Tarvoc
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Original von Friedhelm
Ich benutzte eine Redeweise. Natürlich hat er nicht persönlich diesen Unsinn gerechtfertigt. Er wurde benutzt, um dies zu rechtfertigen, - bzw. entsprechend verstanden oder interpretiert. |
In Ordnung.
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Original von Friedhelm
Das wird noch etwas dauern, fürchte ich. |
Na... ich glaube, das setzt schon langsam ein...
Razor's Edge
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Original von Tarvoc
Nietzsche hat die Deutschen gehasst, insofern kann man ihm wohl in der Tat Rassismus vorwerfen. |
Naja, Rassismus kann man ihm hoechstens in sofern vorwerfen als er den Rassebegriff ueberhaupt gebraucht und auf Volksgemeinschaften anwendet - aber das waere mE schon uebertrieben. Ansonsten: Nietzsche hat nicht "die Deutschen" gehasst - im Gegenteil: er redet von gewissen Deutschen, insbesondere von den "alten Deutschen" in den hoechsten Toenen und nicht ohne eine Portion Stolz; der Hass geht hauptsaechlich auf seine Zeitgenossen, die "Reichsdeutschen".
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Original von Friedhelm
Ich sehe Friedrich Nietzsche von Kant, Schopenhauer, Stirner und Darwin geprägt den europäischen/deutschen, den amerikanischen und südafrikanischen Nationalismus, Rassismus und Kolonialismus rechtfertigen. |
Ein nationalsozialistischer Philosoph - ich weiss nicht mehr, welcher - hat mal in einem ironischen Moment gesagt: "Nietzsche war antinationalistisch, antisozialistisch und Gegner des Rassegedankens. Davon abgesehen haette er vielleicht einen hervorragenden Nazi abgegeben."
Tarvoc
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Original von Razor's Edge
Naja, Rassismus kann man ihm hoechstens in sofern vorwerfen als er den Rassebegriff ueberhaupt gebraucht und auf Volksgemeinschaften anwendet - aber das waere mE schon uebertrieben. Ansonsten: Nietzsche hat nicht "die Deutschen" gehasst - im Gegenteil: er redet von gewissen Deutschen, insbesondere von den "alten Deutschen" in den hoechsten Toenen und nicht ohne eine Portion Stolz; der Hass geht hauptsaechlich auf seine Zeitgenossen, die "Reichsdeutschen". |
Stimmt. Da hast du wiederum Recht.
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Original von Razor's Edge
Ein nationalsozialistischer Philosoph - ich weiss nicht mehr, welcher - hat mal in einem ironischen Moment gesagt: "Nietzsche war antinationalistisch, antisozialistisch und Gegner des Rassegedankens. Davon abgesehen haette er vielleicht einen hervorragenden Nazi abgegeben." |
Dabei vergisst der betreffende Philosoph - ich weiss auch nicht, welchen du da meinen könntest - allerdings zu erwähnen, dass die Grundlage von Nietzsches Ideen immer ein irgendwie gearteter (und sicher niemals über Ambivalenz erhabener) Individualismus war, während der Nationalsozialismus wie jede Spielart des Faschismus eine durch und durch eine kollektivistische Idee war, dessen einzige individualistische Komponente die Privatphilosophie Adolf Hitlers selbst war, welche noch dazu pervertiert war und aus Nietzsches Sicht als reine Dekadenz hätte erscheinen müssen.
Telltale
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| während der Nationalsozialismus wie jede Spielart des Faschismus eine durch und durch eine kollektivistische Idee war |
Danke, Tarvoc. Deutlicher konnte es gar nicht gesagt werden. Und wer immer etwas anderes behauptet, hat wahrscheinlich nie etwas von Nietzsche gelesen, sondern sich in irgendwelchen Hörsälen oder Szenetreffs berichten lassen.
