Meisner und die Kunst

Rhetorix
von Kardinal Meisner:

Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet.


*sprachlos*
Rhetorix
Euer Interesse an den kulturphilosophischen Einsichten des Ajatollah Meisner hält sich offenbar sehr in Grenzen.

Könntet ihr, bitte schön, nicht wenigstens mal ein bisschen seufzen und stöhnen? verwirrt
Schneemann
Zitat:
Original von Rhetorix
Könntet ihr, bitte schön, nicht wenigstens mal ein bisschen seufzen und stöhnen? verwirrt

Von Meisner ist man doch irgendwie nichts anderes mehr gewöhnt. Wer die Pille mit Zyklon B vergleicht dem traut man doch alles zu. Wenn der angebliche Kulturverfall nicht gerade an entarteter Kunst liegt dann schiebt er ihn auch gerne den Homosexuellen in die Schuhe. Meisner ist einfach nur peinlich und ein Schande für das Bischofsamt, andererseits natürlich auch hilfreich darin den Menschen die Intoleranz der kath. Kirche zu verdeutlichen...

In irgendeiner TV-Sendung habe ich dazu einen passenden Kommentar gehört. In etwa hies der folgendermaßen:
"Fundamentalistische Ideologien flirten eben stets gerne mit den Ideen des Nationalsozialismus".
Da sind Meisner und Eva Herrmanns derzeit leider sehr aktuelle Beispiele für.

Gruß,
Schneemann
Aurom
Zitat:
Original von Rhetorix

Könntet ihr, bitte schön, nicht wenigstens mal ein bisschen seufzen und stöhnen? verwirrt


na gut...weil du´s bist...*seufz*stöhn*...aber was kann man von einem erwarten, dessen boss unter seiner tüllgardine rote schuhe trägt? roll
Rhetorix
Vielen Dank für eure tröstlichen Worte.


Eins geht bei den Reaktionen auf Meisners Statement leider so ein bisschen unter, nicht nur hier, sondern allgemein:

Es geht ja nicht nur um die Wortwahl 'entartete Kunst', sondern vor allem auch um das, was er inhalt.lich vermittelt hat, dass nämlich alle Kunst pervertiert ist, die sich vom (christlichen) Glauben abkoppelt.
Meisner spricht jeder Kunst, die nicht Ausdruck der (christlichen) Gottesverehrung ist, die Existenzberechtigung ab.
Zurück ins Mittelalter!

Nebenbei gesagt: Meisner ist nicht irgendeine Pappnase unter 'ferner liefen', sondern eins der Schoßkinder von JP II und Königsmacher von Maledikt XVI.
barbara
oh, der Herr provoziert gerne, deucht mich... naja, wenn er sonst nichts hat, um aufzufallen?

Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet.


In einem allgemeineren Sinn, als es wohl von ihm gedacht ist, hat er ja durchaus recht: Wo Kunst nicht mehr auf der allgemeinen Schöpferkraft/Kreativität/den Einflüsterungen der Muse beruht, verliert sie ihre Seele und wird somit zu perverser Kunst, auch und vielleicht gerade dann, wenn sie handwerklich gut ausgeführt ist... Man siehts am Reichsparteitaggelände der Nazis in Nürnberg: es ist gross, gewaltig, wuchtig... aber nicht menschlich. Es dient lediglich der Höheren Glorie des Führers, als Massenmanipulationsinstrument - und diese "Kunst" kann man wohl als entartet bezeichnen, denn sie ist bloss Mittel zum Zweck. Ähnliche architektonische Missgriffe sind häufig an grossen Gebäuden zu finden, bei Banken und Versicherungshauptsitzen zum Beispiel. Da dient der Mensch dem Unternehmen, und nicht mehr umgekehrt, wie es sein sollte.

Zitat:
Meisner spricht jeder Kunst, die nicht Ausdruck der (christlichen) Gottesverehrung ist, die Existenzberechtigung ab.


Darum kanns natürlich nicht gehen. Und auch ein katholischer Kunstkritiker dürfte erkennen, dass zB auch asiatische, nicht christliche Kunst dennoch Kunst im besten Sinne des Wortes ist.

