Dennetts „Süße Träume“ – fast eine Buchkritik

Verena
Zitat:
Original von mark
... dennett schreibt ja gegen leute wie searle die sich wiederum genau auf dieses materielle versteift haben. es ist ja searles explizit ausgedrückte meinung, dass geist etwas dem menschlichen hirn ganz materiell verstanden intrinsisches ist, also das hirn tatsächlich das materielle korrelat des menschlichen geistes ist. er geht dabei soweit, dass er völlig sinnloserweise jeden formanteil ausschliesst, was deswegen sinnlos ist, da die trennung letztlich relativ willkürlich ist. aber nur so funktioniert sein argument gegen die relevanz eines programms für geistigkeit.

Es ist immer wieder derselbe Grundirrtum, dem "beinharte" Positivisten (ob sie sich nun Empiristen, Realisten, Materialisten oder sonstwie nennen) unterliegen:
Sie meinen wissenschaftliche Forschung, wissenschaftliches Erkennen, würde sich auf einen Gegenstand beziehen können, der unabhängig von allem Erkennen/Verstehen vorliegen würde (hier die Gegenstände der Neurobiologie: das Gehirn, ZNS, Neuronen, Synapsen usw ...), als subjektunabhängige Referenz für den wissenschaftlichen Zugang vorhanden wäre und worauf alle wissenschaftliche Erkenntnis als subjektunabhängige Referenzbasis wissenschaftlicher Aussagen zurückgeführt werden könnte - aber sofern und soweit es Gegenstände (für wissenschaftliche Erfahrung) gibt, verdanken sich diese bereits einem Akt vorwissenschaftlicher Erfahrung, in welchem sie konstituiert werden. Es ist der Grundirrtum der Positivisten anzunehmen, es gäbe "geist"-freie (vorstellungsunabhängige) Gegenstände als Referenz wissenschaftlicher Forschung wie die Positivisten meinen (dies betrifft auch für die Qualia-Diskussion): die Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung sind auch die Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung. Die Referenzbasis aller beinharten wissenschaftlichen Forschung liegt nicht subjektunabhängig vor, sondern ist bereits ein Produkt menschlichen Verstehens/Erkennens.
Schneemann
Zitat:
Original von Verena
Es ist immer wieder derselbe Grundirrtum, dem "beinharte" Positivisten (ob sie sich nun Empiristen, Realisten, Materialisten oder sonstwie nennen) unterliegen:...

Und wo findet man solche Exemplare? Ich würde gern mal ein solches kennenlernen um mich vergewissern zu können dass es überhaupt solche gibt. Manchmal hat man den Eindruck dieser Beinhartpositivist ist nur die Erfindung der "nicht-materialistischen Fraktion" um einen schönen Prügelknaben zu haben. Bei Dennett ist man da jedenfalls an der falschen Adresse.

Gruss,
Schneemann
Verena
Zitat:
Original von Schneemann
Zitat:
Original von Verena
Es ist immer wieder derselbe Grundirrtum, dem "beinharte" Positivisten (ob sie sich nun Empiristen, Realisten, Materialisten oder sonstwie nennen) unterliegen:...

Und wo findet man solche Exemplare? Ich würde gern mal ein solches kennenlernen um mich vergewissern zu können dass es überhaupt solche gibt. Bei Dennett ist man da jedenfalls an der falschen Adresse.

Wer sucht, der findet. Zwinker
Ich dachte dabei allerdings weniger an Dennett als zB an Quine - zudem ging es mir mehr um die Charakterisierung eines verbreiteten wissenschaftlichen Standpunkts als um einzelne Naturwissenschaftler, die sowieso häufig keinen klaren, eindeutigen erkenntnisphilosophischen Standpunkt haben.
Ein weiterer möglicher Standpunkt wäre, daß man sich der subjektabhängigen Konstitution der Objekte wissenschaftlicher Forschung sehr wohl bewusst ist und zugesteht, jedoch davon ausgeht, dass die Thematisierung der Subjektbedingtheit dieser Objekte für bestimmte Zielsetzungen (zB die Parallelisierung von geistigen zu physischen Entitäten) irrelevant ist.
Meist wird diese aus pragmatischen Gründen ignorierte bzw. im wissenschaftlichen Tagesgeschäft verdrängte erkenntnisphilosophische Einsicht (und die damit zwangsläufig einhergehende Verabsolutierung der Objekte wissenschaftlichen Forschens) jedoch in der einen oder anderen Weise störend "wiederkehren". (ME zeigt sich dies gerade besonders deutlich am Raum-Zeit- und Kausalitäts-Konzept der Physik.)
Verena
Hier übrigens eine ziemlich ausführliche Rezension von Dennetts Buch:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/684007/


Nachdem ich übrigens jetzt einige Rezensionen zu dem Buch gelesen habe, würde ich Dennett durchaus unter den Begriff "beinharter Positivist" subsumieren. großes Grinsen

Mal eine Preisfrage zum Mary-Gedankenexperiment:
Glaubt ihr, daß die farbenblinde Wissenschaftlerin Mary, unmittelbar nachdem sie Farben sehen kann (dh ohne weitere Lernprozesse), die Begriffe rot, grün, blau, gelb, usw. richtig den entsprechenden Farben zuordnen kann?

Eine anderes Gedankenexperiment von Thomas Reid (Philosoph und katholischer Theologe, 1710 - 1796), das auch in diese Richtung geht:
A Man, being born blind, and having a Globe and a Cube, nigh of the same bignes, Committed into his Hands, and being taught or Told, which is Called the Globe, and which the Cube, so as easily to distinguish them by his Touch or Feeling: Then both being taken from Him, and Laid on a Table, Let us suppose his Sight Restored to Him; Whether he Could, by his Sight, and before he touch them, know which is the Globe and which the Cube? Or Whether he Could know by his Sight, before he stretchd out his Hand, whether he Could not Reach them, tho they were Removed 20 or 1000 feet from him?
Schneemann
Zitat:
Original von Verena
Hier übrigens eine ziemlich ausführliche Rezension von Dennetts Buch:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/684007/

Eine Rezension deren Seriosität aber unter haarsträubenden Auswüchsen leidet wie diesem hier
...dass viele Spitzenwissenschaftler eine geradezu naive Religiosität beibehalten konnten - Einstein war nur das bekannteste Beispiel.

Einstein eine naive Religiosität unterstellen kann man nun wirklich nur wenn man sich noch nichtmal oberflächlich mit dem Thema beschäftigt hat. Aber ähnlich den Legenden um den Spinat ist dieser falsche Mythos wohl nicht mehr auszutreiben.

Zwar ebenfalls sehr kritisch aber in meinen Augen fundierter und lesenswerter ist folgende (noch ausführlichere) Kritik
http://www.literaturkritik.de/public/rez...&ausgabe=200710

Gruss,
Schneemann
Verena
Zitat:
Original von Schneemann
... Einstein eine naive Religiosität unterstellen kann man nun wirklich nur wenn man sich noch nichtmal oberflächlich mit dem Thema beschäftigt hat. ...

Religiosität ist mE zwangsläufig immer naiv (dh letztlich nicht theoretisch-wissenschaftlich begründbar wie zB manche theologische Auffassungen), insofern hat der Autor hier recht, denn soviel ich weiß, war Einstein kein Theologe, auch wenn er "wusste", dass Gott nicht würfelt. großes Grinsen
mark
Zitat:
Original von Verena
Zitat:
Original von mark
... dennett schreibt ja gegen leute wie searle die sich wiederum genau auf dieses materielle versteift haben. es ist ja searles explizit ausgedrückte meinung, dass geist etwas dem menschlichen hirn ganz materiell verstanden intrinsisches ist, also das hirn tatsächlich das materielle korrelat des menschlichen geistes ist. er geht dabei soweit, dass er völlig sinnloserweise jeden formanteil ausschliesst, was deswegen sinnlos ist, da die trennung letztlich relativ willkürlich ist. aber nur so funktioniert sein argument gegen die relevanz eines programms für geistigkeit.

Es ist immer wieder derselbe Grundirrtum, dem "beinharte" Positivisten (ob sie sich nun Empiristen, Realisten, Materialisten oder sonstwie nennen) unterliegen:
Sie meinen wissenschaftliche Forschung, wissenschaftliches Erkennen, würde sich auf einen Gegenstand beziehen können, der unabhängig von allem Erkennen/Verstehen vorliegen würde (hier die Gegenstände der Neurobiologie: das Gehirn, ZNS, Neuronen, Synapsen usw ...), als subjektunabhängige Referenz für den wissenschaftlichen Zugang vorhanden wäre und worauf alle wissenschaftliche Erkenntnis als subjektunabhängige Referenzbasis wissenschaftlicher Aussagen zurückgeführt werden könnte - aber sofern und soweit es Gegenstände (für wissenschaftliche Erfahrung) gibt, verdanken sich diese bereits einem Akt vorwissenschaftlicher Erfahrung, in welchem sie konstituiert werden. Es ist der Grundirrtum der Positivisten anzunehmen, es gäbe "geist"-freie (vorstellungsunabhängige) Gegenstände als Referenz wissenschaftlicher Forschung wie die Positivisten meinen (dies betrifft auch für die Qualia-Diskussion): die Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung sind auch die Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung. Die Referenzbasis aller beinharten wissenschaftlichen Forschung liegt nicht subjektunabhängig vor, sondern ist bereits ein Produkt menschlichen Verstehens/Erkennens.


ist das nur als allgemeines geplauder über dein lieblingsthema zu verstehen oder hat das irgendeinen konkreten themenbezug, gar textbezug hier im Thread oder bei dennett? (letzteres eher unwahrscheinlich, ich weiss, du liest ja lieber die rezensionen um dir ein urteil zu bilden. belegen tun die aber nichts, jedenfalls nichts über dennett. ich bin sicher, das hat was mit der unhintergehbaren subjektabhängigkeit zu tun.
übrigens ist das soweit immer klar gewesen. bringt nur nichts)

gruss
mark
Zitat:
Original von Verena
Zitat:
Original von Schneemann
... Einstein eine naive Religiosität unterstellen kann man nun wirklich nur wenn man sich noch nichtmal oberflächlich mit dem Thema beschäftigt hat. ...

Religiosität ist mE zwangsläufig immer naiv (dh letztlich nicht theoretisch-wissenschaftlich begründbar wie zB manche theologische Auffassungen), insofern hat der Autor hier recht, denn soviel ich weiß, war Einstein kein Theologe, auch wenn er "wusste", dass Gott nicht würfelt. großes Grinsen


wenn religiösität zwangsläufig naiv ist, dann ist es ja völlig unerheblich, ob er theologe war oder nicht... nunja
mark
Zitat:
Original von Verena
Hier übrigens eine ziemlich ausführliche Rezension von Dennetts Buch:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/684007/


Nachdem ich übrigens jetzt einige Rezensionen zu dem Buch gelesen habe, würde ich Dennett durchaus unter den Begriff "beinharter Positivist" subsumieren. großes Grinsen

bemerkenswerte begründung, muss man schon sagen.
Zitat:

Mal eine Preisfrage zum Mary-Gedankenexperiment:
Glaubt ihr, daß die farbenblinde Wissenschaftlerin Mary, unmittelbar nachdem sie Farben sehen kann (dh ohne weitere Lernprozesse), die Begriffe rot, grün, blau, gelb, usw. richtig den entsprechenden Farben zuordnen kann?

Eine anderes Gedankenexperiment von Thomas Reid (Philosoph und katholischer Theologe, 1710 - 1796), das auch in diese Richtung geht:
A Man, being born blind, and having a Globe and a Cube, nigh of the same bignes, Committed into his Hands, and being taught or Told, which is Called the Globe, and which the Cube, so as easily to distinguish them by his Touch or Feeling: Then both being taken from Him, and Laid on a Table, Let us suppose his Sight Restored to Him; Whether he Could, by his Sight, and before he touch them, know which is the Globe and which the Cube?

selbstverständlich.
Zitat:

Or Whether he Could know by his Sight, before he stretchd out his Hand, whether he Could not Reach them, tho they were Removed 20 or 1000 feet from him?

selbstverständlich.

zwangsläufig ist das aber nicht.

gruss
eliskases
Zitat:
Original von mark
Zitat:
Original von Verena

Es ist immer wieder derselbe Grundirrtum, dem "beinharte" Positivisten (ob sie sich nun Empiristen, Realisten, Materialisten oder sonstwie nennen) unterliegen:
Sie meinen wissenschaftliche Forschung, wissenschaftliches Erkennen, würde sich auf einen Gegenstand beziehen können, der unabhängig von allem Erkennen/Verstehen vorliegen würde (hier die Gegenstände der Neurobiologie: das Gehirn, ZNS, Neuronen, Synapsen usw ...), als subjektunabhängige Referenz für den wissenschaftlichen Zugang vorhanden wäre und worauf alle wissenschaftliche Erkenntnis als subjektunabhängige Referenzbasis wissenschaftlicher Aussagen zurückgeführt werden könnte - aber sofern und soweit es Gegenstände (für wissenschaftliche Erfahrung) gibt, verdanken sich diese bereits einem Akt vorwissenschaftlicher Erfahrung, in welchem sie konstituiert werden. Es ist der Grundirrtum der Positivisten anzunehmen, es gäbe "geist"-freie (vorstellungsunabhängige) Gegenstände als Referenz wissenschaftlicher Forschung wie die Positivisten meinen (dies betrifft auch für die Qualia-Diskussion): die Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung sind auch die Bedingungen der Möglichkeit der Gegenstände der Erfahrung. Die Referenzbasis aller beinharten wissenschaftlichen Forschung liegt nicht subjektunabhängig vor, sondern ist bereits ein Produkt menschlichen Verstehens/Erkennens.


ist das nur als allgemeines geplauder über dein lieblingsthema zu verstehen oder hat das irgendeinen konkreten themenbezug, gar textbezug hier im Thread oder bei dennett?

Der Themensbezug ist ja wohl klar. verena kritisiert, dass Dennett nicht seine eigenen subjektabhängigen Grundlagen reflektiert bzw. die desjenigen Forschers, der im Sinne Dennetts versucht, die 1. Personperspektive empirisch zu fassen. Ein Textbezug ist in diesem Falle kaum möglich, weil verenas Kritik die von Dennett selbst nicht genannten, eigenen Voraussetzungen seiner Aussagen meint.
Zitat:
Original von mark
(letzteres eher unwahrscheinlich, ich weiss, du liest ja lieber die rezensionen um dir ein urteil zu bilden. belegen tun die aber nichts, jedenfalls nichts über dennett. ich bin sicher, das hat was mit der unhintergehbaren subjektabhängigkeit zu tun.
übrigens ist das soweit immer klar gewesen. bringt nur nichts)

Wenn es "soweit immer klar ist", warum benennt dann Dennett seine subjektabhängigen und transzendentalen Voraussetzungen nicht? Lass mich raten: weil er es nicht möchte (denn, dass er es nicht könnte, will ich gar nicht glauben).
Oh, was diese transzendentalen Grundlagen sind? Na z.B. der schlichte Umstand, dass er immer schon in einem Verstehenszusammenhang argumentiert und sich damit in einem hermeneutischen Zirkel bewegt, wie jeder Mensch, der irgendetwas zu verstehen versucht, das an Sprache gebunden ist (und viele weitere subjektabhängige Erkenntnisprämissen, auf die er immer schon referiert, bevor er auch nur eine einzige Aussage gemacht hat).
Aber gut, Schwamm drüber. Auch die von schneemann verlinkte, sehr gute Rezension macht ja deutlich, wo die Dennettschen Schwachpunkte (in Abrenzung von seinen guten Argumenten) genau liegen.
Überhaupt ist diese Interpretation von Dennetts Buch doch hinreichend geeignet, dessen Stärken und Schwächen recht deutlich zu machen. Wie es sich für eine gute Rezension gehört, kann man sich die Lektüre des Quellentextes praktisch sparen. Sie nimmt eine Metaebene ein, die den Text Dennetts unter eine kritische Lupe nimmt. Und das macht diese Rezension in meinen Augen recht gut.

