Ist Selbstmord unmoralisch?

Gabriel
Hey, Leute!

Ich würde gern mal wissen, wie der Tod so ist. Drum beschloss ich eben, mich einfach mal umzubringen. Jetzt wollte ich nur nochmal wissen, ob das denn jetzt moralisch vertretbar ist, denn ich will ja nicht als letzte Tat in dieser Welt etwas Schlechtes tun. roll

Was meint ihr? großes Grinsen

Mit nicht ganz ernsthaften Grüßen
Gabriel Zwinker
Sternentänzer
Nun ja, das eigene Leben gehört einem ja - gut, andere könnten es schlecht finden und trauern, wenn man es sich nimmt, aber allgemein finden ja viele Leute viele Dinge schlecht, die andere dennoch machen, weil es ihre Freiheit ist. Gut, Selbstmord ist natürlich ein emotionales Extrembeispiel in dem Fall - aber ich glaube schon, dass die Entscheidung, zu leben, bei einem selbst liegt, und Selbstmord nicht wirklich unmoralisch ist, sondern eigentlich nur eine Verfügung über ein eigenes Gut, mit dem man anderen ja meist eher nicht absichtlich schadet, sondern in erster Linie sich selbst.
Wenn ich mich selbst umbringe, um wen anders in den Selbstmord zu treiben, ist es unmoralisch, finde ich; wenn ich es aber tue, um die Welt von mir zu befreien, weil ich so ein Miesepeter bin, ist das schon in Ordnung.

Ich würd's aber weder empfehlen noch tun, bin gegen Selbstverhäckslung.
Tot ist man noch lange genug; zugegeben, wer früher stirbt, ist's länger. Zwinker
Gabriel
Wer weiß denn schon, was besser ist? Zwinker

Ich hab' noch keinen Toten gefragt.
Vielleicht sollte ich eine spiritistische Sitzung veranstalten. großes Grinsen

Beste Grüße
Gabriel smile
Phantom
Fest steht doch dass wir früh genug herausfinden werden was (bzw ob etwas) danach kommt.
Bis dahin gilt es auszukosten was wir sicher haben -das Leben Gut !

Moralisch rechtfertigen würde ich Selbstmord nicht unbedingt -selbst ein leidvolles Leben scheint mir, als jemandem der glaubt dass danach nichts mehr kommt, immer noch ein unschätzbar kostbares Privileg vor den Toten zu sein- aber sofern man auch nach Konsuliteren eines Seelsorgers und ausführlichem Überdenken seinen eigenen Tod für wünschenswert hält würde ich es auch nicht moralisch verwerflich finden , sofern damit nicht intendiert wird anderen zu schaden.
Sonnambula
Zitat:
Original von Phantom
aber sofern man auch nach Konsuliteren eines Seelsorgers und ausführlichem Überdenken seinen eigenen Tod für wünschenswert hält würde ich es auch nicht moralisch verwerflich finden, sofern damit nicht intendiert wird anderen zu schaden.


Ja das ist so eine Sache, ich kann mich zwar schlecht in die Lage eines Selbstmörders versetzen, da für mich diese Option wohl nur in einer äußerst extremen Lage vielleicht denkbar wäre (z.B. bei einer Folterung oder sonstigen grausamen Dingen die ein anderer Mensch mir zufügen könnte), aber abgesehen von so einem Fall, Du sprichst den Seelsorger an, also wenn jemand depressiv ist und der Psychologe nicht helfen kann, soll der endgültige Tod die einzige Lösung sein? Wo es doch tausende von Möglichkeiten gibt, ein Leben zu leben, oder zu verändern?

Aber was ich noch viel interessanter finde ist die Frage, darf man Selbstmördern helfen, sich ihr wertvolles Leben zu nehmen? Da ich in der Schweiz lebe und dieses "Gewerbe" hier legal ist, ist das ein häufiges Thema. Ich finde es ziemlich heftig, dass sich Menschen damit bereichern, indem sie andere "hinüber begleiten" (klingt ziemlich euphemistisch). Würde dieses Geld in die Palliativmedizin gesteckt werden, könnte doch sicher den meisten auch auf diese Art geholfen werden, oder lieg ich da falsch? Tja solange man nicht selbst in dieser Lage ist, kann man wahrscheinlich auch nicht wirklich mitreden, aber interessieren tut es mich schon.
Hm, vielleicht sollte ich besser einen eigenen Thread darüber aufmachen... gruebel
Loma
Persönlich halte ich den Selbstmord für die legitimste Form des Sterbens - weil man es sich selbst aussuchen kann.
Das Problem dabei ist halt leider dieses, daß nur selten eine der betreffenden Personen, die Sache vorher vernünftig durchdenkt und daraus den Schluß zieht, sterben zu wollen, sondern mehrheitlich wohl extreme Gefühlsregungen zu einer solchen Tat führen.
Als "unmoralisch" sehe ich eher die Auffassung, jemanden unter absolut allen Umständen am Selbstmord hindern zu wollen.
Mahatma
Zitat:
Original von Phantom
Fest steht doch dass wir früh genug herausfinden werden was (bzw ob etwas) danach kommt.
Bis dahin gilt es auszukosten was wir sicher haben -das Leben Gut !

