Lizzy
Kann mir jemand bei Husserl und seiner Phänomenologie weiterhelfen?
Friedhelm
| Zitat: |
Original von Lizzy
Kann mir jemand bei Husserl und seiner Phänomenologie weiterhelfen?
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Hallo Lizzy,
Husserl (geb. 1859) ist (in meinen Augen) die große Zwischenstation zwischen Immanuel Kant (geb. 1724) und Gerold Prauss (geb. 1933).
Er fordert eine Philosophie als Wissenschaft. Aus heutiger Sicht (seit Prauss) geht er also einen halben Schritt - aber immerhin - in die richtige Richtung!
Grundgedanken:
Erkenntnis ist zwar an psychische und physiologische Prozesse gebunden, sie ist aber nicht mit diesen identisch.
Aus einem empirisch psychologischen Satz kann niemals eine logische Norm abgeleitet werden.
Empirische Sätze sind wahrscheinlich und können falsifiziert werden.
Logik hingegen unterliegt nicht der Kausalität.
Philosophie als Wissenschaft kann sich daher nicht an den Naturalismus binden.
Philosophie, Erkenntnistheorie, Logik und reine Mathematik sind Idealwissenschaften, deren Gesetze ideale Wahrheiten a priori ausdrücken.
http://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Husserl
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Was Du bei Wikipedia (oder anderweitig im Internet) nicht findest, mußt Du also selbst lesen.
Stell also hier bitte konkretere Fragen zu original Husserltexten! das sind etwa 40 000 Textseiten!
ganz herzlich
Friedhelm
Lizzy
Oje, konkrete Fragen... und das von einer Hausfrau!!!!
Hab ja nie Philosophie studiert, aber sie interessiert mich. Auf Husserl bin ich durch die Bücher von Carlos Castaneda aufmerksam geworden, der für mich auch so eine Art Philosoph ist, - auch wenn einiges in den Büchern jeglicher Rationialität fern ist.
Ich denke mal, Husserl fragt, ob Wahrnehmung mit dem Wahrgenommenen übereinstimmt. Um das zu vollbringen, klammert er alles Bisherige aus, wie's ja schon bei Wiki steht. Wir müssen unsere Einstellung zu allem ändern, - sozusagen die "gewohnte Wahrnehmung" vergessen und neu, wie ein Kind, das alles zum ersten Mal sieht, erkennen.
In einem Absatz habe ich verstanden, dass unsere Wahrnehmung sehr viel vom Vorstellungsvermögen abhängt. Wenn wir ein Objekt sehen, sehen wir es dreidimensional. Dennoch sehen wir es nicht von allen Seiten und stellen uns die verborgene Seite nur vor.
Wir können Husserl nicht mehr fragen, wie er das alles WIRKLICH gemeint hat. Deshalb hab ich mich mal hier bei euch angemeldet, in der Hoffnung, ihr könnt mir da weiterhelfen.
Vorerst ganz lieben Dank, Friedhelm!
Rhetorix
| Zitat: |
Original von Lizzy
...Auf Husserl bin ich durch die Bücher von Carlos Castaneda aufmerksam geworden, der für mich auch so eine Art Philosoph ist... |
Der völligen Schrott geschrieben hat und nur zur Verdummung taugt. Wegwerfen!
Lizzy
Rhetorix, ich steh auch auf Fantasy!
eliskases
| Zitat: |
Original von Lizzy
Oje, konkrete Fragen... und das von einer Hausfrau!!!!
Hab ja nie Philosophie studiert, aber sie interessiert mich. [...] |
Du weißt doch schon einiges über Husserl. Ich finde das sehr beachtlich für jemanden, der nicht Philosophie studiert hat. Hochachtung! Dummerweise ist Husserl wegen seiner ausgeprägten Fachterminologie und seinem furztrockenen Schreibstil nicht einfach zu lesen und nicht einfach zu verstehen.
Was du bei Wiki über ihn lernen kannst, ist schon eine Menge. Du solltest unter "Phänomenologie" weiterlesen und bei Interesse die dortigen Links verfolgen.
Neo
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Original von Rhetorix
| Zitat: |
Original von Lizzy
...Auf Husserl bin ich durch die Bücher von Carlos Castaneda aufmerksam geworden, der für mich auch so eine Art Philosoph ist... |
Der völligen Schrott geschrieben hat und nur zur Verdummung taugt. Wegwerfen! |
Wer? Husserl oder Castaneda ?
