Hegel und die Evolution des Geistes-ein paar Thesen

osrama²
Es ist ja längst gemeingut, dass die eine Seite der Evolution als ein informationsverarbeitender Prozess angesehen werden kann. Organismen sind , ihre Angepasstheit ist, ein Resultat eines logischen Prozesses. Information wird durch die Zeit transportiert, variiert und selektiert und findet ihren Niederschlag in der DNA/RNA, Organismen "verkörpern" Lösungen die in einem schematischen Prozess "erarbeitet" wurden. Dieser Prozess ist vorbewußt, es gibt niemand der ihn sich ausgedacht hat, es ist sozusagen das embryonal Stadium der Welt. Auf der nächsten Stufe erwächst diesem Prozess aus sich heraus, eben auf der Grundlage, dass es sich in einem logischen Prozess besser/angepasster leben lässt wenn man die Spielregeln denen dieser Prozess folgt kennt, ein Bewußtsein. Nun beginnt der Prozess sich selbst systematisch zu untersuchen um noch erfolgreicher Interagieren zu können (Wissenschaft) , dabei stößt sozusagen der Geist auf sich selbst, langsam beginnt es ihm zu dämmern, er hebt sozusagen von seiner biologischen Basis ab, der Körper ist nun nurmehr noch der Wirt den der Geist nutzt, der eigentliche Fortschritt geschieht jetzt im Reich der Ideen. Dieses auf den Kopf stellen der Verhältnisse, korrespondiert mit der geistigen Wiedergeburt wie sie im christl. Glauben dargestellt wird. Die Dinge werden nunmehr mehr duch meine Einstellung zu Ihnen geprägt als dass ich durch die Dinge geprägt werde - das Sein bestimmt nicht länger das Bewußtsein sondern umgekehrt, dies aber nicht zu letzt deshalb, weil erkannt wird das am Grunde des Seins immer schon "denken" stand, und dieses Denken sich ja eben als Bewußtsein seiner Selbst, als Seinsbewußtsein erkannt hat. Der zu sich gekommene
Geist schreibt nun durch bewußtes, freies Denken Evolution fort, der Prozess hat sich ratikal gewandelt hat einen Umschlag in subjektives, "willkürliches" weitertreiben vollzogen. Am Ende dieses Prozesses mag dann Gott stehen, aber sein Sein ist bislang höchstens im Werden( frei nach Jüngel) oder "Geschichte ist Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit"
hegel . Subjektiv bedeutet dies eben dass meine Daseinsinterpretation immer mehr zu meinem Glück beiträgt, weil ich geistig die Umstände transzendieren kann, in denen ich stecke. l
gruss osrama² ( der noch nicht ganz zum Selbstbewußtsein (zum Bewußtsein alle Realität zu sein) erwacht ist, ist ja auch noch so früh)
carsten aus bochum
Hi osrama²,

eine schöne Darstellung der Evolution des Geistes, die Dir recht selbstverständlich vorzukommen scheint, anderen aber Schwierigkeiten bereitet.

Ich glaube auch dass das Sein zunehmend weniger das Bewußtsein beeinflußt je umfassender das jeweilige Bewußtsein ist.

Auch das die Kultur sich nicht zur Gänze von der Biologie abkoppelt, aber doch zunehmend das Ruder übernimmt, scheint Dir einleuchtend vorzukommen.

Hast Du die Diskussionen um "Die Seele" unter Geist- Spiritualität - Bewußtsein und "Der Brennstoff der Evolution" im Philo-Salon mitverfolgt?

Deine Meinung würde mich interessieren.