Moralisch rechtfertigen würde ich Selbstmord nicht unbedingt -selbst ein leidvolles Leben scheint mir, als jemandem der glaubt dass danach nichts mehr kommt, immer noch ein unschätzbar kostbares Privileg vor den Toten zu sein- aber sofern man auch nach Konsuliteren eines Seelsorgers und ausführlichem Überdenken seinen eigenen Tod für wünschenswert hält würde ich es auch nicht moralisch verwerflich finden , sofern damit nicht intendiert wird anderen zu schaden.


Wieso sollte sich denn die Frage nach einem Leben nach dem Tod überhaupt stellen? Es handelt sich bei den verschiedenen Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod um Erfindungen. Der christliche Himmel wurde von einer sadistischen, ungebildeten Priesterklasse erfunden, um die Menschen auszunutzen. Durch ihre unsinnigen Mythen schafften sie es, dass die Leute ein Drittel ihres Einkommens an die Tempel gaben. Der König unterstützte dies und als Ausgleich wurde er von den Klerikalfaschistien gerechtfertigt. So wurden die Massen über Jahrhunderte ausgenutzt.

Es gibt nicht den leisesten Hinweis für die Hypothese, dass nach dem Tod etwas kommt. Allein deswegen muss man davon ausgehen, dass dies nicht der Fall ist. Denn wo kämen wir hin, wenn wir Hypothesen in Betracht ziehen würden, für die es keine Belege gibt? Und: Wie soll man das Versagen der Leute erklären, die daran Glauben, Belege zu finden?

Bedeutender sind jedoch die Erkenntnisse, die wir mit der Zeit über das Menschsein gewonnnen haben. Nach allem, was wir wissen, sind wir das Produkt einer rein natürlichen Evolution. Unser Geist hat sich in Millionen von Jahren entwickelt, indem kleine Verändungen von einer Generation an die nächste weitergegeben wurden. Unser Ich entsteht aus der Materie unseres Gehirns und ist fest an sie gebunden. Werden die neuronalen Strukturen verändert, ändert sich auch das Ich. Gehen sie kaputt, stirbt mit ihnen das Ich.

Nun aber zum eigentlichen Diskussionsthema. Es ist ein grundlegendes Menschenrecht, über sich selbst zu bestimmen. Jeder kann mit sich selbst und seinem Körper machen was er will. Seine Verantwortung beginnt erst dort, wo er die Interessen anderer tangiert. Wenn jemand -- aus welchen Gründen auch immer -- nicht mehr leben möchte, ist es sein selbstverständliches Recht, sich selbst zu töten oder von anderen Hilfe zu bekommen, seinem Wunsch nachzugehen.
Phantom
Hi Mahatma,
Zitat:
Wieso sollte sich denn die Frage nach einem Leben nach dem Tod überhaupt stellen?

Grundsätzlich entspricht was du sagst meiner Meinung, allerdings gibt es durchaus auch intelligente Menschen die anderes glauben und deren Meinungen gilt es zu respektieren (genau wie ich erwarte dass meine Meinung respektiert wird).

Ich weiß schließlich nie, wo sich meine Meinungen im Laufe der Zeit noch als falsch herausstellen werden, deswegen bin ich vorsichtig damit, meine Meinung als die überlegene/richtige anzusehen nur weil ich überzeugt davon bin...
Cosmo
@Loma:
Zitat:

Persönlich halte ich den Selbstmord für die legitimste Form des Sterbens - weil man es sich selbst aussuchen kann.

