Kafka gegen religiösen Fundamentalismus

Friedhelm
Hallo, ich wünsche allen ein erfolg- und gedankenreiches Neues Jahr 2008.

Zum Glück weit ab von der peinlichen Kreationismusdebatte traf ich mich am ersten Tag des neuen Jahres mit einem sehr gläubigen Christen aus der Gemeinde von Horst Schaffranek in einem Café, - eigentlich, um über Probleme und Hilfsmöglichkeiten in Afrika zu reden.
Ich erlebte das neue Rauchverbot. Eigentlich sonst typisch für evangelikale Christen. Nun aber staatlich.

Wir beteten und begannen dann ein Gespräch. Ich hatte ihm erzählt von einem außerehelichen Verhältnis vor 50 Jahren, das ich aber - selbst heute noch nicht als Sünde sehe.

Und nun in der Folge von drei Stunden, in der er auf keinen meiner Gedanken überhaupt einging, was mich wunderte, erklärte er mir, daß all mein Reden nichts weiter gewesen sei, als Ausrede, als der Versuch, mich dem Schuldeingeständnis jener schweren Sünde zu entziehen.

Ich war für ihn gestorben. Hatte für ihn jede Legitimation für Afrika oder sonstige Themen verloren.

Ich las dann zuhause, was mir in der Reflexion auf diesen Nachmittag einfiel:

Vor dem Gesetz
Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, daß er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später werde eintreten dürfen. »Es ist möglich«, sagt der Türhüter, »jetzt aber nicht.« Da das Tor zum Gesetz offensteht wie immer und der Türhüter beiseite tritt, bückt sich der Mann, um durch das Tor in das Innere zu sehn. Als der Türhüter das merkt, lacht er und sagt: »Wenn es dich so lockt, versuche es doch, trotz meines Verbotes hineinzugehn. Merke aber: Ich bin mächtig. Und ich bin nur der unterste Türhüter. Von Saal zu Saal stehn aber Türhüter, einer mächtiger als der andere. Schon den Anblick des dritten kann nicht einmal ich mehr ertragen.«

Solche Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht erwartet; das Gesetz soll doch jedem und immer zugänglich sein, denkt er, aber als er jetzt den Türhüter in seinem Pelzmantel genauer ansieht, seine große Spitznase, den langen, dünnen, schwarzen tatarischen Bart, entschließt er sich, doch lieber zu warten, bis er die Erlaubnis zum Eintritt bekommt. Der Türhüter gibt ihm einen Sche mel und läßt ihn seitwärts von der Tür sich niedersetzen. Dort sitzt er Tage und Jahre. Er macht viele Versuche, einge lassen zu werden, und ermüdet den Türhüter durch seine Bitten. Der Türhüter stellt öfters kleine Verhöre mit ihm an, fragt ihn über seine Heimat aus und nach vielem ändern, es sind aber teilnahmslose Fragen, wie sie große Herren stellen, und zum Schlüsse sagt er ihm immer wieder, daß er ihn noch nicht einlassen könne. Der Mann, der sich für seine Reise mit vielem ausgerüstet hat, verwendet alles, und sei es noch so wertvoll, um den Türhüter zu bestechen. Dieser nimmt zwar alles an, aber sagt dabei: »Ich nehme es nur an, damit du nicht glaubst, etwas versäumt zu haben. « Während der vielen Jahre beobachtet der Mann den Türhüter fast ununterbrochen. Er vergißt die andern Türhüter und dieser erste scheint ihm das einzige Hindernis für den Eintritt in das Gesetz. Er verflucht den unglücklichen Zufall, in den ersten Jahren rücksichtslos und laut, später, als er alt wird, brummt er nur noch vor sich hin. Er wird kindisch, und, da er in dem jahrelangen Studium des Türhüters auch die Flöhe in seinem Pelzkragen erkannt hat, bittet er auch die Flöhe, ihm zu helfen und den Türhüter umzustimmen.

Schließlich wird sein Augenlicht schwach, und er weiß nicht, ob es um ihn wirklich dunkler wird, oder ob ihn nur seine Augen täu schen. Wohl aber erkennt er jetzt im Dunkel einen Glanz, der unverlöschlich aus der Türe des Gesetzes bricht. Nun lebt er nicht mehr lange. Vor seinem Tode sammeln sich in seinem Kopfe alle Erfahrungen der ganzen Zeit zu einer Frage, die er bisher an den Türhüter noch nicht gestellt hat. Er winkt ihm zu, da er seinen erstarrenden Körper nicht mehr aufrichten kann. Der Türhüter muß sich tief zu ihm hinunterneigen, denn der Größenunterschied hat sich sehr zu ungunsten des Mannes verändert. »Was willst du denn jetzt noch wissen?« fragt der Türhüter, »du bist unersättlich.« »Alle streben doch nach dem Gesetz«, sagt der Mann, »wieso kommt es, daß in den vielen Jahren niemand außer mir Einlaß verlangt hat?« Der Türhüter erkennt, daß der Mann schon an seinem Ende ist, und, um sein vergehendes Gehör noch zu erreichen, brüllt er ihn an: »Hier konnte niemand sonst Einlaß erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.«

Damit wurden solche Torwächter zu meinem Problem 2008. O-weh

ganz herzlich
Friedhelm
Rhetorix
Zitat:
Original von Friedhelm
... traf ich mich am ersten Tag des neuen Jahres mit einem sehr gläubigen Christen aus der Gemeinde von Horst Schaffranek in einem Café...Wir beteten und begannen dann ein Gespräch.