Für die gegenwärtige Epoche trifft ganz besonders zu, was Engels so ausdrückte: "Alles mögliche gekaut - nichts verdaut." Es gibt zumeist nur noch Second-Hand-Philosophie. Und auch Geschichte wird in kleinen, kurz geschnittenen Häppchen unters Volk gebracht, wie bei Guido Knopp. Es ist schon ein Unterschied, ob jemand etwas über Hitler von Knopp erfährt oder ob sich "Hitler - Eine Karriere" von J.C. Fest anschaut.
Allerdings:
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| dessen einzige individualistische Komponente die Privatphilosophie Adolf Hitlers selbst war |
bis dahin gehe ich ohne Widerspruch mit.
Doch dann:
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| welche noch dazu pervertiert war und aus Nietzsches Sicht als reine Dekadenz hätte erscheinen müssen. |
Jeder sollte sehr vorsichtig damit sein, Nietzsches Ansichten vorherzusagen. Das hat zu dessen Lebzeiten nicht hingehauen und würde es heute sicher auch nicht. Aber zur Beflügelung bzw. Überprüfung der eigenen Ansicht ist dessen Philosophie nur zu empfehlen. Aber es muß eben die eigene Ansicht sein, denn "Erkenne dich selbst" heißt nur dann "Erkenne Nietzsche" wenn man Nietzsche ist.
Okay, genug gebellt.
Gruß
Telltale
Hyperboreer
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Original von Tarvoc
Als Rassismus wird jede Theorie und Praxis verstanden, welche Menschen auf Grund realer körperlicher (wie Hautfarbe, Gesichtszüge) oder zugeschriebener Merkmale (wie vermeintliche Mentalität) in "Rassen" einteilt |
Richtig. Aber genau das tut Nietzsche in Bezug auf die Deutschen so nicht. Er geht jedenfalls nicht davon aus, dass einem Deutschen irgendwelche bestimmten Merkmale angeboren seien. Die Auffassung, dass bestimmten Völkern bestimmte Mentalitäten eigen sind, kann wohl kaum ernsthaft als rassistisch bezeichnet werden, sofern das Wort überhaupt einen Sinn haben soll. Nietzsche war kein Biologe sondern Kulturkritiker. Demnach ist auch sein Rassebegriff eher ein kultureller und nicht gleichzusetzen mit dem biologistischen der Nationalsozialisten oder anderer Ideologien.
Tarvoc
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Original von Hyperboreer
Danke, Tarvoc. Deutlicher konnte es gar nicht gesagt werden. Und wer immer etwas anderes behauptet, hat wahrscheinlich nie etwas von Nietzsche gelesen, sondern sich in irgendwelchen Hörsälen oder Szenetreffs berichten lassen. |
Allerdings sollte man Nietzsche auch nicht zu sehr verklären. Er war ja z.B. auch nicht gerade ein 'Demokrat' oder jemand, der die Demokratie als Staatsform hoch einschätzte, obwohl manche seiner heutigen Anhänger ('Anhänger Nietzsches' ist ja fast schon ein Widerspruch in sich selbst) das mit sehr großer Vehemenz behaupten...
Was die Nazis angeht, so soll Goebbels 'mal gesagt haben, dass man unbedingt verhindern müsse, dass das "einfache Volk" Nietzsche zu lesen bekommt. Wenn das so ist, dann sagt das ja schon fast viel aus...
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Original von Hyperboreer
Jeder sollte sehr vorsichtig damit sein, Nietzsches Ansichten vorherzusagen. |
Stimmt, das hätte ich lieber bleiben lassen sollen.
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Original von Hyperboreer
Richtig. Aber genau das tut Nietzsche in Bezug auf die Deutschen so nicht. Er geht jedenfalls nicht davon aus, dass einem Deutschen irgendwelche bestimmten Merkmale angeboren seien. Die Auffassung, dass bestimmten Völkern bestimmte Mentalitäten eigen sind, kann wohl kaum ernsthaft als rassistisch bezeichnet werden, sofern das Wort überhaupt einen Sinn haben soll. Nietzsche war kein Biologe sondern Kulturkritiker. Demnach ist auch sein Rassebegriff eher ein kultureller und nicht gleichzusetzen mit dem biologistischen der Nationalsozialisten oder anderer Ideologien. |
Nun, ich sagte ja auch nicht, dass man Nietzsche bezüglich der Deutschen als Rassisten bezeichnen könnte. Ich sagte:
Wenn überhaupt, dann...