Naja, die legitimste Form des Sterbens...? Das klingt so, als würde es illegitime Formen des Sterbens geben, was es meiner Ansicht nach nicht gibt. Legitim oder illegitim sind Begriffe, die schwer mit dem Sterben in Verbindung zu bringen sind. Aber ich glaube ich weiß was Du meinst, nämlich, daß Suizid kein Verbrechen ist, weder moralisch, noch strafrechtlich. Und da würde ich Dir 100%ig zustimmen. Es wundert mich wirklich, daß in unserem Strafrecht Suizid ein Tatbestand ist. Das belegt die übertriebene Verantwortlichkeit von 'Vater Staat' in Deutschland über zutiefst persönliche Belange.

Zitat:
Das Problem dabei ist halt leider dieses, daß nur selten eine der betreffenden Personen, die Sache vorher vernünftig durchdenkt und daraus den Schluß zieht, sterben zu wollen, sondern mehrheitlich wohl extreme Gefühlsregungen zu einer solchen Tat führen.

Ja, im Affekt werden wahrscheinlich viele Suizidversuche unternommen. Aber auch das wäre letztlich ok. Viele andere, ebenfalls irreversible, Entscheidungen treffen wir in unserem Leben möglicherweise im Affekt.

Zitat:
Als "unmoralisch" sehe ich eher die Auffassung, jemanden unter absolut allen Umständen am Selbstmord hindern zu wollen.

Damit würde der 'Retter' sich als eine Instanz aufspielen, die sich über den zu rettenden Suizidler stellt. Mit welchem Recht? Es gibt ja manchmal Situationen, da werden Menschen entmündigt, um sie vor Schäden zu schützen, die sie sich und anderen aufgrund einer Schuldunfähigkeit und Unzurechnungsfähigkeit zufügen könnten. Das lehnen wir ja allgemein wohl kaum ab, oder? Ein Mensch, der jemanden vom Suizid abhalten will, handelt vielleicht aus diesen Gründen heraus. Vorher, viel früher, sollte man mit Suizidgefährdeten entsprechenden Kontakt aufnehmen. Das wäre besser.
Gabriel
Zitat:
Moralisch rechtfertigen würde ich Selbstmord nicht unbedingt -selbst ein leidvolles Leben scheint mir, als jemandem der glaubt dass danach nichts mehr kommt, immer noch ein unschätzbar kostbares Privileg vor den Toten zu sein-


Wieso? Woher weißt du, dass es besser ist, zu leiden, als tot zu sein? Widerspricht sich das nicht eigentlich völlig, wo doch schon "Leiden" für eine negative Empfindung steht? Wer weiß, ob der Tod nicht überaus angenehm oder vielleicht auch einfach nur das Ende des Bewusstseins ist?

Wenn er Letzteres ist, ist es irgendwie unsinnig, sich überhaupt zu überlegen, ob er besser oder schlechter als das Leben ist, weil er dann einfach nur für die Abwesenheit von Leben stünde und ein Toter nicht mal existieren könnte. großes Grinsen

Gabriel roll
Phantom
Hi Gabriel,
Zitat:
Wieso? Woher weißt du, dass es besser ist, zu leiden, als tot zu sein? Widerspricht sich das nicht eigentlich völlig, wo doch schon "Leiden" für eine negative Empfindung steht? Wer weiß, ob der Tod nicht überaus angenehm oder vielleicht auch einfach nur das Ende des Bewusstseins ist?

Ich glaube dass er das endgütlige Ende des Bewusstseins ist, und vor diesem Hintergrund halte ich Vorstellungen wie "wenn ich mich umbringe geht es mir besser weil dann das leiden zuende ist" insofern für falsch als ich glaube dass man danach nicht mehr da ist um den Unterschied zu bemerken.

Selbst Leiden ist immerhin noch eine (wenn auch negative) Empfindung. Solange man leidet ist man noch da ^^

Insofern halte ich es für besser als tot-sein (zumal man bei Leid stets noch die Hoffnung hegen kann dass es vorüber geht. Beim Tod sieht das anders aus, auch wenn es an Bedeutung verliert wenn man erstmal tot ist -weil man ja nicht mehr ist...).

Wenn nach dem Tod hingegen wirklich (was ich für äußerst unwahrscheinlich halte) etwas oder gar etwas angenehmes auf mich wartet, dann werde ich das noch früh genug erfahren.