Doch das Herstellen von Kunst ist im grössten Sinn des Wortes immer ein Gottesdienst, da der Künstler einer höheren Kraft erlaubt, durch sich zu wirken... ein Phänomen, das völlig unabhängig von der Konfession ist, und das wohl schon alle, die jemals Kunst gemacht haben, erlebt haben dürften. Nicht mehr "ich" mache die Musik oder male das Bild, "es" macht es von ganz alleine...
tolwin
Zerren wir es wieder in nen Kontext, in dem es nicht sonderlich tragisch ist? smile Es geht Meißner darum, von einer bestimmten Gruppe Applaus zu erhalten. Ich unterstelle ihm Kalkül - selbst die jetzige hitzige Debatte dürfte ihm gelegen kommen.
Die katholische Kirche muß sich profilieren, da sie außer dem Papst wenig zu bieten hat und andauernd von den evangelisch-lutherischen Kirchen sowie insbesondere den Evangelikalen und sonstigen Freikirchen (denen die Gläubigen im Gegensatz zu den etablierten Großkirchen zu- statt weglaufen) in den Medien ausgestochen wird. So langsam scheint sich herumzusprechen, daß die Leute bei den Kirchen nicht etwa differenzierende Nachdenklichkeit suchen, sondern knallharte Richtungsvorgaben. Je rigoros-reaktionärer die Kirchen, desto größer der Zulauf.

Bedenken sollte man, daß Meißner hier vor allem die ethymologische Abstammung des Wortes "Kultur" zum Vorwand nimmt, reaktionär-Inhaltliches zu thematisieren. Das positiv besetzte Wort "Kultur" will er gewissermaßen für seine Kirche kapern, nach dem Motto: "Echte Kultur gibt's nur im katholischen Kultus." Nun hat sich aber auf katholischem Gebiet in den letzten paar Jahrzehnten kulturell nicht mehr sehr viel getan, die heute angesagte Kultur ist die von MTV (Popetown... ) und großen Ausstellungshighlights (MomA in Berlin). Und bei der Interpretation dessen, was der Mensch sei, ist die moderne Kunst ganz vorn mit dabei, ebenso im Kino wie im Museum, im Tanztheater wie in der literarischen Lesung. Überall in der Kultur kommt man ganz gut ohne die rkK aus, deren kulturelle Leistungen eher der Vergangenheit angehören.

Wenn das eigene Produkt gegen die Konkurrenzprodukte abstinkt, hat man drei Möglichkeiten: Entweder man verbessert sein eigenes Produkt. Oder man verzichtet auf Marktanteile. Oder man macht die Konkurrenzprodukte madig.

Das taten die Nazis, als sie die starke, lebendige, aufregende, spannende Gegenwartskunst als entartet diskreditierten. Was an Kunst nicht für ihre Sache sich einspannen ließ, das wurde als entartet bezeichnet.
Und nun bezeichnet Meißner jene Kultur, die nicht den Interessen seiner Kirche dient, als entartet.

Er hätte vielleicht noch hinzufügen sollen, daß nicht alles im Dritten Reich schlecht war, z.B. die Autobahnen... Aber sein Ratze-Vorgesetzter wird ihn kaum feuern, wie es der NDR mit einer bundesbekannten Blondine tat. Wer weiß? Vielleicht klatscht man in Rom sogar Beifall?
Neo
Zitat:
Original von Tolwin
Vielleicht klatscht man in Rom sogar Beifall?

*Hust*

Zitat:
Original von Rhetorix
Euer Interesse an den kulturphilosophischen Einsichten des Ajatollah Meisner hält sich offenbar sehr in Grenzen.

Könntet ihr, bitte schön, nicht wenigstens mal ein bisschen seufzen und stöhnen? verwirrt


Na bitte, Dein Wunsch wurde erhört und heute von der Westerwelle erfüllt.
Er sagte "An einem einzigen Wochenende Schäuble, Jung und dann noch Kardinal Meissner - das ist einfach zuviel für einen liberal gesinnten Menschen".

(Oder jedenfalls so ähnlich; ist aus dem Gedächtnis wiedergegeben).
Phil(osoph)
Und wer ist mit dem Liberalen gemeint?
Neo
@Phil:
Zitat:
Original von Phil(osoph)
Und wer ist mit dem Liberalen gemeint?


Wassn dess für ne Frage?

Leute wie Du und ich und die Westerwelle z.B., wie die meisten eben, die eben keine Art von Kunst als entartet sondern als Ausdruck des menschlich-göttlichen Genius empfinden. DAS sollte sich Meissner vlt mal durch die Gehirnwindungen sickern lassen.

