Philosophie des 20.Jahrhunderts

Archibald
Ich behaupte, die Haupttendenz der Philosophie des 20. Jahrhunderts war der Trend zum soziologisch/ gesellschaftlichem Denken, welches dem allgemeinen (metaphysischen) philosophischen Denken entgegengesetzt ist.

Wer sieht das auch so (oder aber anders) ?

Hat diese "Soziologietendenz" (wie ich denke) zur Folge gehabt, daß man Metaphysisches versuchte, zu verkonkretisieren, und dieses "Konkrete" dann mit dem Abstrakten (metaphysischen) gleichgesetzt hat?

Beispiel Dialektik:

Dialektik bezieht sich auf Gegensätze ("Gegensätze" = metaphysisch)

Die für den Menschen relevanten Gegensätze beziehen sich auf gesellschaftliche Machtverhältnisse (konkret)

Dialektik bezieht sich auf Machtverhältnisse.
Fionn
Meiner Ansicht nach war der "Trend" des 20. Jahrhunderts die Hinwendung zur Sprache und Versprachlichung der Welt. Die Gesellschaftsbeschreibungen sind ja auch nichts anderes als ein Sichtbarmachen der Welt mittels Sprache.
Deine Beschreibung finde ich eher für die zweite Hälfte des 19. jahrhunderts passend.

Auch Dein Verständnis von Dialektik finde ich verkürzt; dialektische Prozesse (im quasi-hegelschen Sinne also mehrfache "Aufhebungen") werden gerade im 19. und 20. Jahrhundert auf alles Mögliche bezogen. Bei Schopenhauer und auch Nietzsche bleibt der "Mechanismus" der Welt unklar, dunkel, blind und dionysisch; dabei aber antimythisch!
Adorno beschreibt mit seiner negativen Dialektik andererseits selbige als nicht sinnvoll gerichtete Bewegung, die ihren Sinn erst durch Interpretation gewinnt (und damit instrumentalisierbar wird; hier decke ich mich mit der Dialektik der Machtverhältnisse).

Ich würde also so trennen:

19. Jahrhundert:

Auflösung des Idealismus in die Auseinandersetzung von Positivismus (z.B. Comte) und kritischer Theorie (Bergson, Schopenhauer) und Nicht-Theorie (z.B. Nietzsche) bzw. Linkshegelianismus in der Bewegung hin zur Ideologie (z.B. Marx)

20. Jahrhundert

ante WW II: Atomismus, bzw. physikalisches Weltbild versus Ideologie versus Neoidealismus.
post WW II: "LinguisticTurn"; Existentialismus; politische Theorie; Wissenschaft als Netzwerk; Kommunikation als sich gegenseitig beeinflussende Diskurse (wobei ich den LT als tertium comparationis der folgenden sehe).

Fionn
Nylen
Ich sehe das das Jahrhundert sehr verschiedene und manigfaltige Strömungen erzeugt und fortgeführt hat.

Ich halte die Errungenschaften der Physik und die Auslöschung der primitiven Metaphysik, einerseits durch Sprackkritik, andererseits durch das erfolgreiche Beantworten vormals metaphysischer Fragen, für das entscheidene im 20. Jahrhundert.

Um nur ein Beispeil zu nennen. Der Atomismus war eine vormals Metaphysische Theorie, doch seit dem 20. Jahrhundert wissen wir das die Welt sich tatsächlich als aus Atomen bestehend vollständig beschreiben lässt. Allerdings führte die Erkenntnis das die Grundelemente der Materiellen Welt sich weiter spalten lasseb und letztlich nicht mehr materiell bezeichnet werden können, zu Weiterentwicklung des Materialismus und neuen metaphysischen Fragen. Nimm die Fragen was vor dem Urknall war. Auch der Urknall ist ja kaum 50 Jahre alt als Theorie.

Im ethischen Bereich finde ich die Okölogie und Tierschutz Ethik als grösste Errungenschaften.

Leider sah dieses Jahrhundert auch eine Abkehr von den Prinzipien der Vernunft und der Tugend, und da für Deutsche klar zu nennen die nationalsozialistische Ideologie und der Faschismus.

