Luhmann
Lektüre: Pierre Lévy. Die Kollektive Intelligenz. Für eine Anthropologie des Cyberspace.
Franz. Original. Paris. 1994. Deutsche Übersetzung Mannheim. 1997.
In meinen Recherchen zum Thema Schwarmintelligenz / Kollektive Intelligenz, bin ich auf dieses Buch hier getroffen. Ein schmales Buch von grade mal 250 Seiten, bei dem ich aber schon schnell gemerkt habe, dass es sich hierbei um einen zentralen Eckpfeiler in der Betrachtung der Menschheitsgeschichte handelt. Das Buch steht lose in einer Tradition der Raumtheorie und kann vor allem heute als Startschuss für viele spätere Ausdifferenzierungen gelesen werden. Etwas Sloterdjks Sphärentrilogie. Entscheidend für mich ist also das Jahr seiner Verfassung. 1994. Also noch oder grade am Wendepunkt zum Internet, wie wir es heute kennen. An einem Punkt also an dem auch die stärksten Leugner einsehen mussten, dass hier etwas von großer Tragweite entsteht. Ich zitiere im Folgenden sehr viel und überlasse dann einer anschließenden Diskussion, mögliche Interpretationen und Kritiken und Anregungen zum Weiterdenken. Ich versuche, weil ich natürlich nicht davon ausgehe – im postliterarischen Zeitalter-, dass sich jemand von euch die Mühe machen wird, meine Angaben zu überprüfen, also das Buch auch liest - wie auch sollte ein Buch den Aufmerksamkeitswettbewerb heute mit dem Anspruch einer bloßen anthropologischen, also historischen Nachzeichnung gewinnen können, also nicht mal mit dem Postulat etwas Neues verkünden zu wollen (?)… - , Lévy ungefiltert, uninterpretiert, zu Wort kommen zu lassen. Aufmerksamkeit für das Buch wird dann, ja vielleicht, wie, oder anders als im Dennett Thread auf Seite 100 der Diskussion, also nach 1000 Din A 4 Seiten Text entstehen. Man könnte mE viele Worte zum Thema verlieren, aber im Folgenden versuche ich mich zum Einstieg erstmal kurz zu fassen und euch, wie Carsten, dass Buch in 3 Abschnitten darlegen (Zwischenfunke sind natürlich erwünscht, willkommen und unvermeidbar, auch habe ich nichts gegen ein paar virtuelle Schulterklopfer, weil es ja auch Holzarbeit ist, was ich hier mache.):
Teil 1 also.
Prolog:
Im Prolog geht es um eine kleine Geschichte des Cyberspace. Mit Jahreszahlen, Namen und Daten. „Die Vernetzung des Computerterminals und –speichern über Telefonleitungen und die Ausweitung der digitalen Übertragungsnetze lassen einen weltumspannenden Cyberspace anwachsen, in dem jedes Informationspartikel sich in Kontakt mit jedem beliebigen anderen befindet.“ (S.7 ) Lévys These lautet: wir sind wieder zu Nomaden geworden. „Wir sind Immigranten der Subjektivität.“ (S.10 ) Unser Nomadentum erklärt er, wie folgt:“ Selbst wenn wir uns nicht bewegten, die Welt um uns herum würde sich verändern. Also bewegten wir uns doch.“ (S.10 ) Das klingt nun recht mystisch, aber er macht seinen Punkt, genauer geht es mE nicht. „Und das chaotische Ganze unserer Antworten bedingt die allgemeine Transformation.“ Wir brauchen also bloß irritiert zu sein, um wieder heimatlos zu werden. Und das trifft wohl auf Viele von uns zu.