Gruß,

Carsten
osrama²
Hi Carsten,

jetzt habe ich den Seelenthread nachgelesen und mir überlegt welche Meinung ich dazu habe. Ich denke nach der oben dargestellten Sicht versteht man sich selbst als ein Bewußtsein des Seins. D.h. man identifiziert sich nicht mehr in erster Linie mit diesem Körper obwohl dieser nat. die materielle Basis
für dieses Bewußtsein darstellt. Aber wenn man sich so versteht kommt durch einen hindurch quasi eine ganze Welt oder eine ganze Entwicklung zum Bewußtsein. Die unsterbliche Seele liegt dann auch logischer Weise für mich in diesem Bereich, der ich auch bin und der prinzipiell solange es Entwicklung im Universum gibt unsterblich ist. Unser Dasein bewegt sich eben weil Geist sich im Rahmen von Sprache/Symbol/Zeichen/Bild bewegt in einer Sphäre die
in erster Linie immateriell ist auch wenn unser Bewußtsein uns Gegenständlichkeit suggeriert. Es fällt aus dieser Perspektive heraus sicher leichter sich auch mit dem Wort "Seele" zu identifizieren, aber viel intensiver habe ich mich mit diesem Wort im speziellen nicht beschäftigt. Sokrates sagt
bevor er den Giftbecher trinkt sinngemäß: "wenn ich erst tot bin, könnt Ihr meinen Leichnam begraben wo ihr wollt......ich bin nicht der der da liegt, ich bin nicht dieser Körper und war es nie"
liebe grüsse osrama²
Sophie
Hallo Osrama,

ich möchte einfach gerne zu ein paar Aussagen meine Gedanken äußern.

Zitat:
erkannt wird das am Grunde des Seins immer schon "denken" stand, und dieses Denken sich ja eben als Bewußtsein seiner Selbst, als Seinsbewußtsein erkannt hat.


Genau und dieses immer schon "denken" hat nichts mit dem zu tun, was Wissenschaft tut.
Das findet sich gut beschrieben bei Heidegger.

Dass die Wissenschaft nicht denken kann, ist kein Mangel, sondern ein Vorzug.Er allein sichert ihr die Möglichkeit,sich nach der Art der Forschung auf ein jeweiliges Gegenstandsgebiert einzulassen und sich darin anzusiedeln


Zitat:
Am Ende dieses Prozesses mag dann Gott stehen, aber sein Sein ist bislang höchstens im Werden( frei nach Jüngel)


Du sagst es. Sein SEIN. Allerdings beißt sich das mit dem "am Ende", denn das was ist, ist nun mal nicht in der Zeit.
Gott kann nicht etwas sein, was wird.
Gott muß für mich als IST gedacht werden. Daraus ergibt sich, dass nichts anderes sein kann, es wird nur nicht immer als solches
g e d a c h t.

Zitat:
Subjektiv bedeutet dies eben dass meine Daseinsinterpretation immer mehr zu meinem Glück beiträgt, weil ich geistig die Umstände transzendieren kann, in denen ich stecke.


Das würde ich bestätigen.
Und das an -sich scheint mir die reine Präsenz des Seins zu sein.
Ich weiß du verwendest den Begriff Sein, anders als ich.
Ich übersetzt das mal in : reine Präsenz des Selbstbewußtseins.

Wie es mit der Entwicklung weitergeht, davon habe ich nur Vorstellungen.

Zitat:
( der noch nicht ganz zum Selbstbewußtsein (zum Bewußtsein alle Realität zu sein) erwacht ist, ist ja auch noch so früh)


Freude ...eben
Allerdings behaupte ich eben, dass im 'Selbstbewußtwerden' nur das ent-deckt wird, was schon immer ist.

Der Mensch hat noch nicht gelernt zu denken.
Es entzieht sich ihm noch.

"Dieses Weisen ist unser Wesen. Wir sind in dem wir in das Sichentziehende zeigen. Als der dahin Zeigene ist der Mensche der Zeigende".

Heideggers Verschachtelungen muten anfangs wirklich etwas seltsam an, aber es kann Freude machen, wenn man sie selbst denkt.

Gezogen in das Sichentziehende, auf dem Zug in dieses und somit zeigen in den Entzug, i s t der Mensch allerst Mensch. Sein Wesen beruht darin, ein solcher Zeigender zu sein.


Liebe Gürße
Sophie
Telltale
Hallo Sophie,

was Du im Übrigen schreibst, sehe ich ebenso.
Nur enthält das Folgende meiner Meinung nach eine kleine Ungenauigkeit:
Zitat:
Der Mensch hat noch nicht gelernt zu denken.