Die Naivität eingeschränkt verstandener, empirisch-funktionalistischer Argumentationen liegt ja bekanntermaßen darin, dass sie an einem gewissen Punkt behauptet, bestimmte Probleme existierten schlicht nicht, obwohl Teile der Forschergemeinschaft recht präzise angeben kann, worin das Problem exakt besteht. Z.B. wie das Verhältnis subjektiver Erlebnisqualitäten mit ihrer hirnphysiologischen Represäntation verstanden werden muss. Hier zu behaupten, die andere Seite würde eine Immunisierungsstrategie fahren ist schon recht dreist. Aber rhetorisches Klappern gehört bekanntlich zum intellektuellen Handwerk.
Auch der von Gilbert Ryle in "Concept of mind" konsequent umgesetzte sprachtherapeutische Ansatz Wittgensteins stört sich keineswegs daran, dass das "Problem des Geistes in der Maschine" philosophiehistorisch mit guten Argumenten munter weiter besteht, obwohl es dieses Problem nach der profunden, rylschen Analyse gar nicht mehr geben sollte. Es mag aber sein, dass es an der Einsichtsrestistenz und der Dummheit der übrigen Fachwissenschaftler liegt. Oh ja, wir leben in einer dummen, dummen Welt.
-Soso-
Offtopic, aber das muss mal eben sein:

@Verena

Quine ein beinharter Positivist, der Gegenstände einfach so als von uns unabhängig gegeben sieht? Wie war das noch: „To be is to be the value of a bound variable.“
carsten aus bochum
Hi Schneemann (und alle)

Zitat:
„mal ein paar Anmerkungen zum letzten Teil, den mark noch nicht auseinandergepflückt hat.“


Es ist schön, dass Du drauf eingehst, der wichtigste Teil des Buches in meinen Augen, wenn Du (oder sonst wer) mir konkreter nachweisen kannst wo meine etwaigen Fehler liegen, wäre ich Dir dankbar. Ich bin ausführlich auf Deinen Beitrag eingegangen, weil ich ihn wichtig finde, es wäre schön, wenn Du versuchst nachzuvollziehen was ich meinen könnte.

Zitat:
Zitat:
Original von carsten aus bochum
Der Einwand war nicht, ob RoboMary nicht Farben im Vorfeld berechnen, sondern erleben kann.


Nein, nach deinen eigenen Zitaten möchte Dennett nicht das Erleben untersuchen sondern folgendes...
Zitat:
Um sie zu veräppeln haben ein paar Spaßvögel aber nun eine Banane blau angemalt. Wird Mary überrascht sein? Kann sie den Betrug überhaupt bemerken?


„...und darauf ist Dennetts Antwort gerichtet. Er kann in seinen Ausführungen dabei auch wunderbar aufzeigen, dass die Qualia-Befürworter mit diesem Gedankenexperiment bezüglich der obigen Fragen tatsächlich nur auf die Intuition anspielen. Zumindest im englischen Original zeigt er die Schwächen dieses Gedankenexperiments sehr gut auf und kann die Stellen im Gedankenexperiment benennen die zumeist schnell überlesen werden in denen aber in der Annahme bereits das Ergebnis des Gedankenexperiments implizit enthalten ist. Der übliche Trick eben, es wird vorrausgesetzt was gezeigt werden soll.“


Ich wüßte nicht, warum das in der deutschen Übersetzung nicht möglich sein sollte, also werd‘ bitte konkret, dann kann ich ebenso antworten.
Das Kapitel 5 ist m.E. das Herzstück des Buches und Dennetts Gedanken hier sind allemal bedenkenswert.

Meine Kritik ist sicher etwas fragmentarisch dargestellt, aber bei wenig gutem Willen sollte es möglich sein zu begreifen, was ich kritisiere.
Wenn es daran ernsthaft etwas auszusetzen gibt, was nicht auf dem Reflex beruht, weil es carsten aus bochum geschrieben hat, werde ich gerne darauf eingehen, wenn meine Kritik zu fragmentiert ist, so das u.U. nicht klar wird, was ich überhaupt meine, bin ich gerne bereit, dass noch einmal genauer, gründlicher und zusammenhängender zu beschreiben, da ich genau weiß, was ich meine.

Nach meiner Einschätzung sollte das zwar jetzt schon gelingen, aber wie gesagt, wenn meine Kritik unverständlich ist, formuliere ich neu.

Zitat:
„Alles das was du in deinen länglichen Ausführungen zum "Erleben" bringst trifft nicht die Argumentation von Dennett. Möglicherweise, wie schon in einem anderen Thread festgestellt, hast du einfach eine andere Definition von Qualia.“


Dennett selbst hat ja explizit keine und seine Kritik lautet, dass andere Philosophen, die mit Qualia argumentieren eigentlich gar nicht wissen, was sie da benutzen, insofern ist es die Frage, inwiefern man sagen kann, ich hätte eine andere Definition. Als Dennett? Wie lautet denn seine? Als „die Philosophen“? Die sollen ja gar keine besitzen. Beschreiben tut Dennett Qualia als Plural von Qualität, was das Problem lediglich verlagern würde, wenn man es als Definition bezeichnete.


Zitat:
„Dein Einwand dass Dennett selbst auch nicht mehr liefern kann als ein Anspielen auf die Intuition ist eine ziemlich schwache Ausflucht, denn mehr ist auch nicht nötig.“


Ich weiß, dass er das meint, aber andere meinen etwas anderes und wem sollen wir nun glauben?
Wenn wir keine Münze werfen wollen, müssen Argumente her. Dennett sagt, man brauche all den inneren Kram nicht, da er vollständig durch Verhalten und Funktionen zu beschreiben wäre, so dass kein Geheimnis am Ende übrig bleibt, wenn man nur vollständig genug beschreibt. Ich bezweifle dass und begründe es unten noch einmal.

Zitat:
„Wenn Dennett überzeugend darstellen kann das dieses Gedankenexperiment auch so formuliert werden kann dass es nicht mehr intuitiv richtig klingt, dann ist es zu nichts mehr nütze. Von ihm Beweise für die Nicht-Existenz von irgendwas zu fordern ist unsinnig. Alles was eine wissenschaftliche Erklärung des Bewusstseins leisten kann ist es so Dinge wie Qualia überflüssig zu machen, aber niemals deren Widerlegung. Philosophisch gehört zu einer brauchbaren wissenschaftlichen Erklärung des Bewusstseins eben auch solche Pro-Qualia Gedankenexperimente zu entschärfen, was Dennett mE recht gut gelingt.“


Ich zeige eigentlich, dass ihm genau das nicht gelingt.
Wenn Du anderer Meinung bist, sag‘ mir was an meinem Gedankengang oder an den Grundannahmen falsch ist.


Zitat:
Zitat:

Daniel Dennett will uns einfach vormachen, dass der Mensch nie mehr ist, als seine momentanen Körperzustände und das auch Erinnerungen nur momentane Zustände sind. (Sein Postulat von Beginn an.)
Exakt so weit waren wir aber mit der Philosophie von Descartes auch schon, wie eliskases in meiner letzten unvollendeten „geleiteten Diskussion“ dargestellt hat (Interessierte mögen bitte dort nachlesen).
Mit Descartes Philosophie kommt man so weit, dass man sagen kann, dass man jetzt gerade ein denkendes Bewusstsein ist, das ist m.E. nicht vernünftigerweise zu bezweifeln.
Dennett bezeichnet das aber als Theater und mag diesen Ansatz offenbar nicht.


„Mit Theater meinst du wohl "Descarts Theatre", einem der Lieblingsbegriffe von Dennett? Da scheinst du mir leider wieder an Dennett vorbeizureden. Mit dem Begriff meint Dennett die Annahme von Descarte es gäbe einen zentralen Beobachter im Hirn, dem das Erleben wie einem "Theaterpublikum" vorgespielt würde. Also ein bewusstes grünes Männchen im Hirn dass uns steuert (die Zwirbeldrüse oder ähnliches). Diese Annahme ist absurd, sie erklärt überhaupt nichts, bzw. sie erklärt das zu Erklärende mit sich selbst, wie mark schön ausgeführt hat und sie führt auf einen unsinnigen Dualismus.“


Mit dem Dualismus in der klassischen Form ist niemand zufrieden, aber wenn der Versuch ihn zu korrigieren ungenügend ist, muss man das anmerken dürfen. Die Idee eines Männchens im Hirn vertritt in dieser naiven Art niemand.
Ich bin allerdings zunehmend unsicher, ob nicht am Ende doch etwas herauskommen wird, das uns vorschnell als Dualismus erscheinen könnte.
Der (materielle) Monismus von unten führt m.E. zu Problemen in den Bereichen Sinnfindung, Ethik, Spiritualität und vielem was dann als schlicht verzichtbarer Luxusartikel erscheint, aber einer ist, der vielen Menschen sehr viel bedeutet.
Der (geistig-spirituelle) Monismus von oben kann hier manch Lücke schließen wird aber extrem ungenau in der Erklärung naturwissenschaftlicher Zusammenhänge.
Wilber hat den anspruchsvollen Versuch gewagt beides in eine Theorie zu packen und ist daran gescheitert.
Vielleicht muss man ganz anders denken, irgendwer wird es schon herausfinden.

Für die Ideen bspw. des Konstruktivismus habe ich viel übrig, aber ich bin nicht bereit so zu tun, als wenn die Lösung der Probleme dieses Ansatzes darin bestünden, einfach nur wegzuschauen.
Wie und durch was behalten neu emergierte Dinge, Konstrukte, Holons... ihre Form bei, so dass etwas herauskommt, das Wilber „kosmische Gewohnheiten“ nennt?
Die Antwort, dass es sich halt so bewährt hat, ist schwierig, weil sie die Frage nach sich zieht, wie man dass in Bereichen wie Kristallbildung, soziale Ordnungen im Wolfsrudel, Entstehung des Dramas und Wirtschaftstheorie denn in Deckung bringen will und wer das im Einzelfall entscheidet.
Die Naturgesetze oder die teilnehmenden Lebewesen?
Meine starke Skepsis, dass es je eine quantenphysikalische Erklräung des Bewusstseins geben wird, wird ja von Dennett ausdrücklich geteilt.
Was ich mich nur frage ist, ob nicht eben dadurch jene unterschiedlichen Ebenen entstehen, von denen einige denken, dass es sie gibt und die auf einer Ebene der Biologie einfach neue und andere Gesetze zur Physik hinzukommen lassen, die wir physikalisch niemals finden werden. Liest man Dennett ist es schwer dagegen zu argumentieren, d.h. Dennett scheint das auch zu glauben.

Ich sage nun einfach, dass Dennett damit recht hat, aber falsch liegt, wenn er seinerseits das Bewusstseinsphänomen allein auf biologische Mechanismen reduzieren will.
Dass es unbestrittene Zusammenhänge gibt sei hier nicht geleugnet.

Zitat:
„ Dies Aufzuzeigen ist in der Tat nicht schwierig und auch nicht neu. Die Kunst Dennetts besteht nun vielmehr darin die für uns alle so intuitive Annahme eines zentralen Beobachters im Hirn (das Theater) für viele unsere Verständnisprobleme im Hinblick auf das Bewusstsein ursächlich zu machen und es durch ein Alternativmodell zu ersetzen. Sein Alternativmodell, das Multiple-Drafts modell, umgeht diese Probleme und kennt keinen zentralen Beobachter und führt auch nicht zum Dualismus.“


Das ist wahr, es führt zu einem Monismus von unten. Aber hier darf man die Frage stellen, ob dieser reduktive Monismus tatsächlich hält was er verspricht, nämlich das Phänomen 1.Person so umfassend zu betrachten, dass wir prinzipiell auf die Berichterstattung der 1.Person verzichten können.
Ich glaube, dass Dennett das nicht gelingt, bestenfalls sind Annäherungen möglich, weil meine Geschichte, meine Assoziationen usw. hochindividuell sind.
Sollte es je gelingen – ein wichtiger Punkt in meiner Kritik – dass irgendwer in der Lage sein wird sich mit technischen Hilfsmitteln (oder sonst wie) ganz und gar in mein Bewusstsein (oder ein anderes) zu versetzen, dann ist dieser Mensch in diesem Augenblick nicht mehr er selbst, sondern er ist ich (oder der, in dessen Bewusstsein er sich versetzt).
Dennetts Argument gewinnt dann an Kraft, wenn auch die persönliche Biographie nichts weiter wäre als momentaner Hirn- und Körperzustand, wenn also meine individuelle Vergangenheit gar nicht gebraucht würde und so zu simulieren wäre, dass sie jetzt so erscheint, als hätte ich eine bestimmte Geschichte hinter mir (auch wenn ich das gar nicht habe).
Ich weiß nicht ob das so ist, aber das würde Dennetts Argumente um einiges aufwerten.

Dann bliebe dennoch das Problem, dass auch die Summe meiner jetzigen Zustände eben mich ausmacht und wenn man etwas ähnliches in anderen evozieren kann, ist das eben etwas ähnliches – und nicht mehr. Würde es jemandem gelingen ganz und gar wie ich zu empfinden, dann wäre dieser Mensch in dem Moment Carsten.
Er wäre dann für eine gewisse Zeit nicht Dennett oder Schneemann oder sonst wer, sondern Carsten.
Hätten Dennett oder Schneemann denn eigentlich eine Erinnerung daran, wie ist wäre Carsten zu sein?
Nein, denn dazu müssten sie Dennett oder Schneemann sein und gleichzeitig Carsten. Dann würden sie aber nicht empfinden wie Carsten, sondern wie Dennett oder Schneemann, der Zeuge wird, wie Carsten empfindet, was wiederum nicht das ist, wie Carsten empfindet.

Genauer:
Wenn Du Dennetts Buch anders liest als ich das tue und etwas das Gefühl hast, dass da endlich mal jemand den Bewusstseinsfuzzies zeigt, was eine Hake ist, dann müsste dieser Gedanke, wenn Du das Buch als Carsten liest vollständig weg sein und Du hättest das Gefühl, dass Dennett nichts sonderlich Gewichtiges vorzubringen hat.
Wenn Du die Intuition hast, Du würdest Dich als Schneemann in Carsten versetzen können und dann Carsten beim denken beobachten können und einerseits empfinden wie Carsten, der Dennett unüberzeugend findet, anderseits empfindest, dass Carsten, der Trottel, ja mal wieder nichts begriffen hat, dann mag das technisch gehen – oder auch nicht – aber wenn es geht, bist Du weiterhin Schneemann, der eine gewisse Annäherung an Carsten hat, dessen Gedanken ihm aber großenteils weiterhin wirr und fremd erscheinen müssen.
Du wärest also nicht ganz und gar Carsten und dass genau das möglich wäre, behauptet Dennett mit seiner RoboMary Analogie.