[/quote]
Einleitung:
Wirtschaft
In diesem Abschnitt geht es um die Bedeutung des Wissensaustauschs in der Wirtschaft. Er erklärt den Untergang der bürokratischen Planwirtschaft, die in den 60ern noch recht erfolgreich war, wie folgt:“ Der Totalitarismus hat versagt, weil es ihm nicht gelang, Kompetenzen auf flexible und kooperative Weise zu nutzen. Er war unfähig eine kollektive Intelligenz zu entwickeln.“ (S. 18 ) Er verortet diesen Wandel, den ich glaube noch heute zu verspüren, in den 70er und 80er Jahren. Außerdem behauptet er:“ Es reicht nun nicht mehr, sich passiv mit einer Gruppe, einem Beruf oder einer Berufsgemeinschaft zu identifizieren, man muss vielmehr seine Einzigartigkeit, seine persönliche Identität ins Berufleben einbringen.“ (S.19 ) (Not so easy: vgl. meinen Menschenbildthread.) Ein Beruf ist heute nicht mehr bloß eine Arbeit. Die meisten Leute identifizieren sich mit ihren Betrieben und Anstellungen oder werden krank wenn sie dies nicht tun, weil es täglich von ihnen gefordert wird. Bzw. fühlen sich unnütz, wenn sie zu den Ausgeschlossenen, dieser beruflichen Identifikationswelt gehören. Die zweifache Mobilisierung, die den totalitären Staaten, mit ihrer Bürokratie nicht gelungen ist, zeichnet er so:
1.) Subjektiv und sehr individuell
2.) Kooperationsethik. (Informationsfluss.)
Und noch ein eher kryptischer Hauptsatz dazu:“ Da die kontinuierliche Produktion von Subjektivität die Vorbedingung für alle anderen Formen von Produktion darstellt, wird sie vielleicht im nächsten Jahrhundert als die wesentliche ökonomische Aktivität angesehen werden.“ (S.20) Was machen wir hier im Forum anderes, als eben genau das?
Anthropologie:
„Die Erde war der erste große Bedeutungsraum, den sich unsere Art eröffnet hat.“ (S.21 )
Den zweiten großen Raum nennt Lévy: das Territorium, das den ersten nicht ablöst, aber ergänzt: durch Ackerbau, Stadt, Staat und Schrift. Der Wandel vom Kosmos zur Einheit ist eingeleitet. Ab dem 16. Jahrhundert kam dann ein 3. Raum dazu, der Raum der Waren, der eher einem Fliessen, also einer Entterritorialisierung entspricht. Unseren Eintritt ins Netzzeitalter bezeichnet er 1994 noch, als ein Wetterleuchten eines 4. Wandels. „Eine Existenz im Raum des Flusses.“ (S.23 ) (Das erinnert mich an einen Deleuze Interpreten, der ein Kapitel in seinem Buch in etwas betitelt hat: „Wie man sich auf offener See ein Floss zimmert.“) Wo also nicht mehr bloß Güter „fließen“, sondern alles miteinander driftet. Den 4. Raum, nennt er den Raum des Wissens.
Soziale Bindung und Beziehung zum Wissen:
„Wer ist der andere? Er ist der, der weiß.“ (S.28 ) „Als mögliche Quelle meiner Stärke, wird der andere in jeder Hinsicht zu einem begehrenswerten Menschen, […]“(S.28f )
„Alle Menschen haben das Recht auf eine Identität des Wissens.“ (S.29 ) Er meint damit Gerechtigkeit, wie wir im 1 Kapitel sehen werden und zeichnet somit schon eine Kritik an Potential zu neuer Elitenbildung im WWW vor, den ich derzeit vor allem in den Unterscheidung On- und Offliner sehe. Er meint damit aber damals, Wertigkeiten von Wissen. Ein Plädoyer, wie ich es lese, dass in jedem von uns ein Experte für den eigenen kleinen oder großen Lebensbereich steckt und dass hier niemand Exklusivrechte proklamieren kann, darf und sollte.
Was ist kollektive Intelligenz?