Ihr hat in einem Café gebetet? Apart! Bizarr!

Zitat:
Ich hatte ihm erzählt von einem außerehelichen Verhältnis vor 50 Jahren, das ich aber - selbst heute noch nicht als Sünde sehe.
Und nun in der Folge von drei Stunden, in der er auf keinen meiner Gedanken überhaupt einging, was mich wunderte, erklärte er mir, daß all mein Reden nichts weiter gewesen sei, als Ausrede, als der Versuch, mich dem Schuldeingeständnis jener schweren Sünde zu entziehen.

Ihr habt euch alle beide 3 Stunden lang an diesem Thema aufgegeilt? Na, da hast du dich sicher wieder jung gefühlt!


Zitat:
Ich las dann zuhause, was mir in der Reflexion auf diesen Nachmittag einfiel:

Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. ...

Damit wurden solche Torwächter zu meinem Problem 2008. O-weh

O weh!

Die Geschichte hat nichts mit dir zu tun.
Kafka schreibt über einen Mann, der sich die Gerechtigkeit wie die verbotene Stadt in Peking vorstellt, gar nicht auf den Gedanken kommt, die Worte Wenn es dich so lockt, versuche es doch, trotz meines Verbotes hineinzugehn als Einladung aufzufassen und durch das weit offene Tor zu gehen, und der deshalb draußen bleibt.

Dein Gesprächspartner hingegen hat dir Gerechtigkeit (bzw. seine Version davon, die vielleicht auch die meine ist) aufgrdrängt, aber die gefiel dir nicht, weil sie bedeutete, dass du im Unrecht warst.
mark
hallo friedhelm,

ich kann rhetorix' beitrag nur unterschreiben. kafkas geschichte hat so gar nichts mit deiner moralischen einstellung zu seitensprüngen zu tun.
und möchte nur ergänzen, dass auch die darstellung des rauchverbots als ausdruck einer vermeintlichen lustfeindlichkeit wirklich nur einen sehr begrenzten horizont offenbart. es gibt tatsächlich menschen, denen ist es geradezu eine lust, rauchfreie luft zu atmen. sogar in einem cafe.
na, vielleicht hat das mit dem horizont doch was mit der geschichte zu tun. allerdings ist dann nicht der wächter das problem.

gruss
Friedhelm
Zitat:
Original von Rhetorix
Zitat:
Original von Friedhelm


[quote]Ich hatte ihm erzählt von einem außerehelichen Verhältnis vor 50 Jahren, das ich aber - selbst heute noch nicht als Sünde sehe.
Und nun in der Folge von drei Stunden, in der er auf keinen meiner Gedanken überhaupt einging, was mich wunderte, erklärte er mir, daß all mein Reden nichts weiter gewesen sei, als Ausrede, als der Versuch, mich dem Schuldeingeständnis jener schweren Sünde zu entziehen.

Ihr habt euch alle beide 3 Stunden lang an diesem Thema aufgegeilt? Na, da hast du dich sicher wieder jung gefühlt!


Nein, ich hatte versucht, ihm den lesenswerten Aufsatz von Eberhard Jüngel mahezubringen "Das Evangelium von der Rechtfertigung des Gottlosen."



Zitat:

Die Geschichte hat nichts mit dir zu tun.
Kafka schreibt über einen Mann, der sich die Gerechtigkeit wie die verbotene Stadt in Peking vorstellt, gar nicht auf den Gedanken kommt, die Worte Wenn es dich so lockt, versuche es doch, trotz meines Verbotes hineinzugehn als Einladung aufzufassen und durch das weit offene Tor zu gehen, und der deshalb draußen bleibt.

Dein Gesprächspartner hingegen hat dir Gerechtigkeit (bzw. seine Version davon, die vielleicht auch die meine ist) aufgrdrängt, aber die gefiel dir nicht, weil sie bedeutete, dass du im Unrecht warst.