Denn ich glaube, dass ihm das Denken bereits in die Wiege gelegt wurde und die Tragik darin besteht, dass er sein Leben lang etwas lernt, das ihm nicht in die Wiege gelegt wurde.
Ist also das Denken sein ursprüngliches Wesen, so muß dieses Denken umso mehr überlagert werden, je mehr Erfahrungen der Mensch sammelt bzw. zu diesen genötigt wird.
Ich glaube, so ist der Spruch gemeint: "Vieles zu wissen, schafft keine Weisheit."
Daher könnte "Denken lernen" nichts anderes bedeuten als "Erinnere dich deines Wesens".

Gruß
Telltale
osrama²
Hi Sophie

Zitat:

ich möchte einfach gerne zu ein paar Aussagen meine Gedanken äußern.
ich bitte darum Freude



Zitat:


Du sagst es. Sein SEIN. Allerdings beißt sich das mit dem "am Ende", denn das was ist, ist nun mal nicht in der Zeit.
Gott kann nicht etwas sein, was wird.
Gott muß für mich als IST gedacht werden. Daraus ergibt sich, dass nichts anderes sein kann, es wird nur nicht immer als solches
g e d a c h t.
"Diese Substanz aber, die der Geist ist, ist das Werden seiner zu dem , was er ansich ist; und erst als dies sich in sich reflektierene Werden ist er ansich in Wahrheit der Geist. Er ist an sich die Bewegung, die das Erkennen ist, - die Verwandlung jenes Ansichs in das Fürsich, der Substanz in das Subjekt, des Gegenstandes des Bewußtseines in Gegenstand des Selbstbewußtseins......Sie ist der in sich zurückgehende Kreis, der seinen Anfang voraussetzt und ihn nur im Ende erreicht." schöner wie dieses berühmte Hegelzitat kann ichs nicht ausdrücken


Zitat:

Freude ...eben
Allerdings behaupte ich eben, dass im 'Selbstbewußtwerden' nur das ent-deckt wird, was schon immer ist.

wenn es keine Zeit gibt ist nat. alles schon immer. Aber ein Schöpfer, schöpft nunmal Freude wenn er auch vielleicht nur aus sich schöpft dennoch kommt etwas noch nie da gewesenes zum Vorschein, es taucht auf aus einer Nacht die fast dem Nichts entspricht. Der zum Menschen hinabgestiegene Gott schöpft nun eben mittels uns Medien - sich.

Zitat:

Heideggers Verschachtelungen muten anfangs wirklich etwas seltsam an, aber es kann Freude machen, wenn man sie selbst denkt.
Hier ist gut sein, lasst uns Hütten baun !


Liebe Grüße
osrama²
carsten aus bochum
Hi zusammen,

ich würde allem was ihr schreibt zustimmen und wundere mich ein wenig darüber, warum es manchen hier so spielend leicht leicht gelingt, dem zuzustimmen, ohne den Drang zu verspüren das groß zu erklären, vermutlich weil man es sofort nachvollziehen kann, während es anderen scheinbar größte Schwierigkeiten bereitet ein von Materie losgelöstetes Sein zu erkennen.

Materie ist wahrscheinlich unsere Grundlage, jedenfalls ein sehr weites Stück des Weges, aber das aus ihr Resultierende entwickelt doch eine Eigendynamik und -gesetzlichkeit, die aus der Materie allein nie und nimmer abgeleitet werden kann.

Was meint ihr, wie kommt diese Spaltung zustande, warum es machen so leicht erkenne und andere gar nicht? Oder sehe ich das zu einseitig?

Gruß,

Carsten
osrama²
Hi Carsten
Zitat:

Materie ist wahrscheinlich unsere Grundlage, jedenfalls ein sehr weites Stück des Weges, aber das aus ihr Resultierende entwickelt doch eine Eigendynamik und -gesetzlichkeit, die aus der Materie allein nie und nimmer abgeleitet werden kann.

Was meint ihr, wie kommt diese Spaltung zustande, warum es machen so leicht erkenne und andere gar nicht? Oder sehe ich das zu einseitig?