Ich kann mir nicht vorstellen dass ich mir im Angesicht des ewigen Lebens Vorwürfe machen würde noch ein paar Jahre länger an einem leidvollen Leben gehangen zu haben,
denn auf jeden Fall ist dieses Leben einmalig,
vielleicht würde mir meine himmlische Existenz durch mein Leiden auf Erden sogar NOCH angenehmer erscheinen ^^
(wie Freude und Leid einander bedingen ist in diesem Zusammenhang vielleicht eine bedenkenswerte Idee).


Zitat:
Wenn er Letzteres ist, ist es irgendwie unsinnig, sich überhaupt zu überlegen, ob er besser oder schlechter als das Leben ist, weil er dann einfach nur für die Abwesenheit von Leben stünde und ein Toter nicht mal existieren könnte.

Für den Toten ist es egal, das stimmt (das ist auch der Grund wieso ich Selbstmord für kein allzu schweres vergehen halte sofern derjenige das aus freien Stücken und nur um ausschließlich sich zu schaden vor hat).

Mit dem Tod endet (sofern ich mit meinem Glauben richtig liege) für mich alles, und damit auch die Vorstellung zu sein.

Aber wir diskutieren die Frage hier ja aus der Sicht der Lebenden und als solcher halte ich wie gesagt Leben für ein unendlich wertvolles Gut dass ich auch um den Preis des Leidens erhaltenswert finde.

Eben WEIL es endlich ist...
Gabriel
Sterben müssen wir wohl alle (vielleicht auch nicht) und das ist mir eigentlich auch ziemlich schnuppe. Genauso wäre es mir schnuppe, wenn ich nie geboren worden wäre. Oder noch weniger, schließlich wäre dann ja nicht mal ein Ich da, dem es schnuppe sein könnte. großes Grinsen

Sei es, wie es sei. Was zählt, ist der Augenblick, und im Augenblick lebe ich und bin froh darüber. Zwinker

Das Leben ist schön, zur Hölle mit dem Tod! roll

Dieser Thread ist ohnehin nur als Inspiration gedacht, ich finde Selbstmord weder absolut moralisch, noch absolut unmoralisch. Er ist auch nicht bedeutungslos, er hat nur keine absolute moralische Bedeutung. Lediglich eine relative, subjektive, die für jeden anders ist. Aufgrund meines ethischen Relativismus stellt sich mir die Frage, ob Selbstmord unmoralisch ist, eigentlich nicht. Nur, ob er für mich unmoralisch ist und ich denke: Nein.

Niemand hat mich gefragt, ob ich das Leben will. Da halte ich es für legitim, es entweder zu behalten oder auch einfach wieder wegzuwerfen. Wenn ich mir als Seele mein Leben ausgesucht habe, dann erst recht, denn erstens kann ich dann als Seele nach dem Tod wieder frei rumfliegen großes Grinsen und zweitens darf ich ja wohl auch entscheiden, ob ich das, was ich gewählt habe, auch weiterhin wähle. smile

Mit lebensfrohen, makabren Grüßen ^^
Gabriel
Loma
Zitat:
Original von Cosmo
Legitim oder illegitim sind Begriffe, die schwer mit dem Sterben in Verbindung zu bringen sind.

Ja, vielleicht habe ich mit "legitim" ein schlechtes Wort gewählt - möglicherweise wäre z.B. "gerechtfertigt" besser gewesen - grundsätzlich wollte ich damit eigentlich nur auf die Selbstbestimmung hinaus (im Unterschied zu Mord, Unfällen...).

Zitat:
Es gibt ja manchmal Situationen, da werden Menschen entmündigt, um sie vor Schäden zu schützen, die sie sich und anderen aufgrund einer Schuldunfähigkeit und Unzurechnungsfähigkeit zufügen könnten. Das lehnen wir ja allgemein wohl kaum ab, oder? Ein Mensch, der jemanden vom Suizid abhalten will, handelt vielleicht aus diesen Gründen heraus. Vorher, viel früher, sollte man mit Suizidgefährdeten entsprechenden Kontakt aufnehmen. Das wäre besser.