Jedenfalls sehe ich die Menschheit am Anfang des neuen Jahrhundert in Fragen der erkenntnis viel weiter als das vor 100 Jahren der Fall war, und vieles lässt mich auf eine bessere Welt hoffen.
Archibald
Zitat:
Original von Nylen
Ich sehe das das Jahrhundert sehr verschiedene und manigfaltige Strömungen erzeugt und fortgeführt hat.

Ich halte die Errungenschaften der Physik und die Auslöschung der primitiven Metaphysik, einerseits durch Sprackkritik, andererseits durch das erfolgreiche Beantworten vormals metaphysischer Fragen, für das entscheidene im 20. Jahrhundert.

Um nur ein Beispeil zu nennen. Der Atomismus war eine vormals Metaphysische Theorie, doch seit dem 20. Jahrhundert wissen wir das die Welt sich tatsächlich als aus Atomen bestehend vollständig beschreiben lässt.Im ethischen Bereich finde ich die Okölogie und Tierschutz Ethik als grösste Errungenschaften.

Leider sah dieses Jahrhundert auch eine Abkehr von den Prinzipien der Vernunft und der Tugend, und da für Deutsche klar zu nennen die nationalsozialistische Ideologie und der Faschismus.

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Der Witz bei dr Sache ist, daß sich rein metaphysische Fragen nie wirklich befriedigend beantworten lassen.

Ich wage zu bezweifeln, daß man die Welt mittels Atomen "vollständig beschreiben" kann.

Mit dem Faschismus wurde sich außerdem nie wirklich auseinandergesetzt, das ist eben ein Problem der Ethik, sie wird a priori gesewas m.E. unzulässig ist.
Nihility
Für mich ergeben sich die Grundprinzipien des 20. Jahrhunderts bereits mit der Aufklärung.

Einerseits wird die Welt abstrahiert:
Raum und Zeit verlieren mit Brief, Rundfunk, Fernsehen, Telefon, Handy und Internet oder mit Eisenbahn, Flugzeug oder Auto ihre Relevanz. Die Welt wird mit dem technischen Fortschritt umgestaltet und an unsere Gedankenwelt angeglichen. Die Menschen entfremden sich von ihrem konkreten Körpern zu Lebewesen, die als Geistwesen auf gedanklichen Internetforen ihre Beiträge schreiben.

Andererseits wird Kultur abgebaut:
Die Abstraktion führt nich etwa zu mehr Kultur - im Gegenteil wird diese abgebaut. Die Faustformel der franz. Revolution "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" war eine enorme Versimplifizierung der damaligen komplexen Standesverhältnisse. Mit der Bekämpfung des Nationalismus, des Rassismus oder des Sexismus wurden komplexe Gesellschaftliche Regelungen zerstört. Das spiegelt sich in unserer komplexen Gesellschaft wieder. Die Multikulturelle Gesellschaft führt schließlich zu einer Gesellschaft ohne Kultur - genauer: eine Gesellschaft wo jeder seine individuelle "Kultur" hat
Archibald
Zitat:
Original von Nihility
Für mich ergeben sich die Grundprinzipien des 20. Jahrhunderts bereits mit der Aufklärung.


Andererseits wird Kultur abgebaut:
Die Abstraktion führt nich etwa zu mehr Kultur - im Gegenteil wird diese abgebaut. Die Faustformel der franz. Revolution "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" war eine enorme Versimplifizierung der damaligen komplexen Standesverhältnisse. Mit der Bekämpfung des Nationalismus, des Rassismus oder des Sexismus wurden komplexe Gesellschaftliche Regelungen zerstört. Das spiegelt sich in unserer komplexen Gesellschaft wieder. Die Multikulturelle Gesellschaft führt schließlich zu einer Gesellschaft ohne Kultur - genauer: eine Gesellschaft wo jeder seine individuelle "Kultur" hat


Das sehe ich auch so.
Aber: Auch diese Tendenz IST Kultur.
Alles, was einer Tendenz unterworfen ist, ist irgendwie Kultur.
instanton
<<soziologisch/ gesellschaftlichem Denken, welches dem allgemeinen (metaphysischen) philosophischen Denken entgegengesetzt ist.>>