Lizzy
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Original von eliskases
| Zitat: |
Original von Lizzy
Oje, konkrete Fragen... und das von einer Hausfrau!!!!
Hab ja nie Philosophie studiert, aber sie interessiert mich. [...] |
Du weißt doch schon einiges über Husserl. Ich finde das sehr beachtlich für jemanden, der nicht Philosophie studiert hat. Hochachtung! Dummerweise ist Husserl wegen seiner ausgeprägten Fachterminologie und seinem furztrockenen Schreibstil nicht einfach zu lesen und nicht einfach zu verstehen.
Was du bei Wiki über ihn lernen kannst, ist schon eine Menge. Du solltest unter "Phänomenologie" weiterlesen und bei Interesse die dortigen Links verfolgen. |
Genau das is es - schwer zu lesen!
Danke für den Tipp! Ich werd mich weiter "reinknien"!
Neo, du bist ein ganz Genauer, was?
X-Files85
| Zitat: |
Original von Lizzy
Genau das is es - schwer zu lesen!
Danke für den Tipp! Ich werd mich weiter "reinknien"! |
Ich habe auch einige Zeit gebraucht um mit der husserlschen Terminologie zurechtzukommen.
Das Schwierige bei Husserl ist, dass er fast nichts voraussetzt und eine phänomenologisch-analytische Auflösung von Selbstverständnissen z.B. unserer Alltagssprache und den selbstverständlichen Auslegungen über Begriffe wie Wahrheit, Wahrnehmung, Erkenntnis,... unternimmt. So wirken seine Analysen sehr streng und nicht gleich durchschaubar im typisch-klassischen Sinne.
Er begründet mit seiner phänomenologischen Methode auch gleichsam ein logisches System des Ineinandergreifens seiner Termini.
Lizzy
In Wiki steht ja einiges über Phänomenologie, - auch eine Art Widersprruch, mit dem man erst mal zurecht kommen muss. Irgendwie erkenn ich darin das ominöse Dritte in der Dualität, was sich zwar paradox anhört, bei Husserl, wie auch seinen Anhängern, jedoch zutrifft. Weder ja, noch nein...
Hauptsächlich gehts ja um das Ausschaltung jeglicher Gewohnheit, jeglichen Wissen. Und vor allem, so wie ich das verstehe, um die unmittelbare Erfahrung der "Dinge". Wie etwa, wenn ich auf einer Bank sitze, - kann ich dann die Bank erfahren? Fiel mir einfach so ein, dieses Beispiel...
Schwierig ja, aber ich liebe Schwieriges!
krause
Also ich glaube, man muss bei Kant ansetzen.
Kant lehrt, dass jenseits unserer Sinne die Zeit nicht ist: Die "Dinge an sich" erfüllen sich in einer anderen Form, die wir nicht kennen. Was in der Form der Zeit erscheint, bezeichnet Kant als "Phänomen".
Was Husserl nun sucht (das rate ich jetzt) ist eine Metaphysik und eine Wissenschaft von der Welt der Phänomene: Diese Wirklichkeit will er wieder als "die Wirklichkeit" etablieren, in der wir unsere Gegenstände suchen, ohne sich gegen Kant stellen zu müssen (dem ich offen widerspreche). Husserl will (so glaube ich) Kant nicht darin widersprechen, dass die Zeit nur subjektiv ist.
Als ich "Philosophie als strenge Wissenschaft" gelesen habe, wusste ich nicht, was "Naturalismus" ist. Ich glaube, ich habe die Antwort gefunden:
Der Naturforscher sucht seine Gegenstände unter den Wirklichkeiten im äußeren Raum. Hier sind aber die Seele, die Gedanken und die Begriffe nicht zu finden. Die Naturalisten halten auch die Seele, den Geist und die Begriffe für Wirklichkeiten, die den äußeren Raum erfüllen: "Quantenfelder" usw. halten sie für den "Geist".
Logik, so klagt Husserl, gilt heute als Teilbereich der Psychologie. Was aber ist Logik? Wodurch unterscheiden sich sprachlicher Satz und logischer Satz? Die Antworten gibt mein Beitrag "Wahrheit, Logik und Zeit" unter "Philosophie allgemein" in diesem Forum. In meiner Internet-Seite steht auch etwas darüber.
