@ Pippen:
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Original von carsten aus bochum
Hm, wenn die Autoriäteten sich streiten, hilft nur selber denken.
Die Kritik impliziert m.E., dass es auch ohne Voraussetzungen und Hintergrundwissen ginge, mir ist aber völlig unklar, was das nun bedeuten soll.
„Nehmen wir zB das "cogito". Es bedeutet "Ich denke". Allein durch dieses "Ich" haben wir aber bereits zugestanden, dass es auch ein "du" geben kann (nicht muss), also andere Menschen. Wir können nicht "ich" sagen ohne zuzugeben, dass wir damit auf eine Welt referieren, in der es mehrere Menschen geben kann oder muss, denn sonst macht ein Personalpronomen wie "ich" keinen Sinn mehr. Es ist ja gerade der gramm. Zweck eines solchen Personalpronomens zwischen verschiedenen Menschen (aus der Sicht des Sprechers) unterscheiden zu können.“ |
Das ist völlig richtig, wenn ich mich wichtig erinnere ist genau das auch Strawsons Kritik an Descartes.
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„Schon indem wir "ich" sagen machen wir daher die notw. Grundannahme, dass es weitere Menschen gibt oder geben könnte. Ohne diese Grundannahme wird "ich" sinnlos.
Und so kann man jeden Begriff zerlegen in 1. seine Bedeutung und 2. die für die Bedeutung notw. Grundannahmen bzw. das dafür notw. Hintergrundwissen, um den Begriff überhaupt sinnvoll gebrauchen zu können.... Greift man die Grundannahmen an, greift man damit gleichzeitig die Überzeugung bzw. den Begriff an....
Und genau hier wird in Kürze mein weiteres Szenario ansetzen....“ |
Also wenn ich das richtig sehe, bist Du mit dieser, m.E. richtigen Interpretation auf der Straße zu genau jenen Philosophen, die Du widerlegen willst.
Wenn Du jetzt allerdings sagen willst: genau das ist ja meine Kritik. Die graben einfach immer weiter und finden kein Ende (ein Arm des Trimlemmas), dann glaube ich, dass Du hier irrst.
Apel und Habermas haben sich die Frage vorgelegt, was denn gefunden wird (und ob was gefunden wird) wenn man immer weiter gräbt. Gibt es eine Quelle.
Die beiden meinen: Ja.
Es geht nicht ohne Ende weiter. Das braucht nur ein paar Schritte.
Was braucht man um Ich zu denken? Notwendigerweise ein „Du“ oder „Wir“. Was noch? Notwendigerweise ein System, was es mir ermöglich „Ich“ tatsächlich zu denken, also Sprache. Was noch? Ein leistungsfähiges Gehirn.
Wie passt das alles zusammen? Gut. Denn das sind zwar alles notwendige, aber für sich keine hinreichenden/zureichenden Bausteine. Erst wenn sie zusammenkommen, erscheint eine neue Einheit, die zwar von den Bausteinen lebt, aber dennoch eine neue Einheit ist: Das Ich.
Wenn Du nun sagst: Was braucht es denn, damit die anderen existieren, damit Sprache entsteht, damit es leistungsfähige Hirne gibt? Das hat doch wieder seine Geschichte und diese hat wieder ihre Geschichte... Ja.
Aber – jetzt kommt der wichtige Schritt – wenn Du so denkst, dann tust Du es bereits als Ich.
Ein Ich ist es, dass an einem logischen Szenario zweifelt. Damit bist Du im Herzen von Descartes Erkennentnis.
Über den Umweg, dass dieses Ich aber wiederum das Du braucht, Sprachspiele braucht (vermittelt durch das Du) und ein Gehirn (als biologisches Erbe) ist das Ich nicht mehr primär in seiner Intepretation.
Das meint Apel, wenn er sagt, dass der Erkenntnisprimat des cogito flöten geht, aber dennoch brauchst Du auch für diese Erkenntnis: ein Ich. In diesem Sinne ist und bleibt das Ich unhintergehbar, weil es immer ein Ich sein muss, das erkennt. Es hat aber keinen erkenntnistheoretischen Vorrang.
Den hat das „Wir“ das intersubjektive Sprachspiel.
Das Sprachspiel allein ist aber auch problematisch, denn es gibt noch eine andere berechtigte Kritik am Phänomenalismus.
Die Tatsache, dass mir etwas rot erscheint (in meinem Bewusstsein) setzt notwendigerweise voraus, dass da auch etwas sein, muss, was tatsächlich rot ist. Warum sollte es mir sonst rot
erscheinen?
Das bedeutet aber in der Konsequenz, dass es neben dem reinen Sprachspielbezug noch einen objektiven Weltbezug geben muss. Also: warum sagen denn all die anderen – wir sahen, die kann man nicht rauskürzen aus der Gleichung, sondern die sind notwendiger Bestandteil, dass der der kürzen will, überhaupt erst von sich sagen kann, dass der
ist – dass Gras grün und die untergehende Sonne rot ist? Ist das wirklich nur sprachliche Übereinkunft? Wir wären in großer Unsicherheit, ob die anderen mit dem Wort „rot“ tatsächlich das meinen, was sie sagen, bzw. das meinen, was alle meinen.
Es ist also vernünftig, auf die tatsächliche Existenz einer objektiven Außenwelt zu
schließen – das ist aber bereits eine Ableitung.
Es ist vernünftig auf ein Wir zu schließen, denn wir sahen, ohne die macht unser Ich keinen Sinn.
Es ist vernünftig, auf ein Ich zu schließen – denn das Ich ist es, was schließen kann, und alle anderen meinen zudem, dass sie auch eines hätten.
Aber das sind in alles schon Sprachspielableitungen, Schlüsse, Interpretationen.
Aber warum gelingen die überhaupt?
Weil sie vernünftig sind. Und das ist die eigentliche Wurzel, hinter die es kein zurück gibt.
Wenn Du jetzt sagst: Ja Moment, die Vernunft ist ja nicht mit dem Urknall entstanden, sondern hat ihre Entstehungsgeschichte: Richtig.
Aber zu Rekonstruktion dieser Geschichte, musst Du wieder ein bewusstes Ich sein, niemand sonst erforscht Geschichte, und über die obige Ableitung landest Du wieder bei der Vernunft.
Der Ansatzpunkt ist einfach der, zu fragen: Wer will das eigentlich wissen? Wer zweifelt? Wer will den Urknall erfoschen? War konstruiert Täuschergottszenarien?
War in Eile, ich hoffe es ist trotzdem ein wenig klar?
Gruß,
Carsten