Ja eben.gruebel Ich sagte ihm zum Schluß:" Ich bin froh, daß Du nicht der Weltenrichter bist."

ganz herzlich
Friedhelm
Friedhelm
Zitat:
Original von mark
hallo friedhelm,

ich kann rhetorix' beitrag nur unterschreiben. kafkas geschichte hat so gar nichts mit deiner moralischen einstellung zu seitensprüngen zu tun.
und möchte nur ergänzen, dass auch die darstellung des rauchverbots als ausdruck einer vermeintlichen lustfeindlichkeit wirklich nur einen sehr begrenzten horizont offenbart. es gibt tatsächlich menschen, denen ist es geradezu eine lust, rauchfreie luft zu atmen. sogar in einem cafe.
na, vielleicht hat das mit dem horizont doch was mit der geschichte zu tun. allerdings ist dann nicht der wächter das problem.

gruss



Hallo Mark,
Du hast recht, das Problem lag bzw liegt ganz bei mir, - wie eben in der Kafkageschichte bei dem unbedarften Landarbeiter. Der läßt sich einschüchtern und erreicht genau deswegen nicht den Ort seiner eigentlichen Bestimmung.

Das neue staatliche Rauchverbot ist ohne Zweifel logisch und vielleicht ja auch vernünftig. Theologisch gesehen waren meine eigenen Rauchgewohnheiten bislang die rein äußerlichen Kriterien, die meine Distance zu evangelikalen Kreisen praktisch von selbst regelten.
Zum ersten Jan. kam nun fast gespenstisch beides wenn auch rein zufällig zusammen.

Aber immerhin gehören die Torwächter oder religiösen Hausmeister zur Realität unserer Gesellschaft, mit der man ja irgendwie zurecht kommen muß.
Ein merkwürdiges Ohmen.

ganz herzlich
Friedhelm
Rhetorix
Zitat:
Original von Friedhelm
Zitat:
Original von Rhetorix...Dein Gesprächspartner hingegen hat dir Gerechtigkeit (bzw. seine Version davon, die vielleicht auch die meine ist) aufgrdrängt, aber die gefiel dir nicht, weil sie bedeutete, dass du im Unrecht warst.

Ja eben.gruebel Ich sagte ihm zum Schluß:" Ich bin froh, daß Du nicht der Weltenrichter bist."

Tja, jeder will immerzu sein Recht bekommen.
Vielleicht hast du - wie viele andere - aber nicht begriffen, dass das Recht tatsächlich gelegentlich darin besteht, selbst Unrecht zu bekommen.

Das könnte dir auch beim Jünsten Gericht passieren, vorausgesetzt, dass es nicht auf den Sanktnimmerleinstag vertagt wird.
mark
Zitat:
Original von Friedhelm
Du hast recht, das Problem lag bzw liegt ganz bei mir, - wie eben in der Kafkageschichte bei dem unbedarften Landarbeiter. Der läßt sich einschüchtern und erreicht genau deswegen nicht den Ort seiner eigentlichen Bestimmung.

naja, ich denke nicht, dass es so einfach ist. denn die situation ist der beschreibung nach paradox und es gibt tatsächlich keinen ausweg.
es ist nicht einfache einschüchterung.
es ist eher eine art gordischer knoten.
meiner meinung nach.
Zitat:

Das neue staatliche Rauchverbot ist ohne Zweifel logisch und vielleicht ja auch vernünftig. Theologisch gesehen waren meine eigenen Rauchgewohnheiten bislang die rein äußerlichen Kriterien, die meine Distance zu evangelikalen Kreisen praktisch von selbst regelten.
Zum ersten Jan. kam nun fast gespenstisch beides wenn auch rein zufällig zusammen.

vernünftig hin oder her, es ist nicht lustfeindlich, auch wenn das gerne kolportiert wird. es gibt menschen, die atmen lustvoller ohne berauchung. ist vielleicht kaum zu glauben für den einen oder anderne dauerpfaffer...ändert aber nichts.
ich hab keinerlei kontakt zu "evangelikalen" kreisen, ich weiss nicht mal ob dort geraucht wird oder nicht.
die verbindung zwischen beidem bist du, das ist alles was ich sagen wollte.
Zitat:

Aber immerhin gehören die Torwächter oder religiösen Hausmeister zur Realität unserer Gesellschaft, mit der man ja irgendwie zurecht kommen muß.
Ein merkwürdiges Ohmen.

nein.
evangelikale sind andere.
der torwächter bist du selber.

gruss
Friedhelm
Zitat:
Original von Rhetorix

Zitat:
Original von Rhetorix...Dein Gesprächspartner hingegen hat dir Gerechtigkeit (bzw. seine Version davon, die vielleicht auch die meine ist) aufgrdrängt, aber die gefiel dir nicht, weil sie bedeutete, dass du im Unrecht warst.

Zitat:
Original von Friedhelm
Ja eben.gruebel Ich sagte ihm zum Schluß:" Ich bin froh, daß Du nicht der Weltenrichter bist."

Tja, jeder will immerzu sein Recht bekommen.
Vielleicht hast du - wie viele andere - aber nicht begriffen, dass das Recht tatsächlich gelegentlich darin besteht, selbst Unrecht zu bekommen.

Das könnte dir auch beim Jünsten Gericht passieren, vorausgesetzt, dass es nicht auf den Sanktnimmerleinstag vertagt wird.