Zitat:
„In der Formulierung dieses Modells und seiner Anwendung auf Problemstellungen, wie zb dem Libet-Experiment, besteht mE eine der grossen Leistungen von Dennett. Schon seltsam dass man in deinen seitenweisen Ausführungen kein Wort zu Dennetts grossen Stichwörtern wie dem "Multiple-Drafts Modell" oder der "Virtual Machine" zu lesen bekommt...“


Sag‘ mir, was daran entscheidend ist.


Zitat:
Zitat:

Und wenn man irgendwann (noch ist es Science Fiction) mal das Erleben eines Menschen 1 zu 1 kopieren kann, dann ist man eben (wie oben gezeigt) dieser Mensch und nicht man selbst, mit allen Folgeschwierigkeiten auf die man kommen wird, wenn man näher drüber nachdenkt.


„Ich glaube nicht dass Dennett dem widersprechen würde. Kannst ja Zitate bringen die das belegen. Ich fürchte du definierst Qualia einfach in einem Sinne dem Dennett nicht zustimmen würde.“


Das kann kein Argument sein, denn Dennett behauptet nicht die Definitionshoheit über den Begriff Qualia zu haben, sondern dass es Unsinn ist von Qualia zu reden, weil nichts übrig bleibt, worüber zu reden sich lohnt (außer Funktionen).


Zitat:
Zitat:

„Der Dritte-Person-Zugang steht nicht im Widerspruch zu den subjektiven Nuancen der Erfahrung, und er ist auch nicht unbedingt darauf aus, sie zu ignorieren. Er beharrt einfach darauf, dass diese subjektiven Nuancen in irgend etwas verankert sein müssen – wirklich in irgedn etwas -, das in wiederholbaren Experimenten ausfindig gemacht und bestätigt werden kann.“ (S.168 )

Wilber beschreibt sowas ja oben. Aber warum muss es ums Verrecken ein materielles Korrelat dazu sein, vielleicht ist das ja nur eine künstliche Einschränkung?

„Warum es ein materielles Korrelat sein muss, darauf gibt Dennett auch Antwort. Zum einen macht er durch seine Ansätzr zur Erklärung des Bewusstseins auf wissenschaftlicher Basis die "nicht-materiellen" Postulate schlicht überflüssig.“


Das behauptet er, ja.
Nicht-materielle Postulate, wären das Über-Ich, Moral, Ich-Identität und ihre stufenweise Abfolge...
Es scheint sie zu geben und ich kenne bislang keine rein auf materiellen (und energetischen) Zusammenhängen beruhende Erklärungen für das Über-Ich oder moralische Entwicklung, dass diese respektieren und gleichwertig ersetzen würde, Du?


Zitat:
Zitat:

„Ich habe keinen Zugang zu dieser, mein Innenleben betreffenden Tatsache über die Arbeitsweise meines Geistes.“ (S.184)
Na und? Ich bräuchte noch nicht mal zu wissen, dass ich überhaupt ein Gehirn habe, wenn es darum ginge, zu prüfen, ob ich bewusst bin.


„And what? Dennett interessiert sich nicht für die Frage OB wir bewusst sind (gibt es noch etwas trivialeres?) sondern WIE das Bewusstsein funktioniert.“


Das ist in Ordnung, aber eine andere Frage.

Zitat:
„Und da wir selbst tatsaechlichen keinen voelligen Zugang dazu haben wie unser Bewusstsein funktioniert, kann der eigenen Intuition auch nicht 100% vertraut werden bei Fragen die dieses WIE betreffen.“


Wie kommt man denn überhaupt auf die Idee bewusst zu sein und also Bewusstsein untersuchen zu wollen, wenn man nicht irgendwie die Intution hat, es zu sein?
Bei der Antwort an mark (die irgendwann kommt) gehe ich näher drauf ein.

Zitat:
Zitat:
Aber es geht nicht darum, was unter meiner Schädeldecke für Entladungen stattfinden, sondern wie für mich süß, verliebt sein, Musik von Bach oder Juckreiz ist.

„Es geht darum ob man diese Dinge mithilfe der Vorgänge unter der Schädeldecke erklären kann oder nicht. Dennett liefert erste Ansätze und Vorüberlegungen wie dies gelingen könnte. Und er zeigt die Schwächen in der Argumentation derer auf die meinen es könne prinizpiell nicht gelingen.“


Und ich die Schwächen seiner Argumentation, bis man mich vom Gegenteil überzeugt hat.


Zitat:
Zitat:
Er stellt es erneut so dar, als müssten diese intrinsischen Bereiche irgendwie frei von Ursachen und Erklärungen bleiben, um richtig intrinsisch zu sein. So, als würde es allein darum gehen, möglichst etwas zu finden, was undefinierbar und das gerade daraus seine Berechtigung zu beziehen scheint, dass man nichts darüber aussagen kann.

„Und damit hat er auch völlig recht. Wer meint es gäbe an der Qualia Elemente die einer kausalen wissenschaftlichen Erklärung prinzipiell nicht zugänglich wären der endet zwangsweise bei einem ursachenfreien Epiphänomenalismus. Dass sich viele der Qualia-Befürworter dieser Konsequenz nicht bewusst sind kritisiert Dennett zurecht. (Bei deiner abweichenden Qualia-Deinfition mag sich das alles anders darstellen).“


Mag ja sein, aber damit wiederholst Du nur, was Dennett auch schon behauptet.
Ich habe versucht Belege dafür zu finden, warum das falsch ist, wo also ist mein Denkfehler bei diesem Überlegungen?


Zitat:
Zitat:
Sein Ansatz der Heterophänomenologie ist in meinen Augen nichts besonderes, sondern seit Jahrzehnten gängige Praxis und mir ist nicht ganz klar an wen er sich da eigentlich wendet.

„Es ist doch klar an wen er sich wendet. An all diejenigen die ihm sonst immer vorwerfen er wäre nur ein Schädelvermesser der das Wichtigste, nämlich das Subjekt, übergehen würde. Wenn du es genauso siehst dann ists doch gut. Mir ist schon klar dass du verzweifelt nach Kritikpunkten suchst.“


Also verzweilfelt bin ich keineswegs, meine Argumente stehen im Raum, im Grunde kann man sich alle anderen Kapitel schenken, wer mir (argumentativ) zeigt, dass es möglich ist, dass wir uns in die Gesamtheit aller momentanen Köper- und Hirnzustände des anderen hineinversetzen können und dadurch erleben, wie der andere erlebt und so dass wir dennoch wir selbst sind und das Erleben des anderen bezeugen können (jemand muss ja Beobachter bleiben, damit die 3.Person Perspektive gewahrt bleibt), dem fresse ich aus der Hand.

Zitat:
„Wenn du nun keinen Ansatzpunkt findest und seiner Meinung bist, dann wirfst du ihm eben einfach schnell Unorginalität vor, hauptsache, du hast was geschrieben...“


Also ich habe nun klare Ansatzpunkte gefunden und oben noch einmal wiederholt.
Ich bin offen dafür, dass ich da haufenweise Denkfehler drin habe. Aber das ich nur so daherschreibe um was zu schreiben muss ich entscheiden zurückweisen.

Am ehesten habe ich eine Ahnung, dass hier

Zitat:
„Hätten Dennett oder Schneemann denn eigentlich eine Erinnerung daran, wie ist wäre Carsten zu sein?
Nein, denn dazu müssten sie Dennett oder Schneemann sein und gleichzeitig Carsten.“


eine Schwachstelle in meiner Argumentation ist. Vielleicht kann man kurz wie Carsten empfinden und die Erinnerung daran irgendwie wach halten und ich wäre dankbar für Hinweise, was ich da eventuell falsch denke.
Dennetts These in Kapitel 5 ist ja, dass die inneren Empfindungen, durch die Erfassung der Gesamtheit aller Hirn- und Körperzustände soweit analysierbar sein könnte, dass man sie dereinst irgendwie technisch umsetzen und dadurch jemand anderem zugänglich machen könnte.

Meine Kritik war,
1) dass das Gehirn so individuell ist, dass Duplikate schwer vorstellbar sind.
2) dass, wenn es gelingt man eben jemand anderes ist und nicht mehr man selbst.
3) dass wenn man Hirne künstlich ummodellieren könnte, so dass man willkürlich zwischen dem Geamtzustand Schneemann und Carsten hin- und herswitchen könnte, dennoch die Erinnerung an den jeweils andere Zustand nicht mitgenommen werden kann, denn man bekommt ja ein jeweils anderes Gehirn/Bewusstsein.
4) dass eine gleichzeitige Empfindung wie es ist Carsten zu sein, aus der Sicht Schneemann eben doch etwas anderes ist, als Carsten zu sein.


Von der tatsächlichen Machbarkeit einmal ganz abgesehen.


Gruß,

Carsten
mark
Zitat:
Original von eliskases
Wie es sich für eine gute Rezension gehört, kann man sich die Lektüre des Quellentextes praktisch sparen. Sie nimmt eine Metaebene ein, die den Text Dennetts unter eine kritische Lupe nimmt. Und das macht diese Rezension in meinen Augen recht gut.

du bist schon ein renner. einerseits auf der trivialität herumreitend, dass eine bschreibung nicht das erlebnis ersetzt(was schlicht an der grammatik liegt und nicht dfas geringste mit einem erlebnis zu tun hat im gegensatz zu einem stein oder einem baum oder irgendeinem anderen objekt der beobachtung, sei es nun wissenscahftlich oder nicht), andererseits aber die sekundärliteratur für ausreichend halten. Gut !
ich glaub ich lass mir auch lieber von deinen beiträgen berichten als sie selbst lesen zu müssen. das letzte mal als ich im original nachgelesen hab was du drüber behauptet hast hat sich das auch als klare falschaussage erwiesen(textbeleg lag bei).

gruss
Schneemann
Grüezi Carsten,

aus Zeitmangel möchte ich zwar nicht allzu ausführlich aber dennoch kurz auf deine Punkte eingehen.

Zitat:
Original von carsten aus bochum
Dennett selbst hat ja explizit keine und seine Kritik lautet, dass andere Philosophen, die mit Qualia argumentieren eigentlich gar nicht wissen, was sie da benutzen, insofern ist es die Frage, inwiefern man sagen kann, ich hätte eine andere Definition. Als Dennett? Wie lautet denn seine? Als „die Philosophen“? Die sollen ja gar keine besitzen. Beschreiben tut Dennett Qualia als Plural von Qualität, was das Problem lediglich verlagern würde, wenn man es als Definition bezeichnete.

Ja, eines der Probleme bei der ganzen Qualia-Diskussion ist dass es keine Definitionen gibt und jeder damit was anderes meint. Aus meinen Erfahrungen in diesem Forum folgere ich aber dass du in etwa folgende Auffassung vertrittst

There is, of course, something missing from our theories about sight and other senses, but it is not a further bit of explanation or some additional data – it is simply the reality of actually seeing a light. Even the most comprehensive theoretical account of light does not, itself, contain real light, ...

Diesen Auszug (er stammt von hier ) habe ich dir an anderer Stelle bereitsmal gepostet. Du beziehst dich wenn es um die Qualia geht immer aufs Erleben des "Carsten-Sein". Du meinst es sei unmöglich das Erleben eines anderen Menschen identisch nachzuerleben. Diesen Zusammenhang definierst du dann für dich als das Qualia-Problem.

Das Zitat von oben geht aber noch weiter und ich schliesse mich diesem an.

Even the most comprehensive theoretical account of light does not, itself, contain real light, ... and when we put it like that it’s obvious that we shouldn’t expect it to.

Es ist offensichtlich dass eine wissenschaftliche Erklärung deines Bewusstseins nicht identisch ist mit der Realität (der physischen Konstellation) Carsten zu sein (mistamt den codierten Gedächtnisinformationen). Das was du also als das Qualia-Problem ansiehst ist für mich nicht wirklich ein Problem. Ich denke die meisten meinen auch nicht diesen Aspekt wenn sie von Qualia sprechen, falls doch, dann stellen sie wohl nur die oben beschriebene Trivialität fest, die für alle wissenschaftliche Untersuchungen und nicht nur speziell das Bewusstsein gilt (Kurz: Der Untersucher ist nicht identisch mit dem Untersuchungsobjekt).

Ich hab Dennett leider gerade nicht zur Hand, aber ich meine mich zu erinnern dass Dennett auch direkt zugesteht, dass Mary "in diesem Sinne" ein neues Erlebnis hat wenn sie die Farben sieht. DAS ist aber nicht die Qualia die zur Diskussion steht, zumindest nicht für mich.
Das Mary-Experiment zieht viel eher darauf ab, dass Mary irgendeine neue Information über Farben erhalten würde.
Zitat:
Dennett, von Carsten zitiert
Wird Mary überrascht sein? Kann sie den Betrug überhaupt bemerken?

Dennett fragt nicht nach einem neuen Erleben, sondern ob Mary denn Betrug irgendwie bemerken könnte. Darauf gingst du in deiner Kritik nicht ein sondern schreibst ganz einfach:
Zitat:
Carsten
Der Einwand war nicht, ob RoboMary nicht Farben im Vorfeld berechnen, sondern erleben kann.

Und damit liegst du eben meiner Meinung nach daneben, du stülpst Dennett deine (für mich nicht brauchbare) Qualia-Definition über.

Zitat:

Zitat:
„Dein Einwand dass Dennett selbst auch nicht mehr liefern kann als ein Anspielen auf die Intuition ist eine ziemlich schwache Ausflucht, denn mehr ist auch nicht nötig.“


Ich weiß, dass er das meint, aber andere meinen etwas anderes und wem sollen wir nun glauben?

Du, wie auch manche Kritiken, stellst es gerne als Glaubensfrage dar. Die eine Seite sagt dies, die andere das, also ist beides gleichwertig. So geht Dennett aber nicht vor, er stellt nicht seine Behauptung gegen die der andern. Er präsentiert einen rudimentären Ansatz zur wissenschaftlichen Beschreibung des Bewusstseins. Folgt man diesem Ansatz, so wird die Qualia schlicht unnötig und überflüssig, ein leichtes Opfer für das Rasiermesser, weil es eine einfachere Theorie gibt. Die Beweislast wird also auf diejenigen gelegt die behaupten es gäbe eine übernatürliche Qualia. Von deiner dargestellten Symmetrie kann also keine Rede mehr sein. Wenn du Dennett angreifen willst, dann musst du seinen Ansatz zur wissenschaftlichen Beschreibung des Bewusstseins angreifen und kannst dich nicht auf die Gleichwertigkeit der Pro- und Contra-Qualia Argumente berufen.

Zitat:

Mit dem Dualismus in der klassischen Form ist niemand zufrieden, aber wenn der Versuch ihn zu korrigieren ungenügend ist, muss man das anmerken dürfen. Die Idee eines Männchens im Hirn vertritt in dieser naiven Art niemand.

Doch, die Idee eines zentralen Beobachters im Hirn ist höchst wahrscheinlich sogar die vorherrschende Vorstellung. Das Bild vom grünen Männchen mit Steuerfäden in der Hand ist natürlich zugespitzt um die Absurdität dieses so intuitiven Gedankens zu verdeutlichen. Mich kosten die Ideen von Dennett durchaus immer wieder Ueberwindung, nämlich zu versuchen sein Ich räumlich und zeitlich verstreut über das ganze Hirn zu denken, wie es der Multiple-Drafts Ansatz erfordert.