„Eine überall verteilte Intelligenz.“ (S.30 ) Ich denke hier an die vielen Räume, in diesem Forum. Mir sind das zu viele. Nur wenige Threads haben daher die Chance zu blühen, aber alle sind vom alleinigen Fokus entlastet. Keiner steht mehr alleine unter dem Lupenglass der verschärften totalitären Beobachtung, sondern alle gleichermaßen und dadurch entspannt sich vielleicht ja die Atmosphäre. Es gibt immer was zu denken. Das sich viele Themen überschneiden … doch zurück zu Lévy …
Koll. Intelligenz sollte mE also auch eine für alle zugängliche Intelligenz meinen. Ausgangsthese für Koll. Intelligenz ist: „Niemand weiß alles, jeder weiß etwas. In der Menschheit liegt das gesamt Wissen.“ (S.30 ) Er kritisiert die heutige (damalige 1994) „kollektive Ignoranz“ von selbsternannten Elite-Bildungs-Kollektiven, die über Zulassungsbeschränkungen, Noten und Bildungsabschlüsse, für Exklusion sorgen. Ich finde das schon sehr, sehr radikal gedacht und wäre mir in solchen Fragen nicht ganz so sicher. „Was zu einer erschreckenden Vergeudung an Erfahrung, Wissen und menschlichen Ressourcen führt.“ (S.30 ) Er träumt(e) vom Cyberspace als einem „sich bewegenden Raum der Interaktion zwischen Wissen und Wissenden, in entterritorialisierten intelligenten Kollektiven.“ (S.31 ) Man betrachte nur den Wandel in der Berufswelt. Immer mehr Heimarbeit. Dafür auch immer mehr Leute, mit Laptops in den Zügen, die auch nach Feierabend, weiter arbeiten. (Vgl. zum Zeitwandel unserer Zeitwahrnehmung vor allem das Buch „Beschleunigung“ von Hartmut Rosa!). Und hier mal eine klare Abgrenzung zu Zynikern, wie Kevin Kelly und ein Plädoyer für ein Expertenwissen, in dem Sinne, dass wir alle Experten für unseren kleinen Bereich sind:“ Alle Versuche, das Funktionieren der Gesellschaft mehr oder weniger mit dem eines Ameisenhaufens zu vergleichen, sind verabscheuungswürdig und barbarisch.“ (S.32 ) Er geht dann auch noch auf den Wandel für die repräsentative Demokratie ein, den wir ja z.B. auch noch jetzt grade erleben, bei der Subjektivierung von Politikern, durch Kabarett und von ihnen selber, durch Online-Tagebücher.
Erster Teil: Engineering der sozialen Bindungen
Kapitel Eins
Die Gerechten
Ethik der Kollektiven Intelligenz
Das wir noch hier sind, deutet Lévy als Zeichen Kollektiver Intelligenz. Also, dass sich die Menschheit, trotz Versuchen in diese Richtung und wie wir heute wissen, mit der Klima-/Ökologiekrise immer noch tut, bisher noch nicht vollständig selber ausgelöscht hat. Das ist seine optimistische Ausgangsthese, fernab, von Science Fiction Überintelligenz. „Der Gerechte schließt ein, er integriert, er flickt das soziale Gewebe.“ (S.42 ) „In einer Welt in der sich alles bewegt, in der jeder gezwungen ist, sich zu verändern, wird die Gastfreundschaft zur Moral der Nomaden und Migranten, zur Moral schlechthin.“ (S.42 ) „Macht macht Angst.“ (S.43 ) „Die Gerechten meiden die Macht.“ (S.43 )
Kapitel Zwei
Die menschlichen Qualitäten
Ökonomie der Kollektiven Intelligenz
Lévy plädiert dafür der Subjektivität des Einzelnen mehr Bedeutung beizumessen, sie mit einzubeziehen und zu mobilisieren. Was ihn mE wieder in die Nähe zu Kevin Kelly (dem mE anderen großen Cyberspace Anthropologen, dessen Hauptwerk Out of Control aus dem selben Jahr stammt) rückt, dessen Blick und Vokabular mE nur kälter und „böser“ ist, vor allem in Bezug auf das tatsächliche Level an menschlicher „Intelligenz“, das Kelly nicht so hoch ansetzt, wie es Lévy tut. Worum es eigentlich geht ist natürlich unser Potential und ich kann keine Wertung zwischen den Beiden vornehmen, weil ich sie dafür viel zu wenig kenne. Konkurrenz wird zukünftig, so lese ich Lévy, im Idealfalle Konkurrenz um Ethik, also der Frage: Wem gelingt es besser, zu kooperieren? Also nicht mal um einen Erfolg, der außerhalb dieses Zieles der Kooperation selber liegt … Kooperation = Liebe, frage ich mich da?
__________________
So weit so ungenügend erstmal. Das Buch hat 15 Kapitel, aber so Inhaltsdicht, wie die Einleitung sind sie alle mal nicht. Über Feedback, würde ich mich also an dieser Stelle schon freuen, und ich melde mich dann wieder.
Meine Bitte für diesen Thread: Nicht über die
-Funktion zitieren, und keine externen Links. Am liebsten also selber was Schreiben, natürlich mit Bezug auf meinen Text. Aber halt kein Zerrupfen von Beiträgen, damit auch in einem Jahr noch Leute die Chance haben dazu zu stoßen und sich nicht erstmal durch tausend in regressiver Effizienz verkommender Din A 4 Seiten, kämpfen zu müssen.