Hallo Rhetorix,
sicher ein Problem unter Christen, wo ein jeder - ich auch - bei unterschiedlichen Sichtweisen und Stadtpunkten nota-bene das Feuerschwert der Selbstgerechtigkeit zückt gegen den anderen, - ob ich dabei nun das Landei oder der Torwächter bin, was spielt das für eine Rolle? wenn wir uns dabei gegenseitig das Tor versperren.
ganz herzlich
Friedhelm
Friedhelm
Zitat:
Original von mark
[quote]Original von Friedhelm

Aber immerhin gehören die Torwächter oder religiösen Hausmeister zur Realität unserer Gesellschaft, mit der man ja irgendwie zurecht kommen muß.
Ein merkwürdiges Ohmen.


Zitat:
Original von mark

nein.
evangelikale sind andere.
der torwächter bist du selber.

gruss


Hallo Mark,
hatte ich so noch nicht gesehen. Vielleicht ist Kafka überhaupt mehr als Spiegel unserer selbst als das unserer Außenwelt zu verstehen. Natürlich bin ich selbst es, der sich hindern läßt, wo mich eigentlich niemand hindern kann.
Wer und wie sollte mir jemand den Weg zu Gott versperren können, der für jeden offen ist.

ganz herzlich
Friedhelm
mark
Zitat:
Original von Friedhelm
hatte ich so noch nicht gesehen. Vielleicht ist Kafka überhaupt mehr als Spiegel unserer selbst als das unserer Außenwelt zu verstehen. Natürlich bin ich selbst es, der sich hindern läßt, wo mich eigentlich niemand hindern kann.
Wer und wie sollte mir jemand den Weg zu Gott versperren können, der für jeden offen ist.

nun, der weg ist nicht offen, er wird bewacht.
man kann nicht einfach das paradoxon weglassen.
da ähneln sich ja auch verschiedene romane.
wegen der paradoxen situation ergibt es auch keinen sinn es auf äusseren zwang anzuwenden. evangelikale sind keine torwächter.
aber du bist es nicht selbst der sich hindern lässt, du selbst hinderst dich. das ist der punkt. und deswegen passt es auch nicht auf den äusseren zwang.
und deshalb kann dich auch jemand hindern, du selbst eben.
und, im bild bleibend, da ist kein weg der für jeden offen wäre. nur dein weg. kein anderer.

gruss
eliskases
@ friedhelm

Ich wundere mich, wie ein - in meinen Augen für alle Beteiligten völlig unwürdiges Gespräch - auch noch mit der nichts zur Sache tuenden Kafkaparabel "Vor dem Gesetz" hier künstlich überhöht wird. Es mag ja sein, dass für dich, friedhelm, dieses bizarre Cafegespräch einen wirklichen, existenziellen Hintergrund hat. Ich finde es so wie du es schilderst dennoch menschenunwürdig in vielerlei Hinsicht.

Zitat:
Original von Friedhelm
Ich erlebte das neue Rauchverbot. Eigentlich sonst typisch für evangelikale Christen. Nun aber staatlich.

Das hört sich an, als ob du gerne geraucht hättest, um dich vor allem von der evangelikalen Kleingeisterei irgendwie abheben zu können. Um dadurch nicht "zu denen" zu gehören. Deine Welt- und Wertvorstellungen sollten aber den Unterschied machen. Nicht, ob du rauchst oder nicht. Aber das nur ganz am Rande bemerkt.

Zitat:
Original von Friedhelm
Wir beteten und begannen dann ein Gespräch. Ich hatte ihm erzählt von einem außerehelichen Verhältnis vor 50 Jahren, das ich aber - selbst heute noch nicht als Sünde sehe.

Ich frage mich, warum du das ausgerechnet diesem Gesprächspartner überhaupt erzählst? Um Absolution zu erhalten oder um dich selbst vor einem selbsternannten Richter zu stellen? Die einzige, die du zu dieser Sache befragen solltest - wenn dir das ein Anliegen ist - ist deine Ehefrau. Und ansonsten allenfalls einem sehr guten Freund, der einem hoffentlich anträgt, dass man dies gefälligst der Ehefrau vortragen sollte. Der und niemand anderem solltest du sagen, dass du ein außerheliches Verhältnis vor 50 Jahren hattest und es keineswegs bereust. Als du diese Geschichte im Cafe erzähltest: was wolltest du von dem Mann?

Zitat:
Original von Friedhelm
Und nun in der Folge von drei Stunden, in der er auf keinen meiner Gedanken überhaupt einging, was mich wunderte, erklärte er mir, daß all mein Reden nichts weiter gewesen sei, als Ausrede, als der Versuch, mich dem Schuldeingeständnis jener schweren Sünde zu entziehen.

Und möglicherweise hat er mit dieser Analyse recht. Ob du aber eine "schwere Sünde" begangen hast oder nicht, kann dir meiner Meinung nach weder dieser Mann, noch der liebe Gott sagen, sondern einzig und allein deine Frau.