Ich denke auch, dass man sich sehr stark mit soziologischen fragestellungen zu beschäftigen begann, dennoch finde ich nicht , dass man dabei von „entgegengesetztem“ Denken sprechen kann. Das eine kommt aus dem anderem hervor. Angesichts der realen gegebenheiten der welt, war der zwang da, im mikrokosmos der welt zu verstehen, warum dies und jenes passiert. (das böse, ....) am bsp des bösen lässt sich das sehr gut veranschaulichen. Man kann versuchen zu erklären wie das böse in die welt kam, was gott damit zu tun, ob man das rechtfertigen kann (z.b theodizeefrage), oder warum es das gibt, welchen sinn es im ganzen hat (weltgeist... idealismus...), aber man kann auch von der realen lebenswelt an die sache rangehen. Man kann beim kleinen beginnen, und vom menschen her danach fragen.
Ich diskutiere im moment sehr eifrig mit zwei freunden über das thema. einer versucht ständig, das böse mit gott in einklang zu bringen bzw das zu hinterfragen. Wir haben genau diese situation, wie man das thema angeht.

Nun, im 20.jhd hatten wir kriege, und die schlimmsten „abartigkeiten“ menschlichen seins... da war es natürlich danach zu fragen.

<<daß man Metaphysisches versuchte, zu verkonkretisieren, und dieses "Konkrete" dann mit dem Abstrakten (metaphysischen) gleichgesetzt hat?>>
ich würde mal weggehen von diesem gegensätzlichen denken. Ich denk, das bringt einen nicht unbedingt weiter immer das trennende zu sehen. Ich glaube nicht, dass es ein versuch war, das metaphysische zu verkonkretisieren. Man hatte einfach eine andere ausgangslage. Man setzte beim menschen an und arbeitet sich von dort her zu einem wenn man so will allumfassenden bild.
Das konkrete mit dem abstrakten gleichsetzen, klingt nicht ganz einleuchtend für mich. Das abstrakte hat ja eine grundlage, die aus dem konkreten kommt. Die dialektik z.B konnte auch nur entstehen, da man meinte die welt verhält sich so (man sah diese gegensätze in der unmittelbaren lebenswelt)
Ich würd fast sagen, was da zum 20. jhd hin passiert ist, ist ein Genaueres Hinsehen.


<<Dialektik bezieht sich auf Machtverhältnisse. >>

das versteh ich nicht ganz. Ich denke nicht dass jegliche bereiche der welt nur auf machtverhältnissen aufbauen. Ich denke auch, dass macht nicht etwas ursprüngliches ist sondern mit der zeit evolviert ist, was wir aber aufgrund unseres (beschränkten) erlebnishorizonts nicht so wahrnehmen.

Ich glaube nicht, dass das 20. jhd sich vom „bisherigen“ denken in fundamentaler weise abhebt. Es hat sicher revolutionäre entdeckungen gegeben, die das verständnis vom menschen und von der welt verändert haben. (abschied vom mechanistischen weltbild z.B durch die relativitätstheorie und die heisenberg’sche unschärferelation...)
Das trennende, gegensätzliche denken ist aber nach wievor erhalten geblieben. Die poststrukturalisten in frankreich setzen erstmals an, dies zu „dekonstruieren“. ...
Wolf
An Instanton:

Deinen Gesprächsversuch mit den anderen möchte ich nicht stören; Du sprichst aber Bereiche des Denkens an, die ich allersamt als unerläßlich für die Klärung des Phänomens "Das Böse" erachte - so den "abschied vom mechanistischen weltbild z.B durch die relativitätstheorie und die heisenberg’sche unschärferelation" und dann auch den, wie Du vielleicht weißt von Freuds Psychoanalyse maßgeblich miteinbeflußten Strukturalismus.

Zwei Fragen wären jetzt, die ich an Dich hätte:

-- Welche Bedeutung mißt Du dem mechanistischen Weltbild bei? Siehst Du es etwa im Widerspruch zur pantheistischen These der Begeisterung aller Materie im Kosmos - nicht nur des sumerischen 'Lehms', aus dem dann Adam = Ekidu [s. Gilgamesh-Epos]) geknetet wurde? Oder was sonst?

-- Inwiefern haben die Poststrukturalisten angefangen, das trennende, gegensätzliche Denken zu dekonstruieren?

