ein "Etwas" gibt, gibt es auch "kein" Nichts.
Woran ihr vermutlich gedacht habt, ist das "Nicht-Sein" von "Etwas". Ein Etwas kann grundsätzlich sein oder nicht sein. Man denke nur an Shakespeare.
Aber das sind natürlich vollkommen andere Dinge.
Gruß Joachim Stiller Münster großes Grinsen
Archibald
@ J.S:

1) Wieso gäbe es kein "Etwas", wenn es kein "Nichts" gäbe?

2) Wieso gibt es verbale Ableitungsformen ("kein", "nicht", "nie") des "Nichts", wenn es dieses nicht gibt?
Rosenrot
Der Begriff des "Nichts" kann zwar Gegenstand einer Diskussion sein. Über das "Nichts" selbst jedoch kann keinerlei Erfahrung gezogen werden, weil es kein Ding gibt, welches das "Nichts" mit unserem Universum in Verbindung setzt. Gäbe es eine Verbindung zwischen "Nichts" und Universum, so wäre das "Nichts" nichts anderes als ein "Etwas" im Universum, weil es zum Universum in Beziehung stehen würde.

Ob das "Nichts" existiert oder nicht ist irrelevant. Weil das "Nichts" eben keinen Unterschied macht. Demnach könnte "Nichts" überall sein, oder auch nicht, wie man es eben will.
Gabriel
Zitat:
Original von Archibald
Wie kann man also das „Nichts“ denken, es gedanklich (bzw. begrifflich) erfassen, ohne ihm Eigenschaften zuzuweisen, welche dieses „Nichts“ zu einem „Etwas“ werden liessen?


Gar nicht. nunja

Ich halte das für offensichtlich.

Gäbe es das Nichts, gäbe es das Nichts nicht, weil der Begriff "Nichts" bezeichnet, dass alles NICHT ist, denn sonst wäre es ein Etwas und nicht mehr nichts.

Immer noch nicht? Okay...

Der Begriff "Nichts" ist ein abstrahierender Begriff. Er bezeichnet nicht etwas, sondern bezeichnet, dass gerade dieses Etwas nicht gegeben ist.
Deshalb ist es Unsinn, darüber nachzudenken, wie man das Nichts erfassen kann, denn es EXISTIERT NICHT.

Anders gesagt: Man müsste fragen, ob das Nichts sein kann und wie, damit man es erfassen kann. Jedoch kann das Nichts nicht sein, da sonst jede Definition von "Nichts" - nun ja - nichtig wäre. roll
mr.monks
Zitat:
2) Wieso gibt es verbale Ableitungsformen ("kein", "nicht", "nie") des "Nichts", wenn es dieses nicht gibt?

Weil diese nicht primär etwas mit dem "Nichts" zu tun haben. sie sind vielmehr Verneinungsformen und damit Abwandlungen von "Nein", wie in "ist das ein haus?" Antwort: "Nein" --> "das ist KEIN haus", "kann ich das machen?" Antwort: "Nein" --> "Das kann ich NICHT machen"
die Antwort, das ist Nichts wäre hier von der Bedeutung nicht gleichwertig.
Nichts ist eine gedachte Größe, die bedeutungsgleich mit der Mathematischen Zahl Null ist, ohne die zwar das ganze System nicht funktionieren würde, die aber auch inhaltslos ist.
Tarwa
Hallo.

Wenn man sich die ausgangsgedanken im ersten post so durch den kopf gehen lässt, kann und soll man schon ins grübeln kommen...
Aber ist es nicht so, dass wir dem "nichts" einem körper oder ein "etwas" geben indem moment in dem wir über dieses kleine wort anfangen zu reden??? Nichts ist nichts!
Wenn ich nachdenke was "nichts" ist, benutze ich automatisch eine assoziation für etwas, was keine haben sollte.
Ein "tonit" wäre eine potenz von nichts, also so als würde ich versuchen das wort "einzig" zu steigern. Aber das geht auch nicht.
Der gedanke zählt, aber es liegt wohl eher daran, dass in unserem sprachgebrauch das "nichts" falsch genutzt wird. Dort ist "nichts" meist recht viel...
Trotzdem eine recht schöne abhandlung!!!!
Lg.
Neo
Zitat:
Original von mr.monks
Nichts ist eine gedachte Größe, die bedeutungsgleich mit der Mathematischen Zahl Null ist, ohne die zwar das ganze System nicht funktionieren würde, die aber auch inhaltslos ist.

Ich glaube nicht mal, dass es in der Mathematik eine vergleichbare Größe gibt. Die Null ist schließlich eine Zahl, zumindest ein Faktor, der etwas bewirkt. Setzen wir ein beliebiges Element der Menge der rationalen Zahlen R mit der Existenz gleich, und die Zahl Null mit dem Nichts, dann bewirkt die Multiplikation mit Null deren Nichtexistenz. Die Null könnte vlt noch mit dem Begriff 'Leere' repräsentieren, aber nicht das 'Nichts'.

