Friedhelm
Hallo Phantom,
======> Hallo Phantom,
erst mal mein Kompliment für diesen „jugendlichen“ Aufsatz. Neid!!!!
Und wenn ich im Folgenden mächtig kritisiere, meine ich eine bestimmte naturalistische Denkschule mit sicher klugen, respektablen Persönlichkeiten hoher Philosophie und ihre typischen Fehler, zu denen sie Dich „verführt“ haben, Ärmster,
aus der Sicht eben meiner Position.
Beginnen wir mit den letzten beiden Sätzen. Natürlich trennen wir zurecht Subjekt und Objekt, wenn wir z.B. einen Stuhl sehen. Denn ich bin doch kein Stuhl! Der Stuhl, das bin nicht ich. Dort ist der Stuhl, und hier bin ich.
Im Fall, daß ich mich geirrt habe, wenn dort nämlich gar kein Stuhl ist, sondern z.B. nur einer hingemalt wurde, dann durchschaue ich die Erkenntnis „Stuhl“ als einen Irrtum, was schließlich immer mal möglich ist. Der Stuhl ist dann weg, aber doch ich nicht. Im Gegenteil: gerade im Falle des Irrtums besinne ich mich meiner selbst als den, der sich geirrt hat, und ich frage mich: Warum.
Was meinst Du also mit „nicht getrennt“ ?
Wahrscheinlich meinst Du, daß Erkenntnis grundsätzlich subjektiv ist. Ist ebenfalls nur zum Teil richtig, richtig eben nur, falls Du dies präzisierst, daß nämlich auch eine subjektive Erkenntnis im empirischen Sinne ein Objekt erkennt, das nicht ich und auch nicht mein Körper ist, sondern nur den allgemeinen objektiven empirischen Naturgesetzen untersteht, also keinen eigenen freien Willen hat, nach dem es reagiert.
Dies ist natürlich ganz falsch. Total! Wenn mir ein Fremdkörper, eine Fliege oder Sand ins Auge kommt, nur dann bekomme ich von dort eine Wahrnehmung, nämlich von Schmerz. Aber auch das stimmt nicht genau. Ich habe dann die Wahrnehmung oder Qualia: “Das Auge schmerzt“ – wie auch immer. Aber auch diese Wahrnehmung kann ein Irrtum sein. Dann habe ich mich geirrt und nicht das Auge.
Hier schmeißt Du einiges durcheinander. Was zwischen den Neuronen hin- und herfeuert, wie Du sagst, sind nicht Wahrnehmungen oder Qualiaformationen, sondern chemoelektrische Reaktionen.
Oh-weh! Du meinst, die basteln dort im Hirn doch einen Stuhl – z.B.?
Du sprichst also offensichtlich von zwei Stühlen. Einen „richtigen“ Stuhl und einen neuronalen Stuhl??? Also, diesen neuronalen Stuhl kannst Du vergessen, wie wir oben schon gesehen haben. Nehmen wir an, Du meinst die irgendwie entstandene Wahrnehmung „Stuhl“ als codiertes Abbild von dem richtigen Stuhl?
Und woher weißt Du von dem richtigen Stuhl? Du meinst, von dem die Lichtstrahlen in Dein Auge reflektiert werden?? Du siehst also zwei Stühle, einen richtigen Stuhl und vergleichst ihn mit Deiner Wahrnehmung? Und wenn beide übereinstimmen, hast Du richtig gesehen? - -
genau so was wird gelehrt: Der richtige Stuhl als objektives Wahrheitskriterium für meine Erkenntnis.
Aber das wäre unhaltbarer Unsinn.
Die Millionen oder Miliarden Vorgänge im Hirn können meinetwegen als Code für „Stuhl“ oder „Rot“ verstanden werden. Woher kommt aber „Rot“ oder „Stuhlform“?
Damit kommen wir zum springenden Punkt, der wohl in der ganzen Naturphilosophie als (bislang) ungelöst oder grundsätzlich unlösbar gilt. Da scheiden sich die Geister.