Zitat:
Original von Friedhelm
Ich war für ihn gestorben. Hatte für ihn jede Legitimation für Afrika oder sonstige Themen verloren.

Dies wiederum diskreditiert deinen Gespächspartner in meinen Augen - moralisch - komplett, denn er nimmt eine moralische Position ein, die er nicht einnehmen sollte. Die richtige Antwort wäre gewesen: "Erzähl das nicht mir, erzähle es deiner Frau." So sehe ich es zumindest.
Nicht du bist im Cafe moralisch und christlich kompromittiert worden, sondern dein Gesprächspartner. Es ist menschlich nachzuvollziehen, dass du ihm diese Geschichte erzählt hast, aus welchen Gründen genau auch immer. Seine Reaktion zeigt mir persönlich aber nur einmal mehr, dass solcher Art verstandenes Christentum nichts anderes ist, als letztlich menschenverachtend.

Ansonsten ein frohes neues Jahr für alle!
Neo
Hallo Eliskases,
Zitat:
Original von eliskases
Zitat:
Original von Friedhelm
Ich war für ihn gestorben. Hatte für ihn jede Legitimation für Afrika oder sonstige Themen verloren.

Dies wiederum diskreditiert deinen Gespächspartner in meinen Augen - moralisch - komplett, denn er nimmt eine moralische Position ein, die er nicht einnehmen sollte.

Wir sollten statt dessen Mitleid mit ihm haben. Er ist gefangen in einer
Welt von moralischen Ge- und Verboten, die ihm eingepflanzt wurden und die er übernommen hat; er kann wahrscheinlich gar nicht anders.

Frei im Denken und Fühlen wäre in meinen Augen Friedhelm, jedenfalls wenn ich seine Schilderung richtig verstanden habe, allerdings frage auch ich mich, warum er es dann erzählt hat.

Zitat:
Original von eliskases
Seine Reaktion zeigt mir persönlich aber nur einmal mehr, dass solcher Art verstandenes Christentum nichts anderes ist, als letztlich menschenverachtend.

Sei bitte nicht so streng mit den Christen. Vor allem aber vergiß dabei nicht, dass solches Verhalten in keinster Weise der Idee und Lehre Jesu entspricht, der zwar die Sünde verachtete, aber niemals den Sünder: "Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein".
Rhetorix
Zitat:
von mark
...denn die situation ist der beschreibung nach paradox und es gibt tatsächlich keinen ausweg.

Was ist daran paradox?

Zitat:
nun, der weg ist nicht offen, er wird bewacht.

Da das Tor zum Gesetz offensteht wie immer und der Türhüter beiseite tritt...

Zitat:
von eliskases
Ich frage mich, warum du das ausgerechnet diesem Gesprächspartner überhaupt erzählst? Um Absolution zu erhalten oder um dich selbst vor einem selbsternannten Richter zu stellen?

Weil es Spaß macht, von alten Jugendsünden zu schwärmen.
Friedhelm
Zitat:
Original von mark
Zitat:
Original von Friedhelm
hatte ich so noch nicht gesehen. Vielleicht ist Kafka überhaupt mehr als Spiegel unserer selbst als das unserer Außenwelt zu verstehen. Natürlich bin ich selbst es, der sich hindern läßt, wo mich eigentlich niemand hindern kann.
Wer und wie sollte mir jemand den Weg zu Gott versperren können, der für jeden offen ist.

nun, der weg ist nicht offen, er wird bewacht.
man kann nicht einfach das paradoxon weglassen.
da ähneln sich ja auch verschiedene romane.
wegen der paradoxen situation ergibt es auch keinen sinn es auf äusseren zwang anzuwenden. evangelikale sind keine torwächter.


Vielleicht bist Du unerfahren mit verbohrten Christen, wahrscheinlicher aber ist es, daß wir hier den gleichen Begriff "evangelikal" unterschiedlich benutzen.
Eigentlich begrüße und unterstütze ich jene neue/alte und ursprüngliche Bewegung einer christlichen "Kirche von Unten", zu der ich aber nie gehören konnte, schon allein deswegen nicht, weil ich das Rauchen meiner Pfeife nicht verbergen und auch nicht als Sünde aufgeben wollte.
In letzter Zeit wurde diese Bewegung, die sich von den USA ausgehend inzwischen über die ganze Welt verbreitet - nicht zuletzt durch Dabbelju und seinen Krieg - als evangelikal bezeichnet und ganz zu Unrecht oft als ähnlich fundamentalistisch bezeichnet und dargestellt, wie man den fundamentalistischen Islamismus zu verstehen glaubt.
In der Tat blüht mit dieser Bewegung auch so manche Sumpfblühte bzw so manches esoterische Unkraut. Insgesamt kritisch sehe ich die mangelnde Bildung und Reflexionsfähigkeit und Reflexionswilligkeit und zwar als Naivität und Leichtsinn, womit die 2000jährige oft bittere Erfahrung und theologische Arbeit der Großkirchen (von Oben) ignoriert werden.
Man sollte da also unterscheiden, und man unterscheidet auch zwischen Laienbewegung, Freikirche, Evangelikale, Sekten und einem esoterischem bis okultem Sumpf, der bis zum Hexen- und Teufelskult reicht.

