Zerren wir es wieder in nen Kontext, in dem es nicht sonderlich tragisch ist?

Es geht Meißner darum, von einer bestimmten Gruppe Applaus zu erhalten. Ich unterstelle ihm Kalkül - selbst die jetzige hitzige Debatte dürfte ihm gelegen kommen.
Die katholische Kirche muß sich profilieren, da sie außer dem Papst wenig zu bieten hat und andauernd von den evangelisch-lutherischen Kirchen sowie insbesondere den Evangelikalen und sonstigen Freikirchen (denen die Gläubigen im Gegensatz zu den etablierten Großkirchen zu- statt weglaufen) in den Medien ausgestochen wird. So langsam scheint sich herumzusprechen, daß die Leute bei den Kirchen nicht etwa differenzierende Nachdenklichkeit suchen, sondern knallharte Richtungsvorgaben. Je rigoros-reaktionärer die Kirchen, desto größer der Zulauf.
Bedenken sollte man, daß Meißner hier vor allem die ethymologische Abstammung des Wortes "Kultur" zum Vorwand nimmt, reaktionär-Inhaltliches zu thematisieren. Das positiv besetzte Wort "Kultur" will er gewissermaßen für seine Kirche kapern, nach dem Motto: "Echte Kultur gibt's nur im katholischen Kultus." Nun hat sich aber auf katholischem Gebiet in den letzten paar Jahrzehnten kulturell nicht mehr sehr viel getan, die heute angesagte Kultur ist die von MTV (Popetown... ) und großen Ausstellungshighlights (MomA in Berlin). Und bei der Interpretation dessen, was der Mensch sei, ist die moderne Kunst ganz vorn mit dabei, ebenso im Kino wie im Museum, im Tanztheater wie in der literarischen Lesung. Überall in der Kultur kommt man ganz gut ohne die rkK aus, deren kulturelle Leistungen eher der Vergangenheit angehören.
Wenn das eigene Produkt gegen die Konkurrenzprodukte abstinkt, hat man drei Möglichkeiten: Entweder man verbessert sein eigenes Produkt. Oder man verzichtet auf Marktanteile. Oder man macht die Konkurrenzprodukte madig.
Das taten die Nazis, als sie die starke, lebendige, aufregende, spannende Gegenwartskunst als entartet diskreditierten. Was an Kunst nicht für ihre Sache sich einspannen ließ, das wurde als entartet bezeichnet.
Und nun bezeichnet Meißner jene Kultur, die nicht den Interessen seiner Kirche dient, als entartet.
Er hätte vielleicht noch hinzufügen sollen, daß nicht alles im Dritten Reich schlecht war, z.B. die Autobahnen... Aber sein Ratze-Vorgesetzter wird ihn kaum feuern, wie es der NDR mit einer bundesbekannten Blondine tat. Wer weiß? Vielleicht klatscht man in Rom sogar Beifall?