Auf einen progressiven Diskurs,
Luhmann
Franz. Original. Paris. 1994. Deutsche Übersetzung Mannheim. 1997.
In meinen Recherchen zum Thema Schwarmintelligenz / Kollektive Intelligenz, bin ich auf dieses Buch hier getroffen. Ein schmales Buch von grade mal 250 Seiten, bei dem ich aber schon schnell gemerkt habe, dass es sich hierbei um einen zentralen Eckpfeiler in der Betrachtung der Menschheitsgeschichte handelt. Das Buch steht lose in einer Tradition der Raumtheorie und kann vor allem heute als Startschuss für viele spätere Ausdifferenzierungen gelesen werden. Etwas Sloterdjks Sphärentrilogie. Entscheidend für mich ist also das Jahr seiner Verfassung. 1994. Also noch oder grade am Wendepunkt zum Internet, wie wir es heute kennen. An einem Punkt also an dem auch die stärksten Leugner einsehen mussten, dass hier etwas von großer Tragweite entsteht. Ich zitiere im Folgenden sehr viel und überlasse dann einer anschließenden Diskussion, mögliche Interpretationen und Kritiken und Anregungen zum Weiterdenken. Ich versuche, weil ich natürlich nicht davon ausgehe – im postliterarischen Zeitalter-, dass sich jemand von euch die Mühe machen wird, meine Angaben zu überprüfen, also das Buch auch liest - wie auch sollte ein Buch den Aufmerksamkeitswettbewerb heute mit dem Anspruch einer bloßen anthropologischen, also historischen Nachzeichnung gewinnen können, also nicht mal mit dem Postulat etwas Neues verkünden zu wollen (?)… - , Lévy ungefiltert, uninterpretiert, zu Wort kommen zu lassen. Aufmerksamkeit für das Buch wird dann, ja vielleicht, wie, oder anders als im Dennett Thread auf Seite 100 der Diskussion, also nach 1000 Din A 4 Seiten Text entstehen. Man könnte mE viele Worte zum Thema verlieren, aber im Folgenden versuche ich mich zum Einstieg erstmal kurz zu fassen und euch, wie Carsten, dass Buch in 3 Abschnitten darlegen (Zwischenfunke sind natürlich erwünscht, willkommen und unvermeidbar, auch habe ich nichts gegen ein paar virtuelle Schulterklopfer, weil es ja auch Holzarbeit ist, was ich hier mache.):
Teil 1 also.
Prolog:
Im Prolog geht es um eine kleine Geschichte des Cyberspace. Mit Jahreszahlen, Namen und Daten. „Die Vernetzung des Computerterminals und –speichern über Telefonleitungen und die Ausweitung der digitalen Übertragungsnetze lassen einen weltumspannenden Cyberspace anwachsen, in dem jedes Informationspartikel sich in Kontakt mit jedem beliebigen anderen befindet.“ (S.7 ) Lévys These lautet: wir sind wieder zu Nomaden geworden. „Wir sind Immigranten der Subjektivität.“ (S.10 ) Unser Nomadentum erklärt er, wie folgt:“ Selbst wenn wir uns nicht bewegten, die Welt um uns herum würde sich verändern. Also bewegten wir uns doch.“ (S.10 ) Das klingt nun recht mystisch, aber er macht seinen Punkt, genauer geht es mE nicht. „Und das chaotische Ganze unserer Antworten bedingt die allgemeine Transformation.“ Wir brauchen also bloß irritiert zu sein, um wieder heimatlos zu werden. Und das trifft wohl auf Viele von uns zu.