Zitat:

Der (materielle) Monismus von unten führt m.E. zu Problemen in den Bereichen Sinnfindung, Ethik, Spiritualität und vielem was dann als schlicht verzichtbarer Luxusartikel erscheint, aber einer ist, der vielen Menschen sehr viel bedeutet.

Das ist mE völlig unbegründbar. Wenn dich dieser Punkt im Speziellen interessiert (was mir schon öfters aufgefallen ist), dann solltest du besser ein anderes Buch von Dennett lesen. In "Darwin's Dangerous Idea: Evolution and the Meanings of Life" macht Dennett nämlich nicht viel mehr als den gesamten Weg von den Anfängen der Welt bis zum Bereich der Sinnfindung in einem Bottum-Up Ansatz möglichst lückenlos darszustellen. Das Buch zielt wohl vor allem auf die Kreationisten ab, die Probleme damit haben die Entstehung des Menschen aber auch von Kultur und Sinngebung ohne eine Designer vorstellen zu können.

Zitat:

Was ich mich nur frage ist, ob nicht eben dadurch jene unterschiedlichen Ebenen entstehen, von denen einige denken, dass es sie gibt und die auf einer Ebene der Biologie einfach neue und andere Gesetze zur Physik hinzukommen lassen, die wir physikalisch niemals finden werden. Liest man Dennett ist es schwer dagegen zu argumentieren, d.h. Dennett scheint das auch zu glauben.

Was soll "physikalisch niemals finden" denn bedeuten? Die Gesetze die fürs Bewusstsein entscheidend sind, sind keine grundlegenden physikalischen Gesetze, ja, was aber nicht bedeutet sie wären nicht prinzipiell reduzierbar auf ebensolche. Der Zitronensäure-Zyklus in der Biologie ist auch kein physikalisches Gesetz, beruht aber dennoch letzten Endes auf den elementaren (physikalischen) Grundgesetzen.
Sicherlich wird es andere und neue "Gesetze" brauchen, eben auf viel höheren Ebenen als der Quantenphysik um das Bewusstsein zu beschreiben. Aber dass diese "Gesetze" ausserhalb der Natur und der Kausalität liegen könnten (nichts anderes bedeutet deine Forderung) ist weder sinnvoll anzunehmen noch irgendwie begründbar.

Zitat:

Das ist wahr, es führt zu einem Monismus von unten. Aber hier darf man die Frage stellen, ob dieser reduktive Monismus tatsächlich hält was er verspricht, nämlich das Phänomen 1.Person so umfassend zu betrachten, dass wir prinzipiell auf die Berichterstattung der 1.Person verzichten können.

Aber wer behauptet denn so etwas überhaupt? Ich habe manchmal das Gefühl du verwechselst die reduktionistische Methode mit einer Art Berechenbarkeit, die es natürlich nicht gibt.

Zitat:

Sollte es je gelingen – ein wichtiger Punkt in meiner Kritik – dass irgendwer in der Lage sein wird sich mit technischen Hilfsmitteln (oder sonst wie) ganz und gar in mein Bewusstsein (oder ein anderes) zu versetzen, dann ist dieser Mensch in diesem Augenblick nicht mehr er selbst, sondern er ist ich (oder der, in dessen Bewusstsein er sich versetzt).

Ich widerspreche dir da nicht. Nur, wo hat das Dennett denn je anders behauptet? Du kämpfst wieder gegen deine eigene Qualia-Definition an.

Zitat:

Genauer:
...
Du wärest also nicht ganz und gar Carsten und dass genau das möglich wäre, behauptet Dennett mit seiner RoboMary Analogie.

Das sehe ich ganz anders. Das ist nur was du meinst Dennet würde es behaupten. Ich glaube viel eher dass du komplett an Dennett vorbeiredest.

Zitat:

Zitat:
„In der Formulierung dieses Modells und seiner Anwendung auf Problemstellungen, wie zb dem Libet-Experiment, besteht mE eine der grossen Leistungen von Dennett. Schon seltsam dass man in deinen seitenweisen Ausführungen kein Wort zu Dennetts grossen Stichwörtern wie dem "Multiple-Drafts Modell" oder der "Virtual Machine" zu lesen bekommt...“

Sag‘ mir, was daran entscheidend ist.

Nö, keine Lust. Ich mache keine Zusammenfassung von hundert Seiten Buch. Ich glaube auch nicht dass dich das WIE des Bewusstseins wirklich interessiert, weil das in deinen Augen wohl nur ein langweiliger mechanischer Ablauf ist. Ich will das nur für eventuelle Mitleser festhalten, sonst meint man noch Dennett würde sich auf Wortgefechte mit Qualophilen beschränken.

Zitat:

Zitat:

„Warum es ein materielles Korrelat sein muss, darauf gibt Dennett auch Antwort. Zum einen macht er durch seine Ansätzr zur Erklärung des Bewusstseins auf wissenschaftlicher Basis die "nicht-materiellen" Postulate schlicht überflüssig.“


Das behauptet er, ja.
Nicht-materielle Postulate, wären das Über-Ich, Moral, Ich-Identität und ihre stufenweise Abfolge...

Da ist doch mark schon wunderbarst drauf eingegangen. Denett hält das alles was du aufzählst NICHT für nicht-materielle Postulate. Natürlich gibt es das alles, Dennett würde da nicht widersprechen. In meiner Welt gibts natürlich auch Moral und ein Ich, wie kann man da überhaupt was anderes denken. Du kämpfst gegen selbst errichtete Barrieren.
An was störst du dich, am "materiell" ? Dann nenns eben anders, dann besteht die Welt eben aus Holonen oder Materie-Geist-Teilchen von mir aus, sind doch nur Wörter. Das entscheidende ist nur, dass auf den Descartschen Dualismus verzichtet wird bzw. nicht irgendwelche Zusatzentitäten postuliert werden, wie es die Qualophilen fordern. Denn dafür gibts (wie gesagt) weder eine zwingenden Grund noch ein konsistentes Modell das nicht irgendwo ins Absurde abgleitet.

Zitat:

Meine Kritik war,
1) dass das Gehirn so individuell ist, dass Duplikate schwer vorstellbar sind.

Ich verstehe nicht was du damit sagen willst und noch weniger inwiefern das eine Kritik an Dennett sein soll.

Zitat:

2) dass, wenn es gelingt man eben jemand anderes ist und nicht mehr man selbst.

Das scheint mir als Tautologie immer wahr zu sein.

Zitat:

3) dass wenn man Hirne künstlich ummodellieren könnte, so dass man willkürlich zwischen dem Geamtzustand Schneemann und Carsten hin- und herswitchen könnte, dennoch die Erinnerung an den jeweils andere Zustand nicht mitgenommen werden kann, denn man bekommt ja ein jeweils anderes Gehirn/Bewusstsein.

Wenn man das Gehirn zerstört und neu aufbaut, dann ist da eine Diskontinuität im Ich-empfinden. Ja, das sehe ich auch so. Kritik an irgendwem kann ich nicht erkennen.

Zitat:

4) dass eine gleichzeitige Empfindung wie es ist Carsten zu sein, aus der Sicht Schneemann eben doch etwas anderes ist, als Carsten zu sein.

Irgendwie scheinen sich mir deine 4 Punkte zu überlappen. Aber egal, meine Antwort ist dieselbe wie die bei den anderen Punkten.

Gruss,
Schneemann
mark
Zitat:
Original von Schneemann
Du meinst es sei unmöglich das Erleben eines anderen Menschen identisch nachzuerleben. Diesen Zusammenhang definierst du dann für dich als das Qualia-Problem.

den eindruck muss man haben. lustigerweise ist das auch so. ist aber schlicht ne frage der grammatik, zwei und identisch geht eben nicht zusammen. das ist aber kein spezifikum der qualia sondern eine tautologie. man kann auch stein einsetzen oder jedes beliebige angeblich so geeignete objekt "wissenscahftlicher" beschreibung.

gruss
mark
Zitat:
Original von eliskases
Der Themensbezug ist ja wohl klar. verena kritisiert, dass Dennett nicht seine eigenen subjektabhängigen Grundlagen reflektiert

woran ist das denn erkennbar und warum sollte das notwendig sein, warum ist das kritikwürdig, an dieser stelle?
Zitat:

bzw. die desjenigen Forschers, der im Sinne Dennetts versucht, die 1. Personperspektive empirisch zu fassen.

ich glaube gar nicht, dass diese formulierung konsensfähig ist...
Zitat:

Ein Textbezug ist in diesem Falle kaum möglich, weil verenas Kritik die von Dennett selbst nicht genannten, eigenen Voraussetzungen seiner Aussagen meint.

klar ist da textbezug möglich. man kann keinen text anführen den es nicht gibt und es reicht natürlich zu sagen, er schreibt dies und das nirgends, hätte es aber müssen. letzteres kann man aber am text belegen.
und sekundäröiteratur reicht nicht dafür aus um sicher zu sein, was er geschriebn hat oder nicht, das ist mal sicher.
Zitat:

Wenn es "soweit immer klar ist", warum benennt dann Dennett seine subjektabhängigen und transzendentalen Voraussetzungen nicht? Lass mich raten: weil er es nicht möchte (denn, dass er es nicht könnte, will ich gar nicht glauben).

das beantwortet sich doch selbst. was lar ist schreibt man höchst selten explizit hin, oder?
Zitat:

Oh, was diese transzendentalen Grundlagen sind?
[quote]
sagte ich nicht gerade, dass das klar ist?
[quote]
Na z.B. der schlichte Umstand, dass er immer schon in einem Verstehenszusammenhang argumentiert und sich damit in einem hermeneutischen Zirkel bewegt, wie jeder Mensch, der irgendetwas zu verstehen versucht, das an Sprache gebunden ist

schön, das ist aber ungefähr so irrelevant hier wie dein mittagessen. deswegen stehts da vielleicht auch nicht drin, keine ahnung, komplett gelesen hab ichs nicht.
ich hab zwar auch rezensionen gelesen, das ist manchmal auch ganz interessant, was andere so dazu meinen. aber lustigerweise scheint sich hier, im unterforum "quellentexte", niemand gross um primärliteratur zu kümmern. passt aber ganz gut ins gesamtbild...
Zitat:

Die Naivität eingeschränkt verstandener, empirisch-funktionalistischer Argumentationen liegt ja bekanntermaßen darin, dass sie an einem gewissen Punkt behauptet, bestimmte Probleme existierten schlicht nicht, obwohl Teile der Forschergemeinschaft recht präzise angeben kann, worin das Problem exakt besteht.

das ist natürlich eine reine definition. bezug hätte es hier nur, wenn du dennett, textbelegt, solches nachweisen könntest.
und es ist einfach gerade der punkt des dissenzes, ob oder ob nicht recht präzise angegeben werden kann, wo das problem liegt.
im allgemeinen ist die lösung eines problems mit der exakten formulierung des problems auch schon gegeben weil fragen ihre antworten implizieren.
das ist die vorleistung die man für einen empirischen versuch bringen muss damit er auch einen sinn haben kann.
in dieser debatte werden aber einfach nur unmöglichkeiten behauptet. ist auch wurscht. die karawane zieht ja ohnehin weiter. und wie bei allen grossen errungenschaften der naturwissenscahften können die philosophen dann beleidigt sein, behaupten, sie hätten das ja schon immer gewusst oder doch an irgendwas rumnörgeln.
Zitat:

Z.B. wie das Verhältnis subjektiver Erlebnisqualitäten mit ihrer hirnphysiologischen Represäntation verstanden werden muss. Hier zu behaupten, die andere Seite würde eine Immunisierungsstrategie fahren ist schon recht dreist.

eigentlich ist das recht offensichtlich. weil es genau so gehandhabt wird wie schneemann das auch beschrieben hat. es geht letztlich dann immer nur noch um den unterschied zwischen einer beschreibung einer sache und der sache selbst. dass das nicht zusammenfallen kann ist selbstverständlich und hat nichts speziell mit erlebnisqualitäten zu tun. auch ein stein kann nicht so beschrieben werden dass die beschreibung den stein umfassend erstetzt, das ist logisch unmöglich vorstellbar.
Zitat:

Aber rhetorisches Klappern gehört bekanntlich zum intellektuellen Handwerk.

und das ist dann dein anteil an selbstreflektion, oder wie?
Zitat:

Auch der von Gilbert Ryle in "Concept of mind" konsequent umgesetzte sprachtherapeutische Ansatz Wittgensteins

wittgenstein hat einen therapeutischen ansatz?
Zitat:

stört sich keineswegs daran, dass das "Problem des Geistes in der Maschine" philosophiehistorisch mit guten Argumenten munter weiter besteht, obwohl es dieses Problem nach der profunden, rylschen Analyse gar nicht mehr geben sollte.

wie du siehst, ist gerade das der punkt der meinungsverschiedenheit. du sagst mein argument zieht, andere sagen, tuts eben nicht. es ist einigermassen sinnlos ein "doch" dann hier in dieser form als argument erscheinen lassen zu wollen.
Zitat:

Es mag aber sein, dass es an der Einsichtsrestistenz und der Dummheit der übrigen Fachwissenschaftler liegt. Oh ja, wir leben in einer dummen, dummen Welt.

tja, sicherlich, fragt sich nur, welcher teil der fachwelt...

gruss
mark
falls doch jemand an einer quelle zu dennetts meinung über das mary-dingens interssiert ist:

http://ase.tufts.edu/cogstud/papers/RoboMaryfinal.htm

vielleicht kann carsten ja sagen, ob das sogar die version aus seinem buch ist.


der erfinder:
http://members.aol.com/NeoNoetics/Mary.html

und sekundäres gibts in hülle und fülle, für die, die sich nicht mit primärem belasten wollen...

http://plato.stanford.edu/entries/qualia-knowledge/
http://plato.stanford.edu/entries/qualia/
http://de.wikipedia.org/wiki/Mary_%28Gedankenexperiment%29
.
.
.

gruss
carsten aus bochum
Hi mark,

Zitat:
also, (natur)wissenschaftlicher reduktionismus richtig verstanden 101:
das systemverhalten lässt sich vollständig auf das (zusammenwirkende(warum in klammer? weil es von reduktionisten immer mitgedacht wird. warum erwähnen? weil es von reduktionismusgegnern immer unterschlagen wird um emergenz gegen den reduktionismus zu wenden)verhalten der einzeleinheiten zurückführen! das heisst nicht, dass systemverhalten auf verhalten isolierter einzelkomponenten beschränkt wäre. das heisst nicht, dass es nicht mitunter sein kann, dass alle einzelkomponenten, welcher art sie auch seien, relevant sind für das verhalten des gesamtsystems. das heisst nicht, dass nicht systemgrössen zugeordnet werden könnten, die nicht direkt beobachtbar sind. das heisst nicht, dass das gesamtsystem nicht geeigent in relativ unabhängige hierarchische untersysteme unterteilt werden könnte. das heisst nicht, dass es tatsächlich eine unterste stufe geben müsste, tatsächliche elementarteilchen, elementarsätze oder dergleichen, eine unterste stufe wird genausowenig postuliert wie eine erste ursache mit dem kausalgesetzt postuliert werden muss. das heisst nicht, dass es notwendig oder auch nur sinnvoll wäre für "erklärungen" immer noch eine stufe runter zu gehen.

was sagt uns das? genau wie dennett sagt und wie er es auch meint sind bewusstseinsschaffende zustände nicht im bereich von quanteneffekten zu suchen in der art wie das zum beispiel penrose macht.“


Warum nicht?
Alles nur Materie (mit Energie) und Materie ist nun mal Materie, ist Materie, ist Materie... sagst Du doch selbst. Biologie ist nichts anderes als Physik, Dennett sagt es auch.
Hier nun ist Biologie etwas anderes als Physik, weil es nach Dennetts Idee Quatsch ist nach der Quantenphysik des Bewusstseins zu suchen. Ich will wissen warum auf einmal. Ich halte es auch für Quatsch, aber ich halte biologischen Reduktionismus ebenso für Unsinn. Etwas treffenderer Unsinn, weil er immerhin näher an der Ebene Bewusstsein ist als die Physik (die nun wirklich gar nichts damit zu tun hat, etwas was ich seit eh und je sage und wofür ich oft kritisiert wurde), aber noch immer zu sehr reduziert.

