Sein
Hallo
Ich habe mal eine Frage, kennt einer paar gute Serbische Philosophen, mich intressiert es jetzt einfach, evtl. kann er paar Texte bzw. berühmte Sprüche Posten.
Sry falls es falsches topic oder so ist
Rox
google.de
da findet sich doch fast immer was!
Kantazus
Gruß
Da wir gerade bei serbischen Philosophen sind und zudem noch in der Kategorie "Philosophie und Denktraditionen" schwimmen, was haltet ihr von der serbischen Denktradition (Verallgemeinerung augeschlossen)?
Ich will keineswegs auf die Kriegsschiene abbiegen, komme aber nicht darum.
Kommen wir auf den Krieg in Bosnien zu sprechen: Srebrenica o.ä., wo Massen von Menschen massakriert wurden, ist sowohl weltweit als auch im bosnischen Sprachraum ein sehr heikles Thema. Mich interessiert in diesem Sinne das Rechtfertigungsprinzip der meisten Serben, die, trotz harter Fakten, trotzig bleiben und zu ihrer Seite stehen (was bei den Deutschen im 2.WK nicht der fall war, da es eine Entnazifizierung gab).
Ist dieser Zusammenhalt und diese, meiner Meinung nach, bösartige Untergrabung von Fakten eine serbisch kulturelle, gesellschaftliche Sache, die Jahrhunderte lang anhält oder eher eine Sache, die durch Propaganda und Politik heraufbeschworen wurde?
Mich interessiert Eure Meinung.
(Ich hab extra kein Thema eröffnet und hoffe, dass dies diesmal die richtige Kategorie ist
Gruß
Kantazus
ewig
Entnazifizierung ist wohl das zur Erklärung passende Stichwort:
Im Nachkriegsdeutschland wurden die Führungskader komplett ausgetauscht. Temporär wurden die entsprechenden Aufgaben von den Besatzungsstaaten ausgeübt, und dann erfolgte ein vollkommener Neustart unter den Vorzeichen, den der Wille der Besatzer vorgab. Es gab da überhaupt keinen Raum für eine mögliche Ideologie-Kontinuität, zumal den Hauptverantwortlichen öffentlich der Prozess gemacht wurde und jeder, der diese ganz schlimme Sache zu rechtfertigen versucht hätte, sich gleich mit auf die Anklagebank hätte setzen können. War man in diese Dinge involviert gewesen, tat man gut daran, die Klappe zu halten und zu hoffen, daß die eigene Rolle nie mehr ans Tageslicht gezerrt würde.
In Serbien gab es keinen vergleichbar systematischen Austausch der gesellschaftlichen Führungselite, sondern nur diverse Neuwahlen. Es gibt also noch genügend Leute mit Dreck am Stecken in ganz hohen (meinungsprägenden) Ämtern, die Worte gebrauchen können, um den Eindruck zu befleißigen, es hätte im Kosovo und auch sonstens überhaupt keine von Serben verursachten Massaker gegeben, oder wenn, dann doch nie in dem Ausmaß, den "die anderen" "uns" verwerfen, sondern bloß als angemessene Reaktion auf ähnliche Gräuel der anderen Konfliktparteien. Alles was es braucht, um selbst das Ungeheuerlichste zu rechtfertigen, ist die Gelegenheit für Worte und jemanden, der bereitwillig glaubt. Mittlerweile ist auch schon sehr viel Zeit vergangen, so daß dort im Land wohl kaum noch jemand, der sich nicht selbst intensiv damit beschäftigt hat, wirklich entscheiden kann, was tatsächlich damals passiert ist.
Kantazus
Ja, ich muss dir Recht geben. Viele faschistische (patriotisch ist hier das falsche Wort) Serben (auch Chetniks genannt), die in den 90ern viele Verbrechen begangen haben, haben, wie du schon erwähnt hast, immernoch große politische Macht, die dadurch vorzuweisen ist, dass sie in wichtigen, politischen Ämtern Platz genommen haben. Dacher ist diese fehlende Entnazifizierung ein Teilgrund des momentanen Chaos in Bosnien.
