Moderne Philosophie

Holofernes
Hallo T1982.

Hm ja das ist interessant .. ich wußte gar nicht, das Brave New World von 1932 ist. Dann zählt es wohl zu den Warnungen, die leider überhaupt nicht beachtet wurden .. ? Die Frage ist vielleicht, ob es nicht genau zwei entgegen gesetzte Postmodernismen gibt: der eine feiert eine Art Hyper-Modernismus, und - naja, der andere, ist der extreme Skeptizimus á la Baudrillard. Eventuell erzeugt das so eine Art Overkill, als ob man in eine Steckdose mit Wechselstrom faßt ?

"Baurdrillard selbst " (kleiner Scherz) schrieb ja, das Gute entfalte seine ganze Faszination erst im Rahmen des Schlechten, oder so ähnlich (Baudrillard, "Die fatalen Strategien") ..

Als ob die postmoderne Kritik nur zusammem mit dem Kritisierten funktionieren könnte .. es gibt gar keine Gegenstrategie, nur einen Kommentar. (?)

Vielleicht ist der postmoderne "Kern" unerkannt, .. oder unerkennbar.. weil er gar nicht existiert , wie Zizek schreibt, 'leer' ist.

--
metin
Zitat:
Original von Holofernes

Naja BEIDES .. es sind zwei Begriffe, der eine umgangssprachlich, der andere eher akademisch. Die CDs waren in den 90ern "modern" (ohne 'e'), würde ich sagen.

Hallo Holoferness,
ich kennen mich mit der akademische Sprache nicht aus. Für mich gilt die Umgangsprache. Ich könnten auch sagen, zum Glück bin mit der akademisch Sprache nicht verseucht. Ich habe gehört, dass die Akademie immer mehr vom der alltäglichen Realität.. Doch ich weiß, ob dieser Urteil berechtigt?
Vielen Dank für die Aufklärung. Ich habe mit der Grammatik meine Schwierigkeit.

Zitat:
Bei Science-Fiction würde ich sagen, die tatsächlich postmodernen Filme sind da die "Science-Fiction-Noir"-Streifen, also "Alien" oder "Blade Runner", die die postmoderne Utopie brandmarken, und die heute als endlose Serie apokalyptischer Computerspiele zurück kehren.

Was wird brandmarkt? Das sich die Computer selbständig machen und über den Menschen herrscht.

Lieber Grüssen
Metin Öztaskin
metin
Zitat:
Original von T1982

Während in z.B. existenz- bzw. lebensphilosophischen Richtungen oft der negative Charakter der Technik betont wird, sieht das z.B. in den transhumanistischen Strömungen genau gegenteilig aus.

HALLO T1982,
Also in existenz- bzw. lebensphilosophische Richtungen wird oft der negativen Charakter der Technik betont wird, betont also transhumanistischen Strömungen den positiven Charakter der Technik. Die Technik sollten man weder negativen noch positiven betrachten, sondern kritische

Lieber Grüssen
Metin Öztaskin
T1982
Hi.

Zitat:
Original von Holofernes
Hallo T1982.

Hm ja das ist interessant .. ich wußte gar nicht, das Brave New World von 1932 ist. Dann zählt es wohl zu den Warnungen, die leider überhaupt nicht beachtet wurden .. ? Die Frage ist vielleicht, ob es nicht genau zwei entgegen gesetzte Postmodernismen gibt: der eine feiert eine Art Hyper-Modernismus, und - naja, der andere, ist der extreme Skeptizimus á la Baudrillard. Eventuell erzeugt das so eine Art Overkill, als ob man in eine Steckdose mit Wechselstrom faßt ?


Hierzu noch ein paar Anmerkungen. Vorneweg: das, was ich nun sage (bzw. schreibe), ist natürlich angesichts des Charakters eines Forumsbeitrags nur sehr skizzenhaft und würde eigentlich an vielen Stellen eine Differenzierung nötig machen.