Zitat:
„das heisst nicht, dass nicht die quantenphysikalischen grundlagen trotzdem jedem biologischen modell zu grunde liegen. es gibt in der biologie effekte, die zwar effektiv in die biologie wirken, die sich aber aus biologischen gesetzen nicht erklären lassen. dafür geht man dann zurück zur chemie, zur physik, zu quntenfeldtheorien meinetwegen. das heisst aber nicht, dass man notwendigerweise für alles was die biologie hervorbringt gleich ganz hinunterspringen muss um eine befriedigende erklärung zu erhalten. das wäre sogar kontraproduktiv, denn das weglassen der vielen einzelheiten die eine betrachtung auf einer vorgelagerten ebene verlangte würde das ganze ja ersticken.“


Es ist eigentlich das, was ich immer sagte, dass Biologie eben eine eigene Ebene mit eigenen Gesetzen ist, die man in der Welt der Physik nicht findet. Was sind Krebs, Prägung, Fortpflanzungstrieb auf physikalisch?


Zitat:
„man macht keinen wald ohne bäume, aber man muss keine bäume zählen um einen wald zu benennen.“


Ja und die Taktik die Du vertrittst geht gewöhnlich: Wald? Was soll das sein? Ich sehe nur Bäume. Und dann kommt die Frage ob denn nun 3, 5, 17, oder 234 Bäume einen Wald machen und wer das nicht genau beantworten kann hat, darf nicht ernst genommen werden, wenn er vom Wald redet, bzw. soll sich nicht einbilden, dass der Wald mehr wäre, als viele Bäume.
Sicher ist ein Wald nicht ohne Bäume zu denken, aber es wäre naiv ernsthaft in einem Baum all das finden zu wollen, was eben nur der Wald bietet, mit der Begründung Wald wäre eben nur ein Baum und noch ein Baum und noch einer...

Zitat:
„den wald vor lauter bäumen nicht mehr zu sehen wäre genau das was passierte wenn man ungeeignet auf fundamenalere beschreibungsebenen wechselt.“


Wem sagst Du das?

Zitat:
„dass in der physik selbst dieser eindruck gar nicht entsteht, also der eindruck entsteht, phsyikalisch betrachtet müsste es dann eine formel geben um leben zu beschreiben und ähnlichen unsinn, das liegt wohl daran, dass nicht verstanden wird, dass sich erstens die physik selbst ebenfalls in dieser weise redukitonistisch-hierarchisch ordnet“


Wo Hierarchie ist, gibt es immer eine übergeordnete Einheit, sonst macht der Begriff der Hierarchie keinen Sinn.

Zitat:
„und dass die auswahl für dieses fachgebiet schlicht nach diesen besonderen kriterien der simplen mathematischen beschreibbarkeit erfolgte. aber, auch komplexe physikalische systeme die nicht die bihne an lebendigkeit oder besonderer sonst im interesse stehender qualitäten besitzen, offenkundig, werden nicht derart behandelt und beschrieben. aus genau den gleichen gründen.
es kommt nicht von ungefähr, dass die behandlung komplexer systeme und die herleitung von verhalten in höheren ebenen aus "ersten prinzipien" erst in jüngster zeit überhaupt in angriff genommen werden kann. die rechenleistung machts möglich zumindest modellhaft gleichzeitig wald und bäume zu behandeln. niemand wird behaupten, dass man da echt weit gekommen ist. aber die fortschritte sind bemerkenswert.“


Das kritisiere ich auch nicht, warum man dann aber so tut, als wäre man ein Idiot, wenn man noch von Wäldern redet, dass ist es was nervt. Dennett prescht ja auch erst immer vor um dann an zwei oder drei Stellen zu schreiben, er habe auch keine Beweise.


Zitat:
„ein ziegelbau ruht natürlich letztlich auf dem inneren aufbau der ziegel. trotzdem ist es nicht notwendig von diesem aufbau im einzelnen zu wissen um einen ziegelbau zu errichten.“


Hat aber auch nichts mit Innerlichkeit zu tun, denn dieser Ziegelbau ist ein Artefakt, das (bei mir) gar nicht im Verdacht steht Innerlichkeit zu besitzen.

Zitat:
„nichts andere meint dennett wenn er sagt, das "geheimnis" des bewusstseins läge in der biologie und nicht in der physik. auch wenn die biologie vollständig in der physik gründet. letztlich macht man da eine bedeutungsverschiebung bei "physik".“


Das überzeugt mich noch immer nicht.
Für mich hört es sich immer so an als würde gesagt (was ja auch miutunter getan wird) letztlich sei alles irgendwie Physik, nur physikalisch darf man eben nicht dran gehen, dann käme nichts bei raus.


Zitat:
Zitat:

Das ist ja seine Grundannahme, dass nämlich Bewusstsein, Qualität usw. lediglich auf einer Intuition beruhen würde, ansonsten aber nichts weiter sei als das, was sich funktionalistisch vollständig beschreiben lässt.


„nein.“


Oh doch, ich habe das Buch gelesen und jeder der will kann das auch tun, z.B. S.45ff.


Zitat:
Zitat:

Dennetts für mich wenig überzeugendes Argument ist schlicht so zu beschreiben: Vergessen wir die Behauptung (dass es mehr als Funktionen zu entdecken gäbe), dann ist alles kein Problem mehr. (vgl. S.29)


„ist das ein argument? oder nicht vielmehr eine anleitung?
die meinung, dass ein problem dann gelöst ist wenn es verschwunden ist, ist ja nicht die dümmste“


Darüber mag man unterschiedlicher Auffassung sein, aber wenn Du meinst das wäre gar kein Argument, dann geht es Dir wie mir.



Zitat:
Zitat:
Man müsste also nach Zweck und (biologischem) Nutzen Ausschau halten.

„biologie ist zweckfreie zone. ausser eben im sinn der "egoistischen gene"...
aber selbst dann muss es da keinen zweck geben. das schöne an der zweckfreiheit ist ja, dass es keinen zweck geben muss, dass man ber zweck durchaus sinnvoll verwenden kann. man schlägt zwei fliegen mit einer klappe. man schiebt einfach dem zweckfetischismus einen riegel vor. warum willst du für alles einen zweck haben? du sagst, die erklärung ist *Kraftausdruck*e, weil sie mir den zweck nicht erklärt(in diesem sinne gebrauchst du "warum" und "erklärung") und den zarten hinweis, dass es eben nicht sein muss, dass etwas einen zweck hat weisst du von dir, weil das ja diese zwecke nicht nicht erklärt.
du siehst schon, dass, wie auch immer die dinge liegen mögen, so kann man da nicht weiter kommen.“


Ich meinte schon Zweck als zufällige ziellose Funktion. Also etwas in jeder Hinsicht nichteleologisches. Nur glaube ich nicht, dass unser Dasein in dieser Art bloßen Nützlichkeitserwägungen unterworfen ist.



Zitat:
Zitat:

Dennett setzt das Gehirn des Menschen immer noch in Analogie zu einem Computer, einer Sichtweise der von vielen Stellen, nicht zuletzt von Drewermann widersprochen wurde:


„ach, "analogie" ist ja total nichtssagend, wo wie du es hier gebrauchst.
wann ist etwas ein analogon? je nachdem auf welchen aspekt man sich bezieht, un mehr als um aspekte kann es ja nicht gehn, ist ganz unterscheidliches ein analogon zu etwas. offensichtlich ist ein computer in vielerlei hinsicht kein analogon zum hirn. für bestimmte aspekte aber sehr wohl. man kommt so nicht wirklich weiter.
die drewermannschen einlassung sind lächerlichst. nicht weil sie falsch wären. aber nur weil ein computer eben in dieser weise kein analogon darstellt heisst das nicht dass er in keiner weise als analogon gesehen werden kann und auch nicht, dass dennett es falsch sieht.
darüberhinaus sind die drewermannschen folgerungen im einzelnen klar falsch. ich weiss nicht, warum du auf einen theologen baust wenn es um solche fragen geht.“


Oh, wirf mal einen kurzen Blick in das Buch (Band 1) und Du wirst sehen, dass es mit Theologie herzlich wenig, mit Neurophysiologie und –anatomie und –pathologie sehr viel zu tun hat.
Dort verweist Drewermann auch auf die Quelle aus der er das hat: Richard F. Thomson, Das Gehirn, S.50-51, m.W. kein Theologe.

Zitat:
Zitat:

Weiter unter formuliert Dennett dann auch, dass sich „herausstellen [wird], dass geistbegabte Wesen keine simplen Computer sind“ (S.33), sogar, "dass sich ihre computationalen Ressourcen bis hinab zu den subzellularen molekularen Ressourcen erstrecken, über die allein organische Gehirne verfügen. Aber die resultierenden Theorien werden weiter funktionalistsich im weiten Sinn sein.“ (S.33f)


„hehe, im weitesten sinn. damit kann man sich imemr rausreden
tatsächlich ist das ein interessanter punkt. erstens ist es natürlich klar, dass ein rechner absichtlich so konstruiert wird, dass er nicht wie ein gehirn funktioniert. man will ja wenn man die 56. wurzel auf 2637564 rechnet kein vielleicht ergebnis und auch nicht erst nach einer halben stunde.
ausserdem hätte man gerne immer das gleich ergebnis...
unter computer versteht dennett also klar nicht das was man als pc auf dem tisch stehen hat, nicht mal das prinzip der architektur. da fragt sich dann, was bezeichnet dennett als computer. bei sowas kommt man dann schnell in schwierigkeiten. denn "rechnen" kann vieles heissen. es ist vollkommen klar, dass ein rechnendes system systemeigenschaften haben kann, die sich untereinander nicht so einfach verrechnen lassen. dass also ein bestimmtes ergebnis nicht aus den anderen systemeigenschaften errechenbar ist obschon es von unten gesehen errechnet wurde.
wie kann das sein? naja, informationsverlust ist das stichwort. systemeigenschaften sind immer grobe aussagen die eine vielzahl von systemeigenschaften völlig ignorieren, das ist gerade ihre stärke. es interessiert mich für die temperatur einer flüssigkeit nicht die bohne welches molekül nun gerade wie schnell ist, es gibt myriaden von möglichen systemzuständen die alle die gleiche temperatur besitzen. das heisst aber eben nicht, dass für eine andere systemeigenschaft dieses zustände genauso gleichwertig sind. und daher ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass denken zum beispiel auf rechnerischen operationen auf der ebene des denkens beruht. wohl aber auf der ebene auf der nicht gedacht wird.“


Ja, also ein Unterdrücken von Informationen, aber das „richtige“ Unterdrücken. Beispiel selektive Wahrnehmung. Sieht blöd aus, wenn man nicht mal so etwas Ungewöhnliches wie eine Frau in einer Gorillamaske erkennt, die quer durchs Bild läuft, aber im Grunde genommen ist das eine sinnvolle Einschränkung.
Von Autisten heißt es manchmal, dass sie diesen Filter nicht haben und ihre Nichtreaktion einer chronischen Reizüberflutung geschuldet sein könnte (was durchaus Sinn ergibt, da Autisten sich ihre eigene kleine Welt schaffen in der sie 100 Mal die Anfangszeile eines Liedes hören, sich auch kleine Ausschnitte eines Bildes fixieren usw., vermutlich, um ein wenig Konstanz in ihre chaotisch Welt zu bringen).

Zitat:
„rechnen, ja, aber nicht mit allem. die frage ist, welches ist das entscheidende rechnen?
die ins auge stechende ähnlichkeit einer nervenzelle mit einem logischen element aus transistoren lädt da natürlich zu spekulationen ein. das heist nicht, dass die sich als richtig herausstellen.“


Ich will das gar nicht generell kritisieren, aber Du stellst ja die richtige Frage nach dem entscheidenden Rechnen.
Welche Daten unterdrücke ich und warum? Vieles läuft da unbewusst ab, klar. Was nicht wichtig ist, ist nicht wichtig, nur wer entscheidet eigentlich was nicht wichtig und was wichtig ist?
Wenn ich Hunger habe, der Magen. Wenn mit jemand sagt „Zählen sie die geworfenen Körbe beim Basketball“ dann ist die Autorität des Menschen wichtig der da gerade Chef ist und auf Gorillas zu achten ist nicht Teil der Aufgabe. Hätte Chefchen gesagt: „Achten sie mal darauf, ob ihnen bei dem folgenden Basketball Spiel irgend etwas ungewöhnlich erscheint“, wäre zu dem Gorilla, der vermutlich zu 98% gefunden worden wäre, noch zahlreiche CIA Agenten und potentielle Selbstsprenger unter der Zuschauern identifiziert worden.
Aber wann wird welche Ebene warum relevant? Biologisch ist der kleine Hunger noch gut zu unterdrücken (gibt ja gleich was), auch der größere vergeht (wird ausgeblendet), wenn man einen spannenden Film sieht, aber irgendwann siegt dann die Biologie – außer, man fastet eben.
Eigenartigerweise spielt der Körper aber in dem Moment mit, wenn man sich bewusst entscheidet zu fasten.
Aber wer entscheidet sich da? Ein biologisches Programm? Die Natur in uns will essen. Der Wille, den es ja nicht gibt, sagt: „Nö, gibt nix.“ Wenn der Wille auch nur ein Naturprodukt ist, dann will die Natur in uns also essen und nicht essen. Hm. Also verschiedene Ebene der Natur, die alle Biologie sind, aber die eine die nicht essen will nicht so ganz?