Aber eigentlich war meine Intention eine andere (Vielleicht habe ich dies auch sehr unpassend formuliert ;]): Gerade die faschistischen oder auch patriotischen Menschen, die in BOSNIEN in Dörfern leben interessiere mich. Sie haben nämlich weniger mit Politik zu tun als mit Ideologie. Natürlich sind sie von der Politik beeinflußbar, aber dennoch haben sie von sich aus auch eine private, persönliche, bößartige Haltung gegenüber z.B. Moslems. Gerade weil der grösste Teil auf den Dörfern ungebildet ist, können diese Menschen keine tiefgründigen Erklärungen zustande bringen (Die einzige Erklärung ist, dass sie "Rache" nehmen, weil sie vor ca. 500 Jahren von den Türken okkupiert wurden..doh!). Das faszinierende und zugleich erschreckende ist auch, dass diese Menschen wirklich zusammenhalten und sich an ihre Theorien und Ideologien festklammern, was widerum dazu führt, dass sie in einem Sinne unangreifbar und unverwundbar sind.
Lustig ist auch, dass dies nicht nur bei Serben der Fall ist, sondern auch bei faschistischen (=| patriotischen) Bosniern und Kroaten der Fall ist. Sie sind teilwese genauso und dacher bin ich wirklich verwirrt und abgeschreckt, wie wenig Intellektuelle Menschen, die in Bosnien leben, sich diesem rassistischen Stursinn in den Weg stellen.
Gruß
Kantazus
Archibald
| Zitat: |
Original von ewig
Entnazifizierung ist wohl das zur Erklärung passende Stichwort:
Im Nachkriegsdeutschland wurden die Führungskader komplett ausgetauscht. Temporär wurden die entsprechenden Aufgaben von den Besatzungsstaaten ausgeübt, und dann erfolgte ein vollkommener Neustart unter den Vorzeichen, den der Wille der Besatzer vorgab. Es gab da überhaupt keinen Raum für eine mögliche Ideologie-Kontinuität, zumal den Hauptverantwortlichen öffentlich der Prozess gemacht wurde und jeder, der diese ganz schlimme Sache zu rechtfertigen versucht hätte, sich gleich mit auf die Anklagebank hätte setzen können. War man in diese Dinge involviert gewesen, tat man gut daran, die Klappe zu halten und zu hoffen, daß die eigene Rolle nie mehr ans Tageslicht gezerrt würde.
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Es wurden später dann doch wieder Altnazi´s eingesetzt (u.A. im Bundesverfassungsgericht), und, das Ganze nicht mal auf kaltem Wege, sondern, durch formellen Beschluss unserer Westbesatzer (was den Osten ja auch verärgert hat, weil die Potsdamer Verträge so gebrochen wurden, und, letztendlich den Mauerbau zur Folge hatte).
ewig
Ich bin über die Details nicht gänzlich im Bilde, aber ein großes Problem war doch damals, daß die deutsche Nachkriegsintelligenzia fast nur noch aus Leuten bestand, die sich in irgendeine Form mindestens mit den Nazis arrangiert hatten. Die Nazis waren in der Zeit ihrer Herrschaft ausgesprochen effektiv darin, alle nicht-ideologie-konformen Intellektuellen entweder aus dem Land zu vergraulen oder zu endlagern, so daß man hinterher nicht mehr die ganz große Auswahl hatte. :/
Archibald
@ ewig:
Ein unbedeutender Beamter muss nicht unbedingt zur "Intelligenzia" zählen....................
flores
| Zitat: |
Original von Sein
Hallo
Ich habe mal eine Frage, kennt einer paar gute Serbische Philosophen, mich intressiert es jetzt einfach, evtl. kann er paar Texte bzw. berühmte Sprüche Posten.
Sry falls es falsches topic oder so ist |
PHILOSOPHIE IN SERBIEN: Eine Buchbesprechung, die einen groben Überblick über serbische Philosophie gibt.
facta.junis.ni.ac.yu/pas/pas99/pas99-15.pdf
flores
flores
| Zitat: |
Original von ewig
Entnazifizierung ist wohl das zur Erklärung passende Stichwort:
Im Nachkriegsdeutschland wurden die Führungskader komplett ausgetauscht. Temporär wurden die entsprechenden Aufgaben von den Besatzungsstaaten ausgeübt, und dann erfolgte ein vollkommener Neustart unter den Vorzeichen, den der Wille der Besatzer vorgab. Es gab da überhaupt keinen Raum für eine mögliche Ideologie-Kontinuität, ... |
Eine Stunde 'Null' im Sinne einer 'vollkommenen Neustartes' kann es meines Erachtens nie geben. Ich halte dies auch nicht für wünschenswert. Einen derartigen Neustart hat es auch in Deutschland nicht gegeben. So waren z.B. Richter von der Entnazifizierung ausgenommen, weil sie den Schutz ihres Berufkodexes genossen.