Die Frage, nach dem Wert bzw. der Aufgabe von Wissenschaft und Technik ist natürlich sehr alt – ebenso, wie die Frage, inwieweit man als Mensch eigenverantwortlich mit Wissenschaft und Technik seine ursprüngliche Lebensform (im weiten Sinne) verändern darf oder gar soll (wir lassen jetzt einmal außen vor, dass aus Sicht einer evolutionären Kulturanthropologie praktisch der gesamte Prozess der phylogenetischen Entwicklung nichts anderes als eine Abkehr von der ursprünglichen „natürlichen“ Lebensweise ist). Das menschliche Streben, die eigenen Grenzen zu überschreiten, ist dabei immer wieder als ein Akt der Hybris betrachtet worden (vgl. z.B. viele Beispiele aus der griechischen Mythologie). Eine grundsätzliche Revision dieser Sicht fand vielerorts ab der Renaissance im Rahmen von Humanismus und Aufklärung statt: hier entdeckt man einen Wandel bei der Einstellung bzgl. der Selbstverantwortlichkeit des Menschen (vgl. z.B. Pico, Bacon). Nach ihrer physikalisch orientierten Begründung rückte die neuzeitliche Naturwissenschaft mehr und mehr den Menschen selbst in den Mittelpunkt naturwissenschaftlicher Untersuchungen. Damit wuchs auch der Raum, wissenschaftlich begründet über (technische) Manipulationen am Menschen oder über technikbedingte Gesellschaftstransformationen zu sprechen (vgl. z.B. Bacon, La Mettrie, Condorcet, Franklin, Darwin): das Wohl der Gesellschaft bzw. der Menschheit insgesamt sollte von solchen Überlegungen abhängig sein.

Im 19. und 20. Jahrhundert gab es neben den im vorherigen Post erwähnten Beispielen natürlich sehr (!) viele sich zum Teil widersprechende Abhandlungen zu genau diesem Komplex (vgl. z.B. Kapp, Cassirer, Benjamin, Heidegger, …) und insgesamt rückte dieses Thema mehr und mehr in den Mittelpunkt. Es hatte sich nun nämlich in der Techniklandschaft etwas verändert, was nochmal eine neue Stufe hinsichtlich der Chancen und Gefahren – oder allgemein, hinsichtlich des technischen Potentials – bedeutete: die industrielle Vernetzung verschiedener Formen von Technik (z.B. bei vertikalen Produktionssystemen oder horizontalen Infrastrukturen) sorgte für eine davor nie gekannte Dynamik technischer Evolution – und die Eigengesetzlichkeit der Technik, die mancherorts feststellbare Losgelöstheit technischer Produkte von ihrem ursprünglichen Zweck und die Globalität technischer Formungsprozesse bzgl. gesellschaftlicher Lebensformen machte die neue „Macht“ der Technik und die Notwendigkeit einer breiten Reflexion deutlich.

Der 2. Weltkrieg sorgte dann (kurzzeitig) für eine Tendenz zur negativen Sicht auf die Technik: es war nicht nur die faschistische Ästhetisierung des Krieges und der verwendeten Technik (Benjamin), die hier eine Rolle spielte, sondern u.a. auch der technikbedingte Plan des Genozids und die breite Wirkmacht von Atomwaffen. Dazu kamen auch Einwände gegen ideologische Formen der Eugenik, wodurch diese insgesamt in Verruf geriet (man beachte, dass Eugenikprogramme weit verbreitet waren: u.a. in den USA, Australien, Kanada, Schweden, Dänemark, Finnland, Schweiz, wobei alleine über 60.000 Zwangssterilisationen zwischen Anfang des 20. Jahrhunderts und den 1960ern in den USA stattfanden). Die Erfolge ab Anfang der 2. Hälfte des 20. Jahrhundert z.B. in Medizin, der Raumfahrt oder der Informationstechnik sorgten dann nach und nach wieder dafür, dass Technik in weiten Teilen als etwas betrachtet wurde, was dem Wohle der Menschheit dient.

Vor diesem Hintergrund haben sich dann bis heute in der Tat die zwei erwähnten Richtungen gehalten: man ist sich größtenteils einig, dass die Technik zu einer Entfremdung des Menschen von einer ursprünglichen Lebensweise geführt hat – und zwar in einem davor nie geahnten Ausmaß. Bei der Bewertung ist die Meinung dann uneinheitlich: führt diese Entfremdung dazu, dass der Mensch das Wesentliche (die Natur, sich selbst, …) vergisst/verleumdet, oder ist es genau das, was den Menschen/die Menschheit auszeichnet, weswegen er diesen Weg weitergehen muss.