Alle Glaubenssysteme zeichnen sich dadurch aus, dass wenn man in Ihnen denkt man ein geschlossenes System vorfindet das sich selbst bestätigt.Das führt auch dazu, dass man nicht an einer bestimmten Stelle etwas infrage stellen kann ohne das gesammte System zu gefährden. Wir sind von Natur aus so beschaffen dass wir auf eine Konsistenz unserer Weltinterpretation hinarbeiten und Inkonsistenzen nur schwer ertragen. Das sind alles Gründe weshalb man sich schwer tun kann bestimmte Dinge zu sehen, die den eigenen Vorstellungen widersprechen. Daneben bleibt nat. die Frage wie aus Materie etwas ihr völlig fremdes entstehen kann oder wie genau Materie und Geist zusammen passen und ob nun der Geist Materie erfunden hat, weil alle Unterscheidung ein geistiger Akt ist oder ob Materie zuerst da war und plötzlich macht es blubb und die große Nachdenklichkeit setzt ein. Eine hist. Betrachtungsweise(wie die Hegels) scheint mir deshalb am adäquatesten weil nur in einem Prozess des wechselseitigen durchdringens(Reflexion) diese Resultate, als die wir uns vorfinden erklärbar sind.
gruss osrama²
Sophie
@ Telltale


Zitat:
Daher könnte "Denken lernen" nichts anderes bedeuten als "Erinnere dich deines Wesens".


Dem stimme ich zu.

Zitat:
Der Mensch hat noch nicht gelernt zu denken.


Zitat:
Denn ich glaube, dass ihm das Denken bereits in die Wiege gelegt wurde und die Tragik darin besteht, dass er sein Leben lang etwas lernt, das ihm nicht in die Wiege gelegt wurde.


Das mag sein, aber die Bedingung unter der diese Aussage gemacht wurde (Der Mensch hat noch nicht gelernt zu denken), ist ja die eines Menschens und nicht eines jemanden, dernoch in der Wiege liegt.
Kein Kind würde heideggerisch sprechen und man kann und sollte vorallem auch kein Kind davon abhalten Erfahrungen zu machen und Wissen anzusammeln.
Ich vermute, dass das Denken eine solche Entwicklung benötigt, um genau dieses Denken zu sein, auch wenn sicherlich wahr ist, dass Kinder, in gewissen Momenten, das reine Ereignen sind, nur wurde es als solcher nicht 'transzendiert', bewußt.

Ich frage mich, ob es Gesetz ist, dass das 'Verborgene', dass im Einfachen der immerwährenden Lichtung scheint, erst dadurch ent-deckt wird oder eben da angekommen, sich ereignet.

Ich hoffe, ich mache mich eingermaßen verständlich.

Zitat:
Ich glaube, so ist der Spruch gemeint: "Vieles zu wissen, schafft keine Weisheit."


Auch da hast du meine volle Zustimmung.

@ Osrama

Zitat:
wenn es keine Zeit gibt ist nat. alles schon immer. Aber ein Schöpfer, schöpft nunmal wenn er auch vielleicht nur aus sich schöpft dennoch kommt etwas noch nie da gewesenes zum Vorschein, es taucht auf aus einer Nacht die fast dem Nichts entspricht. Der zum Menschen hinabgestiegene Gott schöpft nun eben mittels uns Medien - sich.


In meinem jetzigen Zustandedenken kann ich das nicht unterschreiben.
Aber vielleicht bekomme ich es für mich auch einfach nicht gut genug übersetzt.
Aber ich würde sage, es ist die bestmöglichste Annäherung dessen, bei der jedoch immer noch eine Objekt/Subjekt Trennung vorhanden ist.
Aber ein Ansich-Sein ist für mich ein Zustand, in dem diese Trennung aufgehoben ist.

Ich schnapp mir noch einmal den Martin H.

Aber das Goldene des unscheinbaren Scheinung der Lichtung läßt sich nicht greifen, weil es selbst kein Greifendes, sondern das reine Ereignen ist.


Und das beantwortet für mich Carstens Frage:

Zitat:
Was meint ihr, wie kommt diese Spaltung zustande, warum es machen so leicht erkenne und andere gar nicht? Oder sehe ich das zu einseitig?


Solange diese Nicht-Trennung nicht vollzogen wird, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Ich selbst habe das auch nur verstanden und empfinde es selbst nur selten.
Platon sagt, im langem Beschäftigen mit einer Sache, springt ein Funken über. Man könnte das als etwas "Neues" interpretieren, aber nach dem, was mir verständlich ist, kann es nur schon immer da gewesen sein.