flores
flores
Ergänzend zu meinem letzten Beitrag hier eine serbische Stimme zum Thema. Es sind Abschnitte eines Artikels aus ZEIT ONLINE von 1991 unter dem Titel
Serbien, Byzanz und Europa von Milorad Pavic. Volltext unter
dieser Adresse .
"Wir sind Zeugen einer Umschichtung religiöser Traditionen in den europäischen Ländern: Auf der einen Seite stehen Protestanten und Katholiken, auf der anderen Seite Moslems. Die Orthodoxie hat kein religiöses Zentrum, keine gemeinsame Verwaltung, keine gemeinsame offizielle Sprachregelung, infolgedessen auf internationaler Ebene keine Organisation. Und genau daran droht gegen Ende unseres Jahrhunderts Europa zumindest juristisch zu scheitern. Man zeige mir das Land, das in der Lage ist, mit Hilfe von Gesetzen diejenigen seiner Bewohner zu verteidigen, die überhaupt keinen internationalen religiösen Schutz genießen, gegen andere, die von einer der mächtigen Weltreligionen beschützt werden. Ohne internationalen religiösen Schutz sind Menschen in Europa Freiwild.
Dafür will ich ein Beispiel nennen. Zur Zeit steht in Jugoslawien zum wiederholten Mal der Völkermord an den Serben bevor, so wie er bereits im Verlauf des Zweiten Weltkriegs an Serben und Juden verübt wurde. Aber zum ersten Mal ist die Angst vor allem Serbischen, die Serbophobie, in Europa, ja sogar auf der ganzen Welt, viel stärker als der Antisemitismus. Doch wohin führt die Serbophobie, was soll daraus werden? Sie zeugt weder von Scharfblick, noch ist sie im politischen oder kulturellen Sinne fruchtbar. Betrachten wir die Angelegenheit unter politischen und menschlichen Gesichtspunkten.
Wer Einfluß hat auf das wohl größte Volk des Balkans — also auf die Serben —, wird im Balkan einen Verbündeten finden. Mit anderen Worten, man kann nicht ohne die Serben über eine Lösung des Problems Jugoslawiens und des Balkans beraten. Das ist so, als ob man die Probleme Europas ohne die Deutschen lösen wollte.
Das furchtbare Schicksal der Serben, das Victor Hugo vor hundert Jahren beschrieben hat, hat sich seitdem kaum verändert. Vielleicht, weil die Serben im Orient immer für den Westen stehen und im Okzident für den Osten, wie der Heilige Sava behauptet, Prinz und Poet, Serbe des 13. Jahrhunderts. Aber ist das ein Grund, sie abzuweisen?
Die Serbophobie ist auch menschlich gesehen unlogisch. Darf man ein Volk politisch isolieren, das jahrhundertelang dem Völkermord ausgesetzt war und dem es heutzutage erneut ausgesetzt ist, verübt von den kroatischen und albanischen Nazis von Kosovo unter einem kommunistischen Regime? Darf man Opfer schuldig sprechen? Man kann die Demokratisierung Serbiens nicht fördern, indem man das Land in die Isolation treibt. Europa kann es sich andererseits nicht erlauben, irgendeine seiner Kulturen zu verlieren, auch nicht die serbische Kultur, die ein wichtiger Teil der osteuropäischen Kultur ist.