Grüße
metin
Zitat:
Original von T1982


Die Frage, nach dem Wert bzw. der Aufgabe von Wissenschaft und Technik ist natürlich sehr alt – ebenso, wie die Frage, inwieweit man als Mensch eigenverantwortlich mit Wissenschaft und Technik seine ursprüngliche Lebensform (im weiten Sinne) verändern darf oder gar soll (wir lassen jetzt einmal außen vor, dass aus Sicht einer evolutionären Kulturanthropologie praktisch der gesamte Prozess der phylogenetischen Entwicklung nichts anderes als eine Abkehr von der ursprünglichen „natürlichen“ Lebensweise ist).

Hallo T1992,
in welche Weise ist die wissenschaft für die Folgen der technische Entwicklung verantwortlichen? Liegt es vielleicht daran, dass die Wissenschaften den Menschen größere Macht gegeben hat ohne über die Folgen der macht auf zu klären.
Wenn man über die Folgen nicht aufgeklärten ist, kann man nicht verantwortlicche handeln

Lieber Grüssen
Metin Öztaskin
T1982
Hi Metin

Das ist ebenfalls eine alte Frage, die unter anderem gerade in Bezug auf die Veröffentlichung von Forschungen zu Mutationen zum H1N5-Influenza-Virus in Science und Nature debattiert wird.* Man kann sich grundsätzlich durchaus an Max Webers Postulat der Wertfreiheit der Wissenschaft halten, wonach der Begründungszusammenhang (also die „eigentliche“ wissenschaftliche Erforschung eines Objekts) wertfrei zu sein hat – aber natürlich nicht der Entstehungszusammenhang (was wird erforscht, welche Vorannahmen werden getroffen etc.) und auch die der Verwendungszusammenhang. Nun muss es so etwas wie eine „korrektive Rückbezüglichkeit“ geben, sofern man im Bereich des Begründungszusammenhangs merkt, dass man eventuell zu enge/falsche Vorannahmen getroffen hat – auch, wenn dies z.B. den eigenen Erwartungen/Hoffnungen widerspricht. Kann/mag man das nicht tun, muss man dies zumindest deutlich machen (es mag z.B. wissenschaftsethische Gründe geben, im Vorfeld bereits eine Auswahl zu treffen – oder natürlich finanzielle, oder …): man muss also als angesichts der Charakters der „korrektiven Rückbezüglichkeit“ bereit sein, den Ausgangspunkt zu ändern bzw. zu modifizieren.

Das der Verwendungszusammenhang nie wertfrei sein kann, ist klar. Und hier kommen wir zu dem (bereits angedeuteten) Problem, dass es der Fall sein, dass eine wie auch immer geartete Forschung als solche – z.B. wegen der Unmöglichkeit, sie geheim halten zu können** - Konsequenzen mit sich bringen kann, die niemand erhofft. Es gibt keine Patentlösung, wie damit im Detail umzugehen ist. Dass aber die von Dir erwähnte Aufklärung (in den meisten Fällen: siehe die angesprochen Problematik) ein sehr wichtiger Punkt ist, ist klar.

* hier gibt es einen kleinen Überblick: http://www.scienceblogs.de/weitergen/201...s-dem-labor.php
** hier taucht auch das Problem auf, dass Wissenschaft von Transparenz lebt

Gruß
Holofernes
Der Widerstand gegen den Modernismus wurde effektiv gebrochen, indem überall ein gemäßtigter, 'koffein-freier' Modernismus gepredigt wird. Die moderne Philosophie dahinter ist - alles ist genießbar, und wenn nicht, machen wir es genießbar. Beispiel Dschungelcamp: ging es zuletzt doch darum, sich durch eine Serie von Gräbern zu schlafen, die mit Mehlwürmern, Spinnen, Ameisen und einem - natürlich - sedierten Krokodil gefüllt waren.