Ja, das wäre sicherlich wünschenswert.
Ich habe bei Simone de Beauvoir mal eine Stelle gelesen, in der sie sagt, daß man jemanden nur vom Selbstmord abhalten darf, wenn man ihm eine Alternative bieten kann.
Und dem stimme ich zu. Ich kann beispielsweise nicht jemanden daran hindern, aus dem Fenster zu springen und ihn dann einfach alleine damit lassen, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Das halte ich für "unmoralisch" und meinte ich mit "unter absolut allen Umständen hindern".
Selbiges ist natürlich wohl auch für das umgekehrte Extrem, niemals jemanden am Selbstmord zu hindern, zu bedenken.
Letztlich ist es also wohl (wie meistens) situations- und personenabhängig, wann welche Entscheidung die "richtige" zu sein scheint. Da aber niemand von uns in die Haut eines anderen schlüpfen kann, machen mir solche Entscheidungen einen unglaublich schwierigen Eindruck. Der "Retter" setzt möglicherweise seine eigenen Maßstäbe für gute Gründe an, um jemanden am Suizid zu hindern - ob letztendlich diese Gründe auch für den Suizidler selbst gut sind, ist immer noch eine andere Frage.

Liebe Grüße
Mahatma
Zitat:
Original von Phantom
Hi Mahatma,
Zitat:
Wieso sollte sich denn die Frage nach einem Leben nach dem Tod überhaupt stellen?

Grundsätzlich entspricht was du sagst meiner Meinung, allerdings gibt es durchaus auch intelligente Menschen die anderes glauben und deren Meinungen gilt es zu respektieren (genau wie ich erwarte dass meine Meinung respektiert wird).

Ich weiß schließlich nie, wo sich meine Meinungen im Laufe der Zeit noch als falsch herausstellen werden, deswegen bin ich vorsichtig damit, meine Meinung als die überlegene/richtige anzusehen nur weil ich überzeugt davon bin...
Es gibt auch sehr intelligente Menschen, die glauben, dass die Erde 6.000 Jahre alt ist. Siegfried Scherer ist so jemand. Er war lange Zeit Vorsitzender der Fundementalistenorganisation Wort und Wissen und ist Professor für Mikrobiologie. Auch gibt es hochintelligente Leute, die an Astronomie und Horoskope. Das ist aber kein Grund, solche Ansichten ernst zu nehmen.

Ich stimme dir zu: Wir Menschen sind fehlbar. Es kann immer sein, dass wir uns irren. Aber gerade deswegen muss man äußerst kritisch gegenüber solchen Glaubensvorstellungen sein und auf Vernunft und Wissenschaft setzen. Nur wenn wir auf Argumente und Belege setzen, können wir diese Welt verbessern und der Wahrheit näher zu kommen.
Mahatma
Man kann jemanden, der sich wirklich umbringen will, nicht am Selbstmord hindern. Wenn jemand wirklich sterben will, ist es auch äußerst unwahrscheinlich, dass er seinen Selbstmordversuch überlebt. Die Leute, die ihre Selbstmordversuche überleben, wollen fast immer mit dieser Tat -- bewusst oder unbewusst -- Aufmerksamkeit erregen.
Cosmo
Zitat:
Original von Loma
Ich habe bei Simone de Beauvoir mal eine Stelle gelesen, in der sie sagt, daß man jemanden nur vom Selbstmord abhalten darf, wenn man ihm eine Alternative bieten kann.

Die Alternative zum Suizid wäre Leben. Insofern bietet man ihm/ihr immer was an. Und wenn man bedenkt, daß Tod das Ende von allem ist (was wir kennen und wovon wir wissen) und Leben alles ist was es gibt (soweit wir das jetzt und hier beurteilen können), ist das eine echte Alternative Zwinker
Was sich Simone darunter vorstellt, kann ich nicht nachvollziehen. Sie meint doch nicht etwa, man würde den Geretteten dann an die Hand nehmen müssen und sei fortan für sein Lebensglück verantwortlich? Nun, das ist etwas übertrieben, denke ich. Sowas kann man in sein Tagebuch schreiben, aber hat das Nutzen in der Praxis?
Phantom
@Mahatma:
Zitat:
Ich stimme dir zu: Wir Menschen sind fehlbar. Es kann immer sein, dass wir uns irren. Aber gerade deswegen muss man äußerst kritisch gegenüber solchen Glaubensvorstellungen sein und auf Vernunft und Wissenschaft setzen. Nur wenn wir auf Argumente und Belege setzen, können wir diese Welt verbessern und der Wahrheit näher zu kommen.

Ich bin solchen unbelegten Meinungen gegenüber auch durchaus kritisch, allerdings nur wo sie zur Diskussion stehen.

Wenn sie nur im Subtext ein wenig mitschwingen vermeide ich es in der Regel eher Grundsatzdiskussionen anzuzetteln (denn dann würde man bald zu jedem Thema auf dieselben Fragen stoßen ^^).