@ Carsten

Zitat:
Materie ist wahrscheinlich unsere Grundlage, jedenfalls ein sehr weites Stück des Weges, aber das aus ihr Resultierende entwickelt doch eine Eigendynamik und -gesetzlichkeit, die aus der Materie allein nie und nimmer abgeleitet werden kann.


Sehe ich auch so. Ich versuche mal eine Brücke zu schlagen, kann aber gut in die Hose gehen.
Ich finde Wilbers Beschreibung von Tiefe gut, so wie ich sie verstehe.
Diese Tiefe, die sich durch alle Stufen erstreckt (Physiosphäre, Biossphäre, Noosphäre), 'gewährleistet', das alles, einschließlich 'uns', darin entalten sein muß.

Natürlich können wir das, was wir wirklich sind, nicht auf etwas reduzieren, was darin enthalten ist.

Zitat:
während es anderen scheinbar größte Schwierigkeiten bereitet ein von Materie losgelöstetes Sein zu erkennen.


Auch dazu ein heraklitscher Heidegger

Das alltägliche Meinen sucht das Wahre im Vielerlei des immer Neuen, das vo ihm ausgestreut wird. Es sieht nicht dne stillen GLanz des Geheimnisses, das im Einfachen der Lichtung immerwährend scheint.

Das ist einfach eine beschreibende Feststellung. Warum das so ist oder wie man dem Abhilfe schaffen könnte, dazu schreibt nicht nur Wilber einen Haufen Bücher, sondern darin haben vor allen die östlichen Weisheitstraditionen (aber nicht nur) unterschiedliche Wege, die meines Wissens alle darauf beruhen, dem falschen Verständnis dessen, was wahr ist, auf die Schliche zu kommen.


Liebe Grüße
und einen schönen Sonntag.
Telltale
@ sophie

Zitat:
Das mag sein, aber die Bedingung unter der diese Aussage gemacht wurde (Der Mensch hat noch nicht gelernt zu denken), ist ja die eines Menschens und nicht eines jemanden, dernoch in der Wiege liegt

Natürlich weißt Du, dass mit demjenigen, den ich da in die Wiege gelegt habe, auch ein Mensch gemeint war. Deshalb kann das also nicht der Punkt sein, der in Deinem Satz angesprochen werden sollte.
Ist das allerdings nicht der Punkt, so sehe ich mich doch etwas in Verlegenheit, wenn ich sagen sollte, was dann der Punkt ist. Vielleicht kannst Du das aufklären.

Zitat:
Kein Kind würde heideggerisch sprechen...

O doch. Heidegger hat das getan, als er ein Kind war.
Das ist doch genau der Punkt. Klingt jetzt vielleicht ein wenig kompliziert, aber die eigentliche Frage lautet doch:
Wer ist der Mensch, der da in der Wiege liegt?
Ist es ein Kind oder Heidegger?
Wenn ein Kind einfach nur ein Kind ist und Heidegger der Philosoph Heidegger, so wird er wohl kaum Philosoph gewesen sein, bevor er Kind wurde, sondern eher umgekehrt.
Das Lernen (die Erfahrung) hat aus dem Kind Heidegger den Philosophen Heidegger gemacht.
Und würde er nun dem Gedanken Nietzsches folgen, könnte der Philosoph Heidegger sein eigenes Wesen als Kind (womit ja nur unkonstruierte Natur gemeint ist) wiederentdecken, wenn er die gesamte Erfahrung, die er in seinem Leben gesammelt hat und deren Widersprüche ihn haben Philosoph werden lassen, dazu benutzt, herauszufinden, was davon erlernt ist und was einfach ist.
Denn das es ein solches einfaches IST geben muß, kann er daraus ableiten, dass er selbst schon einmal in diesem Zustand war. Nur war er sich da dieses IST's nicht bewußt. Jetzt aber könnte er bewußt dorthin zurückkehren, wo er unbewußt aufgebrochen ist.

So könnte es funktionieren, was Du hier ansprichst:
Zitat:
Ich frage mich, ob es Gesetz ist, dass das 'Verborgene', dass im Einfachen der immerwährenden Lichtung scheint, erst dadurch ent-deckt wird oder eben da angekommen, sich ereignet. Ich hoffe, ich mache mich eingermaßen verständlich.