Dem Publikum wird da eigentlich satirisch vorgeführt, WAS seine Aufgabe ist. Als Belohnung gibt es eine Ration abgezählter Schoko-Kekse.

Bemerkenswert außerdem, daß das Ziel des Spiels lautet, nicht zu sagen: "Ich bin ein Star, holt mich hier raus", sondern vielmehr zu demonstrieren, "Ich bin kein Star, laßt mich hier drin".

--
metin
Zitat:
Original von T1982
Das menschliche Streben, die eigenen Grenzen zu überschreiten, ist dabei immer wieder als ein Akt der Hybris betrachtet worden (vgl. z.B. viele Beispiele aus der griechischen Mythologie). Eine grundsätzliche Revision dieser Sicht fand vielerorts ab der Renaissance im Rahmen von Humanismus und Aufklärung statt: hier entdeckt man einen Wandel bei der Einstellung bzgl. der Selbstverantwortlichkeit des Menschen (vgl. z.B. Pico, Bacon). Nach ihrer physikalisch orientierten Begründung rückte die neuzeitliche Naturwissenschaft mehr und mehr den Menschen selbst in den Mittelpunkt naturwissenschaftlicher Untersuchungen. Damit wuchs auch der Raum, wissenschaftlich begründet über (technische) Manipulationen am Menschen oder über technikbedingte Gesellschaftstransformationen zu sprechen (vgl. z.B. Bacon, La Mettrie, Condorcet, Franklin, Darwin): das Wohl der Gesellschaft bzw. der Menschheit insgesamt sollte von solchen Überlegungen abhängig sein.


Hallo T1982,
kannst mir dieser Zeilen erläutern. Bis zur Renaissance war bestrebt die menschlichen Grenzen zur überschreiten. Nach der Renaissance haben die Menschen erkannte, dass Erfüllung dieser bestreben nicht möglich ist. deshalb kamen zur Revision dieser bestreben. Welche Erkenntnis führte zur dieser Revision? Revision heiß doch man bestimmten Ziele nicht verwirklichen, weil es nicht möglich ist? Was bedeutet Aktion der Hybris? Habe ich dieser Sätze richtig verstanden?


Zitat:
Im 19. und 20. Jahrhundert gab es neben den im vorherigen Post erwähnten Beispielen natürlich sehr (!) viele sich zum Teil widersprechende Abhandlungen zu genau diesem Komplex (vgl. z.B. Kapp, Cassirer, Benjamin, Heidegger, …) und insgesamt rückte dieses Thema mehr und mehr in den Mittelpunkt. Es hatte sich nun nämlich in der Techniklandschaft etwas verändert, was nochmal eine neue Stufe hinsichtlich der Chancen und Gefahren – oder allgemein, hinsichtlich des technischen Potentials – bedeutete: die industrielle Vernetzung verschiedener Formen von Technik (z.B. bei vertikalen Produktionssystemen oder horizontalen Infrastrukturen) sorgte für eine davor nie gekannte Dynamik technischer Evolution – und die Eigengesetzlichkeit der Technik, die mancherorts feststellbare Losgelöstheit technischer Produkte von ihrem ursprünglichen Zweck und die Globalität technischer Formungsprozesse bzgl. gesellschaftlicher Lebensformen machte die neue „Macht“ der Technik und die Notwendigkeit einer breiten Reflexion deutlich.

Warum rückte die Gefahr der Technik in den Mittelpunkt der Überlegung? Waren davor miit der Technik viele Hoffnung verbunden, die sich nicht erfüllte haben,

Zitat:
Der 2. Weltkrieg sorgte dann (kurzzeitig) für eine Tendenz zur negativen Sicht auf die Technik: es war nicht nur die faschistische Ästhetisierung des Krieges und der verwendeten Technik (Benjamin), die hier eine Rolle spielte, sondern u.a. auch der technikbedingte Plan des Genozids und die breite Wirkmacht von Atomwaffen. Dazu kamen auch Einwände gegen ideologische Formen der Eugenik, wodurch diese insgesamt in Verruf geriet (man beachte, dass Eugenikprogramme weit verbreitet waren: u.a. in den USA, Australien, Kanada, Schweden, Dänemark, Finnland, Schweiz, wobei alleine über 60.000 Zwangssterilisationen zwischen Anfang des 20. Jahrhunderts und den 1960ern in den USA stattfanden). Die Erfolge ab Anfang der 2. Hälfte des 20. Jahrhundert z.B. in Medizin, der Raumfahrt oder der Informationstechnik sorgten dann nach und nach wieder dafür, dass Technik in weiten Teilen als etwas betrachtet wurde, was dem Wohle der Menschheit dient.

