Putnam und der Externalismus

Jay Ray
Ich bin letztens (auf der Suche nach "skandinavischer Philosophie") auf eine Rezension gestoßen, die mE schön das Thema Putnam, Tankgehirne, Skeptizismus und Externalismus behandelt, was ja in andrem Zusammenhang hier ein aktuelles Thema streift.

In diesem Thread soll es um Verständnis und Kritik von und an Putnams und Müllers Thesen in einem eher akademisch-konventionellen Rahmen gehen.

Hier die Rezension: Olaf Müller über das Gehirn im Tank
http://philobar.blogspot.com/2005/12/ola...-tank-eine.html
apostata
Hi,

ich denke, die Erkenntnisse über unsere "Aussenwelt" lassen sich nur aus dem gewinnen, was unser "Gehirn" emfängt. Daher ist es nach meiner Meinung nicht zu entscheiden, ob eine Aussenwelt existiert oder nur simuliert ist. Natürlich gibt es in beiden Systemen Unterschiede in dem, was das Wort "Tiger" bezeichnet. Aber diesen Unterschied kann ich nur als Aussenstehender (und das heisst in der Welt der Tiger oder Bit-Tiger) entscheiden. Nicht in der Situation des "Gehirns im Tank" Ich glaube nicht, dass es logisch möglich ist, dies zu entscheiden.
Reinhard
Hallo, bei mir schleicht sich beim Gehirn im Tank Gedankenspiel, ich halte den Ausdruck für erheblich zutreffender, schon sowas wie ein Horror ein. Mal abgesehen vom erkenntnistheoretischen Ansinnen, kann ich nicht frei mehr denken, wenn ich mir auch noch so abstrakt vorstelle, ein Gehirn existierte nur für sich. Gerade heute habe ich in der Zeitung gelesen, dass jemand, der " nur " gelähmt war, so behandelt wurde, als hätte er kein Bewußtsein mehr. Er kriegte alles mit, nur konnte er sich nicht äußern. Ein wesentlicher Aspekt unseres Gehirns ist ja seine Fähigkeit, sich mitzuteilen und nicht nur zu empfangen. Was sollte selbst ein abstrakter Empfänger irgendeiner Nachricht sein, wenn kein Handeln von diesen empfangenen Daten bewirkt wird? Deshalb ist das Gehirn im Tank Gedankenspiel kein Ausgangspunkt für irgendeine Überlegung, denn seine Grundlage widerspricht jeder auch noch so entfernten Möglichkeit. Eine Sprachverknüpfung nun auch noch zu extrapolieren, heisst doch eine Trennung innerhalb einer unmöglichen Trennung zu etablieren. Wozu soll das führen? Welche Klarheit hinsichtlich des erkenntnistheoretisch nicht umgehbaren Solipsismus wird hier zusätzlich erbracht? Wird uns so die Gewissheit einer Außenwelt gegeben, gerade wenn wir noch mehr trennen, als eben danach zu suchen, was uns miteinander verbindet? Ist das Ausdruck moderner Philosophie, die auf Descartes zurückkehrt, ohne Kant und Schopenhauer anzuführen, die ja erst später ihre Gedanken entwickelten ? Oder ist das Ganze nur ein untauglicher Versuch, den naiven Realismus als Grundlage wissenschaftlichen Denkens hochzustilisieren? Ich für meinen Teil habe nichts wirklich Interessantes entdeckt. Das ist meine Form von Skeptizismus und ich Pflege lieber den, als mir ein X für ein U vormachen zu lassen.

Frdl. Gr.
Reinhard
kumpel
Der Beweis sagt letztenendes "Ich bin, wo ich bin". Nicht eine "Ebene tiefer". Und wenn es eine höhere Ebene gäbe von der aus ich kontrolliert werde, ist es egal, weil meine Erfahrungen trotzdem wahr sind. Also "wahr" in meiner Sprache. Damit bin ich zufrieden, auch wenns seltsam klingt.

Ne andere Idee: Könnte ein Gehirn im Tank seine Sprache ändern? Wenn es nun - z.B. weil es auf die Idee kommt, ein GiT sein zu können - seine Sprache auf die Begriffe beschränkte, von denen es annimmt, dass sie auch die Experimantatoren benutzen und diese Begriffe auch in deren Sinne benutzte. Das ginge doch z.b mit Gehirn, Tank etc. Dann gäbe es keinen Unterschied in der Sprache und die zweite Prämisse verlöre ihre allgemeine Gültigkeit.
DonLaruso
Warum soll das Gehirn keine neue Sprache entwickeln, höchstens aus Gewohnheit nicht.
Wäre ein chinesisches Gehirn im Tank würde es das deutsche oder englische Wort Tiger ja wohl kaum mit einem Tiger gleichsetzen.

Aber woher weiß das Gehirn im Tank, das da ein Gehirn im Tank ist?
Jörn
[offtopic] Schöner Text, schöner Link - wird gleich gebookmarked! thx.[/offtopic]
wollekopp
Warum überhaupt das Gehirn im Tank? Die Information, dass das, was das Denken ermöglicht, ein Gehirn sei, käme schließlich auch nur von der Außenwelt: und sogar ein jeder solcher Beleg dieser Außenwelt. Um doch wieder den Gedanken des ewigen Traumes aufzugreifen: Wie sollten mir Gedanken oder Personen in diesem Traum denn beweisen können, dass ich nicht träume?

Angebliche Belege des Externalismus fallen meistens schon in sich selbst zusammen, weil sie eben schon dogmatisch von der Außenwelt ausgehen. Um das etwas klarer darzustellen. Schon die Frage, ob sich unsere Gehirne in einem Tank befinden, löst die Frage nach einem natürlichen und möglichen Solipsismus auf. Ausdrücklich ich müsste als (womöglich einziges) Subjekt fragen, ob sich meinetwegen mein Hirn in einem Tank befindet. Der Punkt, warum man mit so einer Auffassung trotzdem noch an andere Leute darüber schreibt, liegt darin, dass sich die Frage eben nicht beantworten lässt, also eben beides möglich ist. Lediglich von vornherein von einer Unmöglichkeit des Gehirns im Tank auszugehen wäre nach meiner Logik falsch.

der der wolle hat aufm kopf
Pippen
Dazu hätte ich zwei prinzipielle Fragen:

1. Warum spielt der Außenweltskeptizismus in der modernen Debatte so eine besondere Rolle? Wenn man zweifelt, dann kann man doch auch gleich richtig radikal auch an seinen Innenwelten zweifeln (die mod. Hirnforschung und die linguistische Wende legen das sogar nahe)? Wieso wird das nicht gemacht? Mir scheint als ob hier die akadem. Philosophie im duktus einer "Wissenschaft" die Innenwelt bzw. das Bewußtsein als "Axiom" setzt, um "endlich mal aus dem nichts bringenden Schwafeln" herauszukommen.

2. Warum vertritt überhaupt jmd. eine externalistische Position? Es interessiert doch nicht die Bohne, ob ich eine wahre Aussage formuliere, die deshalb wahr ist, weil sie auf irgendwelchen faktisch zuverlässigen Prozessen beruht, wenn ich diesen Zusammenhang selbst nicht (intern) erkennen kann. Was bringt Wahrheit, die ich nicht erkennen kann (und nach der externalistischen Position ist das immer der Fall).