F.P.
Hallo!
Ich arbeite mich gerade durch Wittgensteins Werk, bin in den philosophischen Untersuchungen auf einen Paragraphen getsoßen, der mich nicht loslässt.
Das dürfte jetzt wohl nur für diejenigen interessant sein, die das Buch selbst besitzen und schon kennen.
Ich zitiere nun den §2:
"Jener philosophische Begriff der Bedeutung ist in einer primitiven Vorstellung von der Art und Weise, wie die Sprache funktioniert, zu Hause. Man kann aber auch sagen, es sei die Vorstellung einer primitiveren Sprche als der unsern."
Zuerst hatte ich diese Stelle immer überlesen und nicht beachtet, aber jetzt habe ich das Gefühl, dass sie etwas wichtiges beinhaltet.
Mich würden nun nur eure Interpretationsvorschläge interessieren bzw. was er eurer Meinung nach damit sagen will.
Ahorn
Zu Wittgenstein weiß ich nur das er Platons Ideenlehre verworfen hat, weil z.b. zur Idee Pferd auch das Holzpferd gehören würde.
Aber vieleicht ist das ja auch nur ein Sprachspiel
Zanderdan
Hallo FP und willkommen
ich spreche mal eben komplett aus der Erinnerung und somit ohne Gewähr: denke die Stelle läßt sich zu zwei Dingen in Beziehung bringen. Einmal zu der augustinischen Spracherwerbslehre, die LW kurz skizziert. Wo auf ein Haus gezeigt wird und dadurch eine Beziehung von Wort und Gegenstand hergestellt wird. So dass "Bedeutung" am Ende zu dem Gegenstand wird, auf den das Wort verweist, bzw. den es im Satz vertritt. Das ist ja das, was Wittgenstein später angreift ("Bedeutung ist der Gebrauch in der Sprache").
Man darf aber glaube ich auch zumindest vermuten, dass sich das "primitiv" auf Wittgensteins eigene Auffassung von der Sprache (mit-)bezieht, die er als junger Kerl im tractatus vorgetragen hatte. Dort tun Sätze nichts anderes als das Bestehen oder Nichtbestehen von Sachverhalten zu behaupten.
Was denkst du denn?
Gruss
F.P.
Naja, sagt er nun, dass der philosophische Begriffe der Bedeutung eine Vorstellung sei?
Und auf was genau könnte sich "es" im zweiten Satz beziehen?
Gibt es eine philosophische Sprache, die primitiver ist, als die "unsere"?
Vielleicht geht es ja auch wirklich nur darum, dass Wittgenstein die Sprache insofern als primitiv empfindet, als dass eben Gegenstände willkürlich mit Wörtern bezeichnet werden und es eigentlich gar keine Rolle spielt, welche Wörter das sind, weil es nur darum geht, dass man ein Wort mit dem Gegenstand assoziiert, damit man darüber sprechen und ihn ggf. verwenden kann.
Aber wo wäre dann der Unterschied zwischen einer philosophischen Sprache und unserer Sprache?
Oder zumindest die "Vorstellung" davon, wie er schreibt.
Ist das, was ich oben skizziert habe, die philosophische Sprache?
Oder ist philosophische Sprache=unsere Sprache?
Aber wie könnte dann das eine primitiver sein als das andere?
Der Begriff Bedeutung hat in der philosophischen Sprache eine andere Bedeutung als in der "normalen" Sprache; bzw. er ist viel primitiver besetzt oder wird primitiver verwendet.
Oder was glaubt/wisst ihr?
Zanderdan
Hey FP,
nenene, du bist da auf dem falschen Dampfer. Es gibt nicht mehrere Sprachen, eine philosophische Sprache, eine normale etc. Es gibt in diesem Kontext nur Sprache. Und verschiedene Vorstellungen davon, wie die funktioniert.
Eine Vorstellung stellt LW ja in §1 vor, die des Augustinus. "Jener philosophische Begriff...", das ist der hier aus §1: "Die Bedeutung ...ist der Gegenstand, für welchen das Wort steht."
Warum die unvollständig (lies: primitiv) ist, sagt er doch.
Und dann stellt er seine, anders geartete Bedeutungtheorie vor.
Gruss
F.P.
Ah, ok...Super, Danke!
So sieht das natürlich schon etwas anders aus.