Nach 2te Weltkrieg würde die Technik negativen gewertet. Der Grund für negativen Bewertung war der Krieg, alss die Erhöhung der Verwüstungspotential und die ideologische Auslesen durch Eugenik, also unwertes Leben wird durch die Technik.
Durch die Erfolgen in der Medizin, der Raumfahrt oder Informationstechnik ab 1950 führen zu eine Verwandlung der Bewertung der Technik. Ab diesen Zeitpunkt würde die Technik wieder als etwas betrachtet, was zum Wohle der Menschheit dient. Also als etwas helfen kann, den Lebenstandard verbessern kann. die Wandlungen der Betrachtungsweisen der technik kann man gut nachvollziehen. Aber ob die Raumfahrt wirkliche zum Wohle der Menschheit dienlich ist, das ist eine Frage für sich.

Zitat:
Vor diesem Hintergrund haben sich dann bis heute in der Tat die zwei erwähnten Richtungen gehalten: man ist sich größtenteils einig, dass die Technik zu einer Entfremdung des Menschen von einer ursprünglichen Lebensweise geführt hat – und zwar in einem davor nie geahnten Ausmaß.

Wieso entfremdet die Technik des Menschen vom seiner Wesen bzw. vom seiner Umgebung?
Liegt die ursache für die Entfremdung in der Kluft, die durch die Technik verursacht wird? die Technik schafft eine künstliche Umwelt, die den Eindruck produzieren, als dieser künstliche Umwelt mit natürlichen Umwelt nichts zu tun hat.

Es ist mir bewusste, dass du mit diesem Beitrag eine Überblick geben wolltest. Aber ich habe mit Beitrag intensive beschäftigt, weil der Beitrag den Eindruckt vermittelte, als ob du vom Thema Ahnung hast.
Es würde mich freuen, wenn du für mich Verständnis aufbringen könntest und die Fragen beantworten könntest. Die Entwicklung der Technik und Bewertung der Menschen interessier mir sehr. Meinst du, das sind die Fragen deer moderne Philosophie?

Lieber Grüssen
Metin Öztaskin
T1982
Zitat:
Original von metin
Hallo T1982,
kannst mir dieser Zeilen erläutern. Bis zur Renaissance war bestrebt die menschlichen Grenzen zur überschreiten. Nach der Renaissance haben die Menschen erkannte, dass Erfüllung dieser bestreben nicht möglich ist. deshalb kamen zur Revision dieser bestreben. Welche Erkenntnis führte zur dieser Revision? Revision heiß doch man bestimmten Ziele nicht verwirklichen, weil es nicht möglich ist? Was bedeutet Aktion der Hybris? Habe ich dieser Sätze richtig verstanden?


Hi Metin.

Das heißt, dass der Wunsch bzw. das menschliche Streben, mittels Wissenschaft/Technik die naturgegebenen Grenzen zu überschreiten, sehr alt ist. Dabei haben diejenigen, die ein solches Vorgehen ablehnten, oft argumentiert, dies sei nichts anderes als eine Selbstüberschätzung/-überhöhung der Macht des Menschen und ein Handeln dieser Art stünde ihm nicht zu. In der Renaissance gab es auf breiter Ebene ein Umdenken dahingehend, was alles der Mensch selbst zu verantworten habe und inwiefern es (göttliche oder auch natürliche) Regeln gebe, die dem Menschen unabhängig von seinen eigenen Zielen/Wünschen eine Lebensform vorgeben: es wurde vermehrt das Augenmerk auf die Freiheit gelegt.