Wer ab und zu den Spiegel oder die FAZ liest, sollte eigentlich die grobe Struktur und Nomenklatur dieser neuen Religiosität kennen.

Ich selbst kenne Beispiele - und es sind eigentlich genügend auch publiziert worden, wo Menschen regelrecht in die "Verdammnis" bis zum Selbstmord getrieben wurden, wenn sie sich solchem oft naiv und primitiv gebastelten Prokrustesbett auslieferten und zu geistigen/geistlichen Krüppeln wurden.

Was Kafka geradezu prophetisch beschreibt ist zumindest die Anfälligkeit des Menschen - wenn nicht sogar die Eigenschuld und Verantwortung solcher Opfer gegenüber solchen Torwächtern.

Zitat:

aber du bist es nicht selbst der sich hindern lässt, du selbst hinderst dich. das ist der punkt. und deswegen passt es auch nicht auf den äusseren zwang.
und deshalb kann dich auch jemand hindern, du selbst eben.
und, im bild bleibend, da ist kein weg der für jeden offen wäre. nur dein weg. kein anderer.

gruss


Hallo Mark,
was Du voraussetzt kann ich unterschreiben, nämlich die Forderung nach einer eigenen Kompetenz und Verantwortung für das eigene Verhalten, was man nicht auf ominöse Torwächter oder Rattenfänger abschieben und denen dann ankreiden sollte.
Aber es gibt sie eben, von denen ich mich nicht abhängig machen sollte.

ganz herzlich
Friedhelm
Friedhelm
Zitat:
Original von eliskases
@ friedhelm

Ich wundere mich, wie ein - in meinen Augen für alle Beteiligten völlig unwürdiges Gespräch - auch noch mit der nichts zur Sache tuenden Kafkaparabel "Vor dem Gesetz" hier künstlich überhöht wird. Es mag ja sein, dass für dich, friedhelm, dieses bizarre Cafegespräch einen wirklichen, existenziellen Hintergrund hat. Ich finde es so wie du es schilderst dennoch menschenunwürdig in vielerlei Hinsicht.

Zitat:
Original von Friedhelm
Ich erlebte das neue Rauchverbot. Eigentlich sonst typisch für evangelikale Christen. Nun aber staatlich.


Zitat:

Das hört sich an, als ob du gerne geraucht hättest, um dich vor allem von der evangelikalen Kleingeisterei irgendwie abheben zu können. Um dadurch nicht "zu denen" zu gehören. Deine Welt- und Wertvorstellungen sollten aber den Unterschied machen. Nicht, ob du rauchst oder nicht. Aber das nur ganz am Rande bemerkt.



Zitat:
Original von Friedhelm
Wir beteten und begannen dann ein Gespräch. Ich hatte ihm erzählt von einem außerehelichen Verhältnis vor 50 Jahren, das ich aber - selbst heute noch nicht als Sünde sehe.

Ich frage mich, warum du das ausgerechnet diesem Gesprächspartner überhaupt erzählst? Um Absolution zu erhalten oder um dich selbst vor einem selbsternannten Richter zu stellen? Die einzige, die du zu dieser Sache befragen solltest - wenn dir das ein Anliegen ist - ist deine Ehefrau. Und ansonsten allenfalls einem sehr guten Freund, der einem hoffentlich anträgt, dass man dies gefälligst der Ehefrau vortragen sollte. Der und niemand anderem solltest du sagen, dass du ein außerheliches Verhältnis vor 50 Jahren hattest und es keineswegs bereust. Als du diese Geschichte im Cafe erzähltest: was wolltest du von dem Mann?


Hallo eliskases


Mark sprach von einem Seitensprung.
Aber das besagte Korpus-delicti war kein Betrug, es war ein ehrliches und offenes - und unvermeidlich auch öffentliches - Verhältnis zwischen volljährigen Menschen, aus dem ein Kind hervorging, das sich nicht zu verbergen und zu verheimlichen braucht, damals also waren wir 21 Jahre, nur war das Verhältnis ohne kirchliche und staatliche Legitimation, und wurde von Familie, Staat und Kirche dann auch mit Brachialgewalt und echt krimineller Handhabe zerstört, was eben auch öffentlich war.
Mein Gesprächspartner, ein sonst ehrenwerter Mann mit fast engelsartiger Reinheit und Gradlinigkeit, der von meinem unehelichen Sohn wußte, kannte und vertrat allerdings die Lesart und Argumentation, die mich für das Scheitern jener alten tragischen Geschichte weiter verantwortlich macht, ohne die konkreten Einzelheiten zu kennen.