Interessant ist das „Mary“-Experiment von Frank Jackson. Er will beweisen, daß es Farben gibt, - bzw grundsätzlich die Phänomene oder „Qualia“ unserer Wahrnehmungen, - und daß sie nicht materieller Art sind.
Daß ich selbst Farben sehen kann wie andere Menschen auch, kann ich bestätigen. Beweisen könnte ich dies allerdings nicht.
Diese Frage ist genial. Du solltest ihr weiter nachgehen!!
So ähnlich denke ich auch: Das Wirkliche ergibt sich erst aus der Kontingenz als tatsächlich, faktisch, kontingent, will sagen, auch empirisch (Prauss) erst phylogenetisch. Aber eben nur als Erkenntnis, für deren Struktur als erster Immanuel Kant einen großartigen Entwurf machte, - allerdings mit vielen ungelösten Bereichen wie z.B. Zeit, Raum und Selbstbewußtsein als Zusammenhang . Recht einfach zu lesen in seiner Zusammenfassung als Prolegomena zur Metaphysik.
http://www.uni-potsdam.de/u/philosophie/...egom/!start.htm
]ganz herzlich
Friedhelm
| Zitat: |
| Wir Menschen nehmen von Kind auf an, dass die Welt außerhalb unseres Kopfes in geordneten, teils unterteilten und teils zusammenhängenden Formen vorliegt und kommen folgerichtig zu dem Schluss dass die Tatsache, dass wir etwas bewusst erleben, darauf zurückzuführen sein muss, dass ein überirdischer Beobachter, eben die Seele, auf jene Dinge (von gegebener Farbe, Form, ...) herabblicken müsse um sie zu identifizieren. Wir nehmen eine klare Trennung vor: Subjekt, Objekt. Aber -und das übersehen wir allzu häufig wenn wir uns über den Zusammenhang von den Qualia unseres Bewusstseins und unseren neuronalen Prozessen wundern- dder/die/das Sehende ist nicht vom Gesehenen getrennt denkbar. |
======> Hallo Phantom,
erst mal mein Kompliment für diesen „jugendlichen“ Aufsatz. Neid!!!!
Und wenn ich im Folgenden mächtig kritisiere, meine ich eine bestimmte naturalistische Denkschule mit sicher klugen, respektablen Persönlichkeiten hoher Philosophie und ihre typischen Fehler, zu denen sie Dich „verführt“ haben, Ärmster,
aus der Sicht eben meiner Position.Beginnen wir mit den letzten beiden Sätzen. Natürlich trennen wir zurecht Subjekt und Objekt, wenn wir z.B. einen Stuhl sehen. Denn ich bin doch kein Stuhl! Der Stuhl, das bin nicht ich. Dort ist der Stuhl, und hier bin ich.
Im Fall, daß ich mich geirrt habe, wenn dort nämlich gar kein Stuhl ist, sondern z.B. nur einer hingemalt wurde, dann durchschaue ich die Erkenntnis „Stuhl“ als einen Irrtum, was schließlich immer mal möglich ist. Der Stuhl ist dann weg, aber doch ich nicht. Im Gegenteil: gerade im Falle des Irrtums besinne ich mich meiner selbst als den, der sich geirrt hat, und ich frage mich: Warum.
Was meinst Du also mit „nicht getrennt“ ?
Wahrscheinlich meinst Du, daß Erkenntnis grundsätzlich subjektiv ist. Ist ebenfalls nur zum Teil richtig, richtig eben nur, falls Du dies präzisierst, daß nämlich auch eine subjektive Erkenntnis im empirischen Sinne ein Objekt erkennt, das nicht ich und auch nicht mein Körper ist, sondern nur den allgemeinen objektiven empirischen Naturgesetzen untersteht, also keinen eigenen freien Willen hat, nach dem es reagiert.