Viele Grüße

PS Das sind natürlich unter anderem (!) Fragen der modernen Philosophie
metin
Zitat:
Original von T1982
Hi Metin

Das ist ebenfalls eine alte Frage, die unter anderem gerade in Bezug auf die Veröffentlichung von Forschungen zu Mutationen zum in Science und Nature debattiert wird.*

Hallo t1982,
ALSO die Frage, über die Folgen der wissenschaftlichen Entdeckung ist genau alte wie die Wissenschaft selber. Sie wird im Zusammenhang mit H1N5- Influenza – Virus erneuert diskutieren. Wird dieser Virus im Volkmund Schweinegrippe genannt?

Zitat:
Man kann sich grundsätzlich durchaus an Max Webers Postulat der Wertfreiheit der Wissenschaft halten, wonach der Begründungszusammenhang (also die „eigentliche“ wissenschaftliche Erforschung eines Objekts) wertfrei zu sein hat – aber natürlich nicht der Entstehungszusammenhang (was wird erforscht, welche Vorannahmen werden getroffen etc.) und auch die der Verwendungszusammenhang.

Das verstehen nicht ganz. Der Begründungszusammenhang ist wertfrei, aber Verwendungszusammenhang aber ist nicht wertfrei. Ist Begründungszusammenhang und Verwendungszusammenhang das gleichen? Wertfrei bedeutet doch, dass die Verwendung weder gut noch Böse?

Zitat:
Nun muss es so etwas wie eine „korrektive Rückbezüglichkeit“ geben, sofern man im Bereich des Begründungszusammenhangs merkt, dass man eventuell zu enge/falsche Vorannahmen getroffen hat – auch, wenn dies z.B. den eigenen Erwartungen/Hoffnungen widerspricht.

MAN muss die Möglichkeit haben, die Annahmen, die bei der Begründung verwendet würde, falsche waren, zu korrigieren

Lieber Grüssen
Metin Öztaskin
T1982
Zitat:
Original von metin
Zitat:
Man kann sich grundsätzlich durchaus an Max Webers Postulat der Wertfreiheit der Wissenschaft halten, wonach der Begründungszusammenhang (also die „eigentliche“ wissenschaftliche Erforschung eines Objekts) wertfrei zu sein hat – aber natürlich nicht der Entstehungszusammenhang (was wird erforscht, welche Vorannahmen werden getroffen etc.) und auch die der Verwendungszusammenhang.


Das verstehen nicht ganz. Der Begründungszusammenhang ist wertfrei, aber Verwendungszusammenhang aber ist nicht wertfrei. Ist Begründungszusammenhang und Verwendungszusammenhang das gleichen? Wertfrei bedeutet doch, dass die Verwendung weder gut noch Böse?


Hi.

Unter Begründungszusammenhang wird ganz grob die (wissenschaftliche) Erklärung bei wissenschaftlicher Forschung verstanden – es geht also um das Wissen selbst. Unter Verwendungszusammenhang wird das Verwenden dieses Wissens verstanden – es geht also darum, was man mit dem Wissen macht.

Ein Beispiel – da können wir ja Deines aufgreifen: Wenn ich im Labor (mögliche) Mutationen am H1N5-Influenza-Virus untersuche und dabei zu wissenschaftlichen Erkenntnissen gelangen will, dann muss das Ganze frei von wissenschaftsexternen Wertannahmen sein. Es wäre also z.B. falsch, irgendwelche Indizien zu möglichen Mutationen, die mir (aus welchen Gründen auch immer) nicht gefallen, nicht weiter zu verfolgen. Hier geht es um den Begründungszusammenhang des wissenschaftlichen Wissens, der wertfrei zu sein hat. Was mit den Ergebnissen der Forschung dagegen angestellt wird, kann natürlich nicht wertfrei sein, sondern ist von Annahmen/Zielen geleitet, die nicht aus der wissenschaftlichen Forschung selbst kommen: mag ich Leuten schaden, baue ich eine Biowaffe, mag ich Leuten helfen, entwickle ich ein Medikament…

Grüße
metin
Zitat:
Original von T1982
Das heißt, dass der Wunsch bzw. das menschliche Streben, mittels Wissenschaft/Technik die naturgegebenen Grenzen zu überschreiten, sehr alt ist. Dabei haben diejenigen, die ein solches Vorgehen ablehnten, oft argumentiert, dies sei nichts anderes als eine Selbstüberschätzung/-überhöhung der Macht des Menschen und ein Handeln dieser Art stünde ihm nicht zu.