@Rhetorix nochmal:
Zitat:
Original von Rhetorix
Meisner spricht jeder Kunst, die nicht Ausdruck der (christlichen) Gottesverehrung ist, die Existenzberechtigung ab.


Ich hab die Rede nicht gehört aber nach dem wie Du ihn zitiert hast, spricht er ja nicht von "entarteter Kunst" sondern entarteter Kultur.

Und das geht mir schon eher ein, wenn ich "entartet" mit lebens- bzw. menschenfeindlich gleichsetzte.
Solche Kulturen gibt es und die sind, wenn ich sie nicht mit entartet bezeichnen würde so doch zumindest verabscheuungswürdig oder wenigstens inakzeptabel.
Aurom
entartet finde ich eher die"schrill-bigotten purpurschwuchteln des reaktionären katholizismus"...(o-ton TAZ) RoFL
Neo
@Aurom:
was die krankhaften Pädophilen treiben, ist die eine Sache. Aber solche Äußerungen wie Du sie zitiert hast, klingen für mich einfach nur wie bösartige Pauschalierungen. Von Rhetorix ist man solche unverblümt schmerzhaften Eingriffe am offen Herzen ja gewohnt (manchmal ist es ja auch wirklich nötig, und manchmal bewirkt Schmerz ja auch Lust), aber Du Aurom? Dass Du das auch noch tolerierst indem Du Dich darüber kaputtlachst? Das hätt ich nich von Dir gedacht, Eckhatt ! Zwinker

Allerdings geht meine Geduld nun auch langsam zur Neige, wenn sich die Kirche nicht endlich klipp und klar von solchen Schandtaten wie Kindesmißbrauch durch ihre Angestellten distanziert und diese Taten sowohl wie die Täter konsequent verurteilt, anstatt ständig zu versuchen, alles zu vertuschen, nur damit der Ruf der Institution nicht darunter leidet. Exkommunikation muß es ja nicht gleich sein, das scheint wirklich sehr unbarmherzig, aber Amtsenthebung wäre wohl das Mindeste. Diese Strafe wird schon wegen geringerer Vergehen (die in meinen Augen gar keine sind, wie z.B. Abweichungen vom Katechismus) verhängt.
Aurom
Zitat:
Original von Neo
...aber Du Aurom? Dass Du das auch noch tolerierst indem Du Dich darüber kaputtlachst? Das hätt ich nich von Dir gedacht, Eckhatt ! Zwinker


tja...so kann man sich täuschen...andererseits hab ich nie einen hehl daraus gemacht, dass ich pfaffen (incl. imame und tempelbrahmanen)... nicht ausstehen kann...hast du wohl übersehen... nunja
Telltale
Zitat:
Original von tolwin
Es geht Meißner darum, von einer bestimmten Gruppe Applaus zu erhalten.

Da ich das von ihm weder glesen noch gehört habe, hattest Du wohl ein Vier-Augen-Gespräch mit ihm.

Zitat:
Original von tolwin
Ich unterstelle ihm Kalkül - selbst die jetzige hitzige Debatte dürfte ihm gelegen kommen.

Ich begreife nicht, warum manche Leute diesen Typen scharfen Intellekt und Botwininsche Strategie unterstellen, nur weil sie in roten Kutten rumlaufen und auf dem Kopf einen Möbelschoner tragen.
Das einzige Kalkül, das Meißner kennt, ist dieses: Er sagt etwas und aus den Reaktionen darauf schließt er, was er gemeint haben könnte.

Im Übrigen ist die ganze Diskussion gegenstandslos, denn dass Kunst entartet sein könnte, ist per Definitionem unmöglich.

Gruß,
Telltale
Jener Einzelne
Zitat:
Original von Schneemann
In irgendeiner TV-Sendung habe ich dazu einen passenden Kommentar gehört. In etwa hies der folgendermaßen:
"Fundamentalistische Ideologien flirten eben stets gerne mit den Ideen des Nationalsozialismus".


Kommt wohl ganz darauf an, zu welcher Ideologie man sich "fundamentalistisch" verhält, nicht wahr? Zwinker
Ahorn
Zitat:
Original von Rhetorix
von Kardinal Meisner:

Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet.


*sprachlos*


Ich empfand das Fenster als sehr Kunstvoll und auch schön. Die vielen bunten Farben entfalten sich zu einer angenehmen Farbsinfonie.