Zitat:

„insofern hat auch searle recht mit seinem "kausalkraftargument". offensichtlich. will ich was ausdrucken, brauch ich einen drukcer, keinen bildschirm. aber, es ist zu einfach zu sagen, es geht nur um die frage, was wir zusprechen unabhängig von der frage, wie wir es zusprechen. denn es ist ein leichtes etwas zu unterstellen um das zuzusprechen immer alles zuwenig sein wird. das führt nur zu nichts und ist in dieser form nichts als eine fortführung des universalienstreits mit anderen mitteln. metaphysik im schlechten sinn eben.
die frage der rechenebene erklärt dann auch viel mehr als die streitereien und vermeintlichen standpunkte hergebrachter form, wie behaviosismus etc.
programme wie eliza zum beispiel rechnen antworten auf der ebene der fragen aus. das ist sicher bis zu einem gewissen grad möglich, aber nicht wirklich befriedigend. und obwohl ich keinen zweifel am reduktionismus hege und auch keinen zeifel daran, dass es keinen sinn hat über etwas zu reden zu dem man prinzipiell den zugang verneint, so sicher bin ich mir auch, dass rechnen auf dieser ebene nicht genug ist und nicht funktionieren kann. die idee es auf dieser ebene auszurechnen hat hofstadter den "booleschen traum" genannt.“


Da stehst Du ja schon mit einem Bein in der prinzipiellen Unmöglichkeit.
Ich sage ja nicht, dass die Ebenen der Physik, der Biologie, der Vernunft so prinzipiell und metaphysisch getrennt sind, dass sie einander gar nicht beeinflußen. Ein überspringender Funke aus einer Starkstromleitung und es ist klar, dass die Kraft des Geistes dort ihre Grenzen hat, wo nur noch dunkler Rauch aus einsam verkohlten Gummistiefeln weht.
Und die Flasche Schnaps zeigt uns wie Hirnstoffwechselveränderungen das Bewusstsein beeinflussen.

Aber, wer leugnet, dass die Möglichkeit besteht, nach 10 oder 30 Jahren morgens aufzustehen und den Entschluss zu fassen, jetzt alles anders zu machen, der hat da einfach was verschlafen.
Wer nicht weiß, dass Gedanken und Bilder den Körper und die Stimmung beeinflussen können, hat nichts anderes als eine kräftige Bildungslücke.
Wie weit das geht ist unter anderem eine Frage der Übung und da gibt es nicht wenig was einen zum staunen bringt.


Zitat:
Zitat:

Hat sie eine andere Qualität, die sich physikalistisch nicht einfangen lässt?


„das kommst stark darauf an was man unter "physikalistisch" versteht.

tatsächlich muss für die naturwissenschaften notwendig der reduktionismus als vorzeichen gelten im sinne von der prinzipiellen vollständigkeit.
man hat sonst das problem, dass sich beschreibungen aus physik und biologie widersprechen. denn, jede wirkung die auf einem biologischen effekt veruht der physikalisch prinzipiell nicht erfasst ist wäre auf der physikalischen ebene eine wirkung ohne ursache. das geht natürlich nicht, jedenfalls nicht, solange man dem kausalprinzip anhängt.“


Da gehe ich ja mit, die Fragen die ich mir stelle sind.
1) Wenn man eine biologische Gesetzmäßigkeit entdeckt hat, ist es dann zwingend notwendig, den Mechanismus auf der Ebene der Physik beschreiben zu müssen?
2) Was wäre der praktische Vorteil?

Und da ist ja sogar Dennett auf meiner Seite, der es unsinnig findet in der Physik rumzurühren um Wahrnehmungsphänomene zu erklären.
Und nun kommt die Frage, die einfach analog ist:
Wenn man eine geistige Gesetzmäßigkeit entdeckt hat, Kausalgesetz, Logik, psychische Zusammenhänge, warum muss man die noch mal auf der Ebene der Biologie durchkauen. Da kommt dann regelmäßig so ein Unsinn bei raus, dass alles was man tut nur modifiziertes Balzverhalten ist. Tänze zeigen Fitness an, und ob man Opern schriebt, Autorennen fährt oder Computer programmiert, damit will man protzen.

Zitat:
„es gäbe auch kein kriterium um zu entscheiden ob etwas prinzipiell nicht zurückführbar ist oder ob man einfach nur ein bisschen unwissend ist.“


Egal es ist ohnehin Zeitverschwendnung. Auch in 1000 Jahren wird die quantenphysikalischen Theaterkritik so wenig erscheinen, wie die quantenlogische Psychologie oder die Quantenspiritualität, das ist und bleibt einfach dummes Zeug, mit dem Leute die keine Ahnung haben, andere beeindrucken wollen, die noch weniger haben.


Zitat:
„natürlich gibt es auch reduktionismuskritiker unter physikern, wie diesen laughlin. es kann einen zur weissglut treiben.
"ketzer"
daraus:"Entscheidend ist, dass Schockwellen durch einen Prozess der Selbstorganisation entstehen. Sie lassen sich nicht durch eine atomare Theorie der Materie erklären. Sie gehorchen vielmehr den Gleichungen der Hydrodynamik, die das Verhalten von Flüssigkeiten beschreiben. Aber niemand kann von fundamentaleren, atomaren Gesetzen ausgehend beweisen, dass die Gleichungen stimmen."
nur weil es niemand kann heisst es eben nicht, dass es unmöglich ist.
man kann es drehen und wenden wie man will, die nicht-reduzierbarkeit kann nicht grundsätzlich widerlegt werden, genausowenig, wie man sie grundsätzlich belegen kann.“


Ja, ist ein wenig wie mit dem lieben Gott, nicht?
Diese Erkenntnis hat bei den doofen Philosophen immerhin dazu geführt, dass die eines ihrer Flagschiffe, die Metaphysik, komplett haben absaufen lassen. Nicht die Wissenschaft hat die Metaphysik gekillt.
Warum also sind die Naturwissenschaftler gut 200 Jahre später noch immer nicht bereit, etwas was man weder belegen noch widerlegen kann mit einer dicken Bleikugel am Bein an der tiefsten Stelle des Ozeans zu versenken?



Zitat:
Zitat:

Dennett spricht sich im Umfeld dieser Zitate explizit nicht nur für den Funktionalismus sondern sogar für den Minimalismus aus. Warum macht er dann nicht ernst damit und redukziert die Biologie auf Physik?


„das tut er wohl, nur nicht in diesem zusammenhang. man braucht einen seilzug nicht quantenfeldtheoretisch beschreiben, klassische mechanik reicht völlig um zu erklären, wie er funktioniert. das heisst aber nicht, dass klassische mechanik irgendwie selbstständig wäre und nicht "reduziert" werden könnte...“


Klar, so wie man das Tun eines Massenmörders problemlos als Schrei nach Gott interpretieren könnte.
Vermutlich stimmt das auch, aber es völlig zwecklos, genau so zwecklos wie die Qunantenphysik des Mordes, das nächste Buch was nie erscheinen wird – wobei... man weiß ja nie, auf was für Gedanken Menschen kommen, wenn das Bier alle ist.


Zitat:
Zitat:

Und was jetzt eigentlich genau gegen den Zombieismus spricht, darüber schweigt sich Dennett beharrlich aus, außer, dass wir ihn seiner Meinung nach nicht brauchen, aber davon ist er ja bereits ausgegangen. Wo sind die Argumente?


„was willst du denn da für ein argument hören?“


Gute, oder zunächst mal: irgendwelche.

Zitat:
„was kann es da für ein argument geben, welcher art meinst du denn da eines geliefert zu bekommen?“


Was weiß ich, ist ja nicht mein Buch.

Zitat:
„man kann immer etwas dazu erdichten. es ist aber nicht die bohne sinnvoll über etwas jenseits aller sinnlichen grundlage zu diskutieren, weil man damit nämlich über nichts redet.
es geht um die zweigleisigkeit die hier verletzt wird wenn man auf der einen seite einen begrifflichen unterscheid macht aber nirgends auf der phänomenalen seite einen unterscheid macht. das ist sinnlos.
ich verweis da einfach mal wieder auf meine kant-zitate zu diesem punkt.
deswegen ist es nicht sinnvoll die fragen was ein ding ist von der frage zu trennen woher man davon weiss. kommt einfach nichts dabei heraus.
bei diesem zombie ist also das problem, dass nur ein begrifflicher unterschied gemacht wird ohne einen sinnlichen entsprechen zumindest irgendwo anzunehmen. wo genau der liegen kann, soll, muss...das wäre sinnvoller zu fragen.“


Dafür werden ja Gedankenexperimente gemacht.
Und die Frage, ob jemand (etwas) rot erkennen kann, ohne zu wissen, dass er (es) rot erkennt würde wohl jeder mit ja beantworten.


Zitat:
Zitat:

Die erdrückende Last der Dennettschen Argumente muss ich wohl überlesen haben und bezeichnenderweise schließt Dennett das schwache erste Kapitel mit einem argumentum ad hominem ab (etwas was als klassischer logischer Fehler gilt und auf dem ebenfalls klassischen Fehler der petitio principii reitet Dennett später ausführlich rum) wenn er formuliert:

„Wer meine Vorhersage nicht glaubwürdig findet, könnte darüber nachdenken, ob diese Skepsis auf irgendetwas anderem als der momentanen Empfänglichkeit für den Zombie-Verdacht beruht. Mit etwas Geduld und Unvoreingenommenheit wird das vorübergehen.“ (S.36)

Wer also unvoreingenommen ist muss Dennett zustimmen...



Zitat:
„ah, womöglich ist dir da der witz entgangen. denn das ist ein lieblingspunkt der diskurstheorie. "zustimmung aller vernünftigen" durch "zwanglosen zwang" sag ich da nur...“


Schon klar, Dennett streut immer mal wieder ironische Passagen ein und ich würde mich darauf einlassen, dass lange nicht alle mit Begriffen um sich werfen, von denen sie genau wissen, was die nun eigentlich bedeuten sollen. Dass kann er auch ganz gut aufzeigen, aber der Rest ist lausig.

Gruß,

Carsten
carsten aus bochum
Hi Rhetorix

Zitat:
Zitat:
Um so mehr wunderte ich mich um die Armut an Argumenten, die mir begegnete.

„Vielleicht braucht er für seine Positionen aber gar kein großes Sortiment von Argumenten, sondern nur eine kleine Zahl von Abrissbirnen?“


Ja ja, so lautet sein Mantram. Aber was der eine kühn und mutig findet, erscheint dem anderen einfach grobschlächtig und undifferenziert.


Zitat:
Zitat:
Dennett ist der Ansicht, dass Vertreter der Philosophie von den Erkenntnissen der empirischen Forschung zum Bewusstsein profitieren könnten...

„Der Philosophie tut es allemale gut, wenn sie sich auf Erfahrungen stützt.“


Tut sie das denn nicht?
Sind halt geistige Erfahrungen, man muss den Weg schon selbst gehen.
Aber Empirie im klassischen Sinne ist nicht die Arbeit der Philosophen.


Zitat:
Zitat:
Das „Schwierige Problem des Bewusstseins“ besteht nach Dennetts Meinung schlicht darin, dass da nach etwas gesucht wird, was es gar nicht gibt

„Hat er das aus Philo-Welt abgeschrieben?“


Ja, das muss man immerhin eingestehen. Vielleicht hat mich das Buch auch deshalb so wenig beeindruckt, weil ich das aus diesem Forum schon kannte, möglich.


Zitat:
Zitat:
Manche Philosophen interessieren sich durchaus für die Ergebnisse der Empiriker und wenden sich u.a. der Physik zu und dafür hat Dennett nichts übrig. (vgl. S.20ff)
Ich kann das verstehen ...

„Ich umso weniger. Was hat er denn gegen die Physik, und warum meint er, sich nicht für deren Erkenntnisse interessieren zu brauchen?“


Dennett hat immerhin erkannt das es 0,00% Fortschritt bringt auf einer Ebene etwas zu suchen, was dort garantiert nicht zu finden ist. Das soll natürlich niemanden von der Suche abhalten.


Zitat:
Zitat:
Wenn Reduktionimus, warum dann bei biologischer Reduktion halt machen?

„Ich verstehe nicht, wo er die Grenze der 'biologischen Reduktion' zieht.
Vielleicht hat er einen zu engen Begriff von Biologie?“


Klar, wenn Biologie dann wieder mal alles ist, sieht es zunächst sehr sinnvoll aus, kenne ich rauf und runter die Nummer, kommt aber auch nichts bei raus.


Zitat:
Zitat:
Dennett lässt hier durchblicken – ohne es zu sagen – dass Leben eventuell doch eine andere „Qualität“ hat, denn ansonsten wären auch Zellen nichts weiter als Anordnung und Funktion von Materie.

„Bist du sicher, dass er nicht der Auffassung ist, Leben sei eine Funktion von Materie?“


Das ist nicht die Frage. Lies selbst:

„Die funktionalen Unterschiede zwischen Neuronen und Hefezellen werden durch die Unterschiede in der Anatomie und Zytoarchitektur erklärt und nicht durch ihre physikalische Beschaffenheit. Könnte es vielleicht sein, dass diese Unterschiede in der Anatomie dafür verantwortlich sind, dass Neuronen auf physikalische Unterschiede reagieren, die Hefezellen nicht bemerken? An dieser Stelle müssen wir behutsam vorgehen. Denn wenn wir nicht achtgeben, werden wir Leibniz‘ verwirrende Mühle schlicht auf einer mikroskopischeren Ebene wieder einführen – in dem wir den Quantenfluktuationen in den Mikrotubuli einer einzelnen Zelle zuschauen und nicht mehr in der Lage sind, zu erkennen, wie irgendeine Menge dieser „Teile, die einander stoßen“ Bewusstsein erklären könnten.
Wenn man die durch Leibniz‘ gestiftete Verwirrung vermeiden möchte, sollte man lieber gleich die Ansicht vertreten, dass Bewusstsein eine irreduzible Eigenschaft ist, die, wie Leibniz es ausdrückte, irgendwo „in der einfach Substanz“ untergebracht ist „und nicht im Zusammengesetzen oder der Maschine“.

(aus: „Süße Träume“ von Daniel C. Dennett, 2005, dt.2006, Suhrkamp, S.22f):

Was meinst Du?


Zitat:
Zitat:
Im weiteren Verlauf des Kapitels wendet sich Dennett gegen das, was er Zombieismus nennt. Das ist die Idee, dass etwas fehlte (Bewusstsein, Qualität), wenn jemand oder etwas sich zwar exakt so verhält, wie jemand von dem man annimmt, er habe Bewusstsein, aber man annimmt, dass er (der Zombie) selbst nicht über dieses Bewusstsein verfügt.

„Na, das ist aber wirklich mal eine guter Gedanke!
Ich ärgere und wundere mich nämlich auch immer wieder darüber, mit welcher Sicherheit manche Leute behaupten, Tiere hätten kein 'Bewusstsein'. Woher wollen die das eigentlich wissen, vor allem wenn sie nicht einmal sagen können, was Bewusstsein ist?“


Weißt Du denn, was Du meinst, wenn Du behauptest Tiere hätten ein Bewusstsein?
Oder meinst Du die Lösung bestünde einfach darin zu sagen, dass wir alle kein Bewusstsein haben?

Gruß,

Carsten
carsten aus bochum
Hi mark (und später auch Eugen);


Zitat:
Zitat:

Dass uns Menschen viele unserer Motivationen selbst nicht bewusst sind ist eine oft bewiesene Tatsache.


„jo, aber auch hier muss man aufpassen, dass man nicht meint, objekt und subjekt fielen zusammen. diese verwechslung, die ganz automatisch geschieht, weil sprache so funktioniert, ist es, was einem gänsehaut bereitet, wenn einem andere die eigenen "wahren" motivationen darlegen. und die psychonalytiker sind da ja meister der fremddefinition, auch wenn du dich dieser sicht verweigerst. der mensch hat eben auch nicht motivationen, wirklichere motibationen, ganz wirkliche, eigentliche und besonders eigentliche motivationen.
es mag eine neuerung gewesen sein zu denken, dass bestimmtes unbewusstes sich so betrachtet doch ichhaft verhält. in diesem sinne übrigens als zombie, ein zombie in uns. es löst aber weder das problem der ichhaftigkeit noch des bewusstseins.“


Also Unbewusstes verhält sich eigentlich gerade nicht ichhaft.