Meinst Du mit "'Dekontruktion" die konstruktive, vom synthetisch/-intuitiven Denken zu leistende Wiedervereinigung aller vom analytisch-/rationalen Denken der hellenischen Naturphilosophen erstmals -zwecks Übersicht und Arbeitsteilung - in Einzel-Fächer zerlegten 'Natur' zu einem wie ehedem in sich geschlossenen Weltbild? Wiedergewinnung einer echten en zyklos paidaia?


Für die Frage, wie eine Diskussion über das "Böse" vielleicht am besten anzugehen wäre, eine dialektisch erstellte Definition mit "Wille zur Macht" im Sinne Nietzsches::

THESE: Die Natur verkörpert das Wahre, das Gute und das Schöne.

ANTITHESE: Das Böse stellt ein Phänomen dar, das nirgendswo in der Natur zu beobachten ist - d.h. mit keinem ihrer wahren, schönen und guten Gesetze in Übereinstimmung zu bringen; Das einzige Wesen, welches - demnach offensichtlich selbstverschuldetermaßen /s.a. Kant) - vom Bösen (= Naturwidrigen) befallen wurde - im Leiden befindlich, statt im Zustand des "Glücks" -, ist also erst der Gesellschaftsmensch/ psychisch pervertierter 'homo sapiens'). Der selbe erschuf anhand seines irrenden Geistes den religiösen Gott als das animistische nach 'außerhalb' des Kosmos projizierte Ebenbild seines entarteten Empfindens, Denkens und Verhaltens - "Fürst dieser Welt" und oberster Verwalter des Systems, des Bösen.

SYNTHESE: Das Böse wird aus der Welt geschafft a) durch eilenktisch-sokratische Säuberung des bewußten Denkens von den naturfeindlichen Scheinwert- und -glücksvorstellungen unserer wahnsinnigen Gesellschaft, b) durch traumanalytisch zu gewinnende Selbterkenntnis des Unbewußten (wo die eigentliche Natur, das ES, des h.sapiens lebendig begraben wurde) und c) durch Revidierung des Irrtums, der u.a. durch die instinktverarmende "moralische Erziehung" jedes als 100%iger Naturmensch geborenen Kindes zur Entstehung des Bösen hinführt/e...
Archibald
Zitat:
Original von instanton
<<daß man Metaphysisches versuchte, zu verkonkretisieren, und dieses "Konkrete" dann mit dem Abstrakten (metaphysischen) gleichgesetzt hat?>>
ich würde mal weggehen von diesem gegensätzlichen denken. Ich denk, das bringt einen nicht unbedingt weiter immer das trennende zu sehen. Ich glaube nicht, dass es ein versuch war, das metaphysische zu verkonkretisieren. Man hatte einfach eine andere ausgangslage. Man setzte beim menschen an und arbeitet sich von dort her zu einem wenn man so will allumfassenden bild.
Das konkrete mit dem abstrakten gleichsetzen, klingt nicht ganz einleuchtend für mich. Das abstrakte hat ja eine grundlage, die aus dem konkreten kommt. Die dialektik z.B konnte auch nur entstehen, da man meinte die welt verhält sich so (man sah diese gegensätze in der unmittelbaren lebenswelt)
..



@ Instanton:

Nun, das Metaphysische ist eine Art abstrakte Quinteszenz des Konkreten, welche es ohne das Konkrete nicht geben könnte, soweit o.k.
Aber: Dieses Abstrakte wird doch erst durch einen Sinnzusammenhang überhaupt erst in das Konkrete eingebunden, und, ich sehe den Wegfall dieses Sinnzusammenhanges als Hauptendez der P. des 20. Jh-derts.
Friedhelm
Das sicher sehr philosophische 20. Jahrhundert:
Ich sehe Friedrich Nietzsche von Kant, Schopenhauer, Stirner und Darwin geprägt den europäischen/deutschen, den amerikanischen und südafrikanischen Nationalismus, Rassismus und Kolonialismus rechtfertigen. Ich sehe die Dialektik und Soziologie von Marx, Engels und Lenin als den gewaltigsten Versuch der Menschheitsgeschichte, die Versorgung des Menschen mit Brot und Bildung statt nach Regeln des Profits nunmehr nach Regeln der Vernunft zu organisieren. Und will man die Berliner Mauer derart philosophisch sehen, war sie das größte philosophische Bauwerk der Geschichte. winken
Von diesen weltanschaulichen Katastrophen bestimmt sind Versuche der Selbstbesinnung: Heidegger, der Existenzialismus um Sartre, die Soziologen der Frankfurter Schule von Bloch, Adorno bis Jürgen Habermas.
Der gottlob wohl nachhaltigste Einfluß bis heute ging jedoch aus von Gottlieb Frege, 1848-1925, der einerseits weltweit die analytische Philosophie bestimmte, die Wiener Schule, Bertrand Russel, Quine, Carnap, Austin, Searle, Wittgenstein und A.J. Ayer, der andererseits bis in das wohl gewaltigste, jedenfalls mutigste philosophische Werk noch des 20. Jahrhunderts hineinwirkte, in die Erkenntnis- und Handlungstheorie „Die Welt und wir“ von Gerold Prauss, mit der Kant konsequent weitergeführt wird.
Gruß
Friedhelm
Archibald
Zitat:
Original von Friedhelm
Und will man die Berliner Mauer derart philosophisch sehen, war sie das größte philosophische Bauwerk der Geschichte. winken
Friedhelm