[/quote]
Einleitung:
Wirtschaft
In diesem Abschnitt geht es um die Bedeutung des Wissensaustauschs in der Wirtschaft. Er erklärt den Untergang der bürokratischen Planwirtschaft, die in den 60ern noch recht erfolgreich war, wie folgt:“ Der Totalitarismus hat versagt, weil es ihm nicht gelang, Kompetenzen auf flexible und kooperative Weise zu nutzen. Er war unfähig eine kollektive Intelligenz zu entwickeln.“ (S. 18 ) Er verortet diesen Wandel, den ich glaube noch heute zu verspüren, in den 70er und 80er Jahren. Außerdem behauptet er:“ Es reicht nun nicht mehr, sich passiv mit einer Gruppe, einem Beruf oder einer Berufsgemeinschaft zu identifizieren, man muss vielmehr seine Einzigartigkeit, seine persönliche Identität ins Berufleben einbringen.“ (S.19 ) (Not so easy: vgl. meinen Menschenbildthread.) Ein Beruf ist heute nicht mehr bloß eine Arbeit. Die meisten Leute identifizieren sich mit ihren Betrieben und Anstellungen oder werden krank wenn sie dies nicht tun, weil es täglich von ihnen gefordert wird. Bzw. fühlen sich unnütz, wenn sie zu den Ausgeschlossenen, dieser beruflichen Identifikationswelt gehören. Die zweifache Mobilisierung, die den totalitären Staaten, mit ihrer Bürokratie nicht gelungen ist, zeichnet er so:
1.) Subjektiv und sehr individuell
2.) Kooperationsethik. (Informationsfluss.)
Und noch ein eher kryptischer Hauptsatz dazu:“ Da die kontinuierliche Produktion von Subjektivität die Vorbedingung für alle anderen Formen von Produktion darstellt, wird sie vielleicht im nächsten Jahrhundert als die wesentliche ökonomische Aktivität angesehen werden.“ (S.20) Was machen wir hier im Forum anderes, als eben genau das?
Anthropologie:
„Die Erde war der erste große Bedeutungsraum, den sich unsere Art eröffnet hat.“ (S.21 )
Den zweiten großen Raum nennt Lévy: das Territorium, das den ersten nicht ablöst, aber ergänzt: durch Ackerbau, Stadt, Staat und Schrift. Der Wandel vom Kosmos zur Einheit ist eingeleitet. Ab dem 16. Jahrhundert kam dann ein 3. Raum dazu, der Raum der Waren, der eher einem Fliessen, also einer Entterritorialisierung entspricht. Unseren Eintritt ins Netzzeitalter bezeichnet er 1994 noch, als ein Wetterleuchten eines 4. Wandels. „Eine Existenz im Raum des Flusses.“ (S.23 ) (Das erinnert mich an einen Deleuze Interpreten, der ein Kapitel in seinem Buch in etwas betitelt hat: „Wie man sich auf offener See ein Floss zimmert.“) Wo also nicht mehr bloß Güter „fließen“, sondern alles miteinander driftet. Den 4. Raum, nennt er den Raum des Wissens.
Soziale Bindung und Beziehung zum Wissen:
„Wer ist der andere? Er ist der, der weiß.“ (S.28 ) „Als mögliche Quelle meiner Stärke, wird der andere in jeder Hinsicht zu einem begehrenswerten Menschen, […]“(S.28f )
„Alle Menschen haben das Recht auf eine Identität des Wissens.“ (S.29 ) Er meint damit Gerechtigkeit, wie wir im 1 Kapitel sehen werden und zeichnet somit schon eine Kritik an Potential zu neuer Elitenbildung im WWW vor, den ich derzeit vor allem in den Unterscheidung On- und Offliner sehe. Er meint damit aber damals, Wertigkeiten von Wissen. Ein Plädoyer, wie ich es lese, dass in jedem von uns ein Experte für den eigenen kleinen oder großen Lebensbereich steckt und dass hier niemand Exklusivrechte proklamieren kann, darf und sollte.
Was ist kollektive Intelligenz?