Denn Du nennst es völlig richtig "Ent - Decken".
Und bevor man sich daran machen kann, muß einem bewußt sein, dass es gedeckt oder verdeckt ist.
Denn es kann ja schließlich nicht verschwinden, sondern nur zugedeckt werden.
Daher lautet die Antwort auch ganz schlicht: In der Tat, Du hast Dich verständlich ausgedrückt.

Gruß
Telltale
Sophie
@ Telltale

Da war ich wohl mal wieder etwas ungenau...potzblitz!
Gemeint war, dass diese Aussage an den philosophierenden Menschen gerichtet ist.
Und dein darauf folgender Hinweis natürlich ebenso.


Zitat:
Wenn ein Kind einfach nur ein Kind ist und Heidegger der Philosoph Heidegger, so wird er wohl kaum Philosoph gewesen sein, bevor er Kind wurde, sondern eher umgekehrt.


Freude


Zitat:
Und würde er nun dem Gedanken Nietzsches folgen, könnte der Philosoph Heidegger sein eigenes Wesen als Kind (womit ja nur unkonstruierte Natur gemeint ist) wiederentdecken, wenn er die gesamte Erfahrung, die er in seinem Leben gesammelt hat und deren Widersprüche ihn haben Philosoph werden lassen, dazu benutzt, herauszufinden, was davon erlernt ist und was einfach ist.
Denn das es ein solches einfaches IST geben muß, kann er daraus ableiten, dass er selbst schon einmal in diesem Zustand war. Nur war er sich da dieses IST's nicht bewußt. Jetzt aber könnte er bewußt dorthin zurückkehren, wo er unbewußt aufgebrochen ist.


Keine Einwände und wie ich jetzt erst bemerke, läßt sich das auch in Hegels Zitat, was Osrama netterweise hier hereingestellt hatte, wiederfinden:

"Diese Substanz aber, die der Geist ist, ist das Werden seiner zu dem , was er ansich ist; und erst als dies sich in sich reflektierene Werden ist er ansich in Wahrheit der Geist. Er ist an sich die Bewegung, die das Erkennen ist, - die Verwandlung jenes Ansichs in das Fürsich, der Substanz in das Subjekt, des Gegenstandes des Bewußtseines in Gegenstand des Selbstbewußtseins......Sie ist der in sich zurückgehende Kreis, der seinen Anfang voraussetzt und ihn nur im Ende erreicht."

Man muß es nur übersetzen.

@ Osrama

Ich selbst müßte es eigentlich langsam wissen.
Es gibt offensichtlich einen Unterschied in der Herangehensweise, den man in unserem Falle grob auf zwei Punkte reduzieren kann.
Einmal möchte beschrieben werden was das Sein tut und ein andermal darauf hingewiesen werden, was es ist.

Zitat:
Hier ist gut sein, lasst uns Hütten baun !


Ja!

Liebe Grüße
Sophie
Telltale
@ sophie

Zitat:
Wenn ein Kind einfach nur ein Kind ist und Heidegger der Philosoph Heidegger, so wird er wohl kaum Philosoph gewesen sein, bevor er Kind wurde, sondern eher umgekehrt.

Hilf mir mal auf die Sprünge. Was ist daran komisch?
Ich frage das nur, weil es unter Umständen ja auch anders gesehen werden könnte. Und ist dem so, so bin ich von der Warte desjenigen aus, der das anderes sieht, natürlich derjenige, der es anders sieht.
Und so könnte es für denjenigen natürlich komisch sein.
Nur weiß ich selbst leider nicht, wie man das anders sehen könnte.
Und so mußt Du mir auf die Sprünge helfen, wenn Du es anders siehst.

Gruß
Telltale
carsten aus bochum
Hi Sophie,

Zitat:
"Sehe ich auch so. Ich versuche mal eine Brücke zu schlagen, kann aber gut in die Hose gehen.
Ich finde Wilbers Beschreibung von Tiefe gut, so wie ich sie verstehe.
Diese Tiefe, die sich durch alle Stufen erstreckt (Physiosphäre, Biossphäre, Noosphäre), 'gewährleistet', das alles, einschließlich 'uns', darin entalten sein muß."