roll roll roll
Friedhelm
Zitat:
Original von Archibald
Zitat:
Original von Friedhelm
Und will man die Berliner Mauer derart philosophisch sehen, war sie das größte philosophische Bauwerk der Geschichte. winken
Friedhelm


roll roll roll


meinst Du mit philosophischer Veränderung den Bau oder den Abriß der Berliner Mauer?

Friedhelm
Archibald
@ Friedhelm:

Ich beziehe ich auf die Doppeldeutigkeit des Wortes "Größe".........
Friedhelm
Original von Friedhelm
Und will man die Berliner Mauer derart philosophisch sehen, war sie das größte philosophische Bauwerk der Geschichte.
Friedhelm

meinst Du mit philosophischer Veränderung den Bau oder den Abriß der Berliner Mauer?

"Berliner Mauer" wurde mit ihrem Abriß zum Synonym für den "Eisernen Vorhang".
Größe der "Berliner Mauer" kann nur quantitativ als groß verstanden werden: viel Beton; qualitativ war sie ein Armutszeugnis für die Glaubwürdigkeit der sozialistischen Idee ihrer Erbauer.

Als Phänomen der dialektischen Auseinandersetzung zweier gegensätzlicher Ideen wird diese Mauer wohl erst in 50 oder 100 Jahren Thema werden können, - solange jedenfalls, wie das sacrificium intellectus gegenüber der jeweils anderen Seite aus Political-correctness, Angst oder Gewohnheit noch besteht.

Friedhelm

Friedhelm
Archibald
Zitat:
Original von Friedhelm
Original von Friedhelm
................solange jedenfalls, wie das sacrificium intellectus gegenüber der jeweils anderen Seite aus Political-correctness, Angst oder Gewohnheit noch besteht.

Friedhelm

Friedhelm


@ Friedhelm:

Häääääh ?
Friedhelm
Zitat:
Original von Archibald
Zitat:
Original von Friedhelm
................solange jedenfalls, wie das sacrificium intellectus gegenüber der jeweils anderen Seite aus Political-correctness, Angst oder Gewohnheit noch besteht.
Friedhelm


@ Friedhelm:

Häääääh ?



tschuldigung: sacrificium intellectus = Denkverbot aus Gründen der politischen Übereinstimmung. Freude Man darf zwar sagen: Ziel der sozialistischen Idee war, der Menschheit etwas Böses anzutun. Nicht aber das Gegenteil.

Friedhelm
Tarvoc
Zitat:
Original von Friedhelm
Ich sehe Friedrich Nietzsche von Kant, Schopenhauer, Stirner und Darwin geprägt den europäischen/deutschen, den amerikanischen und südafrikanischen Nationalismus, Rassismus und Kolonialismus rechtfertigen.