Hyperboreer
Zunächst sei darauf hingewiesen, dass die ersten beiden von dir zitierten Textstücke nicht von mir, sondern von Telltale stammen. Nun denn:
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Original von Tarvoc
Er war ja z.B. auch nicht gerade ein 'Demokrat' oder jemand, der die Demokratie als Staatsform hoch einschätzte, obwohl manche seiner heutigen Anhänger ('Anhänger Nietzsches' ist ja fast schon ein Widerspruch in sich selbst) das mit sehr großer Vehemenz behaupten... |
Tatsächlich? Ich kenne niemanden, der das tut. Ich sehe auch keinen Grund dazu. Friedrich der Große oder Goethe waren auch keine Demokraten. Schopenhauer vererbte einen Großteil seines Besitzes an Hinterbliebene gefallener Soldaten der Konterrevolution von 1848/49. Thomas Mann war sogar noch während des ersten Weltkriegs überzeugter Monarchist ("Betrachtungen eines Unpolitischen"). Sich über so etwas zu empören oder gar als Einwand gegen die jeweiligen Personen heranzuziehen kann nur verwöhnten Demokratie-Philistern einfallen.
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| Was die Nazis angeht, so soll Goebbels 'mal gesagt haben, dass man unbedingt verhindern müsse, dass das "einfache Volk" Nietzsche zu lesen bekommt. Wenn das so ist, dann sagt das ja schon fast viel aus... |
In Anbetracht von Nietzsches Anti-Antisemitismus und seiner ausgeprägten Abneigung gegen "das Reich" ist das nicht allzu verwunderlich.
Tarvoc
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Original von Hyperboreer
Tatsächlich? Ich kenne niemanden, der das tut. |
Ich kenne da leider schon einige...
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Original von Hyperboreer
Sich über so etwas zu empören oder gar als Einwand gegen die jeweiligen Personen heranzuziehen kann nur verwöhnten Demokratie-Philistern einfallen. |
Telltale
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| Original von TarvocEr war ja z.B. auch nicht gerade ein 'Demokrat' oder jemand, der die Demokratie als Staatsform hoch einschätzte, obwohl manche seiner heutigen Anhänger ('Anhänger Nietzsches' ist ja fast schon ein Widerspruch in sich selbst) das mit sehr großer Vehemenz behaupten... |
Sicher, aber wir werden doch nicht die Übereinstimmung mit demokratischen Prinzipien oder Prinzipien überhaupt, zur Grundlage dessen legen können, ob eine Philosophie etwas wert ist oder nicht.
Ich will es ganz deutlich ausdrücken:
Habe ich die Wahl zwischen einem Prinzip und einem Satz, den ich denken kann, so wähle ich den Satz. Und zwar allein aus der Tatsache heraus, dass ich ihn denken kann.
Denn ob demokratische, kommunistische oder faschistische Prinzipien - sie müssen angenommen und geglaubt werden. Es gibt keine Ideologie - auch die demokratische nicht -, die konsistent und somit denkbar ist.
Gruß
Telltale
Tarvoc
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Original von Telltale
Sicher, aber wir werden doch nicht die Übereinstimmung mit demokratischen Prinzipien oder Prinzipien überhaupt, zur Grundlage dessen legen können, ob eine Philosophie etwas wert ist oder nicht. |
Habe ich auch nicht gesagt.
Telltale
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Original von Tarvoc
Habe ich auch nicht gesagt. |
Ja, ich weiß. Aber was sagst Du?
Fragt
Telltale