Das Sein in der Welt ist aber da, und kann nicht negiert werden. Deshalb kann das Nichts nicht existieren, es wäre die Abwesenheit jeder Positivität. Also nicht nur Leere.
meloyello
Es ist doch so: ich habe mir ein neues Fernseher angeschaft und im Vergleich zu ihm ist mein altes ein "Nichts". Aus diesem Muster könnte man erkennen wo ein "Nichts" gibt. Un es gibt sicher andere Muster, die wir als Vergleich brauchen.
Aber so zu sagen global gibt es kein "Nichts". Es heißt auch richtig-"Nichts".
Es ist auch nicht so , daß ein Raum mit "Nichts" gefüllt ist, dafür gibt es ein Begriff- Vacuum/ keine Ahnung wie man das schreibt/.Und der Raum hat kein Anfang und kein Ende, so wie auch Zeit. Und es ist fest und schon lange.
Und wie kann man sich bloß etwas anderes vorstellen?
krause
Wie man das Nichts denken muss

Das Nichts können wir uns nicht vorstellen, weil dann der Gedanke keinen Inhalt hätte. Wir können aber im Rahmen eines Satzes das Etwas negieren. Ein bestimmtes mögliches Etwas, das nicht ist, kann als gedankliche Vorstellung das Nichts schlechthin vertreten.

(D.h., man lässt z.B. einen leeren Raum in der Zeit vor dem inneren Auge erscheinen. Kant merkt aber an, dass wir das Fehlen von Raum und Zeit nicht denken können. Das liegt eben daran, dass das Denken einen Inhalt haben muss und die Form der Zeit erfordert.)

ps. Das Nicht-Sein der Wirklichkeit ist möglich. Das Nicht-Bestehen der bloßen Möglichkeiten ist aber nicht möglich, weil dann die Möglichkeit selbst nicht bestehen würde.
meloyello
Hi krause,

Das, was mit dem Begriff "Nichts" bezeichnet wird ,hat tausend Bedeutungen.
Aber, das was du meinst, existiert nicht. Es gibt aber vieeeele "Dinger" ,die nicht existieren, willst du die alle definieren?
"Dibeldabelbü" hat nie existier und es gibt keine Hoffnung mehr,daß es auftaucht !
Weißt du, es gibt vieles dessen Existenz wir nicht mall erahnen , aber du versuchst gezielt ein Gegenstand zu beschreiben ohne winzigste Ahnung warum es geht.
Shui
"Nichts" zu erdenken heißt nicht zu denken.
Das heißt man lässt keinen Raum und keine Zeit vor seinem inneren Auge erscheinen, sondern nur die endlose schwärze, die mit keinen Gedanken gefüllt wird.

Zitat:
"Dibeldabelbü" hat nie existier

Doch, es existiert gerade als Zeichenkette auf meinem Bildschirm, als Wort in meinen Gedanken wenn ich es lese und im L-Raum gibt es unzählige Bücher darüber Zwinker
Archibald
Zitat:
Original von mr.monks
.......................Nichts ist eine gedachte Größe, die bedeutungsgleich mit der Mathematischen Zahl Null ist, ohne die zwar das ganze System nicht funktionieren würde, die aber auch inhaltslos ist.


@ monks:

Dinge gibts, die gibts gar nicht!

Ein System kann nicht ohne eine inhaltslose Sache funktionieren, soso....
Archibald
@ krause:

Für mich ist jede Negierung in irgendeiner Art und Weise eine Form des "Nichts"; d.h., auf die Grammatik bezogen, dass alles, worin die Worte "kein", "nie", "nicht", usw. vorkommen, sind Formen des "Nichts", die aber in Verbindung mit Konkretem ("Etwas") gebracht werden.
Würde man sagen, auch diese Formen existieren nicht, und, würde konsequenterweise auf die Verwendung dieser Worte verzichten, dann könnten wir zum fragenden Fahrgast nicht mehr sagen: "Der Zug nach Hamburg fährt NICHT von diesem Bahnsteig".
Archibald
Zitat:
Original von Shui
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Zitat:
"Dibeldabelbü" hat nie existier

Doch, es existiert gerade als Zeichenkette auf meinem Bildschirm, als Wort in meinen Gedanken wenn ich es lese und im L-Raum gibt es unzählige Bücher darüber Zwinker


@ shui:

Das ist ja gerade der Witz an der Sache, welche ich als "Godotisierung" bezeichne; einezunächst nichtexistente Sache (z.B. "Godot") erhällt eine zunächst subtile Existenz dadurch, dass man über sie redet; so bin ich z.B. der dritte hier im Forum, der über "Dibeldabeldü" redet; irgendwie miss es dieses "Ding" denn wohl doch geben!
meloyello
@ archi

Richtig ist nicht ""Dibeldabeldü" sondern "Dibeldabelbü" .
mr.monks
Zitat:
Original von Archibald
so bin ich z.B. der dritte hier im Forum, der über "Dibeldabeldü" redet; irgendwie miss es dieses "Ding" denn wohl doch geben!

Nein muss es nicht. Die tatsächliche Existenz einer Sache misst sich nicht an der vorstellbarkeit. Ich kann Sachen gedanklich erzeugen, ohne dass diese eine tatsächliche Existenz annehmen (vgl. Zombies in Horrorfilmen), die Frage ist hier, nimmst du an, dass eine Sache einen tatsächlichen Existenzgehalt als Teil der Wirklichkeit hat, nur weil sie Vorstellbar ist (klingt sehr nach Terry Prattchet ^^), oder ist die tatsächliche Existenz etwas von unserer Vorstellung unabhängiges.
Shui
Es gibt keinen Unterschied zwischen Existenz.
Auch der Murmelgroße, rosarote Elefant existiert, nur eben nicht als kleines Lebewesen sondern als Gedankeninhalt.