„Eine überall verteilte Intelligenz.“ (S.30 ) Ich denke hier an die vielen Räume, in diesem Forum. Mir sind das zu viele. Nur wenige Threads haben daher die Chance zu blühen, aber alle sind vom alleinigen Fokus entlastet. Keiner steht mehr alleine unter dem Lupenglass der verschärften totalitären Beobachtung, sondern alle gleichermaßen und dadurch entspannt sich vielleicht ja die Atmosphäre. Es gibt immer was zu denken. Das sich viele Themen überschneiden … doch zurück zu Lévy …
Koll. Intelligenz sollte mE also auch eine für alle zugängliche Intelligenz meinen. Ausgangsthese für Koll. Intelligenz ist: „Niemand weiß alles, jeder weiß etwas. In der Menschheit liegt das gesamt Wissen.“ (S.30 ) Er kritisiert die heutige (damalige 1994) „kollektive Ignoranz“ von selbsternannten Elite-Bildungs-Kollektiven, die über Zulassungsbeschränkungen, Noten und Bildungsabschlüsse, für Exklusion sorgen. Ich finde das schon sehr, sehr radikal gedacht und wäre mir in solchen Fragen nicht ganz so sicher. „Was zu einer erschreckenden Vergeudung an Erfahrung, Wissen und menschlichen Ressourcen führt.“ (S.30 ) Er träumt(e) vom Cyberspace als einem „sich bewegenden Raum der Interaktion zwischen Wissen und Wissenden, in entterritorialisierten intelligenten Kollektiven.“ (S.31 ) Man betrachte nur den Wandel in der Berufswelt. Immer mehr Heimarbeit. Dafür auch immer mehr Leute, mit Laptops in den Zügen, die auch nach Feierabend, weiter arbeiten. (Vgl. zum Zeitwandel unserer Zeitwahrnehmung vor allem das Buch „Beschleunigung“ von Hartmut Rosa!). Und hier mal eine klare Abgrenzung zu Zynikern, wie Kevin Kelly und ein Plädoyer für ein Expertenwissen, in dem Sinne, dass wir alle Experten für unseren kleinen Bereich sind:“ Alle Versuche, das Funktionieren der Gesellschaft mehr oder weniger mit dem eines Ameisenhaufens zu vergleichen, sind verabscheuungswürdig und barbarisch.“ (S.32 ) Er geht dann auch noch auf den Wandel für die repräsentative Demokratie ein, den wir ja z.B. auch noch jetzt grade erleben, bei der Subjektivierung von Politikern, durch Kabarett und von ihnen selber, durch Online-Tagebücher.
Erster Teil: Engineering der sozialen Bindungen
Kapitel Eins
Die Gerechten
Ethik der Kollektiven Intelligenz
Das wir noch hier sind, deutet Lévy als Zeichen Kollektiver Intelligenz. Also, dass sich die Menschheit, trotz Versuchen in diese Richtung und wie wir heute wissen, mit der Klima-/Ökologiekrise immer noch tut, bisher noch nicht vollständig selber ausgelöscht hat. Das ist seine optimistische Ausgangsthese, fernab, von Science Fiction Überintelligenz. „Der Gerechte schließt ein, er integriert, er flickt das soziale Gewebe.“ (S.42 ) „In einer Welt in der sich alles bewegt, in der jeder gezwungen ist, sich zu verändern, wird die Gastfreundschaft zur Moral der Nomaden und Migranten, zur Moral schlechthin.“ (S.42 ) „Macht macht Angst.“ (S.43 ) „Die Gerechten meiden die Macht.“ (S.43 )
Kapitel Zwei
Die menschlichen Qualitäten
Ökonomie der Kollektiven Intelligenz
Lévy plädiert dafür der Subjektivität des Einzelnen mehr Bedeutung beizumessen, sie mit einzubeziehen und zu mobilisieren. Was ihn mE wieder in die Nähe zu Kevin Kelly (dem mE anderen großen Cyberspace Anthropologen, dessen Hauptwerk Out of Control aus dem selben Jahr stammt) rückt, dessen Blick und Vokabular mE nur kälter und „böser“ ist, vor allem in Bezug auf das tatsächliche Level an menschlicher „Intelligenz“, das Kelly nicht so hoch ansetzt, wie es Lévy tut. Worum es eigentlich geht ist natürlich unser Potential und ich kann keine Wertung zwischen den Beiden vornehmen, weil ich sie dafür viel zu wenig kenne. Konkurrenz wird zukünftig, so lese ich Lévy, im Idealfalle Konkurrenz um Ethik, also der Frage: Wem gelingt es besser, zu kooperieren? Also nicht mal um einen Erfolg, der außerhalb dieses Zieles der Kooperation selber liegt … Kooperation = Liebe, frage ich mich da?
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So weit so ungenügend erstmal. Das Buch hat 15 Kapitel, aber so Inhaltsdicht, wie die Einleitung sind sie alle mal nicht. Über Feedback, würde ich mich also an dieser Stelle schon freuen, und ich melde mich dann wieder.
Meine Bitte für diesen Thread: Nicht über die
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Auf einen progressiven Diskurs,
Luhmann