Daß mir nun deshalb von einem gläubigen Christen auch jeder mögliche Zutritt in das erlösende Himmelreich regelrecht abgesprochen wurde, und damit auch jede Legitimation, mich über theologische Fragen zu äußern, was mir jene Engelsgestalt erst am Schluß nach 3 Stunden mitteilte, war das, was mich völlig überraschte, - und mich an die Geschichte von Kafka denken ließ.


ganz herzlich
Friedhelm
Rhetorix
Zitat:
Original von Friedhelm
Zitat:
Original von Friedhelm
Wir beteten und begannen dann ein Gespräch. Ich hatte ihm erzählt von einem außerehelichen Verhältnis vor 50 Jahren, das ich aber - selbst heute noch nicht als Sünde sehe.

...Aber das besagte Korpus-delicti war kein Betrug, es war ein ehrliches und offenes - und unvermeidlich auch öffentliches - Verhältnis zwischen volljährigen Menschen... nur war das Verhältnis ohne kirchliche und staatliche Legitimation...

Aha, es war also kein außereheliches Verhältnis, und wir haben daher (teilweise) über des Kaisers Bart geredet.
Übrigens war das Corpus delicti in diesem Fall schon deshalb kein Betrug, weil es sich dabei um deinen 'besten Freund' handelte, und der ist doch wohl hoffentlich echt.
Pass mal ein bisschen besser auf deine Wortwahl auf! Das sollte dir, einem Spiegel- und FAZ-Leser, doch wohl gelingen.

* * * * *
Der religiöse Fundamentalismus in den USA unter George Bush wird nur als sanftes Säuseln in Erinnerung bleiben, falls sich Mike Huckabee bei den Republikanern durchsetzt und womöglich sogar die Präsidentenwahl gewinnt.
Für diesen Fall erkläre ich mich jetzt schon bereit, einem wegen seines Unglaubens verfolgten US-Amerikaner bei mir Asyl zu gewähren.
eliskases
@friedhelm

Zitat:
Original von Friedhelm
[...]
Aber das besagte Korpus-delicti war kein Betrug, es war ein ehrliches und offenes - und unvermeidlich auch öffentliches - Verhältnis zwischen volljährigen Menschen, aus dem ein Kind hervorging, das sich nicht zu verbergen und zu verheimlichen braucht, ...

Diese Richtigstellung in der Sache macht es ernsthaft schlimm, - vor allem für deinen Gesprächspartner, aber auch für dich.

Zitat:
Original von Friedhelm
Mein Gesprächspartner, ein sonst ehrenwerter Mann mit fast engelsartiger Reinheit und Gradlinigkeit, ...

Ich bin überzeugt, dass dieser Mensch grundsätzlich freundlich und hilsbreit zu den Menschen ist und viele gute Taten begeht, weil er sich für einen Christen hält.
Ebenso entspringt seinem Glauben offenbar, dass er ignorant, arrogant, lieblos und menschenverachtend ist. Er stellt ein gutes Beispiel dafür dar, dass irgendein Glaube die Frage, wie man sich moralisch (richtig) Verhalten sollte, niemals beantworten kann.
Vorausgesetzt der obige Sachverhalt trifft wie von dir geschildert zu, halte ich diesen Menschen für keine moralisch integere Person. Zumindest für nicht so moralisch integer, wie andere Menschen, die ich kenne und die ebenfalls grundsätzich freundlich und hilsbereit sind und viele gute Taten begehen. Die jedoch nicht gleichzeitig ignorant, arrogant, lieblos oder menschenverachtend sind, weil sie sich für (echte) Christen halten. Stattdessen tun sie, was sie tun, aus Respekt dem anderen gegenüber. Sie sind keineswegs moralisch perfekt. Aber das sind sie deshalb nicht, weil sie eben "nur" Menschen sind. Ihre natürlich auch vorhandene, moralische Mangelhaftigkeit entspringt nicht der Überzeugung, über eine Glaubensgewissheit und daraus entspringende Glaubenswahrheit zu verfügen, die diese Mangelhaftigkeit in eine angebliche moralische Überlegenheit pervertiert.

Schlimm ist die Sache aber auch für dich, weil du dich mit "solchen" Menschen nicht abgeben solltest, es sei denn allenfalls, um ihnen dabei zu helfen, sich aus ihrer verbohrten und letztlich verzweifelten Engstirnigkeit zu befreien, was mit Argumenten aber praktisch nie gelingt, sondern erst mit einer Therapie. Da sie sich aber auch für ganz besonders gesund halten, sind erfolgreiche Therapien ebenfalls eher selten.
Solche - in meinen Augen moralisch deformierte Menschen - stellen einen buchstäblich "schlechten Umgang" dar, den man um des eigenen Blutdrucks und des Respektes vor dem Menschen willen eigentlich besser meiden sollte.
Neo
@eliskases
Zitat:
Original von eliskases
Ebenso entspringt seinem Glauben offenbar, dass er ignorant, arrogant, lieblos und menschenverachtend ist. Er stellt ein gutes Beispiel dafür dar, dass irgendein Glaube die Frage, wie man sich moralisch (richtig) Verhalten sollte, niemals beantworten kann.