Zitat:
Zitat:
Bei der Diskussion über Willensfreiheit hat es mich stets gewundert, dass Systeme die mit Schicksal usw., argumentierten in der Vergangenheit oft als fatalistisch gegeißelt wurden, wohingegen ein noch größerer Fatalismus biologischer Determiniertheit oft so kritiklos geschluckt wird.

„schau mal, der zweite hauptsatz der thermodynamik ist etwas, das du als prinzip bezeichnen würdest, er gilt quer zu allen anderen gesetzen immer.“


Würde ich das? Nein.
Gilt er immer? Nein. Wir glauben das gerne, manche von uns glauben das gerne.
Aber gegenläufig dazu gibt es die Bewegung hin zu immer mehr Ordnung, Komplexität, höherer Struktur.
Das traurige Ende der Geschichte ist bis dato, dass kaltes totes Eisen und andere Leichenteil, immer langsamer ihre immer einsameren Bahnen durch ein fast totes Universum ziehen, in dem der zweite thermodynamische Hauptsatz jedes Bewusstsein erwürgt hat. Das ist ein Dogma, möglicherweise wird morgen eine Art Materie gefunden, die das Universum immer wieder zusammenziehen lässt, vielleicht sind wir Teil von Milliarden anderen Universen, vielleicht ist Bewusstsein (Information) der Hintergrund von allem, vielleicht werden denkende Wesen so fit, dass der Magnetismus zwischen den Eisenteilen Träger eines kosmischen Informationsflusses ist und ihnen als Datenträger fungiert... wer weiß das schon.
Aber weiter:

Zitat:
„auf der anderen seite ist er aber nicht nichtreduktiv. man kann ihn auf wahrscheinlichkeitsbetrachtungen zurückführen. das ergibt auf phänomenaler ebene gar keinen sinn. auf molekularer dafür um so mehr.
es stellt sich heraus, weiss ich alles über den molakularen zustand, kann ich mir die entropie in die haare schmieren. die entropie drückt sogesehen tatsächlich nichtwissen aus. daher auch die verbindung mit der informationstheorie.
der freie wille regiert auf einer ebene auf der tatsächlich nicht alles determineirt ist...auf dieser ebene.“


Aha.

Zitat:
„von den unteren ebenen aus ist es vollständig determiniert.“


Und welche Ebene gilt nun?
Beide? Was soll das heißen?
Die obere? Dann kann man die untere vernachlässigen, wie Dennett das für die Physik des Bewusstseins (richtigerweise) vorschlägt.
Die untere? Nun, was können wir mit ihr anfangen?


Zitat:
„das nützt mir aber nichts, weil ichs nicht weiss.“


Klassischerweise kann man so ein Wissen dann durchs Klo spülen. Es gibt da eine Weltverschwörung, das ist sicher, ich weiß nur nicht wer mit wem und was die vorhaben. Du wärst der erste, der die Schrotflinte auspacken würde.

Zitat:
„und zwar so nicht weiss, dass es sich von nicht wissen können praktisch nicht unterscheidet.“


Was dann „praktisch“ bedeutet, dass man es nicht weiß. Zwinker

Zitat:
„dabei ist noch nichtmal berücksichtigt, was mit rückkopplungen ist.
freiheit ist frei von zwang und zwar zwang einer bestimmten ebene und nicht indeterminiertheit, das wäre ziemlich sinnlos.“


Stimmt man kann sich total frei fühlen und dennoch der Schwerkraft unterworfen sein, atmen und essen müssen.
Darum heißt Freieheit auch oft die Notwendigkeiten ohne Widerstand zu tun, evtl. sogar zu genießen.

Zitat:
„die determiniertheit physikalischer art, die sache, das die dinge notwendig so sind wie sie sind und nicht anders, das ist sozusagen ein zwangloser zwang. es gibt keinen gestaltungspielraum.“


Doch, man kann die Einsicht gewinnen, dass man gegen Notwendigkeiten nicht zu kämpfen braucht.

Zitat:
„aber es gibt soetwas das dem gleichkommt. und darauf kommt es an. fatalismus ist nicht deswegen falsch weil es irgendwo wirkungen gäbe die nicht vom rest sondern von irgendwelchen metaphysischen willensentitäten bestimmt wären(warum sollte man sich dann überhaupt an die naturgesetze halten müssen?) sondern weil er sinnlos ist, er führt zu nichts. im grossen gesehen sollte sich da wohl eine schleife schliessen.

der unterschied zum schicksal ist die ebene der determination und das ist kein unwesetnlicher unterschied.“


Fatalismus führt zu einer ganzen Menge, er kann einem kräftig das Leben versauen und das ist nicht nichts, sondern überaus bedeutsam. Du willst sagen es ändert an den Gesetzen nichts, kann sein, aber wenn Bewusstsein nichts weiter als physikalische Wechselwirkung ist und die beim einen dazu führt, dass er sein Leben frei lebt, beim anderen, dass er sich unfrei fühlt und das Zünglein an der Waage der Zufall ist, weil sich Dinge eben naturgesetzmäßig nach Energieniveaus aber nicht nach Fragen von Sinn und Wert anordnen, dann ist das ein Fatalismus der nicht zu toppen ist.
Du wirst sagen, natürlich kann man eingreifen und man soll auch – und ich stimme Dir wie immer zu – aber ich stelle die Frage nach der Rechtfertigung die Du albern findest. Damit befindest Du Dich in durchaus guter Gesellschaft, Eugen ist ähnlicher Meinung und er hat mir empfohlen Rorty zu lesen, der ebenfalls diese Auffassung vertritt.
Rorty ist gut, genau hier bin ich aber nicht seiner Auffassung, aber ich kann jetzt besser verstehen, warum Eugen dem was Du schreibst auch dann noch etwas abgewinnen kann, wenn ich aussteige.
Anders als Du ist Rorty der Auffassung, dass es keine absolute Wahrheit gibt, sondern dass Wahrheit stets ein vorläufiges Projekt ist. Aber anders als Habermas ist er der Auffassung, dass wir nicht nach tieferliegenden Gründen zu fragen brauchen. Wahrheit ist das was die Gemeinschaft solidarisch als wahr, gut und schützenswert erachtet – und die ewige Suche nach einer Begründung die mehr anbietet, als dass uns das jetzt eben als am besten erscheint findet Rorty überflüssig.
Dabei ist er nicht naiv und weiß, dass wir nicht jeden anhören und ernst nehmen müssen. Als Beispiel schreibt er von einem Revolutionär, der sagt „die Planken, aus denen unser Boot besteht, taugten nicht dazu ein seetüchtiges Boot damit zu bauen, und daher müssten wir einfach von Bord gehen, können wir zwar verstehen, aber ernst nehmen können wir sie nicht.“ (Rorty, Solidarität und Objektivität, 1987, dt.2005, Reclam, S.26)

Jetzt ist die Frage, ob er dies übertragen meint, dann sollte man schon begründen können, warum man bpsw. radikale Demokratiekritik nicht ernst nimmt (was Rorty tut) oder ist es wortwörtlich gemeint, dann braucht man dem anderen nur tief in die Augen zu sehen und im zu sagen, dass er ein Spinner ist, da er gerade auf dem Boot segelt, was angeblich nicht fährt und von Stund‘ an hört man zweimal hin, wenn jener den Mund aufmacht.
Das sind aber Begründungen, ebenso wie man sagen kann, dass jemand zu dumm ist zu kapieren worum es geht, oder es den Anschein hat, als habe er an einer Diskussion kein wirkliches Interesse.
Mir ist zwar klar was Rorty meint, aber mir ist nicht klar, warum er meint, man würde nicht begründen können, warum es keinen Sinn macht mit einigen zu reden (nachdem man es versucht hat).


Zitat:
„naja, man trennt begrifflich zwischen wahrnemung und interpretation. tatsächlich kann es diese nicht geben wenn man ungeteilte wirklichkeit unterstellt. das heisst eben, dass die begrifflichkeit wie immer auch hier ihre grenzen hat. wahrnehmungsfehler kann man genausgut auch als interpretationsfehler bezeichnen. warum nicht. ich denke auch nicht, dass dennett das anders sehen würde als im sinne eines abgleichs verschiedener erfahrungen. wenn ich das gefühl habe, mein körper befindet sich in der senkrechten und dann im spiegel sehe, ich stehe nicht senkrecht, welche wahrnehmung ist dnan die richtigere? und, kann man, wenn man sich denn fr etwas entschieden hat, das nicht gerade als interpretationsfehler bezeichnen, gerade weil ja, der ungeteilten und widerpsruchfreiehn wirklichkeit nach, es gar keine falschen wahrnehmung in einem anderen sinn als falsch in relation zu anderen gesetzt, also falsch interpretiert, bezeichnen?
ich glaube aber, dass dennett das so mitdenkt, falls es nicht dasteht.“


Man kann das durchaus auch als Interpretation ansehen, aber dann muss man eben auch hier Ebenen unterscheiden. Einen Baum als Baum zu erkennnen ist sicher bereits Interpretation, ihn schön zu nennen, eine auf einer anderen Ebene.



Zitat:
„und wo leugnet dennett, dass interpret auf interpret trifft?“


Leugnen tut er das nicht, aber er begeht den Fehler die Position der anderen Interpreten nicht zu würdigen sondern zu verkünden, dass das beste was man mit ihnen tun könnte sei, sie nicht ernst zu nehmen.
Wo sind die Gründe? Es gäbe welche, wenn Dennett sagen würde, dass die Betrachtung des Menschen und seines Bewusstseins auch als Subjekts zu nichts geführt hätte und dass es deshalb an der Zeit wäre mal umzudenken.
Tatsächlich haben sich die Fortschritte wohl aus dem uralten Kampf der beiden Lager ergeben, insofern ist das gut, aber wir wüssten nichts über Narzissmus, Borderline-Störungen und die Neurosen, wenn nicht die Psychoanalyse hier bahnbrechendes geleistet hatte und tiefenpsychologische und psychodynamische Ansätze das weiterhin tun, in Forschung, Theorie und Therapie.
Nun kann man sagen, dass Freud das Ich doch eigentlich zerfleddert (es ist nicht mal Herr im eigenen Haus) und zudem beschreibt und beides ist richtig. Aber er geht den Weg der Analyse zusammen mit seinen Klienten, er will verstehen, was sie antreibt, motiviert, will wissen, wie sie denken usw.
Genau das wollen deskriptive Ansätze oft nicht, auch wenn sie manchmal betonen, sie täten doch eigentlich genau dasselbe (eigenartigerwiese aber in schroffen Ablehnung gegenüber tiefenpsychologischen Herangehensweisen stehen – die doch genau dasselbe tun), aber Ziel der Aktion ist, dass das Ich erweitert wird, dass man eben zu mehr ehedem unbewussten Antrieben „Ich“ sagen (sich mit ihnen identifizieren) kann und Ich-Stärke ist ein starkes Ziel, dass es anzustreben gilt.
Auch Wilber hat klar erkannt, dass der Weg der letztendlichen Auflösung des Ichs darüber geht, dass man zunächst erst einmal ein ich gründen und stabilisieren und immer mehr stärken muss.
Und nur ein starkes Ich ist vielleicht irgendwann einmal dazu bereit die tatsächliche Bedeutung der Erkenntnis anzunehmen, dass es das Ich letztlich überhaupt nicht gibt.
Wer aber meint, dass theoretisch schnell kapiert zu haben und nun so tut als sei das alles worauf es ankommt, geht fürchterlich in die Irre.

Der muss sich die Frage stellen lassen, was aus dieser Erkenntnis denn nun tatsächlich folgt – eine Frage, auf die man üblicherweise sehr wenig Antworten bekommt.

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3) Im Grunde genommen ist die Heterophänomenologie ein alter Hut,


„und warum beschwerst du dich dann darüber??“


Das tue ich nicht.

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den etwa die Psychoanalyse seit Jahrzehnten auf hat. Spätestens seit Otto Kernberg, vermutlich aber schon sehr viel länger, ist das was Dennett beschwört gängige Praxis und keineswegs seine Erfindung.

„behauptet er es denn als seine erfindung?“


Nein, er sagt, er hätte ihr nur den Namen gegeben. Aber ich kann nicht recht verstehen warum er das tut, wenn es schon längst praktiziert wird, wie er selbst schreibt und andererseits Philosophen methodisch kaum vorzuwerfen ist, da Empirie nicht ihr Geschäft ist.


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aber immer wieder braucht man die 1. Person Perspektive eines Klienten in seiner Individualität um Fortschritte zu erkennen und den Menschen in „seine“ Freiheit zu führen und „seine“ Wahrheit finden zu lassen.

„es geht also nicht darum, 3. gegen 1. auszuspielen, weil das nicht geht. sondern um ein möglichst kohärentes bild. die justierung ob man gerade steht oder nicht folgt eben durch aussenbetrachtung und nicht durch innenbetrachtung. das heisst nicht, dass die innenbetrachtugn nicht auch funktionieren kann, es gibt auch menschen mit absolutem gehör. die machens umgekehrt und könnten ne gabel stimmen.“


Das ist ja alles in Ordnung, aber er bleibt wie so oft bei der Wahrnehmung hängen und tut so als sei alles nur ein Wahrnehmungsfrage.
Immer dasselbe Vorgehen, eigentlich ist ja alles nur Beschreibung, eigentlich ist ja alles nur Verhalten, eigentlich ist ja alles Wahrnehmung, Interpretation.
Dass ist einfach ein Einstampfen differenzierterer Begriffe auf einfachere, bei denen wenig herumkommt.
Wenn alles zum Verhalten erklärt wird, ob Reflex, Trieb, willentliche Handlung, Reden und sogar Denken und Fühlen, dann muss man eben Verhalten 1 bis 18 daraus machen und die Frage ist, ob nicht andere Begriffe einfacher wären. Wer Wahrnehmung und Interpretation nicht trennen will, muss sich fragen lassen, warum andere es getan haben.

Ich sagte schon öfter, dass man sich gewöhnlich nicht über objektive Fakten streitet, sondern um die Intepretation derselben. Und wo es wirklich nur um Fakten geht, ist die Sache gewöhnlich schnell zu klären.
Aber die Ballung und hierarchischen Gewichtung vieler Fakten sind es Schwierigkeiten bereiten. Und da helfen auch keine Computerberechnungen, denn ob ein Faktum gleichwertig neben einem anderen steht oder nur die Hälfte oder das 3,2fache gilt, weiß der Computer auch nicht. Dafür muss man Gründe finden und dazu interpretieren und diskutieren.


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Dennett scheint auch ein eigenartiges Verständnis von unbewusst zu haben, getrübt durch seinen engen Blick allein auf Wahrnehmungsphänomene.
Er spricht von falschen Überzeugungen und interpretiert diese als Unkenntnis über Fakten (etwa des Sehfeldes oder der Farbwahrnehmung). Dennett ignoriert, dass es sehr wohl auch fehlerhafte Überzeugungen gibt, die bspw. vor dem Hintergrund einer Verdrängung stattfinden (Etwa die typisch depressive Fehldeutung Trauer anstatt Wut zu empfinden.) Oder fehlerhafte Überzeugungen aufgrund antrainierter immer wieder wiederholter Glaubenssätze. („Wenn ich es jetzt nicht schaffe, werde ich es nie schaffen.“ „Männer wollen alle immer nur das eine.“)
Und in der Tat können diese Inhalte nachträglich bewusst werden, was das Leben in Einzelfällen dramatisch verändern kann.