Kurz, man errichtet in Europa wieder eine Mauer, aber diesmal eine viel längere als in Berlin und vielleicht eine gefährlichere. Das ist die Mauer zwischen zwei europäischen Kulturen. In westeuropäischen Zeitungen ist zu lesen: „Legen wir die Grenzen fest; bis hierhin geht Europa, und dahinter liegt Byzanz." Als ob Byzanz nicht Europa wäre. Wer hat das Recht, unserem Kontinent den Geist des Oströmischen Reiches vorzuenthalten? Die Ereignisse in Jugoslawien sind Teil dieser Entwicklung. Die Grenze zwischen den beiden europäischen Kulturen geht mitten durch Jugoslawien und trennt Serben und Kroaten. Die Gebiete, in denen die Serben jahrhundertelang lebten, bevor der jugoslawische Staat 1918 gegründet wurde, hat Tito (ebenfalls Kroate) während des jugoslawischen Bürgerkriegs 1943 dem kroatischen Territorium angegliedert. Wenn Europa heute in diesem Land, im Moment der Auflösung Jugoslawiens, einen neuen Bürgerkrieg verhindern will, dann müssen diese serbischen Gebiete an Serbien zurückgegeben werden. Das ist der Weg zur möglichen Reintegration Jugoslawiens."
flores
ewig
Du hast natürlich recht, Flores. Aber die Besatzungspräsenz hat dennoch in großem Maße verhindert, daß sich so etwas wie eine Nazi-Apologie-Kultur herausbilden konnte im Sinne von "Wir wollten immer das gute, sind aber von allen falsch verstanden worden."
Cornak
an kantazus : Zu den serbischen Denktraditionen kann ich naturgemäß nichts sagen. Da müssen wir die Serben unter uns fragen.
Dafür etwas zur kollektiven Verleugnung historischer Fakten. Das Verleugnen ist ein von FREUD beschriebener psychischer (emotionaler) Abwehrvorgang, der reflexartig einsetzt, sobald für den/die Betroffenen
sehr unangenehme Dinge zur Sprache kommen oder könnten. Stichwort für Serben : Srebrenica. Stichwort für Deutsche : Auschwitz. Stichwort für US-Bürger : Guantanamo, Atombombenabwürfe u.ä.
Zum Abwehrmechanismus des Verleugnens gehören : Bestreiten, Verschweigen, Bagatellisieren, Vergleichen mit angeblich Schlimmerem oder Gleichschlimmem (z.B. Nazis und Stalinisten), Verschieben (auf andere) und Projizieren. ANNA FREUD, die Tochter SIGMUND FREUDs beschrieb dann später noch einen sehr bemerkenswerten Abwehrmechanismus, die "Identifikation mit dem Agressor". Damit gemeint ist die Übernahme der Argumente des Gegners/Feindes und das Sich-Unterwerfen unter dessen Paradigmen (z.B. Teile der ostdeutschen Population in der SBZ nach 1945 bis 1989)
Nun ist das kollektive Sich-Erinnern nicht auszulöschen, zumal es sich mit dem Verlangen nach Vergeltung (Rache) untrennbar verbindet, beschönigend auch "Gerechtigkeit" genannt. Insofern wird Srebrenica ebenso wenig aus dem Gedächtnis der Balkanvölker zu löschen sein, wie vergleichbare Massaker der Kroaten, Bosnier usw oder aber der Massenmord deutscher Nazis an den Juden.
Das liegt ja auf der Hand, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen. Ich erinnere auch mal an die jahrhundertelange Tradition der Blutrache im Orient u.a.w.!!
Politik und Propaganda können nur auf dem Rücken der Massenpsychologie zur Demagogie werden. Sie sind nur die Instrumente der blutgierigen Sadisten in den Führungsstäben. Wenn Du das genauer wissen willst, mußt Du die dazu seit dem 19. Jh. vorliegende Literatur lesen. Auch CANETTIs "Masse und Macht" gibt wichtige Einblicke. Diese Literatur verlangt aber Entschlossenheit, Kraft, Ausdauer und Mut, vielleicht sogar eine gewisses Maß an Besessenheit. Ich schätze als Einführung besonders FREUDs "Massenpsychologie und Ich-Analyse", geschrieben nach dem 1. WK. s. WIKIPEDIA, Stichwort "Massenpsychologie". Ob ich Dir damit einen guten Hinweis gebe, weiß ich nicht. Die allermeisten Menschen wollen das alles gar nicht so genau wissen. Es schmerzt und beunruhigt sehr !