Friedhelm
| Zitat: |
Original von krause
Also ich glaube, man muss bei Kant ansetzen.
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Recht hast Du!!
Hallo Krause
Verrate doch bitte die URL Deiner Webseite!
Die ontologische Frage ans oder ins Noumenon kann nur Spekulation sein.
Das was wir konkret haben sind unsere Erkenntnisse; die jedenfalls sind wirklich, gleichgültig ob sie falsch oder richtig, geträumt, eingebildet oder phantasiert sind.
Dazu gehören Raum und Zeit.
Selbst das Instrument, das Fahrrad, mit dem wir erkennen und erkunden, bzw. das Hirn des Menschen, ist nur ein Artefakt des Erkennens.
Wirklichkeit ist eine Behauptung, die nur so lange Bestand hat, wie sie kommunikativ im Kontext mit anderen Behauptungen anderer Leute nicht widerlegt oder korrigiert wurde, also interaktiv, intersubjektiv (Habermas).
Auch die Logik und Rhetorik der Kommunikation gehört mit zur Struktur des Fahrrades und ist ein Artefakt und nicht hinterfragbar.
Die empirisch wissenschaftliche Disposition ist eine operationale. Man tut so, als sei alles Nicht-widerlegte erst mal nicht widerlegbar und deshalb objektiv und also real und nicht nur subjektiv, - letztlich aber nur deshalb, weil alle anderen dies ebenfalls so erkennen, also mit dem gleichen Fahrrad fahren. (Es sei denn, da kommt so ein Chaot wie Einstein und krempelt alles wieder um.)
Will sagen, die einzig berechtigte ontologische Frage nach einer ontischen Wirklichkeit kann sich nur auf dieses Fahrrad und seine Struktur beziehen.
| Zitat: |
Seele, den Geist und die Begriffe für Wirklichkeiten, die den äußeren Raum erfüllen: "Quantenfelder" usw. halten sie für den "Geist".
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Da gibt es die absonderlichsten Theorien.
ganz herzlich
Friedhelm
krause
Hi Friedhelm, die url darf ich nicht sagen, das wird gelöscht (werbung). Steht aber bei den persönlichen Daten.
Viele Grüße, Edward Krause
Friedhelm
| Zitat: |
Original von krause
Hi Friedhelm, die url darf ich nicht sagen, das wird gelöscht (werbung). Steht aber bei den persönlichen Daten.
Viele Grüße, Edward Krause |
Dein Text ist interessant: Die "Kontingenz" ist auch hier im Forum ein längst fälliges Thema.
Ich lese gerade:
ingolf U. dalferth und philipp stoellger
Jedes Ende ist kontingent, auch wenn es notwendig kommt.
Um das zu verstehen, darf man sich nicht damit begnügen, begreifen zu wollen, warum es nicht anders kommen konnte, als es gekommen ist. Damit allein ist Kontingentes nicht zu verstehen. Weil man sich aus der Kontingenz immer nur in die Kontingenz verabschieden kann, kennt jedes kontingente Ende ein mögliches Danach und ein anderes als nur faktisches Zuvor. Es hätte auch anders gehen konnen, und es konnte anders weitergehen.
1. Konjunktur der Kontingenz - eine kulturelle Notwendigkeit? Selbst wer zu wissen meint, warum ans Ende kommen mußte, was ans Ende gekommen ist, steht erst am Anfang der Probleme. Wem Zeit bleibt, das eigene Ende zu reflektieren, kann erwägen, wie es nach dem Ende weitergehen könnte und was hätte sein können, wenn es anders gegangen wäre. Das hat die Forschungsgruppe
>Poetik und Hermeneutik< nicht getan. Aber sie hat in ihrer letzten Tagung programmatisch versucht, nicht ihr Ende, aber dessen Kontingenz in epochalen Zusammenhangen zu reflektieren. Dabei griff sie auf Zeitgemäßes zu-rück. Als »kontingenzgeschichtliche Arbeitshypothese drängt[e] sich« ihr »die
These vom zunehmenden Kontingenzbewußtsein auf: ...
melde mich noch privat.
ganz herzlich
Friedhelm
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