| Zitat: |
| Die Welt ist nicht, wie unser Wahrnehmungsapparat uns bei mangelnder Kenntnis seiner Funktionsweise glauben machen könnte, per se geordnet, sondern lediglich ein objektloser Haufen von Elementarteilchen "an sich" die -so setzen wir axiomatisch voraus weil es die ökonomischste Erklärung ist- an Sinnesrezeptoren stoßen, wodurch ein Signal entsteht, das die minimalste Form einer Wahrnehmung darstellt (ob bewusst oder unbewusst sei vorerst einmal Nebensache). |
Dies ist natürlich ganz falsch. Total! Wenn mir ein Fremdkörper, eine Fliege oder Sand ins Auge kommt, nur dann bekomme ich von dort eine Wahrnehmung, nämlich von Schmerz. Aber auch das stimmt nicht genau. Ich habe dann die Wahrnehmung oder Qualia: “Das Auge schmerzt“ – wie auch immer. Aber auch diese Wahrnehmung kann ein Irrtum sein. Dann habe ich mich geirrt und nicht das Auge.
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| Das Zusammenspiel solcher elementaren Wahrnehmungen bildet ein Erregungsmuster. Wie diese Codierungen aussehen ist Sache der Neurologie und braucht uns hier nicht im Detail zu interessieren: Man nehme vereinfachend an, bestimmte Neurone (manche mehr oder weniger direkt verbunden mit Sinnesrezeptoren!) feuerten stets gemeinsam und im Gleichtakt bei Darbietung eines spezifischen Reizes. |
Hier schmeißt Du einiges durcheinander. Was zwischen den Neuronen hin- und herfeuert, wie Du sagst, sind nicht Wahrnehmungen oder Qualiaformationen, sondern chemoelektrische Reaktionen.
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| Hinzu kommt dass „Neurons that fire together wire together“, was zu wissen vielleicht verständlicher macht, wie man sich Objektwahrnehmung vorzustellen hat: Primitive die oft gemeinsam und in bestimmter Konstellation auftauchen werden zu einem Objekt zusammengefügt/kombiniert. |
Oh-weh! Du meinst, die basteln dort im Hirn doch einen Stuhl – z.B.?
| Zitat: |
| Wenn ich also des öfteren dasjenige Objekt sehe, dass man gemeinhin "Stuhl" nennt, dann formen die Neuronen die beim Betrachten dieses Objektes feuern (beim Betrachten wohl v.a. Neuronen des visuellen Bereichs, aber natürlich auch Erinnerungen wie z.B. Tast-Erfahrungen früherer Tage) entwickelt sich ein Neuronenensemble dessen Feuern den Stuhl codiert. |
Du sprichst also offensichtlich von zwei Stühlen. Einen „richtigen“ Stuhl und einen neuronalen Stuhl??? Also, diesen neuronalen Stuhl kannst Du vergessen, wie wir oben schon gesehen haben. Nehmen wir an, Du meinst die irgendwie entstandene Wahrnehmung „Stuhl“ als codiertes Abbild von dem richtigen Stuhl?
Und woher weißt Du von dem richtigen Stuhl? Du meinst, von dem die Lichtstrahlen in Dein Auge reflektiert werden?? Du siehst also zwei Stühle, einen richtigen Stuhl und vergleichst ihn mit Deiner Wahrnehmung? Und wenn beide übereinstimmen, hast Du richtig gesehen? - -
genau so was wird gelehrt: Der richtige Stuhl als objektives Wahrheitskriterium für meine Erkenntnis.
Aber das wäre unhaltbarer Unsinn.
| Zitat: |
| Wenn ich von "codieren" spreche ist vorsicht geboten, denn ich gehe nicht davon aus, dass nun etwas nötig sei, das den Code wieder dechiffriere, sondern ich behaupte dass uns dieser Code als Wirklichkeit erscheint. Was man von außen betrachtet als Aktivitätsmuster von Neuronen beschreiben kann, ergibt von innen den Eindruck der Realität (wie wir ihn alle kennen). |
Die Millionen oder Miliarden Vorgänge im Hirn können meinetwegen als Code für „Stuhl“ oder „Rot“ verstanden werden. Woher kommt aber „Rot“ oder „Stuhlform“?