„ja...und? kann man das vielleicht nicht als wahrnehmungsphänomen verstehen? und vielleicht ist das einfach nicht sein thema gewesen...?
dennett schreibt sicher nicht gegen freud. ganz im gegenteil zum beispiel zu searle. gegen den aber wieder dennett schreibt. die fronten liegen also keinesfalls so wie man nach dir vermuten könnte.“


Die Fronten verlaufen oft nicht ganz klar und das ist ja sehr gut so. Ich sage nur, dass Dennett die Erkenntnisse der Psychoanalyse (zumindest in diesem Buch, andere kenne ich nicht) ignoriert. Ob er gegen Freud ist, weiß ich nicht, ich sage ja nur, dass dort in einigen tiefenpsychologischen – inzwischen - all dies stattfindet, was Dennett einfordert. Einem Habermas, einem Apel, einem Rorty und unzähligen anderen ist das durchaus bekannt, wenngleich nicht alle Interpretationen stimmen.

Zitat:
Zitat:
Auch ich halte es für schwer vorstellbar, dass es Wesen geben sollte, die über sehr komplexe interne Zustände verfügen, identisch wie ein Mensch, sich gleichzeitig aber nicht über diese Zustände bewusst sein könnten.
Hm.


„*lach* siehste wohin der unterschiedslose unterschied führt?
kann man ohne es zu wissen schmerzen haben?“


Aber ja, einige Tiere zeigen ganz eindeutig Schmerzreaktionen, so dass man davon ausgehen kann, dass sie Schmerzen spüren, aber sie haben nach allem was wir wissen kein Ichbewusstsein.
Damit können diese Tiere nicht denken, dass ihnen das weh tut – aber es tut ihnen weh.


Zitat:
..aber was soll eine innerpsychologiestreit, den ohnehin niemand kennt und der höchstwahrscheinlich völlig irrelevant ist, denn hier zeigen?


Er soll zeigen, dass eine atheoretische oder agnostische Einstellung nicht immer hält, was sie verspricht.
Es ist das was ich immer sage. Zu behaupten, Theorie oder Philosophie würde einen nicht interessieren, bedeutet noch lange nicht, dass dies nicht bereits eine theoretische oder philposophische Position ist.
Das kann man ignorieren, oder gar nicht wissen, aber das sollte man nicht als atheoretisch oder agnostisch bezeichnen.


Zitat:
„die alte mühle arbeitet ohne müller. dort arbeitet niemand. das heisst nicht, dass die mühle kein bewusstsein hätte. das heisst letztlich nicht mal, dass es nicht zwischenstufen geben kann zwischen bewusst und unbewusst oder bewusstes das man aus anderem bewussten zusammensetzen könnte. es heisst nur, dass letztlich alle homunkuli gehen müssen.“


Ja, das klingt immer gut wenn man tatsächlich über Fabrikhallen und alte Mühlen redet, nur geht es um die gerade nicht.

Zitat:
„deswegen bekommst du diese unhintergehbarkeiten auch immer in den falschen hals...
die täuschung ist die wesenhaftigkeit des bewusstseins jenseits seines zustandekommens aufgrund bestimmter im wesensfremder bedingungen.
bewusstsein entsteht aus nichtbewusstem.
diese verständnis von erklärung ist ja nicht dennetts erfindung. hofstadter zitiert mal heisenberg dazu(deseen erfindung es auch nicht ist) und nennt es lustig die desintegrierende grünheit. heisst nur, nicht mit dem zu erklärenden zu erklären. und die täuschung besteht darin, dass eine erklärung als erklrung verkauft wird die das nicht erfüllt.
das war schon alles, mehr ist da nicht und du wirst dir schwer tun damit, etwas mit sich selbst zu erklären.“


Die Frage ob man Bewusstsein überhaupt erklären will. Es ist legitim das zu wollen, es ist genauso legitim einen anderen Weg einzuschlagen und herauszufinden, dass es unbestreitbar ist, dass Bewusstsein nun mal da ist und hier anzusetzen und zu fragen, was das bedeutet und was man draus schließen kann.
Und mit der Unhintergehbarkeit, von der ich nicht weiß ob wirklich ich es bin, der sie in den falschen Hals bekommt, ist einfach gemeint, dass wann immer sich jemand den Kopf über Bewusstsein zerbricht, sei es über seine unbestreitbare (oder?) Präsenz oder über sein historisches Erscheinen auf der Bühne oder seine naturwissenschaftlichen Einzelkomponenten, dies mit Sicherheit bereits ein reflexiv denkend Wesen ist.


Zitat:
„der ort des wollens ist die mühle. aber die bedingungen des wollens sind keine gewollten.

ich erinnere mich, dass ich dennett dazu schon mal zitiert hatte als es um freud ging. der eben nach dieser regel auf dem halben weg stehen geblieben ist...weil eben die bestandteile des ichs immer noch ichhaftig sind.“


Freud ist nicht auf halbem Wege stehen geblieben, er hat vielmehr erkannt, dass es sinnlos ist das Ich völlig zu zerbröseln. Da gibt es das völlig unpersönliche Es, dass zwar meine grundlegenden Triebe repräsentiert, aber die sind nicht anders als Deine oder die von sonst wem. Und da ist das unpersönliche Über-Ich, das in der Rohform der momentane gesellschaftlich-kulturelle Wertespiegel ist, in der Interpretation der Eltern. Das sind u.a. die Einzelkomponenten aber da bleibt dennoch etwas, nämlich die kreative Art wie ich mit diesen Vorgaben umgehe und die immer autonomer und selbstbewusster wird, je weiter ich mich entwickele.
Das Ich gewinnt mehr und mehr Terrain, die ganze Psychoanalyse ist nichts anderes als der Versuch dem Ich Bereiche zu zeigen die ohnehin schon da sind und es antreiben, mit dem das Ich sich einfach nur nicht indentifiziert. Nach einer Therapie (die ansonsten völlig sinnlos wäre) soll das Ich genau das aber ein wenig besser können.

Selbst theoretisch simplere Therapien versuchen ein Stückchen mehr Kontrolle und Autonomie an das schwache Ich zu deligieren, Stabilität ist auch hier ein wesentliches Therapieziel.

Zitat:
„auf der anderen seite ist dennett, man muss es wiederholen, gerade im gegenzug zu "geistphilosophen" wie searle, gar kein gegner von freud. nur hält er das thema damit nicht für erledigt.“


Ja, schön und gut und wer sich dafür interessiert wie das gemacht wird, was Dennett da beschwört, soll Kernberg lesen.

Zitat:
Zitat:

Gesetzt den Fall das wäre so, was würde uns daran hindern, das zu formulieren, was ohnehin einige denken, dass es nämlich legitim sei zu sagen, dass Bayern München Deutscher Fußballmeister werden will, dass die SPD beabsichtigt bei den nächsten Wahlen gut abzuschneiden.


„wo liegt dein problem? sagt dennett, man dürfte das nicht formulieren??“


In den sich ergebenden Folgerungen die ich ausführe.

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Der Einwand mancher war, dass Parteien, Vereine, Staaten, Religionsgemeinschaften an sich nichts wollen können, weil eben damit nicht gemeint ist, dass die SPD tatsächlich etwas wollen kann, allenfalls einige ihrer Mitglieder (andere könnten durchaus dagegen sein). Nun könnte man sagen, das sei im Hirn nun auch nicht groß anders, einige Reize werden eben auch gehemmt, sind zu schwach, setzen sich nicht durch.
Ansonsten ist die Situation recht analog, aus Einzelteilen verschiedener Funktion entsteht ein künstliches Ganzes, dass aber nicht mehr ist, als die Summe seiner Teile.
Das führt zu recht grotesken Entstellungen,

„ich finde es ziemlich klar, was hier grotesk ist.
der vergleich hinkt nicht, der sitzt im rollstuhl mit amputierten gliedern.
einmal projizierst du eigenschaften eines teils auf eine gruppe, also anthropomorphisierst parteien zum beispiel, das andere mal soll ja gerade der umgekehrte weg eingeschlagen werden, die entstehung des menschen aus amenschlichem. das ist eben nicht das gleiche. das eine mal geht es darum ob die systemeigenschaft etwas ist was die teile nicht haben das andere mal ist die frage, ob das system eigenschaften der einzelteile aufweist.“


Die Gemeinsamkeit ist, dass in beiden Fälle scheinbare Teile eine größere Einheit bilden und ich nach dem prinzipiellen Unterschied frage, von dem ich meine, dass er da ist und von dem ich glaube, dass man das aus Dennetts Folgerungen nicht ableiten kann.

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auf die ich gleich eingehe zuvor wollen wir hören, was der Philosoph Robert Brandom dazu zu sagen hat:


„also, nachdem ich die kurzversion gelesen habe und die langversion durchgeblättert muss ich sagen, dass ich stark den eindruck habe, dass du diesen brandom nstrumentalisierst.“


Du müsstest wie so oft dann nur noch hinzufügen, was Dich zu diesem Eindruck kommen lässt.

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Nun meine Kritik: Wenn ich nur aus interagierenden Teilen bestehe


„nochmal zu den teilen. weil dus oben auch angesprochen hast und ständig den gleichen stuss dazu erzählst. was hat diese "nur" hier verloren? da liegt die täuschung von der dennett gesprochen haben mag. hier wird suggeriert, da fehlte etwas. da fehlt nichts.“


Ist mir bekannt, ist aber lediglich ein Glaubenssatz, der, wie meine Kritik zeigen sollte nicht sonderlich überzeugend aufzeigt, warum man denn nun gerade an ihn glauben soll.

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„etwas ist immer mehr als die summe seiner teile.“


So?

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„und nie.“


Könnte man als glatten Widerspruch werten. Ich bin immer zur Schule gegangen und nie.

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„es ist immer mehr als die summe der teile, als nie und nimmer etwas alles ist ohne alles zu sein.
es ist nie mehr als die summe, als man teil immer auch nichtdinglich verstehen kann. eine interaktion wird zum teil.“


Ich verstehe schon und erhöhe:
Alle Einzelbausteine und die Summe dessen was sie interagierend tun beschreiben nicht hinreichend das neu entstandene Ganze und seine Fähigkeiten.

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und dass jemand dessen funktionalismus du gerade noch gegeiselt hast unter system beziehungslose einzelteile versteht glaubst du doch wohl selbst nicht.
und so muss man immer wieder sagen, das ganze ist nur dann mehr als die summe seiner teile, wenn die summe beziehungsloses nebeneinander(unspezifisch von mir aus, nebeneinander ist eine beziehung)
meint, ansonsten ist das ganze genau dadurch bestimmt: den teilen und den interaktionen zwischen den teilen(wenn man im mechanischen bild bleibt). es gibt aber keinen sinn von etwas "mehr" zu reden dass irgendwie vom himmel fällt.

nochmal zum spiegelonline interview mit laughlin:
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und es nichts gibt, was ich sinnvollerweise meinen kann, wenn ich „Ich“ sage,



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„das hat auch niemand behauptet, ich bin sicher, auch dennett sagt das nicht und sagt vielmerh selbst ich und ist der meinung, dass er damit etwas meint.
aber nur weil man das wörtchen "gut" benutzt wird man deswegen noch nicht zum platonischen anhänger des "guten" selbst. und genausowenig folgt aus der ablehnung des guten an sich die leugnung des sinnvollen gebrauchs des wörtchens gut.
für meinen geschmack ist das zwangsontologie...jedem der sie nicht betreibt wird gerade daraus der ontologische strick gedreht.“


Nun, ich frage mich ernsthaft wie man mit Ich etwas meinen kann und gleichzeitg irgendeinen nichts weiter als –ismus vertreten will. Wer da den Widerspruch nicht sieht, der will ihn nicht sehen.


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„...so wie es sinnlos ist zu formulieren, dass irgendwo im Hirn mehr Ich, mehr Subjekt säße als anderswo, nur „geschäftig lärmende Maschinen“ wie uns Dennett erklärt.

„das ist quatsch,. selbstverständlich ist die putzfrau weniger bank als der direktor genauso wie mein kleiner finger weniger ich ist als mein hirn.“


Aha, also Essig mit der Dennetschen Demokratie des Gehirns, dachte ich es mir doch.
Ich glaube übrigens nicht, dass im kleinen Finger weniger Ich ist, als im Gehirn.


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Wenn also alle gleichermaßen die Deutsche Bank sind,


„sind sie nicht, merkwürdige idee.“


Widerleg mir das mit Dennetts Ideen, darum geht es – ich glaube den Quatsch ja nicht.

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dann darf man wohl formulieren, dass die entlassenen Mitarbeiter ihre Entlassung selbst gewollt haben müssen, wenn irgendwer meint, dass etwas zu wollen ein bedeutungsvoller Ausdruck ist. Die Deutsche Bank hat es so beschlossen oder gewollt und da alle die Deutsche Bank sind, haben es alle gleichermaßen so beschlossen oder gewollt. Nicht wahr?


„nein...du sophistest“


Begründung?


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Weder scheinen es allein die Ungebildeten zu sein, noch die, die sich einen Knoten ins Hirn denken, sondern quer durch alle Schichten stößt die Idee auf Skepsis.


„naja. na und? die apelschen letzbegründetheiten stossen auch allenthalben auf widerstand was dich nicht daran hindert sie prima zu finden, oder?“


All das und das vorher von Dir geschriebene ist aber nichts wozu man eine unmittelbare von allen geteilte Intuition hat, was für das Ich jedoch gilt.



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sondern gegen einige Philosophen, aber dabei sollte man nicht übersehen, dass die Psychoanalyse und verwandte Disziplinen (Tiefenpssychologie verschiedener Art und Übertragungsfokussierrte Therapie (TFP)) praktisch mit dem arbeiten (entgegen den Gerüchten und den neuen Studien zufolge ungeheuer erfolgreich), was Dennett leugnet und als faulen Zauber und unformulierbar verkaufen möchte.


„carsten, in diesem sinne arbeitet dennett selbst mit dem was er nach dir angeblich leugnet. dass da ein bisschen der wurm drin ist, dazu braucht man nicht kernberg...also, fragt sich, warum ist da der wurm drin, dennett ein bisschen dämlich oder du ihn nicht so richtig verstanden?“


Tertium non datur? Vielleicht will Dennett sich ein bisschen wichtig machen und bauscht da etwas über die Maßen auf? Die beiden anderen Rezensenten hat es ja nun auch nicht von Stuhl gehauen, soweit ich das gelesen habe.


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Aber vielleicht glaube ich an UFOs, weiß aber, dass ich mich damit blamieren könnte und schweige. Weiß er’s?


"du liebe zeit, er weiss eine ganze menge nicht. hast du nicht was von agnostikern erzählt in diesem zusammenhang...?
weisst du vielleicht, wies in der sonne aussieht? eben.“

Ist das eine Frage meines intrinschen Bewusstseins? Eben.

Gruß,

Carsten