Hast Du richtig verstanden, der Mensch kann sich bewußt oder unbewußt mit allen möglichen Stufen identifizieren, die Spannbreite ist da einfach ungeheuer groß. Wir sehen äußerlich so ähnlich aus, aber der Unterschied an innerer Tiefe ist mitunter himmelweilt.

Wer den Unterschied zwischen Tiefe (Bedeutungstiefe) und Spanne (Umfang) nicht versteht, muß in der Quantenphysik die Lösung aller Fragen sehen und den Reduktionismus als beste Technik.

Aber ob nun der GEIST oder die Materie an erster Stelle steht, man verschenkt dabei unwissend die ganzen Facetten, die irgendwo dazwischen liegen.

Liebe Grüße,

Carsten
Sophie
@ Telltale

Zitat:
Hilf mir mal auf die Sprünge. Was ist daran komisch?


Du fragst zu Recht nach, denn dieser komische Smiley kann ja sonst was bedeuten.
Hier den Smiley in Schriftkryptisch:
Es klang so komisch, weil du etwas ganz selbstverständliches schreibst und das dabei so unglaublich selbstverständlich klingt, das es schon wieder komisch ist, vor allem, weil man es auch anders verstehen kann.

@ Carsten

Zitat:
Wer den Unterschied zwischen Tiefe (Bedeutungstiefe) und Spanne (Umfang) nicht versteht, muß in der Quantenphysik die Lösung aller Fragen sehen und den Reduktionismus als beste Technik.



Ja, das ist richtig.
Aber um das zu verstehen, muß es selbst gedacht.
Ist zwar schon wieder Heidegger und kein Hegel, aber wenigsten fangen beide mit H an.

Die Theorie kommt an der schon anwesenden Natur nie vorbei und sie kommt in solchem Sinne nie um die Natur herum.
Die Physik mag die allgemeinste und durchgängige Gesetzlichkeit der Natur aus der Identität von Materie und Energie vorstellen, dieses phsyikalisch Vorgestelle ist zwar die Natur selbst, jedoch unweigerlich nur die Natur als das Gegenstandsgebiet, dessen Gegenständigkeit sich erst durch die physikalische Bearbeitung bestimmt und in ihr eigens erstellt wird.
Die Natur ist in ihrer Gegenständigkeit für die moderne Naturwissenschaft nur eine Art, wie das Anwesende, sich offenbart und der wissenschaftlichen Bearbeitung stellt. Auch wenn das Gegenstandgebiet der Physik in sich einheitlich und geschlossen ist, kann diese Gegenständigkeit niemals die Wesensfülle der Natur einkreisen.


Liebe Grüße
Sophie
albert_u
Interessant finde ich den Zusammenhang zwischen kindlichen Denken und Phänomenologie – welche ja auch Heideggers Vorgehensweise ist. In der Phänomenologie wird, vor aller Abstraktion erst einmal beschrieben wie es ist, wie ich es erfahre. Erst von dieser Plattform aus wird weitergearbeitet. Dieses Beschreiben gleicht den Worten eines Kindes, das einfach sagt, wie es ist.

Noch ein zweiter Punkt: Müssen wir eigentlich Selbstreflexion betreiben um uns nicht von anderen Menschen verarschen zu lassen oder um frei zu sein? Ein Kind überrascht durch seine Handlungen oft seine Eltern, obwohl es kaum reflektiert.

viele Grüße
albert
Telltale
Zitat:
Original von albert_u
Noch ein zweiter Punkt: Müssen wir eigentlich Selbstreflexion betreiben um uns nicht von anderen Menschen verarschen zu lassen oder um frei zu sein? Ein Kind überrascht durch seine Handlungen oft seine Eltern, obwohl es kaum reflektiert.

Gute Idee. Nur überrascht das Kind seine Eltern nicht, obwohl es kaum reflektiert, sondern weil es nicht reflektiert, im Gegensatz zu diesen, die gar nichts anderes mehr tun.
Und wer gar nichts anderes mehr tut, ist selbstverständlich überrascht, wenn er unreflektiert gesagt kriegt wie es ist.
Laut Nietzsche sollte es ja der Job jedes ernstzunehmenden Menschen sein, sich diesem einfachen und natürlichen Zustand wieder anzunähern - Übermensch zu werden.