Es mag mit reingespielt haben, dass meine Antwort auf die Frage nach der Legitimation von Selbstmord unabhängig von der Frage danach ausfällt ob es ein Leben nach dem Tod gibt, oder ob es einen Tod nach dem Leben gibt.

Für Grundsatzdiskussionen fände ich es sinnvoller, einen eigenen Thread aufzumachen (wobei eine Metadiskussion, warum mancher nicht-falsifizierbare Antworten auf unlösbare Fragen ernst nimmt, vielleicht sinnvoller ist als eine Diskussion über bestimmte Antworten)
Loma
@ Cosmo:
Hab' ich mich schon wieder schlampig ausgedrückt. Zwinker
Aber dafür jetzt die Stelle von Simone de Beauvoir (selbstverständlich existentialistisch geprägt), die ich meinte:

„Wenn ich Gewalt anwende, dann gehe ich wohl oder übel mir und dem anderen gegenüber eine Verpflichtung ein: ein Mensch, den ich dem von ihm gewählten Tod entreiße, hat das Recht, von mir Mittel und Gründe für sein Weiterleben zu verlangen. Der auf einen Kranken ausgeübte Zwang kann nur durch die Genesung des Kranken gerechtfertigt werden.“ (Für eine Moral der Doppelsinnigkeit)

Es geht also schon in Richtung Unterstützung des anderen, aber ich würd' jetzt nicht gerade von einer Verantwortlichkeit bis ans Lebensende sprechen. Vielleicht kann man es sich eher als kleiner Fingerzeig vorstellen, der dem Suizidler hilft, wieder mit seinem Leben klar zu kommen.

Liebe Grüße
Cosmo
Hmm, tja, was meinst Du denn selbst? Also, ich würde mich interessieren wie DU das siehst. winken
Was Simone das schreibt ist ja letztlich persönliche Meinung. Das ist ja keine zwingende Logik zu solchem Schluß zu kommen. Eher Geschackssache... naja, fast jedenfalls. Und allgemeiner Moralcode ist es auch nicht, nur dann jemanden zu retten, wenn man ihm auch etwas bieten könnte. Wäre m.E. auch nicht Vorraussetzung zum Leben retten. Oder, was meisnt Du selbst?
Neo
Hi Sonnambula,

Zitat:
Original von Sonnambula
Aber was ich noch viel interessanter finde ist die Frage, darf man Selbstmördern helfen, sich ihr wertvolles Leben zu nehmen? Da ich in der Schweiz lebe und dieses "Gewerbe" hier legal ist, ist das ein häufiges Thema. Ich finde es ziemlich heftig, dass sich Menschen damit bereichern, indem sie andere "hinüber begleiten" (klingt ziemlich euphemistisch). Würde dieses Geld in die Palliativmedizin gesteckt werden, könnte doch sicher den meisten auch auf diese Art geholfen werden, oder lieg ich da falsch? Tja solange man nicht selbst in dieser Lage ist, kann man wahrscheinlich auch nicht wirklich mitreden, aber interessieren tut es mich schon.
Hm, vielleicht sollte ich besser einen eigenen Thread darüber aufmachen... gruebel

Du darfst nicht vergessen, dass es der persönliche Wunsch dieser Betroffenen ist, und dass sie dankbar dafür sind, dass ihnen jemand diese schwierige Arbeit abnimmt. Natürlich muß man dabei unterscheiden, ob der Betroffene aus wirklich freien Stücken und reiflicher Überlegung handelt oder psychisch krank ist. Dann wäre es in der Tat unmoralisch. Vergleichbar wie wenn man einem Drogensichtigen einen Schuß besorgt, weil er so herzzerreissend darum bettelt - und dann auch noch dran verdient.
Aber alles hat immer zwei Aspekte und s kommt auf die Umstäne an. Ist ein Geldverleiher unmoralisch?
Nein, wenn er dadurch fehlendes Kapital zur Verfügung stellt und eine Investition ermöglicht.
Ja, wenn er dies bei einem Menschen tut, der woanders kein Geld mehr kriegt, und der sich dadurch in die totale Abhängigkeit begibt, so dass er am Ende sein gesamtes Hab und Gut dem Gläubiger abtreten muß. Letzendlich ist natürlich der Kreditnehmer selbst für sein Handeln verantwortlich. Aber viele sind so verzweifelt dass sie nicht mehr klar denken und deshalb falsche Entscheidungen treffen. So wie die Mehrzahl der Selbstmörder (behaupte ich).

Grüße