Ich muß mich wirklich sehr wundern. Bisher hatte ich Deine Beiträge und Deinen Diskussionsstil nicht zuletzt wegen der Sachlichkeit und des fundierten Hintergundwissens sehr geschätzt.


Bevor Du solche pauschalierenden Breitseiten abfeuerst, solltest Du Dir wenigstens die Mühe machen, die Beiträge auch anderer Teilnehmer wenigstens zu lesen.
eliskases
Zitat:
Original von Neo
@eliskases
Zitat:
Original von eliskases
Ebenso entspringt seinem Glauben offenbar, dass er ignorant, arrogant, lieblos und menschenverachtend ist. Er stellt ein gutes Beispiel dafür dar, dass irgendein Glaube die Frage, wie man sich moralisch (richtig) Verhalten sollte, niemals beantworten kann.

Ich muß mich wirklich sehr wundern. Bisher hatte ich Deine Beiträge und Deinen Diskussionsstil nicht zuletzt wegen der Sachlichkeit und des fundierten Hintergundwissens sehr geschätzt.

Bevor Du solche pauschalierenden Breitseiten abfeuerst, solltest Du Dir wenigstens die Mühe machen, die Beiträge auch anderer Teilnehmer wenigstens zu lesen.


"Ebenso entspringt SEINEM Glauben offenbar ..."
Jetzt klarer?
Neo
Zitat:
Original von eliskases
"Ebenso entspringt SEINEM Glauben offenbar ..."
Jetzt klarer?

Ein wenig. Du mußt schon entschuldigen, aber wenn Du Aussagen bringst wie
Zitat:
Original von eliskases
Er stellt ein gutes Beispiel dafür dar, dass irgendein Glaube die Frage, wie man sich moralisch (richtig) Verhalten sollte, niemals beantworten kann.

dann ist das für mich zumindest mißverständlich. Jedenfalls ist es pauschalierend, weil es den religiösen Glauben im allgemeinen diksreditiert. Zumindest unterschwellig andeutet, wahres moralisches Verhalten sei nicht durch Glaubenslehren fundiert - dem widerspreche auf Äußerste. Es ist letzlich DIE Grundlage schlechthin, die noch bleibt in einer Welt, wo ein Mensch nur noch nach Effizienz, Nutzen und Profitmaximierung bewertet wird. *)

Was Du da tust ist in meinen Augen eine Instrumentalisierung der gleichen ideologischen Hetzreden (nur mit umgedrehtem Vorzeichen) wie Du sie (zurecht) bei den fundamentalistischen Glaubensexzessen verurteilst.

Ich denke aber ich habe Dich da mißinterpretiert, weil Du damit nicht alle Gläubigen über einen Kamm scheren willst, sondern nur bestimmte (offenbar die fundamentalisitisch verblendeten). Das kommt jedenfalls rüber wenn ich Deine andere Aussage
Zitat:
Original von eliskases
Zumindest für nicht so moralisch integer, wie andere Menschen, die ich kenne und die ebenfalls grundsätzich freundlich und hilsbereit sind und viele gute Taten begehen. Die jedoch nicht gleichzeitig ignorant, arrogant, lieblos oder menschenverachtend sind, weil sie sich für (echte) Christen halten
richtig auslege.

Obwohl auch das mißverständlich ist: sind sie in Deinen Augen arrogant, lieblos usw. weil sie "sich für (echte) Christen halten", oder war es so gemeint, dass sie gerade das nicht sind, weil sie eben die Ideologie des Christentums richtig interpetieren?

Ich habe übrigens in meiner vorletzten Antwort an Dich auch meine Meinung zum Ausdruck gebracht, dass ich das Verhalten von Firedhelms Gesprächpartner durchaus nicht als typisch christlich verstehe und ich habe auch begründet warum ich das so sehe.
Allerdings sind wir ja von falschen Voraussetzungen ausgegegangen, nämlich der irrigen Annahme, Friedhelm hätte da einen Seitensprung gebeichtet, was sich ja im Nachhinein als Fehlinterepation heraussstellte.

------------------
EDIT:
*)
Was sollte uns denn sonst davon abhalten uns wie gewissenslose Tiere zu verhalten, und einen anderen einfach aus dem Weg zu räumen, wenn uns das einen Vorteil oder höheren Profit verschafft? (In einer immer mehr glaubensentleerten Welt ist das ja ohnehin schon Gang und Gäbe)? Den Schutz, den man selbst ebenfalls genießt, wenn man sich an Regeln und Gesetze hält? Das stimmt zwar, aber es erklärt nicht warum man sich trotzdem schlecht fühlt, auch wenn man einen anderen Menschen auf völlig 'legale' Weise kaputtmacht. (Naja, manchen jedenfalls fühlen sich dabei schlecht).
Es ist die tief sitzende und nur sehr schwer auszudrückende Ahnung, dass man dabei Unrecht tut gegen etwas, dass über unser individuelles Sein weit hinausgeht.

Grüße