Gruß
Telltale
albert_u
Zitat:
Original von Telltale
Zitat:
Original von albert_u
Noch ein zweiter Punkt: Müssen wir eigentlich Selbstreflexion betreiben um uns nicht von anderen Menschen verarschen zu lassen oder um frei zu sein? Ein Kind überrascht durch seine Handlungen oft seine Eltern, obwohl es kaum reflektiert.

Gute Idee. Nur überrascht das Kind seine Eltern nicht, obwohl es kaum reflektiert, sondern weil es nicht reflektiert, im Gegensatz zu diesen, die gar nichts anderes mehr tun.
Und wer gar nichts anderes mehr tut, ist selbstverständlich überrascht, wenn er unreflektiert gesagt kriegt wie es ist.
Laut Nietzsche sollte es ja der Job jedes ernstzunehmenden Menschen sein, sich diesem einfachen und natürlichen Zustand wieder anzunähern - Übermensch zu werden.


Ich stimme dir bis auf den Punkt, dass der Übermensch zeichnet sich aber noch durchetwas anderes aus. Er ist auch selbstbestimmt. Das zeichnet sich in dem Kapitel "von den drei Verwandlungen" ab. Als erstes muss der Mensch ein Kamel werden, was sich den Rücken mit Zeug vollläd, was es schleppen muss. Dann zum Löwe, der sich gegen das angelernte wendet. Und erst dann zum Kinde. Der unerschied zum gewöhnlichen Kind ist also, dass der Mensch seine eigenen Werte hat, nicht mehr die der Eltern. Die hat es ja im Löwenstadium zerstört. Das muss, finde ich, hier noch ergänzt werden, obwohl es, auch nach meiner Meinung, tatsächlich unser endliches Ziel sein sollte, zur eigenen Natur zurückzukehren.

freundliche Grüße
albert
Shamatic
haaai,

Ich hab bisher nur den Eingangspost gelesen, werde jedoch den restlichen Teil des Threads demnächst auch durchlesen. Trotzdem ein kleiner Kommentar:

Ich weiß zwar grade nicht wieso, aber irgendwie haben mich die Gedanken in dem Text eben ziemlich fasziniert !

Ich glaube es liegt an dem, was meine Fähigkeit zur Reflektion und Bewusstheit vorhin um ein großes Stück gesteigert hat großes Grinsen
Aurom
Zitat:
Original von Shamatic
Ich glaube es liegt an dem, was meine Fähigkeit zur Reflektion und Bewusstheit vorhin um ein großes Stück gesteigert hat großes Grinsen


was war´s denn? grass oder shit? roll
Telltale
Zitat:
Original von albert_u
Das zeichnet sich in dem Kapitel "von den drei Verwandlungen" ab.

Richtig. So beschreibt es Nietzsche. Ob es jedoch tatsächlich diesen Ablauf nehmen muß, ist für mich nicht sicher. Sicher ist für mich allein die Entwicklung vom wehrlosen Kind zum wehrhaften Kind mit dem Ziel die Selbstwahrnehmung durch Selbsterkenntnis bzw. Selbstmacht abzulösen.
Der Weg, der bis dorthin durchschritten werden muß, führt jedoch durch eine innere und äußere Welt, die manche Skribenten hier zu leichtfertig als böse, krank und psychisch entartet bezeichnen. Denn solange nicht die gesamte Funktion und vor allem der Zweck des Universums bekannt ist, ist doch völlig unsicher, ob diese Attribute zutreffen.
Wie und warum sollte denn auch ein Mensch Übermensch werden, wenn er nichts zu überwinden hätte? Ich glaube, nicht nur die schließliche Selbsterkenntnis muß eine sein, die jenseits von Gut und Böse ist - schon der ganze Weg dorthin ist es, so wie wahrscheinlich die gesamte Funktion der Welt jenseits davon ist. "Gut" und "Böse" sind meiner Ansicht nach derart relative Begriffe, dass man sich eigentlich schämen müsste, reale Begebenheiten mit ihnen zu verunzieren. Und doch sind sie eben für ihre eigene Überwindung unabdingbar. Also wenn darüber die Welt nicht lachen muß, dann gibt es wohl überhaupt keinen Humor.

Gruß
Telltale