Damit kommen wir zum springenden Punkt, der wohl in der ganzen Naturphilosophie als (bislang) ungelöst oder grundsätzlich unlösbar gilt. Da scheiden sich die Geister.
Interessant ist das „Mary“-Experiment von Frank Jackson. Er will beweisen, daß es Farben gibt, - bzw grundsätzlich die Phänomene oder „Qualia“ unserer Wahrnehmungen, - und daß sie nicht materieller Art sind.
Daß ich selbst Farben sehen kann wie andere Menschen auch, kann ich bestätigen. Beweisen könnte ich dies allerdings nicht.
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| Bleiben wir beim Beispiel „Stuhl“. Niemand wird glauben dass in unserem Kopf die Projektion eines Stuhls zu finden sei wie wir ihn kennen... Er ist dort lediglich in Form einer Erregungskonstellation codiert. Viele Zellensembles die über gleichmäßiges Feuern einen Stuhl codieren... Sehr wesentlich ist nun, dass das Objekt Stuhl wie wir es kennen in realiter nicht zu finden ist. Dort nämlich sind nur Wellen/Teilchen bzw noch nicht einmal diese (denn Welle und Teilchen sind selbst schon, weil sie eben Bild sind, nur mehr wahrgenommene Objekte und nicht Dinge "an sich"...), vielmehr Elementarteilchen "an sich". Wo also ist der „Stuhl“ mit seinen vier Beinen und seiner Sitzfläche und seiner Lehne (unabhängig von der Frage wo Lehne, Beine uns Sitzfläche ihrerseits sind, das ergibt sich in Analogie zum Stuhl...)? Anders gefragt: Wo sind die Qualia die mir beim Betrachten eines Stuhles so eindringlich vor Augen schweben? Wo ist das Bewusstsein einen Stuhl vor sich zu haben? |
Diese Frage ist genial. Du solltest ihr weiter nachgehen!!
| Zitat: |
| Die Empfindung der Reize ist durch die Beschaffenheit der entsprechenden Rezeptoren und durch deren Relation zueinander näher bestimmt. Wenn wir beschreiben müssten wie es sich etwa anfühlt zu sehen oder zu tasten, dann können wir wohl sagen dass es unterschiedlich auf uns wirkt, aber nicht, welcher Art das Gefühl der einen oder beim anderen Wahrnehmungsmodalität genau, bzw ohne Vergleich zu anderen Modalitäten, ist. Dass sich ein Sinn anfühlt wie er sich eben anfühlt ist zum größten Teil eine Sache der Gewohnheit: Es fühlt sich also „irgendwie“ an und wir verknüpfen stets neue Dinge damit wodurch sich das Gefühl ändern kann, bzw den Eindruck erweckt, genau beschreibbar zu sein. Anderes Beispiel: Es ist eine altbekannte Tatsache, dass Schmerz idR (also gewohntermaßen, korrekt verschaltet, ...) Schädigungen des Organismus ankündigt, weswegen eine Stimulation der entsprechenden Rezeptoren uns unangenehm erscheint. Ein Gedankenexperiment: Würde man Schadensrezeptoren von Geburt an mit Sensoren anderer Art vertauscht haben (und genetische Prädispositionen –die ja lediglich eine Art Gewohnheit des Lebens, im Sinne einer evolutionären Entwicklung, darstellen- ausklammern), dann würde man Schmerz nicht mehr als unangenehm empfinden, sondern ganz so, wie es eben angebracht wäre. Welcher Art die resultierende Empfindung ist, hängt von der ontogenetischen und der phylogenetischen Erfahrung des Organismus mit seinen Rezeptoren ab. Und DASS sie sich anfühlt ist eine emergent neue Qualität, begründbar durch die hinreichend komplexe Verschaltung und synergetische Wechselwirkung von Sinnesinformationen.... |
http://www.uni-potsdam.de/u/philosophie/...egom/!start.htm
]ganz herzlich
Friedhelm
, sondern aus der unüberwindbaren Kluft zwischen dem "Sein-an-sich" und unserer Erkenntnis davon, wie sie Kant festlegt.