Oj. Da muss ich widersprechen. Nietzsche hat die Deutschen gehasst, insofern kann man ihm wohl in der Tat Rassismus vorwerfen. Aber der deutsche Nationalismus war ihm ein Greuel sonder Gleichen. Für Nietzsche waren die Deutschen ein Volk von Sklaven, das selbst vor den schwächsten, dekadentesten und unfähigsten Herrschern noch buckelte. Der deutsche Nationalismus stand für ihn fast schon auf einer Stufe mit dem Christentum, was seine Ablehnung betrifft. Dafür hielt er zum Teil recht große Stücke auf das Judentum, obwohl er das Zeit seines Lebens immer wieder relativieren sollte. Auf jeden Fall verachtete er den damals erstmalig aufkommenden Antisemitismus ebenfalls als schwächliche Sklavenmoral. Und zum deutschen Kolonialismus sagte er überhaupt nicht viel, der war damals nämlich kaum im Gespräch. Das begann so richtig erst nach Bismarcks Entlassung 1889, und da war Nietzsche aufgrund seines Gesundheitszustandes schon nicht mehr in der Lage, auch nur noch irgendwas Sinnvolles zu äußern.

Zitat:
Original von Friedhelm
Man darf zwar sagen: Ziel der sozialistischen Idee war, der Menschheit etwas Böses anzutun. Nicht aber das Gegenteil.

Ich sage, was ich will. Zwinker Aber du hast Recht, eine neutralere Auseinandersetzung mit dem Sozialismus in Theorie und vergangener Praxis täte dem Westen durchaus gut...
Friedhelm
Zitat:
Original von Tarvoc
Zitat:
Original von Friedhelm
Ich sehe Friedrich Nietzsche von Kant, Schopenhauer, Stirner und Darwin geprägt den europäischen/deutschen, den amerikanischen und südafrikanischen Nationalismus, Rassismus und Kolonialismus rechtfertigen.

Zitat:
Original von TarvocOj. Da muss ich widersprechen. ...


Ich benutzte eine Redeweise. Natürlich hat er nicht persönlich diesen Unsinn gerechtfertigt. Er wurde benutzt, um dies zu rechtfertigen, - bzw. entsprechend verstanden oder interpretiert.


Zitat:
Original von Friedhelm
Man darf zwar sagen: Ziel der sozialistischen Idee war, der Menschheit etwas Böses anzutun. Nicht aber das Gegenteil.

Ich sage, was ich will. Zwinker Aber du hast Recht, eine neutralere Auseinandersetzung mit dem Sozialismus in Theorie und vergangener Praxis täte dem Westen durchaus gut...


Das wird noch etwas dauern, fürchte ich. Immerhin wurden in der NewYorkTimes im Zusammenhang mit den Erscheinungen der Globalisierung weite Abschnitte aus dem Kapital abgedruckt. Bei uns noch undenkbar.

Friedhelm
Telltale
@ Tarvoc

Zitat:
Nietzsche hat die Deutschen gehasst, insofern kann man ihm wohl in der Tat Rassismus vorwerfen.

Dem würde ich zustimmen, wenn die Deutschen eine Rasse wären.

Gruß
Telltale
Tarvoc
Zitat:
Original von Telltale
Zitat:
Original von Tarvoc
Nietzsche hat die Deutschen gehasst, insofern kann man ihm wohl in der Tat Rassismus vorwerfen.

Dem würde ich zustimmen, wenn die Deutschen eine Rasse wären.

Autsch. Man sollte schon wissen, wovon man spricht, wenn man über Rassismus redet. Es gibt überhaupt keine Menschenrassen in diesem Sinne. Und zu argumentieren, der Rassismus sei ein Hass auf eine andere Menschenrasse, ist bereits eine rassistisch geprägte Argumentation, auch wenn sich der, der sie verwendet, dessen vermutlich nicht bewusst ist.

Rassismus ist nämlich nicht einfach nur der Hass auf andere Menschenrassen, sondern Rassismus bedeutet:
Zitat:
Als Rassismus wird jede Theorie und Praxis verstanden, welche Menschen auf Grund realer körperlicher (wie Hautfarbe, Gesichtszüge) oder zugeschriebener Merkmale (wie vermeintliche Mentalität) in "Rassen" einteilt

http://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus (Hervorhebung von mir)

Um dies an einem anderen Beispiel zu verdeutlichen:
'Die Juden' sind auch keine Rasse, ebensowenig 'die Semiten'. Ersteres ist eine Religionsgemeinschaft und vielleicht noch ein Volk, zweiteres ist eine Sprachfamilie.
Trotzdem würde wohl jeder zustimmen, dass der Antisemitismus eine Form des Rassismus ist.