flores
| Zitat: |
Original von ewig
Du hast natürlich recht, Flores. Aber die Besatzungspräsenz hat dennoch in großem Maße verhindert, daß sich so etwas wie eine Nazi-Apologie-Kultur herausbilden konnte im Sinne von "Wir wollten immer das gute, sind aber von allen falsch verstanden worden." |
Sorry, ich seh das prinzipiell anders. Besatzungsmächte sind lediglich Kontrollinstanzen, an denen man sich vorbeimogeln muss, aber keine Anleiter für problemlösendes Verhalten. Dieser etwas 'schlichte' Gedanke bezieht sich auf etwas, was Menschen gemeinsam ist: Nämlich der Wunsch, das Bedürfnis - wie auch immer - das selbst zu regeln, wofür sich jeder zuständig fühlt. Dies ist bei Nationen nicht anders. Kontrolle verbessert nichts, außer bei den Kontrollierten die Fähigkeit, diese geschickt und unbemerkt zu umgehen, bzw. auszubooten. Das können schon Erstklässler mit ihren Lehrern machen, Kinder mit ihren Eltern; Freunde, Kollegen, Ehepartner miteinander ... Kontrolle ist schlicht wirkungslos, wenn es darum gehen soll, Menschen etwas zu ermöglichen, von dem sie sagen können, das habe ich bewirkt. Die eigene Wirksamkeit ermöglicht schließlich erst Lösungen mit allen Beteiligten. Die Blauhelme dienen m.E. als Alibi für eine Politik, die nicht weiß, was sie tun soll. Mit der Folge, dass das Leben junger Leute aufs Spiel gesetzt wird und Scheinsicherheiten erzeugt werden. Über die Rolle der 'Blauhelme' hat Peter Scholl-Latour ein informatives und kundiges Buch geschrieben. "Friedenstruppen' können vielleicht die Auswirkungen gelegentlich minimieren - wenn sie nicht zu sehr damit beschäftigt sind, am Leben zu bleiben -, aber Probleme wirklich lösen, das ist wenigstens nach dem, was ich weiß, bisher nicht gelungen.
flores
PS: Du schriebst, dass ich recht habe. Rechthaben-wollen ist nicht mein Ding. Ich erwähne hier nur etwas, was jeder sehen kann.
ewig
Nein, nein, nein. Wenn eine Kontrollinstanz dafür sorgt, daß diese Form von Rechtfertigungshaltung zu ganz üblen Dingen aus der Öffentlichkeit herausgehalten wird (und genau das tut sie), gräbt sie diesen Positionen auch langfristig das Wasser ab. Das ist ganz einfach anders, als wenn die Missetäter weiterhin ihre Rechtfertigungen predigen dürfen und mit diesem Inhalt die nationale Meinung grundlegend mitprägen.
Und von neutralen Sicherheitskräften halte ich sehr viel. Da kann der Herr Scholl-Latour (dessen Klarheit ich übrigens schätze) noch so sehr darüber herziehen: Konfliktfronten, an denen Blauhelme stationiert sind, würden ohne deren Präsenz nicht nur schneller wieder aufbrechen, sondern sich auch stärker ausweiten können, und das können wir nicht wollen.
Cornak
an ewig : Das dreifache "Nein" unterstreiche ich, spontan rein gefühlsmäßig, wohl auch, weil ich es 1945 als 11-jähriger selbst erlebt habe und beim Boxen das Regelsystem und den Unparteiischen für unerläßlich halte, um die Emotionen der Kämpfer zu "triangulieren", sprich sie gleichsam immer wieder aus dem Ring zu nehmen.
"Befriedung" auf den mörderischen ethnischen Kampffeldern kann m.E. nur ein dauerhafter Waffenstillstand sein. Und der braucht am Anfang ganz gewiß eine mächtige Kraft von Draußen. Denn brutalisierte Kämpfer wollen töten, einander und die Beteiligten nicht nur, sondern auch die Unbeteiligten. Die sog. Kollateralschäden.
Immer dringlicher stellt sich m.E. die Frage, wie die Sümpfe menschlicher Grausamkeit ausgetrocknet werden können, s. Faust II :
"Ein Sumpf zieht am Gebirge hin
Verpestet alles schon Errungene;
Den faulen Pfuhl auch abzuziehn,
Das letzte wär das Höchsterrungene.
Eröffn' ich Räume vielen Millionen,
Nicht sicher zwar, doch tätig-frei zu wohnen."
Gerade in diesen Tagen wieder hochaktuell !
Cornak
an flores : Jedes Lebewesen möchte seinen eigenen Impulsen folgen ?
Und das so gänzlich unkommentiert ? Und unsublimiert ?
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