Hallo T1982,
also die Argumentation ist berechtigt, meine ich. Das Bestreben die naturgegebenen Grenzen ist nichts anderes als Selbstüberschätzung. Das ist unvernünftig. Solche Handeln steht uns nicht zu. Es ist vernünftige, die gegebenen Grenzen zu akzeptieren und in diesen Rahmen verantwortlich zu handeln.

Zitat:

In der Renaissance gab es auf breiter Ebene ein Umdenken dahingehend, was alles der Mensch selbst zu verantworten habe und inwiefern es (göttliche oder auch natürliche) Regeln gebe, die dem Menschen unabhängig von seinen eigenen Zielen/Wünschen eine Lebensform vorgeben: es wurde vermehrt das Augenmerk auf die Freiheit gelegt.

Wie kann man sich das Phänomen des Umdenken erklären? Liegt es vielleicht daran, das man sich auf den Wert der Vernunft besann?
Heiß Renaissance nicht die Wiedergeburt vom Geist der Antike? Humanismus und Aufklärung.

Lieber Grüssen
Metin Öztaskin
metin
Zitat:
Original von T1982
Hi.

Unter Begründungszusammenhang wird ganz grob die (wissenschaftliche) Erklärung bei wissenschaftlicher Forschung verstanden – es geht also um das Wissen selbst. Unter Verwendungszusammenhang wird das Verwenden dieses Wissens verstanden – es geht also darum, was man mit dem Wissen macht.


Hallo T1982,
vielen Dank für Antwort.Ich glaube, ich habe verstanden, worüber es geht. Ich vermute, es würde ursprünglich geforscht, um die Zusammenhang in Natur zu erkennen und auf dieser Weise die Pflichten gegenüber der Natur zu erfüllenn. Dann würde geforscht, um die Umwelt nach seiner Vorstellung zu gestalten, also die Umwelt besser ausnutzen.
Ich würde das erste als Begründungszusammenhang und das zweite Beispiel als Verwendungszusammenhang betrachten.

[/quote]st Ein Beispiel – da können wir ja Deines aufgreifen: Wenn ich im Labor (mögliche) Mutationen am H1N5-Influenza-Virus untersuche und dabei zu wissenschaftlichen Erkenntnissen gelangen will, dann muss das Ganze frei von wissenschaftsexternen Wertannahmen sein. Es wäre also z.B. falsch, irgendwelche Indizien zu möglichen Mutationen, die mir (aus welchen Gründen auch immer) nicht gefallen, nicht weiter zu verfolgen. [/quote]
als man muss Ergebnis offen sein. Wenn man in die Forschung mit bestimmten Erwartung rein geht, dann ist es keine Forschung. Wenn man mit Erwartung in die Forschun geht, dann überstülpen man seiner Vorstellung auf die Natur.

Zitat:
Hier geht es um den Begründungszusammenhang des wissenschaftlichen Wissens, der wertfrei zu sein hat. Was mit den Ergebnissen der Forschung dagegen angestellt wird, kann natürlich nicht wertfrei sein, sondern ist von Annahmen/Zielen geleitet, die nicht aus der wissenschaftlichen Forschung selbst kommen: mag ich Leuten schaden, baue ich eine Biowaffe, mag ich Leuten helfen, entwickle ich ein Medikament…

Natürlich ist der Verwendungszusammenhang nicht wertfrei. Zum Beispiel die Agrarwissenschaft such nach Getreidearten, die Ertragsreich ist um die Bevölkerung, die immer wird, mit Grundnahrung zu versorgen.
Ich denke, man kann wissen über Kernspaltung so nutzen, das es für die Menschheit nützlich ist, indem man zu Energiegewinnung nutzen. Aber auch so, dass es für Menschheit schädlich ist, indem man Atomwaffen bauen und nutzen.
Hier kann man die Frage reinbringen, ob die Kernenergie für die Menschheit wirklich nützlich ist, wenn das Problem der Müllentsorgung mit bedenken.

Lieber Grüssen
Metin Öztaskin